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Full text of "Herrn Johann Anderson, I.V.D. und weyland ersten Bürgermeisters der Freyen Kayserlichen Reichsstadt Hamburg, Nachrichten von Island, Grönland und der Strasse Davis, zum wahren Nutzen der Wissenschaften und der Handlung : mit Kupfern, und einer nach den neuesten und in diesem Werke angegebenen Entdeckungen, genau eingerichteten Landcharte : nebst einem Vorberichte von den Lebensumständen des Herrn Verfassers"

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und weyland erſten Buͤrgermeiſters der freyen Kayſerlichen 
| Reichsſtadt Hamburg, 


Grönland und pe; er Shafe Davis, 


zum wahren Nutzen der Wiſſenſchaften 


und der Handlung. | 
Mit Kupfern, und einer nach den neueſten und in dieſem Werke ange 
mag gebenen Entdeckungen, genau eingerichteten Landchurte. | 
Nebſt einem Vorberichte 


von den een des Herrn e e 5 


Hamburg / | 
verlegts Georg Chriftian Grund, Buchbr⸗ 1746. : 


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rn! unde 
des Herrn a een, | 


28) ann id sum u öſtem bin: mir in 
nachdenkliche Erwegung gezo⸗ 
gen, welchergeſtalt der große 
Schöpfer Himmels und der Erden den 
Reichthum feiner Macht, Weisheit und 
Guͤte in den rauheſten noͤrdlichen Gegen⸗ 
den eben ſo wenig, als in den ſaͤnftern 
und waͤrmern Welttheilen unbezeuget ge⸗ 
laſſen: welchergeſtalt die Naturwunder 
dorten eben fo haufig, als anderwaͤrtig, 

vorkommen, und den aufmerkſamen Be⸗ 
4 2 e 


Vorrede des Herrn Verfaſſers. | 


ſchauer noch auf eine beſondere Alt, olg⸗ 
lich um fo viel mehr ergetzen, und um fo ) 
viel fråftiger zum Preife des allgemeinen 
Schoͤpfers aufmuntern; ja we ſchergeſtalt wi 
endlich die Menſchen daſelbſt auf eben 


| fo anmerkenswuͤrdige, obgleich an ſich 


unfeinere, und gleichſam froſtige, Weile 
in den zu ihrer Erhalt und Nahrung un⸗ 


| entbehrlichen Geraͤthſchaften und Ge⸗ 


ſchaͤften, als die bequemer gelagerte, und 


beſſer angeführte Volker, nach ihren 
Umſtaͤnden, ihre Menſchlichkeit an den 


Tag legen: ſo iſt es mir nicht wenig zu 
Herzen gegangen, daß ich dabey zugleich 
wahrnehmen muͤſſen, wie ſowohl von 


den Inwohnern, aus grober Ungeſchick⸗ 
lichkeit, als von den Auslaͤndern, aus 5 


unverantwortlicher Unachtſamkeit, und 
ſchnoͤder Geringſchaͤtzung, ſolches alles 


bis daher nicht gebührend erwogen und 


u wenig berhſſtheaffns von 


Sehe 


Vorrede bes Herrn Verfaſſers. 


| beträchtlichen Gegenden der politern 
Welt durch den Druck bekannt gemachet 

worden. Es hat mich auch ſofort deſto 
pachdruͤcklicher angetrieben, darnach, fo 


viel bey meinen Umſtaͤnden thunlich, deſto 


fleißiger, doch mit behoͤriger Vorſich⸗ 
tigkeit, zu fragen, zu forſchen, und was 
ich davon zuverlaͤßig erfahren, ohnge⸗ 
ſaͤumt, um es der Vergeſſenheit zu ent⸗ 
reißen, aufs Papier zu werfen. N 
Vor wenigen Jahren habe ich durch 
| Zuſchub eines guten Freundes das 
Gluͤck und Vergnuͤgen gehabt, bey Ge⸗ 


legenheit der damals durch die Daͤnen | 
ohnfern der Straße Davis neuau⸗ 


gerichteten Colonien von denſelbigen Ge⸗ 


genden aus ein und andern, ſo allda 


eine zeitlang geweſen, ein mehrers und 
beſſers, als man bisher davon gewußt, 
zu erfragen und zu bemercken, welches 
ich A Nachricht hinten anzuhangen, 
| J)) 


Vorrede des Herrn Verfaſſers. 
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entſchloſſen bin. Zu gleicher Zeit und 
nachher habe ich mich beſonders bemuͤ⸗ 
het, von der großen und vieler Urſachen 
halber merkbaren Inſel Island, an 
ſtatt der verſtuͤmmelten, veralteten und 
mit unzaͤhligen groben Fabeln verderbten 
Kundſchaften, womit man ſich bis an⸗ 
itzo vergnügen muͤſſen, etwas neuers, 
wichtigers, vollſtaͤndigers und gruͤndli⸗ 
chers in Erfahrung zu bringen. Hierzu 
hat mir die Haupthandlung / welche von 
und mit dieſer Inſel gefuͤhret wird, nach 
Willen dienen muͤſſen, indem jährlich 
verſchiedene Schiffer, auch wohl ein oder 
mehrere Unterkaufleute, von daher mit 
Flackfiſch, Thran und dergleichen, gera⸗ 
des Weges nach der an dem Elbſtrom 
belegenen Koͤniglich⸗Daͤniſchen Veſte 
Gluͤckſtadt kommen, deren ein und an⸗ 
derer, weil ſie die mitgebrachte Waaren 
an gel nen der mae | 

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Vorrede des Herrn Verfaſſers. 


Boͤrſe abzuſetzen pflegen, gemeiniglich 
um die verabredete Gelder dafuͤr in Em⸗ 
pfang zu nehmen, in Perſon ſich in 
Hamburg einfindet. Aus dieſen habe 
ich die Aufmerckſamſten zu mir fuͤhren 
laſſen, und bald durch mancherley Fra⸗ 
gen, bald durch Vorzeigung verſchiede⸗ 
ner Naturalien meines geringen Vor⸗ 
raths⸗ ſie dahin angeleitet daß ſie, was 
ihnen von dem natürlichen und poli⸗ 
tiſchen Zuſtande dieſer Inſel, abſon. 
derlich deren Suͤd⸗ und Oeſtlichen 
Kuͤſte, (von welcher eigentlich die Waa⸗ 
ren kommen, damit Handlung mit den 
Hamburgiſchen Kaufleuten getrieben 
wird) ſamt den auf ſelbiger vorgehenden 
Gewerb⸗ und Handelſchaften aus ei⸗ 
gener Erfahrung bewußt, mir richtig 
und umſtaͤndlich erzehlet haben. Was 
ich nun von denſelben ſolchergeſtalt her⸗ 
reg was mir auch fonft von 
N 


Vorrede des Herrn Verfaſſers 
Island auf zuverlaͤßige Weiſe bekannt 
Grotte ſolches habe ich anfangs nur 
zu meinem eigenen Vergnuͤgen mit weni⸗ 
gem aufgezeichnet; nachhero aber zur 
Aufmunterung meiner Kinder, damit ſie 
nämlich die weit größere Wohlthaten und 
Beqvemlichkeiten, welche der milde Ge 
ber alles Guten uns und unſerm Vater⸗ 
lande vor jenen in geiſt⸗ und leiblichen ge 
ſchenket, deſto lebendiger zu erkennen, 
und mit ſo viel tieferer Ehrfurcht und 
Dank zu genießen angefriſchet werden 
moͤgten, in einige Ordnung gebracht, 
und mit beyfaͤlligen, aus der Natur und 
andern Wiſſenſchaften entlehnten Be 
trachtungen zu erlaͤutern und nutzbarer 
zu machen geſucht. Anitzo, da einige 
2 eee und 2 2 ) fer ae | 


Vorrede des Henn Safir. | 


| muthlich noch vielen anderen gleichge⸗ 
ſinneten zu einer nicht unangenehmen 
Nachricht und Erweckung zur Nachfolge 
und Ausbeſſerung nach ihren etwan ha⸗ 
benden beſſern Gelegenheiten, mithin zu 
weitern Verherrlichung des großen 
Schoͤpfers dienen konnte; fo habe ich, 

da wir ja, ein ieder nach unſerm Maaße, 
den Ruhm des Allerhoͤchſten und des 
Nächten Beſſerung aͤußerſt moͤglichſt zu 
befördern verpflichtet find, mich ohn⸗ 
ſchwer bereden laſſen, gegenwartige Nach 5 
richten iedermaͤnniglich, der ſie zu leſen 
begehret, in die Haͤnde zu geben, der un⸗ 
gezweifelten Zuverſicht, daß man meine 


dabey geaͤußerte wohlgemeinte Abſicht 5 


ſich werde gefallen laſſen, und die etwan 
eingeſchlichene Fehler der menſchlichen Un⸗ 
vollkommenheit, und meinen r 25 
. sig PRAHER: | 


a Vor⸗ 


Bon den geben des Herrn Bürgermei- 
5 Aubert i en 


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8 wird hosen den eeſern ki 
N ſeyn, wenn man dieſes Werk mit kur⸗ 

e zen und beglaubten Nachrichten von 
dem Leben des berühmten Verfaſſers begleitet. Aus⸗ 
waͤrtige lernen dadurch ſeine Verdienſte um den 
Staat und die Gelehrſamkeit naͤher kennen: und ſo 
viele rechtſchaffene Männer in ſeinem glücklichen Va⸗ 
terlande Zeugen und Bewunderer feiner unvergeßli⸗ 
chen Vorzuͤge geweſen ſind; ſo viele werden auch itt 


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einen kleinen Entwurf feiner Lebensumſtaͤnde und 


Verdienſte allhier mit deſto groͤſſerem Vergnügen 
finden, als man mit gaͤnzlicher Ausſchlieſſung der 
Schmeicheley nichts, als Wahrheiten, ob wohlnoch 
lange nicht alle meldet, die dem ſel. Herrn Buͤrgermei⸗ 
ſter Anderſon zum Nachruhm gereichen fönnten. 
Herr Johann Anderſon wurde den raten Merz 
1674 aus einer angeſehenen Familie gebohren, Sein 
Vater war Herr Ammon Anderſon, ein ruͤhm⸗ 
licher und vornehmer Kaufmann dieſer Stadt; zur 
Mutter hatte er Geſa, eine gebohrne Stahlen, 
eine Frau, welche wegen ungeheuchelter Froͤmmig⸗ 
keit und ſittlicher Vorzuͤge ihres Geſchlechts nicht 
unbekannt geblieben iſt. Es iſt mein Vorhaben 
nicht, ſeinen Ruhm aus dem Geſchlechtregiſter ſei⸗ „ 
ner Boreltern zu borgen, und feinem Leben durch 
ihre löbliche Handlungen einen Glanz mitzutheilen, 
der ihm uͤberflüßig waͤre. Ich werde d nur ſei⸗ 


ne 


vonden 2ebensum finden des Hrn. Verfaſſers. 


ne Großeltern nennen. Der Großvater, vaͤterli⸗ 
cher Seite war, Andreas Ammonſon, Kauf⸗ 
mann und aͤlteſter Rathsherr zu Gottenburg. Aus 
deſſen Vornamen, wie in Schweden und andern 
Nordlaͤndern der bekannte Gebrauch iſt, des Sohns 
Geſchlechtsname, und aus dem Geſchlechtsnamen 
des Vaters, des Sohns Vorname gemacht war. 
Getrud, eine gebohrne Oluffs, war die Großmut⸗ 
ter von dieſer Seite. Der Großvater von Mutter 
wegen, nannte ſich Johann Stahl, und war hie⸗ 
ſiger Stadt Oberalter; deſſen Frau, oder die Groß⸗ 
mutter muͤtterlicher Seite, war Magdalena Ler. 
petit, aus Frankfurt am Mayn. RE 
Gleich mit der Geburt nahm die Sorgfalt beg 
Eltern für die Erziehung ihres Sohns den Anfang. 
Sie bemuͤheten ſich ſeine Unſchuld in Sicherheit zu 
ſetzen, und ſeinen zarten Verſtand mit allen Erkennt⸗ 
niſſen zu beleben, deren er nur faͤhig war. Vor al⸗ 
len Dingen ſuchten ſie den Segen Gottes uͤber ihn 
zu ziehen, und er muſte ſich daher zu einer fruͤhen ; 
Gottesfurcht, als der einzigen Qvelle aller Gluͤckſe⸗ 
ligkeiten und eines ewigen Guten, gewöhnen. Man 
beobachtete in ſeinen zarten Jahren an ihm ein gu⸗ 
tes Herz, einen fertigen Verſtand und eine Faͤhig⸗ 
keit, die der Zukunft etwas Groſſes verſprach. Man 
übergab ihn daher zeitig dem Unterrichte geſchickter 
Lehrmeiſter, doch ſo, daß die Eltern dabey die Sorg⸗ 
falt fuͤr ſeine Erziehung, wie gemeiniglich die Mode 
iſt, nicht fahren lieſſen, ſondern durch ihre ſorgſa⸗ 
me Aufmerkſamkeit, den Schuͤler und Lehrer nur 
achtſamer und munterer machten. Schon in den 
Jahren, da ſich ” vielen das Bewuſtſehn me 
merk⸗ 


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Verberiche nen 


merklich woch entwickelte ſich en Talent. er 
hatte die lateiniſche j griechiſche und hebraͤiſche Spra⸗ 
chen zu einer Zeit bereits inne, da andere mit Er⸗ 
lernung derſelben kaum den Anfang machen; und 


es iſt bekannt, daß er ſich im Lateiniſchen und Grie⸗ 


chiſchen eine ſolche Staͤrcke erworben hat, als wenn 
er in dieſen Sprachen waͤre erzogen worden. Mit 
dieſen Huͤlfsmitteln widmete er ſich der Gottesge⸗ 
lahrtheit, doch ſo, daß er ſich vorher mit allen Theilen 
der Weltweisheit und der Mathematick genau bekannt 
machte. Die damahls berühmten Gottesgelehrten, 
Doct. Abraham Hinckelmann, und der ſel. Senior 
Joh. Winckler, nebſt andern gelehrten Maͤnnern, 
deren Privatunterricht man ihn anvertrauet, wa⸗ 
ren ſeine Anfuͤhrer. Der Entſchluß der Kirche zu die⸗ 
nen wurde indeſſen aus wohl überlegten Gründen, 


und nicht blindlings, geändert, wie gemeiniglich 


von denen geſchiehet, welche von der 3 | 
heit zur Rechtsgelehrſamkeit uͤberlauffen. Es geſcha⸗ 
he ſelbſt auf Anrathen des ſel. Doctor Hinckel⸗ | 
manns. Die vorgenommene Veränderung ermun⸗ 
terte feinen glücklichen Fleiß noch mehr, und er legte 
einen neuen Grund zu der groſſen Wiſſenſchaft 10 zu 
der er wirklich gelanget iſt. | 
Im Jahr 1694 den 24ten April begab ſich der 
Herr Anderſon im arten Jahre ſeines Alters unter 
Anfuͤhrung ſeines Hofmeiſters, Herrn Sebaſtian 
Gottfried Starcke, aus Bockendorf! in Sachſen, 
nachmaligen Lehrers der morgenlaͤndiſchen Sprachen 
zu Greifswalde, der dem ſel. Doctor Hinckelmann, 
waͤhrend ſeines Aufenthalts in Hamburg, bey der 
re ſeines Alcorans IR geweſen iſt / ur 


von den Lebeneumftänden des Hrn. Verfaſſers. 


deſſen getreuen Unterricht in den ſchoͤnen Wiſſen⸗ 
ſchaften er bey 4 Jahren empfangen, nach Leipzig. 
Von da that er eine Reiſe weiter in Sachſen, und ließ 
ſich die Werke der Kunſt und der Natur fo wohl in 
den fuͤrſtlichen Schloͤſſern als Bergwerken zeigen. 
Seine geſchriebene Anmerkungen; die er von ſächſi⸗ 
ſchen Seltenheiten gemacht hat, und die uͤber die acht 
Hefte ſtark find, beweiſen gnung, daß er kein blog 
ſer Bewunderer geweſen, und ſich ſchon damals 
mit der Hiſtorie, der Naturgeſchichte und den Al⸗ 
terthuͤmern, muͤſſe genau bekannt gemacht haben. 
Seine Zurück kreiſe nahm er uͤber Halle, wenige Ta⸗ 
ge vor der Einweihung dieſer hohen Schule; Allein 
ſein ſtrenger Fuͤhrer wolte ſich nicht bewegen laſſen 
den Tag dieſer feyerlichen Handlung abzuwarten; 
Indeſſen beſahe er doch hin und wieder bey den 
Kuͤnſtlern die Anſtalten. Nachdem ſie in Berlin 
das Merkwuͤrdigſte kennen lernen, kehrten ſie den 
ssten Junii wieder nach Hamburg zurück. 17570 


Im Jahr 1695 den sten May gieng er auf An⸗ | 


rathen und Gutbefinden feiner vernünftigen Eltern 
und Freunde nach Halle. Hier war der geſchickte 
Academicus unermuͤdet. Er trieb die buͤrgerlichen 
Rechte mit Eifer, und machte ſich mit der Staatz 
geſchichte und Naturlehre und allen den Wiſſenſchaf⸗ 
ten, die einen wahren Rechtsgelehrten bilden, und 
ihm unentbehrlich ſind, ſehr genau bekannt. Er 
lernete die franzdſiſche, engliſche und italiänifche 
Sprache; indeſſen blieb er kein Fremdling i in ſeiner 
Mutterſprache, wie die meiſten Staatiſten und 
Rechtlehrer der damahligen Zeiten waren; er trieb 
dieſelbe und ihre Alterthuͤmer mit ſolcher Emſigkeit, 
als 


 Yorberihen 


als wenn dieſes feine Hauptwiſſenſchaft uh ſolte. 
Sein Fleiß, feine kluge und ſittſame Lebensart er⸗ 
warb ihm! die Hochachtung und Liebe ſeiner Lehrer. 

Im Jenner 1697 gefiel es der Vorſehung, den 
Hen Anderſon durch den Tod ſeines wuͤrdigen 
Vaters zu betruͤben. Er verließ daher in aller Eyle 
den Sitz der Muſen, und kam den 18ten beſagten 
Monats nach Hamburg zuruͤck. Die Zaͤrtlichkeit, 
womit er ſeinen Vater geliebet, der nagende Gram 
uͤber feinen Verluſt, und die beſchwehrliche Kälte; - 
die er auf der Reife ausgeſtanden, bemaͤchtigten ſich 
ſeiner Kraͤfte dergeſtalt, daß er eine harte Krankheit 

ausſtehen muſte. Kaum war dieſelbe uͤberſtanden, 
ſo vermehrte ſich ſein Fleiß mit dem Zunehmen ſei⸗ 
ner Kraͤfte wieder. Den loten April verließ er 
abermal die Seinigen, und trat eine Reiſe nach 
Holland an; Hier beſahe er die vornehmſten Oer⸗ 
ter und Städte, und machte ſich mit den beruͤhmte⸗ 
ſten Gelehrten und Kuͤnſtlern bekannt Zu Delft 
unterhielte er einen vertrauten Umgang mit dem 
Naturforſcher Loͤwenhoͤck, die Wunder der Natur, 
welche ihm dieſer aufmerkſame Mann zeigte, und 
die den Augen erſt e wurden, wenn er die Kunſt 
zu Huͤlfe nahm, belebten den Herrn Anderſon mit 
dem edlen Eifer, kuͤnftighin ſeine Nebenſtunden der 


Unterſuchung der Natur zur Verehrung des Schoͤe 
pfers zu widmen. In Leiden machte er ſich mit dem 


beruͤhmten Kuͤnſtler Muſchenbrock, der die ſcho⸗ 
nen Luftpumpen und Vergrdſſerungsgläſer gemacht 
hat, nicht weniger bekannt. Von hier that er ver⸗ 
ſchiedene Reifen zur Zeit der Ryswickiſchen Friedens: 
i banapane nach dem Haag, allwo die Bi | 
ei⸗ 


von den Lebensumſtaͤnden des Sn. Verfaſſers. 


feines Freundes „unſers, der von ihm erlebten und 
noch vieler ferneren Jahre ſo wuͤrdigen Herrn We, 
germeiſters Stampel, 


Iuſtitiae cuſtos rigidi ſeruator hongfti 
In commune bonus g 


beiden dig angenehmfte Gelegenheit gab, zu ihrer 
in den folgenden Zeiten bey wichtigen Staatsgeſchaͤf; 
ten ſich geaͤuſſerten Einſicht und Erfahrung zum 
Nutzen des Vaterlandes den Grund zu legen. Sie 
erwarben ſich daſelbſt die Gunſt vieler hohen Mini⸗ 
ſter. Hier kan ich nicht umhin ein paar beſondere 
Beyſpiele der goͤttlichen Beſchuͤtzung in Anſehung 
des Herrn Anderſon anzufuͤhren. Den raten May 
hatte er die Ehre bey Sr. Excell dem Herrn Envoye 
von Schrottenberg im Haag zu ſpeiſen. Nach auf 
gehobener Tafel fuhr er mit dem Sohne dieſes Herrn 
nach Schevelingen, und beſahe die Sandduͤnen, die 
hier von der Natur ſowohl angeleget find, daß oh⸗ 
ne ſie Niederholland von der See wurde uͤerſchwem⸗ ü 
met werden. An der See waren damals wegend der 
franzöfifchen Caper einige Canonen gepflanzet. In⸗ 
dem ſie nun an das Ufer hintraten, ließ fig ein 
feanzöfifcher Caper mit hollaͤndiſchen Flaggen in der 
Naͤhe eines Canonenſchuſſes ſehen; er zog ſogleich 
Duͤnkirchiſche Flaggen auf, und that zween Cano⸗ 
nenſchuͤſſe auf ſie, daß die Kugeln vor ihnen vorbey 
ſauſeten; ſie flohen hinter eine nahe dabey ſtehende 
Kirche, und dankten Gott für ſeine gnaͤdige Bewah⸗ 
rung. Wenige Tage nach dieſem Vorfalle ver⸗ 
ſouͤrte er aber abermal eine deutliche Probe der goͤtt⸗ 
lichen Obhut. Er beſtieg einen brennenden Kalk⸗ 
beg, welcher vor ſeinen Fuse einſank, daß er ai 
nahe 


Dorberiche, u med x ft 


nahe mit b in die volle Glutgeſtürzet ware 
Ich uͤbergehe andere Vorfälle , bey welcher er Ge⸗ 
legenheit gehabt, einen allmächtigen Erhalter zu 
preiſen: Wie er denn im Junius abermal von ei⸗ 
ner ſchweren Krankheit genas. Im Julius berei⸗ 
tete er ſich zu ſeiner Promotion, und den Sten Au⸗ 
guſt 1697 erhielte er zu Leiden die hoͤchſte Wuͤrde 
in der Rechtsgelehrſamkeit, nachdem er vorher de 
iuramento Zenoniano diſputiret hatte. Mit die⸗ 
ſer Wuͤrde kam er den 28ten Auguſt wieder in ſein 
Vaterland zuruͤck, und widmete ſich dem Staate 
mit Eigenſchaften, die demſelben nuͤtzlich und heil⸗ 
fam waren. 

Kaum hatte er ſeine häusliche Geſchaͤfte in Ord- 
nung gebracht, ſo fieng er an, die Rechte derer zu be⸗ 
ſchuͤtzen und zu vertheydigen, welche in der buͤrger⸗ 
lichen Geſellſchaft von der Ungerechtigkeit, der Arg⸗ 
lift und der Zankſucht angefallen wurden. Er war 
ein Sachwalter ohne Eigennutz, und bewieſe, 
daß es ihm mehr um die gerechte Sache, als um 
die geſchwinde Mittel, und Griffe reich zu werden, 
zu thun war. Hiedurch erwarb er ſich nicht 
allein die Liebe ſeiner Clienten, ſondern auch die 
Gewogenheit derer, welche das Endurtheil uͤber 
feine Rechtsklagen ausſprachen. Die Vaͤter der 
Stadt waren bald darauf bedacht, fi ch der Geſchick⸗ 
lichkeit dieſes Mannes zu einem naͤhern und allge 
meinern Nutzen zu bedienen. Er ſelbſt war damals 

entſchloſſen, ſich um keine der hieſigen Wuͤrden und 
Aemter zu bemühen , und vielmehr ſeine kuͤnftigen 
Jahre den Wiſſenſchaften in einer weiſen und fleißi⸗ 
gen Stille zu heiligen, zu welchem Ende er auch die 
: 


von den Lebensumſtaͤnden des Sen, Verfaſſers. 


| Abſicht und Hofnung hatte, die maͤßige Zahl der 
gelehrten Domherren in Deutſchland durch ſeinen 


Beytritt zu vermehren. Gleichwohl wurde er im 


Jahr 1702 den 18ten October zum Secretair an 


die Stelle des damahligen Licent. Herrn Hein⸗ 


rich Sillem, welcher in die Stelle des verſtorbe⸗ 
nen Protonotarius Herrn Albert Schulte Lic. 
geruckt war, erwehlet. Er verwaltete dieſes Amt 
mit vielem Ruhm und ſeine groſſe Wiſſenſchaft 


in dem Zuſammenhange des Staats machte 
ihn bey der Ausfuͤhrung der wichtigſten Abſichten 


nothwendig. Ein hochweiſer Rath ſahe die Ver⸗ 
dienſte dieſes redlichen Mannes immer mehr und 


mehr ein, und er wurde den ıgten Novemb. 1708 


zu einer Würde erhoben, zu welcher allemal Min- 


ner genommen werden, welche nicht allein den in⸗ 


nern, ſondern auch den aͤuſſern Staat vollkommen 


kennen, und an den Hoͤfen der Koͤnige das Wohl 


ihrer Mitbürger beſorgen koͤnnen. Zum allgemei⸗ 
nen Vergnuͤgen der Stadt ward er Syndicus, an 

die Stelle des Herrn Wolder Scheele, I. V. P. 
welche acht Jahr unbeſetzt geblieben war. Seine 
Arbeit bey dieſer Wuͤrde haͤufte ſich taͤglich, und ie 


mehr fie ſich haͤufte, deſto groͤſſer wurde fein Eyfer 
fuͤr das gemeine Beſte. Vielleicht hat man niemals 


/ 


mehr Sorgfalt, niemals eine reinere Beurtheilung 


und Einſicht bemerket, als dieienige war, die der 


Herr Anderſon bey den damahligen verwirrten 
Vorfaͤllen der Republik bewieſe. Es gehoͤret nicht 
hieher, den Vorhang von Begebenheiten weg zu zie⸗ 


hen, die einer ewigen Vergeſſenheit wuͤrdig ſind. 


Der * e ſahe 12 auf das gemeine er 
| 2 e. 


Vorbericht i 


ſte. Er vereinbarte das Anſehn des Raths mit der åg 


Erleichterung der Buͤrgerſchaft, und er hatte Gele: 
genheit durch heilſame Nathſchlaͤge die Ruhe der 
Stadt befoͤrdern zu helfen, und den Geſetzen ihre 


Kraft wieder zu verleihen, welche durch Zwietracht 
und Unruhen gelitten hatten. Sein wichtiges und 


muͤhſames Syndicat verwaltete er mit unermuͤdeter 


Sorgfalt, und ohne Eigennutz fuͤr ſeine Familie 
ganzer funfzehn Jahr. Die kuͤnftigen Bürger wer⸗ 


den noch den Nutzen zu ruͤhmen haben, welcher 
aus ſeinen redlichen Bemuͤhungen ihren Vaͤtern in 
dieſen Jahren zugefloſſen iſt. In der Wuͤrde eines 
Syndici wurde der Herr Anderſon oͤfters in den 
wichtigſten Angelegenheiten an fremde Hoͤfe ver⸗ 


— — 


ſandt. Im Jahr 1711 den Eten Auguſt wurde er 


im Namen der Stadt an den Hochſel. Koͤnig von 
Daͤnnemark Friederich den IV nach dem Grande 


verſandt, und den zıten Auguſt gieng er nach Len⸗ 


zen, ſchloß alda mit den brandenburgiſchen, hannd⸗ | 


verſchen und wolfenbuͤttelſchen Miniſtern einen 


Tractat zum Vortheil der Handlung und der Schif⸗ 


fahrt. Im Jahr 1713 den uten Febr. gieng er nach 
Utrecht zum Friedenscongreß, und traf den 24 da⸗ 


ſelbſt ein. Sein edler Character erwarb ihm gar bald 


das Zutrauen der bevollmaͤchtigten kayſerlichen, engli⸗ 


ſchen, franzöſiſchen, ſpaniſchen, portugieſiſchen und 


anderer hohen Miniſter, und er bewirkte nicht al⸗ 


lein den Nutzen ſeiner Vaterſtadt daß ſie mit in den 


Frieden eingeſchloſſen wurde, ſondern er ſorgte auch 


zugleich fuͤr die freye Handlung der geſamten loͤ⸗ 

lichen Hanſeeſtaͤdte. Die Stadt Hamburg hatte 

Ai: eine We Ehre von dem klugen und ver⸗ 
g nluͤnf⸗ 


von den Lebensumftåndendes orn. Verfaſſers. 


nuͤnftigen Betragen ihres Syndici. Nachdem der 
Friede den u April zwiſchen Engelland und Frank⸗ 
reich gezeichnet worden, that er eine Reiſe nach Am⸗ 
ſterdam, Haag, Leiden, Rotterdam und andern 
Orten, theils ſeiner Geſchaͤfte wegen, theils ſeiner 
Neubegierde in Beſehung der Bibliotheken, Natu⸗ 
raliencabinetter, Apotheken und andern auslan- 
diſchen Seltenheiten ein Gnuͤge zu thun. Von 
Rotterdam gieng er den 17ten Juli zu Schiffe, und 
kam in einem ferien Sturm zu Antwerpen den 
9 Aug. an. Er beſahe ſo wol das merkwuͤrdigſte die⸗ 
ſer Stadt, als der herumliegenden, und begab ſich 
hierauf wieder nach Utrecht. Endlich trat er den 
i7ten Septemb. feine Zuruͤckreiſe an, und kam erſt 
den 4fen Junii 1714, nachdem er fich ſowohl am 
05 hanndverſchen als braunſchweigiſchen Hofe aufhal⸗ 
ten muͤſſ en, nach Hamburg. Ich kan nicht umhin 
als eine bewunderns wuͤrdige Probe des Fleiſſes 
und der Aufmerkſamkeit dieſes Mannes zu beruͤh⸗ 
ren, daß fein gelehrtes Tagregifter von dieſer Reiſe, 
worinnen er von ſeinen Staatsverrichtungen aus 
einer gewiſſenhaften Bedenklichkeit nicht das gering⸗ 
ſte bemerket hat, allein uͤber 200 Bogen ſtark iſt. 
Er hat darinn von Tage zu Tage nur bloß einige 
beſondere phyſicaliſche, geographiſche, mechaniſche, 
bdeonomiſche und andere Merkwürdigkeiten, die 
er bey Gelehrten und Kuͤnſtlern geſehen und erfah⸗ 
ren, aufgezeichnet. 

Schon den ten Julii 1714 muſte er wieder auf 
den Congreß zu Baden abreiſen, und er war allda 
in den Verrichtungen fuͤr ſein Vaterland nicht we⸗ 
niger gluͤcklich als zu Utrecht. Die Stunden, 

b 3 | wel⸗ 


N 7 Vorbericht nen 


welche ihm ſeine Gefchäfte übrig lieſſen / widmete er 
der Unterſuchung der Natur und der Alterthuͤmer, 
und um ſeine Kenntniß hierinnen noch zu erweitern, 
durchreiſete er die Schweiz und beſahe die Wunder 
der Alpen. Ich finde von dieſer Reiſe uͤber 30 Bo⸗ 
gen gelehrter Anmerkungen aufgezeichnet. A 
der Mitte des Octobers traf er wieder in Hamburg | 
ein. 
So wichtig bisher die Geſandtſchaften des Herrn i 
Anderſons geweſen, ſo trat er doch die anſehnlichſte 
und wichtigſte im Jahr 1715 den 6ten April in Ge 
ſellſchaft des damahligen Rathsherrn und nachheri⸗ 
gen Burgermeiſters Daniel Stockfleth, nach dem 
Hofe Ludewig des XIV an. Der Tod dieſes 
Monarchen unterbrach ſeine Gefchäfte, und nach 
vielen Bemuͤhungen hatte er endlich den 27 Sept. 
1716 das Vergnuͤgen den fuͤr Hamburg ſo vortheil⸗ 
haften Commercientractat mit Frankreich zu ſchlieſ⸗ 
ſen. Waͤhrend ſeines Aufenthalts an dieſem Hofe 
hatte er das Gluͤck von den Prinzen vom Gebluͤte, 
und den fremden Miniſtern mit einer vorzuͤglichen 
Achtung beehret zu werden, und der Herzog Re⸗ 
gent und Madame lieſſen ihm beſondere Merk⸗ 
male ihrer Gnade angedeyen. Man kan leicht „ 
achten, daß er in dieſem Königreiche, welches ein 
Sitz der Wiſſenſchaften und der Kuͤnſte iſt, ſeiner 
Neigung zu denſelben ein Genuͤge werde ee ha⸗ 

ben. Die Bibliotheken und der Umgang mit den 
vornehmſten Gelehrten und Kuͤnſtlern waren bey 
muͤßigen Stunden ſein Zeitvertreib. Er gieng mit 
den gelehrten Benedietinern Montfaucon und la 
es den Herrn Fontenelle, Boiuin, eo 
Iul- 


’ 2 
von den Lebensumſtaͤnden des ørn. Verfaſſers. 


Iuſſieu, Maraldi, Caſſini, Winslow, Reaumur, 
Baudelot, Mahudel &c. und andern beruͤhmten Mit⸗ 
gliedern von der Academie febr fleißig um. Die Ma: 
nufacturfabriqven, die Steinbruͤche und Minen, und 
was ſonſt die Kunſt und die Natur ſehenswuͤrdig in 
dieſem Koͤnigreiche hervorgebracht, muſten ſeiner Neu⸗ 
gierde nicht entgehen. Ich koͤnnte der Welt aus ſeinen 
Handſchriften, welche von dieſer Reiſe uͤber 100 Bo: 
gen ſtark ſind, aus der Naturlehre, der Mechanick, 

der Geographie und andern Wiſſenſchaften Nach⸗ 
richten mittheilen, die ſie eben ſo begierig aufneh⸗ 

men wuͤrde, als die Reiſebeſchreibung eines Dif: 
ſons, eines Tourneforts, oder eines Keißlers. In 
dieſem Zeitbegrif des Lebens dieſes wuͤrdigen Man⸗ 


nes muß ich noch beruͤhren, daß Georg der erſte, 


glorwuͤrdigen Andenkens, der noch als Churfuͤrſt 
ihn in Hannover kennen lernen, ſehr viel auf ſeine 
Staatsklugheit gehalten, und ihn ſehr oft zu den 


geheimſten Berathſchlagungen nicht allein gezogen, 


ſondern auch ſeine groſſe Einſicht gegen ſeine Mini⸗ 
ſter zu verſchiedenen malen oͤffentlich geruͤhmet hat. 
Dieſe gnaͤdige Zuneigung erfuhr er noch, als dieſer 
Monarch abreiſete, um den großbritanniſchen 
Thron in Beſitz zu nehmen. Denn als die Ge⸗ 
ſchaͤfte des Herrn Anderſon durch den Tod Lude⸗ 
wig des XIV am franzöfifchen Hofe unterbrochen 
wurden, lieſſen Sr. Maieſtaͤt durch den Ge: 
heimten Rath von Bernſtorff, welcher dieſelben 
nach Engelland begleitete, an ihn gelangen, daß er 
ſich gleichfals dahin begeben und an den Berath⸗ 
ſchlagungen und Abſichten Sr. Maieſt. Theil neh⸗ 
men ſolte. So ens dieſe hohe er 
| b 4 


Vorbericht FAR 90 


Gnade ſo wohl fuͤr den Herrn Anderſon, als für 
ſein Vaterland war: ſo ſahe er doch, beſonderer 
Umſtaͤnde wegen, genoͤthiget, dieſelbe zu verbitten. 
Der Herzog von Braunſchweig Auguſt Wilhelm 
ſchaͤtzte und liebte nicht weniger denſelben: Seine 
herrliche Eigenſchaften machten, daß dieſer groß⸗ 
muͤthige Herr ihn zu ſeinem geheimden Rath ernann⸗ 
te. Allein unſer Syndicus ſchlug dieſe Ehre und 
Gnade gleichfals mit Beſcheidenheit aus. Er liebte 
ſein Vaterland; er wolte ſich nur bloß demſelben wid⸗ 
men, und deſſen Gluͤckſeligkeit befoͤrdern helfen. 
Auch das Vaterland belohnte ihn. 

Inm Jahr 1723 den sten Febr. erhielt er die hoͤch⸗ 
ſte Wuͤrde der Stadt, er ward Buͤrgermeiſter zur 
i allgemeinen Freude der ganzen Buͤrgerſchaft, und 
in feiner vieliaͤhrigen Regierung hat fie ihn nicht als 
einen Herrn, ſondern als Vater verehret. Im Jahr 
1732 wurde er der Aelteſte in der Würde, und nach 
der Verfaſſung der Stadt, Generalißimus. 

Es wuͤrde ſchwer fallen, die ſo vielen ſchoͤnen Ei⸗ | 
genschaften dieſes Mannes in ihrer voͤlligen Groͤſſe 
zu beſchreiben. Deſtomehr wuͤnſchen wir ſeinen fuͤr⸗ 
treflichen Character in den buͤndigſten Worten hier 
entwerfen zu koͤnnen, und zu dem Ende wird es uns 
erlaubt ſeyn, einige Zeilen aus dem Horaz zu waͤh⸗ 
len, und itzo uns eigen zu machen, um einen unſerer 
Bürgermeister abzubilden, den wir, in vielen Stuͤ⸗ 
cken, mit den beruͤhmteſten Romiſchen vergleichen 
konnten, und an dem die Wahrheit die Eigenſchaf⸗ 
ten erkennet, welche die Schmeicheley des Horaz dem 
Lollius Geige Und > war ein erde 


er 


Rerum. | | 


von den Lebensumſtaͤnden des hun, Verfaſſers. 


Rerumque prudens, & ſecundis 
Temporibus, dubiüsque rectus. 
Vindex auarae fraudis, & abſtinens 
Ducentis ad fe cun&ta pecuniae , 
CONSVLQVE non unius anni. 


So häufig auch die Geſchaͤfte, die mit Ana Wür⸗ 
de verbunden ſind, waren, konnte ſie doch ſeine herr⸗ 
ſchende Neigung nicht unterdrücken: diefe ließ ihn 
alles uͤberwinden. Kaum hatte er die Ruhe der Fami⸗ 
lien geſichert kaum hatte er den allgemeinen Nutzen des 
Vaterlandes beſorget, ſo eilete er zu ſeiner zahlreichen 
Bibliotheck / wo er alles fand, was ſein gluͤcklicher 
Fleiß begehrte, und wo er allein die Erqvickung nach 
einer muͤhſamen Arbeit ſuchte. Der Urſprung der 
teutſchen Sprache, die Geſetze und Alterthuͤmer der 
Teutſchen, und die Naturlehre waren hier hauptſaͤch⸗ 
lich ſein angenehmer Zeitvertreib. Seine Staͤrke in 
den teutſchen Alterthuͤmern find von den beruͤhmteſten 
und groͤſten Maͤnnern in dieſer Art ſehr oft erhoben 
worden. Leibnitz ruͤhmet ihn dieſerwegen in feinen 
Briefen an unſern verewigten Fabricius ſehr oft, und 
wuͤnſchet ſich ſeinen Beytrag zur Erlaͤuterung der alten 
teutſchen Geſetze. Eckard geſtehet, daß unſer Buͤrger⸗ 
meiſter ihm hauptſaͤchlich einen Beytrag zur. Verferti⸗ 
gung feines etymologiſchen Woͤrterbuchs der teut⸗ 
ſchen Sprache mitgetheilet habe. Wie viel der ſtarke 
Kenner der alten teutſchen Sprache Dieterich von 
Staden auf ſeine Einſicht und Urtheil in dieſer Sa⸗ 
che gehalten, meldet uns der fleißige Herr Rector von 
Seelen. Seine Einſicht und Beyſtand war nie⸗ 
mand verſagt, und ſeine Geſchicklichkeit und Ver⸗ 
‚ mögen gleichen ſeiner Willfaͤhrigkeit. Was fur ei⸗ 
nen anſehnlichen Beytrag er dem Verfaſſer des Di- 
b 5 ctiona- 


Vorbericht e e 


&ionarii Anglo Suethico- N dem Herrn 
Sirenius, damaligen Prediger i in London und itzi⸗ 
gen Biſchof, „geleiſtet hat, ruͤhmet und erzehlet die⸗ 
ſer ſelbſt in der Vorrede zu ſeinen Werken. ki 

Auſſer der Benhülffe, die er andern Gelehrten ; 
that, arbeitete er auch fur fich, und die von ihm hin: 
terlaſſene Handſchriften beweiſen ſolches ſattſam. Un⸗ 
ter dieſen iſt das faſt zum Abdruck fertige Gloſſarium 
Jeutonicum et Allemannicum das wichtigſte. Es 

iſt dieſes Werk ziemlich ſtark angewachſen, und mit der 
gröften Sorgfalt ausgearbeitet worden. Die darin⸗ 


nen bewieſene Kenntniß der Nordiſchen Sprachen, 


woran es Schiltern und Wachtern ohne Abbruch 
ihrer Verdienſte gefehlet hat, zeugen von deſſen Wer⸗ 
the. Es enthaͤlt hauptſaͤchlich Erklaͤrungen der vor⸗ 


nehmſten Wörter, fo bey den Scribenten Medüi Aevi 


vorkommen. Auſſer dieſem findet ſich noch ein ſtarkes 
Buch von Obferuationibus Iuris Germanici, ad 
ductum Elementorum Iuris Germanici des feel. 
Hrn. Heineccii, worinnen nicht allein die alten Teut⸗ 
ſchen Rechte aus der Etymologie, den Alterthuͤmern 
und den dahin gehörigen Urkunden eroͤrtert werden, 

ſondern auch dieſes unſterblichen Rechtsgelehrten Saͤ⸗ 
tze weiter ausgeführet und hin und wieder ſind verbeſ⸗ 
fort worden. Es werden viele mit mir wünfchen, daß 
der wuͤrdige Sohn des gelehrten? Anderſons, welchen 
er nach feinen weiſen Grundſaͤtzen erzogen und der auf 

feinen Reiſen durch Frankreich das ruͤhmliche Anden 
ken ſeines Vaters allenthalben angetroffen und zum 

Beyſpiel gehabt hat, Zeit und Muße gewinnen möge, 
der gelehrten Welt nicht allein dieſe, ſondern auch fol 
e Wale aus ſeinen ia, zu lieffern. Es 


e > NØ 


| von den Lebens umſtaͤnden des Hrn. Verfaſſers. 


finden ſich noch beſonders gelehrte Anmerkungen zum | 


lure feudali, zum lure publico und lure ſtatutario 


Hamburgenſi. Seine Abſicht in dieſen gehet dahin, 


aus der Etymologie die Geſetze und Rechte hauptſaͤch⸗ 
lich zu erlaͤutern; wodurch denſelben bey der Ausle⸗ 


gung und dem Gebrauche kein geringes Licht mitge⸗ 
theilet wird. Bloß die muͤhſame Wuͤrde unſers Buͤr⸗ 


germeiſters hat ihn verhindert, den Abdruck davon zu 
beſorgen. Aus eben dieſer Urſache iſt auch das Gloſ- 
ſarium Linguae veteris Saxonicae, fo der ehemali⸗ 
ge gelehrte Neformirte Prediger in Bremen D. Ger⸗ 


hard Meyer, welcher von dem berühmten Bremi⸗ 


ſchen Eutherifchen Gottesgelehrten und Superinten⸗ 


denten dieſes Namens wohl zu unterſcheiden ift, auf 


Leibnitzens Anrathen übernahm, liegen geblieben. 


Der unvermuthete Tod des Verfaſſers unterbrach die 


Ausführung dieſes Werks; indeſſen entgieng es doch 


dem Schickſale, das gemeiniglich ſolchen Schriften be⸗ 
ſtimmet iſt, da ſie entweder in die Haͤnde der Einfaͤlti⸗ 
gen und Unwiſſenden fallen, oder auch denen neidiſchen 
Manuſcriptenjaͤgern zu theil werden, welche ſie zum 
Abbruch der Wiſſenſchaften in Staub und Vergeſſen⸗ 
heit begraben. Unſer Herr Anderſon bekam daſſelbe 


in die Haͤnde; er durchgieng das unleſerlich geſchriebe⸗ 


ne und aus einigen Baͤnden beſtehende Manuſcript mit 
eben ſo vieler Sorgfalt, als der Verfaſſer es entwor⸗ 
fen und er Muͤhe gehabt hatte, es von deſſen Erben zu 


erhandeln. Hin und wieder bereicherte er es mit ſeinen 


gelehrten Anmerkungen, und es würde gewiß der Welt 


ſchon vor Augen liegen, wenn die uͤberhaͤuften Stadt⸗ 


geſchaͤfte unſerm Buͤrgermeiſter erlauben wollen, dem⸗ 
ſelben eine mehrere Ordnung mitzutheilen und fuͤr 
eine 


> 


vi 


Vorbericht Tone 


eine richtige Abſchrift und Druck zu ſorgen. Dieſes 


eben gedachte Gloflarium Linguae veteris Saxoni- 
cae muß mit oben angeführtenGloflario Teutonico 


et Allemannico nicht verwechſelt, noch fuͤr ein Werk Å 
gehalten werden, als welches letztere unferm Anders 
fon allein zugehöret. Ich habe dieſe allgemeine Erin⸗ 


nerung machen muͤſſen, weil ich aus Zuſchriften, die 


bey mir eingegangen ſind, wahrgenommen habe, daß 


entweder dieſe Werke mit einander verwechſelt, oder 


auch fuͤr eins gehalten werden. 1 2 
Gleich beym Anfang dieſer Erzehlung habe ich 


die Fertigkeit des Herrn Anderſons in den Orienta⸗ 
liſchen Sprachen beruͤhret; einen beſondern Beweis 


davon kann ich nicht uͤbergehen. Als ſich der 


Czaar Peter der Erſte in Holland aufhielte, und 


von den General: Staaten befohlen war, dieſem 
Monarchen alles zu zeigen, was ſich merckwuͤrdi⸗ 


ges in ihren Provinzen findet, ſo gab ſich der Herr 


Anderſon fuͤr einen Griechen aus, deſſen Sprache 


er fertig redete, um in dem Kayſerl. Gefolge alles 


deſto ungehinderter beſehen zu koͤnnen. Seine 
Neigung fuͤr dieſe Sprachen aͤußerte ſich auch in 


feinem ganzen Leben, indem er bey feiner Sonn: 


tagsarbeit nach abgewartetem oͤffentlichen Gottes⸗ 
dienſte allemal mit der Grundſprache der heiligen 
Schrift ſich beſchaͤftigte und allerhand philologiſche 


und phyſicaliſche Anmerkungen uͤber dieſelbe aufſetz⸗ 
te, ſo noch vorhanden und nicht weniger des Ab⸗ 


drucks würdig find. Endlich gehören zu den Schrif⸗ 


ten dieſes gelehrten Mannes gegenwaͤrtige Rach⸗ 
richten von Island, Groͤnland und der 
Straat Davis. Wegen des Innhalts und der 


— 


Abſicht 


N 


j ' 


von den Lebens umſtaͤnden des Hrn. Verfaſſers. 


Abſicht derſelben verweiſe ich den Leſer auf des 
Hrn. Verfaſſers beſcheidene Vorrede. Ich ſetze 
nur noch hinzu, daß man nicht bloß darinnen 


ſeine groſſe Gelehrſamkeit, ſondern auch ſein redlich 


Geſinnen, da er allenthalben uͤber die anbetens⸗ 
wuͤrdige Wege der Vorſehung in Erhaltung der 
Welt und der Menſchen ſeine Betrachtungen ange⸗ 
ſtellet hat, antreffen werde. So weit gehen ſeine 
| Schriften. Ich ſchweige von dem weitlaͤuftigen ge⸗ 


lehrten Briefwechſel, den er mit den beruͤhmteſten 


Maͤnnern in und auſſer Teutſchland unterhalten hat. 

Ein ieder ſchaͤtzte ſich glücklich Bekanntſchaft 
mit einem Mann zu haben, deſſen Umgang der al⸗ 
lervortheilhafteſte war; und ganze gelehrte Geſell⸗ 


ſchaften bewarben ſich um feine Freundſchaft. Die 


Kayſerliche Academie der Naturae Curioſorum 
erwehlete ihn im Jahr 1731 ohne ſein Anhalten und 
Wiſſen zu ihrem Mitgliede. Da die erfahrneſten 
Kenner der Natur, Freunde unſers Buͤrgermeiſters 
waren, ſo fiel es ihm deſto leichter ſein auserleſenes 
Naturalien⸗Cabinet immer vollkommener zu ma⸗ 
chen. Er ſcheuete keine Koſten, aus den dreyen 
Reichen der Natur dasjenige anzuſchaffen, was zur 
Zierde und Vollſtaͤndigkeit deſſelben diente; doch 
entfernte er ſich hierinnen von denjenigen, welche | 
mehr auf die Vielheit als auf den Nutzen ſehen, und 
ohne Wahl und Ordnung alles zuſammen raffen. 
In der Anlage folgte er der Natur; ſo, wie dieſel⸗ 
be ihre richtige Gaͤnge gehet, und ihre Werke nach 
und nach zur Reife bringet, ſo findet man ſie auch 
in dieſem Cabinette zur Schau geſtellet. Die Hom⸗ 
bergiſchen Steine, wovon er mehr als 1000 bey 
ſein 


; Vorbericht 57 


ſeinem Aufenthalte in Paris erhandelt hat, ſind ei⸗ 
ne ſchoͤne Zierde darinnen. Es find dieſes insge⸗ 
ſammt Abdruͤcke von den Gemmis, welche ſich in 
dem Koͤnigl. Cabinette befinden, und zu welchen er 
gleichfalls gelehrte Anmerkungen aufgeſchrieben hat, 
ſo von andern noch nicht ſind beobachtet worden. 
Ich glaube gnug von ſeiner Wahl und klugen Ein⸗ 
richtungen geruͤhmet zu haben, wenn ich nur melde: 
daß der ohnlaͤngſt verſtorbene Herr von Heucher 
dieſelbe zum Muſter genommen, als er das Koͤnigl. 
Pohlniſche und Churf. Saͤchſ. Dreßdeniſche Natu⸗ 
raliencabinet einrichten wolte. Da ſich der Ruhm 
dieſes Anderſoniſchen Cabinets allenthalben verbrei⸗ 
tet hat, ſo reiſete nicht leichte ein Fremder, der Sa⸗ 
chen von dieſer Art zu ſchaͤtzen wuſte, durch Ham⸗ 
burg, ohne deſſen ſeltenen Vorrath geſehen zu ha⸗ 
ben. Unſer Buͤrgermeiſter war, nach der ihm ei⸗ 
| Br Leutſeligkeit, niemals ihrem Verlangen hin⸗ 
derlich, und diejenigen, die zu ihm gegangen wa⸗ 
ren, wuſten nicht, ob fie mehr die kluge Wabldes 
Beſitzers bey ſo auserleſenen Wundern der Natur, 
oder deſſen willfaͤhriges Bezeigen, womit er ihnen 
alles zeigte und beſchrieb, ruͤhmen ſollten. Ihre 
| Erzehlungen bezogen ſich iedesmal auf beydes. | 
So wie die Vorrechte unfers Büͤrgermeiſters 
in ſeinen oͤffentlichen Amtsbeſchaͤftigungen und in 
der Gelehrſamkeit groß und preiswuͤrdig waren, ſo 
zeigten ſich auch ſeine Vorzüge in defii elben Haus 
chen Umſtaͤnden. Er wählte ſich im Jahr 1700, 
den ızten May zu feiner Gattinn des damahligen 
Herrn Decani bey dem hieſigen Hochſtift Peter 
| e e Tochter Wan, 0 
i a; 


von den Lebensumſtaͤnden des Sen, Verfaſſers. 


tha; welche ihn aber der Wechſel dieſer Zeit gar zu 
fruͤhe nebſt einer mit ihr gezeugten Tochter entriß. 
Die Verbindung, welche er hierauf im Jahr 1702 
den Aten December mit der aͤlteſten beliebten Toch⸗ 
ter des vormahligen hieſigen hochverdienten Herrn 
Buͤrgermeiſters Peter von Lengerken traf, war 
ſo wohl daurhafter als fruchtbarer. Es vermehr⸗ 
te ſich ſein anſehnlichs Haus mit eilf Zeugen dieſer 
begluͤckten und vergnuͤgten Ehe. Von ihrer voll⸗ 
kommenen Auferziehung, und von der wahren vaͤ⸗ 
terlichen Vorſorge für dieſelben gibt der einzige 
Sohn der gelehrte Herr Doctor das guͤltigſte Zeug⸗ 
niß. Und eben demſelben ſtimmen die gluͤcklichen 
Ehen vier ſeiner angenehmen und tugendreichen 
Töchter völlig bey. Wer die anſehnlichen Herren 
er Schwieger - Söhne unfers Burgermeifters, den fo 
berühmten als erfahrnen Sauf-und Handels⸗Herrn 
Hrn. Nicol Preſent, den hochgelahrten Hrn. Li- 
centiaten Conr. Dieter. Volckmann, den ſo ge⸗ 
ſchickten, beliebten und hochgelahrten Licent. und 
Amts - Verwalter zu Bergedorf Hrn. Joh. Otte, 
und den gleichfalls erfahrnen Handelsherrn Herrn 
Wichmann Laſtrop kennet, wird dieſe Wahrheit 
mit Vergnuͤgen beſtaͤtigen. Die beyden noch un⸗ 
verheyratheten Jungfer Toͤchter ſind nicht minder 
Früchte einer vernünftigen und ſittlichen Erziehung. 
Zu allem, was hier ohne die Wahrheit durch 
Schmeicheley zu erheben, geſaget worden, will ich 
noch bey dem Beſchluß des Lebens dieſes beruͤhm⸗ 


ten Mannes einen kurzen Entwurf feines Chara ⸗- 


cters machen. Seine Gelehrſamkeit erhellet aus 

ſeinen Schriften und feine Ehrenſtellen find eine Be- 

lohnung ſeiner Verdienſte geweſen. Sein ganzes 
. Leben 


; * 


| Vorber. von den Lebensumſt. des rn. Verfaſſers. 


Leben gehörte der Tugend und der Gottesfurcht, 
die von Empfindungen begleitet wurde, welche die 


Würden nicht geben konnen. Er ſahe es als et⸗ 


was ihm unſtaͤndiges an, nur einen Augenblick, der a 
nuͤtzlich angewandt werden könnte, unnuͤtz zu ver⸗ 


lieren. Es war weit unter ihm, ſich eine nieder⸗ 


traͤchtige Ruhe, und das unſchmackhafte Vergnuͤ⸗ 
gen, ſo dieſelbe begleitet, zu wege zu bringen, und 


dadurch das lebhafte Vergnuͤgen der Arbeit und die 
edle Zufriedenheit zu verlieren, welche diejenigen, 
ſo wahrhaftig groß ſind, fuͤr andere zu leben, zu 
arbeiten und zu ſterben lehret. Keine Zufaͤlle wa⸗ 
ren vermögend, die ruhige Stille feiner Seele zu be⸗ 
unruhigen, indem er mit einer Chriſtlichen Auf⸗ 
merkſamkeit beſtaͤndig uͤber dieſelbe wachte. In 
ſein Betragen miſchte ſich nichts murriſches noch 
verdrießliches, und ſelbſt diejenigen, welche ſeine 
Rechtsſpruͤche anhoͤren muſten, empfanden, daß 
allein die Gerechtigkeit, und nicht der Richter An⸗ 
theil daran hatte. Sein Umgang war ſeinem Wahl⸗ 
ſpruch, Droit ſans artifice, allemal gemaͤß, und 
ſeine Demuth, ſeine Menſchenliebe und ſeine unei⸗ 


gennuͤtzige Sorgfalt fuͤr das Wohl ſeiner Vaterſtadt 
werden bey derſelben in unvergeßlichem Andenken 


bleiben. Sein Ende glich ſeinem ruͤhmlichen Le⸗ 


ben, und wie er ſelbſt in den kleineſten Dingen 


groß war, fo war er es nicht minder bey dieſem groſ⸗ 
ſen und wichtigen Schritt in die Ewigkeit. Er 


bergab feine Seele mit einem freudigen und ruhi⸗ 
gen Gewiſſen feinem Schöpfer und Erldſer den zten 
May 1743 im 7oſten Jahre ſeines ruhmvollen Lebens. 


* * * 


Hamburg den 1 October, 1746. 


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8. I, 


Zi ie Iuſel Joland „welche zanlſch hoch Daene 

> hinauf in der Nord⸗ See gelegen, und Große, 
den Königlichen Daͤniſchen Scepter ver⸗ 
ehret, ſoll, wie man gemeiniglich dafür 
3 hält, an die ſiebenzig Daͤniſche Meilwe⸗ 

ges in der Sänge und ein und vierzig in der Breite halten. 


g. II. Sie iſt eine von den großen Nördlichen Bruch? iſt voller 
ſtuͤcken der Welt, fo ehemals, und vielleicht zu der Zeit, Klippen, 
als der Allmaͤchtige die Erde wegen der uͤbermachten 
Sunde des menſchlichen Geſchlechts verderbete, durch de 
ne uͤbernatuͤrliche Gewaltſamkeit entſtanden: allermaßen 
dieſelbe noch viele und augenſcheinliche Merkmale davon 
darſtellet; indem fie nicht allein an ſich von einer ganz un⸗ 
ordentlichen, und die erlittene Riße und unheilbare Bruͤ⸗ 
che ſattſam zeigenden Geſtalt, ſondern auch auf allen 
Seiten mit ganzen Schaaren von abgerißenen kleinen 
blinden, oder doch nur eben uͤber dem Waſſer hervor⸗ 
guckenden Klippen, die deswegen in den Nordiſchen 
Sprachen Schären heißen, mit vielen Holmen, d. i. 
kleinen hervorſtehenden gruͤnen, aber unbewohnten 

A 2 Ifnſulchen 


i 


i 


4 Nachrichten von Island. 
Inſulchen und noch groͤßern bewohnten eigentlich alſo 
genannten Inſeln umgeben, nicht weniger innwendig, 
oder uͤber ihre ganze Flaͤche mit hohen, rauhen, abge⸗ 
ſtuͤrzten, gaͤhen und zum Theil durch nimmer gänzlich 
ſchmelzenden Schnee und Eis auf viele Faden hoch be⸗ 
deckten Bergen, oder vielmehr Steinfelſen angefuͤllet iſt . 
| EN ee Mess 
Dieſe hohe Felſen, oder vielmehr deren oͤberſte, mit 
Schnee und Eis, Jahr aus Jahr ein, bedeckte Firſten und 
Spitzen, nennen die Islaͤnder, wie ſelbſt aus der Geogra⸗ 
phiſchen Carte zu erſehen, Joekel oder Joekul (conf. Gudm. 
Andreae Lexic. Island.) von dem alten Nordiſchen Worte, 
Joekul oder Joekle, welches (iuxta Verel. in Indice Scyth. 
Scand.) gefrohrne Waſſer, insbeſondere aber Mues illas per- 
petuas in Norwegiae et Islandiae montibus nunquam lique- 
ſcentes (in Specul. ſcil. Regio) bedeutet, und von unſern Saͤch⸗ 
ſiſch und Hartziſchen Bergleuten bis auf dieſe Stunde noch, 
nicht unrecht, ob ſie es gleich ſelbſt nicht verſtehen, gebrauchet 
wird, wenn ſie die in einigen Druſen, oder natuͤrlichen Grot⸗ 
ten der Kupfergruben, aus dem Geſtein geſoͤckerte, und ent⸗ 
weder in herabhangende gruͤn⸗ und blaue Eiszapfen, oder 
dergleichen auf dem Boden ſtehende Pyramiden congelirte, 
oder gleichſam zuſammen gefrorne, Victriolwaſſer, ſonder⸗ 
heitlich Joͤckel oder Joͤckelgut benennen, und damit 
von anders und krausgewachſenem Victriol, fo fie Ro - 
ſengut heißen, in ihrer Bergſprache unterſcheiden. Wel⸗ 
ches demjenigen gar nicht fremde vorkommen kann, der 
weiß, daß die Bergwerke in den Nordiſchen Laͤndern viel 
eher gebauet worden, als in Deutſchland. vid. Loccen. 
Antiquitt. Sueo - Goth. cap. 1). Und es ließe ſich noch 
wohl erweiſen, daß die dazu gehoͤrige Wiſſenſchaften von die⸗ 
ſen zuerſt nach Deutſchland gekommen, bey uns aber weiter 
ausgeuͤbet und mit der Zeit dergeſtalt verbeſſert worden, daß 
die Nordlaͤnder hernach wieder bey uns in die Schule gehen 
muͤſſen. Immaßen die Schweden fo gar die deutſche Bergs 
werksſprache in den mehreſten Dingen nunmehro übernom 
men haben. Weshalben ich mich Exempelsweiſe nur allein 
auf die von P. O. Wollenio unter des A. Grönwald Praeſi? 
dio zu Upfal 1725 gehaltene, und Argentifodinae vt et vr - 
bis Salange delineatio betitelte, inauguralem bezogen hør 


1 * 


Nachrichten von n Jeland. 5 


Weshalben fie denn auch mitten inne fuͤr Menſchen ganz 
unwohnbar befunden wird, und niemand da hinein ſich 

waget, ohne wenn etwa, fo doch ſehr felten und nur im 
aͤußerſten Verzweifelungsfall geſchieht, ein offenbarer gro⸗ | 
ber Mifferhäter, oder anders hoͤchſtliederliches Geſindel 1 
vor der verdienten richterlichen Strafe auf eine kleine 
Zeit daſelbſt ſich verbirget, und in den Berghoͤhlen elend 
und kuͤmmerlich genug behilft. ö 


F. III. Hierzu koͤmmt noch, daß die Insel , durch und men 
die von Jahr zu Jahr theils muͤrbe gebrannte, theils los⸗ e fam 
geweichte und deswegen abgeſtuͤrzte, nachher durch die reiſ⸗ 
ſende von geſchmolzenem Schnee und Regen verſtaͤrkete 
wilde Bergwaſſer weit und breit verſchlemmete Felstruͤm⸗ 
mer und Wacken fo angefuͤllet und unwegſam geworden 
iſt, daß man mit Wagen und Karren nirgend fahren, 
ſondern an den meiſten Orten nur zu Fuße, und an den 
beſten nicht anders, als kuͤmmerlich, zu Pferde fortkom⸗ 
men kann; wobey man allerdings, um nicht anzuſtoßen 
und zu ſtuͤrzen, alle Vorſichtigkeit im Reiten und Gehen 
von noͤthen hat. Denn kein Menſch giebt fi) die Muͤge 
aufzuraͤumen, weil dahier, wie mehrentheils in allen rau⸗ 
hen und armſeligen Gebirgen, die Inwohner ſo gar we⸗ 

nig Gelegenheit oder Anlockung zum Reiſen haben. 


6. IV. Aus angeregter Beſchaffenheit der Inſel ruͤh⸗ Iſt nicht 
ret es ferner her, daß dieſelbe nicht gar volkreich iſt, und kant 
nur bloß am Seeſtrande, nicht uͤber 4 bis 5 Meilen tief Hs 
ins Land hinein bewohnete Dörfer (denn nach Flecken und 
Staͤdten muß man ja nicht fragen) anzutreffen find, wel⸗ 
che alle meiſtentheils aus wenigen zerſtreueten, und weit 
genug von einander geſetzten Haͤuslein beſtehen; maßen 
iedweder Bauer gebauet hat, wo er gewollt, das iſt, wo 
er ein Plaͤtzgen bequemen Weidelandes gefunden, von 
dem er rings um feine Wohnung herum fo viel ſich zuge 
eignet und befriediget, als er vermeinet fuͤr ſich und die 
ſeinige noͤthig zu haben, und beſtreiten zu koͤnnen. Auf 

| A 3 gleiche 


Iſt dem 

Erdbeben 
unterwor⸗ 
fen. 


6 Nachrichten von Island. 
gleiche Weiſe wird auch von Zeit zu Zeit noch, wenn ie 


mand ſich dazu findet, ohne alle Aufſicht und Ordnung 
angebauet, mithin die Zerſtreuung und der eee 


ſtets allweiter vermehret. 


5. V. Noch mehr aber iſt daran, daß dieſe Just ſo 
wenig bewohnet wird, Schuld und Urſache, daß ſie ver⸗ 
moͤge ihrer inwendigen Bewandniß von Zeit zu Zeit 
großen und erſchrecklichen Verwuͤſtungen unterworfen 


geweſen und noch iſt: denn da dieſelbe gleichſam nur ein 


einziger Felſen, und alſo der Boden in Thaͤlern eben ſo 
wohl, als die Berge, von cavernoſer oder hohler Stru⸗ 
ctur iſt, auch allerley entzuͤndliche Bergarten in großer 


Menge in ſich ſchließet; ſo ift fie zu Erdbebungen fo ge⸗ 


ſchlachtet und faͤhig, als einiges Land auf dem Erdboden 
ſeyn mag: geſtalten auch gar oft hie und da wichtige und 
ganz beſondere Erdbewegungen verſpuͤret werden. Wo⸗ 
von mir ein Augenzeuge eine fo merkbare, als ſeltene der 
gebenheit erzehlet. Im Jahr 1726, wo ich recht behal⸗ 
ten, geſchahe es, daß bey Schage⸗Strand (im Norder⸗ 
theile) i in einer Nacht durch eine heftige Erderſchuͤtterung 
ein ziemlich hoher Berg unter ſich weg und fo tief verſank, 
daß an der Stelle ein großer tiefer See entſtund, dahin⸗ 
gegen eben zu der Zeit ein anderthalb Meile davon gele⸗ 
gener tiefer See (den die Anwohner fuͤr unergruͤndlich 
geſchaͤtzet) nicht nur ganz ausgetrocknet, ſondern deſſen 


Boden zugleich ſo hoch heraus gehoben wurde, daß er itzo 


Der Grund 


iſt voller 
Schwefel 
und Sal⸗ 


hoͤher, als das alte daherum belegene Land, ſtehet. Eine 
Geſchichte, die vermuthlich zur Zeit der Suͤndfluth W | 
gleichen viele gehabt, 


§. VI. Allein wie ſolche Erdbebungen nicht wohl 
ohne hauptſaͤchliche Mitwirkung des Erdfeuers zu begrei⸗ 
fen: alſo find dieſelbe, wenn fie ſich dahier eraͤugen, ge⸗ 
meiniglich auch mit gewaltigen und hoͤchſtſchaͤdlichen Feuer⸗ 
ausbruͤchen vergeſelſchaftet. Ich will zuerſt der Erd⸗ 
N webt Man darf! nur die obere ge ab⸗ 
i de 85 


Nachrichten von Island. 7 
decken, oder etwa ein Viertheil einer Ellen tief graben, 
ſo findet ſich ſo fort in Menge, ja wohl klumpenweiſe, 
der Schwefel, auch viel Salpeter, wodurch nicht allein 
uͤberhaupt die Fruchtbarkeit des Bodens gewaltig behin⸗ 
dert wird, ſondern nicht ſelten durch innwendige Gaͤh⸗ 
rung mit den eiſenhaltigen Schwefelkieſen ſolche Entzuͤn⸗ 
dungen entſtehen, die in helle Flamme ausbrechen, unter 
und auf der Erde fortlaufen, und einen bald groͤßern, 
bald kleinern Landſtrich dermaßen ausbrennen und vers 
derben, daß er ganz erſtirbet und auf ewig untauglich 
wird. Woraus ſich recht eigentlich begreifen laͤſſet, was 
Deut. XXIX, 23 geſaget wird: „daß der Herr alles 
„Land der ausgebrannten Staͤdte mit Schwefel und 
„Salz verbrannt habe, daß es nicht beſaͤet wer⸗ 
„den mag, noch waͤchſet, noch kein Kraut dare. 
„innen aufgehet. Noch vor wenig Jahren, nehmlich 
1729, entſtand jählings ein dergleichen Erdbrand im Nor⸗ 
dertheil der Inſel, und zwar im Diſtrict Huuswich, wo⸗ 
durch das Dorf Myconfu dergeſtalt verderbet wurde, daß 
das tragbare Land, Kirche und Haͤuſer, ſamt Schafen, 
Pferden und Hornviehe auf einmal zu Aſchen verbrannte, 
und die Flamme ſo geſchwinde fort lief, daß die Men⸗ 
ſchen kaum mit der ſchnelleſten Flucht ihr bloßes Leben 
retten kunnten. Ja es ſtunden dabey ſechs nahegelegene 
Kirchſpiele in der allergegenwaͤrtigſten Gefahr, daß ih⸗ 
nen allen zugleich das Garaus durch dieſen Brand wuͤrde 
gemacht werden. Allein durch gnaͤdige Fuͤgung Gottes, 
der mitten im Zorn an Gnade gedenket, blieb es bey 
drehen, und wurde nach einigen Tagen durch gar dicke 
Nebel und einen heftigen Regen das Feuer, dem kein 
menſchlicher Rath wehren kunnte, glücklich gedaͤmpfet *. 

| FS. VII. 

* Ein gleichmaͤßiger Erdbrand entſtand von ſelbſten in 

dem 1732 Jahre auf dem ſogenannten Jan-Mayen-Eylande, 
welches eben auch wie unſer Island einer von den Nordiſchen 
Welttruͤmmern, und derſelben gar gleich, doch ganz unbe 
A 4 wohne 


\ 


s Nachrichten von Ialandı 


Daher find 5. VII. Nechſt dieſem find die Berge wegen der vor⸗ 
bene hin angedeuteten, fie felbft noch mehr angehenden inner⸗ 
1 5 dar⸗ 0 | N lichen 


wohnt und unwohnbar iſt, ohnfern von Spitzbergen und 
Groͤnland belegen, und in die Laͤnge auf 6 deutſche Meilwe⸗ 
ges nach der Schiffer Muthmaßung, ohne ſonderliche Breite, 
aus Suͤdweſten gegen Nordoſten ſich erſtreckend, mit lauter 
kleinern und groͤßern Klippen, oder Felſen, die ganz nackend 
find, überall bedecket. An ihrem noͤrdlichen Ende erhebet 
ſich der von der Menge der ehemals bey demſelben wahrge⸗ 
nommenen Baͤren, alſo genannte Baͤrenberg zu einer ſolchen 
Hoͤhe, daß er, wenn der Himmel woͤlckicht iſt, mit ſeiner Spi⸗ 
zen über die daran hinſtreichende Unterwolken reichet, und 
ey hellem Wetter bis auf 32 Meilweges, wie mich unſere 
Schiffer deſſen verſichert, geſehen werden kann. Er iſt an 
ſich wie die uͤbrige ganz kahl, ohne Geſtraͤuch, Kraͤuter und 
Erde, zu oberſt beſtaͤndig mit Schnee oder Eis bedecket, und 
nur allein am Fuße, wo aus dem Miſte, der allhier (wegen 
der vielen auf den Gruͤnden ſich enthaltenden Meerkrabben 
oder Garnaten) in unbeſchreiblicher Anzahl niſtenden Strand⸗ 
voͤgel eine dünne Mooß⸗ und Erdrinde ſich anſetzet, mit der 
hieſiger Orten fuͤr die vorbeykommende Groͤnlands fahrer ſo 
noͤthigen Arzeney, dem Loͤffelkraut, Sauerampfer u. d. gl. 
nach goͤttlicher weiſen und gnaͤdigen Austheilung, bewachſen. 
Drey Meilen Suͤdwaͤrts von dieſem Berge ab lag, wegen wi⸗ 
drigen Windes A. 1732, den 17 May, ein nach Grønland wollen⸗ 
der Schiffer, Namens Jacob Jacobſen Laab, mit feinem Schif⸗ 
fe. Da ſichs ploͤtzlich begeben, daß unten am Berge auf ver⸗ 
ſchiedenen Stellen große Flammen hervorgeſchoſſen, die wie 
ſtarke Blitze ſtrichweiſe hin und wieder gefahren, auch ein ent⸗ 
ſetzliches Knallen als eines ſtarken Donners gehoͤret, endlich 


* 


aber ein großer und dicker Dampf geſehen worden. Worüber 


der Schiffer in die groͤßte Angſt und Kummer gerathen, weil 
er mit ſeinem Schiffe nicht von der Stelle kommen, und nicht 
wiſſen koͤnnen, was fuͤr Folgen dieſe Entzuͤndung haben, und 
was ihm mit uͤberkommen wuͤrde. Doch hat der Brand nur 
ein Etmahl, wie die Schiffer ſprechen, d. i. 24 Stunden, ger 
dauert, der Berg ſelbſt auch oben ſich nicht geöffnet, vielwe⸗ 

niger Steine oder dergleichen ausgeworfen. Nur allein hae 
der dicke und ſchwarze Rauchdampf bis auf den 21 deſſelben 
Monats angehalten, als der Wind ſich gewendet und bemel⸗ 
deter Schiffer davon geſegelt. Den aber bald ein Sehe 1 
4 ; - 2 re⸗ ( 


— 


SODE 


Nachrichten von Island. 9 


lichen Eigenſchaften * zu Entzuͤndungen noch mehr und 
öfter fo geſchickt als fertig. Ja fie find es eben, die zu 
Erdbraͤnden gemeiniglich den Anfang machen. Daher 


erblicket man auf Island nicht leicht andere als ausge⸗ 


brannte Berge, an und um welchen man die Wirkungen 


und nachgelaſſene Zeichen eines vormaligen Brandes ſatt⸗ 
: A 5 ſam 


| A5 
Schrecken betroffen, indem 15 Meilen, nach ſeiner Vermu⸗ 
thung von der Inſel eine ſo große Menge nachgeflogener 
Aſche auf ſein Schiff gefallen, daß die Seegel davon ſchwarz 
gefaͤrbet geſchienen, auch das Deck des Schiffes ganz dicke 


zen worden. Woben er anfänglich beſorget geweſen, 
ba 


unter ſolcher Aſche vielleicht glimmende Kohlen, oder ans 
dere zuͤndende Bergarten, vermiſchet ſeyn, und ſein getheertes 
Schiff in Brand bringen moͤchten. Nachdem er aber dieſel⸗ 
ben hin und wieder im Anfuͤhlen kalt befunden, auch bemer⸗ 
ket, daß, wenn er gleich auch ein Licht daran gehalten, nicht 
einmal etwas entzuͤndliches darinne geweſen, hat er friſchen 
Muth geſchoͤpfet, und die Aſche mit Waſſer aus dem Schiffe 
ſpuͤlen laſſen: woran ſeine Leute, weil ſtets neue und mehrere 
nachgefallen, in die 5 gute Stunden ihre Arbeit gehabt. Ich 
habe etwas von dieſer Aſche bekommen, die lichtgrau und 
ſanft anzuruͤhren, unter dem Vergroͤßerungsglaſe aber mit 
vielen zarten Sandkoͤrnlein, oder vielmehr durchſichtigen 
Broͤcklein sermürferer Steine vermenget ift. Ein paar Wo⸗ 
chen nachhero iſt ein ander Schiffer, Alicke Payens genannt, 
des vorigen Landsmann, der von dieſer ſonſt unerhoͤrten Be⸗ 
gebenheit etwas vernommen gehabt, an die Inſel gekommen, 
und hat ſo viel Muths und Neugierde beſeſſen, daß er in der 
Gegend des Brandes an Land geſtiegen, um alles in genauen 
Augenſchein zu nehmen. Da er aber nicht wahrnehmen koͤn⸗ 


nen, daß der Berg ſelber irgends aufgeborſten, noch etwas 


aus ihm ausgefloſſen, oder ausgeworfen geweſen, ſondern 
nur den ganzen Boden auf 2 Meilweges mit Aſchen ſo hoch 


J 


bedecket gefunden, daß er bis zum halben Beine darinne wa⸗ 


2 


geben muͤſſen. a | 

Es thut hiervon Olaus M. Hift. Gent. Septentr. ſchon 
Meldung, wenn er Lib. II. Cap. 2 faget : In Islandia - mon- 
tium ſitum et naturam efle ſingularem, ſcil. in eorum ver- 


then und folgbar ziemlich ermuͤdet ſich wieder zu Schiffe be⸗ 


tice niuem - quafı perpetuam et in baſi ignem ſulphureum 


eontinuatiue fine ſui conſumtione exardeſcentem. 


3 Nachrichten von Island. 


fam wahrnehmen kann. Ueberall ift kein rechter ordent⸗ 
licher Sand, wie anderer Orten, ſondern nur alte Aſche 
und verbrannter Steinſtaub zu ſehen, und noch heutiges 
Tages eraͤugen ſich nicht felten im Gebirge entſetzliche 


Feuerausberſtungen, wenn entweder die alten vorma⸗ 
lige Feuerſpeyer, nachdem ſich mit der Zeit ein neuer 


Vorrath von Brennſtoff in ihrem Inwendigen geſam⸗ 
melt, ohnvermuthet wieder rege werden und auszuſchuͤt⸗ 


ten anfangen *, oder auch neue Berge, die vorhin nie 


gebrannt, mit dem heftigſten Knall auf einmal zerſprin⸗ 
gen und durch ihren Auswurf alles in Schrecken ſetzen. 
Zumal nicht nur die jaͤhlings ſchmelzende große Eis⸗ und 
Schneekappen mit entſetzlichſter Gewaltſamkeit von oben 
herab Stromweiſe ſtuͤrzen, und alles, was an und um⸗ 
lieget, uͤberſchwemmen, ſondern auch zuſammt den nach⸗ 
fließenden geſchmolzenen Mineralien und Brennſtoffen, 


was fie an Viehe, Menſchen, Haͤuſern u. ſ. w. unter 


Weges antreffen, einwickelen und mit ſich fortnehmen; 


und ſolchergeſtalt die bende ſchaͤdlichſte Elemente, Feuer 
und Waſſer, mit verbundener Gewalt das Land im Grun⸗ 


de auf ewig verderben; nichts als tief eingeriſſene Betten 
oder Schrunden hinter ſich laſſend. Ohne zu erwehnen, 


was fuͤr Verwuͤſtung die zugleich ausfliegende, und weit 


und breit umherſpringende Bims⸗ und andre Steine, nebſt 


der noch weiter fliegenden greulichen Menge von Aſche 


auf viele Meilweges anrichten. Auf dieſe Weiſe gerietß 


über der Portlands-Bay im Jahr 1721 ganz ploͤtzlich ein 
Berg, der vor dem nie gebrannt, in eine große Brunſt. 


Wobey nicht allein viel Flammen und Steine ausgeſtoſ⸗ 
[ K en 


Welches ſich von icher alſo zugetragen haben muß, wie 


man aus angezogenem Olao am angefuͤhrten Orte wahr⸗ 


nimmt, wo er ſchreibet: in multis locis torridae voragines 
cum cinere apparent, montium combuſtorum, et vallium, 
quae iterum tacitis incrementis ſulphureis fuccrefcentibus 


quaſi circulari temporum ſpatio diſponuntur ad combu- 


ſtionem. 


FA 


Nachrichten von Island. 1 


ſen und umher geworfen, mithin auch die vorhin ange⸗ 
regte fuͤrchterliche Wirkungen und hoͤchſtſchaͤdliche Ver⸗ 
heerungen auf eine große Strecke Landes ausgeuͤbet wur⸗ 
den, ſondern noch uͤber dem dieſe ganz beſondere Bege⸗ 
benheit ſich zutrug, daß, indem die Zerſprengung geſchahe, 


von der Gewalt der ausbrechenden und ausgedehnten 


Luft ein guter Theil des Berges, welcher zu ſchwer war, 
daß er nicht konnte gehoben werden, ſeitwerts weg, und 
nicht nur eine ganze Meilweges uͤber die Inſel bis an 
den Strand, ſondern gar noch eine Meile weiter in die 
See fortgeſchoben, und allda niedergeſetzet wurde, woſelbſt 
er der Tiefe ohngeachtet, zu Anfangs wohl 60 Faden uͤbers 
Waſſer hervorgeraget iſt, und noch großen Theils da ſte⸗ 
het. Damals ift die Aſche mit dem Windſtriche nicht 
allein uͤber die ganze Inſel, ſondern noch einige Meilen 
ferner in die See auf ein gewiſſes Schiff und alſo uͤber 
30 Meilweges weit getrieben worden. Drey Tage lang 
ift die Suft mit Aſche und Dampf dermaßen angefüllet ge⸗ 
weſen, daß man keine Sonne davor ſehen koͤnnen. Al⸗ 


ler getrockneter Fiſch, der auf der Inſel damals ſich be⸗ 


funden, iſt davon ganz ſchwarz und unbrauchbar, ja in 
den nechſt folgenden 2 Jahren hernach durch ſolche Aſche, 
oder vielmehr durch die ohne Zweifel dabey (als oben bey 


dem Brande auf Jan-Mayen Eyland angemerkt) vermen⸗ 


gete ſcharfeckigte Felsbroͤcklein oder Sand, fo weit Land 
und Weiden damit betroffen geweſen, den Pferden und 
Hornviehe das Maul zerſchnitten und verderbet worden. 
Nachdem das Feuer auch das am Fuße des Berges bele⸗ 
gene tiefe Land ergriffen, iſt der Brand nach und nach 


unter der Erde bis auf 18 Meilweges fortgelaufen und 


hat 


Von dergleichen bewundernswuͤrdigen Fortruͤckungen 
der Berge und Felſen finden ſich einige Exempel in des Kir- 
cheri Mund. Subterran. Lib. IV. Sec. 2. c. o. H. a. und in des 
Herrn D. Buͤchners Miſcell. Phyſic. Med. Mathem. d. 1728, 
Ian. p. 818 fegg. | | Ä 


— 


Vom Ber: 


ge Heela, 


12 Nachrichten von Inland 


hat uͤber Jahr und Tag gewaͤhret, che aßen aufges | 


håret, - 
6. VIII. Indeß haͤlt der ehemals d ſeines ſehr 


gewaltigen und viele Jahrhundert hindurch gedauerten 
e ge fo befchriene Berg Hecla, einige Jahr 
1101 0 ich ganz ſtille. Gleichwohl ſtehen die Anwohner 
t ohne Grund in Sorgen, daß er ſich, ſo zu reden, 


nur erhohle, und deſto grimmiger uͤber kurz oder lang zu 


ihrem Schaden wiederum zu ſpeyen anheben werde. Ich 


habe vermeinet von ſeiner dermaligen Geſtalt und Um⸗ 


ſtaͤnden etwas näheres zu erfahren. Man hat mich aber 


verſichert, daß es wegen der theils ausgeworfenen, theils 


abgeſtuͤrzeten unzehligen Felsſtuͤcken, und wegen der durch 
feine Ausguͤſſe eingeriſſenen Schruͤnde und Kluͤfte, die 
dadurch, daß ſie mit falſchem Schnee verdecket, oder mit 
bruͤchigem Eiſe ausgefuͤllet, noch um ſo gefaͤhrlicher 


ſind, es ganz und gar unmoͤglich ſey nur auf eee 


Von einem 
dreymal im 
Jahre ſich 
entzuͤnden⸗ 
den See. 


gen zu ſehen, einſt eigentlich zu dieſem See gereiſet ift, 


geſchweige bis zu deſſen Schlunde zu klimmen. 


H. IX. Ohngefaͤhr eine halbe Meile vom Hecla ab 


lieget ein füßer, allezeit warmer, im Winter aber noch 
waͤrmerer See, welcher, der Anwohner Bericht nach, 
die ganz beſondere Eigenſchaft haben ſoll, daß er alljaͤhrig 
zu dreyen unterſchiedenen Zeiten ſich von ſelbſten entzuͤn⸗ 
det, und iedesmal 14 Tage lang mit lichten Flaͤmmlein 


brennet, auch, nachdem ſolche erloſchen, noch einige Ta⸗ 


ge hernach ſtark dampfet oder rauchet. Mein Kaufmann, 
der, um dieſes ſonderliche Phenomenon mit eigenen Au⸗ 


hat zwar, weil er um einen Tag zu ſpaͤte dahin gekom⸗ 


men, keine Flammen mehr, iedennoch gleichwohl ein ſtarkes 
Rauchen angetroffen. Ich bedaure nicht wenig, daß 


ich außer demjenigen, was ich von dieſem Manne ver⸗ 


nommen, ſonſt von dieſem entzuͤndlichen See, und deffen en 


erzehlten Umſtaͤnden, nichts in Erfahrung bringen moͤ⸗ 


gen. e dieſelbe fo fonderbar und ee 699 
4 90 55 ind, 4 


Nachrichten von Island. 13 


ſind, daß allerdings zu wuͤnſchen waͤre, es moͤgte ein mit 

erforderlicher Geſchicklichkeit begabter Naturkuͤndiger den⸗ 

ſelben in Augenſchein nehmen, und fo wohl die Beſchaf⸗ 

fenheit der umliegenden Gegend, ſamt den unterirdiſchen 
Bergarten, oder Mineralien, als den See und ſeine 

Qvelle, nebſt der eigentlichen Zeit, und der Beſchaffen⸗ 

heit des Gewitters, wann die Entzuͤndungen ſich zutra⸗ 

gen, mit genauer Aufmerkſamkeit unterſuchen. Ich bin 

gewiß, daß dadurch manche Dinge entdecket werden wuͤr⸗ 

den, welche andern, die Mineral- und warmen Ovellen, 

die an einigen Orten oͤfters zu hellen Flammen werdende 

Duͤnſte u. d. g. betreffenden Begebenheiten ein neues Licht 

anzuͤnden koͤnnten. J ONES nd | 

Indeſſen, da die mir geſchehene Erzehlung alle Wahr: Deffen 

feheinlichfeit, und mein Erzehler alle Merkmale eines auf EI nn. 
richtigen Mannes vor ſich hat, ſo will ich, ſo viel mir die chen. 

bekanntgewordene Umſtaͤnde Gelegenheit an Hand ge — 

ben, von den Urſachen der angefuhrten Seltenheiten mei⸗ 

ne wenige doch naturmaͤßige Gedanken zu anderer Pruͤf⸗ 

und Verbeſſerung eroͤffnen. Es ergeben die anderwaͤrts 

als bey der vermeinten und berufenen Fontaine brulante 

ohnfern Grenoble in Dauphiné * und bey der entzuͤndli⸗ 

chen Qvelle in Lanchashire in Großbritannien ** ange 

ſtellete genauere Unterſuchungen, daß nicht Waſſer, ſon⸗ 

dern die aus dem umher befindlichen Boden unvermerkt 

aufſteigende Schwefelduͤnſte ſich entweder ſelbſt entzuͤn⸗ 

den, oder doch mit einem Lichte anzuͤnden laſſen, und mit 

helllodernder Flamme brennen. Nun iſt aus der grund⸗ 

richtigen Naturlehre des vortrefflichen Phyſiei Herrn 
e Be | Wolffen 


Welche keine Fontaine, ſondern ein kleines Stuͤck san. 
des, wo man eine lichte, der Flammen von Brantwein aͤhnli⸗ 
che Flamme auf den todten Felſen von vermoderten Schie- 

ferſtein lodern und in der Luft vergehen ſiehet. Hiftoire de 
V’Ac2.des Scienc. å Paris d. 1699. p.24.1q. S 
Fhiloſoph. Transact. N. 26. p. 482 fl. 


Å 


1 


14 Nachrichten von eland. 


Wolffen bekannt, daß die aufſteigenden ſchwefelichten 3 
Dämpfe, ſo lange fie geringe und duͤnne find, ohnver⸗ | 


merkt verrauchen, das ift, ihrer Leichtigkeit halber in der 


Luft måblig höher ſteigen und ſich vertheilen; wenn fie 


aber haͤufig und dichte genung geworden, von ſelbſt ſich 


entzuͤnden, und helle Flammen von ſich werfen. Da⸗ 
ber ſchließe ich, daß bey dem Islandiſchen See alles auf 

Schwefel⸗Erdwaͤchſiſche u. d. g. Duͤnſte, die aus deſſen 
Grunde und Ufern durch das Waſſer herauf dringen, 
ankomme, welche, ſo lange ſie nur in geringer Anzahl und 
ſparſam hervor kommen, ohne daß man ſie wahrnimmt, 


gleichſam verſchwinden; ſo bald ſie aber nach und nach 


in zureichlicher Menge ſich geſammelt, oder aus den um⸗ 
hergelegenen Erdhoͤhlen einen ſolchen Zuſchub wieder be⸗ 
kommen, daß ſie dichte genug geworden, ſich entzuͤnden 
und zu lichten Flammen gedeihen: wozu ohne Zweifel 
eine alsdenn uͤber dem See vorhandene feuchte neblichte 
Luft ein vieles beytraͤget. Allermaßen nicht allein die 
Naturwiſſenſchaft uns lehret, daß feuchte dicke duft die 


Duͤnſte zugleich verdicke, und an weitern Aufſteigen be⸗ 


hindere, ſondern die Erfahrung auch an der obberuͤhrten 
Franzöſiſchen Qvelle ergiebet, weswegen der Grund ders 
ſelben ſtaͤrker brennet im Winter und bey feuchter Luft 
als im Sommer; dagegen ſie ofte in der heißeſten Zeit 


(welche bekanntl. eine widrige Wirkung hat, mithin die 


Duͤnſte verduͤnnet, und aus einander treibet) von ſelbſt 


zu brennen aufhoͤret! “. Wie denn noch weiter ganz na- 
tuͤrlich 


. Abſonderlich dem II Theile feiner Verſuche, $. 142. 


* Dergleichen auch an den beſtaͤndigen Erdflaͤmmlein 
des Berges Pietra Mala auf dem Apenniniſchen Gebirge bemer⸗ 
ket wird in den Memoires de Acad. des Sciences de Paris 
d. 1706. 9.337. womit die Experimenta verſchiedener Phoſpho- 
rorum uͤbereinſtimmen, die bey heiterem Himmel und klarem 


Sonnenſchein entweder gar nicht, oder doch ſehr langſam, 


dahingegen bey kuͤhler, truͤber und zumal regnigter Luft, gar 


geſchwinde a und in helle Flammen Wihrirden⸗ 


Nachrichten von Island. 15 


tuͤrlich iſt, daß wenn der aus dem Boden zufließende 
Vorrath von ſchweflichten und andern Duͤnſten durch die 
Entzuͤndung verzehret worden, folglich es der Flamme 
an Nahrung gebricht, dieſelbe nothwendig verloͤſchen 
muͤſſe. Nicht anders, als wie die Feuerſpeyende Berge 
nur alsdenn wuͤten, wenn genungſamer Brandvorrath 
in ihrem Eingeweide vorhanden; ſo bald aber derſelbe 
verzehret, aufhoͤren und ruhen, auch nicht ehe wieder an⸗ 
fangen, als bis ihnen ein neuer aus der benachbarten 
Erde zugefloſſen. Daß aber der Islaͤndiſche See nach 
verloͤſcheten Flammen noch einige Tage nachrauchet, ſolte 
ich vermuthen daher zu ruͤhren, daß alsdenn noch etwas 
von dickem Erdwachſe unten im Grunde uͤbrig ſeyn mag, 
welches noch eine Weile nachbrennet, und weil ſonſt kei⸗ 
ne Oeffnung da iſt, durch das Waſſer ſeinen dicken Dampf 
heraufſchicket. Endlich iſt bey dieſem Wunderſee am 
ſchwerſten zu begreifen, wie es zugehen moͤge, daß der 
Zufluß der Brennſtoffe alle Jahr und zwar zu dreyen 
malen und eben in ſolcher Menge und richtigem Maaße, 
daß fie auf 14 Tage vorhaͤlt, geſchehen und alſo gemaͤſ⸗ 
ſiget werden koͤnne. Doch iſt es deswegen nicht gaͤnz⸗ 
lich in Zweifel zu ziehen, zumahlen die Natur in der Er⸗ 
den viele verborgene Wirkungen ausuͤbet, deren eigent⸗ 
liche Urſachen und Umſtaͤnde kein Natur verſtaͤndiger aus⸗ 
zumachen vermoͤgend if, Warum ſollten dieſe obſchon 
ſchwer zu erklaͤrende Umſtaͤnde nicht ſo wohl moͤglich ſeyn 
koͤnnen, als was der um die Naturwiſſenſchaft hochver⸗ 
diente und glaubwuͤrdige Herr Scheuchzer in den Natur⸗ 
Geſch. des Schweizerlandes Part II. p. 342. von dem 
Weißenburger Bade erzehlet? daß daſſelbe fo gar drey- 
mal des Tages ſeine Waͤrme aͤndere, und Morgens 
zwiſchen 7 und 9, Mittages zwiſchen 12, und, Abends aber 
zwiſchen 4 und 7 Uhr wärmer als ſonſten ſey. 


§. X. Aus allen angeführten, und da überall ein ſo Es ſind vie⸗ 
großer Vorrath von Schwefel, Bergharz, Gee u 
| 1 un . 


16 Nachrichten von Island. 
und Teiche und eiſenhaltigen Schwefelfiefen, als der warmen Waſ⸗ 
daſelbſt. ſer eigentlichen Zeugemutter, die vermuthlich faſt ohne Un⸗ 
terlaß auf vielerley Art zuſammen ſtoßen und in Gaͤh⸗ 
rung gerathen muͤſſen, vorhanden iſt; ſo iſt nicht zu ver⸗ 
wundern, daß ſich ſo viele warme Teiche und Qvellen an 
verſchiedenenen Orten auf unſerer Inſul antreffen laſſen. 
Ein gewiſſer Schiffer, der in der Jokuls-Fiord gelegen, 
hat oben auf dem Jokul, einem großen Felſen, der ſehr 
gedampfet, und deſſen Erdreich ſo warm geweſen, daß 
man kaum die Hand darauf halten koͤnnen, einen ziem⸗ 
lichen Teich mit bey nahe ſiedendem Waſſer angetroffen, 
doch keine Flamme, weder bey Tage noch bey Nacht ge⸗ 
ſehen. Im Huuswickiſchen Diſtrict, ohnfern des Orts, 
wo der obgedachte Brand angegangen, iſt eine heiße 
Quoelle, die alle viertheil Stunde 3 mal hervor brudelt, 
und zwar anfangs ein wenig, bald noch hoͤher, und end⸗ 
lich ganz heraus ſteiget, auch ſolchergeſtalt auf 3 mal nach 
und nach wieder ſinket, und dieſes Spiel beſtaͤndig Nacht 
und Tag wechſelsweiſe wiederholet. Unter diefen Qvel⸗ 
len ſind die mehreſten ſo brennendheiß, daß man Rind⸗ 
fleiſch darinne gahr kochen kann, welches entweder ohne al⸗ 
le Zuruͤſtung und Geſchirr auf eine gar kurze, doch die 
Luſt zum Eſſen nicht eben reizende Weiſe, in dem Waſſer 
ſelbſt, an einem bloßen Faden geſchehen kann *, oder auf 
eine weitlaͤuftigere, doch eßbarere Art **, wann man 
daſſelbe mit kaltem Waſſer in einen Keſſel thut, und in 
den Brudel haͤnget, daß derſelbe daran ſpielen, und das 
Kochen verrichten muß. Herr Me - = erwehnete, daß 
ohnfern von feiner Fioerde fieben heiße Qvellen nahe an 
einander gelegen waͤren, die mit großer Gewalt heraus⸗ 
brudelten, dabey wohne ein Mann, der ſich Jahr aus 


a Jahr 
Als es Zorgdrager gemacht: Opkomſt der Groen- 


land, Vifcher. c. 7. | : 
Wie D. Biorn Philoſ. Transact. No. III. p. 238 be⸗ 
richtet. ae e 


N | 


Nachrichten von Island. 17 
Jahr ein keiner andern Feurung bediene, ſondern in einer 
Qvelle, die oben ein enges Loch hätte, Fleiſch in ein lei⸗ 8 


nen Tuch genehet; Gruͤtze u. d. gl. aber i in hineingehange⸗ 
nen Toͤpfen ſich gahr koche. 


Die Qvellen ſelbſt machten bey ihrem Ueberlauf oder Gut su ba⸗ 
Ausfluſſe ſo fort einen maͤßigen Bach, oder kleinen Fluß, den 
in deſſen klaren und lauen Waſſer (ob es gleich zu An⸗ 
fang den Kopf, ohne Zweifel, durch ſeine mitfuͤhrende 
ſchwefelichte Ausduͤnſtungen, etwas einnimmt, ) überaus 

angenehm und geſund zu baden waͤre. Es enthalten 
ſich auf demſelben iederzeit gewiſſe ſchwarze Vogel mit 
langen, den Schneppen nicht ungleichen, Schnaͤbeln, die 
darauf gemeiniglich ſchwimmen, und von dem darinn bes 
findlichen Gewuͤrme, Schnecklein u. d. gl. ihre Nahrung 
vermuthlich ſuchen. Ob Fiſche darinn, wußte man mir 
nicht zu ſagen. Ich ſollte aber um ſo weniger daran 
zweifeln, als ich ehedeſſen in der laulichten Sammelung, 
oder Deiche, worein die heißen Baͤder zu Bourzet bey 
Aacken ihren Ausfluß haben, mehr als eine Art Fiſche, 
beſonders Karpen, angemerket, die noch dazu, wie mich 
ein vornehmer Mann daſelbſt berichtet, eben wegen der 
gedeylichen Laulichkeit des Waſſers, größer und niedlicher 
find, als die weit davon in gan; kaltem Waſſer gefangen 
werden. 


Ueberhaupt hat die Daͤniſche Kaufleute laͤngſt die und geſund 
Erfahrung gelehret, daß wie die heißen, alſo auch die uͤbrizu trinken. 
gen Qvellwaſſer dieſer Inſel, weil fie alleſamt entweder 
mehr, oder weniger mineraliſch find, gar gefund und heil⸗ 
ſam zu trinken find *. . 


\ 


. Xl. 
Mir iſt hierbey eingefallen, was Pulbedujus Legat. 
Turcic. Epift. I. p. i) meldet, und einer genauern Unterſu⸗ 
chung wohl wuͤrdig ift, naͤmlich: Illud quoque, dum Budae 
eram, videre iuuit, fontem, qui eſt extra portam, qua 
iter eft Conſtantinopolin, in ſummo mire fermentem: in 
23 culus 


Gebirg 


18 Nachrichten von land. 


en 
heit 1 


a 5 
muthli 
Marmor. 


§. XI. Das Gebir ge beſtehet aus Sand⸗ und an⸗ 


„derm wilden rauhen Geſtein. Aller Vermuthung nach 


finden ſich auch inwendig Marmorlagen. Weil nicht allein 
in Schweden und Norwegen dergleichen anzutreffen, ſon⸗ 
dern auch am Strande dieſer Inſel zuweilen kleine Stei⸗ 
ne von Marmor s Arten ſich gefunden, die wohl ſchwer⸗ 
lich von Felſen einiger entlegenen feſten Lander koͤnnen 


abgeriſſen, und durch die See bis an Island gewelzet 
ſeyn. Wie denn auch in der Eeckhofiſchen Sammlung 


zu Lübeck, welche dermalen in Hånden des curieuſen Buͤr⸗ 
germeiſters, Herrn Munter iſt, ein rother und ein gruͤner 


Marmor, ſo aus Island ſeyn ſollen fich befunden. Al⸗ 


lein wer hat darnach ie gebrochen? Im Lande ſind ſie zu 


den gebraͤuchlichen elenden Haͤuslein nicht noͤthig: und 


Auslaͤnder begehren ſie 11 5 weil ſie von andern Orten 


dieſelbe von beſſerer Guͤte, d. i. Haͤrte und Glanz, dazu 


naͤher und wohlfeiler beben Fönnen, Maßen bekannt 


iſt, daß in den kalten Weltgegenden dergleichen Geſtein 


zu der Härte nicht gedeihet, folgbar das Poliment fo gut 
nicht annimmt, als dasjenige, fo in warmen Landern ge⸗ 


brochen wird: welches zugleich ſo wohl von den gerin⸗ 
gern, als edlern Steinarten zu verſtehen iſt. Und ich 


kann mit verſchiedenen Proben erweiſen, daß die Verſtei⸗ 


nerungen ſelbſt in Aſien zu weit EF größeren Vic als i in 


Europa, gelangen. 


8. XII. 


cuius ramen fundo natantes deſpicias piſces, ‚quos inde 
niſi coctos eximi poſſe non putes. Ich bilde mir auf eine 


leichte Art dieſes alſo ein, daß das Waſſer unten auf dem 
Grunde kalt, oben daruͤber aber ein aus der Erde von der 


Seiten her zufließendes warmes Stroͤmlein ſey, welches we⸗ 


gen ſeines ſtarken Zuſchuſſes, und weil es, als leichter, von 


dem kalten Waſſer gleichſam getragen wird, uͤber dieſem ſo ge⸗ 


ſchwind hinrollet, daß es demſelben von ſeiner Waͤrme bis 


hinab auf den Boden nicht viel mittheilet, folgbar die dische f 


gar beqvemlich unten darinne dauren koͤnnen. 


— 


Nachrichten von Island. 19 
a XII. So fallen auch die Cryſtallen, davon man Die ern ⸗ 
zuweilen ohngefaͤhrlich in den natürlichen Felſenhohlen fal 
ein und anders Stuͤck angetroffen, allhier ſehr weich und 
brüchig, alfo, daß nichts daraus zu verfertigen ſtehet. 
Indeſſen iſt von beſonderer Eigenſchaft diejenige Art, auter dem⸗ 
welche zwar hie und da, vornehmlich aber an einem Ber⸗ 1 15 
bey Roerfioerde gefunden wird, und unter dem Na: lelandieage⸗- 
men Cryftallus Islandica bekannt if. Denn dieſelbe nannt wird. 
ſtellet die Buchſtaben und alles, was man durch ſie an⸗ i 
ſiehet, zweyfach oder gedoppelt vor. Welche Eigenfchaft 
aus den Gründen der Phyſic und Maͤtheſis vergnuͤglich 
zu erklaͤren, ſo leichte nicht iſt. Daher verſchiedene der 
achten Leute ſich ſchon die Köpfe darüber . 
en 
Sie ift aber kein Eryſtall, ſondern ein Lapis Specula- Deſſen eie 
ris von der haͤrtern Gattung, oder ein Selenites Thom. Beſchafen⸗ 
boidalis, das ift, nach der bergmaͤnniſchen Sprache, eine heit. 
Spaatart, die auch Glinzerſpaat, oder Spiegel⸗ 
ſpaat, nach Unterſcheid der Oerter, genennet wird. Wie 
ich denn ſelbſt, als mir ohnlaͤngſt, auf Begehren einige 
Spaatarten vom Clausthal aufm Harz zugeſchicket wor⸗ 
den, das Gluͤck gehabt, darunter eine Gattung, die eben 
falls verdoppelt, doch nicht ſo klar, als die Jeläͤndiſche it, 
ausfuͤndig zu machen. Wornach vor mir niemand ge⸗ 


VR chet hat. 
rå f 2 S. XIII. 


5 So Si Erafmus Bartholinus Ao. 1670 zu Copenhagen 
ein eigenes Tractaͤtlein davon herausgegeben, und Hugens in 
feinem tieffinnigen Werke vom Lichte, (ſo 1690 in Leyden zum 
Vorſchein gekommen) gar weitlaͤuftig daruͤber raiſonniret. Weil 
auch in dem pfeilfoͤrmigen Talc, oder vielmehr Lapide Speculari, 
ſo der feinſte Gypsſtein iſt, und auf dem Berge Montmartre 
vor Paris bricht, von dem großen La Hire eine gleiche Wir⸗ 
kung wahrgenommen worden; fo hat derſelbe feine Anmer⸗ 
kungen und Gedanken desfalls der gelehrten Welt mitgethei⸗ 
let in den Memoires der dortigen Academie des Sciences 
d. A. 710. p. 341 fegg. | 


U 


20 Nachrichten von Island. 
Vimsſtein. F. XIII. Zwo Sorten vom Bimsſtein, namlich eine 


graue und eine ſchwarze, welche beyde gleichwol nur 


unrein, werfen die feuerſpeyende e wenn ſie Ken 
Aus. 


Auch bet ⸗ . XIV. Daß in dem Gebirge metallen „ 
en ſeyn koͤnnen, ſolches vermuthe ich nicht ohne Grund: 
weil ich nicht nur berichtet bin, daß man zuweilen eiſen⸗ 
artige Marcaſite, imgleichen Schwefelkieſe, ohngefahr 


daſelbſt angetroffen, auch oͤfters Adlerſteine, welche ins⸗ 
gemein eiſenſchuͤßig find *, finde; ſondern über dem in 


des ſeligen D. Worms Mufeo P. 123 lefe, daß ihme gedie⸗ 


gene Eiſenſchollen aus Island in ſeine Naturalien⸗ 


Cammer geſchicket worden. Was es aber außer Eiſen⸗ 


ſtein ſonſt für eigentliche Metallen gebe, ift nicht zu ſa⸗ 


gen; ſintemal man, ſo viel ich erfahren moͤgen, nie irgend 
geſchuͤrfet, noch eingeſchlagen, auch alem Vermuthen nach 


es künftighin ebenermaßen ſowol wegen des unſchlachti⸗ 


gen, rauhen und gefaͤhrlichen Gebirges, als wegen des 
dahin gaͤnzlich abgehenden, doch zum Bergbau unentbehr⸗ 


lichen, Brenn⸗ und Bauholzes wohl nimmer unternom⸗ 


men werden wird. 


Bergharz. XV. An Bergharzen und Eröpechen, E Bitumi- 


nibus, fehlet es keinesweges, wie aus vielerley Spuren 


Turf. abzunehmen. Als zum Exempel aus dem Turf. Denn 
ob deſſen gleich nicht gar viel, und in dem Suͤdtheile nur 
ſehr ſchlechter (weil er zu viel Schwefel hat, und daher 
gar zu geſchwinde verbrennet, annebſt greulich ſtinket) 


gefunden wird, fo hat man doch hie und da, als in Haven- 


fioerd einigen ganz guten, e ſchweren und Ln. 
| | urf. 


lacobaei in Muſ. Reg. Cap. I. Sect. 7. n. 67 fuͤhret aus 


den Schedis Gadmundi Islandi an, daß deren auf 60 Arten, 
und darunter einige von ganz beſondern Eigenſchaften gefun⸗ 
den werden ſollen; wovon man aber wohl mit e naͤhern 


Erweis zu 1 befuget iſt. 


/ 


SEEN 
ER 


Nachrichten von Island. er 


Turf. Wo er auch den Inwohnern fuͤr ihre einzige 
Feuerung dienet. Einer hat mir eines Seeturfs er⸗ 
wehnet, wovon er aber auf Befragen nichts weiter zu ſa⸗ 


gen wußte. 


F. XVI. Von der Gegenwart des Erdpechs zeuget Schwarzer 
noch mehr der ſchwarze Agtſtein, Gagathes, davon man Agtſtein. 
zuweilen Stuͤcke findet, die angezuͤndet, wie ein Licht bren⸗ 
nen, und zu aberglaͤubiſchen Dingen von den Islaͤndern 
gebrauchet werden. Welches letztere ſie vermuthlich noch 
von ihren Catholiſchen Voreltern her per traditionem, 
unter ſich behalten haben. Immaßen dergleichen unter 
den Catholiſchen bis noch, anderwerts nicht weniger mit 
dieſem Stein vorgehet . Dieſem Gagat ift am aͤußer⸗ 
lichem Anſehen, zum Theil auch dem bituminoſen Ge⸗ 
halt nach, ſehr gleich, aber an Haͤrte und uͤbriger Art gar 
ungleich, ein gewiſſer pechſchwarzer und glaͤnzender Stein, 
den die Dänen einen ſchwarzen Agar nennen, und weil 
zuweilen ziemlich große Stuͤcke davon angetroffen wer 
den, zum Verkauf mit ſich nehmen. Es hat derſelbe ; 
eine große Härte, alſo daß er wie ein Agat Feuer ſchlaͤ⸗ 
get, iſt aber ohne allen Zweifel eigentlich eine reine, glatte, 
ſehr bituminoſe, durch ein gar ſtarkes Erdfeuer zuſam⸗ 
men geſchmolzene Schlacke, oder Vitrification, Denn 
wenn man an duͤnne Stellen ſchlaͤget, ſo ſpringt er wie 
Glas, und die Scherben, die abfallen, ſehen ganz glaͤſicht 

aus: wogegen nicht irren mag, daß er Feuer giebt. Maſ⸗ 
ſen ſelbſt die aus einem großen Feuer zuſammengeſchmol⸗ 
zene feſte Erzſchlacken etwas Funken geben. Und ich 
beſitze aus Liſſabon eine Schlacke, die ſo hart, daß ſie ſich 
wie ein Spiegel poliren laͤſſet, und an Stahl angeſchla⸗ 
gen noch viel ſtaͤrker Feuer giebt, als die Islaͤndiſche. 
Man hat in Copenhagen fuͤr den letzt verſtorbenen Kö: s 
nig aus einem großen Stuͤcke dieſes Steins eine Schale 

15 B 3 mit 


* Caefius de Mineralibus Lib. III. cap. 7. Sect. 16. 


n Nachrichten von Jsland. 


mit einem Deckel verfertiget, woran der Kuͤnſtler bis ins 
vierte Jahr, wie man ſaget, gearbeitet haben ſoll. Denn 
er erfodert eine beſonderes Geſchicke und Behutſamkeit, 
weil er ſo ſehr ausſpringet. Ein guter Freund hat ein 
Stuͤck davon einem Pitſchierſtecher hingegeben, um ein 
Pitſchaft darein zu graben, es hat ihm aber nicht ange⸗ 
hen wollen: vielleicht aus Ungeſchicklichkeit des Meiſters. 
Maßen ja die ſchwarzen Agatcorallen, die das Frauen⸗ 
zimmer in der Trauer um den Hals und in den Ohren 
traͤget, auch Meſſerſchalen u. d. g. daraus in Menge ges 
machet werden. Ich bin bey Betrachtung dieſes Steins 
auf die Gedanken gerathen, daß er leicht der eigentliche 
Lapis Obfidianus der Alten ſeyn koͤnne. Denn es iſt 
deſſelben Beſchreibung diefer Islaͤndiſchen Schlacke in 
allen Stuͤcken fo ähnlich, als ein Ey dem andern. Pli- 
nius (Hiſtor. Nat. Lib. XXXVI. Cap. 26. ſ. Sect. 67) 
ſetzet: in genere vitri & Obſidiana (ſcil. pocula) nume- 
rantur ad ſimilitudinem lapidis, quem in Æthiopia in- 
venit Obſidius, nigerrimi coloris, aliquando & translu- 
cidi, eraſſiore viſu atque in ſpeculis parietum pro ima- 
gine umbras reddente &c. und noch deutlicher Iſidorus 
(Lib. XVI. Origg. c. 15) eft niger interdum & virens, 
aliquando & translucidus crafliore viſu &c. & Cap. 4. 
Obſidius lapis niger eſt, translucidus & vitri habens 
ſimilitudinem. Ponitur in ſpeculis parietum propter 
imaginum umbras reddendas. Alſo iſt unſer Islaͤndi⸗ 
ſcher pechſchwarz und glaͤnzend. Wenn er aber in Blaͤd⸗ 
lein geſpalten wird, iſt er halb durchſichtig, doch truͤber 
und dunkler als Glas, gleichwohl demſelbigen ganz aͤhn⸗ 
lich: ja eine wirkliche Vitrification. Koͤnnte auch in 
dicklichten Blaͤttern, zu Bekleidung der Waͤnde gebrau⸗ 
chet werden, weil er einigermaßen ſpiegeln und dunkle 
Schattenfiguren darſtellen wuͤrde. Zwar will er ſich 
nicht fo ſchnitzen und ſchneiden laſſen, als der alte, aus 
dem man, wie Plinius gedenket, Bildwerke und Petſchafte 
gemachet; allein dieſes veraͤndert das Geſchlecht 1 5 


Nachrichten von Island. 23 


Esa kann jener härterer Art, als der Islaͤndiſche, oder 
die Römer beſſere Steinſchneider, als die Daͤnen, gewe⸗ 
ſen ſeyn. EN NS 
§. XVII. Unter der öbern Erdlage findet ſich ober⸗ Schwefel. 
wehntermaßen überall, abſonderlich in ſumpfichten Thaͤ : 
lern und Moraͤſten haufenweiſe, ja manchmal in Fauſt⸗ 
großen Klumpen gewachſener Schwefel, (Sulphur 
nativum) und an den Felſen ſchlaͤgt er dermaßen ſtark 
und dick aus, daß man alle 2 bis 3 Jahr ihn vermittelſt 
eines Schabeiſens herabkratzen und ſammlen kann. Die⸗ 
ſen natuͤrlichen Schwefel hat man in vorigen Zeiten fleis⸗ 
ſig geſammlet und ausgefahren. Es iſt auch noch vor 
wenig Jahren im Huswickhawen, woſelbſt derſelbe noch 
haͤufiger als an andern Gegenden der Inſel zu finden, 
eine gewiſſe vom Könige privilegirte Perſon gewefen, wel⸗ 
che daſelbſt aus den Schwefelbergen deſſen ſo viel zu⸗ 
ſammen gebracht, daß er auf einmal zwo bis drey hun⸗ 
dert Tonnen voll davon nach Copenhagen ſenden koͤnnen. 
Allda er nachher auf gewoͤhnliche Weiſe geſotten und gez 
1 1 00 worden. Es iſt aber, wie vor dem zu mehrma⸗ 
en, alſo anitzo auch das Schwefelſammlen bald wieder 
eingeſtellet worden, weil die Bauern es nicht gerne ſehen, 
auch ſchwer zum Sammlen zu bewegen find, nachdemmal 
es der Fiſcherey, wovon fie ihre meiſte Nahrung haben, 
nachtheilig ift, | „ . 


Denn es lehret die Erfahrung (welches mich ſehr an⸗Denſelben 
merkungswuͤrdig deucht,) daß nicht allein, wenn am gische. : 
Strande Schwefelerze von Unreinigkeit und Staub gew ⸗ 
ſchen werden, die Fiſche ſich verlaufen, ſondern, daß ſie auch 
ſo gar, wenn ein Schiff, worin etwas Schwefel geladen, auf 
der Rhede lieget, davon fliehen. Ja ein Fiſcherboot, wor⸗ i 
an deffelben auswendig nur etwas angeſchmieret worden, 
verjaget die Fiſche, wo es hinkoͤmmt. Weshalben die 
Fiſcher, die einander nicht gut ſind, zuweilen einer unter 
des andern Boot ein wenig Schwefels entweder an⸗ 

| B 4 ſchmie⸗ 


| 


24 Nachrichten von Island. 


ſchmieren, oder auch in eine verborgene Ritze verſtecken, 


wohl wiſſend, daß ſolchergeſtalt mit demſelben Boote 


nicht viel werde gefangen werden. Wobey ich zu meh⸗ 


rer Erläuterung dieſer Anmerkung noch anzufuͤhren habe, 
daß die Inwohner der Färdifchen Inſeln, die ſchaͤdliche 
Wallfiſchart, welche ihre Boͤthe oͤfters rund um wirft, 
und von ihnen Trold Hval genennet wird, auf dieſe 


| Weiſe verjagen, daß fie in die Vorſtaͤfen ihrer Boote 


Wie auch 
den Kalk. 


ein Loch bohren, und darein Biebergeil (Caſtoreum) ſte⸗ 
cken, nachmals einen Pflock darauf ſchlagen. Andere 
fuͤhren ein Stuͤck Holz, woran dergleichen Biebergeil ver⸗ 
macht iſt, mit ſich, und werfen daſſelbe auf den Fiſch, 
ſobald er ſich zu ihnen naͤhert: da er denn augenblicklich, 
wie ein Stein zu Grunde ſincket, welches auch denen 
Menſchen, die Biebergeil am Leibe haben, begegnen ſoll, wo⸗ 
von zu leſen Bartholin. Cent. II. Hiſtor. Anatomicar. 
ı7 und Luc. Iacobſcen Debes Faeroæ p. 168, welcher 
Autor aus dem Bericht dieſer Leute noch hinbey fuͤget, 
daß ſie in Ermangelung des Biebergeils, Spaͤne von 
Wacholder Holz mit ſich fuͤhren, und ſelbige dem Fiſche 
entgegen werfen, welche eben dieſelbe Wirkung, nehmlich 
daß der Fiſch wegſinke, thaͤten. Ich habe auch zuver⸗ 
laͤßig gehoͤret, daß ein Schiff mit Kalk beladen, oder von 
außen damit beſchmieret, ebenfalls von den Fiſchen gar 
ſehr geflohen werde. Man erkennet hieraus, mit was 
fuͤr einem ſcharfen Geruch und fertigen Geſchmack auch 
das Fiſchgeſchlecht von dem allweiſen Schoͤpffer zu Aus⸗ 
findung dienſamer und ae undienlicher 3 i 
fen muͤſſe begabet ſeyn. | 


Es ift aber der Grund diefes Abſcheues bey den Fi | 


ſchen, fo viel den Schwefel, Biebergeil und Wacholder 


anbetrifft, viel leichter zu begreifen, als was den Kalk 


belanget. Denn von dem Schwefel iſt bekannt, wie er 
fo gar ſtark ausdaͤmpfe, daß, wenn ein kleiner, zumahl 
friſchgebrochener Klumpen, davon nur 24 Stunden i in ei⸗ 

| nem 


] 


Nachrichten von Island. 25 


nem verſchloſſenen Zimmer gelegen, man deſſen ſtinkende 
Ausduͤnſtungen genugſam, und nicht ohne Beſchwerlich⸗ 
keit, empfinde. Woraus von ſelbſten folger, daß es eben 
der Geſtank des Schwefels ſey. So hat auch der Biebers 
geil und Wacholder bekanntlich einen ſtarken und eben 
nicht angenehmen Geruch, der die Fiſche vertreibet. Al⸗ 
lein der Kalk hat ſo merkliche und ſtark riechende Aus⸗ 
daͤmpfungen nicht, und deswegen ſollte ich denken, daß, 
obgleich die ſinnliche Empfindungen der Thiere weit ſchaͤr⸗ 
fer, als der Menſchen ſind, es doch nicht ſo wohl dem 
Geruche von dem eingeladenen Kalke, als dem ſcharfen 
Geſchmack des Waſſers, der von dem bey der Einladung 
etwan verſpilleten, oder am Schiffe geſchmierten Kalke, 
entſtanden, zugeſchrieben werden muͤſſe, daß die Sich ſich 
zuruͤcke ziehen. Å | 


$ XVIII. Rüchenfals findet fi ch überall nicht, id) Mangel an 
meine, weder Salzqvellen noch Steinſalz. Salz. 


XIX. Auf der ganzen Inſel giebt es auch keine it. an Baͤu⸗ 
Baͤume, ohne in dem noͤrdlichen Theile derſelben. Wie „ 
denn ein vornehmer Kaufmann aus Copenhagen mir erzeh⸗ | 
let, daß er zwiſchen Huuswick u. Olfioerd, fo etwan 6 Mei⸗ 
len von einander gelegen, einen Birkenwald von drey Vier⸗ 
tel Meilen angetroffen, die aber nicht hoch, auch der Stat 

nur wie ein Arm dick geweſen: und ein anderer ſagte, 
daß bey Thing - Oere- Klofter noch eine ganz kleine Hoͤl⸗ 
zung, meiſtens aus Birken beſtehend, ubrig, doch fo ſchlecht 
und niedrig waͤren, daß man auf einem kleinen Landpferd⸗ 
chen ſitzend, an derſelben Gipfel reichete. Anderwaͤrts 
hat man nur an den Auen einige wenige niedrige Waſ⸗ 
ſerweiden, und ſonſt hie und da allein kleines Ge⸗ 
ſtraͤuch und Gebuͤſch, als Brommelbeeren, Wacholder 
u. d. g. welches von den Inwohnern ſparſamlich behauen, 
und bloß Kohlen fuͤr die wenige Schmiede, die auf der 
Inſel wohnen „zu brennen, angewendet wird. Es muß 
BF vormals 


26 Nachrichten von Island: 


vormals an Waldungen allhier nicht gefehlet haben, ge⸗ 
ſtalt ſolches nicht nur die alten Nachrichten bezeugen, ſon⸗ 
dern auch noch hie und da Ueberbleibſel von alten Wur⸗ 
zeln zu ſehen. Ja, wenn man ein wenig tief in die Er⸗ 
de graͤbet, trift man viel verſchlemmtes Holz an, fo ganz 
0 blau und hart iſt. SR a 


aber gute F. XX, Ungeachtet die fruchtbare Erd⸗Rinde oder 
Gras, Lage, nur ganz duͤnne iſt, ſo finden ſich doch, abſonderlich 
| an der Nordſeite, an den Auen und Waſſern gute Vieh⸗ 
weiden, da das Gras wohl eine halbe Elle hoch auf 
waͤchſet, und mit ſehr fetten und wohlriechenden Kraͤu⸗ 
tern untermenget iſt, davon das Vieh fett und wohl⸗ 
ſchmeckend wird. Was das Vieh und Schafe nicht ab⸗ 
etzen, wird zu Winterfutter gewonnen, und zwar auf eine 
recht kuͤmmerliche Weiſe, indem der Boden uͤberall ſehr 
höckericht und fteinigt ift, alſo daß man keine Grasſenſen, 
ſondern nur kleine krumme Sicheln brauchen kann, mit 
denen man das Gras bey kleinen Qvantitaͤten aus dem 
Raͤum⸗ und Gruͤblein zwiſchen den Felstruͤmmern und 
Steinhaufen vorſichtiglich heraus ſchneiden muß. Wes⸗ 
wegen, und weil ihr Werkzeug uͤberdem von ihnen ſelbſt 
ſehr ſchlecht gemacht ift, in einem Tage nicht viel gefüe _ 
dert wird. i : „ BR 
alien §. XXI. Auch mangelt es nicht an gefunden Kraͤu⸗ 
de Kräuter tern, z. E. dem Loͤffelblate, (Cochlearia,) und dem in 
noch groͤßerer Menge anzutreffenden Sauerampfer, 
(Acetoſa,) welche die aller Orten waltende weiſe Vor⸗ 
ſorge Gottes, nach Erforderniß des hieſigen Climatis und 
der demſelben gewoͤhnlichſten Krankheiten, dahier von be⸗ 
ſonderer Groͤße, Guͤte und Kraft wachſen laͤſſet. Mir 
iſt von ihrer erwuͤnſchten Wirkung, unter vielen andern 
folgende ſehr merkbare Probe erzehlet worden. Ein im 
Jahr 1700 von Tranqvebar zuruͤckkommendes Schiff, 
welches entweder aus uͤbler Hißung der Steuerleute, 
oder des Capitains Geiz, der die Erfriſchungskoſten pa 
. i ren 


Nachrichten von Island. 27 


ren wollen, das Vorgebirge der guten Hoffnung vorbey 
geſegelt, und, weil von der Mannſchaft uͤber 5 oder 6 nicht 
mehr im Stande, die Schiffarbeit zu verrichten, geweſen, 
Island zu ſuchen, genoͤthiget worden, ift glücklicher Wei 
ſe in Holmshavn eingefallen, wo der Capitaine das Schiff 
auf den Strand wollen laufen laſſen, als noch zu rechter 
Zeit ein daſelbſt in Ladung liegender Islands fahrer, der 
aus deſſen Flaggen geſehen, daß er ein Daͤne ſey, ihm mit 
einigen ſeiner Leute zu Huͤlfe gekommen, die Anker fallen 
laſſen, und das Schiff befeſtiget. Hierauf hat man das 
kranke Volk an Land gebracht, von welchen, ob ſie gleich 
außer etwas Loͤffelblaͤtter nichts als Sauerampfer in 


warmer Milch und ein wenig Schaffleiſch genoſſen, den⸗ 


noch viele in acht, die uͤbrigen in 14 Tagen ſo friſch und 
geſund geworden, daß ſie gehuͤpfet und geſprungen, und 
in weniger als 4 Wochen nach ihrer Ankunft wieder zu 
Schiffe gehen, ihre Anker ſelber lichten, und die lange be⸗ 
ſchwerliche Reiſe vollends froͤlich enden koͤnnen. Von 
der Kraft dieſer Kräuter wiſſen auch alle unſere Leute, die 
iemals nach Groͤnland geweſen, nicht genug Ruͤhmens 
zu machen. Denn es wachſen dieſelbe in gleicher, wo 
nicht noch mehrerer, Guͤte auf Jan⸗Mayen⸗Eyland, 
Spitzbergen u. ſ. w. Und da unſere Matroſen, wenn fie 
auf die Hoͤhe dieſer Inſeln kommen, gemeiniglich vom 
Scorbut dermaßen zugerichtet ſich befinden, daß alle Zaͤh⸗ 
ne im Maule wackeln, und fie nur kuͤmmerlich ihre Dien⸗ 
ſte zu leiſten vermoͤgend find, fo. ſuchen fie, fo bald im: 
mer thulich, Land, um dieſer Kraͤuter theilhaftig zu wer⸗ 
den; worvon ſie ſo fort geneſen, und gleichſam neues Le⸗ 
ben und neue Kraͤfte bekommen. Man hat mir noch 
von einem andern nur an wenig Stellen wachſenden 
Kraute, doch ohne es nennen oder beſchreiben zu koͤnnen, 
geſaget, daß es in Milch gekocht, natuͤrlich als Hirſe⸗ 
grüße ſchmecke. Und lacobaeus in Muſ. Reg. P. I. Sect. 
6. n. 6 et 7 gedenket noch zweyer gar vortrefflicher und 
heilſamer Kraͤuter, als Herbae Avium Islandiae, Fu- 

| glar- 


28 Nachrichten von Island. 
glar- gras, oder Akur-Lodar-gras und Muſei cathardici 
Islandiae, Fialla-gras, oder Fioeru - gras. . 144 


re, F. XXII. Erdfruͤchte wollen durchaus nicht fort, 
fruͤchte, il theils wegen des untauglichen Bodens, theils wegen der 
gar zu ſtrengen Kaͤlte und des durchdringenden Nordwin⸗ 
des. Man hat es mehrmalen mit Ruͤben, mn . 
u. d. g. verſuchet, aber allezeit vergebens. 5 


und kein $. XXIII. Am wenigſten kann man das Feld ER 
Korn. und Korn ſaͤen. Denn wenn man gleich die Steine 
mühſam ausleſen, und den Boden durch Pflege und Duͤn⸗ 
ge gut machen wollte, wuͤrde doch der Sommer, oder 
die warme Zeit ſo lange nicht währen, daß etwas reifen 
koͤnnte. Daher weiß der gemeine und arme Mann e 
vom Brodt. 
Von Meer⸗ . XXIV. Von Meergewoͤchſen konnte man mir 
und See 
gewächſen. nur eine Algam marinam, Soel geheißen, mit Namen 
anzeigen, die ſowol friſch als, in Mangel des Heues, ge⸗ 
doͤrret, dem Viehe vorgeworfen, ein zwar fettes, aber 
dabey eckelhaftes Fleiſch geben ſoll. Doch in kuͤmmer⸗ 
lichen Zeiten wird dieſes Kraut wohl gar von Menſchen 
ſelbſt ein wenig geroͤſtet zur Speiſe genoſſen. Der mehr⸗ 
mals angeführte lacobæus d. 1. n. 5 beſchreibet diefelbe 
unter dem Namen Alga Saccharifera Islandiæ und gie 
bet zugleich eine Abbildung derſelben. Sie ſoll Blaͤhun⸗ 
gen machen, und wenn man viel davon iffet, ſtark lari⸗ 
ren. Es ift zu beklagen, daß die Botanici, inſonderheit 
unſere Deutſche, wegen Entlegenheit von der See, mit⸗ 
hin aus Mangel beqvemer Gelegenheit, ſich bis daher noch 
nicht ſo recht ernſtlich auf die Sammlung, Eintheilung, 
Beſchreibung der Seegewaͤchſe geleget haben oder legen 
koͤnnen. Denn, nachdem ich mich darum etwas bekuͤm⸗ 
mert, und derſelben, ſo viel mir moͤglich geweſen, bey⸗ 
ſammen gebracht, habe ich wahrgenommen, daß ſie bey 
einem Gottſuchenden Liebhaber der Natur eine neue Be⸗ 
wunde⸗ 


Nachrichten von Island. 29 


wunderung und recht großes Vergnuͤgen erwecken, wenn 
man nehmlich ihre unbeſchreibliche, und einem unkundi⸗ 
gen unglaubliche Menge, Unterſcheid, Bildung, Farbe, 
Fortkommung ohne Wurzeln u. ſ. w. betrachtet, und da⸗ 
bey erweget, daß doch nichts, was nicht gut und nutzbar 
waͤre, aus der Hand des weiſen Schoͤpffers gekommen, 
ich will ſagen, daß auch dieſe als gar un nuͤtzlich angeſehene 
Gewaͤchſe nicht allein ſo vielen und vielerley lebenden Crea⸗ 
turen zur Nahrung, ſondern auch meiſtentheils dem Men⸗ 
ſchen ſelbſt ſo wol zur Speiſe, vornehmlich in Zeit der 
Noth, als zu kraͤftigen Arzeneyen, wenn fie ſolche nur aus 
Süfternheit nach fremden und koſtbaren Dingen nicht vers 
achteten vielfaͤltig dienen koͤnnen. Allermaßen vor andern 
der fleißige M. Martin in feiner gar leſenswuͤrdigen De- 
ſeription of the Weſtern Islands of Scottland, davon 
unter den auf dieſen entlegenen Inſeln in groͤſſeſter Sim⸗ 
plicität lebenden und das wenige, was ihnen gegeben iſt, 
rechtſchaffen nutzenden Inwohnern gar beſondere und 
merkbare Anmerkungen geſammlet und p. 148 ſqq. den 
Zaͤrtlichen zur Beſchaͤmung ans Licht gebracht hat. Von 
harten oder Corallartigen Seegewaͤchſen wußten 
meine Erzehler zwar ſo viel, daß derſelben einige auf den 
Gruͤnden vorhanden, konnten fie aber weder nennen noch 
beſchreiben, weil ſie, wie ſie ſelbſt geſtunden, niemals dar⸗ 
nach geſehen. Zum wenigſten wird ſich allda die Art des 
Pori cervini Imperati p. 630 finden, welche auf den fel⸗ 
ſichten Seebaͤnken bey den ohnfern davon belegenen Hit⸗ 
landiſchen Inſeln ſo gar haͤufig angetroffen wird, und in 
meiner Sammelung Madrepora erectior punctata & ra- 
moſa, cornua ceruina æmulans heiſſet. | 


$. XXV. Wilde Thiere weder edle, oder eßbare, Keine wil⸗ 

noch unedle, oder Raubthiere, ſiehet man hier nicht, vers de Thiere, 

muthlich weil dieſe Inſel auf allen Seiten vom feſten Lan⸗ 

de gar weit abgelegen iſt. Bären kommen zuweilen im 

Fruͤhjahr, wenn der Wind darnach iſt, auf die NE 
| | | kuͤſte 


30 Nachrichten von Island. | 
kuͤſte aus Grönland mit den losgehenden Cisfeldern an⸗ 
getrieben. Man pfleget aber um ſolche Zeit Wache da⸗ 
gegen zu halten, und ſobald man nur einen verſpuͤret, mit 
aufgebotener Mannſchaft darauf los zu gehen, und 
nicht eher zu ruhen, als bis man ihn erſchlagen: zumah⸗ 
len ſonſt dieſe gefährliche Veſtien in den unerſteiglichen 
Gebirgen ſich bald mehren und unter dem zerſtreuet 
und unverwahret wohnenden Bauervolke ſo wohl, als 
den wildlaufenden Schafen u. ſ. w. Unheils gnug anrich⸗ 
ten wuͤrden. BE CCT 
außer §. XXVI. Auf dieſe Weiſe muͤſſen iedoch die Fuͤchſe 
Suͤchſe. hon daher ſich eingeſchlichen haben, welche ſich uͤberall auf 
der Inſel haͤufig finden. Dieſe find dahier niemals roth, 
fondern ihrer wenige ſchwarz, die übrigen durchgehends 
im Sommer blau, grau und im Winter weiß. Ihre 
Baͤlge fallen im Winter, da fie das meiſte und feſteſte 
Haar haben, am beſten. Deswegen die Islaͤnder ſie als⸗ 
denn fleißig wegfangen, und zwar, aus angebohrnen Ab⸗ 
ſcheu vor allem Schießgewehr, vermittelſt aufgeſtelleter 
Netze, oder Fangeiſen, die faſt wie eine Schneiderſcheere 
geſtaltet, und mit einem verrecketen Samme, zum Luder 
verſehen ſind. Außer dieſer Zeit legen ſie ihnen, weil ſie 
ihren Schafen ſehr ſchaͤdlich fallen, hie und da Kraͤnau⸗ 
gen (nuces vomicas) in Honig getunket, die ſie, weil ſie 
ſonſt nichts ſuͤſſes zu ſchmecken bekommen, ſehr begierig 
hineinſchlingen. e e . 
Beſchaffen! F. XXVII. Die Pferde fallen hier, wie in allen 
Pferde nördlichen Gegenden klein, kurz und dicklicht; welches 
ohne Zweifel der zuſammenziehenden oder preffenden Ei⸗ 
genſchaft der Kaͤlte, die den Wachsthum zuruͤcke haͤlt, 
vornehmlich zuzuſchreiben iſt . Doch ſind ſie ſtark und 
VVV munter 


Ein gleiches bemerket man auch andern Landthieren 
daſelbſt. Dahingegen in den heißen Laͤndern wegen der al⸗ 
les ausdehnenden Waͤrme, die Thiere zu mehrerer ve ge⸗ 

: | | | | deen 


Nachrichten von Island. 31 


munter, dabey boͤſe und beißig. Man muß ſich wundern, 
was ſie ausſtehen koͤnnen. Sie werden aber auch recht 
abgehaͤrtet, indem ſie Jahr aus Jahr ein aufm Felde un⸗ 
ter freyem Himmel ausdauren, und des Winters unterm 
Schnee ſo wohl, als des Sommers, ihr Futter ſelbſt ſu⸗ 
chen muͤſſen. Wozu ſie allein dieſe Wohlthat von der 
Natur zu genießen haben, daß ſie mit beſonders ſteifen, 
langen und dicken Haaren, allermeiſt um die Winterszeit, 
bedecket ſind. | 


LW XXVIII. Die Schafe N fo ebenfalls nur klein, Der Scha⸗ 
haben mit den Pferden gleiches Gluͤck und Beqvemlich⸗ fe. 5 
keit. Denn ſie kommen, wie jene, Winters und Som⸗ 
mers in keinen Stall, ſondern muͤſſen auf dem Felde un⸗ 
ter den uͤberſtehenden Felsſpitzen, in den natürlichen Höͤh⸗ 
len der Berge, und ſonſt, wie ſie beſt koͤnnen, ſich behelfen, 
und ſelbſt ſorgen, wo ſie ihr Verbleib und Nahrung fin⸗ 
den *. Sie halten ſich ſtets zu den Pferden und im Win: 
| 5 e i ter 


deyen, als man an den Camelen, Loͤwen, Naſehorn, und ab⸗ 
ſonderlich an den ungeheuren Elephanten wahrnehmen kann. 
Deſſen gerades Widerſpiel aber bey den Fiſchen ſich findet, 
als deren groͤßeſte Gattungen, inſonderheit die Wallfiſchſor⸗ 
ten, nur in Norden fortkommeen. 
Von den ohnfern von Island entlegenen Daͤniſchen 
Inſeln Ferroe, die aus 17 oder 18 großen und kleinen Inſeln 
beſtehen, und in der Laͤnge 15 und in der Breite 10 daͤniſche 
oder nordiſche Meilen ausmachen, iſt bekannt, daß daſelbſt, 
weilen die Gebirge nicht hoch, ſondern linde und mit keinem 
Schnee bedecket ſind, gar gute Weiden ſeyn, und folgbar 
noch weit mehr Schafe, als auf Island gezogen werden, wel⸗ 
che aber eben auch ohne alle Wartung in der Wildniß umher⸗ 
laufen. Von dieſen wird erzehlet, daß ſie im Winter unter 
die Klippen und Felſen, wo ſie ein wenig uͤberhaͤngen, und beſon⸗ 
ders zu deren ſuͤdlichen Seiten ihre Zuflucht nehmen, auch daſelbſt 
nicht allein ſo dichte, als ſie immer koͤnnen, zuſammen kriechen, 
ſondern uͤberdem ſolchergeſtalt oft wechſeln, daß die innern 
nach und nach die äußere, und dieſe, wann fie brave durchge⸗ 
kaͤltet, wiederum die innerſte werden: ja wenn der 9 ſo 
hart 


32 Nachrichten von Island. 


ter folgen ſie ihnen immer auf den Fuß nach, damit, 
wenn es ſo ſtark gefrohren, daß ſie mit ihren kleinen Fuͤß⸗ 
chen nicht durchkommen koͤnnen, ſie, wenn die Pferde ir⸗ 
gend eine Oeffnung getreten oder etwan fuͤr ſich gehauen, 
von dem entbloͤßeten Mooß ein weniges bekommen moͤ. 
gen. Sie eſſen alsdenn auch aus großem Hunger, wie 
man oͤfters wahrgenommen, gar das Haar von der Pferde 
Schwaͤnzen. Wenn es mit einem ſtarken Winde ſchneyet, 
laufen ſie ſtets vor dem Winde voraus, aus den Bergen 
dem Strande zu, und oͤfters aus Dummheit in die See 
hinein, daß ihrer eine große Anzahl umkommt. Zuwei⸗ 
len, wenn mit einem mal ein ſehr großer Schnee faͤllt, 
beſchneyen ſie ganz und gar. Da ſie denn in große Kup⸗ 
peln zuſammen laufen, die Köpfe unter ſich zuſammen 
ſtecken, und auf den Ruͤcken immer hin ſchneyen laſſen. 
Sie frieren aber daruͤber gar oft dergeſtalt ein, daß ſie 
ſich ſelbſt nicht wieder heraus helfen koͤnnen. Alsdenn ſie 
aus qvaͤlendem Hunger eines des andern Wolle freſſen, 
und ſich damit hinhelfen, bis ſie ausgegraben werden. 
Welches die Bauern in aller Eile zu thun nicht unterlaſ⸗ 
ſen, ſobald ſie gewahr werden, wo dergleichen Haufen ſte⸗ 
he. Und dieſes nehmen ſie an dem Dampf ab, der mit⸗ 
ten aus ſolchem Haufen in die Hoͤhe, und durch den 
Schnee, (durch den er ſich, vermittelſt finer Waͤrme, ei⸗ 
ne kleine Oeffnung, wie eine Rauchroͤhre, erhaͤlt) heraus 
zu ſteigen pfieget. Uebrigens find fie auch mit gar gro⸗ 
ber und ſtarriger Wolle verwahret: Welches zwar ei⸗ 
gentlich von der Haͤrtigkeit des Climats und dem ſchlech⸗ 

; i „ten 
hart gefroren iſt, daß ſte nicht mehr mit ihren Fuͤſſen zu der 
Heyde, oder Mooß, ſcharren koͤnnen, eines von des andern 
Wolle für Hunger freſſen, und ſich ſolchergeſtalt kuͤmmerlich 
hin halten. vid. Laurizen Wolff Norrigia illuſtrata, p. 196. 
Die Inwohner dieſer Inſeln koͤnnen auch noch zur Saat kom⸗ 
men, iedoch nichts als Gerſten bauen, wovon fie gleichwol 
fuͤr eine Tonne Einſaat, 20 bis 30 Tonnen Korn, wie geſa⸗ 
get wird, einerndten 1 N. 


N 
RR 


\ 


Nachrichten von Island. 23 
ten Futter herruͤhret. Maßen bekannt, daß ie gelinder 
das Climat, und ie beſſer die Weide iſt, deſto feiner und 
zaͤrter auch die Wolle der Schafe und die Haare der Zie⸗ 
gen fallen?; gleichwol aber nach der weiſen Einrich⸗ 
tung des guͤtigen Schoͤpfers, der ein iedes feiner Geſchöpf⸗ 
fe, nach ſeinen Umſtaͤnden, nothduͤrftig verſiehet, ihnen 
eben auch wider die hieſige anhaltende ſtrenge und durch⸗ 
dringende Kaͤlte zu einer um ſo feſteren Decke dienet. 
Sie werden niemals geſchoren. Weil ihnen aber alljaͤh⸗ 
rig junge neue Wolle hervor waͤchſet, (welches mitten im 
Sommer, um Johannis, wenn ihnen eine geringe Decke 
genug ſeyn kann, ſich begiebt) und die alte Wolle über 
den ganzen Leib los wird: fo pfleget man, da folche zu⸗ 
malen ſehr in einander haͤngig gewachſen iſt, ihnen dieſel⸗ 
be alsdann auf einmal, wie einen Ueberzug abzuſtreifen. 
Zu dem Ende werden dieſelbe recht eigentlich gejaget und 
eingefangen. Denn es ſtellet ſich ein Hirte mit den ab⸗ 
gerichteten Hunden auf einen Huͤgel, und giebet, vermit⸗ 
telſt ſeines Horns, ein Zeichen, worauf die Hunde ſich 
vertheilen, und die Schafe von allen Ecken aus den Klip⸗ 
pen und Wildniſſen herbey, und in eine gewiſſe Huͤrde 
oder Stacketwerk, treiben, welches vornher weit aus ein⸗ 
ander geſetzet ift, nach hinten zu aber, damit fie nicht wie⸗ 
der entkommen konnen, allmaͤhlig enger wird. 


Nicht weniger ift zu bemerken, daß die Islaͤndiſchen Natel i 
Schafe insgeſammt, Schafmuͤtter * fowol, als Böcke, ben, 1 
nicht 


% 


; Ich will dieſes zu beſtaͤtigen nur allein was Busbe⸗ 
quius Ar Legat: Turcic. Ep. I. p. m. 57. von den foftlichen 
mit ſo ſchoͤnen, feinen und langen Haaren, verſehenen Ziegen t 
in klein Aſien anmerket, hier anführen : Gramine; ſchreibet 
er, paſcuntur per eos campos exili et ficco, quod ad lanae 
tenuitatem multum conferre certum eſt. Nam conſtat, 
alio translatis non manere eandem, fed vna cum pabulo 
mutari, totasque ita degenerare capras, vt vix agnoſcantur. 
Dieſes iſt in den nordlichſten wuͤſten Laͤndern ſo unge⸗ 
mein eben nicht; allermaßen Hi Magnus Hit. Lib 7 
cap. 


BE Nachrichten von getan. 


nicht nur große und gewundene Soͤrner / fordern deren 
auch gemeiniglich mehr als 4 „ja bis zu 8 *, und un⸗ 
ter denſelben mannichmal ein ganz gerade vor dem 
Kopf hinausſtehendes Horn haben. Da hingegen das 
von feinen Hoͤrnern ſonſt allenthalben fo benahmte Horn⸗ 
vieh dahier derſelben gänzlich ermangelt. Welches zu 
muthmaßen Gelegenheit giebet, daß die Schafe, und zwar 
alleſammt⸗ deswegen mit Hoͤrnern bewaffnet ſind, weil ſie, 
als in der Irre gehend, derſelben wider die vielen und großen 
Raubvoͤgel ohnentbehrlich benoͤthiget: dagegen das 
Rindvieh, weil es von ſolchen Raubvoͤgeln nichts zu be⸗ 
fahren, und von wilden reißenden Thieren uͤberall keine 
Noth hat, folgbar keiner Hoͤrner zur Wehre gebrauchet, 
damit auch unnoͤthig, nicht belaͤſtiget ey, Was aber die 
eigentliche natuͤrliche Urſache dieſer Seltenheit ſeyn möge, | 
ift wohl fo gar leicht nicht auszuſinnen . 


N “ 


cap. I. begeugel Habet, foricht er, tota (eptentstenäti regio 

magnorum arietum vt et ouium multitudines, in quibus 

et foeminae cornua gerunt arcuata. Ein gleiches bemerket | 

auch Martin an den Schafen auf den rauhen weſtlichen In⸗ 

re von FORM GA in feiner bereits angegogenen Beſchrei⸗ 
ung, 

8 Dergin hen auch von den Biden der Infel Gottland 
Olaus M. an beregtem Orte erwehnet. 

Es ift bekannt, daß die Haare, Wolle, Klauen, Hor⸗ 
ner, welche insgeſammt einer Natur ſind, bey den vierfuͤßi⸗ 
gen Thieren, (wie die Federn bey den Voͤgein, und die Schup⸗ 
pen bey den Fiſchen) aus uͤberfluͤßigen Saͤften ihren Ur⸗ 
ſprung haben; und ob fie wohl als Auswuͤrfe anzuſehen, dene 
noch organiſche Coͤrper ſeyn, die auf Pflanzenart aus vielen 
hohlen Roͤhrlein beſtehen, zu gewiſſer Laͤnge, Breite u. ſ. w. pro⸗ 
portionirlich wachſen, (conf. Memoires pour ſervir à Thiſtoire 
Nat. des animaux, p. 129 ſeq.) Es ift ferner bekannt, daß 
ſolche Saͤfte, nach Bewandniß der Nahrung, theils der 
Dauungskraft und uͤbriger Leibesbeſchaffenheit der Thiere ein⸗ 
gerichtet und gemaͤßiget ſeyn, und derhalben ſo gar unter⸗ 
ſchiedenes Haar, oder Gehoͤrn, bey dieſen und jenen hervor. SA 

bringen. Alſo e aus armen waͤſſerigen N bo | 
| weiches, 


Nachrichten von Island. 35 | 
An einigen Orten beſtehet alles Gewerbe in Schafen, und an ei⸗ 
weshalben die daſige Bauern auf dieſelbe etwas mehr Acht Bee 
haben. Dieſe jagen nur die Hammel ins Gebirge, die beſſer ges 


Schafmuͤtter aber halten fie fo viel bey Haufe als thun⸗ weder 


lich. Damit ſie auch der Laͤmmer deſto beſſer wahrneh⸗ at 


men koͤnnen, ſo pflegen fie den Biden, die ſtets mit 
den Schafen herum laufen, vermittelſt eines unter den 
| ag „ Bau⸗ 


N 


weiches, langes Haar, oder Horn: aus heißen und kraͤftigen, 


ein kurzes, gedrungenes und hartes. Maͤnner haben gemei⸗ 
niglich kurzes, gekraͤuſeltes, ſtarres: Weiber aber weiches, Ca 
langes und ſchlechtes Haar. Stiere, deren Blut und Saas 
menſaft in voller Kraft, ein kurzes, dickes, feſtes; Ochſen, 
die durch die Verſchneidung entkraͤftet, ein duͤnnes, weiches, 
langes Gehoͤrn; (conferri huc meretur Plot. Nat. Hiſt. of 
Staffortshire ch. 7. F. 58 q.) So waͤchſet ein einem Capaunen 
in die Stirn geſetzter Hahnenſporn zu einem unglaublich lan⸗ 
geu und krummen Horn. Weiter lehret die Erfahrung, daß 
das auf duͤrren magern Gerſtweiden gehende Vieh kurze, das 
in der feuchten, fetten Marſch weidende, große, weite Hoͤrner 
habe. Bey dem allen iſt das Clima auch nicht auszuſchlieſ⸗ 
ſen. In kalten Laͤndern, wo wenig Ausdaͤmpfungen, giebt 
es wegen Vielheit der vorhandenen Saͤfte große: in heißen, 
wo jene ſtark, wegen derſelben Ermangelung, deſto kleinere, 
oder gar keine Hoͤrner. Damit uͤbereinſtimmet, was in der von 
P. Labat beſchriebenen Volage du Chev. Marchais en Guinée 
et Cayenne, Tom. III. ch. 8 angemerket wird, daß nemlich 
das aus Europa dahin uͤberbrachte Vieh daſelbſt kleinere und 


duͤgnnere Hoͤrner, als in Europa, und die Reheboͤcke fo wenig 


Gehoͤrn, als die Rehe ſelbſt haben. Wann nun itzt ange⸗ 
fuͤhrtes in Erwegung gezogen wird, ſo deucht mich nicht un⸗ 


wahrſcheinlich zu ſeyn, daß das Rindvieh aus Island aus der 
ſoo geringen und ſchlechten Nahrung, die es geneuſt, nicht fø 


* 


viele und fluͤßige Säfte bekomme, daß daraus Hoͤrner abge⸗ 
ſetzet und getrieben werden koͤnnten: Und daß hingegen die 
Schafe, die nach ihrer Art Nahrung genug haben, weil das 
Futter an ſich ſchwach, und das Clima feuchte, lange und 
weiche Hörner hervorbringen. Ob ich hierunter auf der reche 
ten Spur bin, moͤgen diejenigen beurtheilen, und allenfalls 
beſſere Entſcheidung geben, deren Beruf erfodert die Natur 


und beſonders das Thierreich auszuſtudiren. ; | 


36 Nachrichten von Island. 
Bauch ne, Stuͤcke Tuchs das unzeitige Sprin⸗ 
gen zu verwehren, und daſſelbe nur gegen ſolche Zeit weg⸗ 
zulaſſen, daß die zu werfende Laͤmmlein im Felde Gras 
vorfinden, welches erſt gegen Pfingſten geſchehen kann. 
Die fallende Laͤmmlein werden fo fort gezeichnet, wie denn 
ein ieder die ſeinen, weil ſie alle durch einander lauſen 
meen, mit einem eigenen und beſondern Zeichen bemerket. 


aber“ denen Dieſe zarte Thierlein ſtehen von den in den Einöͤden ' 
; digt dk gewaltig ſich mehrenden, großen Pechſchwarzen Raben, 
keen. viele Noth aus: indem dieſelbe oͤfters, ohne daß es zu 
verwehren ſtehet, auf die ſchwache Dinger ſtoßen, ihnen 

gleich zuerſt die Augen aus hacken, damit fie ihnen deſto⸗ 

weniger entkommen koͤnnen, und hernach dieſelbe gar ver⸗ 

zehren. Wiewol die Bauern, wenn ſie es gewahr wer⸗ 

den, nicht ermangeln ſo fort zuzuſpringen, und die Ra⸗ 

ben zu verjagen, das Lamm aber, weil es doch ſein Fut⸗ 

ter nicht wuͤrde finden koͤnnen, ſondern elendiglich um⸗ 

kommen muͤſſen, abſchlachten und ihm das ſanfte Fell 
abziehen, welches dasjenige Pelzwerk giebet, das in Daͤn⸗ 
nemark und Hollſtein unter dem Namen Schmaaskin 

oder Schmaasken! verkauffet und vielfältig von Leu⸗ 

ten mittelmaͤßigen Vermoͤgens getragen wird⸗ % 


Wie ein ie⸗ Um die Schlachtezeit, wenn ſie die Hammel fuͤr die 

der fein in Ladung liegende Schiffe in den Fleiſchhaͤven fangen 

Schaf wie⸗ und abſchlachten wollen, werden dieſelbe auf vorangeregte 

der bekoͤmt. Weiſe in Gegenwart aller Richter, damit ſonſt zu befah⸗ 
render Zank und Streit vermieden, und niemand ver⸗ 
vortheilet werden moͤge, mit Hunden zuſammen getrieben, 
und einem ieden die ſeinige nach feinem ai zu 
ſich zu nehmen ee | 


i i N 1295 i * 


* Das ift, pellicula, kleines Feuchen, 2 å Datieb E Smaa, 


Il. Små, Sued. Sma, Sax. Schmaͤtſch, exilis, „ Ba et 
sl. et Angl. Skin, Dan. Skind, * eutis. e 


Nachrichten von Island. 37 


In den Mågen der geſchlachteten Schafe findet ſich Was in ih⸗ 
nicht felten eine runde Kugel in der Größe eines Spiel⸗ 5 
ballen, ſo innwendig mit Wolle, Mooß u. d. g. ange⸗ wird. 
füllet, auswendig aber mit einer Lichtgrauen harten Tar⸗ 
tariſchen Rinde umgeben iſt. Dergleichen ich einen aus 
Norwegen unter dem Namen Tophus Ovinus Norwagi- 

cus in meiner Sammlung beſitze. Dieſe Kugeln ent⸗ 
ſtehen ohne Zweifel aus der Wolle und andern unverdaun. 
lichen Dingen, die die Schafe zuweilen aus großem Hun⸗ | 
ger hinabſchlingen; und werden eines Theils durch die be⸗ 
ſtaͤndige Ruͤttelung des Magens (der bekanntlich von ſei⸗ 
nen kreuzweiſe übereinandetliegenden Haͤutlein ohnab⸗ 
laßig hin und her gezogen wird,) zuſammen gerollet, ge⸗ 
preſſet, gewaͤlzet und in die kugelichte Geſtalt gebracht; 
andern Theils aber, wann immer mehr Haare dazu kom⸗ 
men, durch den Magenſchleim mehr und mehr verbun⸗ 
den, vergroͤſſert, und endlich aus eben demſelben mit der 
haͤrtlichen Rinde umſchloſſen ”, 


$. XXIX. Ziegen koͤnnen alldie nicht gehalten wer: ien 
den, weil es an deren beliebten Futter, dem zarten Laubeb ier nicht. 
von Stauden und jungen Bäumen, allenthalben gebricht. 


Hr XXX. Odbfen und Ribe fallen nicht größer, 1 und 
als das kleineſte Geeſtvieh in ig und erman⸗ Saas 118 
€ 3 | geln h haben keine 
Lg: Hörner, 
Bu: Eg werden dergleichen ganz aus Haaren, ohne Rinde 
zuſammengebackene Kugeln, in ziemlicher Größe, auch hier zu 
Lande in den Maͤgen der geſchlachteten Ochſen und Kuͤhe ge⸗ 
funden; welche vermuthlich daher ihren Urſprung nehmen, 
daß dieſe Thiere, wenn ſie an den leimern Waͤnden der Bauer⸗ 
haͤuſer liegen, von dem mit Haaren, Feſtigkeit halber, unter⸗ 
mengten Leimen, lecken, kauen und hinabſchlingen: imglei⸗ 
chen, wann es fie irgend jucket, mit ihren ſcharfen Zungen 
die Stelle ſchaben, und damit das Jucken vertreiben; woruͤ⸗ 
ber an den ſchleimigten Zungen manch loſes Haar bekleben 
bleibet, und beym Kauen mit hinunter gehet, das nachher auf 
bemeldete Art zuſammen geflebet und zur Kugel wird. 


Rug FS. XXXI. Die Milch iſt der Joländer e 

fiese Arzney: wird auch alſo, wie ſie von der Kuhe . 

sene . von keinen andern, als nur Kranken genoſſen. Sonſt 
bedienen fie ſich insgemein der Molken oder Wattick (Se. 
rum lactis) zu ihrem, und zwar ihrem beſten Getraͤnke. 
Deswegen ſie auch hauswirthlich damit umgehen, und 
dieſelbe, wenn fie alt, bitter, ſauer und truͤbe geworden, 
durch Zugießung des Waſſers zu verduͤnnen, zu verlaͤn⸗ 
gern und weniger uͤbelſchmeckend zu machen gene 
find, j 

Wie ſie mit Gr XXXII. Sie 1 viel Butter, Pr ſo viel 

umgebene mir bewußt, keine Kaͤſe. Jene ſchlagen die meiſten nach 

unnd nach fo haaricht, als fie aus ungereinigter Milch ger 

raͤth, in eine zuſammengenaͤhete Schafshaut, und heben 
ſie ſolchergeſtalt auf. Weshalben ein Fremder ſie nicht 
leicht durch die Kehle bringen kann. Ja weil ſie kein 
Salz darein zu thun haben, wird ſie bald ſo gruͤn, ſchwarz, 
ranzig, ſtinkend und eckelhaft, daß man ſie nur kaum mit 
umſchmelzen u. ſ. f. den Daͤniſchen Matroſen eßbar ma⸗ 
chen kann. ' 

Wie ſie das F. XXXIII. Ihre Art das Rindvieh zu ſchlach⸗ 

ſchlochen, ten, hat auch etwas beſonders. Sie ſchlagen daſſelbe 


8 Nachrichten von Is ig 


geln, als bereits erwehnet, der re e 
allein des Vorzugs, daß ſie von dem Bauersmann auf 
den Winter mit unter Dach genommen, und mit dem ſo 
kuͤmmerlich gewonnenen Heu, oder auch, ben deſſen Ab⸗ 
gang, mit dem gedoͤrreten See Kraute l, . 
lichſt durchgebracht werden. 


nicht auf den Kopf, in Meinung, daß dadurch das Blut 
ins Fleiſch traͤte, und daſſelbe daher nicht waͤhren koͤnne, 
ſondern ſtoßen ihnen ein dünnes Federmeſſer tief ins Ge⸗ 
nicke, davon es zur Erden ſtuͤrzet, alsdenn ſchnuͤren ſie 
geſchwinde die Fuͤße mit Stricken zuſammen und oͤffnen ' 


die Kehle, damit das Blut alles e Das Ein⸗ 


geweide 1 


Nachrichten von Island. 39 


geweide wird von den Islaͤndern zuerſt ohne viele Reini⸗ 
gung verzehret: das Thier ſelbſt aber zerſtücket. Die 
Stuͤcke werden nicht mit Salz eingerieben, ſondern nur 
ein paar mal durch Seewaſſer gezogen, und damit erſt⸗ 
lich an die Luft, daß fie Windtrucken werden, und herz 
nach in ihren Huͤtten uͤber ihre Feuerſtaͤtte, damit der da⸗ 
von aufſteigende Rauch daran ſchlage und ſie noch mehr 
ausdoͤrre, aufgehangen. Solchergeſtalt erhalten fie ihr 
eingeſchlachtetes halbverfaulet, halb ſtinkend, bis ſie es 
nach gerade aufeſſen. Die es beſſer machen wollen, und 
die Mittel dazu haben, kaufen ſich etwas Salz, ſchnei⸗ 
den, wenn das geſchlachtete Thier noch ganz haͤnget, an 
drey oder vier Orten einen tiefen Schnitt ins Fleiſch und 
thun in iede Oeffnung eine kleine Hand voll Salz hinein, 
in der Einbildung, daß daſſelbe ſich ſolchergeſtalt ſchon von 
ſelbſt durch den ganzen Rumpf, ſo viel noͤthig, ziehen, 
und das Fleiſch, wenn hernach Wind und Rauch da⸗ 
zu kommen, vortrefflich bewahren werde. Auf beyde itzt 
erzehlete Arten verfahren die Ingeſeſſene auch mit dem 
Fleiſche der Schafe, wenn fi ie 755 für ihre e | 
durft einſchlachten. : 5 


$. XXXIV. Schweine mögen allhie nicht aufge: Haben kei⸗ 
bracht werden, zumalen fo wenig auf dem Felde, als im ne Theis 
Hauſe, zureichliche Nahrung fuͤr dieſelbe zu haben. HUN mol "une 
de und Hauskatzen hat man. | ig 


F. XXX v. Tauben und anders zahmes Feder vie⸗ daun. ge. 
he, koͤnnen wegen der langwierigen ſtrengen Kälte, Manz gets dle | 
gel des Futters und Vielheit der Stoßvoͤgel von allerley * ; 
Gattung, nicht gehalten werden. Einige wenige mehr | 
bemittelte und des halben zärtlichere, haben. ein paar 
Huͤnerchen beſtaͤndig im Hauſe, die ſie mit kleingeſchnit⸗ 
tenen Heu unter ein wenig Rockenmehls mit Waſſer ver⸗ 
menget, kümmerlich auffuͤttern. { 


2 e , SEA 


Gevogel 
haben. 


40 Nachrichten von Island. | 
Dae ſie vo: F. XXXVI, Das edle Landgevoͤgel beſtehet, ſo 
viel ich erfahren, in Wachteln, großen Schneppen, als 


unſre Hohfchnepffen und den Rephuͤnern, Aypen * ges 


nanat. Dieſes find die Snoͤriper auf den Lappiſchen 


Alpen, die“ ſich allezeit an der Erde halten, mehr laufen 
als fliegen, und deswegen nicht ſchwer zu fangen find, 


Sie haben der auszuſtehenden ſtrengen Kaͤlte halber ganz 
rauhe mit Federn bewachſene Beine, als Haſenpfoͤtchen, 
davon ſie oder ihres gleichen bey den gelehrten Schreibern 
von Vögeln ** Zagopodes, ſonſt aber in Teutſchland und 


in der Schweiz auch Schneehuͤner geheißen werden. 


Raubrögel. §. XXXVII. Der Kaupvoͤgel iſt eine unbeſchreibli⸗ 


Adler. 


che Menge und Verſchiedenheit, als große Adler, Geyer, 
Habichte, Falten, Eulen, Kaben und andere mehr, 


die daſelbſt zum Theil Namen, und zum Theil keine Na⸗ 


men haben. 


F. XXXVIII. Der Adler find verſchiedene Gattun⸗ 
gen, die dahier, wie auf andern noͤrdlichen nicht ſehr be⸗ 


wohnten Inſeln f den Inwohnern an ihrem jungen Vieh 
unſaͤglichen Schaden zufügen. Einige darunter findfehe 
ſtark und keck. Ueberhaupt thun ſie den Menſchen nicht 
leicht etwas. Wenn fie etwan aber an einem angetrie⸗ 
benen todten Körper Menſchenfleiſch gekoſtet haben, ſind 
fie wohl eher fo luͤſtern darnach geworden, daß fie ſich era 
dreiſtet, Kinder von vier, fuͤnf Jahren wegzuſchnappen, 
4 Fr und 


Island. | | 
Vid Scheffer. Lapponia cap. 19. circa finem, 
Vid. Gefn. de Auibus Lib. III. p. 576. 1 
+ Wallace in feiner Deſcription of the Isles of Orkney, 

pag. 47. erwehnet davon, und fliget hier bey, daß man daft 

ger Orten ein Geſetz habe, vermoͤge weſſen derjenige, ſo einen 

Adler getoͤdtet, aus iedwedem Hauſe des Kirchſpiels, worinn 


ae gefaͤllet, mit einem Huhn beſchenket werden 
m X ' x 


/ 


* Riupa. Perdix montana, Gudm, Andr. Lexi. 


0 


Nachrichten von Island. 41 
und mit ſich durch die Luft nach rt Neſte zu ſchlep⸗ 
| pen, 


§. XXXIX. Der Habichte giebt es auch mehr als Habiche | 
eine Art. Von der kleinern Gattung habe ich einſtens 
einen lebendigen bekommen, welcher nicht ſo groß als ei⸗ 
ne Taube, und bunt, auf dem Ruͤcken gelbbråunlid) mit 
einer ſchwarzlichten Einfaſſung aller Federn und weiß 
unterm Bauche war. S. Fig. 1. Derſelbe ſaß mit den 
Tauben auf einen Boden und aß mit ihnen, wußte ſich 
aber durch ſein Anſehen, und weil er, wenn ſie ſich er⸗ 
dreiſteten, ihm gar zu nahe zu kommen, dann und wann 
einmal zuhackte, dergeſtalt in Furcht zu halten, daß, wenn 
ſie auch noch ſo hungerig waren, doch keine ſich erdreiſtete 
mit ihm in die Schuͤſſel zu langen, bis er abgeſpeiſet hatte. 


8. XL. Nicht weniger finden ſich dahier, abſonder⸗ Falken. 
lich an der Nordſeiten, mehr als eine Gattung von Fal⸗ 
ken unterſchiedener Größe und Farbe. Sie werden für 
die tapferſte und geſchickteſte von ganz Europa zur Baize 
geſchaͤtzet. Deswegen der König von Daͤnnemark alle 
Jahr einen ſeiner Falconirer mit einem Paar Bedienten 
eigentlich nach Island ſchicket, um ſo wohl fuͤr ſeine 
Jagd, als auch um an fremde Herrſchaften zu verſchen⸗ 
ken, alle taugliche Falken, die er bekommen kann, zu fas 
hen und nach Copenhagen überzubringen. Da denn der 
Koͤnig fuͤr einen grauen Falken 5 Thaler, fuͤr einen grauen 
und weißen 10 Thaler und fuͤr einen N 7 13 
Thaler bezahlet. | 8 

Die 


5 Die weißen ſind die ſeltenſten, vielleicht uch die tapf⸗ 
ferſten. Wovon ein artiger und einer genauern Unterſuchung 
wohl wuͤrdiger Ort bey Olao M. Lib. 19. Hiſt. Sept. c. 23 ſte⸗ 
het: ſabalbidus, ſpricht er, vnguibus et roſtro audacius ad- 
volando ferit, non ita filcones nigri, qui tardiores funt, 
Auia corpora nigra feu fuſca porofa ſunt, de facili euapo- 
rantia fpiritus, qui ſunt vehicula virtutis, tuncque laſſan- 
tur et debilitantur, quamuis fint agilia per naturam. E 

C 5 | contra 


42 Nachrichten von „Send. 


Wie dieſe Die Falken werden gefangen mit abgerichteten Vår 
Hol ng geln, die auf dem Heerde in Kaͤfigen ſitzen und in un⸗ 
| | glaublicher Weite den Falken ſchon erblicken, auch davon 
fo fort ihrem Herrn mit Schreyen ein Zeichen geben. 


Alsdenn derſelbe, der in einem verdeckten Buſchhuͤttlein 


auflauret, eine Taube flattern laͤſſet, auf welche der Falk, 
ſobald er ihrer gewahr wird, ungeſtuͤmlich aus der Luft 
herabſchießet, aber indem er zur Erden koͤmmt, vermit⸗ 
telſt eines uͤber ihn 1 8 ſchlagenden Netzes, e 
gefangen wird. 


Wie ſie naß Wenn das Schiff, womit die gefangenen Falken 
| 3 uͤberbracht werden folen, Seegelfertig ift, werden einige 


feucht, und Ochſen und Schafe fuͤr dieſelbe geſchlachtet, und das 


auf dem, Fleiſch davon auf dem Schiffe an Maſten, Wand und 


Schiffe ge⸗ 
fewer Stacken aufgehaͤnget. Man nimmt auch noch einiges 
en. 


lebendige Vieh mit, um unterweges, wann man etwa an 
keine Inſel ankommen kann, nach und nach zu ſchlachten. 
Iſt es aber thunlich, daß man irgend anlaufen kann, faͤh⸗ 
ret man nicht vorbey, ſondern verſiehet ſich daſelbſt von 
neuen mit friſchem Viehe, das aus voller Weide koͤmmt, 
weil von dergleichen Fleiſche die Falken viel beſſer als von 
dem andern gedeyen ſollen. Es wird zur Fuͤtterung nur 
allein das magere Fleiſch, von welchem man das fette mit 
Fleiß hinweg gethan, genommen, in duͤnne Faͤden zer⸗ 
ſchnitten, und mit Oel und Eyern vermenget. Sie wer⸗ 
den auch alle Morgen auf gewiſſe Weiſe gekaͤmmet oder 
geſtriegelt, und ihrer ſonſt in allen ſehr wohl und ve N 
fältig gewartet. 


Im Schiffe werden ſie a nicht auf den Bor Kr 
den, fondern mt beſondere hee von hölz 
u zernen 


contra autem alba krigida confertas habent carnes, et quia 
ſunt multi humidi, multorum funt fpirituum et propter 
carnium eonfertionem 1 non cito enen ideo diu 
durant in labore. | | 


adpag :$3, 


Nachrichten von Island. 43 
zernen zarten Latten, geſetzet, die mit kleinen Soden oder 
Erdſchollen belegt, und uͤberher mit grobem Tuche bezo⸗ 
gen worden, damit ſie beydes weich und kuͤhle ſitzen, weil 
ſonſt, im Fall die Füße erhitzet werden, eine podagriſche 
Krankheit in denſelben entſtehet. Ueber den Raum zwi⸗ 
ſchen den Raͤhmen und Latten werden Stricke dichte beyees 
ſammen in die Qvere geſchoren, damit die Falken, wenn 
etwa das Schiff von der See ſtark ſchlenkert, oder ſchwan⸗ 
ket, uͤberall wieder feſten Fuß faſſen koͤnnen, oder wenn 
ſie ja uͤberſtuͤrzen, ſanft fallen und keinen Schaden neh⸗ 
men. Dieſe Umſtaͤnde habe ich von einem, der als Un⸗ 
terkaufmann einſt in einem ſolchen Schiffe, worinne Koͤ⸗ 
nigliche Falken geweſen, mit nach Copenhagen uͤberge⸗ 
gangen. Soke: 8 


§. XII. Von Eulen hat man auch unterſchiedliche Eulen. 

Arten, Katzeneulen, Horneulen, Steineulen u. ſ. w. 
Es ſind uͤber vierzig Jahre, als ich eine ganz weiße, die 
einen gelben Iridem in den Augen hatte, bekam, welche 
ich, ſo gut ich konnte, damals abzeichnete und anitzo in 

- Kupffer geſtochen hierneben vorſtelle. Dieſelbe hatte auf 
der Höhe von Island in einem von Grönland anhero zu 
ruͤckkehrenden Schiffe ermuͤdet ihre Ruhe finden wollen, 
war aber daruͤber gefangen worden. Wenn man ſie in 
einem Zimmer auf dem Tiſch ſetzte und eine lebendige 
Taube zu ihr hinein ließ, ſprang ſie ſogleich von oben 
auf dieſelbe, rupfete mit dem Schnabel einige Federn 
weg, und fraß ihr zuerſt von hinten durch den Ruͤcken 
das Herz heraus, nachmals das uͤbrige Eingeweide, und 
zuletzt das Fleiſch; aß aber von dem letztern nichts, ehe 
und bevor ſie davon die Federn ziemlicher maßen hinweg 
geriſſen hatte. | een 


$. XLII. Von den Raben ift bereits vorhin etwas Naben. 
beygebracht worden, woraus ihre Schaͤdlichkeit ſattſam 
zu erſehen. Man bemerket auf verſchiedenen kleinen an 
Island liegenden, abſonderlich unbewohnten Inſeln, auf | 
; 0 au 


\ N 


Waſſervoͤ⸗ 
gel. 


4 Nachrichten von Jean 


auf einer jeden derſelben allemal nur ein Paar alter Ra⸗ 


ben ſich befinde, welches dieſelbe für ſich allein behaup⸗ 
tet, und dergeſtalt verſicht, daß es alle von anderswo 


her ſich annaͤhernde abbeiffet und zuruͤckaget ... 


$. XLII. Der Strand⸗ und Waſſervöͤgel iſt ſo 


eine große Menge und Verſchiedenheit, daß auch von 
den Inwohnern ſelbſt keiner ſie alle kennet, vielweniger 


ſie alle mit Namen zu nennen weiß. Man ſiehet an ab⸗ 


gelegenen Orten oder unbewohnten Inſelchen, Klippen 


Garnaten, Gewuͤrme u. d. g. aus der milden Hand des 


die ganz weiß von Vogelmiſt ſcheinen. Und ſie bedecken 


gleichſam mit vielen Schwaͤrmen oder Haufen die See 
bis auf 12 bis 18 Meilen von der Inſel: alſo daß man 
an ihnen zuerſt wahrnimmt, daß man derſelben ſo nahe 
gekommen ſey. Der wenigſte Theil von dieſen Voͤgeln 
uͤberwintert auf der Inſel, ſondern die mehreſten, wie fie 


im Fruͤhjahr ſich einfinden, alſo ziehen ſie gegen den Win⸗ 
ter wiederum ab, ohne Zweifel nach waͤrmern Gegenden. 


Man ermiſſet ohnſchwer, daß dieſes Gevdgel theils we⸗ 
gen der uͤberfluͤßigen Nahrung, die eine iede Gattung der⸗ 
ſelben, an ſo unzehligen Arten von Fiſchen, Krabben oder 


allgemeinen Vorſorgers, in der See nach ihrem Geſchmack 


und Beduͤrfniß unaufhoͤrlich antrifft: theils wegen der 


vielen unerſteiglichen Klippen, worinne fie mit vieler Sir 
| | ne N RR GENDE 


+ Vid. Wolff. Norrigia illuſtrata, p. 225. Ich habe dies \ 


ſes zu erwehnen, um ſo viel weniger Anſtand nehmen wol⸗ 


len, als ein gleiches von D. Martin in ſeiner mehr angezoge⸗ 


nen Deſcription of the Weſtern Islands of Scottland von 


dreyen kleinen Inſeln, p. 47, p. 60 und p. 66 berichtet wird: 


daß nemlich auf ieder derſelben nur ein einiges Paar Raben 


ſich enthalte, ſo alle ankommende Raubvogel mit großer Ge⸗ 


walt, Gefechte und Geſchrey zuruͤcke jage, auch ſeine eigene 


Jungen, ſo bald ſie fertig fliegen koͤnnen, mit heftigen Beis⸗ 
ſen austreibe. Ja er bezeuget auch eben daſſelbe von zweyen 


Paar Adlern auf zwo unterſchiedenen Inſeln pag. 26 und 


Pag. 299. 


| 


” DAR 


Nachrichten von Island. 45 


cherheit vor Menſchen und Fuͤchſen niſten und bruͤten 
koͤnnen, dieſe ihnen ſo beqveme Inſel ſuche und beliebe. 
Dieſer Voͤgel liegen einige faſt beftändig auf dem Waſſer, 
und trachten durch Tauchen ihre Nothdurft zu erhaſchen: 
andere halten ſich mit ihren ausgeſpanneten Fluͤgeln ſchwe⸗ 
bend auf der Luft, und lauren von oben herab, ob nicht 
ein oder ander Fiſch näher gegen die Oberfläche der See 
ſich herauf begeben will; da ſie denn, ſobald dieſes geſchieht, 
es wegen ihres überaus ſcharfen Geſichts ſogleich wahr⸗ 
nehmen, wie der Blitz hernieder ſchießen, und nicht leicht 
des Fiſches verfehlen. Man hat von verſchiedenen der 
itztangeregten Waſſervoͤgel einige Beſchreibung und Ab⸗ 
bildung in Martens Reiſe nach Spitzb. und Groͤnl. Die⸗ 
jenige, die ich darnach gefraget, haben keine ſonderliche 
Acht darauf gehabt, und mir alſo nicht viel davon wie⸗ 
derſagen koͤnnen. 1 VE 


Nur wurde erwehnet, daß eine große Seemeve ei⸗ See⸗Meve. 
nen gewiſſen wohlgeſchmackten Fiſch, Runmagen ge 
nannt, und faſt wie eine Karauſche geſtaltet, aus der 
See hole und zu Lande ſchleppe, daſelbſt gleichwohl nicht 
mehr als die Leber davon eſſe, und den übrigen Fiſch lie⸗ 
gen laſſe; daß auch das Bauervolk ſich deſſen fein zu 
Nutze zu machen wiſſe, und die Kinder gelehret, fo bald fie 
gewahr werden, daß die Meve mit einem ſolchen Fiſche 
zu Lande koͤmmt, zuzulaufen, ihn derſelben abzujagen und 
ihren Eltern zuzubringen. | | e 
F. XLIV. Unter den eßbaren und zum Theil wohl⸗ Eßbare 
geſchmackten Strandvoͤgeln find die vornehmſten die Strandro⸗ 
Schwäne, die Gaͤnſe, die Enten, die Taͤucher 
u. ſ. w. welche ſich im Fruͤhjahr ohnfehlbar einſtellen. 
F. XL. Unter den Gaͤnſen ift eine Art etwas größer, Gaͤnſe. 


£ 


ER 


als eine große Endte, Margees allhier genannt, die 
ſich fo häufig einfindet, daß man deren zu 1000 auf einer 
Stelle antrifft. Eine andere Sorte, Selſinger geheißen, 
n hu llaͤſſet 


Enten. 


ten Vogel euagfrupfet werden, nichts, well ‚ie fett find | 


46 Nachrichten von Island. 


laͤſſet ſich auf der Oſtſeite der Inſel nieder, und iſt, Ek 


wenn fie ankoͤmmt, ohne Zweifel von der zuruͤckgeleg⸗ 


ten weiten Reiſe uͤber See, dermaßen matt, daß man 
derſelben alsdann 8 1000 ks einmal todt ſchlagen 
kann. 


F. XLVI. Unter den Entenarten find viele, als 
die Stockenten und andere, gut und eßbar. Die meh⸗ 


reſten aber, als die Krieckenten u. ſ. w. wegen ihres thra⸗ 
nichten Geſchmackes gar ekelhaft und widerſtehend. 
Woran gleichwohl die Islaͤnder ſich nicht kehren, ſon⸗ 
dern alles, was ſie nur auf den Klippen erklettern, oder 
aus den Sandhuͤgeln ausgraben koͤnnen, in den Topf 
ſchmeißen, und auf ihre Weiſe gekocht, ohne allen Ekel, 


in ihre treffliche Maͤgen, wenn ſie hungert, hinab ſchicken. 


Unter allen ift die nutzbareſte die Eyderente, (Isl. Ae⸗ 


durfugl, Narv. Aedder, Anas plumis molliſſimis 


Worm.) Sie iſt ſo groß, als eine gemeine Gans, und 


wird von Worm. in Mufeo p. 302 beſchrieben. Unter 
ihrer Bruſt hat fie die zarten, weichen und koſtbaren 


Pflaumfedern Eiderdunen, oder Edderdunen bey uns 
genannt. Doch find die allerbeſten die fo genannten ler 
bendigen Dunen, welche nicht allein die meiſte Aus⸗ 


daͤhnungskraft haben, ſondern auch am dauerhafteſten 
ſind. Man nennet alſo diejenigen, welche dieſer Vogel 


zur Sitzzeit ſich ſelber ausrupfet, und ſein aus kleinen 


Reißig geflochtenes Neſt zur Beqvemlichkeit und Wärme 


für feine Eyer und Jungen damit ausfüttert. Weswe⸗ 
gen die Islaͤnder, die in der Naͤhe der Schaͤren und In⸗ 
ſelchen wohnen, wo dieſe Endten ſich vornehmlich enthal⸗ 


fleißig nachſuchen, und dieſe Dunen, oder Pflaumfedern 
ſorgfaͤltig heraus nehmen, auch, weil ſie voll Mooß und 
Stroh, auf Huͤrden trocknen und reinigen. Hingegen 
taugen die, fo zu anderer Zeit, und vornehmlich einem tod⸗ 


und 


ten, den Neſtern, wann die jungen Endten ausgeflogen, EN 


* * 


Nachrichten von Island. 47 


und bald verfaulen. Von den geſammleten Eiderdunen 

aber bleibet ſehr wenig im Lande. Das meiſte wird, weil 
es ziemlich theuer ausgebracht werden kann, an den daͤni⸗ 
ſchen Kaufmann verkauft, der ſolche mit heim nimmt und 
mit gutem Vortheil nicht nur in Daͤnemark, ſondern 

noch mehr außerhalb abſetzet, Man kann hievon nach: 

leſen Luca Debes Foeroa reſerata, p. 17. Man hat 
mir von dem Eydervogel noch dieſe beſondere Eigenſchaft 
erzehlet, daß er nicht nur gemeiniglich viele und zwar 

laͤnglichte, dunkelgruͤne Eyer zu legen pflege, ſondern, 
wenn man einen Stecken von einer halben Elle mitten 

ins Neſt ſtecke, (welches einige, weil die Eyer ungemein 

wohlſchmeckend find, zuweilen thun,) gar über Gewohn⸗ 
heit, fortlege und nicht aufhoͤre bis die Spitze des Ste⸗ 

ckens, damit er daruͤber ſitzen koͤnne, mit Eyern bedeckt; 
wodurch der Vogel aber dermaßen i ich entkraͤfte, magi: er 

den Tod davon nimmt. 


F. XLVII. Deen fi nd auch einige dar viele Teucher. 
aber nicht. 


H. XL VIII. Die Summte (Siomen, Colymbi — Lune 
iſt ein ſchoͤner Vogel, Gänfegröße, mit einem ſchwarzen 
ſchmalen Schnabel und kleinen Fluͤgeln, weswegen, und 
weil er immer fetter, dicker und ſchwerer wird, er nur eben 
ſo kuͤmmerlich fliegen, als wegen ſeiner gar weit hinter⸗ 

wertsſtehenden Füſſe gehen kann. Die Islaͤnder geben 

vor, daß niemand ie ſein Neſt gefunden habe, und daß er 

feine Eyer unter feinen Fluͤgeln ausbruͤte. Allein, das 
koͤmmt daher, weil er nicht an der See, ſondern um Si⸗ 

cherheit und Beqvemlichkeit willen an abgelegenen Or⸗ 
ten, und zwar nur auf, oder ganz nahe am ſuͤſſen Waſſer 
ſein Neſt leget, damit er nemlich auf den Eyern ſitzend 

trinken, auch ſonſt, wann noͤthig, deſto beqvemer und ge⸗ | 
ſchwinder heraus und hinein kommen koͤnne: Geſtalt ei⸗ 
ner, der ſolches ein ren gelegenheitlich mit eigenen 
Augen 


! 


Geyervo⸗ 
gel. | 


Von den 


N. må 


as Nachrichten von Island. 

. zu erblicken das Gluͤck gehabt, mich verſichert 
at > 1 Va ER 5 re 135 
FS. XLIX. Der Geyervogel (Geirfuͤgl) * Mergan- 


fer Aldrov. wird gar felten geſehen, und zwar allein an 
den unten her an der Weſtſeite liegenden und von ihm 
den Namen Geirfuͤgl⸗Skeer führenden Klippen. Die 
Islaͤnder, wie ſie aberglaͤubiſch ſind, halten feſtiglich da⸗ 
fuͤr, daß, wenn dieſer Vogel ſich ſehen laͤſſet, es ieder⸗ 


zeit eine recht ſonderliche und große Begebenheit vorbe⸗ 


deute. Und man hat mich verſichert, daß das Jahr 


vor des Koͤnigs Friderici IV. Ableben, da man vorher 


in vielen Jahren keinen verſpuͤret, ganz verſchiedene der⸗ 


ſelben wahrgenommen worden. | ja 
$. L. Es ift eine anmerkenswuͤrdige Sache, mit wel: 


PS cher Vorſichtigkeit die Waſſervoͤgel ihre Neſter in die 
gel. ſteileſten Felſen, und an die vortheilhafteſten Stellen auf 


Topographia Norwegiae, p. 117 ſed. 


vielerley Art zu legen und dergeſtalt zu verſtecken wiſſen, 


daß man dieſelbe entweder gar nicht auffinden, oder doch 


nicht ohne die groͤßeſte Mühe und Beſchwerlichkeit mit 
Leib⸗ und Lebensgefahr erklettern kann *. Wobey ferner 
die Geſchicklichkeit dieſer Voͤgel noch mehr zu bewundern, 


mit welcher dieſelbe, ohnerachtet fie gemeiniglich ihrer Nah⸗ 
rung gar weit nachfliegen müffen, nicht nur den Ort ih⸗ 


| Ba © 
"+ Ron biefem Vogel haben Worm.Muf. p.304 und Wil- 


lugb. Ornitholog. p. 259 etwas. Dieſem Vogel ift an Größe 


und Geſchrey auch ſonſt an ſeiner Art gar aͤhnlich ein anderer 


von den Islaͤndern Zuubryre, von den Faͤrroͤern Imbrim ges 
nennet. Mergus maximus Ferrenfis Wormii in Muſ. p. 303. 


In den Orcadiſchen Inſeln Embergoo/e, Sibbald. Scot. illuftr. 
prodr. p. II. Iib. 3. c. 6. von welchem artige Nachrichten ſich 


finden in Luca Iacobſoen Debes Ferroa, p. 128. 4 


Vid. Worm. p. 300. Willugb. p. 53. 
*r Wovon exempelsweiſe gar artig zu leſen ift, was von 
den Normaͤnnern dießfalls anführet B. Steinkuhl in feiner 


el 8 . 1 8 


Å 


Br 


Nachrichten von Island. 4 


res Neſtes wieder finden, ſondern ein ieder das ſeine un⸗ 

ter ſo vielen hunderten, ja zuweilen tauſenden, die einan? 
der in aller Menſchen Augen ganz gleich ſehen, ohne J Ser RN 
thum auskennen kann *, | 


\ 


Ä 6. LI. Die Eyer ſind ( gemeiniglich auch der Von ben 
wilden Süßwaffervögel ihre) von Farbe gruͤngelbe mit Cern. 
ſchwarzen oder braunen Flecken, welches zu einigem Nach⸗ 
finnen Gelegenheit giebet, und dabey von dickern Scha. 
len als der Landvoͤgel Eyer; ohne Zweifel wegen der 
Rauhigkeit des Climats und Naͤhe der See, damit naͤm⸗ 
lich, wenn die ſitzende Weiblein ſich wegen Entlegenheit 
ihrer Nahrung, wie oft ſeyn kann, etwas verweilen muͤſ⸗ 
ſen, ehe ihnen wieder zu Neſt zu kommen moͤglich iſt, in⸗ 
zwiſchen die innerliche Waͤrme nicht ſo leicht heraus, noch 
die äußere kalte Luft hineindringe, mithin das Kuͤchlein 
nicht umkomme **, Es find auch die allermeiſten dieſer 
Eyer von gutem Geſchmack und ſo wohl zu gebrauchen, N 
daß dadurch der Abgang der Eyer vom zahmen Feder⸗ 
viehe vollenkommen und uberfluͤßig erſetzet wird. Wel⸗ 
ches den Daͤnen, die der Eyer zu allerley Gebrauch noch 
mehr als die Islaͤnder gewohnet ſind, bey ihrem BUN N 
halt dahier beſonders zu Rae feu 


gi Il. 


00 Wovon ganz ungemeine und e Aumer⸗ | 
fungen aufgezeichnet hat Zorgdraget Grönl, Vifcher. P. II. e, 
14. P. 153 ſedg. 

Der Graf Marſi merket noch von den Eyern der Was | 
ſervoͤgel an, daß in denſelben vielmehr weißes als in der Land⸗ 
voͤgel ihren ſey: weil die junge Brut wegen der Feuchtigkeit 
und Kaͤlte, ſo aus dem gar zu nahen Waſſer auf ſie faͤllt, 
laͤngere Zeit als jener zu ihrer Zeitigung vonnoͤthen hat, und 
folglich des weißen, aus welchem dieſelbe, ſo lange ſie im Ey 
"ift, bekanntlich allein ihre Nahrung ziehet, deſto mehr en 
chet. 1 Pannon. et Be; RN . uf. RER 


4 
D 
>>] 


. 


Kon der 
großen 
Menge 


„% achten ven Jaun 


n ÅR Nunmehr ſchreite ich zu dem Haupt und vor⸗ 
nehmſten Theil dieſer Nachrichten, nemlich dem reichen 


Seefſche. und ganz beſondern Segen, deſſen dieſe Inſel von der 


Guͤte Gottes an der unerſchoͤpfflichen Menge ſo vieler 


und mancherlen großer und kleiner, niedlicher und nutz⸗ 
barer Seefiſche zu genießen hat: zumalen dieſelbe dahier 


loch in ihrer vollkommlichſten Güte und ungeſchwaͤchten 


Kraft ſich befinden. Denn es find, zwo aus der Erfah: 
rung bekannte unſtreitige Wahrheiten, daß ie weiter nach 


Norden hin der Fiſch gefangen werde, ie beſſer, fetter 


und dauerhafter derſelbe ſey; und dann, daß der Fiſth 
mitten im Winter, oder in der groͤßeſten Kälte, in ſei⸗ 


nem beſten und vollkommenſten Stande ſey, Weshal⸗ 


ben auch die Berger und Drontheimer den Fiſch nicht 
vor der Thuͤre ſelbſt fiſchen, ſondern von den außerſten 
Normaͤnnern, oder Norwegern, die ihn ſo hoch in Nor⸗ 
den, als ſie mit ihren Fahrzeugen nur kommen koͤnnen, 
zu fangen, bemuͤhet leben, denſelben jährlich erhandeln: 
Dieſe Mokmanner aber ſo gleich nach Weynachten in die 
See ſtechen und den Fiſchfang beginnen *; gleichwie 
unſere Islaͤnder bereits um Lichtmeſſen damit allemal den 


Anfang machen. Die unermeßliche Tiefen unter dem 


Nordpole find die rechte Geburtsplaͤtze der Seefiſche, wo 
fe zugleich ihre gedeylichſte Koſt und beften Wachsthum 
aben; dahingegen fie, ie weiter fie ſich davon entfernen, 
bey ihrem Auszuge mehr und mehr auf untiefere Waſſer 
kommen, auf den Gründen und Baͤnken fo viel Nahrung 
nicht mehr finden, auch durch die ſtetigen und weiten Rei⸗ 
ſen abgemattet, entkraͤftet und mager werden. Allein, 
hierbey entdecken ſich viele fonderbare Merkmale der wei⸗ 
ſen und gültigen EUER des großen Schoͤpfers & 
i 17 


Hs BOV ie Peder Clap N Beſ 1 ged. 
Kopenh. 1632, welche C. S. K. H. D. d. i. Chriſtian Stein« 
kuhl, Hafn. D. fub titulo: Topographia e ins 


Deuiſche uͤberſetzet, p. 113. 


Nachrichten von Island. 5¹ 
Erhalters aller Dinge. Denn wie in jenen unergruͤnd⸗ 
lichen und dazu meiſtens mit ungeheuern nimmer ſchmel⸗ 
zenden Eisfeldern verſchloſſenen Tiefen die Menſchen fie 
wohl würden muͤſſen ungeſtoͤrt und ungefangen laſſen: 
alſo muß ihre übermäßige Vermehrung ſie ſelbſt noͤthi⸗ 
gen, heraus, und den Menſchen auf untiefern fiſchbaren 
Gründen entgegen zu kommen, zugleich aber auch, weil da⸗ 
ſelbſt fo uͤberfluͤßige Nahrung nicht vorhanden ift, der Hun⸗ 
ger ſie zwingen, auf den Angel zu beiſſen, mithin den an der 
Mordſee wohnenden Voͤlkern nicht allein reichlich ihren 
Unterhalt, ſondern da es ſelbigen an andern von Frem⸗ 
den begehrten Kaufmanns waaren groͤßtentheils gebricht, 
auch Vorraths genug zu dem benoͤthigten und zugleich 
eintraͤglichſten Handel mit dem übrigen Europa datzuz 
bieten. i | h a 
Dien Bewohnern der Inſel Island, welche den aus 
Norden herabſchießenden Schwaͤrmen im Wege lieget, 
kommen die Fiſche in erwuͤnſcheter Guͤte von allen Sei⸗ 
ten zu, und drengen ſich in ihre Fioͤrden oder Inwiege 
(Sinus) mit allen Winden. Ich will aus denſelben nur 
der vornehmſten, nutzbareſten und zu kennen nothwen⸗ 
digſten Arten erwehnen. Der uͤbrigen Namen, Eigen⸗ 
ſchaft und Nutzung aber andern, die dazu mehrere Gele⸗ 
genheit, Muße und Wiſsenſchaft haben, zu erkundigen, 
und der gelehrten Welt in umſtaͤndlichen Beſchreibungen 
bekannt zu machen uͤberlaſſen. „ 
F. LIII. Ich mache von den kleinen Gattungen den Deren von 
Anfang, als da find der Heering, der Kablau, die nr 
Laͤnge, der Wittling, der Dorſch, der Schelfiſch, 
der Seebutt, der Sillbutt, die Schullen. A 
. LIV. Der Heering, (wie ich billig ſchreibe, weil Heering. 
nicht nur die Ausſprache ſolches erheiſchet, ſondern auch 
ſeine Eigenſchaft, da er nimmer einzeln, ſondern iederzeit 
Heerweiſe durch alle Meeren ziehet und woher ihm ohne 
SN | dr Z bweifel 


N 


1 Nachrichten von Island. . 


Zweifel der Deutſche Name gegeben worden, foldhes al⸗ 
lerdings erfordert) oder der gekroͤnte Fiſch, wie ihn 

unſere Leute heißen, fuͤhret wegen ſeines unausſprechli⸗ 

chen über den groͤßeſten Theil der bewohnten Welt auß 
eine oder andere Art fh erſtreckenden Nutzens mit allem 

Rechte den Trupp. Es ift derſelbe aller Orten fo be⸗ 
kannt, daß man ihn nicht beſchreiben %, ſondern nur nen⸗ 5 
nen darf; ſo erkennet ein iedweder ſchon, was fuͤr ein 
Fiſch gemeinet ſey. Wie viel aber Gattungen dieſes Fi⸗ 
ſches ſeyn, iſt bey weiten ſo bekannt nicht, weil dieſelbe 
bis anher noch nicht genugſam unterſuchet, vielweniger . 
in deutliche Richtigkeit gebracht worden. So viel Is⸗ 

land betrifft, weis ich zwar, daß alle deſſen Fioͤrden mit 
dem beſten und fetteſten Heering dergeſtalt angefüllee 
find, daß, wenn der Inwohner geringe Anzahl und Uns 
vermögen nicht im Wege ſtuͤnde, diefelbe gar bald und 
beqvemlich den vortheilhaftigſten Handel damit wuͤrden 
behaupten koͤnnen. Allein die unterſchiedene Sorten 
derſelben habe ich, weil niemand darauf ſchlaͤget, ohn⸗ 
moͤglich ausfuͤndig machen koͤnnen. Nur wußte man zu 
ſagen, daß daſelbſt zuweilen eine Art mit vorkomme, die 
drey Viertel einer Elle lang und guter drey qveer Finger 
breit ſey. Vielleicht iſt dieſes diejenige Gattung, die von den 
Fiſchern ſonſt Heeringkoͤnige genennet, und fuͤr der 
großen Schwaͤrme Heerführer und Leiter gehalten wer⸗ 


den“. Re 
| Was 


»Wer indeſſen eine MN verlanget, kann fi . 
beym Schoenevelde Ichthylogiae, p. 37. ‚Willougb. ‚Ichthyo 
p. 219 und bey andern finden. 


Von dieſen bringet Martin in der öfters angezoge⸗ 
nen Beſchreibung, of the Weſtern Islands of Scottland, 
p. 143 folgende Nachricht bey: Fiſcher und andere, ſpricht er, 
haben mir erzehlet, daß es einen Heering, der bey nahe noch 
einmal ſo groß, als die uͤbrigen ſind, gebe, welcher alle die, 
ſo in einen Meerbuſen ſich enthalten, fuͤhret, und wohin er 

ſich wendet, von dem ganzen Schwarm e eee 
it wird. 


[| 


Nachrichten von Island. 3 


Was ſonſt für Gattungen ſonderlich bekannt ſind, Deffen un 
und womit mehr oder weniger Handlung getrieben wird, cheat Died 


ſolches erhellet aus unten angeführten tungen. | 
Von den Fiſchern wird insgemein ginge en daß San 


die Heeringe von der bloßen Schleimigkeit des Waſſers ſey, 
leben. Daſſelbe aber wird dadurch klaͤrlich widerleget, 
daß die Heeringe nicht nur Zaͤhne im Maul haben, wel⸗ 
che ihnen zum Waſſerſchlucken gar unnoͤthig, wohl aber 
eine gewiſſe Anzeige ſind, daß ſie ihnen zu Feſthaltung 
der Fiſche u. d. g. ſo ſie zu ihrer Nahrung faſſen und hin⸗ 
abſchlingen muͤſſen, dienen ſollen: fondern daß zuweilen 
auch andre Dinge von Nachſuchenden in ihren Maͤgen 
wahrgenommen worden. Alſo hat Neukranz (in ſeinem 
Opuſculo de Harengo p. 28.) in eines Magen zuweilen 

uͤber 60 kleine theils halbverdaucte Krabben oder Garna⸗ 

ten ſelbſt gezehlet, und Leeuwenh. laut feiner 97 Miſſiyve 
zu der Zeit, wenn die Fiſche ſetzen, viele b in der 
Heeringe Gedaͤrmen abu | 
nen 8 
wird. Diesen Fuͤhrer hießen die Fiſcher den Koͤnig der Hee⸗ 
ringe, und wenn ſie ihn von ohngefehr lebendig in die Haͤn⸗ 
de bekaͤmen, wuͤrfen ſie ihn ſorgfaͤltig wieder in die See; 
maßen fie es für ein kleines crimen laefae maieftatis (petti 


treaſon) hielten, einen Fiſch eines ſolchen Namens zu ver⸗ 
derben. | 


+. Hieher gehören die Sitdinen der Nordſee (Chalcides, - 
Bellonio de Aquatil. p. 170.) welche von den Engelländern 
Pilchards (Ray Synopfis Piſcium, p. 104.) und von den Fran⸗ 
zoſen Celerins genennet werden; denen gar nahe kommen die 
Sardines, oder (wie man in Venedig ſaget,) Sardelle der mit⸗ 
tellaͤndiſchen See: wie imgleichen die Engliſche Sprott oder 
Spratt, welche eigentlich die junge Brut von Heeringen oder 
Sardinen (Ray c. I. p. 105.) und geraͤuchert ein gar angeneh⸗ 
mes Eſſen ſind: nicht weniger die Stroͤmlinge des Sinus 
Bothnici, davon unten in not. Von 
den fo genannten Stuͤmheering. Staffbeering und pir i 
zers f. Schoney. d. I. p.39 1 95 


N 


Wo fig ei⸗ 
gentlich 
herkom̃en? 


Nachricht 
vom Hee⸗ 


ringsfange. 


34 Nachrichten von Island. 


Es iſt keine unnuͤtze Grille, nachzuſinnen woher doch 
die unbegreiflich großen Heerſcharen und Schwaͤrme von 


\ É 

Ich achte es nicht ungereimt zu ſeyn, bey dieſer Geles 
genheit zugleich eine eigentliche Nachricht von dem hollaͤndi⸗ 
ſchen Heeringsfang mit wenigen zu geben. Die bey Hitland 
verſammlete Buizen laufen aus gegen Nord⸗Nordweſten, und 
werfen bey Fayrhill das erſte Netz in der Nacht nach Johan⸗ 
nistag, den 25 Jun. nach 12 Uhr aus. Die Fiſcherey geſchie⸗ 
het nicht anders, als zu Nachtzeiten, damit man eines Sheils 
den ankommenden Heeringſchwarm an ſeinem Blick (welcher 
durch deſſen Augen, und die um denſelben zu nechſt herumſi⸗ 
gende ſtark glänzende Schuppen vornehmlich verurſachet 


wird) deſto beſſer wahrnehmen, und ihm alſo die Netze recht 


gder vorziehen koͤnne; andern Theils auch der an durch dag 
Sauer, d. i. das Laternenlicht auf den Schiffen, (dergleichen 
Vortheils man ſich auch auf den dalmatiſchen Kuͤſten zum 
Sardinenfang nuͤtzlich bedienet, Spon voyage d’Italie, p. m. 
84.) noch um ſo mehr, weil der Fiſch demſelben zueilet, her⸗ 
beygelocket werde, die Netze aber um fo weniger ſehen mis 
ge. Dieſe Netze, welche ſehr lang ſind, muͤſſen auf eine von 
der Obrigkeit feſt geſtellete Maaße, mit engen Maſchen SÅR 
i mit 


Nachrichten von Island. 35 


aber bemuͤhet, denſelben noch viel weiter nachzuſpuͤren. 
Habe fie auch nicht allein um Island, ſondern noch hoͤ⸗ 
8 her 


mit nemlich der Fiſch mit ſeinen Ohren darinn ſo gleich haͤn⸗ 
gen bleibe) und wenigſtens aus gutem Hanfe verfertiget wer⸗ 
den. Itziger Zeit werden ſie großen Theils aus grober per⸗ 
ſianiſcher Seide (weil dergleichen Netze drey Jahr aushalten 
koͤnnen) geſtricket: fie werden auch alle, fo bald fie fertig, das 
mit man ſie um deſto unkenntbarer mache, mit dem Rauche 
von Eichenholzſpaͤnen, als ich zu Amſterdam einſt angemer⸗ 
fer, braͤunlich gefaͤrbet. Vor dem 25 Juni, weil der Fiſch vore 
her noch in ſeiner rechten Guͤte nicht iſt, noch ohne ſich anzu⸗ 
ſtecken, weit verfahren werden kann, darf kein Netz ausge⸗ 
worfen werden. Zu dem Ende Schiffer, Steuermann und 
Matroſen nach Verordnung der befondern Placaten vor der 
Abfahrt aus Holland ſich dazu verbindlich machen, auch bey 
ihrer Ruͤckkunft, daß ſolches von ihnen, auch ihres Wiſſens 
von andern, nicht geſchehen, vermittelſt leiblichen Eides er⸗ 
haͤrten muͤſſen. Wovon ſo dann einem ieden Schiffe, das 
anderswohin mit dem erſten Heering geſchickt wird, damit 
niemand betrogen werde, noch dieſe eintraͤgliche Handlung in 
Miscredit gerathe, ein beſondres an Ort und Stelle vorzuzei⸗ 
gendes Certificat mitgegeben wird. Und dieſer Punct iſt ſo 
wichtig, daß er in der zwiſchen der großen Fiſcherey in Hol⸗ 
land und der Stadt Hamburg 1609 errichteten Convention 
nicht nur von jener Seiten, ſondern auch von der Stadt, ſo 
viel ihre auszuſchickende Buizen betrift, ausdruͤcklich bedun⸗ 

gen worden. e eee 
| Von S. Jacobi bis Creuzerhebung wird unter Schotte 

land bey Bockeneß und Sereniat; von Creuzerhebung bis 
S. Catharina bey Jarmupden gefiſchet; und in den Placa⸗ 
ten hat man Erlaubniß, gar bis vlt. Decemb. damit, wenn 
man will, fortzufahren. 

In den erſten drey Wochen, naͤmlich von dem 25 Jun. 
bis 15 Jul. wird aller Heering, den man faͤnget, unſortiret 
durch einander in die Tonne gethan, und durch die den Buizen 
nachgeſchickte geſchwinde Schiffe, Jagers genannt, aus den⸗ 
felben übernommen, und fo geſchwinde, als nur möglich, nach 
Holland gebracht, auch deshalben Jager⸗Haaring geheis⸗ 
ſen. Nach dieſer Zeit wird der Fiſch, fo bald er aufs Schiff 
gekommen und ausgekiefet, in drey Sorten, die man Maajſe⸗ 
kens⸗Voll⸗ und Schooten⸗Gaaring betitelt, fleißig unter» 

| Ä D 4 ſchieden, 


56 Nachrichten von Island. 
ber und unter dem Nordpol aufgefunden. Wobey ich 
1777 for SET ni 


ſchieden, und iede derſelben beſonders geſalzen, und in eine 
beſondere Tonne gepacket. Der Maaſekens oder Maatjes⸗ 
Baaring, (d. i. der Maͤgdchen⸗ oder Jungfern⸗Heering) HE ders 
jenige, worinn noch die Milch ſo wenig, als der Roͤgen er⸗ 
kenntlich; der ſchoͤn fett, aber nicht dauerhaft iſt. Voll 
Baaring oder Boll» Heering heißer der, fo voll Milch oder 
Nøgen, und in ſeinem rechten vollkommenen Stande ift. 
Schooten ⸗Haaring (geſchoſſener Heering) PNlen⸗Haaring 
(contra&te pro Ydelen h. e. leerer) imgleichen Zol⸗gaaring 
(hohler Heering,) ift derjenige, fo geleichet, oder Roͤgen und 
Milch geſchoſſen, oder denſelben doch wenigſtens ſo los hat, 
daß er eben ſchießen will (welcher Zuſtand mit einem beſon⸗ 
dern Worte Ruyt⸗Jieck und Welk⸗Sieck genennet wird) und 
ſchon wiederum ſchlechter iſt, auch ſo gut nicht dauret, als der 
Voll⸗Heering. Mit den beyden letzten Sorten kommen die 
Buyzen ſelbſt, fo bald eine iegliche ihre Ladung hat, oder nicht 
mehr zu fangen iſt, nach und nach zu Hauſe; woſelbſt alle 
drey Sorten, ehe man fie wieder weiter ſendet, geoͤffnet, von 
neuen geſalzen und dergeſtalt aufgehoͤhet werden, daß man 
aus 14 Seetonnen 12 neue Tonnen, die eine Laſt heißen, ma⸗ 
chet. Von dem hollaͤndiſchen Heeringfange hat etwas Hap⸗ 
pel. Relation. Curioſ. Tom. II. p. 53 feq. und Marperger 
Kaufman. Magaz. p. 597. Der vornehmſte und beſte Hee⸗ 
ring, der itziger Zeit in Hamburg gebrauchet, und von da ins 
Reich verſandt wird, ift der Hollaͤudiſche, der von dannen ver» 
ſchrieben, iedoch in Hamburg, ehe er weiter gehet, durch eige⸗ 
ne dazu beſtellete und vereydete Wardirer, Wracker und Pa⸗ 
cker wiederum geoͤfnet, von neuen auf hollaͤndiſche Art ein⸗ 
geſalzen, umgepacket, gewracket und nach feiner Beſchaffen⸗ 
heit und Guͤte auf Eid und Pflicht mit gewiſſen von der 
Obrigkeit dazu geordneten Cirkelſtrichen und Zeichen gemerket 
wird, davon auch einige Nachricht bey itzt angezogenen Scri⸗ 
benten zu finden. Es ruͤhret aber die beſondere Guͤte und 
Schmackhaftigkeit des hollaͤndiſchen Heerings, womit er alle, 
von allen uͤbrigen Nationen gefangene und zubereitete Heerin⸗ 
ge uͤbertrifft, eigentlich daher, daß die Hollaͤnder den Fiſch ſo⸗ 
for“ lebendig vor dem Meſſer, wie er nach gerade gefangen 
wird, auskiefen, (d. i. die Kiefen, Branchias, ausſchneiden,) 
ſorgfaͤltig zubereiten, und den fie in der Nacht gefangen, MAL i 


Nachrichten von Island, 57 
gekommene zuverlaͤßige Nachrichten „als auf folgenden 
Grundſatz: Wo diejenige große und kleinere Fiſchſorten, 
deren gemeineſte und liebſte Koſt der Heering iſt, ſich in 
beſonderer Menge und Fettigkeit finden, dafelbft muͤſſen 
nothwendig Heeringe und zwar in groͤßeſtem Ueberfluß 
ſich aufhalten. Nun find von der groͤßern Gattung die 
WMeerhunde oder Hayfiſche, das Meerſchwein und 
von den Wallfiſcharten außer dem Finnfiſche (welcher 
deswegen bey den Normaͤnnern Sildhual oder Sild⸗ 
val, d. i. Heeringwallfiſch, heißer, der ſogenannte 
Nordcaper mir vornehmlich bekannt, als in deren Mäs 
gen allemal eine große . Heringe wahr⸗ å 
genommen werden, 


X will nur insonderheit des e gehalten, und Mordcaper. 
| von demſelben zugleich einen merkbaren Umſtand beybrin⸗ 
gen. Er enthalt ſich vornehmlich auf der aͤußerſten noͤrd? 
lichen Ecke von Norwegen, Nordcap genannt, daher 
ihm auch die Groͤnlandsfahrer ſeine Benennung beygele⸗ 

get haben, ohne Zweifel wegen des gewaltigen Heerings⸗ 
ſtrichs, der daſelbſt vorbey und an Norwegen herunter: 
ſtuͤrzet. Nichts deſtoweniger hauſet er auch, daß ich ſo 
rede, um Island herum in gar großer Menge. Und 
daß auch dieſes aus keiner andern Urſache, als um des 
dahier fo ſehr häufig anzutreffenden Heerings willen ge⸗ 
ſchieht, liege: daraus zu hellem Tage, daß derfelbe, wie 

ich mit Sicherheit berichtet worden, wenn ihn hungert, 
nicht allein die in den Fioͤrden oder Meerbuſen zerſtreuet 
ſchwimmende Heeringe zuſammen treibet, und vor ſich 
her gegen den Strand jaget, ſondern auch, nachdem er 
deren, ſo viel, als orig, oder möglich, e ge⸗ 

| er 
vor wieder eintretender Nacht in Tonnen von Eichenholz mit 
zwiſchengeſtreueten groben Spaniſchen, oder Portu gieſiſchen 
Boyſalze ordentlich legen oder packen; da die uͤbrigen Natio⸗ 


10 in 3 oder jenem Stucke, ſich fene erfinden - 
å en. * 3 


s Nachrichten von Island. 
bracht, vermittelſt einer kleinen Wendung feines großen 


Leibes einen merklichen Wirbel im Waſſer veranlaſſet, 


und dadurch die ungluͤckſeligen Thierlein ſolchergeſtalt zu⸗ 


ſammen und zu ſich bringet, daß er ſie alsdenn durch eine 


ſtarke Einathemung, in feinen eröffneten Rachen, Tonnen⸗ 
weiſe mit einem ziemlich gewaltſamen, ſelbſt die kleinen 
Fiſcherboͤthe, wo fie in den Strudel verfallen, mit fort: 


reißenden Zuge hineinholet oder ſauget, und in ſeinen wei⸗ 
ten Magen hinabſchlinget . Daß aber dieſe ſowohl als 
Dieſe Wallfiſchart, oder eine andere, die ſich nicht 

minder vom Heering naͤhret, haben die Islaͤnder vordem 
Syldrecke (Gudm. Andr. Lexic, Island.) d. i. Heeringmeiſter 


geheißen, und (beym Verel. Lex. Sc. Scand.) ift Sildraeki ba⸗ 


lenae ſpecies, quae haleces ex profundo in ſinus et breuia 


compellit, wie denn auch D. Martin in feiner Defcription 


of the Weſt - Islands of Scottl. p. 5 anfuͤhret, daß ſich 
bey dieſen Inſeln in den Heeringbayen eine Menge von 


Wallfiſchen unterſchiedlicher Art finde. Welches, mei⸗ 
nem Bedünfen nach, wegen Untiefe der Gründe, keine ande⸗ 
re als Nordcaper, Butzkoͤpfe und Meerſchweine ſeyn koͤnnen. 
In den Philofoph. Transact. N. 397, Art, 2. wo unter andern 


von den Wallfiſchſorten bey Neuengelland Nachricht gegeben 


wird, heißer einer Fin. Bach. Ihale von feiner hinten am Ruͤ⸗ 
cken führenden 2% bis 4 Fuß hohen Sinne, oder ſehnichten 
und fleiſchichten Floßfeder: von welcher ihn auch unſere und 
die Hollaͤndiſchen Groͤnlandsfahrer ebenfalls Finn fiſch benen⸗ 


net haben. Vid. Martens Spitzbergreiſe, cap. u. Und von 
dieſen wird in den angezogenen Transactions angemerket, 


daß er die Mackrelen, Heeringe u. d. gl. kleine Fiſche durch 


eben dieſelbe natürliche Lift, deren ſich der Nordcaper bedie⸗ 


net, bey etlichen hunderten auf einmal einſchlinge. So be⸗ 


richtet auch Kaempfer Hiftory of Japon B. I. Ich. 1, daß da⸗ 


ſelbſt eine Art Wallfiſche, die die Japoneſer lwaſicurn, d. i. 
wie er es ausleget, Sardineneſſer heißen, ſich in Menge auf⸗ 


halte. 7 5 
VUueebrigens habe ich hiebey eine kleine Erwegung, die ich 
gehabt, nicht weglaſſen wollen. Es kann einem, der itzt Ange⸗ 


fuͤhrtes lieſet, gar leicht einfallen: wie iſts doch moͤglich, daß 
die Heeringe und dergleichen Fiſche von ihren ungeheuern und 
unerſaͤttlichen Verfolgern nicht gar ausgetilget, und aus dk 
| ! | ” ee 


Nachrichten von Jeland. 59 


auch die uͤbrige benannte Heeringſchlucker ſich ſogar ben 
Spitzbergen, und ſo hoch nur unſere Groͤnlandsfahrer 
ie gekommen, noch immer antreffen laſſen, ſolches bezeu⸗ 
gen dieſelbe einhellig, doch iſt der einzige fleißige Martens 
in ſeiner wohlbeglaubten Reiſebeſchreibung es zu erweiſen 
ſchon genug. Alſo muͤſſen denn beym Nordpol Heeringe 
in großer Menge ſeyn. Welches ich mir zu erweiſen vor⸗ 
genommen. Unter den kleinern Heeringfreſſern verſtehe 
ich den Kabbelau und fein Geſchlecht, die Lengen, 
Schelfiſche u. ſ. w. Inmaßen mir bekannt, daß nicht 
allein unſere Hilgelander Fiſcher aus der Erfahrung er⸗ 
lernet, daß das gewiſſeſte Aas für diefe Fiſche, woran fie 
am begierigften beißen, der Heering ſey: ſondern es er⸗ 
zehlen auch unſre Groͤnlandsfahrer, daß, wenn ſie der⸗ 
gleichen Fiſche zu ihrer Erfriſchung bey Spitzbergen, und 
der Gegend, fangen wollen, fie in Ermangelung VE 
8 59 1 | 7% 


See aufgeraͤumet werden? Allein, da findet ſichs im Nach⸗ 
finnen gar bald, daß der weiſe Erhalter der Creatur es alſo 
gefuͤget, daß die kleinen Fiſchſorten in unbegreiflicher Menge 

ſich vermehren; dagegen jene Meerbeſtien nur jährlich ein 

einziges, hoͤchſtens zwey Jungen ſetzen: Auch die groͤßern 

Gattungen ihres Geſchlechtes, welche ſolche Fiſchfreſſer mehr 
als um die Helfte an Groͤße uͤbertreffen, ſich auf eine andere 
Weiſe naͤhren muͤſſen. Alſo iſt der groͤßeſten Art dem eigent⸗ 
lichen ſpitzbergiſchen Wallfiſche ſo wohl durch die vielen zot⸗ 
tichten Blätter, oder fo genannte Baarten, womit fein Rachen 
angefuͤllet, als durch ſeine enge Kehle das Fiſchſchlingen ver⸗ 
wehret, und muß er ſich vornehmlich mit kleinen Krabben, 
oder Garnaten, und einem fettigten Waſſer⸗Inſeck behelfen. 
Dabey er indeſſen gleichwohl nicht zu kurz kommt, ſondern 
vortrefflich gedeyhet. Der Tang-hual muß von Tang (Angl. 
Tangle) einem Meerkraute, Fuco marino; andere von ande⸗ 
rer Nahrung leben. Eben wie auf dem Lande die fleifchfref 
ſende Thiere ſich auch nicht ſo ſtark, als die andern vermeh⸗ 
ren, und die ungeheuerſten unter denſelben, ich meyne die 
Elephanten und Rhinoceros, die ſonſt vielleicht die Waͤlder 
laͤngſt ledig gemacht haben wuͤrden, mit ſchlechten Kraͤutern 
und den zarten Zweiglein der Baͤume vorlieb nehmen muͤſſen. 


66 Nachrichten von Island. 
friſchen und natürlichen, nuv einen aus weißen Bleche in 
gebildeten Heering, dazu nuͤtzlich zu gebrauchen pflegen. 
Wobey ich, als zu meinem Zweck ſehr dienlich, unangefuͤh⸗ 
ret nicht laſſen kann, was Denys in feiner Deſeription ? 
de LAmerique ”Septentrionale (worin er hauptſaͤchlich 
weitlaͤuftig und mit allen kleinen Umſtaͤnden den Fang 
und Zurichtung der Molus, die eine Cablauart iſt, be⸗ 
ſchreibet) Tom. I. p. 162. & 218 erwehnet, nehmlich daß 
der Fang ſehr reich fer, wo viele Makreelen und Heerin⸗ 
ge, als womit ſie am beſten geaaſet wuͤrden, befindlich, 
und Tom. II. p. 191. daß, wenn man durch gar zu ſtar⸗ 
kes Fiſchen die Molué verjage, man auch den Heering ꝛc. 
mit wegtreibe, und p. 195. daß, wenn ſich der Heeking und 
d. g. von einem Striche weg nach einem andern ziehe, 
die Moluè nicht weniger demſelben ſogleich nachfolge. 
Aus welchen abermal ohnſtreitig erhellet, daß, da dieſe 
Cabbelau u. ſ. w. in Groͤnland nicht nur. häufig find, 
ſondern ſich ſogar durch den Schein eines Heerings fan⸗ 
gen laſſen, es daſelbſt und noch höher hinauf, voller Hee⸗ 
ringe ſtecken muͤſſe. Geſtalten dieſes erläutert; ja völlig 
beſtaͤrket wird, durch eine gleichmaͤßige Anmerkung, die 
Zorgdraager c. I. P. II. c. 7 aus eigener Erfahrung ge⸗ 
machet, und dabey er zugleich bezeuget, daß er ſelber eine 
Menge von Heeringsgraͤthen bey den Waſſervögelneſtern 
an den „ N liegen . . 


Nach⸗ 


So fehlet es auch in sed Eysmeere über Aſia an Hee⸗ 
ringen nicht: wie ſolches nicht nur aus den unterſchiedlichen 
daſelbſt befindlichen Wallfiſchgattungen, und beſonders der⸗ 
jenigen, die vorhin aus Kaͤmpfers Japon angefuͤhret worden, 
zu ſchließen iſt, ſondern auch von dem Rußiſchen Geſandten, 
Ysbrand, in ſelner Reiſe nach China, p. 131 erweislich gema ⸗ 
het wird, wenn er allda ſchreibet; daß uͤber Kamfcharka in 
dem Fluſſe Salazia viel ſchoͤner Heering u. d. gl. gefangen wer⸗ 
de. An dem Vorgebirge der guten Hoffnung, oder um das 
unterſte Ende von Africa laſſen ſich ebenermaßen die Nord⸗ 
caper und Meerſchweine oͤfters feben, 1 wie e in al | 

Wei 7 


6 ; ' 


Nachrichten von Island. 61 


Nachdem ich aber, als jetzo erweislich gemacht, die Weiterer 
Heeringe fo hoch nordwerts wirklich entdecket, bin ich im gde 
Nachſinnen weiter auf die Gedanken gerathen, daß eben Heering 
in dem allertiefften Norden der Heringe und anderer mit engſernte⸗ 
ihnen in Geſellſchaft wandernden kleinern Fiſcharten, als ſten Nor⸗ 
der Mackreelen, Butte u. ſ. w. rechte und eigentliche den komme. 
Heymath und zwar um deswillen ſey, weil ſie daſelbſt 
unter den nimmerſchmelzenden, vielmehr jaͤhrlich an Dicke 
und Groͤße zunehmenden, auch weit und breit ſich erſtre⸗ 
ckenden Eisfeldern der meiſten Ruhe zum Leichen und des 
ſicherſten Behaͤltniſſes zum Wachsthum ihrer Brut ge⸗ 
nießen. Denn da iſt offenbar, daß recht weit unter ſol⸗ 
che Eisfelder und in die groͤßeſte Tiefen die Hayen, Cab⸗ 
laue u. d. g. wegen beſchwerlicher Athemſchoͤpffung den⸗ 
ſelben nicht beqvemlich; die beregte ihnen ſchaͤdlichſte 
Wallfiſchſorten aber aus Mangel der fuͤr ihre thieriſche 
Lungen ſtets benoͤthigten reinen und friſchen Himmelluft 
gar nicht; am allerwenigſten aber die menſchliche Fiſcher 
mit ihren Nachſtellungen beykommen und deren ſtolze 
Ruhe ſtoͤhren mögen. Indem aber ferner ganz natuͤr? 
lich, und daher ohnſchwer zu begreifen iſt, daß, da dieſer 
Fiſch bekanntlich fo erſtaunenswuͤrdig ſich vermehret, de. 
ſen Anzahl allda, wo ſie von Menſchen gar nicht, und 
von Raubſiſchen ſo wenig geſchwaͤchet wird, bald der⸗ 

maßen uͤberhand nehmen muͤſſe, daß fie daſelbſt ihren voͤl? 

ligen Fraß nicht haben, ſondern genoͤthiget werden, ſo 

ofte als die Erfahrung zeiget, daß es geſchieht, zahlreiche 

Colonien, oder Heerzüge, gleichſam von ſich zu ſchicken, 

die ſich in die offene See begeben und ihre Nahrung wei⸗ 

ter ſuchen muͤſſen: von denen nach einem großen, bald 

naͤher anzuzeigenden Umwege, vielleicht ein Reſt, oder 
1 e Baal 

weitlaͤuftigen Beſchreibung dieſes Vorgebirges p. 204 bezeu⸗ 

get. Es ift aber auch daſelbſt unter andern die Heeringart, 

welche von den Hollaͤndiſchen Matroſen Harder genennet 


wird, nicht ſelten; als derſelbe p. 196 erwehnet. 


Was er für 
Züge halte; 


62 Nachrichten von Island. 
doch deren Abkunft nach dem Nordpol wieder zurück keh⸗ 
ret, und das Geſchlecht allda fortpflanzen hilft. Ich 


zweifele keinesweges, wofern man in der angefangenen 


mehreren Aufmerkſamkeit auf die Naturwunder fleißig 
fortſchreiten wird; (und wie wuͤnſchte ich, daß eben ge⸗ 
genwaͤrtige Zeilen dazu einige Gelegenheit oder Ermun⸗ 
terung geben möchten!) daß denn auch dieſes, und mehr 


anders, mit der Zeit eigentlicher werde ausgeforſchet 


werden. | 

Indeſſen will ich nicht verſchweigen, was ich meines 
wenigen Orts bey den ſo ſchlecht beachteten Zuͤgen der 
Heeringe fuͤr eine Weisheit und liebvolle Fuͤgung unſers 


großen und gutthaͤtigen Schoͤpffers erblicke, anmerke, 


alle Meere zu vertheilen, und an alle Kuͤſten zu leiten. 
Denn ſobald der Heering unter dem Eiſe, oder aus den 


bewundere, preiſe. Es hat nehmlich der Herr der Crea 


tur den angeregten und mehreren, ja wer weiß wie vie⸗ 
len? groͤßern und kleinern Meerfiſchen eine ſolche Na⸗ 
tur anerſchaffen, daß ſie wie an andern im Norden erzeu⸗ 


geten kleinen Fiſchen, alſo befonders am Heering *, ihre 


dienſamſte und liebſte Koſt finden, damit er naͤmlich ihrer 


faſt unerſaͤttlichen Freßgierde, als des allerbeqvemſten 


Mittels ſich bedienen moͤgte, ſowohl dieſen kleinen, doch 
unglaublich nutzbaren Fiſch, als fie ſelbſt zugleich mit, uber 


unergruͤndlichen Tiefen, vorangezeigter maßen ſich her⸗ 
vor begiebet, machen ſolche große, groͤßere und groͤßeſte 
Fiſcharten, um ihre hungerige Maͤgen zu fuͤllen, ſich ſo 


fort an denſelben, halten ihn durch ihr ſtetes Aengſten 


I 


| Merkwuͤrdig ſchreibet M. Martin d. . p. 349. Wher⸗ 
ever they are, all other fish follow em, and Whales and 
Seals in particular: For the larger fish of all kinds feed, . 


upon Herring, d. i: wo nur immer Heeringe ſind, dahin fol⸗ 
gen ihnen alle andere Fiſche nach, beſonders Wallfiſche und 


Seehunde. Denn die größere Fiſchgattungen leben ſaͤmtlich vom 


Heering. 


Nachrichten von Island. 63 
von allen Seiten in hohen, breiten und ſehr dichten Hau⸗ 


fen * beyſammen, jagen ihn aber auch von dannen im⸗ 


mer weiter heraus vor ſich her, und treiben ihn als ein 


ſchuͤchternes wehrloſes Jiſchlein von einer See zu der an⸗ 


dern, (wiewohl dieſes eigentlich keine andere, ſondern nur 
bloß andere Benennungen tragende Theile des großen 
Weltmeers ſind) und von einer Kuͤſte zur andern: in⸗ 
dem derſelbe, um den gröͤßern Verfolgern zu entrinnen, 
und ſowohl fuͤr ſich einige Sicherheit und einen Ruhe⸗ 
platz zum Setzen, als fuͤr die Brut, ſo lange ſie ganz zart 
ift, ein ungeſtoͤhrtes Lager zu finden! in die Meerbuſen, 


auf die ſeichten Sande, ja bis in die Muͤndungen der 


Fluſſe zu fleten ſich beſtrebet, damit aber den Anwoh⸗ 


„Dieſe Eigenſchaft und inwendigen Trieb, haben alle 
kleinere Fiſchgattungen an ſich, fo zwar ſehr natürlich, abet 
doch wegen des mitfuͤhrenden großen Nutzens nicht außer 


Acht zu laſſen if. Sie pflegen naͤmlich aus Furcht vor ih⸗ 


ren Verfolgern und in Abſicht ſich zu retten, ſo dichte, als nur 
moͤglich, zuſammen zu fahren, und an, uͤber und unter ein⸗ 
ander in berggroßen Haufen (die auch von den ſie oͤfters an⸗ 


treffenden Normaͤnnern iuxtå Topograph. Norweg. citat. 


keberge oder Siſchberge genennet werden) ſich zu drengen, 
damit aber zugleich zu veranlaſſen, daß ſie von den Fiſcher 

nur deſto beqvemer und häufiger erhaſchet und gefangen wer⸗ 
den. Ein gleiches bemerken wir ſchon bey der Schleswigi⸗ 
ſchen Inſel Hilgeland an unſern nicht minder verfolgten Krab⸗ 
ben, Garnaten, oder Garnelen (Squillis gibbis Rondelet.) 
die, weil ſie von unten und von den Seiten her durch die 


Schell⸗ und andere Fiſche, die ſich vornehmlich von ihnen 
nähren, von obenher aber durch die Meven (deren gemeinſte 
Speiſe fie gleichergeſtalt find) gejaget und geaͤngſtiget wer⸗ 


den, eben auch in große Klumpen, oder dicke Haufen, in ein⸗ 


ander fliehen, und darüber in fo groͤßerer Menge den Hillge . 


lander Fiſchern zu Theil werden. | 
Plin. Nat. Hift. Lib. IX, Se&. 35. Nam in ſtagna ec 
amnes tranſeundi plerisque piſcibus euidens ratio eſt, vt 
tutos foetus edant, quia non fint ibi, qui deuorent partus 
Auctusque minus ſacuiant. | 1 7 


— 


64 — von Jelmnd. | 

nern ſich gleichſam vor ihrer Türe darſtellet, und bey⸗ 
des zur Speiſe und Handelſchaft in unerſchoͤpflicher Men⸗ 
ge überliefert, Wodurch denn allerdings die nachſetzende 
größere und kleinere Jäger, ſo weit die Groͤße ihres Koͤr⸗ 
pers und die Tiefe des Waſſers es verſtatten, eben den⸗ 
ſelben Anwohnern zugleich angebothen, und wenn ſie nur 
zugreifen wollen, in die Haͤnde gefuͤhret werden. 


| Es iſt aber hiebey zu merken, daß ſowohl die Bea 
mütter um ihre große Reiſe zu vollenden, ſobald fie ger 
ſetzet, wieder in die See ſich begeben, als auch die Brut, 
ſobald fie nur zu einigen Kräften gekommen, ebenfalls aus 
natürlichem Triebe und Ire großen aid zu e der 
See zueile . 


Von dem Jedoch dieſes alles noch deutlicher und begreiſicher 

ft der. zu machen, will ich den jährlichen Zug der Heeringe, 

ſelben. ſo weit man davon gewiſſe Nachricht hat, von Ort zu 
Ort anweiſen, und zugleich zeigen, zu welcher Zeit ein ie⸗ 
des Volk diefen Segen überfömmt, und bf was Art es | 


fi ich denfelben zu Nutze mache. 


Des Zaupt⸗ Aus Norden bricht der Hauptſchwarm be DA 
en, im Jahr auf. Wovon der eine Flügel Weſtwerts ſich 
gel der ſich lenket und mit dem Monat Mart. auf die Inſel Island 
fem — 75 in ſolcher Menge, und (wegen der Verfolgung der vielen 
det. großen Fiſche von allen Seiten, und der Strandvoͤgel 
von oben her) in fo dicken und dichten Haufen ſtöͤßet, daß 
man nicht allein an der Schwaͤrze und Kräußeln des 
Waſſers (indem ſie vor Angſt bis an die Oberflaͤche dels 
felben dringen, und öfters gar herausfliehen zu wollen 
ſcheinen) ihre Ankunft von weiten wahrnehmen, ſondern 
auch, wenn man denſelben entgegen faͤhret, und mit ei⸗ 
nem Schoͤpfer, womit die Segel aus der See benetzet 
werden, oder reg bohlen Wen drein rd 5 


25 7 


Conf. Neulesetts de Hare) ba 1. * mr | 


5 Nachrichten von Island. | 65 


auf einmal eine ziemliche Menge derſelben ohnfehlbar er⸗ 
wiſchen und heraus heben kann. Ob dieſer auf Island 
fallende Flügel zuvorher einen Theil nach den Baͤnken von 
- Terreneufve abſchicke: wie imgleichen, wo der Reſt des 
an der Weſtküͤſte von Island herniederſtuͤrzenden Strichs 
bleiben mag, iſt den allſehenden Augen des Hoͤchſten allein 
bekannt. Indeſſen iſt gewiß, daß davon auf allen Sei⸗ 
ten der Inſel alle Meerbuſen, Buchten, Bayen oder 
Foioͤrden angefuͤllet, und zugleich, außer den nachziehen⸗ 
den koͤſtlichen andern, eß⸗ und nutzbaren, kleinen und gråss - 
ſern Fiſchen, abſonderlich die Nordcaper, (welche ihrer 
Groͤße halber weiter in die untiefere Nordſee zu folgen 
ſich nicht getrauen) dahin gefuͤhret, und gleichſam ihren 
rechten Wohnplatz (wovon Zorgdraager e der ' 
Gegend zu nehmen veranlaſſet werden. 

Der zweyte große uns zum beſten bekannte Oeſt⸗ Der andere 
liche Fluͤgel (wovon doch auch im Vorbeyſtreichen ein en 
Theil nad) der Oſt⸗ und Suͤdkuͤſte von Island abfällt). Flügel. 

ſtuͤrzet ſich durch die mitfolgende Meerſchweine, Cablauen 
u. fe f. getrieben, immer weiter herunter in die Nord⸗ : 
fee: iedoch ſolchergeſtalt, daß davon eine Abſonderung, Des öfttie 
nehmlich die Oeſtliche, ihren Strich nach der Nord geleoſliche 
caap * zu, und ferner an der ganzen Norwegiſchen Kuͤ⸗ 1 
ud herunter nimmt, be: jer ein Theil feinen Lauf Deren ein 
| i: „ daran Theil. 


— rater meldet c. I. P. II. c. 7. p. 97, daß um S. 
Johannis die Bayen, Sinus, bey der Nordcaap von jun⸗ 
gen Fiſchen, beſonders Heeringen, krimmele und wimmele, 
und er ſelbſt bey Loppe und Curoy mehrmals angemerket ha⸗ - 
be, daß das Waſſer davon an einigen Stellen faſt als leben ? 
dig anzuſehen geweſen. Ja er habe davon viele Schwaͤrme 
in großen uͤberm Waſſer ſichtbaren Haufen von tauſenden 
beyſammen geſehen, davon man, wenn man mit der Chalou⸗ 
pe hineingerudert und eine Lanze auf ſie geſchoſſen, mehr als 
einen Fiſch zugleich ſpießen koͤnnen. | 

Itziger Zeit ift der Segen und Fang bey Norwegen 
lange nicht mehr ſo groß, als er 1 Zeiten gewesen 

da 


s zweyter 
Theil. 


Des zwey⸗ 
ten Theils 
einer Arm. 


66 Nachrichten von Island. 


daran her beſtaͤndig fortſetzet, bis er durch den Sund in 
die Oſtſee verfaͤllt: der andere aber, ſobald ihm die Nord⸗ 
ſpitze von Juͤtland entgegen ſtehet, ſich daran abermal 
zweyet, und mit einem Arm an der Oſtſeiten Juͤtlands 
herab * laͤuft; iedoch durch die Belte mit jenem in der 
Oſtſee ** bald wieder zuſammen ſtoͤßet; mit dem zwey⸗ 

| „ Ten 


da der Hauptſtrich dahin gegangen, und des Jahrs etliche 
tauſend Schiffe, aus Daͤnnemark, Deutſchland, Frießland, 
Holland, ja ſelbſt aus Schottland, Engelland und Frankreich 
nach den Haͤfen von Norwegen gekommen, um den geſalze⸗ 

nen Heering von dannen abzuholen, und ſich und ihre Nach⸗ 
barſchaft damit zu verſehen. Welcher Ueberfluß aber ums 

Jahr 1560 zum ſtaͤrkeſten ſoll abgenommen haben, wie in der 
obangezogenen Topogr. Norw. cap. 5. p. 29 ſq. berichtet wird. 

Es hat ſich auch bis dahin das Hanſe⸗Staͤdtiſche Com⸗ 
foir in Bergen bey dieſer Handlung ſehr wohl befunden; 
allein die Abnahme derſelben auch ſeines Theils merklich mit 
empfunden. Anitzo kommen zwar von daher durch die des 
Rothſchaͤres halber noch fortdaurende Bergerfahrer Bruͤ⸗ 
derſchaften jährlich noch einige hundert Laſten geſalzener Hee⸗ 
ring nach Hamburg, Bremen und Luͤbeck. Weil aber derſel⸗ 
be bey weiten ſo fett und gut, als der gegen über bey Hitt⸗ 
und Schottland gefangene Fiſch nicht ift, noch fo forgfältig, 
als von den Hollaͤndern geſchieht, gefleyet und geſalzen, uͤber⸗ 
dem in lauter Tonnen von Feurenholz (die dem Fiſch einen 
unangenehmen Beygeſchmack geben) geſchlagen wird: ſo fin⸗ 
det er keinen ſtarken Abgang, iſt auch folglich nicht viel daran 
zu verdienen. In den vereinigten Provinzien iſt gar bereits 

im Jahr 1620 durch ein Placat verboten, einigen Heering 
binnen den Klippen von Hittland, Irrland und Norwegen 
ſelber zu fangen und einzuſalzen, weniger von dieſen Leuten 


zu kaufen, bey Confiſcation ſolchen Heerings und einer Geld» 


buße von 300 Carolus-Fl. 4 5 Dø 

* Ben Ahlburg werden inſonderheit alljaͤhrig viele Hee⸗ 
ringe gefangen und eingeſalzen, in Tonnen hin und wieder 
an den Kuͤſten der Oſtſee, auch nach Hamburg zum Verkauf 
gebracht. Finden aber keine ſonderliche Abnahme, weil ein 


ieder, der den weit beſſeren Hollaͤndiſchen bezahlen kann, dens 


ſelben lieber nimmt. TEMA | . 
*Mit dem Heeringsfang und Handel an den Kuͤſten 
der Gſtſee hat es kuͤrzlich folgende Bewandniß: Als der 
1 5 ' j ee⸗ 


hu 


Nachrichten von Island. 67 


ten Arm aber an der Weſtkuͤſte von Juͤtland ſich herun⸗ Zepter 
* | N | Arm. 


ter 


Heeringſtrich noch ſtaͤrker auf Norwegen gegangen, iſt deſſel⸗ 
ben auch auf der Schoniſchen Xuͤſte eine ſolche Menge ges 
fangen und eingeſalzen ausgeſandt worden, daß man einen 
guten Theil von Europa damit verſehen. Denn es war da⸗ 
mals, wie Olaus Magnus Hiſt. Nat. Septentr. Lib. XX. c. 28 
erwehnet, der Schwarm fo dicke, vr non ſolum retia pifcan- 
tium lacerarentur, fed etiam in agmine illo bipennis vel 
lancea militaris in medio piſcium immiſſa firmaretur. Wel- 
ches denn auch unter andern Gelegenheit gegeben, daß zu 
Hamburg die Schonenfahrergeſellſchaft aufkommen, und 


den Heeringhandel ſtark getrieben. Die zwar auch noch bis 
auf den heutigen Tag unter derſelben Benennung fortdauert, 


ihre Voͤgte, Alten und Oberalten zur Direction, und ihre eige⸗ 
ne beeydigte Packer, Wracker und Wardierer zur Bedienung 
hat, und eigentlich den Heeringhandel, doch faſt nur allein 
mit dem Hollaͤndiſchen Heering, als der beſten und gäng- und 
giebigſten Waare, fortfuͤhret, zumal der Fang unter Schonen 
laͤngſt aufgehoͤret hat. So wird auch weiter hinauf an der 
ganzen Schwediſchen Kuͤſte, wie imgleichen unter Finn⸗ 
land und Eſten kein tauglicher Heering angetroffen, noch ges 
fangen. Nur findet ſich in dem Sinu Bothnico eine demſel⸗ 
ben ganz eigene, doch gar kleine und trockene, obſchon ſonſt 
zarte und wohlſchmeckende Heeringsart, Stroͤming oder 
Stroͤmling (Halee Bothnicum Neukranz de Hareng. p. 19.) 
genannt, in unglaublicher Menge Ol. M. d. 1. lib. XX. c. 29. 
Die Finnen fangen ſie noch heutiges Tages ſo haͤufig, daß 
ſie gar geſchwinde eine große Menge davon erhaſchen, die ſie 
noch lebendig auf dem Strande in großen Haufen ſchuͤtten, 
und alſo unter ſich nach Mannzahl theilen. In Weſterbo⸗ 


then aber thut man ſie in große Faͤſſer und Tonnen, ſalzet ſie 


wohl, ruͤhret ſie mit einem Stock unter einander, und laͤſſet ſie 
ſolchergeſtalt 24 Stunden durchbeizen, bis das Blut ausge⸗ 
zogen, und fie ſteif geworden. Worauf man fie Tages her⸗ 
nach herausnimmt, in allerley kleine Toͤnnichen vertheilet, 
und ſodann entweder daheim verkaufet, oder in die Nachbar⸗ 
ſchaft, wenn man Gelegenheit dazu hat, verſendet. Ol. Rudb. 
fil. de Ave Selav. p. 98. Man pfleget auch die kleineſten 
unter denſelben geſalzen in Backoͤfen zu doͤrren, und zum Ge⸗ 


ſchenk an aus waͤrtige Correſpondenten zu verſchicken; wie ich 


mich wohl erinnere, ſie in meiner zarten Jugend gegeſſen und 
Ea wohl⸗ 


* y 


68 Nachrichten von Island. 


ter ſenket, und an Schleßwig, Holſtein *, Stift Bra 
men, und Frießland her (wo deſſen nur wenig wegge⸗ 


N fangen, 


woßtgefhmackt befunden zu haben. Itziger Zeit aber, nach⸗ 

dem die Maͤuler zaͤrtlicher und luͤſterner geworden, darf man 
damit ſo wenig, als mit Raff und a mehr nad) 
Deutſchland kommen. 


Auf den gegenuͤberliegenden Kuͤſten der Oſtſee findet ber 


Zug fid) viel zahlreicher, wohin er denn auch ſeine Verfolger, 


abſonderlich die Doͤrſche, die ſich nicht alſo, wie die groͤßern 
Kablaue, vor der Enge des Sundes und der Belte ſcheuen 


und zurüͤcke bleiben, ſondern häufig mit folgen, und bey Luͤ⸗ 
beck zum fetteſten und niedlichſten werden, mit ſich fuͤhret. 
Solchergeſtalt werden auf den Schleßwig⸗ und Holſteiniſchen 
Ruͤſten circa Aequinoctium Vernum Heeringe genug gefan⸗ 
gen. Schoeneveld Ichthyol. p. 37. Allein ihre Güte verlieret 
ſich, und man weiß auch dieſer Orten mit dem Einſalzen und 


Zurichten ſich nicht recht zu behelfen, oder man kann auch 
gegen den Hollaͤndern nicht aufkommen, ſondern ſie werden 


entweder friſch weggeſpeiſet und hoͤch ſtens geraͤuchert. Wo⸗ 
durch ſie gleichwohl daſelbſt auch zu einer Kaufmannswaare 


werden. Unter den letzten ſind beſonders ſchmackhaft, und 
begehret die Kielerbuͤcking, oder Buͤcklinge und die Flickbee⸗ 
ringe. Nechſt dieſen kommen auf der Mecklenburgiſchen 


Fälle die daſelbſt auf die Art, wie in Annalibus Wratislav. 
d. 1720. Menf. April. Cl. IV. art. 4 umſtaͤndlich und leſens⸗ 


wuͤrdig erzehlet wird, zugerichtete Backling und Flickheering. 


Worauf die Pommeriſche folgen. Von dieſen letzten erthei⸗ 
let Neukranz in feinem dem Heering zu Ehren geſchriebenen 


Panegyrico p. 42 ſolchergeſtalt: Siefuicenfes ſaporis funt 
eximi, ui nihilo inferiores ſunt Stralaeſundenſes, ab 


his Roftochienfes, mox Wismarienfes ; vltimum locum 


Lubecenfes occupant ob fundi fte rilitatem. Weiter finden 


ſich auch auf der Preußiſchen Kuͤſte, und bey Danzig die 
Heeringe: fie find aber ganz mager, taugen und dauren ge⸗ 


ſalzen nicht, ſondern dienen nur zum raͤuchern. Gabr. Ra- 


czynsky Hiſt. Nat. Poloniae Tr. 6. Sec. I. F. 3. 2 
Db ſie gleich fo haufig ſich nicht einſtellen, daß fie ei⸗ 


ne Kaufmanns waare abgeben koͤnnten, ſo ſpeiſen ſie doch 
viele, und bringen wenigſtens eine uͤbergroße Menge von den 


* 


fejmadhaftigften Kablauen, SEN mee fm 


CA 


mit 


Nachrichten von Island. 69 


fangen, wenigſtens keine Handelung damit getrieben wird)) 
forteilet, bis er durch Texel und Vlie in die Suͤderſee “ 
dringet, und, nachdem er dieſelbe umzogen, wieder in die 
Nordſee zu Vollendung ſeiner großen Reiſe zuruͤckkehret. 


Dahingegen die zwepte große Weſtwerts ſich lenkende Des ifl 
Abjonderung, welche ietziger Zeit die allerſtaͤrkeſte ift, 9 LÅ 


in Begleitung der Meerſchweine, Hayen, Cablauen, um Ab⸗ 
ſon ez 


Lengen u. f. w. gar bald auf die Hittlandiſche und Gr⸗ Aung 
cadiſche Inſeln (woſelbſt ihm vorhin gedachtermaßen 
die Hollaͤndiſche Heeringbuͤſen hauptſächlich auf den Dienſt 
paſſen) und auf e er da fie von neuen 

= 3 eine 


mit fa: die ben ber Schleßwigiſchen Inſel Hilgeland auf 
den mancherley und beqvemen Gruͤnden, nebſt vielen andern 
eßbaren, ja niedlichen Fiſchgattungen, davon man leicht ein 
ganzes Buch ſchreiben könnte, ſich aufhalten und maͤſten, 
darauf zu ihrer Zeit von den Inwohnern haͤufig gefangen, 
und auf der Elbe und Weſer mit gutem Vortheil verkaufet 
werden. 
Wohinein er fø gar den Butzkopf, und das Meer⸗ 
mer im Nachſetzen mit ſich bis aufs Y' ziehet. Torgdr. 
p. 96. Es iſt aber der großen Heeringhandelung zum 
beſten, bey ſchwerer Strafe geordnet, daß die hieſigen Hee⸗ 
ringe nicht eingefalgen, ſondern nur zu Strohbuͤckling ges 
machet werden muͤſſen. Wie denn die Teybuckling oder 
Pöuͤckling, bekannt find, welche im Nov. und Dec. gema⸗ 
chet werden, und zwar ſehr fett und niedlich fallen, aber in 
Holland und den nechſtangelegenen Orten ſelbſt verzehre 
werden, weil ſie, eben wegen ſolcher Fettigkeit, nicht dauer⸗ 
haft, und deswegen zum Ausſenden untauglich ſind. Und 
im Febr. Mart. und April werden ſie, nachdem ſte vermuth⸗ 
lich die ganze Suͤderſee umzogen, und nunmehr auf ihre Ruͤck⸗ 
kehr nach der Nordſee begriffen ſind, wiederum unter Nord⸗ 
holland vor Enckhuyzen, Monckendam und Hoorn angetrof⸗ 
fen, gefangen, und zu Strohböͤckling (die bey den Hollaͤn⸗ 
dern Strantbucking und Enckhuyzerbucking heiſſen,) zuge⸗ 
richtet, auch, weil ſie nunmehro magerer und haltbarer in 
ziemlicher Menge nach Hamburg, Bremen u. ſ. w. um von 
u ins Reich vertrieben su N geſchicket oder ent⸗ 
oten. 


70 Nachrichten von Island. 1 


Deten eine 
Aſt. 


ben, den Schottlaͤndiſchen geſalzenen Heering im Handel 
auswaͤrtig in Aufnahm zu bringen. Des Endes vornehm⸗ 


eine Trennung erleidet, und mit einem Aſte an der Oſt⸗ 
kuͤſte von Schottland * ſich hernieder ſenket, und Enge⸗ 
land umziehet, unterweges gleichwohl auch anſehnliche 
Schwaͤrme von ſich aus und den Frießlaͤndern, Hollaͤn⸗ 
dern, Seelaͤndern, Brabandern, Flanderern ** und 


ae Ä 


ig Es haben eifrige Patrioten in Großbritannien zu als 


len Zeiten ihre Landesleute durch erweckliche ſchrift und 


mündliche Vorſtellungen dahin zu bewegen, ſich bemuͤhet, das 


fie den ihnen von Gott eigentlich und vor ihre Thuͤre suges 
' ſchickten reichen Segen nicht ſo unverantwortlich, als geſchieht, 


verabſaͤumen, und ſich durch die Hollaͤnder vor dem Maule 
wegſchnappen laſſen moͤchten. Man hat ſich auch in neuern 
Zeiten am Engelaͤndiſchen Hofe, um die Vereinigung des Koͤ⸗ 
nigreichs Schottland mit der Cron Engeland anfangs zu er⸗ 
reichen, nachher um fo feſter zu verknuͤpfen, alle Mühe gege⸗ 


lich mit der Stadt Hamburg, ſo wohl von der Koͤnigin Anna, 


als dem Koͤnige Georg. I. beyden glorw. Andenkens, beſondere, 
durch das vereinigte Parlament danknehmigſt beftätigte, Ders 
träge errichtet worden. Man hat ihnen aud) in Hamburg 


alle verlaͤngliche Beqvemlichkeiten, imgleichen eigene zubeei⸗ 


digende Packer und Wracker zugeſtanden. Allein, es will | 


damit doch noch zur Zeit nicht recht fort, theils, weil die 
Schotten denſelben zu fruͤh, ehe er noch recht zeitig fangen, 
theils und vornehmlich, weil ſie nur mit kleinen Bothen in 
See laufen, nahe unterm Lande fiſchen, und den Heering nicht 
vor dem Meſſer ſterben laſſen, vielweniger ſogleich, wie er 


nach und nach gefangen wird, im Schiffe einſalzen, fondern 


ihn nur ins Both werfen, und wenn daſſelbe voll, damit zu 
Lande fahren, und alsdann erſt den Fiſch auf dem Strande 


auskiefen und ſalzen. Da denn, weil gemeiniglich daruͤber 


mehr als einmal 24 Stunden verſtreichen, der abgeſtandene 


Fiſch immittelſt guten Theils fihon feiner Zärtlichkeit halber 


in die Faͤulniß getreten ift, folgbar am Geſchmack und Dauer⸗ 
haftigkeit ſchon etwas verlohren hat. Doch es ſcheinet, daß 
ſie von Jahr zu Jahr mehrern Fleiß anwenden wollen. 


Es haben die Flanderer vor vielen Jahren ſi fi ch nicht 5 
allein gar ſtark uf den Heeringsfang geleget, ſondern me 


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Nachrichten von Island. 71 


Frantzoſen vor die Thuͤre ſchicket: mit dem andern - Ziweyter 
Aſte aber den Schotten auf der Weſtſeiten und den Irr⸗ A. 
laͤndern (denen er ſich überall rings um ihrer Inſel mit⸗ 
theilet, ob ſie gleich beyderſeits keinen andern Gebrauch 
davon machen, als daß ſie ihn friſch verzehren, und ſich 

der andern Fiſche, die ihm nachjagen, beſtmoͤglichſt zu 
Nutze machen) zuſcheußet: und endlich nachdem alle itzt 
erzehlete Vertheilungen der zweyten großen Abſonderung 

im Canal wieder zuſammen geſtoßen, ihr uͤbriger von 

den Fiſchern nicht aufgefangene und von Strandvoͤgeln 

und Raubfiſchen nicht verſchlungene Reſt, der gewiß 

noch erſtaunens wuͤrdig groß iſt, in die Weſtſee ſich 
ſaͤmmtlich ſtürzet, und daſelbſt, der gemeinen Sage nach, 
verlieret, oder vielmehr und beſſer zu reden, auf den Kuͤ⸗ 

ſten nicht weiter, oder doch gar wenig *, verſpuͤret wird, 
ſondern allem Vermuthen nach vor den heißen Weltz 
gegenden ſcheuend, nach ſeinem beliebten Norden, und 
urſpruͤnglichen Heymath, wieder zuruͤck kehret. | 


O unausſprechlicher Reichthum goͤttlicher Milde | 
a Fr der hur in diefem einigen unanſehnlichen 
E 4 MÅ kleinen 


die ebeſte Art denselben zu handhaben und zu ſalzen ausgefun⸗ 
den. Weil ſie aber durch die Gott mißfaͤllige langwierige 
Religions kriege, und daruͤber ſelbſt veranlaſſete große Han⸗ 
delungsveraͤnderungen aus allen Kraͤften und faſt ganz aus 
der See gekommen; fo find die Holländer wie in mehr ans 
dern Stuͤcken, alſo auch in dieſer Fiſcherey und Handelung 
an ihre Stelle gekommen. Wiewohl doch der Hollaͤnder 
Heering unter den Kaufleuten in Niederſachſen bis auf dieſen 
Tag wegen der Zurichtungsart Vlamiſcher e oder 
Flaͤmiſcher Heering genennet wird. 


Maillet in feiner Defiriptian. de IEgypte Lettre IX. 
pag. 25 merket, als etwas ſonderbares, wie es auch ift, an, 
daß im Mon. Dec. Januar. und Febr. ſich in Egypten bey 
Großcairo Heeringe ſehen und fangen lieſſen, aber ſonſt nir⸗ 

É gends weder bey Roſette noch Damiate, 1 in der Mittel- 
laͤndiſchen See nicht. | 


72 Nachrichten von Jelund. 


kleinen Fiſche durch ſein Wort einen ſo herrlichen Segen f 


geleget, daß er nicht nur ſo viel Millionen ungeheurer, 


großer und kleiner Fiſche ſaͤttigen und naͤhren, ſondern 


CA 


uͤberdem auch noch viele hundert tauſend Menſchen theils 


mit ſeinem Fleiſche eine angenehme Koſt, theils durch ſei⸗ 
nen Fang, Zurichtung, Verkauf und Verſendung rei⸗ 


chen Unterhalt und Gewinſt en und doch nicht 
. maden kann * | 5 


8. Lv. Her 


8 Dieſe große unerkannte Wohlthat Gottes in ein noch 
hellers Licht zu ſtellen, will ich, was davon in dem neuen 
und koſtbaren zu London 1728 in Engliſcher Sprache gedruck⸗ 


ten Atlante maritimo et commerciali weitlaͤuftger vorgetra⸗ 


gen, in meiner Ueberſetzung hier beyfuͤgen: Ohngefaͤhr An⸗ 
fangs J Junii, heiſſet es, und zufolge verſchiedener Anzeigun⸗ 
gen ſowohl in der Luft, als im Waſſer, aus welchen die In⸗ 
wohner der Inſeln Schettland (oder Hittland) es abnehmen 
zu koͤnnen, vermeynen, koͤmmt aus Norden ein unausſprech⸗ 
lich und unglaublich großer Schwarm, oder Heer von Hee⸗ 
ringen daſelbſt angedrungen. Der Ort, von wannen ſie 
kommen, und wo ſie gleichſam hauſen, leichen, ſetzen und 
ſich vermehren, ift unbekannt. Daß aber ihre „Anzahl un⸗ 
endlich groß, wird aus bald folgenden zur Genuͤge erhellen: 
wiewohl es doch nur ein Schwarm aus dem Stock, und ein 
Ueberfluß iſt, der von einer noch weit groͤßern Menge, die 


zuruͤck bleibet, aus Mangel des Raumes gleichſam ausge⸗ 


ſtoßen, und feine Nahrung und Verbleib anderweitig zu ſu⸗ 


chen, alljåbrig ausgeſchicket wird. So ift auch nicht zu wiſ⸗ 


ſen, ob einige von ihnen, um neue Recruites fuͤrs kuͤnftige 
Jahr auszubruͤten, ins Vaterland wieder zuruͤck kehren. We⸗ 
nigſtens kommen dieſelbe aus der Heymath, wo ſolche auch 
ſeyn mag, traͤchtig und ſo voll fruchtbaren Roͤgens, daß 
man ſagen darf, ein Fiſch bringe zehen tauſend andere mit 
ſich. Ihren Roͤgen ſchießen ſie in der See bey Engeland, denn 
da ſie voll dahin kommen, ſind ſie lange vorher, ehe ſie wie⸗ 
der von dannen ſcheiden, ſchon leer. Ihre Zahl gehoͤret in 


Wahrheit unter die Infinita naturæ, d. i. ihre Zahl uͤberſteiget 


alle Zahlen, und wenn man ja, nach einiger Art zu rechnen, da⸗ 
von ſprechen will, kann man doch nichts anders ſagen, als 


etwa, daß ihre Zahl groͤßer, als der Sterne am Himmel ſey. 5 


Sie ER herfuͤr, wo die See gleichſam am teten 1 


Nachrichten von Island. 73 
§. LV. Nechſt nach dem Heering erwehne ich bil⸗ Kablau. 
1 e N 


und die Erſtreckung ihres Heers mag allem Anſehen nach ſo 
viel Raums uͤberhaupt beſchlagen, als ganz Großbritannien, 
Irrland mit eingeſchloſſen, einnehmen mag. Zweifels ohne 
muͤſſen fie ſich ſehr enge zuſammen drengen, wenn fie Suͤd⸗ 
waͤrts kommen, und zwiſchen den Kuͤſten von Groͤnland und 
der Nordcaap ſich durchzuzwingen genoͤthiget finden, als 
welcher Strich fuͤr ſie nur eine enge Straße iſt, ob er ſchon 
auf der Flaͤche der Erdkugel eine Weite von 200 Meilen 
(leagues) austraͤget. Wenn ſie ſich tiefer herunter geſenket, 
und ihr ungeheurer Haufe durch die im Wege liegende Groß⸗ 
britanniſche Inſeln (die ſte vermuthlich an den Gruͤnden und 
Untiefen der Nordſee, welche zweifelsfrey nicht wenig anders, 
als die Oberflaͤche beſchaffen, gewahr werden) eine Trennung 
erleidet, muͤſſen ſie ſich nothwendig in zweene gleiche oder un⸗ 
gleiche Theile zertheilen. Von denſelben lenket ſich der eine 
Weſt, oder Suͤdweſt, laͤſſet Schettland und die Orcadiſche 
Inſeln zur Linken, und ſtoͤßet auf Irrland, daran er ſich 
abermahls ſpaltet, alſo, daß ein Aſt an der Britanniſchen 
Kuͤſte ſich haltend, gegen Süden hinunter durch S. Georg, 
oder den Irriſchen Canal, ſtreichet, und zwar Engeland und 
Irrland hinab in die Savernſee faͤllt, wo er wieder zu ſeinen 
vorhin verlaſſenen Freunden koͤmmt: der zweyte Theil aber 
aus Mangel des Raums nach Weſt und Suͤdweſt ſich ſchwen⸗ 
ket, die Irriſche und Weſtſee hinabſchießet, und indem er 
beftändig an den Kuͤſten verbleibet, um den Suͤdſtrand von Es 
Irrland ſich herum ziehet, und vermittelſt einer kleinen Wen⸗ 
dung nach Suͤdoſt zu ſeiner durch den Irrlaͤndiſchen Canal 
ö unten herabſtuͤrzenden Geſellſchaft wiederum 
et. ; | : i 


Der zweyte Arm von jener erften großen in Norden vor 
gegangenen Theilung, welcher ſich ein wenig gegen Oſt und 
Suͤdoſt lenket, tritt herunter in die Deutſche oder Nordſee, 
und ſtreichet in ſteter Haltung an die Großbritanniſche Küfte, 
- Shettland und ferner die Cap von Bucaneß und die Kuͤſte 

von Aberdeen vorbey, fuͤllet unterweges mit ſeiner unzehligen 

Menge alle Meerbuſen, Furthen, Rivieren und ſo weiter, 

nicht anders, als wenn er von der Hand des Hoͤchſten gelei⸗ 

tet wird, daß er ſich der Armuth zur Speiſe, und dem Kaufe 

mann zum vortheilhaften Handel, darſtellen muß. Wendet 

darauf etwas ſuͤdlich, ſtreichet Dumbar vorbey, und wird, 
e nach⸗ 


e Nachrichten von getan 
ligſt des 5 Rablaues, als desjenigen ches der tee 
farlig 


nachdem er einen Umſchweif um bie me ufer von S. 
Tabbs und Berwick genommen, und in die Tiefe gegangen, 
erſt wieder bey Scarborough geſehen, und in einigen dicken 
Haufen nicht eher wieder wahrgenommen, als auf den Dare 
mvuthifden Baͤnken bey Engelland; von dannen er nach 
dem Munde der Thames und von da ferner durch den Bri⸗ 
kanniſchen Canal feinen Weg mme an aber weiter 
nicht mehr geſehen wird. | 


Dieſem nechft nunmehr auf die Heeringfifiheren zu kom⸗ 
men, fo heißen die Holländer denſelben zuerſt bey Shettland 
(d. i. Hittland) mit ohngefehr 1000 oder 1500 Buͤſen will⸗ 
kommen, (wovon die beſondere Umſtaͤnde naͤher, und ſo viel 
ich aus fleißiger Nachfrage erkundiget, oben p. 54 199. bereits 
beygebracht). 
Sobald der Heering bey Schottland „angelanget, und durch 
ſeine Ausbreitung uͤber alle Saͤnde u. Baͤnke, allen Haͤfen, Bay⸗ 
en oder Buſen ſich darbietet, verſaͤumen die Schotten nicht, den 
ſelben in großer Menge zu fangen, zurecht zu machen, einzu⸗ 
peckeln, und auf einerley Marktplaͤtze mit den Hollaͤndern zu 
verſenden; dahin ſie, weil die Hollander erſt zu Hauſe und 
umpacken muͤſſen, denſelben oͤfters zu vorkommen, auch mit 
ihnen zu gleichem Preiſe verkauffen. Nachdem die Schotten 
an der Nordſeiten der Lay mit dem Heering ſolchergeſtalt fer⸗ 
tig, fallen die Fiſcherboͤthe aus Dumbar u. f w. in denſelben 
ein, und thun eben auch daraus manchen reichen Zug, den 
fie in Edenburg und andern großen Städten zu Lande brin — 
gen, um das Königreich damit zum Theil friſch zu bedienen, 
zum Theil aber Red-Herring, d. i. geraͤucherten Heering auf 
Parmouthiſche Art, daraus zu machen. Wann dann end⸗ 
lich der Heering oberwehnter maßen bey Parmouth wieder 
zum Vorſchein kömmt, und ſich, ſeine Nahrung zu ſuchen, 
über die Sandbaͤnke verfpreiter, wird er in bewunderungswuͤr⸗ 5 
diger Menge, ſowohl von Engellaͤndern als Hollaͤndern und 
Franzoſen gefiſchet. Unter denen die Parmouther allein jaͤhr⸗ 
lich in bie 50.00 Sonnen fangen, und zu Red-Herring zurich⸗ 
ten, der in ihrer Stadt, und den nechſt anliegenden Graf 
ſchaften verbrauchet wird. Von hier entweichen waͤhrender 
Fiſcherey große Schwaͤrme, die ſich nach dem Munde der 
Thames ziehen, und daſelbſt von den Fiſcherſchmacken aus 2 
London, Foulkſtone, Dover Sandwich u. lg m. ſowohl 1250 Å 


1 


Naghrichten von Island. 75 
ſaͤchlich und faſt allein die Einwohner der Inſel er 
naͤh⸗ 


die Stadt London, und andere an demſelben Fluſſe belegene 
Staͤdte, als fuͤr die Kuͤſten von Kent und Suſſeck gefangen 
werden. Indeß die Holländer zum zweytenmal ihre Buißen 
ausrehden, und nebſt den Franzoſen, Brabaͤndern, Flißin⸗ 
gern und andern die aͤußerſten Narmouthiſchen Baͤnke befi⸗ 
ſchen. Endlich verfaͤllt der Heering in die enge See, allwo 
die Franzoſen von einer und die Weſtenglaͤnder auf der an⸗ 
dern Seiten ihm wieder entgegen kommen. Demnechſt er 
ſchießet, und nicht weiter weder geſehen, noch geachtet wird. 


Auf der andern Seite von Großbritannien gehet es die⸗ 
fem armen Fiſche kein Haar beſſer. Die Kaufleute von Glas⸗ 
gow, Aire, Galloway u. ſ. w. wie auch die von London⸗ 
derry, Belfaſt, Carrickfergus, Dublin u. ſ. f. gehen daſelbſt 
auf ihn los, und die von Lewes und den weſtlichen Inſeln 
laſſen ihm keine Ruhe, bis er den dortigen ganzen Canal, als 
gleichſam durch die Spißruthen laufend, hinunter geflohen, 
und die Savernſee erreichet. Woſelbſt er iedoch von neuen 
von dem Engliſchen Kaufmann in Devonshire angegriffen, 
und von Minhead bis Barnſtapel, Beddiford u. f. w. weſt⸗ 
waͤrts bis an die Staͤdte der Nordkuͤſte von Cornwal verfol⸗ 

get wird, die von ihm, ungerechnet, was im Lande verzehret 
wird, viele 1000 Tonnen voll einſalzen, und nach Spanien 
und der mitteländifchen See ausſchicken. Dergleichen ihm 
auch von dem Kaufmann in Pembrock u. ſ. w. und auf der 
ganzen Kuͤſte von South⸗ Wales wiederfaͤhret. Worauf, 
weil er alsdann ſetzet, ihm weiter nicht nachgeſtellet wird, 
ſondern er ſich nunmehr in die Tiefe zu ſeiner Geſellſchaft be⸗ 
giebet, auch nicht wieder zum Geſichte koͤmmt. Wo er wei⸗ 
ter bleibet, ob er wieder nach Norden kehre, oder in den uner⸗ 
gründlichen Tiefen der Weſtſee den großen Meerfiſchen zu 
Theil wird, oder wie es ihm ſonſt ergehen mag, ift gaͤnzlich unbe⸗ 
kannt. Moͤchte aber hierbey iemand etwan auf die Gedanken 
gerathen, daß um dieſe Zeit der Heering wohl ſo gut, als weg⸗ 
gefangen und ausgetilget ſeyn koͤnnte: ſo iſt das gerade Ge⸗ 
gentheil aus den uͤbergroßen Schwaͤrmen, welche in der Sa⸗ 
vernſee an der Weſt⸗ und Suͤdkuͤſte von Engeland und Irr⸗ 
land bey ihrem Abzuge noch geſehen werden, ſo offenkuͤndig, 
daß man viel eher vermeynen ſollte, der erlittene vielfaͤltige 
Verluſt ſey nicht einmal zu verſpuͤren. Inzwiſchen ſind eini⸗ 
ge der Meynung, daß die ganze Anzahl, ſo alle Fiſcher a 
92 | | | 5 


1 * * 
* - 


76 Niaghrichten von Island. 


naͤhret. ; Es ift derſelbe fo bekannt, i daß ich ihn 


nicht 


Europa von ihnen unterweges moͤgen weggefangen haben, 
gegen ihrem erſten aus Norden herauskommenden Heere, als 
1 gegen eine Million zu rechnen. Wobey gleichwohl noch 
uͤberdem ganz glaublich ift, daß die erſchrecklich vielen und 
großen Raubfiſche, als Finnfiſche, Meerſchweine, Meerhun⸗ 
de u. d. g. noch eine weit größere Menge, als alle oberwehnte 
Fiſcher, von ihnen werden aufgerieben haben. b , 


Auf den Kuͤſten von Nordamerica findet fich der Hee⸗ 


ring auch, aber bey weiten nicht ſo haͤufig, als in Eu⸗ 
ropa: er wird auch weiter gegen Suͤden nicht als bis 
an die Fluͤſſe von Carolina geſehen: Ob dieſer etwa ein 
Theil von dem anfänglichen gar großen Schwarm ſey, der bey 
der erſten Ankunft auf die Groͤnlaͤndiſche Kuͤſten, an Stelle 


Suͤdoſtwerts mit der übrigen Geſellſchaft zu gehen, vielleicht 


nach den Nordweſtkuͤſten von America ausgewichen, oder 
ob es der Ueberreſt von denen ſey, die vorgedachter maßen 
den Canal von Engeland durchgewandert, ſtehet nicht zu ſa⸗ 
gen. So viel aber iſt bekannt, daß der Heering, wenigſtens 
in einer merklichen Anzahl in keinem ſuͤdlichen Reiche, als 


Spanien, Portugall oder dem ſüdlichen Theile von Frank⸗ 
reich, ſo wenig auf den Kuͤſten am Ocean, als im Mittel⸗ 


Meer, noch auch auf der Africaniſchen Kuͤſte geſehen werde: 


gerade als ob dieſem Fiſche dahin ſich zu begeben unterſaget 


waͤre, auf daß dieſelbe Laͤnder von Engeland aus damit fol 
len verſehen werden Allermaßen denn auch der Kaufmann 


von Devonshire und Cornwal denſelben auf beſondere Art 


durch Packen und Preſſen zubereitet und nach Spanien, Ve⸗ 


nedig, Livorno und andere Oerter Italiens in großer Menge 


(als im angezogenen Atlant. Marit. p. 104 zu leſen) verſendet. 
Ich kann hiebey zu mehrerem Verſtaͤndniß des ietztange⸗ 


fuͤhrten unangefuͤget nicht laſſen, welchergeſtalt die Engelaͤn⸗ 


der den fo genannten Redherring d. i. rothen Heering von 
der braunen Farbe, die er durch den Rauch bekoͤmmt: als 
den eingeſalzenen weißen Heering von feiner natürlichen 
Silberfarbe, die er behaͤlt, nennen, und denſelben auf fol⸗ 
gende Weiſe bey Parmouth verfertigen. Daß man ihn naͤm⸗ 
lich (ſobald man ein Voth voll gefangen) zu Lande bringe, 


und, nachdem die Kiefen und Eingeweide heraus genommen, A 


denfelben mit Spamſchem Salze wohlgeſalzen in Tonnen 


thue und einige mahl durchruͤhre; daß man, nachdem ſie 1 
; oe „ 


— 


U 


Nachrichten von Island. 77 


nicht beſchreiben darf, und ſein Fleiſch ſo Bee | 
Ye | end, 


oder hoͤchſtens 24 Stunden darin geſtanden, fie wieber her⸗ 
ausnehme, mit Waſſer wohl abſpuͤhle, und in eigenen dazu 
aufgerichteten großen Huͤtten auf Stoͤcken uͤber Ricken, oder 
lange Stangen haͤnge; daß man darunter ein Feuer von 
ganz klein geſpaltenem Holze mache, und alle vier Stunden 
von neuen anzuͤnde, damit ſie ſolchergeſtalt, weil alles dichte 
und der Eingang vermachet iſt, wohl durchraͤuchern; daß 
man endlich diejenige, ſo verſandt werden ſollen, 6 Wochen 


darinn haͤngen laſſe, und fie alsdenn in Tonnen feſt packe. 


(vid. latius Willughby Hiſt. Piſc. p. 220.) 

Da ſich auch im angezogenen Atlante Maritimo alleg. 
loc. eine umſtaͤndliche mir zu meinem Zwecke nicht undienli⸗ 
che Nachricht von der vortheilhaften Großbritanniſchen Fiſche⸗ 
rey der Sardinen, oder wie ſie ſelbe nennen, Pilchards, be⸗ 
findet, will ich mich die Muͤhe nicht verdrießen laſſen, das 
merckwuͤrdigſte daraus zu ziehen und verdolmetſchet anhero 
zu ſetzen. Dieſe Fiſche zeigen ſich vornehmlich auf den Kuͤ⸗ 


ſten der beyden Weſtlichen Grafſchaften Devon und Corn⸗ 


wal, und bringen denſelben mehr Vortheil, als einiger an⸗ 


drer Seefiſch. Ihre eigentlichſte Zeit waͤhret vom Anfang 


des Auguſti bis an Allerheiligen, oder den 1 Nov. Man 


giebt vor, daß ſie ein kleines Fiſchlein, Britt genannt, verfol⸗ 
gen, und dadurch in die Muͤndungen der Fluͤſſe und in die 


Haͤfen gerathen. Sie kommen mit der Fluth an, und ſchwim⸗ 


men der Oberflaͤche des Waſſers ſo nahe, daß man ihre An⸗ 


kunft ſchon von ferne an dem Kraͤuſeln des Waſſers gewahr 


werden kann. Man faͤnget ſie auf zweyerley Weiſe, daher 


ihre Fiſcher theils Drovers, theils Sayners heißen. Jene, 
die Drovers, paſſen auf den großen Schwarm, wenn er in die 


Muͤndungen der Fluͤſſe und in die Haͤfen tritt, und empfangen 


ihn mit weiten viereckigten qver über den Strom, der Fluth 


entgegen, geſetzten Netzen, wodurch zwar von dem dicken 


Haufen vieles neben und uͤberher weggehet, jedoch alles, 
was aufs Netz zuſtoͤßet, verſtricket und gefangen wird. Die⸗ 
ſe, die Sayners, fiſchen in offener See und klagen ſtets uͤber 


die andern, daß fie die Fiſcherey verderben, in Betracht ihre trei⸗ 


bende Netze nur wenig fangen, und gleichwohl den Schwarm 
trennen, zerſtreuen und vom Strande wegſcheuchen. Wozu 
noch kommen ſoll, daß ihr Gefangenes kein tuͤchtiges Kaufe 
mannsgut gebe, weil der Fiſch durch das geſchwinde Zerren 


und Reißen aus den engen Maſchen der Netze geqbetſchet wird. 


Sayn 


76 Nachrichten von Island. 
dend, daß er überall * für ein niedliches Eſſen geſchaͤ s 
Bet wird, | Å 8 6 e u 
| | Seine 


Sayn heißet ein großes Netze, fo nicht anders, als die, 
ſo auf den Fluͤſſen gebraucht werden, gemacht, aber viel laͤn⸗ 
ger iſt: indem, da dieſe nur 30 bis 40 Faden halten, ein ſol⸗ 
ches Seenetz ſich manchmal zu 5 bis 600 Faden erſtrecket. 
Daſſelbe wird von 3 oder vier weiten Boͤthen, davon iedes 
wenigſtens mit ſechs Mann beſetzt ift, regieret. Die Boͤthe 
begeben ſich mit den Netzen in See, und ziehen dieſelbe ge 
gen der Gegend, woher ſte den Strich des Fiſches erwarten. 
Sie richten ſich aber hierunter nach dem Zeichen, das ihnen 
von den auf erhabene Huͤgel geſtelleten Leuten, die ſie Bal⸗ 
kers oder Zuers (d. i. Marqvirer und Rufer) nennen, gege⸗ 
ben wird. Denn dieſe koͤnnen von den Klippen den Lauf oder 
Strich, den der Fiſch hält, an dem Gekraͤuſel des Waſſers gare 
wohl bemerken, und geben davon durch ein Geruf, oder Gr 
pfeife, durch Schwenken einer Flagge, oder was fie ſonſt ver 
abgeredet, das Zeichen, wornach die in den Boͤthen mit ihrem 
Week ſich alsdann richten, und die Netze ſolchergeſtalt auslaſ⸗ 
ſen, daß ſie dieſelbe dem ankommenden Fiſche recht qver vor⸗ 
ziehen. So bald die Netze vollig ausgeſpannet, rudern einige 
durch einen genommenen Umſchweif um den Fiſchſchwarm 
hinum, und wenn ſie hinter denſelben gekommen, platzen 110 
mit ihren Riemen ins Waſſer und ſcheuchen damit den Fiſch 
ins Netz hinein. Zuletzt bringen ſie die Enden des Netzes ganz 
zuſammen, und ziehen daſſelbe entweder in die See, da ſie ih⸗ 
ren Fang in die Boͤthe werfen, oder erſt am Strande auf. 
Welche letztere Art, wo der Strand von Klippen frey und 
nicht zu ſtickel iſt, als die vortheilhafteſte, der andern vorgezo⸗ 
gen wird. Maßen fie auf dieſe letzte Weiſe gar oͤfters 3 bis 
400 Tonnen voll Fiſche auf einmal, (ich meyne aber nicht in 
einem Zuge, ſondern aus einem Schwarm) bekommen koͤnnen. 


Dieſe Pilchards werden als Heeringe gepacket und einge⸗ 
preſſet, und nach der Straße in Spanien, Italien und der Le⸗ 
vant mit gutem Vortheil vertrieben. eee 
Auf was Weiſe aber das Einſalzen, Raͤuchern und Packen 
dieſer Fiſche geſchieht, foldes kann man abermal leſen beym 
Willugb. c. I. p. 223 ſeq. | 9 8. 

* (Ex heißet bey uns Kabbelan, bey den Hochdeutſchen 
Bold», bey den Hollaͤndern Cabliau, bey den Dänen, e 4 


74 
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Nachrichten von Jeland. 79 


Seine Speiſe, wie wir an denen, die vor unſerer Seine 
Elbe bey Hilgeland gefangen werden, wahrnehmen, find Nahrung. 
allerley Fiſche, abſonderlich Heeringe, auch große und 
kleine Taſchenkrebſe. 


Man kann ſich nicht gnugſam verwundern über die Hat eine 
unbegreifliche Daͤuungskraft, die in den Mågen dieſes iteflihe, 
und anderer ſeines gleichen Meerfiſche ſich findet. Die kraft. if 
eingeſchluckten Fiſche werden in ſechs Stunden verzehret. 

Ich habe dieſes aus folgenden bemerket. Die Fiſcher 
itzt genannter Inſel Hilgeland ſetzen die Angelſeilen fuͤr 
die Schellſiſche auf ſechs Stunden in die See aus. 
Weil man ſich damit nach der Tide, d. i. Ebbe und Fluth 
richtet, mit welchen bekanntlich von ſechs Stunden zu 
ſechs Stunden eine Aenderung vorgehet. Wenn nun 
bald nach der Einſenkung ein Kablau einen Schellfiſch, 
der ſich vorhero daran gefangen, einſchlinget, fo befinder 
man beym nachherigen Aufziehen, daß der Schellfisch 
ſchon verdaͤuet, und der Angel, der vorher in jenen ſteck⸗ 
te, nunmehro im Kablau feſte geworden, alſo daß man 
ihn daran herausziehen kann. Wofern aber der Kab⸗ 
lau erſt kurz vor Auszug des Angelſtrickes einen daran 
hängenden Schellfiſch verſchlucket, fo laͤſſet er ſich zwar, 
weil er ſeinen Raub ungerne miſſet, anfangs daran mit 
heraufziehen, allein, ſobald er vermerket, daß er aus dem 
Waſſer heraus gezogen werden will, den verſchlungenen 
Fiſch willig ſchlupffen, faͤllt zuruck und entkommt. Ye 
doch iſt ihre ſtarke Daͤuung alsdenn, wenn er große Ta⸗ 
ſchenkrebſe verſchlucket hat, noch deutlicher zu ſpuͤren. 
Zwar kann man ſo eigentlich nicht wiſſen, ob er nicht zu 
deren Verdaͤuung, wegen ihrer harten Haut, etwas laͤn⸗ 
gere Zeit, als zu der Set Verdaͤuung, nöthig has 
be. 


ſich uns verſtändlich machen 1 Kablag, fonft gehet er bey 
ihnen unter dem gemeinen Geſchlechtsnamen Torsk mit durch, 
bey den Engelaͤndern Cod, Codfiſch an einigen Orten Keeling. | 
Aſellus maior vulgaris Schoeneveldio. 


BB Nachrichten von Island. 


be. Indeſſen zeiget ſich, wie mich die alteſte und ver⸗ 
nuͤnftigſte Fiſcher auf Hilgeland berichtet, ſo viel, daß 


die Schalen im Magen erſtlich angegriffen, und eben fo 


roth, als wenn der Krebs im Waſſer abgeſotten wäre, 


gefaͤrbet, nachhero aber zu einer dicken Pappe kale 


und endlich ganz und gar verdauet werden . LAY 


111 ge⸗ Die Isländer fangen dieſen Fiſch mit Ag wor⸗ 


wird. an ſie ein Stud einer allsge ech Muſchel, oder die 


friſch ausgeriſſene rothe Kiefen der vorher gefangenen 
Kabbelauen ſtecken. Noch beſſer aber beißet er auf ein 


Stuͤck warmen rohen Fleiſches, oder auch auf das Herz 


eines friſch geſchoſſenen Vogels, als einer Meve u. d. g. 
Womit einer eher 20 Fiſche, als ein anderer neben ihm, 


mit dem gewoͤhnlichen Aaſe einen einzigen derſelben 


faͤnget. Weshalben auch dergleichen Kunſtgriff, des 
großen Vorſprungs wegen, zu der rechten Fiſchzeit, durch 


eine Koͤnigliche Verordnung verbothen iſt. Wenn der 
oberwehnte Fiſchzug erſt ankommt, ift ihre Menge ſo 


groß, daß ſie mit dem Ruͤckenfloßfedern oben uͤberm Waſ⸗ 


ſer herausgucken, und alsdenn beißen ſie wohl auf einen 


bloßen eiſernen Angel, woran gar kein Aas ſitzet. 


nn Die rechte Fiſchzeit faͤnget an von Lichtmeſſe, od 
FT den 2 Febr. und dauret bis Philippi Jacobi, oder 5 


1 May. Da es beginnet waͤrmer zu werden, daß der 


Jiſch nicht mehr auf die Dauer kann zubereitet werden. ) 


Bon der Man bemerket, daß der Fiſch allemahl feinen Strich 
gegen den Strom nimmt. Das Fiſchen geſchiehet auf 


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der Ser, und in tiefen Fioͤrden, ben Tage; in den Un⸗ 
tiefen aber, die nicht uͤber zehn Faden Waſſer haben, 
oder, wo die ſtarke Brandung der See zwiſchen den 


Schaͤren 
* Eben als wie die Meerſchildkroͤten in und mit der 


Schaale von den Crocodillen verdaͤuet werden, nach des 
P. Feuillet Anmerkung in feiner enen du een der 
TERN cee p.375. 8 Me 


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Nachrichten von Island. 81 


Schaͤren das Auslaufen verhindert, bey Nachtzeit. Der 
beſte und niedlichſte Fiſch wird in der offenbaren See 
auf 40 und 50 Faden, wo er vollen Fraß hat, gefan⸗ 
gen; der unter Land und in den Fiſchfioͤrden gefangen 
wird, iſt dagegen ſo feiſt, gut und zart lange nicht. 


Aus dem gefangenen Fiſche wiſſen die Islaͤnder Aus dem⸗ 


zweyerley Art Stockfiſches zu verfertigen, der fo gut, bee OR 


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wohlgeſchmackt und zart faͤllt, | als nirgends ſonſt E 
Die gemacht. 


* Ich brauche hier das Wort Stockfiſch in ſenſu gene- 
rico: weil man in Oberdeutſchland alle getrocknete Fiſche mit 
dieſem von der aͤlteſten Treugungsart hergeholten Namen zu 
nennen gewohnet iſt. Es iſt nemlich bey den Nordiſchen Voͤl⸗ 
kern ein ſehr alter Gebrauch, daß ſie ihre Fiſche, welche ihre 
vornehmſte und meiſte Koſt find, zu beſſerer Bewahrung, auf 
die Zeit, wenn ſie nicht fiſchen koͤnnen, hart zu doͤrren pflegen. 
Da denn, weil der Fiſch entweder ſo hart, als ein Stock ge⸗ 
trocknet, oder uͤber dem ſtarken Zuſammenlaufen, indem man 
ihn rund doͤrret, die Aehnlichkeit eines Stocks bekoͤmmt 
die Deutſchen Gelegenheit genommen, ihn in ihrer Sprache 
insgemein Stockfiſch zu heißen. Den erſten und mehreſten 
Stockfiſch hat man ohne Zweifel aus Norwegen uͤberkommen; 
von wannen auch noch heutiges Tages der meiſte gebracht 
wird. Daſelbſt machen ihn die Normaͤnner vornehmlich aus 
Kabbelau und aus Dorſch. Wie ſie mit deſſen Fang, 
Zubereit- und Doͤrrung verfahren, kann man aus der citirten 
Topograph. Norweg. p. 113 fegq. in mehren erſehen. Den 
fertigen Fiſch bringen dieſelbe in großen Schiffsgefaͤſſen nach 
Drontheim und Bergen zu Markte. Von dannen er hernach⸗ 
mahls weit und breit verfahren wird. Die Sorten, welche 
ietziger Zeit allda gemacht werden, find 1) der Rothſchaͤr, 
Daͤniſch Rotſkaͤring, der von rot, radix und ſkaͤra findo, 
weil er gänzlich bis zum Schwanz geſpalten wird, den Nahe 
men traͤgt. Immaßen der Fiſch, nach weggeſchnittenem 
Kopfe, und ausgeriſſenem Eingeweide, im Nuͤcken aufgeſchnit⸗ 
ten, und, nach ausgenommenem Ruͤckgrad, dergeſtalt auch im 
Bauche bis zum Schwanz geſpalten wird, daß er zwo Saͤn⸗ 
gen giebet (Olaus M. c. I. Lib. XXI. cap.» faget: ventres 
in bicubitales ligulas inſtar funium abſciſſas). Von dieſer Gat⸗ 
tung heißer die befie Sorte . weil er viel zaͤrter > 
| ek 


Nachrichten von Island. 
Die erſte Sorte, fo von Flacken d. i. ritzen ; 


1) Flack⸗ 
u, oder aufflitzen, Flackfiſch geheiſſen wird, iſt die dar 
teſte, niedlichſte, ſchmackhaftigſte und theuerſte. 


Wie er zu- Sie wird auf folgende Weiſe zubereitet: fo bald die 
bereitet Fiſcher mit einem guten Fange zu Lande kommen, werfen 


d ſie den Sif aus 9 0 den Strand. Alsdenn ihre Wei⸗ 
' | ber 5 


der uͤbrige, und wird ins bende 100 dem unterm ade 
gefangenen Dorſch verfertiget. Doch laufen auch zuweilen 
auf dieſe Art gedoͤrrete Lengen mit unter, welche noch am 
allerzarteſten fi ſind: dieſer Zartfiſch wird meiſtens in die Catho⸗ 
liſche Laͤnder verſandt, und in den reichen Kloͤſtern verſpeiſet. 
2) Der Rundfifeh, diefer wird nicht gefpalten, ſondern nur 
im Bauche aufgefchnitten und das Eingeweide herausgenom⸗ 
men, hernach vermittelſt eines Fadens am Schwanze aufge⸗ 
hangen; da derſelbe ſich denn zuſammen rollet, und rundlich 
doͤrret, auch deswegen im Handel Rundfiſch heiße. Von 
. Sorte gehen die beſten nach Holland, die ſchlechteſten 
nach Bremen. 

Der Rundfiſch kann nur im Frühjahr gemachet werden, ; 
da die Luft ſo ſtark durchdringet, daß ſie den ganzen Fiſch zu 
doͤrren vermoͤgend iſt: in der waͤrmern Zeit aber iſt man ge⸗ 
noͤthiget den Fiſch, damit der Wind ihn beſſer durchdringen 
und dörren möge, zu ſpalten, d. i. Rotfcheer zu machen. 
Conf. Topograph. Norweg. cit. loc. Ions Laurizen Wolff 
Norrig. illuſtrat. p. 62. ſchreibet: om waaren Lader de toͤr⸗ 
res rund, men Sommerfisken flecke de, oc ſaa Kalles den 
Rotſkaͤring, das heißet: im Frühling laſſen ſie ihn rund 
trocknen, aber den , . ſie, und ſo 15 er 
Rotſchaͤr genennet. 


Flaka eft difcindo, Flak, 1 diſſectum, 1 u 
cum pifcis in tomos oblongos fecatus eft. Gudm. Andr. 
in Lexic. Island. Arent Berg Danm. oc Norg. Herligh. p. 273 
ſchreibet: De lefve af intet andes, end deris Fiskery, 
ſom neſten gandske beſtar udi Torså, S.enger och Sell⸗ 
flynder, aff builke de faſt ingen ſalte, men flicke och torre. 
d. i. Sie (die Nordlaͤnder) leben von nichts anders, als von 
ihrer Fiſcherey, welche faſt ganz aus Doͤrſchen, Lengen und Hill« 
buͤtten beſtehet, von chelchen ſie faſt keine ee euern i 
fpalten und doͤrren. 


Nachrichten von Island. 83 
ber fich fo fort daran machen, und demſelben nicht nur 
den Kopf abſchneiden, den Bauch oͤffnen, und das Ein⸗ 
geweide herausnehmen, ſondern ihn auch zugleich fla⸗ 
den, d. i. im Bauche von oben an bis unten hinaus 

aufritzen, oder ſpalten, und den Ruͤckgrad, weil der Fiſch 
ſich ſonſt unter demſelben zuerſt anſtecket, vom Nacken 
an, bis auf drey Glieder (vertebras) unter dem Nabel, 
herausreißen muͤſſen. Wann die Weiber mit dieſer Ars 
beit fertig, ſchleppen fie ſowohl die heruntergeſchnittene 
Koͤpffe, um ſie zur Mahlzeit zu kochen, und hernach⸗ 
mals die abgegeſſene Graͤthen zur Feuerung zu gebrau⸗ 
chen; als beſonders die Leber, um ſelbige zum Thran⸗ 
machen an die Seite zu legen, auf ihren Ruͤcken zu Hauſe. 
Die Maͤnner aber, die immittelſt ausgeruhet, und mit 
Brantewein nach der Maße ihres Vermoͤgens ſich ge⸗ 
labet, legen hierauf den geflackten Fiſch in niedrige oder 
duͤnne Haufen neben und uͤber einander, doch ohne alles 

Salz, und laſſen ihn ſolchergeſtalt drey bis vier Wochen, 
nach dem ihnen der Wind guͤnſtig iſt, oder, welches ei⸗ 
nerley, fein trocken, durchdringend und beſtaͤndig wehet, 805 
liegen und ein wenig gaͤhren. Ferner machen fie vier⸗ 
eckigte Bänke von Strandſteinen, worauf ſie den Fiſch 
zum Trocknen Stuͤck bey Stuͤck wechſelsweiſe neben ein⸗ 
ander ausſpreiten, und zwar die Hautſeite, damit der 
etwa fallende Regen nicht aufs Fleiſch treffe, und es fle⸗ 
ckicht mache, von allen obengekehret. Wofern das Wet⸗ 
ter trocken, und der Nordwind ſtrenge wehet, kann der 
Fiſch in dreyen Tagen trucken genug werden. Wann 
er nunmehro trucken, ſtapeln fie ihn in haushohen Haus 
fen über einander, und laſſen ihn alſo unbedecket vor Re⸗ i 
gen und Wetter ſtehen, bis fie ihn zu feiner Zeit an den 
Daͤniſchen Kaufmann verhandeln. Welcher denſel⸗ 
ben bey der Lieferung auf gleiche Weiſe aufſtapeln und 
liegen laͤſſet, bis nach St. bam, da er eingeſchif⸗ 
fet wird. | 


3 2 Die 


(2) eng⸗ 


Wie dieſer 


verfertiget 
wird. 


AUnterſchied 


im trock⸗ 
nen. 


Wo 10 15 


der Stock⸗ 
fiſch ohne 


| Bat eon⸗ tern Climatis kennet, er DRUM, werde gu begreifen, 


84 Rachen von n Bela, i: 1 


Die zweyte Sorte, welche die Isländer aus dem 


Kabbelau machen, wird Sengfiſch von er oder 


auf hengen genannt, 


Diefer wird zu Anfang auf glich Art gehandhabet, | 


als der Flackfiſch; ohne daß man ihn nicht im Bauche, 
ſondern im Ruͤcken aufſpaltet, und nachdem der Ruͤck⸗ 
grad eben fo weit, wie am Flackfiſche herausgethan, ein 
Loch einer viertel Ellen lang zu oͤberſt an der Bruſt zum 
Aufhaͤngen hineinſchneidet; er wird auch eben alfo wie 
jener zum ausgaͤhren an die Erde geleget. Mittlerweile, 


daß dieſes geſchieht, ſetzen fie von kleinen Felstruͤmmern 


\ 


vier Wände auf, iedoch ohne alle Verbindung, und ganz 


lucker, damit der Wind überall deſto beſſer durchſtreichen 
koͤnne. Dieſe bedecken ſie von oben, wider den Regen, 


allein mit ſchlechten duͤnnen Bretern und Soden, oder 
gruͤnen Raſen. Und wenn der Fiſch ausgegohren, neh⸗ 
men ſie ſelben von der Erde auf, ziehen ihn durch das 


eingeſchnittene Loch uͤber hoͤlzerne Ricken oder Stangen, 
und haͤngen ihn alſo, eine Stange neben die andre, in 
den Steinhuͤtten zum trocknen auf. Den Windtrocknen 


Fiſch nehmen ſie folgends wieder heraus, ziehen ihn von 


den Stangen und legen ihn endlich auch, als verge bade, a 


in große Haufen oder Stapel. 
Unterdeſſen ift ein merklicher Unterſcheib zwichen 


dem Fiſche, der auf einem Strande, wo man Steine ge⸗ 
nug hat, und einem andern, der, wo man nur allein 


Sand hat, auf dem bloßen Sande getrucknet wird. 


Denn jener wird feſter, weißer und dauerhafter: dieſer 
aber, weil er nur über die ausgeſchnittene Ruͤckgraͤthen, 
ſtatt der Steine, geſpreitet wird, laͤufet an, und iſt das 
her bey weiten fo dauerhaft nicht als jener. ER WOR 


Es ift wohl gewiß, daß ein ieder, der nur allein die 
Umſtaͤnde und Wirkung eines lindern, lauern und feuch⸗ 


| wie 


Nachrichten von Island. 85 
wie es möglich ſey, daß ein fo großer, fetter, ohne alles 
Salz ſo ſchlecht gehandelter, und unter freyem Himmel 
aufgeſtapelter Fiſch nicht verfaule, ſondern ſo dauerhaft 
werde, daß er auch nachher in andern Weltgegenden 
Jahre lang aufbehalten werden kann. Allein, wenn 
man in reifere Erwegung ziehet: wie durchdringend all⸗ 
hier die Kaͤlte, beſonders zu der Zeit, wann der Fiſch zu⸗ 
gerichtet wird; wie rein die duft *; wie ausdorrend die 
trucknen ſcharfen Nordwinde (wodurch die Feuchtigkei⸗ 
ten, als die innerliche Urſache der Gaͤhrung und Faͤul⸗ 
niß, voͤllig ausgetrieben werden) wie dahier, wenigſtens 
zur Zeit der Fiſchfertigung, keine Schmeißfliegen vorhan⸗ 
den ſind, nachher auch die wenige, ſo etwa kommen moͤg⸗ 
ten, von der Strenge des Fiſchgeruchs abgehalten wer⸗ 
den, (folglich auch die Eylein und Maden, als die 
aͤußerliche Urſache der Vermoderung ermangeln); ſo 
iſt die Moͤglichkeit der Waͤhrung dieſer alſo gedorreten 
Fiſche gar wohl zu begreifen, und die Wohlthat, die die⸗ 
fen Leuten eben ihre unerträglich und nur böfe ſcheinende 
Lage und Witterung gewaͤhren muß, mit Bewunderung 
zu betrachten. Nut 
Auf den Inſeln Weſtmanoe macht man den Kabbe Andere Art 
lau auch zu Kothſchaͤer auf Norwegiſche Art. (vid. u fu öbe⸗ 
not. p. 81.) . Naͤmlich der Fiſch wird beydes im Ruͤcken Stockfiſch 
| Ger 1 und iu machen. 
Von der reinen und aus dorrenden Luft der Nordlaͤn⸗ 
der ſchreibet Olaus M. c. I. Lib. r. c. 2. Aér - ſemper frigi- 
dus eft et ferenus - tantaque eft aëris temperies, vt piſces 
nullo fale conditi, fed folo aere ſiccati toto decennio à pu- 
trefactione durent. Und dieſes gehet ſo weit, daß die Nord⸗ 
laͤnder auch, vermittelſt der Luft und Windes, ſelbſt Fleiſch 
ſo trucken machen koͤnnen, daß es waͤhret. Wie denn in der 
Topogr. Norw. cit. p. iy angeführet wird, daß man die wilde 
Gaͤnſe, beſonders aber zwo Arten Voͤgel, eine Leyer, fo ſehr 
feiſt, die andere Skrab genannt, im Winde doͤrre, und anſtatt 
des Brodts gebrauche. Add. Jons Lauritzen Wolff Norri- 
Zia illuſtrata, p. 198. | PR 


Es wird 
auch Lab⸗ 
berdan dar⸗ 
aus gema⸗ 
chet. 


86 Nachrichten von Island. 


und Bauch voͤllig bis nahe an den Schwanz alſo, daß 75 


zwo nur noch unterm Schwanze zuſammenhaltende Haͤn⸗ 


gen, oder Klappen daraus werden, geſchlitzet oder aufs 
geſpalten. Denn vorerwehneter maßen auf die Erde 


zum Gaͤhren niedergelegt und demnechſt zum Trocknen 
in beſagte Steinhuͤtten, wiewohl ohne Dach bloß uͤber 
die Stangen geſchlagen und ſolchergeſtalt aufgehangen. 
Womit derſelbe bald fertig iſt. Doch wird dieſer Roth⸗ 
ſchaͤer im Lande wieder verſpeiſet, und nur gar ſelten aus⸗ 


geſchiffet, weil dieſe Leute mit auswärtigen Rothſchaͤer⸗ 


haͤndlern ſonſt keine Handlung pflegen, vielmehr dieſe al⸗ 


les benöthigte von den Norwegern, mit denen fie in alter 
Bekanntſchaft, mutuellem Credit, und Verbindung ſte⸗ 


hen, kommen laſſen. SAND 
So machen auch die Hollaͤndiſche Lorrendrayer auf 


ihren Schiffen aus dem Kabbelau, den fie bey dieſer In⸗ 
ſel fangen, Labberdan * auf dieſe Weiſe, daß ſie dem 


Fiſche nur bloß den Kopf abſchneiden, den Bauch auf⸗ 


reißen, das Eingeweide herausnehmen, und ihn mit gro⸗ 
ben Salze wohl beſtreuet in Tonnen legen. en 


4 


Und hiemit will ich abbrechen, weil doch aus ange⸗ 


fuͤhrten ſchon die faſt unendliche Nutzbarkeit des Kab⸗ 
15 F belauen 


„ Aberdaine, Habberdeen, i. e. Aſellus Aberdonenſis, 
wie ihn Willoughby nennet, ohne Zweifel, weil ihn die Schot⸗ 


ten an dieſem Ort zuerſt auf dieſe Weiſe zubereitet und aus⸗ 
geſchicket haben. Wie denn auch die Schotten auf ihrer, 


imgleichen die Irren auf der Nordweſt. und Oſtkuͤſte ihrer In⸗ 
ſel, alljaͤhrig den Kabbelau haͤufig fangen, und zu Labberdan 
machen, der inſonderheit fuͤr die Matroſen auf den Schiffen 
dienet. „ 


* Nur noch eines will ich beyfügen, um zu zeigen, wie . 
nicht allein alles an dieſem herrlichen Fiſche zu gebrauchen 


ſtehe, ſondern wie auch der geſcheidte und feinen Vortheil nir⸗ 


gends aus der Acht laſſende Kaufmann ſonſt an ſich verächte 


lich ſcheinende Dinge zu einem eintraͤglichen Vorwurf je | 
"date 


N Ps - * 
S 


Nachrichten von Island. 87 


É belauen zur Genuͤge erhellet: die ohne dis auch aus dem, 
was nunmehr von den uͤbrigen ſeines Geſchlechts folget, 
noch weiter offenbar werden wird. ; 


H. LVI. So ift die Lenge (Afellus longus, Engl. genge, 
Ling. Willoughb. Hift. Piſc. p. 175. Daͤn. Lange) eine | 
Kabbelauart, aber ſchmaͤler und länger, als der vorher: 
gehende eigentlich alſo genannte Kabbelau. Daher ſie 
auch ihre Benennung in allen Sprachen traͤget: die eine 
beſonders fette und delicate Haut, und eine gar fuͤrtreff⸗ 
liche Leber hat. 


Auch aus dieſer Lenge wird beydes Stack, und En Daraus 
fiſch auf obvermeldete Weiſe verfertiget; der aber nicht e | 
völlig fo gut, als der vom Kabbelau felbft gemachte, aus: Art Stock⸗ 
fälle, und deshalb von den Inwohnern gemeiniglich nur as 
zu ihrer Mundkoſt verbrauchet wird. Welches um ſo 
mehr zu verwundern, da die Norweger ihren zaͤrteſten 
und theuerſten Kundfiſch obgedachtermaßen daraus zu⸗ 
zubereiten wiſſen. So groß iſt der Unterſcheid des Fi⸗ 
ſches, wenn er auf einem andern Grunde ſich enthaͤlt, 
oder andre Nahrung genießet u. ſ. w. und fo viel kommt 1 
es auch auf einen guten Handgriff an. 


F a. 1 Wie 
Handelung zu machen wiſſe. Nemlich es ſammeln die Nor⸗ 
männer, wenn fie den Kabbelau, um Stockfiſch daraus zu 
machen, ausnehmen, den Rogen und das Eingeweide deſſel⸗ 
ben fleißig auf, und bringen es mit nach Drontheim und 
Bergen. Da die Kaufleute, und abſonderlich am letzten Or⸗ g 
te unſere fo genannte Bonden des hanfeatifchen Comtoirs, 
wie mich die hieſigen Bergerfahreralten berichtet, ſolches ers . 
handeln, und, nachdem es zuvor ordentlich gewracket und 
gepacket, in großen Parteyen, theils gerades Weges, theils 
uͤber Hamburg, nach Nantes ſchicken. Weil die Franzoſen 
ſich deſſen zum Sardinenfang mit großem Nutzen und zwar 
ſolchergeſtalt zu bedienen wiſſen, daß ſie ihn aus einander ge⸗ 
pfluͤcket, zwiſchen ihre Netze fireuen : wornach die Sardinen 
gar begierig und haͤufig herzuſchwimmen. 


— 


aber. fein 


Klippfi 
ahi 


den doch 
hie Hitt⸗ 
ånder dar⸗ 
aus zu ver⸗ 
fertigen 
wiſſen. 


Nachrichten von Island. 


* 
"dg 


Wie es den Yslåndern denn auch nicht gelingen will, 


Klippfiſch (der davon, daß er auf den Klippen, oder 


Baͤnken von glatten Strandſteinen getreuget wird, den 
Nahmen führer) daraus zu machen, als der nur ſchlecht 
geraͤth und leicht verdirbet, u daher nicht ansgefüg 
ren wird: 


Da doch die nicht gar weit davon 970 Hirclan⸗ 


der eben ihren vortrefflichen Klippfiſch daraus zu verferti⸗ 


gen im Stande find *. Vielleicht will die goͤttliche für. 
alle ee wachſmme und nach Wah Ermaͤßigung 


dem 
Auf den Hittlaͤndiſchen Inſeln wird der beſte und 


dauerhafteſte Klippfiſch, und zwar die gemeine Gattung aus 


Babbelau, die allerzaͤrteſte aber aus der Lenge, verferti⸗ 


get. Die Zurichtung geſchieht auf nachfolgende Weiſe: : Es 
haben die Inwohner aufm Strande große viereckte Kaſten 


von Holz, in deren jeden bis zu 500 Fiſche gehen, geſetzet. 
In dieſelbe legen ſie den gefangenen Fiſch, nachdem ſie Kopf 


und Ingeweide, auch den Rückgrad hinweg gethan, ſchicht⸗ 
weiſe uͤbereinander, ſtreuen grobes Spaniſches Salz fein di⸗ 
cke darzwiſchen, und laſſen ihn ſolchergeſtalt 7 bis 8 Tage 
durchbeizen. Hierauf legen fie ihn unter hölzerne Preſſen, 
welche fie mit Steinen u. d. gl. wohl beſchweren, damit er 


platt gedruͤcket werde. Nachdem er bis 10 Tage darunter | 


geſtanden, legen fie denſelben aufm Strande (doch ſo hoch 


hinauf, daß die See nicht daran ſpuͤlen kann) auf Baͤnklein 


von harten, glatten und reinen Strandſteinen (womit die 


See eine zeitlang geſpielet, und ſie wohl abgerundet und ge⸗ 
glaͤttet hat, Zingels von den Hollaͤndern und Gallers von den 


Franzoſen genannt) neben einander zum trocknen. So bald 


er durch Kaͤlte, Wind und Sonne genugſam getrocknet, ſta⸗ 
peln ſie ihn in ihren Packhaͤuſern auf einander, und bedecken 


ihn wohl mit allerhand Decken, damit keine feuchte Luft, noch 
Wind, als wodurch er ſchleimicht wird, dazu kommen moͤge. 
Wie er denn auch nachher in den Schiffen, womit er verfahren 


wird, ſo viel immer thunlich, zugedecket, und vor Luft und N 
Wind verwahret werden muß. Denn ie bedeckter und dunck⸗ 


ler er ligget, ie beſſer und laͤnger Hält er ſich. Im Monat 
Febr. wird dafelbft der beſte Kabbelau, und im Auguſt die 


beſte Lenge, gefangen und zu Klpfiſch mnbereitet. kk LÅ 


Nachrichten von Island. 89 


dem einen Orte dieſes, dem andern ein anders zutheilende 
Vorſorge, daß die Islaͤnder an ihrem Flad und Heng⸗ 
fiſch, wovon fie ſich nach Nothdurft naͤhren, und den an⸗ 
dere ihnen nicht nachmachen koͤnnen, ſich begnuͤgen, und 
wie den Norwegern ihren Rundfiſch, alſo den Hittlaͤn⸗ 
dern die rechtſchaffene und vortheilhafte Zurichtung des 
Klippfifches, als ihr vornehmſtes Nahrungsmittel und 
eigenes Kleinod, uͤberlaſſen ſollen. 


$. EVIL Der Schellfiſch, eigentlich Schelffiſch, Schelſiſch. 
bey den Englaͤndern Hadock genannt, (Onos oder 
Aſinus antiquorum, Aſellus tertius I. Aegleſinus Ron- 
deletii, Aeglefinus vel Aegrefinus Bellonii,) iſt eines Ge⸗ 
ſchlechts mit dem Kabbelau, aber nicht ſo guten Ge⸗ 
ſchmacks, bleibet auch viel kleiner, als jener, und hat al⸗ 
lein kleine fuͤhlbare Schuͤpplein, da die andern Kabbe⸗ 
lauarten alle glatt und ungeſchuppet ſind *. . 


$. LVIII. Der Wittling, der von feinem weiß; Wittling. 
lichten Ruͤcken alſo genennet wird, (Hollaͤnd. Witting, 
Engl. Whitig, Aſellus candidus, Aſellus mollis ma- 
jor five albus Willoughb. p. 170. bey unſern Hilgelan⸗ 
dern Gaatjens,) ift dem Schelfſiſch aͤhnlicher als dem 
Kabbelau, laͤnglicht von Leibe und mit ſcharfen Zähnen, 
1 ne: Er 


Es ſtehen einige in den Gedanken, daß dieſer Fiſch da⸗ 
her den Namen habe, weil ſein Fleiſch gekocht mehr, als an⸗ 
derer ſeines Geſchlechts, ſchelfet oder ſchelfert, d. i in dicht⸗ 
liche runde Schelferblaͤtter, oder Schalen, wie die Zwiebel⸗ 
ſchalen von einander berſtet und gleichſam blaͤttert; welches 
gar angenenehm fuͤrs Geſicht gehalten wird, und den Appe⸗ 
tit erwecket. Ich halte aber dafuͤr, daß ihm ſein Name viel⸗ 
mehr von den merkbaren Schuppen, womit er ſich von allen 
andern ſeines Geſchlechts unterſcheidet, beygeleget ſey. Al⸗ 
lermaßen die Hollaͤnder, und auch unſere niederdeutſche See⸗ 
leute und Fiſcher, die Fiſchſchuppen Schelfen, und den 
Siſch ſchelfen, oder ſchelferen, den Fiſch ſchuppen (defqua- 

are pifcem) nennen. Conf. Kilian. Etymologic. Teuton. 
Linguae. % 


$ 7 


9 Nachrichten von Island. | 


Er hat ein gar niedliches Fleiſch, will aber fo wenig / als j i 
der Schelffiſch, zum tuͤchtigen Flack⸗ und Hengſiſch dee 
nen, und unter echte Kaufmannswaare, ohne wo man 


deren etwan nicht genug haben kann, nicht mitgenommen 


werden 5 . 
me: | GER 4 
Ich bin der Meynung, daß dieſer Wittling, die eigene 

lich fo genannte Morus ſeyn werde, wiewohl man die Molug, , 

die auf den Baͤnken von Terreneufve gefangen wird, in Pa⸗ 

ris gemeiniglich auch la Morus nennet, und Rondeletius 

ſelbſt fie mit einander vermiſchet. Denn die Molus, oder 

Merluche (Merlucius quaſi maris Lucius) Angl. Cod oder 

White - fiſh, holl. Bacheliaum ift mehr eine Kabbelauart. 

Wiewohl ich noch bisher die rechten eigentlichen notas charadte- 

riſticas, worinnen er ſich von unſerm Kabbelau unterſcheidet, 

nicht ausfuͤndig machen koͤnnen: weil Naturverſtaͤndige eben 
an ſolche Oerter nicht kommen, und es ſehr ſchwer haͤlt, von 

Fiſcherleuten was Accurates, Einſtimmiges und Zuverlaͤßi⸗ 

ges herauszubringen. Indeſſen id) im Vorbeygehen unges 

meldet nicht laſſen wollen, daß dieſer gefreßige Fiſch den be⸗ 

ſondern Vortheil, (den ſich vielleicht mancher wolluͤſtiger 

Vielfraß wuͤnſchen moͤchte) von der Natur habe, daß, wenn 

er nach ſeiner unvorſichtigen Schlingſucht ein Stuͤck Holz, 

oder ſonſt etwas unverdauliches, eingeſchlucket hat, er ſeinen 

Magen herausbrechen, vor dem Maul umkehren und auslee⸗ 

ren, hernachmals aber, wenn er ihn im Meerwaſſer wohl 

ausgeſpuͤlet, wieder einziehen und an behoͤrigen Ort und Stel⸗ 

le bringen kan. Wie dieſes aus der Erfahrung bezeuget 

Dionys Deſcript. des Cotes de l’Amerique ſeptentrionale 

Vol. II. p. 181, worinnen er die ganze Fiſcherey und Zube 

reitung der Fiſche bey Terreneufve nach den allerkleineſten 

Umſtaͤnden beſchreibet, und zugleich anzeiget, daß die Molus 

verte oder blanche, und die Molué feche, oder Merluche, 

von einem und demſelben Fiſche gemachet, und nur nach un⸗ 

terſchiedenheit der Zurichtungsart alſo unterſchiedlich benen⸗ . 

net werde. Es iſt aber zu wiſſen, daß die Molus verte, wel⸗ | 

che, fo bald der Fiſch nur zurechte geſchnitten, alſofort zu 

Schiffe gebracht, und ſo bloß, ohne alle Gevaͤße, auf deſſen É 

Boden im Raume ſchichtweiſe übereinander geleget, und auf 

der Stelle eingeſalzen wird, in der That nichts anders, als ein 
geſalzener Kabbelau ſey, der bey uns unter dem Namen habe 
berdan bekannt iſt, und die Molus ſeche, ſo kleiner, als 
5 | | jene, 


Nachrichten von Island. 91 


F. LX. Der Dorſch, (Daͤn. Torsk, bey den Dorſch. 
Preußen Pomucheln, Aſellus varius ſ. ftriatus) iſt die 


kleineſte Kabbelauart, und mit den zaͤrteſten Schuͤpp⸗ 


chen, die man im Anruͤhren mit der Hand, ja, wenn er 


gekocht, ſo gar zwiſchen den Zaͤhnen, nicht einmahl ver⸗ 
ſpuͤren kann, bekleidet. Ihre Farbe iſt grau und etwas 
goldfärbig, mit vielen dunklen oder ſchwarzen Flecken und 
Streifen gezieret: ihr Fleiſch iſt gar niedlich: beſonders 
derjenigen, die in der Oſtſee und zwar ohnfern Lubeck ges 
fangen werden, welche im Sommer lichter von Farbe, 
im Winter aber dunkelgrau ſind. Die Daͤniſchen Un⸗ 
terkaufleute auf Island pflegen dieſe Gattung auch zu⸗ 


weilen zu doͤrren und wie Flackſfiſch zurichten zu laſſen, und 


alsdenn Tietlings zu nennen. Derſelbe wird gar zart 
und niedlich, aber nur zu Geſchenken für große und vor⸗ 
nehme in Copenhagen ane, folglich får felten an⸗ 
ders wohin gebracht, 


$. LX, Der Röhler oder Noolfiſch ( Holland. 
Kool Engl. Colefiſh, Willoughb, Ichehypk p. 168. 
i Aſellus 
jene, und am Strande erſt eingeſalz en, hernach in der See 


abgeſpulet, denn auf Horden zum ablecken, folgends auf 


beym Strande aufgerichtete Steinbaͤnke zum trocknen ausge⸗ 


breitet, ferner in Haufen zum voͤlligen austrocknen aufgeſta⸗ 


pelt, endlich im Schiffsraum auf Keifig über einander geladen, 


Kohl er. 


— 


und aß nach Frankreich gebracht wird, e Blippfiſche 


ganz aͤhnlich ſey. 


Wie von den Englaͤndern dir Fang und die Zubereitung 
dieſes Fiſches in ihrem Theil geſchieht, hat Herman Moll auf 
ſeiner neuen vortrefflichen Carte von Nordamerica in einigen 
Figuren vorgeſtellet. In Weſtengeland iſt eigentlich die Rhe⸗ 
derey zu dieſem Sif fange. Man nennet die Schiffe, ſo dahin ger 
ſchicket werden, um den Fiſch zu fangen, und nach Engeland 
abzuholen, Nemfoundlaud- Ships, oder in der Matroſenſpra⸗ 


che, Nemfound and. Men, imgleichen Bankers: die aber das 


hin gehen, um fertigen Fiſch zu erhandeln, und ihn nach Spa⸗ 
nien, Italien u. ſ w. gerades Weges zum Wiederverkauf zu 
bringen, Sack- Men. Vid. Atlas Marit. et ee 


Hütte und 
Schulen. 


Hilbuͤtte. 


„ Nachrichten von Island. 


Aſellus niger, Carbonarius) von ſeiner gar dunkeln Far⸗ 
be alſo genannt, iſt zwar auch eine Cabbelauart, und 


nur ein wenig kleiner, als derſelbe, im uͤbrigen ihm gar 


ähnlich, aber fo mager und ſchlecht von Geſchmack, daß 
ihn die Islaͤnder nicht brauchen koͤnnen, auch, weil es 


ihnen an beſſeren Gattungen keines weges fehlet, nicht 
einmahl eſſen. Er wird bey der Nordcap haͤufig gefan⸗ 
gen (Zorgdrag. Groenl. Viſch. p. 97.) weil er inſonder⸗ 


heit nach Norwegen ſich ziehek. Daſelbſt heißer er Sey, 
Graaſey, Stifisk, auch Ofs, und wird im Ueberfluß 
gefangen, wenn er naͤmlich von Wallfiſch getrieben und 
dergeſtalt geaͤngſtiget wird, daß er oft aufs trockene Land 


laͤuft. Doch eſſen ihn nur die aͤrmſten Leute, und he⸗ 


ben ſeine gewaltige Leber auf, um Thran daraus zu ko⸗ 


chen. Der Armuth zum beſten iſt auch in Bergen dieſe 
loͤbliche Verordnung gemacht worden, daß unſere Hanſe⸗ 


ſtaͤdtiſche Kaufleute ihn ihrem Geſinde nicht geben duͤrfen, 


damit er dem Armuth, die itzo den groͤßeſten für ı Luͤbſch 


Schilling haben kann, nicht etwan vertheuert werde. 
Unſere Hilgelaͤnder Fiſcher fangen ihn auch, und bringen 


ihn zuweilen nach Hamburg, finden aber wenig Abnahme. 
6. LXI. Von andern Fiſchen, obwohl dieſelbe ſi ch 


hier insgeſammt größer und fetter, als anderwerts befin⸗ 
den, als den Buͤtten, Schullen, die allhier fo feiſt, 


daß fie getrucknet alſofort roͤchlich an den Graͤthen wer⸗ 
den, und ſich anſtecken, folglich in der Handlung und 


zum Ausſchiffen nicht dienen, ſondern nur von den Sr 


ländern friſch weggegeſſen werden, und andern derglei⸗ 
chen, will ich die vielen beſonderen Nachrichten, die ich 
geſammlet, verdrießliche Weitlaͤuftigkeit zu vermeiden, a 


zu einer andern Gelegenheit verſparen. 


$. LXI. Nur will ich noch mit wenigen der Hil⸗ 


bitte gedenken, die, da ſie bey uns in unſrer Nordſee nur 


zu 120 bis 130 Pfund anwachſen, bey Island ſo groß 


ſind, daß fie bis zu 400 Pfund waͤgen. Dieſer Hilbutt 


oder 


Nachrichten von Island. 93 
oder Heilbutt, Daͤn. Sellefiſk, Norweg. Helleflynder 


oder Oveite, Franz. Flaitan oder Flettan, bey den Weſt⸗ 


englaͤnd. Holibut, in Nordengland Turbot oder Tur- 
but, Hippogloſſus Rondel. et Gefn. ift die allergrößeſte 
Gattung von Bitten und faſt fuͤrchterlich anzuſehen. 
Er hat unten und oben eine gedoppelte Reihe etwas ger 
kruͤmmeter und einwerts gebogener ſehr ſcharfen Zähne, 


eine große ſteife Zunge, und uͤber derſelben recht vor dem 


Schlunde am Oberrachen zweene runde aus vielen ſpitzi⸗ 
gen Zaͤhnlein beſtehende und deshalben ganz rauhe Stel⸗ 
len, nicht weniger auf ſeinen Kiefen ſpitzige Stacheln, 
mit dreyfachen Kiefendeckeln oder Ohren. Man ermiſ⸗ 
ſet ohnſchwer, daß, weil er ſo breit und platt, doch da⸗ 
bey keine proportionirte Dicke oder Ruͤnde, keine gnug⸗ 
ſame Fertigkeit, ſich zu tummlen, Fiſchen nachzueilen und 
fo fort, anderen großen lang⸗ runden Fiſchen gleich hat, 


ihm dieſer ungemeine Vorrath von Spitzen, Hacken, 


Zähnen um feines Raubes, dem er beykommt, deſto we⸗ 
niger zu verfehlen, und was er erhaſchet, deſto beſſer zu 
halten und zu bemeiſtern, gegeben worden, zumahl ſie 


nicht allein Heering und dergleichen kleine, ſondern auch 


Schelſiſche, Dorſche und andre große Fiſche erſchnappen 
und hinabſchlingen. Sonſt iſt dieſer Butt ſowohl an 
aͤußerlicher Leibes geſtalt und Floßfedern, als inwendig 


mit dem Eingeweide andern Buͤtten ganz gleich. Er 


hat auch, ob er ſchon ſo groß iſt, dennoch wie jene, keine 
Luftblaſe. Er kann aber deswegen auch eben ſo wenig, 
als dieſelbe ſich ſonderlich empor heben, und ſtark und 
weit ſchwimmen, ſondern muß, wie die uͤbrige ſeines Ge⸗ 


ſchlechts, meiſtens am Grunde ſich enthalten. Da⸗ 


her iſt an ihm diejenige Haut gar kenntlich und ſicht⸗ 


bar, wormit alle Fiſche derſelben Art vor andern Fiſchen 
um deswillen verſehen ſind, damit ſie, wenn ſie als 
ſchlechte Schwimmer bey eraͤugendem Sturm ſich, wie 


ſie pflegen, in den Sand zur Befeſtigung eingraben, die⸗ 


Er vor die Augen bleen, und ſolche dadurch vor dem 
Schnei 


94 Nachrichten v von Island | 


Schneiden des ſcharfeckigten S Sandes bewahren kun⸗ 


nen *. Sie haben zwar ein wohlſchmeckendes, aber 


wegen der ſtrengen und . Seife ſebe re 
verdauendes Fleiſch. 


dun wird Von dieſem Fiſche wird der in den Nordiſchen kin 


Naf u. 
Re opel ge⸗ 
1 


dern und in Niederſachſen nur bekannte Raf und Res 
kel * gemachet, der aber, weil er einen recht geſunden 
und zum Seeſiſchfett gewehnten Magen erfordert, nach⸗ 


dem die Welt zaͤrtlicher geworden, wenig mehr gemachet, 


Makteele. 


und noch weniger in die Fremde geſchicket wird. 


§. LXIII. Den Schluß mag die Makreel, (Scom- 


ber Rondel. Bellon.) die einem Heering an der Geſtalt 


nicht unaͤhnlich, aber größer: und bis 12 Schue lang ift, 
vor dieſes mahl machen. Sie ſchmecket friſch geſotten, 
oder gebraten, denen, die Fiſchfett lieben, ſehr gut, ſonſt 


etwas ecklicht. Die Islaͤnder geben ſich ihrenthalben 


keine Mühe, Sie gehoͤret unter die reiſende oder einen 
i großen 


* Conf. Leuwenh. Miſſiv. d. 22 Jun. 1704. 


Rao, Raf, Isl. Rafur, find die Floßfedern, wel⸗ 
che tief aus dem Ruͤcken mit dem Feiſten ausgeſchnitten, ein 
wenig eingeſalzen, und nachher windtrucken gemachet wer⸗ 


den: Rebel, oder Rekling, Isl. Riklinge, ſind laͤnglichte 


Striemen der Haut und des Fetten, ſo oben vom Schwanz 
gegen dem Ruͤcken zu abgeſchnitten, ebenmaͤßig eingefalgen, - 


und am Winde getreuget worden. Der beſte Raf und Re⸗ 


kel kommt aus dem aͤußerſten Norwegen von Andenaͤs, Troms 


ſen und aus Finnmarken. Die Normaͤnner fangen die | 
butte, wenn der Kabbelaufang vorbey, und begeben ſich des 


Endes mit großen Boͤthen in die See. Des Nachts, die 


alsdenn lichte, liegen ſie auf den Fang, doch nicht länger, 


als bis S. Johann. Tag. Weil der Fiſch nachher, da die 


Luft ſehr warm wird, wegen ſeiner großer Feiſte nicht wohl ge⸗ 


doͤrret und aufbehalten werden kann. Ramus Noriges Be⸗ 


ſtr. pag. 252. Die Franzoſen wiſſen auch aus ihren Flai⸗ 


tans, die ſie auf den Baͤnken bey Terreneufve fangen, die 


Floßfedern, wie Kalk ee Vid. Denys e | 


cit. Tom. II. p. 260., - 


Nachrichten von Island. 95 
großen Kreislauf vollendende, mithin ſich vielen Reichen 
und Voͤlkern darbietende Fiſchſorten. Man hat mich 
verſichern wollen, daß ſie den Winter in Norden zubrin⸗ 
ge, gegen dem Frühling aber Island, Hittland, Schot⸗ 
land und Irrland vorbey in die Spaniſche See ſich be⸗ 
gebe. Allda ein Theil Portugall und Spanien vorbey 
in die Mittellaͤndiſche See falle. Der andre aber ſchon 
im April unter Frankreich, im Majo im Canal unter 
Engeland: Im Junio bey Holl⸗ und Frießland; im 
Julio aber auf der Juͤtiſchen Kuͤſte ſich ſehen laſſe; wo⸗ 
ſelbſt er um die Nordſpitze ſich ſchwenkend einen Schwarm 
in die Oſtſee abſchicke, der Ueberreſt aber Norwegen vor⸗ 
bey nach Norden wieder zuruͤck kehre. Weil dieſer Fiſch 
fuͤr den Kaufmann nicht dienet, folglich nicht eigentlich 
aufgeſuchet wird, habe ich in diesem Stuͤcke zu recht voͤl⸗ 
liger Gewißheit nicht gelangen moͤgen, ſondern an dem 
Zeugniß zweener erfahrnen und aufmerkſamen Fiſcher, 
die auf dem Hilgenlande wohnen, mich begnügen muͤſſen. 


§. LXIV. Unter den großen Fiſchſorten ſtehen oben Wallſiſch. 
an die Wallfiſchgattungen . Unter denſelben wa⸗ 
get ſich der große Grönländifche (welcher von den Islaͤn⸗ 
dern Slettbakr, von den Normaͤnnern Slitbakker, 
d. i. Schlechtruͤcken, Glattruͤcken, wegen feines ebenen 
von aller Sinne oder Floßfeder entbloͤßeten Ruͤckens, Ba- 
lena vulgaris edentula, dorfo non pinnato Raj. (auch 
wohl Sandhual genennet wird) feiner ungeheuern Größe 
halber nicht leicht bis an die Inſel Island, ſondern haͤlt 
ſich, aus Scheue vor den untieferen Gruͤnden, in den 
grundloſen Tiefen bey Spitzbergen und unter dem Nords 
pol zuruͤck. Dahingegen hauſet, als obgedacht „deſto 
häufiger und beſtaͤndiger in dieſer Gegend der Nordca⸗ 
per, welcher jenem Grönlaͤndiſchen an Geſtalt des Lei⸗ 
bes, auch wegen der Barden im Maul gar aͤhnlich, ſonſt 
| | aber 
2 Von welchen eigentlich in meinen Nodricbten von 
Groͤnland gehandelt iſt. ØR 


ee 


fangen. 


Å 


96 Nachrichten von Island. 


aber viel kleiner und in allen ſchmaͤhler ift, Dieſen Wall⸗ 5 


fiſch wiffen die Islaͤnder ſich vortrefflich zu Nutze zu ma⸗ 
chen; zumahlen er ihnen, da fie ihm aus Mangel tuͤch⸗ 
tiger Fahrzeuge und Geraͤthſchaften in freyer See nichts 


anhaben wuͤrden, eine beqveme Gelegenheit ſeiner Mei⸗ 


ſter zu werden, ſelbſt an die Hand giebet. 


die Fioͤrden oder Sinus folget, und ſie, um ihrer deſto 
mehr zu Fuͤllung ſeines hungrigen Magens zu erhaſchen, 
gegen den Wall antreibet, fo geſchieht es zuweilen, daß 
er aus gar zu großer Begierde und Eifer auf ſolche un⸗ 
tiefe Stellen“ und Baͤnke rennet, davon er nicht wie⸗ 


der zuriick kann ** 5 oder er veranlaßet zum wenigſten über 


ſolcher ſeiner Jagd, daß die Islaͤnder ihn ſelbſt jagen, 
auf die Baͤnke ſcheuchen und uͤberliſten. Das letztere 


geſchieht auf nachfolgende merkwuͤrdige Weiſe. So bald 


cd) 


Denn indem er, als obgedacht, den Heringen in 


fie wahrnehmen, daß ein folder Wallſiſch hinter den 


Heeringen darein treibet, werfen ſie ſich ungeſaͤumet mit 


Harponen, Spießen und Meſſern verſehen in ihre Bis 


the, und rudern ihm von hinten zu ſo nahe auf den Leib, 
als es ſich nur will thun laſſen. Hierauf wenn der Wind 


auf den Strand zu wehet, fi ſchuͤtten ſie eine Menge aller⸗ 


len zu dem Ende mitgenommenen Blutes vor ihr Both 


aus in die See, und laſſen es durch den Wind auf den 
fluͤchtenden Fiſch zu treiben, fahren auch maͤhlig nach. 
Da denn derſelbe, wenn er ſich verfolget ſiehet, und 


nach der See umkehren will, des Bluts aber gewahr 
wird, vor selbigem ii 1428 und 1 als hierdurch zu 
ſchwim⸗ 


Die von des Islaͤndern mit einem eigenen Namen 


Hual- vag, (iuxta Verel. in Lexic. 1 Sc. ex Jsl. ea | 


genennet wurden. 


Wie dieſes auch ſchon Olaus M. Hiſt. Gent. Sede. 1 


Lib. XXI. c. iy bemerket. 


Ob dieſer heftige Ekel daher entſtehe, daß er ein bol | 
ches Blut etwa fuͤr das Blut eines Weibleins indem ans å 


/ 


Nachrichten von Island. 97 
ſchwimmen, ſich wieder wendet und dem Lande zueilet, 
darüber aber zuletzt nothwendig entweder auf dem San⸗ 
de, oder zwiſchen den Schaͤren ſtrandet. Im Fall der 
Wind vom Lande abſtehet, rudern die Fiſcher dem Wall⸗ 
fiſch nach, und wenn er umkehren will, werfen ſie aus 
ihren Boͤthen ohne Unterlaß Steine vor ſich hinaus ges 
gen dem Fiſche ins Waſſer, und machen anbey ein greu⸗ 


liches Geſchrey, Geklopfe, und Gereuſch, womit ſie den 


Fiſch zurück ſcheuchen, daß er immer voraus Strand⸗ 


werts 


Wallfiſche deſſen monatlich eine ſo große Menge, daß die 
See davon gefaͤrbet wird, verlieren, zu welcher Zeit fie auch 
ein fehr ſtinkend Waſſer ausblaſen. Vid. P. Feuille Journal 
des Obfervations phyſiq. etc. faites en Amerlg. Tom.L 
p. 393.) oder auch für das vergoſſene Blut eines feines gleis 
chen, der bereits ertoͤdtet, anfichet und nach der allen leben⸗ 
digen Creaturen angebohrnen Unuͤberwindlichen Furcht vor 
ihrem Untergang und Trieb zu ihrer Lebenserhaltung, den 


Weg, wo ſolches hergetrieben koͤmmt, um nicht in gleiches 


Verderben zu verfallen, aͤngſtiglich meidet und davor fliehet; 
ſolches laſſe ich dahin geſtellet ſeyn, vermuthe aber mehr das 

letztere. Denn Plinius hat ſchon die Blutſcheue bey den Fi⸗ 
ſchen angemerket, indem er ſchreibet: Piſces maxime piſcium 


- Tanguinem fugiunt. Hift. Nat. lib. X. Sect. 90. und (welches 
ich fleißigen Naturforſchern, die in der Natur nichts ihres 


Nachdenkens unwuͤrdig ſchaͤtzen, zum Nach ſinnen anfuͤge,) 
der aufmerkſame D. Martin in feiner vielfältig angezogenen 
Beſchreibung der weſtlichen Inſel bey Scottland, p. 143 fuͤh⸗ 


ret als eine gemeine in ganz Scottland bekannte Erfahrung 


an: That, if a Quarel happen on the Coaſt, where her- 


ring is caught, and that Blood be dtawn violently, then 


the Herring go away from the Coaſt, without returning 


during that Seaſon. This, they ſay, has been obſerved 
in all paſt ages, as well as at preſent. Das iſt, wenn ein 
Gefechte am Seeſtrande, wo man Heering faͤnget, ſich zutraͤ⸗ 
get, und Blut vergoſſen wird, daß der Heering alsdenn ſich 
von der Cuͤſte wegbegebe, und fuͤr dieſelbe Jahrszeit nicht wie⸗ 


der zuruͤck kehre. Dieſes, ſaget man, ſey ſowohl in allen vo⸗ 


rigen als in den neuern Zeiten angemerket worden. | 


1 


9s Nachrichten von Island. 


werts fliehen, und zuletzt auch aus Mangel des Waſſers 
liegen bleiben muß NN 


v 
N 


So bald der Fiſch fo weit gelaufen, daß er auf eine 


oder andere Art feſte geworden, und nicht wieder zuruͤck 
kann, umringen die Fiſcher ihn mit allen Boͤthen, und 


geben ihm Stich auf Stich, bis er verblutet und ſtir⸗ 


bet. Darauf ſchneiden ſie allen Speck, ſo viel ihnen 
nur moͤglich, wie auch, weil ſie keine Koſtveraͤchter, ein 
ziemliches vom Fleiſche herunter, und nehmen beydes 
mit ſich nach Haufe *, i ROR 

10 0 Die 


Ich vernehme, daß dieſer beyden, aus achtſamer Ber 


merkung der Natur der Fiſche hergeholten, Kunſtgriffe auch 
die auf der Inſel Feroe wohnende Fiſcher, welche mit den 
Islaͤndern eine gleiche Duͤrftigkeit und Mangel an Werkzeu⸗ 


— ” 


gen zur großen Lehrmeifterinn gehabt, ſich mit Vortheil be⸗ 


dienen follen. | an, 
* Es koͤmmt wohl meift auf die Gewohnheit an, daß 
man das Fleiſch der Wallfiſche für nicht eßbar hält. Unſere 


Groͤnlandsfahrer, die endlich ein Stud von einem ſtarken 


und etwas ſtrengen Meerfiſche zu genießen nicht ungewohnet 
find, bezeugen, daß ein Stuͤck von einem jungen Wallfifche, 


ſo lange er friſch, ſich wohl eſſen laſſe. Das Fleiſch der Finn⸗ 


fiſche, die zuweilen in Verfolgung der Heeringe auf den ober⸗ 


ſten Norwegiſchen Kuͤſten ſtranden, oder ſonſt bezogen wer⸗ 


den, wird bey Pfunden verkauft, und von dem gemeinen 
Bauervolke gerne gegeſſen, welche ſagen, daß es wie Rind⸗ 


fleiſch ſchmecken fol. Lucas Jacobſoͤn Debes in feinen Fae- 
rois, oder Daͤniſchen Beſchreibung von Faͤrse, p. 160 faget 
von den Inwohnern dieſer Inſeln, daß ſie das Speck vom 


Kopfe des Wallfiſches mit ſchwarzem Salze, oder der Aſche 


vom gedorreten und verbrannten Meerkraute (Tang) einſal⸗ 
zen, und hernach an einem recht trocknen Ort aufhaͤngen, 
da es wie ander Speck ausſehen wird. Sie kochen auch 


friſch von dem Fleiſche, welches wie Rindfleiſch ausſiehet und 


- 


riechet. Was fie nicht gleich verzehren koͤnnen, das ſchnei⸗ 


den fie in lange Riemen, und machen diefelben windtrucken. 
Fremde ſalzen auch wohl Stuͤcken vom Schwanz ein, die, 


weil derſelbe ſehr ſaͤhnicht iſt, wie eingepekelte Ochſenfuͤſſe 


ſchmecken. Kaͤmpfer in ſeiner Hiſtory of Japan B. II. Ch. II. 


machet 


= 


Nachrichten von Island. AL 99 


Die Barden * weil ſie nur klein und deswegen von Bon deren 
den Dänen nicht ſehr begehret werden, auch von den Is⸗ Barden. 
laͤndern wegen ihrer elenden Werkzeuge nicht wohl aus 
dem Fiſche herausgehauen werden können, laͤſſet man 
ſitzen und mit dem Rumpfe, Aaſe oder Krenge “, wie unſre 
Groͤnlands fahrer fagen, in der See dahin treiben. i 


Den Speck werfen fie in Orhoͤfte oder Faͤſſer, und Von fei 
laſſen ihn ein Viertheil Jahr lang darinn liegen, und 950 SNE 
nach und nach ſchmelzen und auslecken. Was waͤh⸗ kommen. 


render ſolchen Zeit von ſelbſt austroͤpfelt, iſt der feineſte den 1 


und beſte Thran * der RR und ungekochet nicht 


allein 


machet ſechs Sorten von Wallfiſchen namkundig deren 
Fleiſch von den Japanern eben ſo, wie von andern Fi⸗ 
ſchen ordentlicher Weiſe zu Markt gebracht, auch das Einge⸗ 
weide derſelben eingepekelt, und nachher entweder gekocht. 
oder gebraten verſpeiſet werde. 


* Dieſes find die hornhaftige, wie Säbeltlingen bey⸗ 
nahe geſtaltete, und auf den Ecken ganz zottigte Blaͤtter, die 
der Wallfiſch an der Seiten des obern Theils ſeines Rachen 
ſitzen und herunter haͤngen hat. Aus welchen durch reinigen 
von den Zotten und Kieferfleiſche, ſpalten u. f. f. das foger 
nannte Fiſchbein gemachet wird. 


Die alten Hollaͤnder ſagten Karonie, die Franzosen 
Charogne, welches mit einander vielleicht aus xugarein here 
ſtammet. 


* Dieſes Wort bedeutet das ausgeleckete diſchsl, und 
ift in dieſem Verſtande vermuthlich von den noͤrdlichſt belege⸗ 
nen Ruſſen, von denen man bekanntlich zu erſt den Thran 
unter dieſer Benennung bekommen, erlernet, und bis daher 
beybehalten worden. Damit ſtimmet uͤberein Clem. Adami 
Nauigat. Anglor. ad Mofcouit. (in Republ. Moſcou. p. 36) 
mittunt, ſchreibet er, & aquilonares Ruſſi oleum a Barba- 
ris Train dictum, quod in flumine Vna dicto conficiunt. 
So faget auch Olaus M. Hiſt. Sept. lib. II. cap. 17. quam 
pinguedinem (marinarum belluarum) vulgari eorum Luan, 
aut Lyſe, a lucendo vocant, quia lampadibus immiſſa cla- 
riſſime lucet. Nach der Kraft des Worts heißet bey den 
| G 2 nordi⸗ 


2 


* 


Von einer 
andern 
Sorte 


Thran. 


100 Nachrichten von Island. i 


\ i RE ER: n 
U 


allein aufgehoben und an die Dänen verhandelt, ſondern 
ſolchergeſtalt auch ausgefahren und verbrauchet wird. 


Unfre Kaufleute heißen ihn: klaren Thran. Das zu⸗ 


ruͤckbleibende kochen ſie aus zu einem dickern und brau⸗ 
nen Thran; der deshalb auch in der Handlung brauner 


Thran genennet wird. 


Wobey zu wiſſen, daß noch die allerſchoͤnſte Sorte AG 


von Thran, wenn ſie unvermiſcht gelaſſen wird, diejenige 


ſey, die aus den Kabbelau, Hay, und anderer Fiſche Le⸗ 


bern ausſchmilzet. Zu welchem Ende die Jslaͤnder alle 
; : | | derglei⸗ 


nordiſchen Voͤlkern Traan eine austropfende Jeuchtigkeit, 


oder Geligkeit. Denn fo ift Sax. Traan oder Trane (Belg. 


Traane, Germ. Thraͤne) (1) Lacryma e glandulis lacryma- 


libus deſtillans. (2) Lacryma arborum, Gummi f. Reſina 
vid. Kiliani Etymolog. (3) Oleum piſcium ex fruſtulis diſ- 
ſectis deſtillans. Alſo heiſſet auch Sax. Taar (Germ. Zah: 
ve, Otfr. Zaheri) lacryma. Dan. Cgar oder Taarn Lacry- 
ma, it. ſtilla aquae et olei. ISI. Tar lacryma, guttula, 
ſtilla. Gudm. Lexic. Angl. Sax. Tear lacryma et Tero, 
gummi, gluten, Angl. Tar A. S. Tare et Teor Germ. Teer, 


Theer, Goth. Thior. Suec, Tiaͤre, pix liquid. Dahin ge 


hoͤret auch nicht weniger die aus der Kühe Milch ausgedruck⸗ 
te Fettigkeit die Butter, namlich Bu = tere AS. Butere 4 
Bu und Tere. Nämlich bu, Goth. bos, vacca Verel. (vn- 
de noſtr. Bu⸗ Øs und Bu- Koe, pås &c.) Wie denn langt 


ſchon beydes die Lateiner und Griechen, ohne daß ſie das 


Stammwort angeben koͤnnen, Buryrum und groge geſagt, 
welcher letzteren ruger, rugeia &cc. aus der itzt beygebrachten 


harmonia linguarum recht eigentlich verſtanden werden 


mag. Wobey ich noch dieſes anmerken will, daß auch 


das vorhabende Wort aus Orient feinen Urſprung habe. E | 


Denn wie in Europa T und 3, alſo werden in Alien . 
und J in den unterſchiedenen Mundarten vielſaͤltig verwech⸗ 
ſelt. Und fo heißet MI NE und . ein aus einem 
Baum durch den natuͤrlichen Drang, oder kuͤnſtliche Ritzung 


hervorfließendes und troͤpflendes Haarz, ins beſondere Ter⸗ 


pentin. Vid. Hilleri Hierophytic. lib. I c. 45, und bey den 


Arabern Tzara fluxit, manauit. Izirwa und Dfaru Lacry- 


ma arboris, . reſina. 


Nachrichten von Island. 101 

dergleichen Lebern in Tonnen ſammlen, und darin ohngefaͤhr 
ſechs Wochen liegen und ſchmelzen laſſen. Wornechſt 
fie den von ſelbſt alſo ausgefloſſenen Thran abfuͤllen, 
und ungekocht unter den vorhin gemeldeten klaren Thran 
zu deſſen Verbeſſerung mengen, auch folgends die Ueber⸗ 
bleibſel auskochen und zu dem braunen Wallfiſchthran 
gießen, und dergeſtalt eines mit dem andern an den Daͤ⸗ 
niſchen Kaufmann verſtutzen | 


FS. LXV. Das Meerſchwein“ iſt ein in der Nord⸗ Meer⸗ 
fee bekannter Fiſch aus dem Wallſiſchgeſchlecht, etwa 5 schwein, 
bis 8 Fuß lang. Es brauchts nicht denſelben zu beſchrei⸗ 

ben, weil man nunmehro davon gar fleißige Anatomiſche 
Beſchreibungen hat . Worauf ich mich nur lediglich 
beziehen darf. Ob es daſelbſt mehr als eine Sorte der ⸗ 
ſelben gebe, hat man mir nicht i ſagen gewußt. Doch 

SAMER DR EN MET 


Die Norlaͤnder machen deſſen auch viel von den Lebern 
der Dorſche und Kabbelauen, die ſie zu ihrem Stockfiſche 
ſpalten: indem fie dieſelbige an die Luft legen und die Fettig⸗ 
keit daraus traͤuffeln laſſen. Und die Franzoſen, die, was 
ſie von andern ſehen, gar geſchwinde nachzumachen wiſſen, 
unterlaſſen nicht, auf Terreneufve dergleichen aus den Lebern 
ihrer Molue zu ziehen. Dionyſ. c. 1. Tom. M. p. 104. So hakt 
auch Moll auf ſeiner vorberegten großen Carte von Nord⸗ ry 
america eine folche Preſſe, als die Engländer daſelbſt eben 
biezu gebrauchen, mit ſtechen und vorſtellen laſſen. 


FJcsl. Suinhual oder Suinbuallur, auch Witinger 
Norweg. Marſvuͤn oder Wiſer, Daͤn. Bruuskop (wegen 
feines dicklichten runden Kopfs) imgleichen Springbual, 
oder Springer, (wegen ſeines gewoͤhnlichen Springens bey 
bevorſtehendem Sturmwetter aus der See heraus) Call. 
Mar ſuin, Angl. Por peſſe oder Porpus Scot. Sea-pork, Phocae- 
4s Rondel. Turfio Bellon. Delphinus Septentrionalium. 
Schonev. * | | er 
Void. Ephemerid. Nat. Curiof. Dec. I. an. 3. p. 22. 
Lowthorp Abrigdm. etc. Vol. II. p. 839 feg. et nuperrime 
Supplem. I. Annal. Wratislau. Art. XI. 


' 


102 Nachrichten von Island. 


iſt mirs gar glaublich, weil man in Nordamerica derſel! 


ben zwo hat . Sein Fleiſch ift allerdings eßbar. Denn 
die Schotten auf den Weſtinſeln ** eſſen ihn durchge⸗ 
hends, und ſagen, es ſey beydes eine geſunde und ſehr 


nahrhafte Koſt, und die Franzoſen machen aus feinem 
Fleiſche auf Terreneufve Metwuͤrſte “n . Er wird aber 


meiſt nur ſeines Specks halber, ob er gleich deſſen nicht 
viel hat, gefangen, nachdem durch den großen Verfall 
des Groͤnlaͤndiſchen Fiſchfangs der Thran nunmehro ſo 
rar und folgbar ſo theuer wird. Indeſſen iſt er wegen 
ſeiner ungemeinen Geſchwindigkeit im Schwimmen und 
Springen gar ſchwer zu bekommen, wofern er nicht von 


ohngefehr durch ſeine unerſaͤttliche Heeringsmauſerey da⸗ 


zu felber Gelegenheit giebet f. Wodurch die guten Is⸗ 
| 2 0 laͤnder 


4 


* Nämlich eine und zwar die groͤßeſte ganz weiß, ſo 


groß als eine Kuhe, deren Speiſe allerley Fiſche, zum lieb⸗ 
ſten aber Makreelen, Heeringe und Sardinen, fie giebt 1 bis 
2 Dvarteln Thran. Die zweyte heißet Pounſille, und findet 
ſich in allen Meeren, gehet ſtets Schaarweiſe, und iſt gut zu 
eſſen. Dionyſ. d. 1. Tom. II. p. 258. 15 

** Martin d. I. p. 269. | | 

* Dionyfannur itzt angeführte Orte: 

I Wovon Arend Berendfen Berg in feinem ſeltenen 


Buche: Daͤnnemaͤrkiſche und Norwegiſche Herrlichkeit ge⸗ 
nannt, p. 298 dieſe artige Anmerkung hat: Dat haͤnder oe 
undertiden, ſanſom anno 1625, at unge Huale, ſom forfolg⸗ 


de oc jage effter Sild, dem forlöbe udi Fioͤrden oc ſuefre 
Bugte, huor Boͤnderna dem Blifwe waer, be fätte Garn ne⸗ 
den fore, faa at de da Sild i ſtorr mengd, faa velſom fame 
me unge Springhuale kunde jage paa landet oc fange, ſaa 


ſom i bewelte aar, da de Ved 2 Myl weigs fonden Bergen 


paa den tid oc ſted, ſtaa danne Springhual wid 17 eller 18 


jagede i land ꝛc. Das ift: Es begiebet ſich zuweilen, als A. 
1625, daß, wenn junge Wallfiſche den Heering verfolgen und 


jagen, derſelbe vor ihnen her in die Bayen und Meerbuſen 
lauft, da die Bauern es bald gewahr werden und unten her 
Garne vorſetzen, wodurch ſie nicht nur den eee 


enge, 


— 2 - = 
r 


Nachrichten von Island. | 103 | | 


länder gleichwohl auch keinen ſonderbaren Vortheil erja⸗ 
gen wuͤrden, wenn es mit dieſem Fiſche nicht darneben 
dieſen gar beſondern und anmerkungswuͤrdigen Umſtand 
hätte, daß er, ihnen gleichſam zum Beſten, alle Jahr 
einmahl naͤmlich im Monat Junio durch Vorwachſung 
eines Haͤutleins vor die Augen blind werden muͤßte. Zu 
welcher Zeit ſie, wenn ſie fleißig ſeyn wollen, derſelben 
öfters bis dreyhundert durch Scheuchen und Treiben auf 
den Strand, den ſie alsdenn nicht ſehen, und alſo auch 
nicht vermeiden, in ihre Gewalt bekommen koͤnnen. 


H. LXVI. Von den Hayfiſchen oder Weerhun⸗ Meerhund 
den (Canibus marinis, Galeis) fangen die Islaͤnder nur 
die groͤßeſte Gattung * ihres Specks und der Leber hal⸗ 

RN Be RE | ber. 


Menge, ſondern zugleich auch einige junge Springer, oder 
Meerſchweine koͤnnen zu Lande ſagen und fangen. Wie 
im bemeldeten Jahre ungefaͤhr 2 Meilen jenſeits Bergen auf 
einmal und an einer Stelle bey 17 oder 18 ſolcher Meer⸗ 
ſchweine zu Lande getrieben wurden. Deme aus Chriſt. 
Eyrer von Haimendorf Reiſebeſchreibung in das gelobte San? 
p. 149 beyſetze: Die kleine Buben ſtehen an den Ufern mit 
ihren Wurfgaͤrnlein, und wenn die Delfine zu dem Geſtade | 
kommen, und die Fiſche vor denfelben fliehen gegen dem 
Lande zu, ſo werfen ſie das Netz und fangen ziemlich viel. 
Iſt ſehr luſtig zu ſehen. Denn die Delfine helfen ihnen 
gleichſam fiſchen, und unterdeſſen faͤnget der Delfin auch und 
ſpeiſet ſich. Denn kein Fiſch im Meer iſt, der mehr die klei⸗ 
nen Fiſchlein friſt, denn der Delfin, darum er auch Caccia- 
tore di Mare (Meerjäger) genennet wird. Sie kommen 


gar nahe an das Land. | 


Canis Carcharias, Lamia, Tiburonus, Isl. Saackal 
(ab gade auide et ictibus more canino vorare, Gudm. 

Andr. Lexic.) Dan, Saafiſk, it. Bawkal. Gall. Requiem, 
Angl. Ihe white Shark. Martin Deſcript. of the Wett, Isl. of 
Scottland, p. 385 meldet, daß die daſigen Fiſcher die großen 
Heyfiſche Serhs, und die kleinern Sucks nennen. Martens 
giebt von den großen eine Beſchreibung in ſeiner Spitzberg. 
Reiſebeſchreibung, cap. 3. n. 8. und ſetzet, daß er 2 bis 3 
i] | G 4 Faden 


14 Nachrichten von Stande 


ber. Ihr Speck hat die beſondere Eigenfchaft an fi fi ch, 
daß es ſich lange haͤlt, und wie Schweinsſpeck haͤrtlich 
dorren laͤſſet; daher es von den Islaͤndern als Speck 
gedoͤrret, gebrauchet, und zum Stockſiſch gegeffen wird, 
Gemeiniglich kocht man Thran daraus. Die Le⸗ 
ber iſt ſo ungeheuer groß, daß man mit einer einzigen 
ein Qvartel (das iſt) ein Vaß von 64 Hamb. Stuͤbgen) 
anfuͤllen kann . Man kann auch noch aus dem duͤn⸗ 
nen Fleiſche des Unterbauchs dänne Riemen ſchneiden, 
welche wenn fie gedörret, und ein Jahr und etwas laͤn⸗ 


ger gehangen, daß alle Fettigkeit daraus gelecket, ſolcher 


geſtalt ſich zurichten laſſen, (als mich ein anſehulicher 
Kaufmann aus ben geh der vordem mehrmahl in 
Island geweſen, verſichert) BE fie sidmlig wie N 
gamen ſchmeckens 


gKuxvir 


Faden lang werden ſolle. Die beſte und zugleich anatomi⸗ 
ſche Beſchreibung aber hat man de em P. Feuillee Journ. d. 


Obſ. Phyf. Vol. I. p. 171 feq. et in Continuat. p 109 n dan⸗ 


ken. Eden dieſen, oder vielleicht etwas kleinern Fiſch nen⸗ 
nen die Norlaͤnder Zaakaͤring oder Haakierling. vid. Aut. 
Topogr. Norw. p. 115. et Ion Ranii Norriges Beſkriveiſe p. 
252. Weil derſelbe bey Nacht zum beiten ſtehet, und am 
meiſten anbeiſſet, wird er von Weynachten, wenn die laͤngſte 
Naͤchte find, mit einem Hacken an einer zweyelligen Kette, 


damit er das Seil nicht abbeiße, gefangen. Er hat eine ſehrn 


große Leber, aus deren einer bis 12 Pfund Thran gemachet 
Er Aus ſeinen Eyern, deren er in feinem Ovario viele 
hat, wiſſen die Norlaͤnder ſich gute Pfannkuchen zu machen, 
die fie Haakage nennen. Mul Reg. P. I. Sect III n. 6. 


Martin an eben iht angefuͤhrtem Orte gedenkt dal 
eine einzige Leber von einem großen Hay eine Pint Schotki⸗ 
ſcher, das iſt bey nahe vier Engliſcher Maaße Thran gebe, 
und daß der Orten ſolche Leber in einem Topffe, der halb voll 
Waſſer, gekochet, und waͤhrenden Kochen, der nach und nach 
aufſteigende und obenſchwimmende Thran abgelehnt und 
in ein Faß gethan werde. 


Wie ſonſt der Leberthran ermacht werde vid. not.” 5 10l. 


„ 


Nachrichten von Island. 105 

F. LXVII. Es laſſet ſich allhier auch löfters der Schwerbt⸗ 
Schwerdt⸗ oder vielmehr Saͤgefiſch, der das zackigte, fich. 
und faſt einem gedoppelten Kamme aͤhnliche Schwerdt 
vor dem Kopfe und uͤber dem Maul ſtehen hat, ſehen ! 5 
Noch hat mir Herr M K, welcher viele Jahre auf 
Weſtmann - oe gewohnet, erzehlet: daß es in daſigem 
Meere noch eine andere von den Seefahrenden alſo ge⸗ 
nannte Art der Schwerdfiſche gebe, welche ein dafür 
angeſehenes krummes Schwerd oder Saͤbel (ſo in der 
That mehr einem gekruͤmmeten Pfahl gleichet, und mit 
Fleiſch und Haut, wie eine andre Finne uͤberzogen iſt) 
am Ende des Ruͤckens ſtehen hat. Ich werde von dem⸗ 
ſelben in der Nachricht von Groͤnland an ſeinem Orte 
handeln. Indeſſen iſt verwundernswuͤrdig, daß die 
ſonſt ungeheure Beſtien, die Wallfiſche, wenn fie einen 
dieſer Art Jiſche vom weiten vermerken, gar aͤngſtiglich 
ſich gebärden, ſpringen und eiligſt davon fliehen; wie 
denn auch die Robben ſich gar ſehr vor ihnen fürchten. 
und oͤfters aufs Lands den Menſchen zuſpringen, um ib 
nen nur zu entgehen. Wovon mil, auch die Urſache 
gemeldet werden wird. 


[ 


$, LXVIII. Uebrigens ſetze ich si weiterer Unterſu⸗ Seebuln 5 
chung noch hieher v was ich von den Seebullen, Meer⸗ und Kuhe. 


ſtieren und Weerköhen aus dem Munde zwener zwar 
nicht Augen: doch Ohrenzeugen gehoͤret; nämlich daß 
dieſelbe mit dem Kopfe einem Ochſen, mit dem Leibe und 
Fuͤſſen aber einem Robben 4 5 e ahnlich fn 


Priſtis ſ Serra Pifeis Angl. Fe Sanfıf b. Willugbby. | 
Hiſt. Piſc. Lib. III. cap. 14. Mart. Spitzberg. Reife, cap. 6. 
n. 7 von ſeinem Gefechte mit dem Wallſiſche, vid. DionyL. 
defcript. cit. Tom. II. p. 268 eg. 


„Man kann hiebey von dieſem Strandgvͤg (Strand⸗ 
viehe) wie das Daͤniſche Bauervolk es heißet, nachſehen, was 
aus den Act. Med. Philof, Haunienf. e Iacob. in Mul. 
Reg. Dan. . I. Sec. 3. n. 49. 


ins | Nachrichten von Auland. 


und öfters mit ihrem Gebruͤlle verurſachen ſollen, sig die 
er mit 1 als 9 8 dem Schals nach⸗ 
laufen. 


Robben. F. LXIX. Bon den Role oder Seehunden 
werde ich in der Nachricht von der Straße FA: ein 
und anders beybringen. 


Lichſe. §. LXX. Von Suͤßwaſſer⸗ Stent ane 
ſonderlichs anzufuͤhren. 


| Ben Holm, in der Ellera, bey Kleppes, wie auch in 
andern tiefen Fioͤrden, in welche Auen, oder kleine Nie 
vieren aus dem Gebirge fallen, giebet es Laͤchſe, die ges 
gen die groͤßeſten Stuͤrzfaͤlle anſchwimmen, und ſich oͤf⸗ 
ters unglaͤublich hoch auf dieſelbe hinauf ſchnellen. Man 

ſetzet ihnen aber ſogenannte Lachskiſten, die aus dichte 
neben einander geſchlagenen Stacketwerken beſtehen, qver 
in den Weg, dadurch ſie zwar hinauf, aber nicht wieder 
zuruͤck nach der See koͤnnen. Wenn der Lachs zum fet⸗ 
teſten oder beſten iſt, ziehet man eine e Wade oder gemeine 
Art von Netzen durch den Fluß, und treibet ihn damit. 
Weil er nun nicht zuruͤck kann, ſpringet er, der eine hie, 
der andere da an den Seiten aus, und aufs Ufer; da ſie 
von den nebenhergehenden Bauren ergriffen, und ſolcher 
maßen zuweilen wohl 1 bis 200 Stuͤck gefangen werden. 


Schlangen §. LXXI. Schlangen verſpuͤret man auf der gan⸗ 
1 zen Inſel nicht. Doch gewiß nicht aus einer beſondern 
Eigenſchaft des Landes, ſondern weil dieſelbe wegen ihrer 
weiten Entlegenheit von allem feſten Lande dahin nicht 
wohl kommen, und vor der hieſelbſt herſchenden uͤberaus 
ſtrengen Kälte, die dieſer Thierlein Natur bekanntlich ild 

ſehr zuwider ift, allda nicht dauren können. 


auch wenig F. LXXII. Eben derſelben heftigen und 1 
Ungeziefer, gen Kälte nebſt dem Mangel an Bäumen und Buͤſchen, | 
ift es auch zuzuſchreiben, daß man von keinem oder nur 

| | (op gar 


Nachrichten von Island. 107 


gar wenigem Ungeziefer oder Inſecten weiß. Man 
wußte mir allein zu ſagen von Sausſpinnen, die ends 
lich leichte in den Haͤuſerchen der Inwohner fortkommen 
und von Stechfliegen, Pferdefliegen, (Oeſtris, Aſi- 

lis,) die fo gar in die Nafelöcher und an den innern Rand 

des Foraminis ani der Thiere ihre Eylein legen, und fie. 
da durch der Thiere Wärme ausbruͤten laſſen . Wann 

es geregnet hat, geben ſich gleich Regenwuͤrmer (lum- 

brici terreſtres) um die friſchgefallene Feuchtigkeit zu ih⸗ 
rer Erqvickung zu ſaugen in ſolcher krimmelnden Menge 

hervor, daß die Inwohner in dem Wahn ſtehen, es ha⸗ 

be dieſelbe geregnet. V 


§. LXXIII. Maͤuſe giebt es auch nicht viel: weil und Maͤuſe. 
ſie wegen der durchdringenden Kaͤlte und Mangel an 
Nahrung in der duͤnnen und mit Schwefel angefuͤlleten 
Erdlage, worunter ſogleich die Felſen ſind, nicht leben 
koͤnnen. Der Gottesacker des alten Kloſters Widoe hat 
dieſe Eigenſchaft an ſich, daß, wenn man Maͤuſe auf 
denſelben niederſetzet, fie alſofort auf der Stelle todt 
bleiben: geſtalten mein Erzehler ſolches zu mehrmahlen 
ſelbſt verſuchet und alſo wahr befunden zu haben bezeu⸗ 
gete. Es iſt aber gewiß genug, daß hievon keine Heilig⸗ 
keit des Orts aus chemahliger Catholiſchen Weyhung, 
oder einige laͤngſt vermoderte Lleberbleibfel der daſelbſt etz. 
wa begrabnen Heiligen, ſondern ſchlechterdinges ein da⸗ 
ſelbſt ſtaͤrker und dicker als anderwerts aufſteigender 
Schwefeldampf die einzige wahre Urſache fen . gen | 
DR) ) Ein. 


) 


—— 


Wie dieſe bis dahin unbekannt gebliebene Bruͤtungs⸗ 
art dieſer und dergleichen Fliegen ausgefunden, und mit allen 
Veraͤnderungen und Evolutionen umſtaͤndlich beſchreibet 
Valliſnieri Efper. e obſerv. intor. all Origin. de var. Inſect. 

p. 96 ſeq. und Racolt. di var. Tratt. p. ı ſeq. und Ragion. 
| 


int. all’ Eftro de. Buoi etc. 


5 5 * 
Hierinne beſtaͤrket mich das bekannte, dieſem ganz 
ähnliche Phaenomenon der Grotta di Cane bey Poꝛzuolo; 
worinne 


1 
e Nachrichten von Island. 


dieſer muß ja hier um ſo viel mehr vermuthet werden, 
als bey nahe uͤber der ganzen Inſel unter der obern Erd⸗ 
rinde der Schwefel ſich ganz ſichtlich ausgebreitet befin⸗ 
det: Wovon dieſem Kirchhofe Zweifels ohne ein groͤße⸗ 
rer Vorrath als andern Orten zu Theil worden. Wel⸗ 
ches von einem Naturverſtändigen entweder durch ein 
Licht, wofern es nicht zu gefährlich, oder durch den Ge⸗ 
ruch und Nachgraben ohnſchwer auf der Stelle wuͤrde 
ausfuͤndig zu machen ſeyn. Mein Erzehler hatte theils 
aus eigenem Triebe, theils auf Begehren guter Freunde 
verſchiedentlich einige Paͤcklein von dortiger Erde mit ſich 


nach Copenhagen genommen, aber befunden, daß ſie da⸗ 


felbſt den darauf gehaltenen Mauſen weiter die geringſte 


Beſchwerde nicht zugebracht: zum offenbaren Beweis, 


daß alles an den beruͤhrten Schwefelduͤnſten, die er nucht 
mit fortbringen koͤnnen, gelegen. i 


zn 915 §. LXXIV. Auf der Nordſeiten der Inſel ve man 
fe Jnſel oh von Medio Iunii bis ultimo Iulii den Sonnenkoͤrper 


ak nicht nur über dem Horizont, fondern, dem Augenmaße 
ſcheint und nach, deren untern Rand mehr als Mann hoch über der 


wann nicht. Oberfläche der See erhaben fehen. Sie ſcheinet um 


Mitternacht etwas groͤßer und fo roͤthlich, wie bey uns, 
wenn fie untergehen will, giebet aber fo viel Licht, daß 


man N völlig, wie bey it 25 kann. Im De⸗ 


cember 


| worinne ein 1 aus der Erde bis su einer kleinen Höhe, von et 


wan einem Fuſſe uͤber der Erde, etwas ſtark aufſteigender 
Schwefeldunſt an einem an dem Boden angedruckten Hunde 

oder andern lebenden Thiere eine gleiche Wirkung thut. Ray 
Obſerv. made in a Journ. tro Italy etc. p. 275. Dergleichen 
auch in einem Keller ohnfern des Brodelbrunnen zu Schwal⸗ 
bach D. Pechlin Lib. III. Obferv. Phyſ. Medic. 44. und der 
Graf Marſili bey Altſohl in Ungarn aus einer Erddruſe oder 
Schrunde angemerket, und dieſer letztere ſo gar mit einem 
Experiment eines ſolchen durch Kunſt nachgemachten Dunſts 
dieſes Fhaenomenon erläutert Bet: „ Tem. I. 

p. 94 feg. 


Pl; 


4 


Nachrichten von Island. 109 


cember hergegen und im Januario iſt ihr Koͤrper gar 
nicht ſichtbar, ohne daß man an den gegenſtehenden ho- 
hen Bergen zu oberſt einen kleinen Schein wahrnimmt, 
und man hat nur ohne Zweifel refractionis beneficio 
eine Dämmerung oder Tag von 17 bis 13 Stunden. 
Wobey zu merken, daß allhier ſowohl die Zu als Abneh⸗ 
mung des Lichts febr gehling, und wenigſtens um die Hälf⸗ 

te geſchwinder als in unſern ändern, zu geſchehen pflege, 


F. LXXV. In den langen Nächten genieſſen dieſe amor 
Leute einer beſondern großen Wohlthat Gottes an dem ike "MRS 
nunmehro bekannter werdenden, und öfter, als vor: 
mahls, auch uns, ja andern vom Nordpol noch weiter 
abgelegenen Landern ſich zu iedermanns Bewunderung 
darſtellenden Nordlichte. Allermaßen daſſelbe, wann 

die Tage abzunehmen beginnen, ſo fort ſich einſtellet, 

und, nachdem dieſe abnehmen, an Dauer und Glanz 
ſeinſeits zunimmt; ja den ganzen Winter hindurch ſtets 
leuchtet, mit den zunehmenden Tagen aber allererſt wie⸗ 

derum ſich verlieret. So oft die Luft von Schnee oder 

Regen rein, und nicht wolkicht, noch ungeſtuͤm, oder, 

mit einem Worte, wenn der Himmel fein ſternklar ift 

ſo erblicket man nach der Sonnen Untergang, und geen⸗ 

digter Dämmerung, fo fort dieſes Licht, welches bey nar 

he die ganze Nacht durch und zwar fo helle huͤpffet und 
ſpielet, daß es dem vollen Monde in ſeinem beſten Schei⸗ 

ne nicht allein gleich koͤmmt, fondern ihn mannigmahl 1 
noch uͤbertrifft. Es entſtehet daſſelbe iederzeit in Nor⸗ 85 
den, oder Nordweſten, und ſchlaͤget hinüber nach Suͤ z 
den: erfuͤllet zuweilen gar den ganzen Himmel. Des 
vorhergegangenen Tages Witterung mag geweſen ſeyn, 

wie ſie will, wenn auf die Nacht nur die Luft rein und 
ruhig iſt; ſo findet ſich das Nordlicht ein. Seine ger 
woͤhnliche Farbe ift weißgelbicht. 


Weil dieſes Licht ſo gar ofte erſcheinet, iſt leicht zu Ob man 


ermeſſen, daß man daraus nicht g wohl und richtig = 65 


( 


ſtehenden 
Witterung 


urtheilen 


koͤnne? 


Es erſchei⸗ 

net itzt oͤf⸗ 

ters als vor 
dieſen. 


10 Rachen von BEN 


auf das erfolgende Gewitter werde ſchließen können. 


Wenigſtens würden, ehe man dazu mit einiger Gruͤnd⸗ 
lichkeit kommen duͤrfte, noch viele, und mehr als eines 
Jahres, behutſamſt gemachte Anmerkungen, nebſt Be⸗ 


obachtung des Zuſtandes der Luft durch den Barometer 
u. ſ. w. dazu gehören; dergleichen die an dieſem Orte 


wohnende zu machen nicht im Stande ſind. Indeſſen 
iſt dahier die gemeine Sage und Meinung, daß, wenn 


dieſes Licht blaß und gelb ſcheinet, daſſelbe nachfolgendes 


truckene Wetter und Froſt; hingegen, wenn es roͤthlich 
ift, bevorſtehenden Regen und Wind andeute. Zum 


wenigſten ſoll dieſes gewiß ſeyn, wenn dieſes Licht gar 


ungemein ſtark ſich ſehen laͤßt und huͤpfet, daß alsdenn 


folgen pflege * 
Es ift mir ſehr merkwuͤrdig bogen bad die 


aͤlteſte Islaͤnder, wie ich glaubwuͤrdigſt berichtet worden, 


ſich ſelbſt uͤber die ietzige ſo haͤufige Erſcheinungen dieſes 
Lichts wundern und ſagen, daß man in vorigen Zeiten 


entweder heftiger Wind oder ſtarker Froſt darauf Bi 6 er⸗ | 


daſſelbe fo ofte nicht gefehen habe. Welches mir um 


deswillen allerdings Grund zu haben ſcheinet, weil man 


es auch vorhin in andern Gegenden Europ& bey weiten 
ſo oft nicht, als in ganz neuern Zeiten, zu Geſicht be⸗ 


kommen; da man doch nach der Mitte, und gegen das 
Ende, des vorhergehenden Jahrhunderts ſchon Geſell⸗ 


ſchaften der Wiſſenſchaften, ſowohl in Engeland, als 
Frankreich, und eee eifrige Sternkundige gehen 


Es iſt anmerkenswürdig, wenn in den Philofoph. 
Transactions N. 399 erwehnet wird, daß dieſer Nordſchein in 


dem Nordertheil von Engeland gemeiner ſey, als in andern 
deſſen Gegenden, und daſelbſt Streamers, Merry Dancers, 


oder Petty Dancers genennet werde; daß man auch Vor⸗ É 
bedeutungen des Wetters daraus nehme, vermeinend, wenn 


die Scheine gruͤnlicht ſeyn, daß ſie naſſes ſtürmichtes Wet⸗ 


fer, wenn ſie aber gelbe, klares und trucknes anzeigen. 


Be: 7 ER 
— 5 


Nachrichten von Island. 11 


die auf den Himmel alle Nacht fleißig ſpionirt, und doch 
dergleichen merkbare Luftſpiele ſo ſelten wahrgenommen 


haben. Vielleicht tragen die von mir erkundigte und all⸗ 


hier angefuͤhrte Umſtaͤnde in Zuſammenhaltung mit den 


uͤbrigen, die bereits im Druck find, etwas zu age | 


Einfiche dieſes Lichts bay 95 


So viel ſiehet man, deucht mich, klar und über: Woher 
zeuglich, daß daſſelbe nicht anders entſtehen koͤnne, als døffelbe 


von geſchwinden Entzuͤndungen vieler Schwefelduͤnſte, 
die gar hoch in der Luft, weil fie fo gar weit ſichtbar find, 
ſich zutragen muͤſſen. Daß ſich auch dazu in Norden 


Vorraths genug und überflüßig vorfinde, erhellet ſatt⸗ 


ſam aus deme, was ich von der Inſel Island und von 


entſtehe. | 


Ian-Mayen-Eiland im vorhergehenden frede Da 


nun die vielen feuerſpeyende Berge, die Erdbraͤnde, die 
warmen Waſſer, von den Gaͤhrungen, die in dem innwen⸗ 
digen dieſer Laͤnder vorgehen, zeugen: ſo iſt auch zugleich 
offenbar, daß von und aus denſelben die Schwefelduͤnſte, 
in unerſchoͤpflicher Menge, in die Hoͤhe beftändig hinauf 
geſchicket werden. Gleichwie aber in den warmen und 
heißen Climaten dergleichen Schwefeldaͤmpfe ſchon ſo 
fort nahe an der Erde, oder, wenn ſie nur ein wenig 
empor gekommen, ſich entzuͤnden und in Wetterleuchten, 
Blitze und Strahl auffahren: alſo ergiebet ſich von ſelbſt, 
daß dieſelbe unter dem Nordpol wegen der großen auf 
dem Erdboden liegenden Kaͤlte, mehrere Ruhe und 


Weile haben empor zu ſteigen, aber auch deswegen laͤn⸗ 


gere Zeit e ehe 5 viel eee Duͤnſte 
wieder 


Verhoffentlich werden wir von der Geſellſchaft zu Per 
tersburg mit der Zeit wie die meiſten und beften Anmerfuns 


gen, alſo auch die nechſt zutreffende Urſachen der Entſtehung 
von dieſem Feuerſpiel am Himmel zu erwarten haben: Ge⸗ 


ſtalt der Herr Mayer in dem erſten Tomo Commentar. 


p- 35: ſeq. dazu bereits einen ruhmwuͤrdigen Anfang ge⸗ 
macht hat. | 


| ) 


u * 1 — 


um Nachrichten von Island. 
wieder zuſammen getrieben werden, daß eine wirkliche SÅ 

Et geſchehen mag, bis endlich hoch in der At- 
moſphaere ihrer eine zureichliche Menge von allerley Gat⸗ 
tung zuſammen ſtoͤßet, welche durch eine feuchte Kaͤlte 
dergeſtalt zuſammen gepreſſet und verdicket werden, daß 
ſie in Brand gerathen, und wie ein cue kale 1 
len um ſich werfen, 

5 er $. LXXVI. Wie es denn auch aus eben dieſem 
sker und Grunde, meiner Vermuthung nach, herruͤhret, daß man 
frårfer „a8. allda den Sommer über keine, oder doch ſehr ſeltene, 
mer. hingegen im Winter deſto öftere und heftigere Donner⸗ 

wetter hat. N 
Viele Irr⸗ -Inmgleichen, daß man eben zu der Zeit, wann es 
lichter. ſchneyet, gar vielfaͤltig und häufig Irrlichter und Ignes 
lambentes ſiehet. Wozu auf einer Inſel, da man fo 
viel mit Seefiſchen und Thran zu ſchaffen hat, die Mar 
terie gewiß nicht gebrechen kann. Dieſe Flaͤmmlein 
pflegen an alle Staͤbe und Stoͤcke, an eiſerne Nagel, an 
Maſten, Rahen und Wand der Schiffe, an der Leute 
Huͤte und Mützen, woran fie nur haften konnen, ſich an⸗ 
zuhaͤngen. Und die einfaͤltige und feige Islander, (wie 
auch wohl anderwerts das dumme Volk), fuͤrchten fich, | 
ob fie gleich nicht zuͤnden koͤnnen, noch iemahls vor ihren 
Augen zuͤnden, gar ſehr dafuͤr: ja ſie machen, fo bald fie 
derſelben gewahr werden, die Thuͤre ihrer Wohnung ohn⸗ 
geſaͤumt und aͤngſtiglich zu, auf daß dieſes Scheinfeuer i 
ſich nach ihrem Herdfeuer nicht (wie fie vermeinen daß 
geſchehen koͤnne) hinziehen und damit beging mithin 
alles in Brand ſetzen moͤge. 


Nebenſon⸗ §. LXXVII. Am Ende des Sommers laſen ſi c 
am: öfters Ringe und Nebenſonnen (welche, wie man 
dort angemerket, allemahl von febr ungeſtuͤmen Wetter 
gefolget werden) am Himmel ſehen. Welches ja wohl 

nicht zu bewundern, weil hier die ganze Beſchaffenheit 

der Oberluft dazu fähig und „bequem it: es ſey, daß zu 

deren 1 


—, 


Nachrichten von Island. 113 


deren Darſtellung glatte Eisförmige Eistheilchen i in den 
Wolken, wie einige; oder cylindriſche Hagel, wie Hu⸗ 
genius, Wolf und andere vermeinen, erfodert werden. 


§. LXXVIII. Eigentlich haben die Islaͤnder nur Es find hier 
zwo Jahrszeiten, Sommer und Winter, welche ber Jahtczeſ, 
ſtaͤndig fort dauren, und ohne daß man die anderwerts ten. | 
zu ſpuͤrende gelindere Zwiſchenzeiten Fruͤhling und Herbſt 
vermerket, mit einander gaͤhling abwechſeln. Doch hat 
man mehr Winter als Sommer; und im Sommer / 
ſchneyet und hagelt es zuweilen. Es kann im Sommer 
dann und wann recht heiß werden, daß man alle Kleider 
wegzuwerffen genöthiget wird; allein fo dann folger in 
der Nacht darauf eine ſolche hefftige und durchdringende 
Kälte, daß man ſich nicht genug zudecken kann; und 
wenn man aufſtehet, findet man alles um ſich mit Schnee 
bedecket. Im Winter faͤllt viel Schnee, aber zum ſtaͤr⸗ 
keſten ſchneyet es mit Oeſtlichem Winde, da Land und 
Haͤuſer einander gleich gemachet werden. | 

Eine ungemein große Rålte pfleget ſich, wie ich be Bi größe 
richtet bin, nicht anders, als im Aprilmonat zu eraͤu⸗ im e 
gen. Vielleicht weil die Sonne zu ſolcher Zeit am laͤng⸗ 
ſten von dieſer Inſel entfernet geweſen, und etwa auch 
zugleich anhaltende Nordwinde wehen, die alsdenn mehr 
rere und fuͤhlbarere Eisparticuln * von dem weiter un⸗ 
term Nordpol belegenen Eisgebirgen herbeybringen. 

$. LXXIX. Daß auf dieſer Inſel allezeit viele Vin⸗ Von det 
de, und zwar unordentlich und veraͤnderlich ſich ſpuͤren m 
laſſen, wird wohl niemand Wunder nehmen, der ihre La⸗ rung. 
ge ein wenig in Erwaͤgung ziehet. Oefters toben dieſelbe 
gar entſetzlich, und preſſen und treiben die Wellen unglaubk - 
lich hoch. Mit Nordweſtwinden haben ſie (wenigſtens 
auf der Suͤdkuͤſte) fon Wetter, mit Suͤdweſt hingegen 
ſchlechtes, und aus Suͤdſüͤdoſt den meiſten Sturm. 

H. LXXX. 
Conf. Supplem. I. Annal. Wratislav. P. 71. 
| 2 


114 Ruchrichten o von Island. 


Von der §. LXXX. Ebbe und $luth * haben fe, wie an⸗ 
e dre in und an der Nordſee beffer herunter gelegene, zwey⸗ 
mahl in 24 Stunden, auch mit den uͤberall gewoͤhnlichen 
Veraͤnderungen nach den Wandelungen des Monden. 
Anbey ſoll dieſelbe ſo ordentlich und ſtark ſich verhalten, 
daß, wenn ſchon die Winde heftig wehen, dennoch des⸗ 
halben keine ſonderlich merkbare Veränderung oder Be⸗ 
ſchleunigung verſpuͤret wird. Die Fluth kommt aus 
Oſten, die Ebbe aus el DK gemeine Fluth ſtei⸗ 
get bis 12 Fuß hoch. 17 
Beſchaffen⸗ F. LXXXI. Das Seewaſſer ſoll, wie ich verneh⸗ 
j Geras me, bey Island viel geſalzener als beſſer herunter in der 
ſers. Nordſee ſeyn. Welches ſeinen Grund darin n haben kann, 
daß nicht allein durch die heftigen Froͤſte die See gar ſtark 
ausdunſtet “ ſondern auch ein großer Theil von dem 
Angeſalzenen Waſſer der Oberfläche in weite Eisfelder 
ſich ſammlet und gefrieret, uͤberdem noch ein Theil deſſel⸗ 
ben feiner Leichtigkeit halber durch die faſt beſtaͤndige hefz 
tige und trockene Winde verſtiebet und verwehet; daher 
das uͤbrige Waſſer, wegen der bey allen dieſen immer 
zuruͤckbleibenden ſchweren Salztheilchen nothwendig um 
ſo ſalziger befunden werden muß. Nicht anders, als 
wie unter dem heißen Weltgürtel dag Seewaſſer um des⸗ 
willen viel geſelhener Aeg als in linderen Gegenden iſt, 
weil 


ET den Jaländern, glod og Es db. i. gluth und 
Strand) den Norwegern, Slod og fiåre, und den Dänen; 
Flod og Ebbe genannt. 


* Siehe Wolfens Wirckung der Natur, 5. 250. Sim É 
migs Verſuch I Theil, 1. 4. 


* Ich folge hierunter den febr wahrſcheinlichen An⸗ 
merckungen der Engelaͤnder. Siehe Lowrhorp. Abridgm. Vol. 
II. p. 297. und des de Bruin in feinen Reizen over Moſcouu 
P. 401, obgleich der P. Feuillee das Gegentheil durch ſeine 
Waſſer Wage will befunden haben nach ſeinem e des 
Obferv. fait. en an p. I et 190. 1 


Nachrichten von Island. us 
weil allda die Sonne durch ihre uͤbergroße und ſenkelrecht 
auffallende Erhitzung eine gleichfoͤrmige ja noch ſtaͤrkere 
Wirkung an I RR leichten Theilchen des See⸗ 
waſſers in beſtaͤndiger und ſteter Ausduͤnſtung ausuͤbet. 
Die ietztberuͤhrte beſondere Salzigkeit aber hat gleichwohl 
auch ihren beſondern Nutzen. Denn ſie iſt, nebſt der 1 
beſtaͤndigen Bewegung und Spielung der See, welche 
durch die ſtets blaſende ſtrenge Winde, auch ſtarke Ebben 
und Fluthen erreget werden, die Urſache, daß das Eis 
an der Suͤd⸗ und Weſtkuͤſte nicht ſo dicke wird, auch ſo 
lange nicht dauret als anderwerts und hoͤher hinauf nach 
Norden. Wodurch die armſelige Inwohner, deren 
ganzer Lebensaufenthalt allermeiſtentheils vom Fiſchfange 
herkommen muß, dieſen Vortheil genießen, daß fie un 
ſo früher und im Januario ſchon dazu wieder gelangen, 
folglich gegen den unbeqvemern waͤrmern Monaten mit 
Zubereitung und Doͤrrung des gefangenen . MR 
fertig ſeyn koͤnnen. 


§. LXXXII. Die Inſel iſt für die Ingebohrne/ die Von dem hl 


von Kindesbeinen an der dortigen Witterung gewohnet den ei 


werden, recht geſund. Weil auch dieſelbe noch uͤber⸗ mate, und | 


dem von der Geburt an ſchlecht, und bey wenigem aufge: 0 Ein. 
bracht, und zur Haͤrtigkeit und einer beftändig rauhen, beseonfi: 


unmuͤßigen, ja ſaurer Arbeit vollen Lebensart genöͤthiget Mon 
werden: find fie von guten Leibeskraͤften und koͤnnen 
alles ausſtehen . Sie werden auch (als gemeiniglich 
diejenige Pflegen, welche in einfältiger Unbeſorgtheit, bey 
H 2 einerley 


N Mir faͤllt hierbey ein, was Caͤſar von den SvevisdeBel- 
lo Gall. Lib. UL cap. 1. ſagt: Neque multum frumento, ma- 
ximam partem lacte atque pecore vivunt, multumque ſunt 
in venationibus. Quae res et cibi genere et quotidiana 
exercitatione et libertate vitæ (quod a pueris nullo officio 
aut diſciplina aſſuefacti, nihil omnino contra voluntatem 
ræve es VSM alit et immani e magnitudine 
emcit 


j 16 Nachrichten von Island. EN: 


einerley fehlechter Koft, unter ſteten ſtarken Leibesübun 1 


gen ihr Leben hinbringen, ) nicht allein ſteinalt, daß man⸗ 
che bis an 100 Jahre kommen, ſondern genießen noch 
darneben eines muntern wirkſamen Alters, und wiſſen 


von den Schwach⸗ und Krankheiten, die dem Alter der 


anders Lebenden gemeiniglich ankleben, wenig oder nichts. 


Sie ſind durchgehends wohlgewachſen und haben 


ſchoͤne, weiße und geſunde Faͤhne; welches in ihrem Cli⸗ 
mat und bey der ſchlechten Koſt, die ſie genießen, hoͤch⸗ 
lich zu bewundern, aber ein gewiſſes Zeichen einer geſun⸗ 
den Leibesbeſchaffenheit ift, und außer allen Zweifel von 
der reinen Himmelluft, darin ſie leben, von ihrer guten 
Daͤuung, die durch die ſtetige ſtarke Leibesuͤbungen befoͤr⸗ 
dert wird, und daß ſie kein Salz noch Geſalzenes eſſen, 
herruͤhret. Die Weiber geben an Haͤrte und Staͤrke 
den Maͤnnern nichts nach. Gebaͤhren leicht, baden ſich, 
ſo bald ſie gebohren, und laufen gleich wieder davon. 


Sie ſind §. LXXXIII. Von Fiebern und andern dergleichen 


ande, Krankheiten håret man nicht viel”, und ich fehreibe es 


ten unters obbemerketen herrlichen Kraͤutern, den vortreflichen 


ber ſind we: Mineralwaſſern, die fie täglich ohnwiſſend trinken, den 
der Medici faſt ſtetigen die Luft reinigenden Winden, der reinen tro⸗ 


noch Chi" ckenen und daben lang anhaltenden Kälte, auch ihrer an⸗ 


Daͤuung zu. Daher weiß man von Medicis uͤberall nichts. 
Befaͤllt iemand eine Krankheit, ſo ift feine ganze Labung gute 
Milch, wie fie von der Kuhe koͤmmt, und alle Arzeney, 


die ihm gereichet wird, ein wenig Toback, den man ihn 
kaͤuen läffet, und ein reichlicher Schluck Brantewein, 


den 


P. Biden in feiner Antwort an die Koͤnigl. Engl. Ge 
ſellſchafft der Wiſſenſchafften in den Philofoph. Transact. 
No. III. p. 238. mercket an, daß die gemeinſte Land⸗Krank⸗ 


gebohrnen Haͤrtigkeit, nebſt der vorhin erwehnten guten 


heiten Colik und Auſſatz ſeyn. Welches ohnſchwer zu begrei⸗ 


fen, wenn man der Islaͤnder wuͤſtes Gefraͤß und unreinliche 
Lebensart in Betrachtung nimmt. e 


Nachrichten von Island. 117 
den Magen herzuſtellen. Chirurgos hat man, wenige 
ſtens ſo weit die, welche ich geſprochen, BAR und fo. 
viel ſie gehoͤret, vorietzo nicht einmahl. Die gewohnte 
Haͤrtigkeit macht, daß man ein vieles nicht achtet: und 
die Verletzungen heilen auch von ſelbſten dahier leicht, 
ohne Zweifel wegen der Kaͤlte und reinen Luft, welche 
die Feuchtigkeiten nicht ſo ſehr in Bewegung bringet, 
noch dergeſtalt zum kalten Brande befoͤrdert, als die dun⸗ 
ſtige und laue Luft in heißen Landſtrichen zu thun pfleget. 

$. LXXXIV. Dem Rinde wird uͤber acht oder hoͤch⸗Wie fie 

ſtens, wenn es etwa ſchwaͤchlich iſt, vierzehn Tage die a 
Mutterbruſt nicht gereichet. Nachher leget man daſſel⸗ bringen. 
bige an die Erde, und ſtellet darneben ein vermachetes 
Gefaͤßlein mit lauwarmer Wattick oder Molken, in wel⸗ 

ches entweder ein mit Zwirn umwundenes hohles Roͤhr⸗ 

lein oder dicker Federkiel geſtecket, und ein wenig Brodts, 
wenn mans hat, zur Staͤrkung des Kindes davor gele⸗ 
get wird. Wenn nun daſſelbige erwachet, oder ein Zei⸗ 

chen des Hungers von ſich giebet, ſo kehret man es nach 
dem Gefaͤße, und giebet ihm das Roͤhrlein in den Mund, 
daß es daraus nach Nothdurft ſaugen muß. Wenn ſie 
aber eines zur Taufe oder ſonſt einen Weg uͤber Land zu 
bringen haben, geben fie ihm einen zumpen in Wattick 
getunket in den Mund, damit es ſich daran ſaͤttige. Nach 
Verlauf 3 Jahren muß ein Kind, was die Aeltern ge⸗ 
nießen, ſchon mit eſſen. Von einwickeln, wiegen, war⸗ 
ten, weiß man gar nichts. Mit 14 Tagen ſtecket man 
das Kind ſchon in Hoſen und Wambe, und laͤſt es an 
der Erde liegen, und ſich welzen und kriechen, bis es von 
ſelbſten ſich aufrichtet und zu gehen beginnet. So ſorg⸗ 

los, ſchlecht, kuͤmmerlich, rauhe und unbeqvemlich wer⸗ 
den die armen Kinder von den erſten Tagen ihres fort⸗ 
daurenden muͤhſeligen Lebens an, gehalten, gewehnet, 

und gleichſam gehaͤrtet. Nichts deſtoweniger ſiehet man 
an den Islaͤndern durchgehends gerade Leiber und unver⸗ 
3 | renkte 


renkte Gliedmaßen, alfo daß es etwas ganz feltenes it, Å 


Von Zu: 
richtung the 
rer Speiſe. 


8 Gachehen von Sela. 


einen gebrechlichen Menſchen unter ihnen anzutreffen. 
Woraus klaͤrlich erhellet, wie vorſichtig und lebreich die 


Natur vor ſich wirke, wenn ihr nur gelrchſef und dm 
heit gelaffen wird, 1 0 | 


$. LXXXV. Ich habe vorhin überhaupt 791 85 


daß ihre Speiſe ſchlecht und ihre Gefaͤße unreinlich ſeyn. | 
Ich muß noch hinzuſetzen, daß die Zurichtung noch år 


ger, eckelhafter und kaum menſchlich herauskomme. Die 


Folge wird es uͤberzeugend darthun. Ihre tägliche Koſt ift 


bey dem meiſten Mann das wenige Fleiſch, fo an den ab⸗ 
geſchnittenen Kabbelau-Doͤrſch- und andern Fiſchkoͤpfen 
ſitzen bleibet. Dieſe, oder auch dann und wann ein 


paar Stuͤcke vom Fiſche ſelber, werfen fie, wenn fie da⸗ 


von eſſen wollen, ſchlechthin in einen Topf, thun ein wer 


nig Seewaſſers daran, und wenn fie kaum eine Weile 
gekochet, ſchlingen ſie dieſelbe, wie ſie gerathen koͤnnen, 


ohne Salz, geſchweige ander Gewuͤrz, begierig, hinab. 
Schaf und ander Fleiſch ſetzen die, fo es haben, in ein 


wenig ſuͤßen Waſſers uͤbers Feuer, und eſſens eben auch 
ohne Salg * und nicht ganz nicht halb gekocht. Ueber 
dem eſſen fie nichts, weder Fiſch, noch Fleiſch, friſch ges 


fangen oder ohnlaͤngſt getoͤdtet, ſondern werfen alles zu⸗ 
vor eine Zeitlang hin, daß es in etwas faulen muß; anders 
ruͤhret es die fuͤhlloſen Waͤrzlein ihrer Zungen nicht, ſon⸗ 


dern koͤmmt ihnen als ungeſchmackt vor. Selbſt ihre 


Feuerung vermehret noch die Abſcheulichkeit ihrer Spei⸗ 
ſe. Wenige haben etwas Turf: noch wenigere haben 
Holz, als welches ſie nur von den Baͤumen, die ihnen 


aus Norden und vermuthlich aus Rußland, wo ſie durch 
Sturm und leben etwan e worden, dann und 
TER wann | 


* Den Lappen gleich, die auch ales ohne Saltz effen. 
Scheffer. Lapponia cap. 18. Martiniere in itiner. a Se- 
ptentr. cap. 17. 


ges ö el, HRS * i ER: 
N 


>Z 


Nachrichten von Island. 119 


wann zutreiben, bekommen. Gemeiniglich brauchen fi 
allein Fiſch⸗Graͤten, auch wohl Knochen, mit einem Biß⸗ 
gen dicken Drußthran *, leichter zu brennen, begoſſen. 
Ihr niedlichſtes Gericht ift ein Schafskopf, davon fie al⸗ 
lein die Wolle abgeſenget „und denſelben alſo unter die 
Aſche ihres heßlichen Feuers zum Braten geſtecket haben. 
Maßen fie ihn, wenn er gahr, dergeſtalt mit Haut und 
allem, was daran iſt, bis auf die Knochen verzehren. 
Sie ſind allerſeits, wie die aͤußerſten Nordlaͤnder, ins⸗ 
gemein überaus große Liebhaber von Butter und 
Fett, bis ſo gar auf den thranigten Hayſpeck ja den 
Leber⸗ und Wallſiſchthran ſelbſt. | a 


$. LXXXVI. Weil fie felbften keinen Ackerbau OM Mangelam 
im „die meiften unter ihnen auch von dem durch die 
Daͤniſche Kaufleute eingefuͤhrten Mehl aus Unvermoͤ⸗ 
gen 5 kaufen koͤnnen: haben fie kein Brodt, ſondern 
8 beedie⸗ 


* Das it, Thranhefen. Denn unsere Leute nennen die He⸗ 
fen faex, Druß Holl Droeffem van Wyn, Olie etc. die Schweiß; 
Truſe, Weinhefen Truofina, amurca olei, Gloſſ. Florent, 
II. MSt. Biblioth. noftr. publ. AS. Dros, ſordes, Drosne, 
faex. Dieſes Wort ſtammet her von einer alten Deutſchen 
Wurtzel, davon ſich noch die Spur in des VIphil. verſion. 
Gothic. befindet. Bey demſelben iſt Drausj an ex alto deor- 
ſum praecipitare Luc. I, 52. und Draas Matth. VII, 27. oder 
Drej Luc. II, 34 caſus, it. ruina. 


Es ift merckwuͤrdig, daß die gar noͤrdlichen Volker alfe 
mit einander fo gern Fett eſſen. Von den Lapplaͤndern und den 
Groͤnlaͤndern ift dieſes etwas bekanntes Pechlin III. Obſ. Phyſ. 
Med. 38. Von den Wilden in Nord⸗ America berichtet ein 
gleiches Denys Hiſt. Nat. de l’Ameriq. Sept cap. 23 p. 362 
und der Jeſuit Laffitau in ſeinem Tract. Moeurs des ſauva- 
ges Amerig. comparés aux moeurs des premiers temps 

Tom II. p. 91 Be von den Srogvotfen und andern: Sie 
trincken das Oel von Bären, a oder Hayfiſchen, 
Aehle und dergleichen, ohne ſich zu befümmern, wie ranzig 
dieſes Oel oder Thran ſey geworden. Ja das Inſthlnt oder 
Talg id für fie ein rechtes Ragollt. 


AP 


120 Nachrichten von Island. 

bedienen ſich ſtatt deſſen des trocknen, etwan nicht wohl zun 

verkaufenden Stockfiſches *, doch ungekochet, und nur 

ein wenig geklopfet. Am liebſten effen fie ein Stuͤck ſol | 

chen Fiſches mit Butter (wenn ſie dieſelbe haben) oder 

in deren Ermangelung mit Hayfiſchſpeck, oder auch mit 

Thran oder Inſchlitt beſchmieret. Ein oder anderer 

macht ſich auch wohl aus einer wilden unter dem Graſe 
von ſelbſt wachſenden Kornart ein ſchlechtes für Auslaͤn⸗ 

der nicht zu eſſendes Brodt. | a, 


Von ihrem F. LXXXVIL Ihr Getraͤnke ift das Waſſer, 
Getraͤnke. welches fie, wie oben erwehnet, gar geſund und ange⸗ 
nehm haben. Abſonderlich wird das aus den Eis⸗ und 
Schneebergen durch die Kraft der Sonnen geſchmol⸗ 

zene und hervorfließende Waſſer von maͤnniglich geruͤh⸗ 

met *. Außer dieſem trinken fie Wattick en 

Mu i en. 


* Welcher auch der Lapplaͤnder ihr Brodt ift. Scheff. 
Hift, Lappon. pag. m. 194. wie imgleichen der Noͤrdlichſten 
Norweger Jons Lauriſſen Wolff Norrig. illufte. pag. 198. 
Haffre icke Brod altid, men for Broͤd bruge de toordkioͤd oc 
toͤr Fiſk, ſom de toͤrre udi Winden, oc det kalder de effter de⸗ 
wis Landwis Skerping: d. i. fie haben nicht allezeit Brodt, 
ſondern brauchen davor gedoͤrretes Fleiſch, oder gedoͤrreten 
Fiſch fo fie im Winde trocken machen, und nach ihrer Lan⸗ 
desweiſe heißen Skerping. Ein gleiches vermeldet auch 
Marc. Paul. Venet. von der Arabiſchen Provinz Aden, pag. 
163 flunt etiam ab incolis panes bisco@i ex pifeibus, idque 
in hune modum : Concidunt pifces minutim atque contun- 
dunt in modum farinae: et poftea commifcent et fubagi- 
tant quafı paftum panis, atque ad folem deficcari faciunt, 
et vivunt ipfi et iumenta ipforum de illis panibus fictitiis 
per totum annum. Alſo gedenket Gemelli Careri in feiner 
volage du Tour du monde Tom. II. pag. 319 von denne 
wohnern der Inſel Lundi und Augon im Sinu Perſico; qu ils 
n'ont de meilleur aliment, que des Sardines, ils les font 
ſecher au ſoloil et elles leur tiennent lieu de pain pendant 
toute Janne. | e 5 

Ich kan dieſes um fo eher glauben, da ich in der 
Schweitz im Grindelwalde aus eigener Erfahrung 1 
- | 1 daß 


— 


* 


| 


Nachrichten von Island. 1 


ken. Bier bekoͤmmt der gemeine Mann nicht zu ſchme⸗ 


cken, auch der bemittelte kan es aus Mangel der Keller 
vor der Strenge des Froſts in die Länge nicht halten, 
Einige Wohlhabende ſchaffen ſich zuweilen etwas Fran⸗ 
zoͤſiſchen Weins von dem Daͤniſchen Kaufmann für 
ihren Mund an. Weil ſie denſelben aber in unreine, ja 
öfters in ſolche Gefäße ſchuͤtten, darinn fie Wattich oder 


gar Thran gehabt, und ſolche vorher nicht recht reinigen, 


wirft er ſich bald um, wird truͤbe, dick und ſtinkend. 
Durchgaͤngig iſt ihr liebſtes Getraͤnk Brantewein: 
worin ſich jung und alt, Mann und Weib, aufs ſchaͤnd⸗ 
lichſte beſuͤlen oder beſaufen. Bey aller ihrer hoͤchſt be⸗ 
ſchwer⸗ und gefaͤhrlichen Arbeit zu Waſſer, oder zu Lande, 
ift dieſes ihr Troſt, Aufmunterung und Hauptzweck, daß 
ſie etwas fangen und fertig machen wollen, dafuͤr ſie dem⸗ 
nechſt bey Ankunft der Daͤniſchen Schiffe Brantewein, 


den beliebten Brantewein, eintauſchen koͤnnen. Wann 


ſie denn aber auch nunmehro ihres Wunſches gewaͤhret 
worden, hoͤren ſie nicht eher auf, als bis aller erhandel⸗ 


ter Vorrath verzehret iſt, und eher treten ſie auch ile | 


Berufs: Arbeit nicht wiederum an. 


$. LXXXVIII. Mit itzo erzehlter Bewandniß der Bon ihrer 


Speiſe und des Getraͤnks koͤmmt allerdings die Klei⸗ 
dung und Wohnung uͤberein. Jene beſtehet in gro⸗ 
ben Leinen, bey uns Packlinnen genannt, in einem 
ſchlechten wollenen felbft gemachten Tuche, fo Wad⸗ 


mel * beet, und in „ durch Beſtreichung 


5 mit 
daß bey ſtarker Abmattung und Durſt nichts ergvickenders, 


als das von den Gletſchern oder Eisbergen abſoͤckernde di⸗ 


cke Schmelzwaſſer ſey. Wovon auch mit kunſtmaͤßiger Bes 
urtheilung viel gutes faget Herr D. Scheuchzer Nat. Gefch, 
des Schweiß. Land. Part. III. N. 29. 


— 


*Isl. Vadmaͤl eft pannus ruſticus f. line Buril« 
lum Gudm. Andr. in Lexic. 


eidung. 


1322 Nachrichten v von Nala. ig i. 


mit Fiſchlebern ſtets geſchmeidig gehaltenen Leder. Von 
ihrer Tracht und Kleidung habe ich nur ſo viel bemer⸗ 
ket, daß Manner und Waber leinene Hembder oder vice 
mehr Unterſtruͤmpfe und Hoſen aus einem Stück tragen, 
die den Maͤnnern bis uͤber, den Weibern aber nur bis an 
den Nabel reichen. Oben uͤberher haben ſie Hoſen, wie 
auch Waͤmſer von Wadmel oder Scheſsſelel. Die 
Weiber tragen von Wadmel weite Kleider, faſt wie die 
itzigen Andriennes gemachet, und Unterroͤcke die vorne 
offen und nur mit Haͤklein geheftet ſind; uͤberher ein 
kleines Schuͤrzchen. Den Kopf 10 eine hohe von 
12 Ellen ſpitzig ſich aufthuͤrmende Binde, unten von Kr 
berm und darüber her von feinerm Leinewand, die um den 
Kopf, und zwar ie vornehmer eine iſt, ie dicker gewunden 
wird. Dieſer Aufſatz wird bey unverheyratheten zum 
Uinterſcheid vermittelſt einer Binde von Seidenzeuge un⸗ 
tenher um den Kopf befeſtiget. Die meiſten tragen vos 
the wollene Struͤmpfe. Die Schue des Manns⸗ und 
Weibesvolks ſind bloße um den Fuß geſchlagene und mit 
Riemen von Schafsdaͤrmen angeſchnuͤrte kappen von un⸗ 
gegaͤrbetem Leder. Worauf ſichs gen grug ge⸗ 
hen mag. | 


Von ihren F. LXXXIX. Die Wohnbäuslein i no klein und 
1 von ganz einfältiger Baukunſt. Man ſenket fie um meh⸗ 
; rerer Befeſtigung und Wärme willen einigermaßen in die 
Erde. Die vier Wände werden aus dem Grunde mit 
Steinen oder Felsſtuͤcken aufg ſetzet, und mit zwiſchen 
geſchuͤtteter Erde verbunden. Die Höhe derſelben iſt ge⸗ 
meiniglich 32 Ellen, die Länge 12 bis 14 Ellen, und die 
Breite ſo geringe, daß, wenn ein langer Mann in 
der Mitte ſtehet, und die Arme ausſtrecket, er mit den 
Spitzen der Finger gemeiniglich die beyde Seitenwaͤnde 
berühren kann. Oben auf wird ein ganz niedriges Dach 
von duͤnnen hoͤlzernen Sparren geſetzet, und darüber | 
' en Latten gehefftet, woran man ER Pe å 
eget 15 


Pi 
7 3 
r 


Nachrichten von Island. 13 


leget und befeſtiget, alles aber obenher mit gruͤnem Ra⸗ 
ſen bedecket, die im Fruͤhjahr bewachſen, und durch die 
kleine Wuͤrzelchen ſo feſt an einander ſich verbinden, daß 
ſo wenig von innen die Waͤrme heraus, als von außen 
der Regen und Schnee hineindringen kann. Vorne 
laſſet man eine niedrige Oeffnung zum Eingange, die 
mit einer ſchlechten hoͤlzernen Thuͤre vermacht wird, und 
im Dache ſechs oder ſieben Loͤcher zum Einfallen des Lich⸗ 
tes, in welchen kleine Tonnenreife mit einem Pergament 
ſtraff uͤberzogen, ſtatt der Fenſter eingeſetzet werden. Sie 
nehmen hierzu aber eigentlich die tunicas allantoideas von 
Ochſen oder Kühen bey ihnen genannt Hinne n: Und 
wird, ſo bald es ausgenommen, zuerſt auf ein Bret, ſo 
viel als man kann, ausgedehnet, feſt angeklebet und alſo 
getrucknet. Nachher durch Anfeuchten wieder abgeloͤſet, 
und endlich ſo ſtraff, als moͤglich, uͤber einen ſolchen 
Tonnenband als es beſchlagen kann, bezogen und befeſti⸗ 
get. Womit es zum Gebrauch fertig iſt. Auf die 

Nacht und bey vermerktem Ungewitter werden dieſe Fen⸗ 


ſterchen mit kleinen Brettern uͤberdecket. Die Beguͤter 


ten haben Glasfenſterlein, doch nur ein Paar im ganzen 
Hauſe, und in einem ieden derſelben nicht mehr als ſechs 

kleine Scheiben. An der einen Seitenwand wird die 
KLaͤnge her ein Geruͤſte von Brettern in folder Höhe von 
dem Boden feſte gemacht, daß das Rindvieh, zur Win 
terzeit, darunter geſtellet werden kann. Dieſes giebt 
8 ERTL Topp 


+ Conf. Bartholin. Ack. Med. Haffn. Vol. V. Obf. 45. 
Das Wort Sinne aber ift eigentlich Daͤniſch, und heißer auf 
Island. Sinna, vormals Zimna (vid. Gudm. Andr. Lexic.) 
koͤmmt, wie auch das Lat. Aymen und der Griechen uno 
von dem alten Zimen oder Simmen contegere her. Daher 

der Nordiſchen Voͤlker Binnen, Deutſch Simmel coelum 
omnia contegens, imgleichen BSimmet der Braunſchw. 
Bauern, und Hemmet der Holſteiniſchen, contracke Hemmt, 
oder Semde, induſium corpus proxime contegens herftants 
met, welches noch weiter koͤnte ausgefuͤhret werden. 


— 


124 Nachrichten von Island. 

die Bettſtelle für ſaͤmmtliche Hausgenoſſen, fo viel ihrer 
ſind. Maßen dieſelbe nur ein wenig Heu darauf ſchuͤt⸗ 
ten, und ſich darüber unter einer Decke von Wadmel, 
zuweilen mit Schaffellen gefuͤttert, faſennackt und derge⸗ 
ſtalt neben einander herlegen, daß wo der eine ſeinen 
Kopf, der, oder die andere neben ihm, die Fuͤße hat: und 
ſtehet nur allein ein kleines Bretchen, oder ein Stück einer 
einzeln Diele aufrecht, zur Abſonderung zwiſchen denen, die 
eben nicht beyſammen gehoͤren. Wie ſchoͤn dieſe Woh⸗ 
nungen werden meubliret ſeyn, laͤſſet ſich ohnſchwer von 
ſelbſt urtheilen, als auch, wie greulich es darinn ſtin⸗ 
ken muͤſſe. | | 

She 3 0 §. XC. Was aber bisher von der ſchlechten Nah⸗ 

ſchaffen⸗ rung, und der fo ſaͤuiſchen, als mühfeligen, nur einzig und 

heit. allein die Kraͤffte des Leibes uͤbenden Lebensart der Is⸗ 
Linder beygebracht worden, ift dergeſtalt beſchaffen, daß 
es bey dieſen thieriſchen Menſchen wohl gewiß keine ſon⸗ 
derliche Gemuͤthserhebung wirken kann. Alſo ſind ſie 
auch von Natur feige, und taugen durchaus nicht zu 
Soldaten: ja man bringet fie nicht dazu, daß fie ein gez 
ladenes Gewehr nur abſchießen. Die Koͤnige, ihre Her⸗ 

f ren, haben es zu mehrmalen mit ihnen ſowohl auf der 
Flotte, als bey den Landtruppen verſuchet, weil man ſie 
aber nirgend brauchen koͤnnen, fie allemal mit dem Abs 
ſchiede; daß fie zu nichts geſchickt, wieder nach if 
rer Heymath gejaget. Worzu bey denſelben noch 
koͤmmt, daß, ob man wohl vermeinen moͤchte: fie muͤ . 
ſten es uͤberall weit angenehmer, beqvemer und beſſer, als 
in ihrem Vaterlande, antreffen, fie dennoch eben fo ſehr 
als einig anders Volk vom Heimwehe geqvaͤlet wer⸗ 
den. Wie man denn Exempel hat, daß aus ſolcher 
Sehnſucht bey vielen nicht nur Erkrankung, ſondern gar 
der Tod erfolget , und zwar nicht nur allein bey ſol⸗ 

Ein gleiches erzehlet von den nicht viel beſſer lebenden 
Cappen Scheffer. cap. 3. und von feinen Schweizern Scheuch ⸗ 
| | ger 


] 


| \ 5 


Nachrichten von Island. 125 


chen, die zu dem beſchwerlichen Soldatenſtande genöthi- | 
get, fondern auch fo gar bey denjenigen, die von DK 
ſchen Kaufleuten mit heraus genommen und zur Hands 

lung angefuͤhret werden wollen. So ſtark iſt der Zug 

der Gewohnheit und die Annehmlichkeit einer unges 
zwungenen Freyheit. Nur ſchade, daß dieſelbe in dies 

ſem Lande, wie vorhin angefuͤhrt, gar zu unordentlich und 
zuweitſchweiffig iſt. Maßen ſie denn eben auch Urſache, 

daß die Islaͤnder von Herzen faul und eigenſinnig find, 

Sie arbeiten anders nicht, als aus Noth, und ſind von 

ihrer Landesmanier fo eingenommen, daß, wenn man ih⸗ 
nen auch beffere Arten, kuͤrzere Handgriffe, beqvemere _ 
Werkzeuge, zur Arbeit anbietet, ſie dennoch ſolche ſchlecht⸗ 

hin verwerfen, und bey dem alten halsſtarrig verbleiben. 


$. XCl. Daher laſſen fie auch nicht den geringſten Sie haben 

Trieb zu Kuͤnſten und Wiſſenſchaften an ſich ſpuͤren. Sr 0 
Zwar muß man nicht gedenken, als ob ſie von AN fe nen. 
ganz dumm und unfähig wären, Es ift vielmehr bes 
kannt, daß aus ihnen einige zu gelehrten Maͤnnern wor⸗ 
den, einige, die außerhalb Landes geweſen, fertig ſchrei⸗ 
ben und rechnen, in Gold arbeiten, To backsdoſen ma⸗ 
chen u. d. g. gelernet. Nur mangelt es ihnen an Luſt 
und Willen. Sie wollen bey dem allein, was ſie von 
ihren Aeltern und Voraͤltern machen ſehen, und wozu 
fie die aͤußerſte Beduͤrfniß treibet, ver bleiben. Indeſſen 
erweiſen ſie gleichwohl dabey ſich nicht ganz unvernuͤnftig 
und ungeſchickt. So weit es zu ihrer Nothdurft von 
noͤthen, iſt eine iede ai a ein Tiſcher, Zimmer⸗ 
man, Schiffbauer, Schmid u. ſ. f. auch ein iedes Wei⸗ 
besbild eine Schneiderin und Schuſterin. Dazu halten 
und fuͤhren die Aeltern ihre Kinder von zarteſter Jugend 
; auf 

ger Natur - Geſch. des Schweitzer⸗Landes N. 15 und 16, wo⸗ 
ſelbſt er zugleich aus den Gründen der Natur- und Arzeney⸗ 
wiffenfchaften hierüber, fo viel feine Landesleute Wee gar 
feine Gedanken aͤuſſert. 


Li 


Von ihrer 
Handthie⸗ 
rung. 


126 Nachrichten von Al 


auf ſelbſt an. Es zeuget auch meines Erachtens von ei⸗ ö 
nigem Geſchicke, wenn man aus ſchlechtem Stoffe mit 


unbeqvemen Werkzeuge alles, was man bedarf, zureich⸗ 
lich verfertigen kann. Von Feit⸗ oder Stundenrech⸗ 


nung wiſſen ſie nichts: ſondern richten ſich nur nach der 
Ebbe und Fluth *, oder wenn 150 e die 5 bevis EN 


nen, nach derſelben. 


117 XCIL Die gewöhrlichſte und durchgaͤngige Zn 
thierung diefer Leute beſtehet in dem Fang und Zuberei⸗ 


tung des Stockfiſches, oder, wo das Land dazu Gelegen⸗ 
heit giebet, in der Viehzucht. So viel den Fiſchfang 


und deſſen Furichtung betrifft, ift davon das merkwuͤr⸗ 


dige oben bereits angefuͤhret worden. Ihre Fiſcherböͤ⸗ 


the Maden fie aus Wagenſchott ir das ift, gar dünn i 
geſpal⸗ 


* Ohne Zweifel haben auch andere Nordiſche Voͤlker ſich 
darnach mit ihrer Zeitrechnung gerichtet: Und koͤmmts ver⸗ 


muthlich davon her, daß die Nieder⸗Sachſen Ebbe und Fluth 
de Tide, die Gezeit, und die Engelaͤnder Tide nennen. 


* Dieſe gantz dünne Brettlein werden von Eichbaͤumen 
en Und wird allhier die ſchlechteſte Sorte gemeinet, 
ie man zu Bekleidung der Waͤnde, wenn man ſie mit Tape⸗ 


ten beziehen will, und ſonſt gebraucht. Es giebt aber eine 


noch beſſere Sorte, die eigentlich von den beſten Wurzeln ge⸗ 


ſpalten, und weil ſie (wie das Wurzelholtz, oder Maſer, inge 
gemein ſchoͤnbunte Adern hat) von den Tiſchlern zum Furni⸗ 
ren, oder das Getaͤfel damit zu uͤberdecken genommen wird. Von 


dieſen bunten Adern kom̃t auch eben bey den Hollaͤndern u. Nie⸗ 
der deutſchen deſſen Benennung. Denn Wagenſchot heiſſet eis 


gentlich Wellenſchuß Waſſer ſchuß. Und die Bretter alſo: 


Lignum vndulatum maris erifpantis vndas imitans: womit 
Kilian. in Etymol. Teuton. Lingu. übereinftimmt, wenn er ſe ⸗ 


Bet: Naegheſchot eft lignum, quod fponte fluckuantis maris 


vndas imitatur. Haegbenſe horten, contabulare afferibus tigri- 
nis; veftire parietes rabulis. Muauge bey den Hollaͤndern, 
Wage bey den Niederſachſen, und Woge bey den Oberdeut⸗ 
ſchen ift Welle, fluctus maris, Mage, aqua Otfr. I, 3, 24. ago 5 


Vorago Glof. Rhab. Maur Mas fludtus maris Rhythm. G. S. 
Annen. g. 5. Hag, Vage Lacus Otfr. III, 9, 34. Tatian. Harm. 


cap. 


* 


j Nachrichten von Island. 127 
geſpaltenen eichenen Bretern, ſo leicht, daß ſie von zween 
Männern auf den Schultern koͤnnen fortgetragen wer- 
den: geſtalt fie allemahl, wenn fie wieder zu Lande kom⸗ 
men und daſelbſt verbleiben, genoͤthiget ſind, dieſelbe, 
um von der Gewalt der Seewellen nicht zerſcheitert oder 
weggeriſſen zu werden, ſo hoch auf den Strand hinauf 
zu ſchleppen, damit die nach Gelegenheit des Windes zu 
vermuthende Fluth ſie nicht erreichen kann, zumahl ſie 
weder Anker noch Draggen haben, dieſelbe zu befeſtigen. 
Wenn ſie ihr Schiff auf dem Waſſer eine Weile feſt ma⸗ 
chen wollen, bedienen fie ſich ſtatt eines Ankers nur bloß 
eines ſchweren Steins mit einem Loche, wodurch ein di⸗ 
cker Stock getrieben, denſelben laſſen ſie in den Grund 
fallen, damit das Schiff immittelſt durch die herausıar 
gende Enden des Stocks einigermaßen moͤge aufgehalten 
werden. Nur an einigen wenigen Orten haben fie et 
was feſtere und etwa ſo große Fahrzeuge, als die Hilge⸗ 
Lander Fiſcherever find, mit einem Maſtbaum und Se 
gel von Packlinnen. u 


N 
F. XCIII. Die Viehezucht macht ihnen, insgemein Pon der 
davon zu reden, keinen ſonderlichen Kummer. Die auf Viehzucht. 
Weſtman⸗oͤ jagen auf die nah gelegene mit Gras bes , 
wachſene kleine Inſeln ihre Schafe, damit fie diefelben, 
wann fie wollen, ohne Mühe wieder erhaſchen koͤnnen. 
Was ſonſt von der Viehezucht und dem Schlachten zu 
wiſſen, iſt vorhin zur Gnuͤge angebracht. | 


S. Nclv. 


cap. 19. Das Grundwort ift Wagan motitare, wovon bey 

VIphil. Wagid commotus eft, Waga eine Wiege, Cunae Otfr. 
I, 20, 26. und in Gl. Flor. II. Mt. Biblioth. Hamb. Wage, 
Jibra. ISI. Maga vehor, Wagn Wagen, carrus, wie in allen Nor⸗ 
diſchen Dialectis, Vogzer Gall. In neuern Zeiten Wegen. 
Norker. Pf. 3. ja ſchon Otfr. IV, 30, 13. Sie wegitan iro haubit. 
Luth. in Ep. ad Eph. Wegen und Wiegen, it. AS. Wegen, 
etc. ap. Somner. Sax. Wege, Germ. Wiege, cunae, wegen 
librare u.ſ. w. 


Br 4 
7 75 i 


128 | Nachrichten von Island. 


Wie ſie die F. XCIV. Jetzo will ich nur noch beyfügen, wie ſie 
en die abgezogene Felle nad) ihrer Manier und ohne vom 
Gaͤrben etwas zu wiffen, zu bereiten pflegen. 


Sie nehmen das Fell, wenn es noch warm und friſch 
iſt, ſchlagen es nach und nach uͤber ihr nacktes Knie, und 
ſchaben mit einem Meſſer die Haare, oder Wolle, davon 
ab. Welches zwar gar kuͤmmerlich, doch ſo geſchwinde 
und geſchicklich zugehet, daß man ſich daruͤber wundern 
muß. Hierauf heften ſie nur noch die abgeſchabete Haut 
ſo ausgedehnet und feſt als moͤglich an eine Wand, daß 
ſie windtrucken werde. Und damit iſt ihnen dieſelbe zu 
allerley Gebrauch ſchon beqvem und gerecht. Was fie 
gleichwohl von Leder und Pelzen am Leibe tragen, ſolches 
ſchmieren ſie alle 4 oder 5 Tage mit Fiſchlebern, die fein 
thranicht ſind, ein. Wodurch es zwar ziemlich geſchmei⸗ 
dig, anbey aber zugleich in ſolcher kraͤftigen Ausdämpfung 
erhalten wird, daß kein Dänifcher Kaufmann vornaͤm⸗ 
lich, wenn er das erſte mahl zu ihnen koͤmmt, ſie wegen 
des Thrangeſtanks, und uͤbriger Unreinlichkeit, um ſich 
dulden kann, ſondern, wenn er mit ihnen zu ſprechen hat, 
es unter freyem Himmel und über dem Winde fichend, 
verrichten muß. Wieder ein Beweisthum der gewalti⸗ 
gen Gewohnheit, daß dieſe Menſchen allenthalben und 
unaufhoͤrlich in ſolchem Geſtank und ſaͤuiſchen Wuſt le⸗ 
ben und gedeyen koͤnnen, darin zaͤrtlich erzogene ohnaus⸗ 
bleiblich gleich erkranken, ja vergehen wuͤrden. | 


Von ihrer F. XCV. Männer, Weiber und Kinder „wenn fie „. 
den gent, nicht beym Stockfiſch geſchaͤftig find, arbeiten an der 
Wolle und ſtricken Futterhembde, Handſchue, Struͤm⸗ 
pfe u. d. g. Im Lande hat man keine Weberep, als 

die, wodurch das W erwehnete Wadmel 2771 
chet wird. | 


Wie fie Das Walken geschieht ſclecht hin im warmen i 
walken. Uli, und zwar 1 muͤhſam als unfünftlih, Das Tuch 
a treten 


Nachrichten von Island. 
treten fie aufgerollet den ganzen Tag mit den Füßen: und 
Struͤmpfe oder Handſchue kneten ſie mit den Haͤnden 
eine gute Zeit durch. Es muß ein ſtarker und geuͤbter 
Kerl ſeyn, der in einem Tage ein Futterhembd oder drey 
paar Struͤmpfe fertig machen ſoll. Die Weiber, weil 
ſie keine Seife haben, waſchen mit Aſche und Urin. 
So wiſſen ſie auch mit Urin den Gruͤnſpan aus einem 
kupffernen Keſſel heraus zu ziehen, und damit zu farben. 


§. XCVI. Wer ſollte gedenken, daß dieſe Leutchen Von ihrer 
fo liſtig und betrieglich ſeyn konnten, daß man fi ich mit Ca 
ihnen im Kaufhandel vor;ufehen Ba? Und gleichwohl 
lehret es die Erfahrung. 


Um einen voͤlligen Begriff von ihrer gandelſchaft 
zu geben, muß ich ‚Sagen, daß die ganze Inſel vierzehn ſo 
genannte Siſchhaͤfen und acht Fleiſchhafen habe. 
Jene liegen im Norder⸗ und Ofters diefe im Suͤder⸗ und 
Weſtertheil derſelben. Beyde werden von Zeit zu Zeit 
vom Könige bloß an Kaufleute in Copenhagen verpach⸗ 
tet, welche dahin ihre Unterkaufleute ſchicken, auch 
wohl zuweilen ein und andern daſelbſt uͤberwintern laſſen. 
Dieſe ſind es, die mit den Ingebohrnen alle Handlung, 
die geſchieht, treiben. Und da die Fiſchhaͤfen, allwo gu⸗ 
ter Vortheil zu holen, leicht ihre Paͤchter finden; die 
Fleiſchhaͤfen aber, wo kein ſonderlicher Gewinſt zu ma⸗ 
chen, vor ſich allein unbeſuchet bleiben wuͤrden: ſo hat 
der Koͤnig, als ein gemeiner Landesvater, damit ein ieder 
was zu verdienen, oder ſeine Nothdurft einzutauſchen, 
Gelegenheit überfommen möge, die weiſe und heilſame 
Verordnung gemachet, daß ein Kaufmann, der zum 
pachten Luſt hat, zu 2 Fiſchhaͤfen allemahl einen Fleiſch⸗ 
hafen mit in ſeine Pacht nehmen muß. Wodurch die⸗ 
ſelben alle außer einen, den man auch beſt moͤglich zu ver⸗ 
pachten ſucht, an den Mann gebracht werden. Die 
Benachbarte der Fleiſchhaͤfen bringen dem Abgeordneten 
des Pachters zu ſeiner Zeit ihre Schafe zu Kauf: und 
3 zwar 


0 Nachrichten von ala. 


zwar ein gutes Schaf fuͤr 40 Fische ein ſchlechtes für 
weniger. Einige bringen auch Ochſen, doch nicht viele: 

und wird ein Ochſe, nachdem er gut ift, für 10 bis 15 
Schafe gerechnet, ein ſchlechter gilt nur acht. Dieſes 
Viehe laſſen die Unterkaufleute durch Islaͤnder ſchlachten, 
die dafuͤr den Kopf und das Eingeweide zu Lohn bekom⸗ 
men. Die Schlachtzeit iſt alle Jahr gegen Ende des 
Auguſt und Anfang des Septemb. weil alsdenn das 
Gras von der annaͤhernden Kälte beginnet gelbe und un- 
kraͤftig zu werden, mithin auch das Vieh wieder abzu⸗ 
nehmen. Das Fleiſch wird auf Daͤniſche Art einge⸗ 
hauen, geſalzen, in Tonnen geſchlagen, und nach Copen⸗ 
hagen oder ſonſt verfahren. Die Bauern der Fiſchhaͤfen 
verhandeln ihre gedoͤrrete Fiſche, als Flad und Haͤng⸗ 
fiſche den Unterkaufleuten gleichergeſtalt. Man nimmt 
ordentlich keinen andern, als von Kabbelau gemacht, in 
der Handlung an. Fals aber deſſen nicht genug gefan⸗ 
gen, muß man ihn auch wohl von Laͤngen und andern 
Fiſchen verfertiget in Bezahlung mit nehmen. | 


Wie die se- H. XCVII. Alle Bezahlungen geſchehen an die 
che Islaͤnder von den Dänen entweder durch die mitge⸗ 
brachte Waaren, oder mit baarem Gelde, deſſen gleich⸗ 
wohl wenig gebrauchet wird. Auf der Inſel gilt aber 
kein ander Geld als Species, oder Daͤniſche Kronen. 
An Stelle der Scheidemuͤnze bedienet man fi ic des N 
fiſches. 


Man kauft So werden auch alle Genet Kaufe und 1 
in dach delungen nach Fiſchen getroffen, und Buͤcher und Rech⸗ 


hirt na 


Fiſchen. nungen in Shen geführt *. Naͤmlich 1 Species⸗ 
Thaler 


ig Ich habe bh dieſer Gelegenheit zugleich vernommen 
daß man auf den benachbarten Feröiſchen Inſeln (woſelbſt 
der Koͤnig von Daͤnnemark an dem Hauptorte, und allgemei⸗ 
nem Marktplatze, Torshaven, einen Vogt und Landrichter 
haͤlt, auch weil keine Paͤchter zu haben, die Handelung das 
hin ſelbſt treiber, oder dieſe Inſel jahrlich mit dem an N 
igſten 


Nachrichten von Island. 13: 


Thaler gilt allemahl 48 Fiſche „und eine einfache Krone 

ift vom Könige geſetzet zu 15, eine doppelte zu 30 Fiſchen. 

Einen Fiſch rechnet man zu 2 Pfund, oder 2 Pfund 

ſchwer Fiſche machen allezeit einen Schilling Luͤbl. aus. 

10 Pfund nennet man eine Foͤhrung. Ein Ließpfund thut 

allhier 16 gemeiner Pfund. Ein Arbeitsmann bekoͤmmt 
10 Fiſche oder 10 ᷑. Lüͤbſch zum Tagelohn, u. f. w. 


S. XCVIII. Die Waaren, welche Island abgiebt Ausgehen | 
und die  ausgefihifie r n 


Haͤngfiſch. x 
Etwas gedörrefer Längen und Stifte. 

Geſalzen Schaffleiſch. | 

Etwas geſalzen Ochſenfleiſch. 

Klaren und braunen Thran von Bulfikben und | 

allerley Fiſchlebern. EN) | 

Etwas Butter und Inſchlitt. 1 
Viele geſtrickte grobe Struͤmpfe, Haudſchuen, Fut⸗ 
terhemde, Muͤtzen und dergleichen gewalket. 

Blaue Fuͤchſe. | | 
Schmaaschen, oder junge felt ik 


an | IS 
| Ey 


digſten von 8 aus berſehen laßt: ) auf gleiche BEL 
Weiſe handele und alles nach Skins, d. i. Schaffellen kaufe 15 
und rechne: naͤmlich ein Skin zu 4 i Dansk oder 2 ß Luͤbl. 
obgleich dieſelbe in natura nimmer gegeben noch genommen 
werden. Dieſer Gebrauch ruͤhret daher, daß dieſe Inſel faſt 
einzig und allein von ihren Schafen beſtehet, und derſelben 

allda eine fo große Menge ift, daß mancher Bauer wohl 2000 

Stuͤck beſitzet. Außer dem Schaffleifche, fo eingefalgen aus⸗ 
gefahren wird, liefert dieſe kleine Inſel auch eine große Men⸗ 

ge wollener Nachtfutterhemder und Muͤtzen, Gaͤnſefedern 
und Eiderdunen, imgleichen wollene Struͤmpfe; etwas Rothe 
ſchaͤr, Inſchlitt, Thran. Die Inwohner tragen keine Schue, 
fondern wollene Strümpfe mit fo dicken Sohlen, 755 fie dar ⸗ 
auf eine ziemliche Zeit laufen koͤnnen. 


2 | | Nachrichten: von nd: | | 


Eyderdunen. N 
Rohen Schwefel. 


Dif: Islaͤndiſche Waaren Fönnen in allen, Hafen des 
Königreichs Daͤnnemark und dazu gehöriger Lander soll 
frey eingebracht werden. 


Einkoms $. XCIX. Die einzubringenden Wa, die d=. 
Waaren, land brauchet, find: . N 
Eifen, | i Å 1) BØGH 
Holz. 5 [ RØR 
Kornbrantewein. i | 
Mehl. 
Wein. N BNG 
Salz. 1 
Grobe Leinen. 
Ein wenig Seidenzeug, ; 
und was fonft ein oder anderer Bemittelter für fr > 
ne Haushaltung begehren mag. ig 


welche nun Dieſe Waaren werden bloß allein von den Dänen, 
ben De Ausſchluß aller Fremden, eingebracht, und an die 
bracht wer⸗ Islaͤnder im Troc für ihre Landwaaren uͤberlaſſen: im⸗ 
den. maßen dieſelbe nichts mit baarem Gelde bezahlenz deſſen 


auch wohl ſelten viel haben. | i 


Die Bir Damit aber die Islaͤnder, welche ihre Nothdurft 
Kahn ec von niemanden, als von dieſen Pächtern haben koͤnnen, 
gewiſſe nicht etwa uͤbervortheilet, und nach Willkuͤhr gedrucket 
Taxe. werden moͤchten; ſo haben die Koͤnige von Daͤnne⸗ 
mark die gnaͤdige Vorſorge fuͤr ſie, daß ſie den Kaufleu⸗ 
ten von Zeit zu Zeit eine gewiſſe Taxam- vorfchreiben, 
wornach ſie jenen alle einfuͤhrende Victualien und Waa⸗ 
ren verkaufen und ſolche in keinem Stuͤcke fig 1500 Thl. 


Strafe uͤberſchreiten müffen. 


Gewicht u. F. C. Ich habe angemerket, daß allier alles Ge⸗ 


aim wi wicht und WMaaße auf den ene Sup ac # 
i BR. er 


14 


— 


— 


Nachrichten von Island. 133 


gehends eingerichtet ift. Welches eine offenbare Anzeige Hamburgis 
giebet, daß die Hamburger in vorigen Zeiten auf Island 55 
vornehmlich muͤſſen gefahren und den Handel erſt recht tet. 
daſelbſt eingerichtet haben. Wie ſich denn auch vormals. 
eine eigene Bruͤderſchaft der Islandsfahrer (welche 
Kopmanni obſeruantes Reiſas in Islandiam in den alten 
Documenten genennet werden) in der Stadt Hamburg 
befunden, davon bis itzo noch einige Ueberbleibſel vorhanden 
ſind. Itziger Zeit wollen die Dänen alle fremde Natio⸗ 

nen eben ſo wenig als die Hamburger dahin handeln laſ⸗ 
ſen. Doch findet ſich eine ziemliche Anzahl von Hollaͤndiſ. 
Schiffen, (welche die Dänen als Lorrendrayer tractiren) 
jährlich daſelbſt ein, die dem Bauervolke verſtohlener 
Weiſe den beliebten Brantewein und andere noͤthige 
Waaren zubringen, und dagegen guten Stodfifh und 
Thran wiederum eintauſchen . Dieſe ſchlaue Leute 
wiſſen, weil der Amtmann keine bewehrte Jagd beyhan⸗ 

den hat, und der Kaufleute Schiffe nicht Zeit haben, auf 

ſie zu lauren, allemal nach Willen durchzuſchleichen. Da⸗ 
mit fie auch ihre Unterſchleife deſto beffer verdecken, und 
noch mehrern Vortheil ‚ als fie etwa bey den Jeländern 
treffen, machen moͤgen; ſo liegen ſie zum Schein eine 
ziemliche Weite von der Inſel auf der See, und fangen 
Kabbelau, aus welchem ſie auf obangedeutete Art in ih⸗ 

ren Schiffen Labberdan machen, und damit nach Holland, 
zuweilen auch nach Hamburg, gehen. 


Fg. Cl. In Island wird nur einzig und allein die Die Reli 
Uebung der Evangeliſchlutheriſchen Religion ge kai 
ſtattet, und keiner von andern Bekaͤnntniſſen daſelbſt ge: 
duldet; außer daß einige wenige aus Catholiſchen Vor⸗ 
ältern noch herſtammende ein und andren aberglaͤubiſchen 
e beybehalten, ig: fie in geheim ausüben, 


e , een 


Sie treiben auch dergleichen verbotene Handlung all» | 
jährig auf der Sa! öeroe. | | 


/ 
/ 
Fa 


34 Nachrichten von Island. 
bine ke. H. CH. Die Inſel wird in zwey Biſchoffthuͤmer 


dleſiaſtica. eingetheilet; davon der eine Biſchoff zu Halar, der zwen⸗ 


te in Skalholt feinen Sitz hat %, Ben iedem derſelben 
iſt eine lateiniſche Schule und eine Druckerey, in welcher 
zuweilen ein geiſtlich Buch in der Landſprache gedrucket 
wird. Ein Biſchof hat jaͤhrlich 1200 Thaler, die ihm 
in Waaren angewieſen werden und er aus den Biſchoffs⸗ 
zollen, wozu ieder Bauer des Jahres 10 Fiſche ſteuret, 
zu empfangen hat. Andre Pfarrherren bekommen hoͤch⸗ 
ſtens nur 100 Thaler. Ja es ſind darunter, die nur 
4 Thaler zur Beſoldung genießen. Doch haben die 
Geistliche auch einen Antheil am Fiſchzehenden, wie⸗ 


[2 \ > 
Sn ee 


wohl mit vielem Unterſcheide. An einigen Orten befom: 


men ſie z, an andern haben fie in iedwedem Bothe, das 


zum Fiſchen aus lauft, zwey Loß, das ift eben fo viel, als 


ſonſt zweene der Fiſcher zu ihrem Antheil von dem Fang 


zu empfangen. Diejenige, welche fo wenig einzunehmen 
haben, daß fie dabey nicht auskommen konnen, muͤſſen 
auf gleiche Art, wie andre Bauren, ihr Brodt ſuchen, 
mit auf den Fiſchfang fahren, und ihren Antheil zu Stock⸗ 


ſiſch, damit ſie ihn verhandeln koͤnnen, machen. Wor⸗ 


inn i nen um fo weniger ein hartes wiederfaͤhret, weil 
ſie ja ſonſt in andern Dingen ſich dem Bauervolke ſo 


) 


Mon ihren F. CH, Bey dem fo offenbar armſeligen Zuſtand 
Kirchen. der Inwohner fönnen auch die Rirchengebaude nicht 


koſtbar ſeyn. Sie ſind auf keine andre Art als die ge⸗ i 


meinen Haͤuſer der Bauren gebauet, nämlich zum Theil 
in die Erde eingelaſſen, von Felsſtuͤcken auf einander ge⸗ 


ſetzet, 
* Hier kann man weiter nachſehen die vom Islaͤnber 


1 


Theod, Thorlac ſub præſ. ZEgid. Strauch. 1666 zu Witten⸗ 


berg de Islandia gehaltene Differt, Se&. I. th. 2. aus welchen 
ſonſt, weil fie aus andern Büchern und zwar ohne genugfamg 


oe nur ausgeſchrieben, wenig Troſtes zu erholen 
te ef. ; 


Nachrichten von IJsland. 35 


ſetzet, mit Erde ohne Kalk verbunden, mit Raſen gede⸗ 5 
cket. Selten find fie größer als die gemeinen Beſuch⸗ 
zimmer in unſern Laͤndern, und ſo niedrig, daß ein Mann 

ſtehend bey nahe mit ſeinen Fingern an die Decke reichen 

kann. Doch iſt dagegen zu erwegen, daß wegen der viez 

len und heftigen uͤber die Inſel faſt beſtaͤndig ſtreichenden 

Winde ſich nicht hoch bauen laͤſſet. Die Daͤnen haben 

es einſt verſuchet, und ein hoͤhers Gebaͤude uͤber der Er⸗ 

de auf einer ebenen Wurth, nach Daͤniſcher Art, von 
Mauerwerk aufgezogen. Allein den nechſt darauf er⸗ 
folgten Winter ift daſſelbe ſchon wieder von den Sturm⸗ 

viden darnieder geworfen, und man genöthiget worden 

nach Landesbrauch von neuen eine Kirche in die Erde 

zum Theil eingeſenket und fein niedrig, zu bauen. Das 
inwendige kommt mit den auswendigen vollkommen uͤber⸗ ] 
ein, und weiſet wenig oder nichts, das einer Kirchen | 
ähnlich wäre. Derjenige, welcher derſelben zu nechſt | 
wohnet, und gemeiniglich einige Aufſicht auf das Ge 
baͤude hat, ſtellet zur Belohnung fuͤr ſeine Mühe ſeine 
Kaſten und Unkrahm, wie man ſagt, hinein. Worauf 
waͤhrenden Gottes dienſt die Gemeine ſtat der Stuͤhle ſich 
ſetzet. Jedoch dieſes moͤgte leicht gut genug ſeyn, wenn 
man nur, wie von dem einfaͤltigen ſchlechten Weſen der 
erſten Chriſten, auch hier ſagen koͤnnte: bölzerneRirs 
chen, guͤldene Prediger! und der Hauptzweck der 
Kirchenhaͤuſer, naͤmlich der Unterricht und Wachsthum 
im Glauben und gottſeligen Wandel darin getrieben und 
erlernet wuͤrde. Allein ſo vernehme leyder, daß es da⸗ 
hier noch mit keinem Dinge ſchlechter, als mit dem lie⸗ 
ben Chriſtenthum bewandt ſey. 


| §. CIV, Die Geiſtlichkeit taugt, überhaupt zu re⸗ Befchaffens 
den, nichts. Die allermeiſten haben nichts geacnet, d e 
kommen ſelten weiter, als in die Biſchoͤfliche Schulen, 19 
und leſen kaum das Latein. Sind dabey hoͤchſt liederlich 
und dem Geſoͤffe des Branteweins ohne alle Maße und 
J 4 Scham 


36 Nachrichten von Island. | 
Scham ergeben. Mannigmahl koͤmmt der Pfaffe ſo 


trunken auf die Kanzel, daß er gleich wieder herunter 


ſteigen, und der Kuͤſter aus einer Poſtill der Gemeine et⸗ 
was vorleſen muß. Mannigmahl ſetzen ſich Lehrer und 


„Zuhörer (wie denn ſolche Exempel nichts anders als folde 


Folgen nach ſich ziehen koͤnnen) vor der Predigt ſchon 
mit einander in ſolchen Zuſtand, daß man den Gottes⸗ 
dienſt fur das mahl gar einſtellen muß. | Han 


Von Enie $. CV. Die Jugend wird wenig und nur auf eine 
Jugend. kurze Zeit zur Schulen geſchicket, vielmehr durchgehende 
von den Aeltern, ſo bald ſie nur ein wenig mit angreifen 
kann, daheime behalten, und zu allerley Haus - und ane 
derer Arbeit angewehnet: dabey aber zugleich durch jener 
ẘÿäüuͤſtes und heilloſe Vorbild zur en Nachfolge faſt 
unüberwindlich gereizet, und in Grund verderbet. Zwar 
nimmt man ſie wegen der vielen 1 in denen 

ſie ſtets auf der See unterworfen ſind, ſchon im achten 


oder neunten Jahr zum heil. Abendmahl mit. Allein 


mit welchem Unterricht und Vorbereitung, iſt ohnſchwer 
zu ermeſſen. Sk Un 


Laſter der §. CVI. Der ganze Haufe weiß alſo wenig von 
Alten. Gott und ſeinem Willen. Die meiſten ſind aberglaͤu⸗ 
biſch und leichtſinnig in Schweren: ſo daß mancher ſich 
kein Gewiſſen macht fuͤr ein paar Mark wider ſeinen 
naͤchſten Blutsverwandten einen falſchen Eyd zu thun. 
Sind zaͤnkiſch und boshaftig, rachgierig, haͤmiſch und 
tuͤckiſch: unmaͤßig, geil und unzuͤchtig, betrieglich und 
( diebiſch. Ja was kann man von Leuten, die ohne inner⸗ 


lichen Zaum, ohne rechte aͤußerliche Aufſicht, in der £ 


größten Ungebundenheit, in Wuͤſten und auf dem Meer, 
unter ſtetigen Gelegenheiten unvermerkt und folglich un⸗ 
geftraft ihre Begierden zu erfüllen dahin leben, annebſt 
an der fruchtbarſten Mutter aller Laſter, der Trunken⸗ 
heit, ſo gar ſtark, ſo beſtaͤndig und ſo durchgaͤngig liegen 
und ſaugen, N für Untugenden vermuthen ? Ich ger. 

ſchweige 


75 


* 


Nachrichten von Island. 17 
ſchweige was zuweilen ex rationibus politicis nachgeſehen 
wird, oder allhier werden muß, ſo mir zu beurtheilen 
nicht gebuͤhret. Nur eines Vorfalls zu gedenken: hat 
es vor nicht gar langen Jahren, als die Inſel durch eine 
anfaͤllige Seuche, oder klebende toͤdtliche Blattern bey 
nahe ausgeſtorben geweſen, ſich zugetragen, daß man zu 
deſto geſchwinderer Wiederbevoͤlkerung derſelben, weil | 
nicht gar viel aus andern Koͤnigl. Landen dahin zu ziehen 
zuſt bezeuget, den Mädchen nachgelaſſen, ihr Vaterland 
bis mit ſechs unehelichen Kindern, ihren jungfraͤulichen 
Ehren ohnbeſchadet, zu beſeligen. Jedoch weil dieſe 
gutwillige Creaturen ſich gar zu milde und faſt verſchwen⸗ 
deriſch erwieſen, hat die Obrigkeit ſich bald genoͤthiget ge⸗ 
ſehen, ihrem ſchaͤndlichen Eyfer Einhalt zu thun, und 
ſich dazu, wo ichs glauben darf, einer dem Verbrechen 
ähnlichen Strafart, die ich nicht ausdrucken mag, zu ge⸗ 
brauchen. 


8. CVIL.: Ihre Seyrathen belli fü e ihren Hochzeit 
Gemuͤthsneigungen und Umſtaͤnden nach, mit wenig ge 
Ceremonien, Braut und Bräutigam werden von den 
beyderſeitigen naͤchſten Anverwandten zur Kirchen gefuͤh⸗ 
ret, und daſelbſt von dem Prieſter zuſammen gegeben. 
Darnach treten dieſe drey oben in der Kirche an die Wand | 
hin: neben welchen die Verwandte zu beyden Seiten ſich 
ſtellen. Die Braut laͤſſet ſich einen Becher mit Branter 
wein geben, (denn keine Zuſammenkunft, vielweniger 
eine dergleichen feyerliche, kann von ihnen ohne dieſes 
über alles geſchaͤtzte herzerfreuende Naß gehalten werden 

und bringet denſelben ihrer naͤchſten Nachbarin zu, der 
fie zugleich durch muntere Ausleerung deſſelben ein aufer⸗ 
weckliches Beyſpiel giebet. Der Braͤutigam thut ein 
gleiches auf ſeiner Seiten. Und damit gehen die Be⸗ 
cher fo lange rum, als man fie in der, Hand, und ſich 
felbſt auf den Beinen Wa kann. 


ame 


\ 


Sie find 
en aber 


Schach⸗ 
Sa 


| 
Von ihrer 
Art zu tan⸗ 
zen. 


Ven dem 
Civilregi⸗ 
ment. 


s Nachrichten von Island. 
$. CvIII. Weil fie, wenn die Fiſchzeit vorben, man? 


che muͤßige Stunde, und viele lange Nächte haben, aber 


nicht gern mehr, als unumgänglich, arbeiten moͤgen: ſo 
legen ſie ſich aufs Spiel, abſonderlich aufs Schachſpiel: 


worin ſie, wie ihre deshalb gar beruͤhmte uralte Vorfah⸗ 
ren, annoch große Meiſter ſind: auch auf ein gewiſſes 


. 


Kartenſpiel, deſſen eigentliche Beſchaffenheit ich, we⸗ 


gen beywohnender Unerfahrenheit i in dergleichen Dingen, 
nicht wohl begreifen koͤnnen. 


§. CIX. Das Tanzen, wovon fie große iebhaber 


ſind, geſchieht auf eine altvaͤteriſche einfaͤltige Art. Mann 
und Weib ſtehen gegen einander und huͤpfen und fallen, 


ohne die Stelle zu veraͤndern, wechſelsweiſe von einem 
Bein auf das andre, entweder nach dem Geſange der Al⸗ 


ten, (die in angenehmer Zuruͤckerinnerung voriger Zeiten 
der Jugend nunmehro darunter mit Luſt an die Hand ge⸗ 


hen,) oder nach dem Geſchnarre eines ſchmalen Inſtru⸗ 
ments mit vier Sayten, die mit der einen Hand gedruckt 


und mit der andern geriffen werden. 


$. cx. So viel endlich das weltliche Regiment 
anbelanget, davon ich nach meinem gegenwaͤrtigen Zweck 


nur aufs kuͤrzeſte Erwehnung thue: ſo hat Ihro Koͤnigl. 


Maj. von Daͤnnemark, als Landesherr, allhier einen 


weſen ift, der ſich dieſes anſehnliche Amt zur Gnade oder a 
Belohnung fuͤr geleiftete Dienfte ausgebeten hat. Es 
wohnet derſelbe auf der Weſtſeiten zu Beſteſtet Kongs- 


Amtmann; welcher iedoch kein Edelmann, ſondern ge⸗ 


meiniglich nur eines großen Miniſtri bey Hofe Secreta⸗ ; 
rius, oder ſonſt verdienter, oder beliebter Bedienter N 


> 


gaard und hat 400 Thaler Species jährlich vom Koͤni⸗ 


ge, und darneben an zufälligen Einkünften noch mehr 


als einmahl fo viel zu genießen. Er iſt der oberſte Rich⸗ 


ter in Ciuilibus und Criminalibus. Naͤchſt dem Amt⸗ 


mann ift der Rönigsvogt, der an einem Orte mit ihm 
wohnet, und N 200 Thaler Beſoldung ziehet. 
| DIV) 


ofür | 


Nachrichten von Island. 39 
Wofür er alle Pachtgelder und andre Einkuͤnfte des ganz 


zen Landes fuͤr die Koͤnigl. Kammer einzuheben und zu 


berechnen hat. 


S. CK. Die Pachtungen aller Häfen belaufen Wie hoch 
ſich jährlich auf zwanzig tauſend Speciesthaler und die Konigske⸗ 
Miethen, welche der König von gewiſſen ihme zuſtaͤn⸗ venus aus 
digen Gebäuden hat, betragen noch acht tauſend Thaler. nel 
Von einigen Landſtrichen bekoͤmmt der König auch J von 
dem eingefuͤhrten Fiſchzehenden. Ueberdem giebet ein 
ieder Unterthan, der uͤber 20 Thaler (es ſey wenig oder 
viel) im Vermoͤgen hat, an den Koͤnig des Jahres eins 
für alles 40 Fiſche. Ferner find drey Low⸗ men 
Landrichter oder Schulzen, (Landsdommer bey den Där - 
nen) deren iedweder ſeinen Landſtrich oder Amt, und noch 
vier und zwanzig Syslomen * davon ein ieder ein 
Dorf oder kleines Gebiet unter ſich hat. Dergleichen 
bey den Daͤnen Herredsdommere genennet werden. 


§. CXII. Die Richtſchnur, wornach geurtheilet Von ihren 
wird, ift ein altes in Islaͤndiſcher Sprache abgefaſſetes Geſetzen. 
Å er Rechts 
* Isl. Coymadr. Goth. Loegmadr. St. Ol. Saga c. 70. 


ap. Verel. Index Prouincialis. Suec. Lagman, und Bayſaga 


eft diſtrictus vel iurisdictio prouincialis Iudicis ap. eund. Ve- 


rel. Es heißet Rechtsmann, oder Richter, der das Recht 


ſpricht vom Lag, Lage, ſo bey den Goth. Suec. Lex, Ius, 
Statutum heißet, und von den Dänen Low ausgeſprochen 
wird. A. S. Laga, oder Laha, lex, Lagu, ius. Lag - breca, 
transgreflor legis, Lahbrice (Geſetzbruch) legis violatio. 
Lab-man legis peritus etc. apud Somner. Vocab. Ang Sax. 
Welches alles von dem Stammwort Legen, ponere, impo- 
nere herkoͤmmt, und iſt Lage, Auflage, Satzung, die Ver⸗ 
ordnung, das Recht, welches die Obrigkeit den Unterthanen 


aufleget, daß ſie ſich in ihrem Thun und Laſſen darnach richten 


ſollen. | 
** Isl, Syslu⸗madr Toparcha, von Sysla, Prouincia, 


Officium. Gudm. Andr. Lexic. welches herſtammet von 


Sysla, curare, beſorgen, verwalten, Olau: Sag. - C. 58. 
ap. Verel. in Indic. KEN: EN 


1" 


140 Nachrichten von Island. 
Rechtsbuch oder Statutum *, das fo genannte Thriſtna⸗ 
Raͤtten oder jus Eccleſiaſticum und Storndommen, 

e RS Mae | oder 


Welches von dem Norwegiſchen Koͤnige Magno La- 
gabaeter (d. i. Geſetzbeſſerer) gegeben, annoch in der Iten Is⸗ 
länsifchen Sprache geſchrieben von dem Loyſaga (Rechts ⸗ 
fprecher) Iona im Jahr 1280 oder 1281 nach Island hinüber 
geb acht, und eingeführet (von welchem es noch Jons - bok, 
Codex Jonae genennet wird auch endlich zu Skalholt gedruckt 
worden. Vor welchem gleichwohl noch aͤltere Geſetze daſelbſt im 
Gebrauch geweſen ſeyn ſollen, die einer Ifiotus (etwa ums Jahr 
925) gegeben hat Vid Arii Thorgilſis filii cognomento 
Froda i. e. Polyhiftoris Schedas cap. III. ibique Buſſaeum 
in Not. Es iſt aber bey dieſer Gelegenheit zu merken, daß 
die itzige Islaͤndiſche Sprache bey weiten nicht mehr ſo rein, 
als die alte ſondern mit vielen Norwegiſchen und Daͤniſchen 
Woͤrtern, Endigungen und ſo weiter vermiſchet ſey Sonſt 
weis man daß die alte Nordiſche Sprache (Noroͤno Malo, 
oder Noraͤnu Tongu) man nenne fie mit O. Sperling. in 
Comment. de lingua Danica, den Herren Daͤnen zu gefal⸗ 
len die Altdaͤniſche, oder mit Verelio und andern Schwedi⸗ 
ſchen Herausgebern und Auslegern der verfchiedenen alten 
Saga, die Altgothiſche, (Gautamaal) und Altſchwediſche, am 
allerlängften in dieſer entlegenen Inſel und in Feroe ſich in 
ihrer alten Reiniskeit, ohne Vermiſchung mit neugemachten, 
oder fremden Worten und Redensarten, erhalten habe. Vid. 
Worm Literatur. Runica cap. 27. p. 137. Daher zu bedauern, 
daß fie in neuern Zeiten, und abſonderlich nach dem vorhin 
erwehnten großen Sterben, durch Einfuͤhrung vieler Fremden 
einen faſt toͤdtlichen Stoß bekommen, auch taͤglich noch durch 
den ſtetigen Umgang mit den Daͤnen, als ihren Obern, mehr 
und mehr verdrungen, oder verbaſtartet wird. Wer die Ur⸗ 
ſpruͤnge und Ableitungen, die eigentliche Bedeutungen und 
den bewundernswuͤrdigen Zuſammenhang der itzigen Nordi⸗ 
ſchen Sprachen etwas tiefer eingeſehen, der weis, was die 
wenigen Ueberbleibſel, die man noch von den alten Islaͤndi⸗ 
ſchen oder Nordiſchen hat, fuͤr ein beſonders Licht dazu an⸗ 
zuͤnden. Sie iſt nicht allein der Schluͤſſel zu den Runiſchen, 
Gothiſchen (in fo fern dieſe nicht an ſich Islaͤndiſch find) 
ſondern auch in gar vielen zu dem Norwegiſchen, Daͤnſſchen, 
Schwediſchen, und weiſet viele verlohene Wörter und die 
Verwandſchaft mit denſelben in der Nieder⸗ und RN j 
| e Hol. 


/ 


— 


— 


Nachrichten von Island. 141 


oder Richterbuch, ſo von Friderico II. confirmiret wor⸗ 
den, nebſt einigen neuern Koͤnigl. Reſcriptis. Cs fol 
aber der hoͤchſtſel. König Fridericus IV. gewiſſen er⸗ 


fahrnen Perſonen aufgegeben haben ein neues Geſetzbuch 


zu verfertigen, und alles auf den Norwegiſchen Fuß 
(worauf Sr. Majeſt. es der Uniformitaͤt halber wollen 


geſetzet haben) zu richten. Womit es aber noch nicht bis | 


zum Stande und Richtigkeit gekommen. Immittelſt 
ſprechen die Richter nach ietzt angezogenen Rechten ſol⸗ 


chergeſtalt, daß ſie, ſo viel die Erbfaͤlle, und liegende Gruͤn⸗ 


de, abſonderlich die Stammguͤter betrifft, nach dem tom 
buche, in geiſtlichen Sachen meiſtentheils nach dem 
Chriſtna⸗Raͤtten, und in uͤbrigen auch in den Forma⸗ 
lien und Malefizfaͤllen, nach dem Codice Chriftianeo 


und Stora Dommen, ſonſt aber nach den von Zeit zu 


Zeit ergangenen Koͤnigl. Reſeripten, Edieten und Lan⸗ 


desgebraͤuchen, ſich richten, welches ohne Confuſion 


nicht abgehen kann . Doch wird es allem Vermuthen 


nach | 


Hollaͤndiſchen, Angelſaͤchſiſchen und Engliſchen Sprache, ja 
fie zeiget oft mehr, als man meinen follte, die Verwandſchaft 
aller itzterwehnten Mundarten mit den Aftatifchen Sprachen. 
Denn fie iſt die Aſamaal, oder die Sprache, welche die Afae 
unter Othino u. ſ. w. aus Aſien ſich mit nach Norden gebracht: 
wovon ein beſonderer und gar viel in receſſu habender locus 
aus dem Cod. Reg. Dan. Eddae Islandicae von D O. Sper- 
ling. cit. commentar. p. 38 angeführet wird. Add. Perings« 
kiold Not. ad Vit. Theodoric. Reg. Gothor. p. 353 ſeq. Um 
ſo mehr aber waͤre wohl zu wuͤnſchen, daß man ein recht⸗ 
ſchaffenes und vollſtaͤndiges Dickionarium von dem alten 


Islaͤndiſchen hätte, oder daß wenigſtens das in der Koͤnigli⸗ 


chen Bibliothek zu Copenhagen befindliche aus verſchiedenen 
Voluminibus in Fol. beſtehende Dictionar. MSc. Islandic. 


(woran, wie ich vormals von dem ſel. Baron von Sparwen⸗ 
feldt vernommen, ein paar Buchſtaben fehlen ſollen) annoch 


ganz waͤre, oder wieder ergaͤnzet werden koͤnnte: ſo wuͤrde 


man gewiß in dieſem Stud gar viele bis hieher unglaubliche 
Dinge der gelehrten Welt vor Augen zu legen im Stande 


ſeyn. eee AE GER 
Es ift ohnſchwer zu ermeſſen, daß es nicht 5 
0 ſeyn 


/ 


Von To⸗ 
des 19 10 5 
und we 

1 ak 


nes e 
tet. 


Concluſio. 


142 Nachrichten von Alu 


nach hier im Lande unter den Ingeſeſſenen, wohl nicht . 
viele wichtige Proceſſe geben. Zwiſchen den Bifchöffen und 


Koͤnigsvoͤgten hat man vor dieſen etwa einen oder andern 
gehabt, welche durch Appellation unmittelbar an den 


Koͤnig gediehen. Dergleichen Appellationes aber e ; 


ſehr ſelten und koſtbar ſeyn. 


F. CXIIL Die Execution beydes in Malefiz⸗ 10 
e Civilfaͤllen verrichten die Unterrichter ſelber. Das 
Foͤpfen geſchieht mit einem Beil. Das Saͤngen an 
einem großen Brecheiſen oder ſo genannten eiſernen Baum, 


welcher in eine Ritze einer Klippen feſt eingeſchlagen, und 


der Miſſethaͤter daran geknuͤpfet wird, der gemeiniglich 


eine gute Weile zappelt, ehe er ſeinen Geiſt aufgiebet. 
Die Weiber, welche das Leben verwirket e wer⸗ 


den alle geſaͤcket. 
$. CXIV. Zum Beschluß will 10 eine Erzehlung 


von einem Islaͤnder von 14 oder 15 Jahren, den Herr 
M- r einſt mit herausgebracht, hier anfügen, um zu zei⸗ 


gen, wie dieſe Menſchen ſich gebaͤrden, wenn ſie gleich⸗ 
ſam in eine neue Welt verſetzet werden. Dieſer junge 


Menſch, als das Schiff nahe bey der nicht weit vom 
Munde der Elbe gelegenen Inſel Hilgeland. welche das er⸗ 


fie Sand. geweſen, fo ſie nach der Abfahrt von Island zu Ger 


ſichte bekommen, vorbey geſeegelt, hat die Kirche und Haͤu⸗ 


1 allda für fo viel Klippen oder Felſen angefehen, und 
ſich nicht bereden laſſen wollen, daß dieſelbe von Men⸗ 


ens verfertiget waͤren. Als er in Gluͤckſtadt an⸗ 
gelanget hat er nicht 2 5 was er aus den Haͤuſern 


und 


ſeyn 10 als wie der Herr Juſtibrath Hoier in feiner Idaea 
Ii Danici p. I. g. 7 ſchreibet: Quae omnia efficiunt, vt iu- 
risprudentia Islandica, maxime autem proceſſus ſit longe 
perplexior apud illos, quam in omnibus rekiquis Danici aut 
e regni Feen 


4 


Nachrichten von Island. | 143 


und den vielen Fenſtern machen ſollen. Als er nach Ham⸗ 
burg gebracht, und durch die Gaſſen gefuͤhret worden, iſt 
er ganz verwirret und ſtumm, den Kopf ſtets von einer 
Seiten auf die andere drehend, und die großen Gebaͤude 
anſtarrend, auf⸗ und niedergegangen. Sein Herr, der 

an ſeinem Betragen ſeine Luſt gehabt, hat ihn gar mit in 
die Oper genommen, um zu ſehen, wie er ſich darin gebaͤr⸗ 
den, und was er davon urtheilen wuͤrde. Bey der Mufic 
hat er allerley Grimagen gemachet. Als man den Bor: 
hang aufgezogen, iſt er ganz erſtaunet geſeſſen, ohne die 
Augen abzukehren, oder ein Glied am Leibe zu regen, viel⸗ 
weniger ein Woͤrtchen zu ſprechen. Da aber nach Gele⸗ 
genheit des Spiels ohngefaͤhr ein großer Drache aufs 
Theatrum gekommen, aus deſſen offenen Rachen einige 
Teufelslarven hervorgeſprungen, die ein Ballet zu tanzen 
angehoben, iſt er auf einmal wie ein Blitz unter die Bank 
gefahren, hat ſich auch aller Zured- und Vorſtellung ohne 
erachtet, nicht bewegen laſſen wollen, wieder hervorzu⸗ 
kommen, ſondern iſt dabey immer geblieben: es waͤre lau⸗ 
ter Teufelswerk, Menſchenhaͤnde koͤnnten dergleichen 
ohnmoͤglich hervorbringen; er haͤtte leibhafte Teufel ge⸗ 
ſehen; moͤchte damit nichts zu ſchaffen haben. Warum 
man ihn an einen folden Ort gebracht? Man möchte, 
doch um des Himmels willen wieder mit ihm hinaus ge⸗ 
hen, ehe die Teufel näher kaͤmen u. d. gl. Zwar hat er 
nachher endlich ſich bedeuten laſſen, daß die Acteurs Men⸗ 
ſchen, und die Auszierungen von Menſchenhaͤnden alſo 
gemachet geweſen, doch hat man ihm keinesweges auszu⸗ 
reden vermocht, daß die Larven keine rechte Teufel gewe⸗ 
fen. Uebrigens ift er bald kluͤger geworden, hat in fur: 
zen gut ſchreiben und rechnen gelernet, auch in Hands 
lungsdienſten ſich vernuͤnftig genug erwieſen. Weswe⸗ 
gen ſein Herr ſich alle Muͤhe gegeben, ihn wohl anzufuͤh⸗ 
ren, und irgend in Hollſtein oder Daͤnnemark zu etabliren. 
Was er aber auch gethan, iſt doch alles umſonſt gewe⸗ 
. een, 


144 Nachrichten von land. 


fen, und er wegen anhaltender Sehnſucht des Menſchen ’ 


nach feinem Vaterlande, davor man ihn nie recht frölich 


geſehen, zuletzt genoͤthiget worden, ihn, damit er nicht 
ins Kranken verfallen möchte, wieder heimzuſchicken. 
Allwo er noch lebet, ſich in allem Schmutz geſund 1 ; 


a auch feine Sachen recht wohl treiber, 5 


Und dieſes iſts, was ich von Island ae) bein, 2 
gen können. Mir foll es lieb ſeyn, und ich wuͤnſche, daß 
einer, der mehr Wiſſenſchaft „Gelegenheit und Muße 
hat, ſich die Muͤhe geben moͤge, es dem großen Schoͤpf⸗ 
fer zu Ehren und den aufmerkſamen Menſchen zum 

Unterricht und Vergnuͤgen zu vermehren 
und zu verbeſſern. 


== 


| Ruhe 


se 


salon 


„ 


Em Duni. 


Eingang, 


s iſt nunmehro weltkuͤndig, welcher⸗ 
geſtalten des Hochſel. Koͤnigs ut 
Daͤnnemark Friderici IV. Majeſtaͤt 
nach Dero vielfältig bezeigtem Eifer 
5 fuͤr die Ausbreitung des Evangelii 
auch bey den Groͤnlaͤndern in der Straat Das 
vis in folder Abſicht ein Paar Colonien mit ver⸗ 
ordneten Predigern an beqvemen Orten ange⸗ 
ſtellet. So bald mir hiervon theils aus den ge⸗ 
meinen, theils aus beſondern Zeitungen etwas zu 
Ohren gekommen: habe ich mich bemuͤhet, ſo 
wohl von den Umſtaͤnden ſothaner Colonien, als 
beſonders von der Beſchaffenheit daſiger Lander 
und ihrer Einwohner, wovon man bis daher we⸗ 
nig rechtes gewußt, eigentliche, umſtaͤndliche und 
zuverlaͤßige Kundſchaften moͤglichſter maßen em 
zuziehen. Ich habe inſonderheit laſſen Schiffer 
zu mir kommen, ſo fuͤr die Geſellſchaft in Ber⸗ 
gen, und nachher fuͤr den itzigen Koͤnig dahin 
gefahren, und mehr als ein Jahr am Lande und 
unter den Wilden zugebracht haben. Nachdem 
| K 2 | ich 


8 8 0 2 


ich nun von denſelben gar genaue, gute uud SÅ a 
mehr als einem Gebrauch zu wiſſen dienſame | 
1 


Nachrichten erforſchet und erfraget; anbey wahr⸗ 


genommen, daß von denen, ſo naͤher ſind, und 


größere Beqvemlichkeit was vollſtändiges zu 0 


ſammlen haben, in aller Zeit außer dem in Daͤ⸗ 


niſcher Sprache unter dem Titel: Det gan. 
ze Groͤnlands nye Perluſtration in Copen⸗ 


hagen 1729 in Octav herausgekommenen noch 
unvollkommenen Werklein, nichts der Welt mit⸗ 
getheilet worden; ſo habe ich mich entſchloſſen, 
beſonders meinen Deutſchen zu gefallen, was ich 


darunter zuverlaͤßig in Erfahrung gebracht, mit 
einigen Anmerkungen auf eine verhoffentlich nicht 


unangenehme, noch unnutzbare Art in folgenden 


Blaͤttern durch den Druck gemein zu machen. 
Weil aber die angelegten Colonien nicht nur das 


Hauptwerk ſind, ſondern auch, was man von 


dem Lande und deſſen Bewohnern weiß, man ihnen 
w danken hat, fo muß ich Billig von denſelben en 


BIRNEN: W a 


TEN IE Vs m NA & | 
BER 7 108 \ \ 8 SS 1 277 VUN N | 
4 — N u | Å | Q > 

2 IN == AN il 


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in eifriger Prediger in Drontheim, Nahmens erſſe Du 
vans Egede, welcher einen beſondern uche Che 
Trieb die armen blinden Gronlånder zur Er⸗ Srönlan, BR 
fänntniß des wahren Gottes und ſeines Hei⸗ Sreaße der 
ig landes zu bringen, bey ſich verſpuͤrete, verließ ſeine in Davis) 
Norwegen habende zwar nur mittelmaͤßige, doch der 
Kummer⸗ und Elendvollen Mißion in Groͤnland weit 
vorzuziehende Pfarre, und begab ſich Anno 1718 nach 
Bergen, Anno 1719 aber vollends nach a 
Woſelbſt er fein Vorhaben und feine Vorſchlaͤge, die er vor 
hin bereits etliche mahl durch anhero geſandte Memoria⸗ 
len kund gemacht, aber keine vergnuͤgliche Antwort dar⸗ 
auf bekommen, nunmehr gegenwaͤrtig beſſer zu betreiben 
und zum erwuͤnſchten Stande zu bringen, ſich aͤußerſt | 
bemuͤhete. Er traf aber allenthalben fo viele und nicht EN 
uͤbelgegruͤndete Bedenklichkeiten und Beſorgniſſen an, | 
daß es mit dieſer mißlichen Unternehmung nicht ſo fort 
wollte, als er wuͤnſchte. Zwar lieſſen einige in Bergen, 
ſowohl aus Chriſtlichem Gemuͤthe die Bekehrung ſo vielen 
elenden Heiden zu unterſtuͤtzen, als durch die anſcheinende 
Hoffnung einigen Vortheil bey dieſen Leuten (weil der 105 
Wallfiſch ſeit einigen Jahren von Spitzbergen ſich ſehr 
verlaufen, und in dem Straat Davis ſich ziemlich haͤuſig | 
findet) zu machen, ſich bewegen, daß fie unter fic eine 
Geſellſchaft flifteten, um eine Colonie auf einer begve⸗ 
men Inſel unter Koͤniglicher Octroy, wenn fie ſolche er⸗ | 
halten koͤnnten, aufzurichten. Allein in Copenhagen 
war ſonderlich niemand, der daran Theil zu nehmen be⸗ 
i gehrte, und der fortdaurende lange Krieg blieb eine un⸗ 
uͤberwindliche Hinderniß. Indeſſen machte gleichwohl 
der Bergiſche Kaufmann, vor ſich einen und andern Ver⸗ 
| ſuch der eee nicht verminderte. 
K 3 Endlich 


150 Nachrichten von Groͤnland 
Endlich war er auch ſo gluͤcklich, daß der Koͤnig im 
Jahr 1721 feine allerhoͤchſte Zuſtimmung ertheilete und fo 
wohl ihme dem Prediger, als der ſich meldenden Hand⸗ 
lungsgeſellſchaft in Bergen die benöthigte Ausfertigun⸗ 
gen und Octroyen gab. Zu mehrerer Befoͤderung des 
Werks wurde eine Lotterie angeſtellet, worinn die Ge 
winne theils in baarem Gelde, theils in Actien, das iſt 
in einem oder mehreren Antheilen in der Straat⸗Davis⸗ 
geſellſchaft und Rhederey auf den neuen Wallfiſchfang 
beſtand. Es ſoll aber wegen ſchlechter Auffuͤhrung der 
Directorum, und, weil dasjenige, was dadurch zuſam⸗ 
men gebracht, bald alle worden, dem Werke damit wenig 
gedienet geweſen ſeyn. Wannenhero auf Koͤnigl. gnaͤ : 
digſten Befehl eine ordentliche Schatzung an alle Staͤdte 
ſo wohl, als an die geiſtlichen und weltlichen Bediente 
hendes im Koͤnigreich Daͤnnemark und Norwegen ergan⸗ 
gen, die denn eine erkleckliche Summe Geldes, wie ohn⸗ 
ſchwer zu ermeſſen, ausgetragen, womit ein guter Anfang 
in der Sache gemacht, und allerley erforderliche Noth⸗ 
wendigkeiten zu Erricht⸗ und Unterhaltung einer neuen 
Colonie beſtritten werden konnten. In dem ermeldeten 
1721 Jahre giengen die erſte Schiffe nach Grönland ab, 
um einen beqvemen Ort zum Etabliſſement auszuſuchen, 
und zu occupiren, auch mit den Wilden ſich bekannt zu 
machen, und eine Handlung, ſo viel moͤglich, anzufangen. 
Mit welchen der erfreute Geiſtliche ſich ſo eilig auf den 
Weg machte, daß er auch ſeiner damals hochſchwangern 
Frauen, die eben ſo viel Eifer und Luſt als er zu dieſer 
Reiſe bezeugte, nicht ſo viel Zeit ließ, daß ſie noch vorher 
auf dem Lande des Kindes häfte geneſen koͤnnen. | 


Was fle für. H. II. Die Reiſe ift gegangen von Bergen aus hin 
genommen, ker Island, um gegen die Oſtkuͤſte des alten Groͤnlandes, 
und wo ſie naͤmlich auf den in der Hoͤhe von 609 belegenen ſo ge⸗ 
landete“ nannten Staaten⸗Hoeck zu. Allda fie 7 bis 8 Meilen 
breit Eis gehabt. Weshalben fie noch 30 bis 40 Mes i 
| Å len 


If 


— 


und der Straat Davis. 3 


len weſtlich geſeegelt, und darauf immer gegen Norden 
hinaufgegangen, und endlich rechter Hand den Wall oder 


Land) auf 64° geſuchet. Da fie auf 649, 7 eine Inſel 


angetroffen, auf die ſie ſich, weil ſie ſelbe ihrer Abſicht 
beqvem geurtheilet, 1721 den 3 Jul. niedergelaſſen, und 
fo gut als möglich eingerichtet haben. Dieſe Inſel lieget 
in dem Munde der Baals⸗Revier, und heiſſet bey den 
Groͤnlaͤndern Kangremijuné: die Dänen aber haben die⸗ 
ſelbe nach ihrem Schiffe, die Hoffnung genannt, und 


voll guter Hoffnung, Gothaab, Gudhoͤp, das ift, 


gute Hoffnung benahmet. Ihre Groͤße erſtrecket ſich 
nicht viel uͤber eine ſtarke Nordiſche Meile im Umkreis: 
und ſie lieget nur ein paar Meilen vom feſten Lande. | 

§. III. Die Urſache, warum man fie zur Wohnung Warum fe 


erwehlet, beruhet darinn, daß einmahl die Kaͤlte daſelbſt de 


im Winter noch ziemlich ertraͤglich ift, und dann auch, erwehlet? 
ſowohl Sommers als Winters, eine gute Anzahl von 


Wilden oder Ingebohrnen, die ſich in ihrer Sprache 

Kalalen nennen, allda beſtaͤndig ſich enthaͤlt, bey denen 

man ſo wohl in der Religion als Handlung einen guten 

Anfang zu machen, wahrſcheinlichſte Vermuthung hahen 

kunnte. Em 81 | | | 
§. IV. Als man aber bemerkete, daß der Wallfiſch Die zweyte 

ſich daſelbſt eben in verhoffeter Menge nicht finde, ſondern FEE 

noch beſſer hinauf Nordwaͤrts zu ſuchen ſey, hat eine einen an⸗ 

zweyte Colonie mit einem Prediger Nahmens Albert dern Dit 

Top von Sogen aus Norland, oder dem noͤrdlichſen 

Theile von Norwegen, gebuͤrtig, welcher 1723 im Fruͤh⸗ 

jahr zu Copenhagen als Groͤnlaͤndiſcher Miflionarius 

zum Prieſter ordiniret worden, noch 45 Meilen höher auf⸗ 

waͤrts in der Straße Davis auf einer Inſel ſo wohl bey 


den Groͤnlaͤndern als Dänen Nepifene geheißen, und in 


der ſo genannten Widen Fiörd auf 60 ohngefehr belegen, 
ſich geſetzet. Dieſe Inſel iſt etwa 30 Meilen von der 


großen Inſel Difo und alſo gar nahe bey dem auf der 
| K 4 | 


neuen 


Nachrichten von Grönland 


| neuen Paskaart von Laurens Feykes Haan bemerketen 
Viſch Plaats und den Walfiſch Eylanden. Wo⸗ 
ſelbſt der rechte Wallfiſch im Monat Februario und 


Beyde 
ſind in ih⸗ 
rem vorge⸗ 
ſetzten 
Hands 
lungsend⸗ 
zweck nicht 
glücklich 
geweſen. 


Martio gar häufig ſich findet, auch von den Groͤnlaͤn⸗ 
dern gefangen wird, von dannen aber nach und nach an 
dem Weſteiſe hin ſeinen Lauf 9 nach der nen 
niſchen Kuͤſte nimmt. i 


F. V. Allein auch diefer vorthellhaften Sage uner⸗ 
achtet hat es dennoch mit dieſer Colonie ſo wenig als mit 


der erſten nach Wunſch fort gewollt. Zwar iſt man, ſo 


viel das Bekehrungswerk antrifft, mit den Grönländern 
ohne ſonderliche Schwierigkeit außer der, ſo die Land⸗ 
ſprache verurſachet, nicht allein weil ſolche an ſich ſelbſt übel 
zu faſſen, ſondern auch, weil dieſe elende Menſchen weder 
Religion, noch Gottesdienſt kennen, ja keine Worte ha⸗ 
ben Gott und geiſtliche Dinge, oder was nach Religion 


15 ſchmecket, auszudruͤcken) ſonſt noch ziemlich ausgekom⸗ 


men, anerwogen dieſelbe noch gar nichts von einem Gott 
oder Schöpffer wiſſen und mit keinem Vorurtheile eini⸗ 


men find, auch keine fie abmahnende Prieſter haben, folg? 


lich nach der allen Menſchen angebohrnen Neugier mit 


erh 


davon, 1) 


weil ſie ſich 
den Wall⸗ 
fiſchfang 
nicht priua- 
eiue vindi⸗ 
eiren koͤn⸗ 
nen. 


Luſt hören und ohnſchwer annehmen, was ihnen gutes 
und vernünftiges vorgeſtellet wird. So viel ein Außer: 
lich tugendhaftes Leben anbetrifft, hat man faſt mehr von 
ihnen zu lernen als ſie zu lehren gehabt, und ihnen nur 
deſſen wahren Grund, Umfang und Zweck nach Anlei⸗ 


tung der heiligen Schrift anzeigen duͤrfen. Aber die ver⸗ 


muthete Vortheile in der Handelung haben ſich vs wie 
man ſich Vätgeſtchet nicht finden wollen. 


H. VI. Es find eigentlich nur zwo Ovellen, Weben, 
derſelbe dieſer Orten zu ſchoͤpffen ſtehet: die eine iſt der 
Wallfiſchfang / oder der davon zu erhaltende Thran und 
Barten: die andre die Handelung mit den ingebohr⸗ 
nen n Groͤnlaͤndern, oder ſo n ar er. 

ande 


1 


ger von ihren Voraͤltern erlerneten Religion eingenom⸗ 


umd der Straat Davis. 153 
Lande. Den Wallfiſchfang aber, der allhier ſonſt ſehr g 


wichtig, hat die Compagnie nicht allein, ja ihre Schiffe 
ſind die wenigſten. Allermaßen von mehr als anderthalb 
hundert Jahren her die Straße Davis von den Hollaͤn⸗ 
dern *, Hamburgern und andern Völkern beſuchet, ab⸗ 
ſonderlich aber in Meulichkeit, nachdem man den Walk 
fiſch von Spitzbergen, wo ihn fo zu reden ganz Europa 


geaͤngſtiget, bey nahe ganz verjaget hat, gar häufig ber 


fahren und befiſchet wird. Zwar haͤtte man denken ſol⸗ 


len, weil die Daͤniſche Colonien den Fiſchgegenden ſo 


gar nahe ſind, und der Wallſiſch, wie man wahrgenom⸗ 
men hat, ſchon im Januar. und Februar. ſich in der 


Diſco-Bucht und bey der fo genannten Nepiſſene ſehen 


laͤſſet, es würden die Coloniſten wenigſtens viel früher 
als alle Fremde, die nur erſt zu Ende des Martii dahin 


ſich begeben, zu demſelben kommen, und dieſen vorfiſchen 


koͤnnen: allein die Erfahrung lehret, daß die Fremden 
eben ſo fruͤhe, und oͤfters noch eher auf dem Fiſchplatze 
ſeyn koͤnnen, als jene ſelbſt. Denn fie find des Winters 


nicht allein mit gar vielem lange daurenden Eiſe eingeſper⸗ ae 


ret, ſondern muͤſſen noch dazu eines guͤnſtigen Windes, 
der daſſelbige von ihrem Walle oder Strande wegtreibe, 
erwarten, ehe und bevor ſie vom Lande ab⸗ und in die of⸗ 
fene See zu den Wallfifchen kommen koͤnnen. Wenn 


auch etwa dergleichen Wind das Eis fruͤher als ſonſt von 


der pære abſetzet, iſt der årene 9 doch noch i ſtren⸗ 
78 


Dieſen haben wir die Charten von biefen 9 5 


und deren nach und nach gemachte Verbeſſerung, wiewohl 


9 


dieſelbe noch weit von der vollkommenen Richtigkeit entfernet 


ſind, zu danken. Unter denſelben iſt die beſte, die vorhin an⸗ 


gefuͤhrte große Charte von Laurens Feykes Haan durch Ger⸗ 


hard van Keulen herausgegeben, nebſt des itztgedachten Haans 
Beſchrywing van de Straat Davis van de Zuydbay tot, om- 
het Eyland Diſco. Amftelo:l. 1719, welche nach Seemanns⸗ 


ſtil mit Direction der ganzen Fahrt, der Meilen, der bra 


Ben ſ. w. abefaſſet ift. 


— 


154 Nachrichten von Groͤnladd 
ge, daß beym Rudern auf den Chaloupen, die Ruder im 
Reiben an den Dollen (oder Ruderpfloͤcken) ein ſo lau⸗ 
tes Geknarre, welches auch durch kein Geſchmiere mit 
Speck, Fett, Inſchlitt oder dergleichen zu verwehren 
oder zu daͤmpfen ſtehet, machen, daß der Wallfiſch, der 
ein uͤberaus genaues Gehoͤr hat, dadurch gleichſam ge⸗ 
warnet und verſcheuchet wird. Worzu ferner noch koͤmmt, 
daß, wie die Groͤnlandsfahrer berichten, alles Fiſcher⸗ 
geraͤthſchaft durch die gar zu ſehr durchdringende Kaͤlte ſo 
hart und ſteif wird, daß es ſich nicht handeln laͤſſet. Ja 
eben dieſe Kälte ift alsdenn fo heftig, daß die deute von 
den Colonien ſolche in den offenen Fahrzeugen ohnmoͤg⸗ 
lich aushalten koͤnnen, ſondern gegen die Nachtzeit wie⸗ 
der zu Lande kehren muͤſſen. So viel auch den nachhe⸗ 
rigen Fang betrifft, ſo iſt am Tage, daß die Geſellſchaft 
in Bergen, weil ihre Fiſcherey ſo wenig abwirfft, den 
Nachſatz nicht hat, daß ſie ſo viele Schiffe als eigentlich 
dazu nöthig, ſelbſt beyſammen zu bringen und auszureh⸗ 
Baden den vermoͤgte. Denn es koͤmmt beym Fange dieſer Ge⸗ 
beſſer da, gend gar ſehr auf die Vielheit von Schiffen an, weil der 
mit forts Wind ſich auf daſigem Meer oͤfters veraͤndert und bald 
kommen. aus Oſten bald aus Weſten kömmt, wodurch einzele 
Schiffe in die Verlegenheit gerathen, daß, wenn ihnen 
einer von ſolchen Winden auf den Leib ſtehet, und das 
Eis zutreibet, der Wallfiſch, fo offen Waſſer haben muß, 
vertrieben, und ihnen der Fang ohnmoͤglich gemachet 
wird. Dahingegen, wenn ihrer etliche Maſcopey ma⸗ 
chen, oder zu gleichen Theilen fiſchen, und theils nach ei⸗ 
ner theils nach der andern Seite ſich halten, es wehe der 
Wind, wie er will, wenigſtens ein Theil derſelben alle 
mahl das Waſſer offen und Gelegenheit zum Wallfiſch⸗ 
Fange hat. Dieſes nehmen die Hollaͤnder, die ſo ſtark 
fahren, in Acht, und erhalten auch dadurch mit alljaͤhrig, 
wie bekannt, ihren ſo guten Fang. Viele in den ver⸗ 
einigten Provinzen proviantiren auch die Schiffe auf 9 
Monat, und laſſen den Fiſch gar bis auf die wan | 
seer | nich 


— 


amd der Straat Davis. 155 
niſche Küfte verfolgen, und die Fiſcherey bis zu Ende des 
Auguſt⸗Monats fortſetzen. b 
§. VII. Nicht weniger Schwierigkeiten finden fi fi ch Zweyte Urs 

ben der Handlung, die auf dem Lande mit den Wilden siche A 
gefuͤhret werden ſoll. Denn eben dieſer haben die emſige Handlung 
Hollaͤnder ſich nicht weniger von Zeit zu Zeit bey aller mich e 
Gelegenheit bedienet, und treiben fie auch noch. Zwar behaupten 
hat die Rhederey in Bergen, nachdem man auf den obs koͤnnen. 
benannten Inſeln Fuß gefaſſet, und die Colonien ange⸗ 
richtet, auf alle Art geſuchet, ſich dieſer innlaͤndiſchen 
Handlung allein zu bemeiſtern und Fremde davon auszu⸗ 
ſchlieſſen. Man hat des Endes wollen eine kleine Fe⸗ 
ſtung auf der Suͤdkuͤſte der Inſel Diſco legen, aber da⸗ 
mit wuͤrde man die weite See nicht haben beſchießen und 
behaupten koͤnnen. Darauf iſt in Vorſchlag kommen 
2 Fortreſſen, eine auf einer der Wallfiſchinſeln, und die 
andere auf einer der Hundeninſeln zu bauen: allein auch 
dadurch, weil ſie ſo weit von einander gelegen, daß die 
Durchfahrt mit Canonen nicht beſtrichen werden kann, 
ſtehet das Durchſchleichen nicht gänzlich zu hemmen: 
deswegen man von dieſen Vorſchlaͤgen abgeſtanden. De⸗ 
me noch hinzukoͤmmt, daß die Wilden lieber mit den Hol⸗ ; 

laͤndern, als mit den Dänen handeln, weil jene mit 
beſſern und ſchoͤnern Handlungswaaren verſehen, und viel 
beſſern Kauf geben und geben koͤnnen, als die Normaͤnner. 
Fehlet es alſo auch in dieſem Stuͤcke an einem erklecklichen 
Vortheil, der das ganze Werk unterſtuͤtzen und den Kauf⸗ 
mann in Norwegen und Daͤnnemark anlocken ſollte. 3 
Dahingegen ift es fo ſchlecht hiemit befchaffen, daß die 
Leute auf den Colonien nicht einmahl für ihre Perſonen 
ihren Lebensunterhalt, durch ihre Fiſcherey und Handel - 
mit den Ingebornen zu finden und zu verdienen, zurei⸗ 
chende Gelegenheit haben, ſondern von ihren Principa⸗ 
len von Haus aus mit allem, was zur Leibes Nahrung 
und Nothdurft gehoͤret, ſtets von neuen verſehen werden 
muͤſſen. | 


g. vil. 


\ 
ø 


156 Nachrichten von Grönland 


Weiwegen H. VIII. Daher denn die itzt glorwuͤrdig regieren⸗ 
der nic in de Koͤnigliche Majeſt. bald bey Antritt ihrer Regierung 


Koͤnia 


gerheſell“ den. Worauf im Herbſt des 1751 Jahrs alle nach den 
chaft wie, beyden Kolonien uͤberbrachte Leute, fo viel ihrer noch am 


Anemark die Bergiſche Geſellſchaft aufzuheben, allerhoͤchſt gut gefun« 


leb Leben geweſen, nachdem ſie die Fenſter ihrer gehabten 


Haͤuſerchen mit Brettern vernagelt und die Schluͤſſel auf 
wieder davon gezogen, ohne den einzigen treuen Prediger 
Egede, welcher ſeine geſammlete Schaͤflein, deren wohl 


die Thuͤren geſtecket, mit Sack und Pack insgeſammt 


5Oo geweſen ſeyn ſollen, nicht verlaſſen wollen, ſondern 


mit etwa 18 Daͤniſchen Leuten, die er bey ihm auszuhal⸗ 
ten beredet, auf der Hoffnungsinſel zurück verblieben ift, 
des feſten Entſchluſſes, davon nicht zu weichen. Woben 


er denn auch ſtandhaft verblieben, bis eine unheilbare 


Gemuͤths⸗ und Leibeskrankheit 1736 ihn genoͤthiget, ſei⸗ 


nen Poſten zu verlaſſen und nach Copenhagen zuruͤckzu⸗ 


kehren. 


Jedoch ge⸗ F. IX. Indeſſen laͤſſet nunmehro der Koͤnig für 


nah ein Rechnung der Cammer jährlich ein paar Schiffe nach 


paar Schif der Straße Davis gehen. Wobey vielleicht die Haupt- 


fedabin. ahſicht ſeyn mag, einmal eine Oeffnung, dadurch man 


wieder an den Oſttheil des alten für verlohren geſchaͤtz⸗ 
ten Groͤnlandes ankommen möchte, zu treffen, oder aus⸗ 


zufinden. Es iſt, ſo lange die Colonien gedauret, auch 


dieſerhalben allemal viel Muͤhe geſchehen, und nicht wenig 


Geld verwandt worden. 


amba 9. X. Ich will davon, fo viel ich von einem ſehr ver 


zeit Mühe nuͤnftigen Schiffer, der dazu inſonderheit gebraucht wor⸗ 
begebe enn den, erfahren, hier kürzlich anfügen. Daß die neuen 


der Oſtlſei⸗ 


ten des als Colonien vor der Weſtküſte des alten Groͤnlandes bele⸗ 
ken veheh gen geweſen: ſolches ift daraus klar, daß man dieſſeits 


re geſchaͤtz⸗ > i ; | 
ten Grøn: der Baals-Revier auf dem Lande verfihiedene Ruinen 


duandes an⸗ von alten Gemaͤuer angetroffen, und auf 6029 eben bin⸗ 


nen 


und der Straat Davis. 157 

nen dem Staaten⸗Hoek nicht nur das Gemaͤuer einer ver⸗ zukommen, 
fallenen Kirche mit dem noch ganz kennbaren Chor und eg 
Altaruͤberbleibſeln, ſondern noch überdem ein großes 
Stuͤck von einer metallenen Glocken, ſo der Finder it 
nach Copenhagen gebracht, angetroffen hat. So be⸗ 
merket man auch noch einige, obgleich ſehr wenige, und 
wohl gar in neuern Zeiten erſt erlernete, nordiſche Worte 
in der wilden Sprache, und dieſe Wilden wiſſen zu far 
gen, daß ihre Voraͤltern anders woher gekommen, und 
Menſchen, die vor ihnen im Lande gewohnet, todt geſchla⸗ 
gen haben. Zu deſſen Andenken ſie noch eine Stelle, 
worauf eine große Schlacht gehalten ſeyn ſoll, zeigen, die 
daher noch den Namen Pifikslarbick, d. i. Stelle, wo 
man mit Bogen ſchieſſet, behalten hat. Es iſt aber 
vornehmlich darum zu thun, daß man gern nach der 
Oſtſeiten hin will. Denn daſelbſt iſt vor dem der Haupt⸗ 
ſitz der Chriſten, nach Anweiſung der alten Jahrbuͤcher 
und Geſchichte geweſen *, und nicht unwahrſcheinlich zu 
vermuthen, wenn man dahin kommen koͤnnte, daß man, 
wo nicht noch viele Abkoͤmmlinge der alten Chriſten, den; 
noch eine Anzahl von Gebaͤuden, imgleichen von guten 
Documenten und dienſamen Nachrichten, nebſt einem ber 
wohnbaren Lande daſelbſt antreffen dürfte. Aus der 
See an die Oſtkuͤſte anzukommen, ſcheinet dermalen 
ſchlechterdings unmoglich. Demjenigen, der mir dieſe 
Nachricht gegeben, iſt es einſten in ſo ferne geglückt, daß 
er bis auf zwo Meilen hinzugekommen „aber weiter zu 
gelangen, iſt ihm des vorliegenden geſchloſſenen Eiſes 
halber durchaus nicht moͤglich geweſen; ja er hat Noth 
und Muͤhe genug gehabt, ſich wieder zuruͤck und aus dem 
lostreibenden Eiſe heraus in die offene See zu arbeiten. 

Es liegen namlich nicht nur vor der Kuͤſte her ganz enge 

. Schaͤren 


In dieſem oͤſtlichen Theile Oeſter⸗ Bygd) ſollen ge- 
weſen ſeyn: ein Biſchofthum, 30 Kloͤſter, 12 e und 
g * |. a | ; 


58 Nachrichten von Grönland 


Schaͤren in unfäglicher Menge, worhinter und wozwi⸗ 
ſchen alles von Eis verſtopfet iſt, ſondern es treibet und 
ſtehet auch außen vor denſelben bis auf einige Meilen 
in der See beſtaͤndig Jahr aus Jahr ein entſetzlich viel 
Treibeis, welches vom Nordpol, von Spitzbergen u. ſ. f. 
ohnaufhoͤrlich herunter koͤmmt, und durch den Strom 
und Wind gegen dieſe Kuͤſte getrieben „auch nur zuweilen 
etwas davon durch einen ſehr ſtarken Strom den Staa⸗ 
ten⸗Hoek vorbey geſetzet wird. Der beregte Schiffer hat 
bey der Gelegenheit, daß er allhier durchzuſchluͤpfen ge⸗ 
meinet, aber nicht gekonnt, ſich viel Muͤhe gegeben, die 
auf der Charte angedeutete Reſte des verſunkenen Lanz 
des von Bus zu finden, indem er über ein paar Mona⸗ 
te daſelbſt zugebracht, und nach allen Seiten in die 50 


Meilen gekreuzet: Er hat aber keine Spur von ande 


ſondern uͤberall eine große Tiefe gefunden, und nur bloß 
auf eine kleine £ånge, der Tiefe von 100 Faden ohnerachtet, 
eine unbegreifliche Brandung, wodurch das Waſſer da⸗ 
ſelbſt Höher, als auf der See rings umher geſtanden, und 
ein gruͤnliches Waſſer nebſt einer treibenden Menge von 
allerley gruͤnen Seekraute bemerket. Iſt nicht die wahr⸗ 
ſcheinlichſte Vermuthung, daß im Grunde heiße Spring⸗ 
Qvellen ſeyn werden, die dieſe Feen und dieſes Ge⸗ | 
Fräufel des Waſſers verurſachen? 4 


ien ſowe⸗ H. XL. Nachdem aber fo wenig ere anfeheinet, 
| 3 den geradeſten Weg durchs Eis ans Land zu gelangen, ſo 
der Wei: hat man um fo forgfältiger geſuchet, von der Weſtſeite 
| erden und alfo von hinten zu über Land hineinzukommen. Ak 
koͤnnen. lein, da findet ſich auf der Weſtkuͤſte die ganze Lange her 
eine Kette von Felſen, die mit nimmer ſchmelzenden 
Schnee und Eis bedecket, auch die dazwiſchen gelegene 
Thaͤler eben damit dermaßen angefuͤllet find, daß wegen 
der Stuͤrzfaͤlle, der großen Kluͤfte und Schrunden und 
des bruͤchigen falſchen Eiſes ganz unmöglich ift, darüber 
hinzukommen. Der beregte Ai ip: eg 20 wi 
eife 


und der Straat Davis. 159 


Weiſe und ſelbſt auf den langen hölzernen Fußbrettern, de⸗ 
ren ſich bekanntlich die Lappen und andere zu den Win⸗ 
terzuͤgen bedienen *, verſuchet, aber wegen obangefuͤhrtern 
Umſtaͤnde nicht gar weit ins Land fortkommen koͤnnen, 
ſondern nachdem er einen von ſeinen Leuten, der ſich noch 
etwas weiter voraus gewaget, und vor ihren Augen ver⸗ 
ſunken, daß ſie zwar ſein Schreyen und Winſeln hoͤren, 
aber ihm nicht beykommen moͤgen, verlohren, ohne die⸗ 
ſen Menſchen, und ohne alle Hoffnung iemals weiter zu 
kommen, wiederum zuruͤckkehren muͤſſen. Es iſt auch an 
der Kuͤſte hin ſowohl hinaufwaͤrts, ſo weit man nur kom⸗ 
men koͤnnen, als unterwaͤrts bis auf 60° mit einem gros⸗ 
ſen Bothe mehrmalen ein Verſuch, ob irgend durch einen 
Fluß, oder Straße, durchzukommen, geſchehen, aber bisher 
noch alles vergebens. Indeſſen hat ſich bey dieſer Gele⸗ 
genheit (welches ich zur Verbeſſerung der Geographie an⸗ 
zumerken, nicht unterlaſſen wollen) gezeiget, daß die ſo 
genannte Forbiſſerſtraße entweder ein irriges Vorge⸗ 
ben, oder nunmehro mit Eis und Schnee dergeſtalt aus⸗ 
| gefüllet und verdecket, daß fie nicht mehr zu kennen, viel» 
weniger zu paßiren iſt. Und die Wahrheit zu geſtehen, 
man findet auch in den vorhandenen Beſchreibungen von 
Groͤnland, die doch die Meerbuſen, Buchten und Wins 
keln umſtaͤndlich und eigentlich genug angemerket, gar 
nichts von Sunden, oder Straſſen, die das Land von ein⸗ 
ander theilen ſollten. So wiſſen auch die Groͤnlaͤnder, 
die dort herum wohnen, und daruͤber fleißig befraget wor⸗ 
den, von einer Durchfahrt das geringſte nicht zu ſagen. 
Wie denn auch der ſo genannte Baͤrenſund bey weiten 
nicht fo tief ins Land hinein geher, als auf den 91 
har⸗ 


| * Sued. Skiober Norw. Skier, bey den alten Islaͤn⸗ 
dern Skydi und Gendrur genannt, welche gar artig Magn. 
"Olaus in Eddam - Island. beſchreibet beym Steph. in not. ad 
Saxon. Grammat. p. 126, der ſie auch in einem Holzſchnitt 
* vorſtellet. Add. Scheffer. Lappon. cap. 20. 


160 Nachrichten von Grönland 
Charten angedeutet wird, vielweniger ganz hindurch gu 


dem ift dieſelbe untief und bald gar mit Seekraut barwach⸗ £ 
fen worunter fich viele Fiſche aufhalten. e Keen 


Ny XII. Sonſt hat man von den Ingebohrnen ver⸗ 

Indeſſen it nommen, daß weiter hinauf gegen Norden Leute ſich ent⸗ 
e halten, die viel wilder als fie ſeyn, und geſchlachteter Mens 
darin wohs ſchen Fleiſch effen ſollen, deren Hütten mit Narhual oder 
175 Einhornhörnern ſtatt der Stangen aufgeſtellet und befe⸗ 
ſtiget waͤren. Denn die armen Menſchen begeben ſi ch 
zuweilen aus Hunger gezwungen, um ihre Koſt zu finden, | 
in ihren großen Weiberboͤthen, ſolchergeſtalt, daß fie im⸗ 
mer unter dem Lande hinſchiffen, wohl 100 Nordiſche, 
das ift, über 150 deutſche Meilen von ihrer Heymath weg 
gegen Norden, und alfo viel weiter hinauf, als die Dar - 
nen mit ihren Schiffen kommen koͤnnen. Sie erzählen 
auch, daß ihrer etliche noch höher und weiter, als auch 
ihre große Fahrzeuge kommen moͤgen, geweſen, da ſie das 
gegenuͤberliegende Land von America ſo nahe gehabt, ven 
wenn felbiger Zeit allda Leute geſtanden, ſie ihnen be⸗ 
qvemlich zurufen, doch aber nicht zu denſelben hinuͤber⸗ 
kommen koͤnnen, weil ein Strom von Waſſer zwiſchen 
beyden Ufern durchfloͤße, der ſo hoch falle und ſo ſtark 
rauſche, daß man denſelben auf einige Meilweges hoͤren 

koͤnne. Me 


$. XIII. Nunmehro nåfjer zu dit Guide 
ee zu kommen, fo find in der Straße Davis die Küften vol⸗ 
Landes an ler Schaͤren, auch kleinen und großen Inſeln ;! die alle 
Daus aus Felſen beſtehen und ſehr hoͤckericht find. In dem 
feſten Lande gehen große und tiefe Sinus und Fiörden hin⸗ | 

ein, die theils Muͤndungen der Revieren, theils gute Rhe⸗ 
den und Hafen abgeben. Das feſte Land iſt auch uͤber 
und uͤber voller Felſen, davon die hohen ſtets mit Schnee 

und Eis bedecket, auch t e damit bereits ausge⸗ 
e fi nd. | ; 


5 KE, 8. XIV. 


und der Straat Davis. 167 


F. XIV. Sonſt falt das Clima, ſo weit die Daͤniſchen Des ou 
Colonien gekommen, noch ziemlich erträglich, das Wet⸗ matis. 
ter aber ſehr unbeſtaͤndig. Im Sommer ſcheinet die 
Sonne ſchoͤn und warm, daher iſts auf dem feſten Lande, 
wo keine Nebel, angenehm und beſtaͤndig helle: Um und 
auf den Inſeln aber lieget ein beſtaͤndiger feucht: und kal⸗ 
ter Nebel, davor man der Sonnen wenig geneuſt. Nur 
im Auguſtmonat iſt kein Nebel, und alsdenn auch auf 
den Inſeln klares ſchoͤnes Wetter. Auf dieſen Inſeln 
und der See ſpuͤret man auch in kleinen Weiten gros⸗ 
ſe Veraͤnderungen in der Witterung. Es regnet nicht 
oft, noch viel. Es donnert ſelten und gar dumpficht: 
Selbſt im Gebuͤrge ſchallet es hier bey weiten ſo nicht, 
wie anderer Orten, woran vermuthlich die dicke Luft und 
der luckere Schnee und das bruͤchige Eis auf den Gebuͤr⸗ 
gen Schuld ſeyn werden. Heftigen Sturm hat man 
hier nur ſelten, und wenn er da iſt, haͤlt er nicht lange 
an. Es kann auf der See ſtuͤrmen, ohne daß man auf 
dem Lande viel davon gewahr werde. Den haͤrteſten 
Windſturm haben ſie aus Suͤden. Der ordentliche Win⸗ 
ter iſt allhier fuͤr die Daͤnen und Norweger ziemlich er⸗ 
traͤglich geweſen. Wozu mit dienet, daß fie einen klaren 

durchſtehenden Froſt haben. Den ſtaͤrkſten Froſt bekom⸗ 
men ſie mit nordoſtlichen Winden, die theils vom Lande, 
das mit Schnee Eisbergen angefuͤllet, theils von den weit 
ſich erſtreckenden Eisfeldern, die vor der Oſtkuͤſte lie⸗ 
gen, heruͤber kommen, und die abgeriſſenen Eistheilchen i in 
großer, ja oft ſolcher Menge, daß ſie wie ein Regen oder 
dicker Nebel im Sommer anzuſehen ſind, herzufuͤhren, 
und dadurch die ſtrenge und ane Kaͤlte verur · 


ſachen *, i 
§. XV. 


* Diefes koͤmmt den in warmen Laͤndern wohnenden fo 


unglaͤublich vor, daß wohl Gelehrte gar daran zweifeln wol⸗ 


len. Ich will zu mehrerer deſſen Erleuterung anhero ſetzen, 
was der Herr Probſt Jens Chriſtian Spidberg zu Chriſtian⸗ 
Sand in Norwegen davon e (vid. Suppl. II. Actor. 


Sie haben 


Sonnen⸗ 
ſchein ſo 
wohl im 
Sommer, 


162 Nachrichten von rind 


Das ſtille Wetter macht, daß es hier frühe yufiiere, 
und das Eis, ſo hinter den Schaͤren und in den kleinen 
Bajen oder Buſen lieget, dauret gemeiniglich bis zu Aus⸗ 
gang des Mays, weil die Wellen der See dazu nicht kommen, 
und es zerbrechen koͤnnen, ſondern daſſelbe ſo lange ſte⸗ 
hen bleibet, bis es die Sonne durch ihre Kraft muͤrbe 
machet, ſchmelzet und zerbricht. SØ 


§. XV. Vom Junio an bis in den Auguſmonat it 
der Sonnenkoͤrper beſtaͤndig über dem Horizont. Um 
Mitternacht laͤßt ſie zwar wegen ihres niedrigen Standes 
und der aufſteigenden Erddänfte, wodurch fie geſehen 


wird, etwas roͤthlich, wie bey uns, wenn ſie Abends un⸗ 


tu 


Wratislau. Art. 4. p. STÅ, ESC leugnet 900 niemand, Ehren 
bet er, daß die Luft gegen Norden des Winters mit unzehl⸗ 
baren Schnee» und Eispartikeln angefüllet, welche åfrerg ſo 
grob und fenfible find, daß fie bey ſtarkem Winde einem wie 
ſcharfe Ruthen ins Geſicht ſchlagen: ja man kann ſie nicht 
allein fuͤhlen, ſondern auch ſehen, wenn es ſehr kalt iſt, und 
die Sonne klar in der Luft ſcheinct, da man faſt accurat die 
Menge der Eispartikelchen wie viele kauſend kleine glimmern⸗ 
de Sternchens wahrnehmen kann. Welches auch die einzige 


Urſache iſt, warum die Nordwinde mehr kalt und penetranter | 


als andere find. Indem fie die mit Schnee bedeckten hoͤch⸗ 
ſten Berge gegen Norden erſt überſteigen muͤſſen, weshalb ſie 
ſich damit beſchws aͤngern und fo angefuͤllet, dieſe Particulas ſ. 
Lamellas niueas et glaciales mit ſich bringen, die ſolche em⸗ 
pfindliche Kaͤlte bey uns erwecken. Zorgdrager Grönl. Viſcher. 
P. II. cap. 2 ſchreibet von Spitzbergen: De! Ryp valt er gelyk 
klyne puntige Snecum- Deeltjes in Zee, waar door ze zom- 
tyts als van Stof bedeckt word. Deeze kleine Spitſe 
Sneeuw-Deeltjes vallen kruislings op elkander, en door de 
koude Lucht voortgezet vermeerderen ze zich zoodanich 


in en door de Lucht, dat ze in menigteneervallen, en de 


ee gelykzaam met cen Vlies van Ys bedecken. Deeze door 
koude bevrooze Nevel-Deeltjes kan men by heldere Zon- 
nefchyn en vriezend Weer glinfteren zien, want anders 
vallenze als den Dauw onzichtbaar neer &c. Hievon hat 
auch gar dienſame Anmerkungen J. Perry in e ER pe 
ſent de la Grande Ruſſie, p. 68-72. i | 


und der Straat Davis. 163 


tergehen will, ſcheinet aber gar klar, und bey helem Wet⸗ 


ter iſt es ſo lichte, als um Mittag. 


$. XVI. So angenehm aber dieſes im Sommer als im 
ſeyn mag, ſo unertraͤglich wuͤrde es dagegen den dortigen Winter, 


Inwohnern fallen, wenn ſie im Winter auch ſo lange in 
dicker Finſterniß ſitzen ſollten. Allein da hat die Weis⸗ 
heit und Menſchenliebe des allgegenwaͤrtigen Gottes, die 
kein Plaͤtzchen des Erdbodens, ſo klein und entlegen es 
auch iſt, außer Acht laͤſſet, darunter mehr als auf eine 
Art fuͤr ſie geſorget. Ich habe von verſchiedenen gehoͤ⸗ 
tet, daß man nicht allein am 21 Dec. als am kuͤrzeſten 
Tage, die Sonne 3 Stunden am Himmel geſehen, ſon⸗ 
dern daß auch durch Huͤlfe der Refraction ihrer Strah⸗ 


len in den dicken Duͤnſten der Atmoſphaͤre, ſo die Mor⸗ 


gen⸗ und Abenddaͤmmerung verurſachen, der Tag einige 
Stunden lang geweſen. Man ſollte nach den gemeinen 
Lehrſaͤtzen der Geographie und Uftronomie gedenken, daß 
der Sonnenkoͤrper ſelbſt um dieſe Zeit auf dieſer Polus⸗ 
hoͤhe uͤber den Horizont nicht hervorkommen koͤnnte. Es 
hat aber ein geſchickter Schiffer mich umſtaͤndlich berich⸗ 
tet, und anbey theuer verſichert, daß er auf 66°, 30/ einen 
kleinen Berg ausgeſuchet, und nachdem er deſſen Hoͤhe 
über. der Oberfläche des Meers mit Fleiß gepeilet, auch 
die Misweiſung des Compaſſes, (welche in dieſen Gegen⸗ 


den ſo wohl auf dem Lande als auf der See ganz merklich 


iſt,) berichtiget, auf demſelben die Höhe der Sonnen 
kunſtmaͤßig genommen, Da er denn nach Abzug ſeiner 
Hoͤhe und der Refraction befunden, daß die Sonne wirk⸗ 


lich über der Flaͤche der See und alſo über dem e 


erhaben geweſen. 


§. XVII. Die Naͤchte genießen auch nicht allein wie auch 


des Monden und des, von dem durch anhaltenden ſtar⸗ 7 


Mon 3 
hein und 


ken und reinen Froſt erhårteten, weißen und gleichſam das Nord; 


funkelnden Schnee und Eife, entſtehenden Wiederſcheins, 
ri fo gar im Neumonden, und fo lange derſelbe 
2 der 


licht, 


Nachrichten von Grönland 
it ſcheinet, beſtändig des angenehmen und den Voll⸗ 


mond ſelbſt uͤbertreffenden Nordlichts oder Scheins, 
deſſen bey Island umſtaͤndliche Erwehnung geſchehen ift, 


Was ſie in 5. XVIII. Und da diefe Leute den Winter über, weil 
1720 0 el für fie draußen wenig oder nichts zu thun vorfällt, mei⸗ 
nen zum ſtens in ihren dunklen Wohnungen ſich enthalten, doch 
See aber weder Inſchlitt zu Licht noch Spaͤne zu Fackeln ha⸗ 
| un ben: fo find an deren ſtatt ihre Walk und andre Fiſche 
| mit fo viel mehrererm Speck verſehen, daß fiedavon überz 

fluͤßigen Vorrath an Thran fuͤr ihre Lampen, mithin 
nothwendiges Licht zu allen ihren Verrichtungen und zu⸗ 
gleich gnugſame Feuerung zur Heitzung ihrer Wohnung 
und Zubereitung ihrer Speiſen nehmen koͤnnen. | 


Mebenfon: H. XIX. Das in anderen Ländern fo feltene Luftge⸗ 

Ae or ſicht der Nebenſonnen laͤſſet ſich hier des Jahrs wohl 

erblicket. mehr als einmahl ſehen, aber zu nicht geringem Kummer 
derer, die es auf der See ſeyende wahrnehmen. Weil 
die Erfahrung nach einhelliger Ausſage der Schiffer ger 
lehret, daß allemahl harter Sturm darauf zu erfolgen 
pflege. 

Ebbe und §. XX. Man hat hier ordentliche Ebbe iu Fluth, 


Fluth fin det 


ſich hier die ſich auch nach den Mondveraͤnderungen richtet, man 

auch ein. kann aber ſo feſt nicht darauf rechnen als anderwaͤrts. 
Die Fluth ziehet von Oſten nach Weſten: bey Sturm⸗ 
wetter kan ſie zu 7 bis 8 Faden ſteigen. Va 


Wie der F. XXI. Der Boden beſtehet in den Xfåleen und 
namen Gründen aus einiger Mohr oder Turfferde, Worauf 
und was er hie und da, weil er von Vogelmiſt fehr fett, langes 
nnch. der Gras und verſchiedene gute Kräuter wachſen. Man 
hat verſuchet, etwas von Erdgewaͤchſen zu pflanzen. 
Kraut oder Kohl iſt ziemlich bekommen, auch die Ruͤben: 

Wurzeln aber, fo bald fi fie über die Erde herausgekom⸗ 

men, ſind vergangen. Von dem Thimian iſt angemer⸗ 

ket worden, daß er ganz klein und kurz geblieben, Mean 

wen 


vi 


und der Straat David, 163 


wenn Nachtfroͤſte darauf gefallen, Geſchmack und Ge⸗ 
ruch verlohren habe. Getrayd ezu bauen ift wegen des gar 
zu kurzen Sommers und der beſtaͤndigen Kaͤlte ganz ohn⸗ 
moͤglich. Von Baͤumen ſiehet man nichts, ohne auf 
dem feſten Lande an verſchiedenen Fioͤrden einiges Geſtruͤppe 
von Birken, Erlen und Weiden, daher die Colonien den 
groͤſſeſten Mangel an Brennholz erleiden. Der Schrei⸗ 
ber der angefuͤhrten Groͤnlaͤndiſchen Perluſtration ſagt, 
daß 60 Meilen Suͤdwerts von der Hoffnungscolonie an 
einer Fioͤrd ein Waͤldlein ſtehe, davon die Baͤume ein 
paar Faden hoch und Arms dick ſeyn. Sonſt findet ſich 
auch hie u. da etwas Wacholdergebuͤſche (Eenebertraͤre), 
eine Art ſchwarzer Johannisbeeren (Kraͤkebaͤr), noch eine 
andre Art kleiner Johannisbeeren (Tyttebaͤr), eine be⸗ 
ſonders gute Art von Brommelbeeren (Multebaͤr), die 
aber der Nebel wegen nicht reif wird, und denn Heidel⸗ 
beeren (Blockebaͤr) bey den Norwegern genennet. 
VS. XXII. Was die Gebirge enthalten, ift bis ietzo noch Von Amis 
nicht unterſuchet. Man findet viele Amianthgebirge, irgen 
davon der Gang ziemlich breit, und der Flachs lang, 
weich und ſchoͤn weiß iſt. Es iſt zu bewundern, daß die⸗ 
ſes Mineral in groͤſſeſter Menge und beſten Guͤte ſich in 
den noͤrdlichſten Landern antreffen laͤſſet . Wir ra 
„ | aber 


Von den Syberiſchen hat ſich folgende feine Nach⸗ 
richt in den Hamburgiſchen Zeitungen von 1729. No. 58 gefun⸗ 
den, worinn zugleich gemeldet wird, wie man den Flachs zum 
ſpinnen zubereite. Im Jahr 1720 iſt ein Bauer in dem Di⸗ 
ſtrict des Commiſſarii Nikita Demibow zu der Syberiſchen 
Landſchaft Werchotursky, welche den Namen von der Stadt 
Werchotura hat, ſo etwan auf 600 Werſte von der Stadt 
Tobolsky Nordweſtwerts gelegen, zunechſt an dem Fluß Tura, 

der ſich von da in den Tobol ergießet, gehoͤrig, auf dem fr 
genannten Schelkowa Gora, oder Seidenberge, naͤchſt am 
Fluſſe Tagil, welcher in die Tura fließet, da wo die werchta⸗ 
gilskiſche Eiſenfabric angeleget iſt, von ohngefehr, wie er 
dem Vogelſchießen nachgegangen, auf ein Stuͤck von der⸗ 
L 3 g gleichen 


166 Nachrichten oe von 1 Grönfand 


aber deſſelben Eigenſchaft noch zur Zeit nicht genug, um 
die e Urſachen, Hatun treffen zu koͤnnen. 
mr > > | Was 


gleichen Steine gerathen, und hat ſolches, weil es ihm et⸗ 


was beſonders geſchienen, alſofort gedachtem Nikita Demi- 


bow vorgezeiget. Dieſer hat dar auf verſchiedene Verſuche 
damit angeſtellet, und befunden, daß es ein eigentlicher Asbeſt 
und zwar von der beſten Gattung fer), daraus man ziemlich 
feine Leinwand und ſchoͤnes Papier verfertigen koͤnne. Die 


Landeseinwohner haben den Stein Rameni⸗Schelk, oder 


den Seidenſtein, vielleicht weil ſie die Faͤſergen des Steins 
fuͤr eine Art von Seiden gehalten, genennet; daher auch der 


Berg den Namen uͤberkommen hat, welcher ſich bis ans Ufer 


des Fl Fluſſes erſtrecket, und auf 5 Werſte lang, aber nur 30 
Klaffer! weit iſt. An der einen Seiten des Berges ſoll ein 


gaͤher Fels ſeyn, welcher auf hundert und mehr Klaftern 


hoch ift. Der 2 Asbeſt wird bloß in dem Berge gefunden zwi⸗ 


ſchen einem dunkelgrünen Steine in gewiſſen Adern, die bald 


mehr bald weniger als einen Zoll im Durchſchnitt haben, 
und von der Wurzel bis an die Spitze in beſtaͤndiger Reihe 


fortgehen. Bey Hervorbringung des Steines pfleget man alſo 
zu verfahren. Es werden Höhlen in den Berg gegraben, und 


mit Pulver gefuͤllet, welches beym Anzuͤnden den Berg von 
einander ſprenget. Wenn ſolches geſchehen, fo laͤſſet ſich der 
Asbeſt mit leichter Muͤhe, vermittelſt eines Hammers von 


den übrigen Steinen abſondern. Gedachter gruͤnlicher Stein, 


zwiſchen welchem der Asbeſt gefunden wird, iſt an ſich von 


ungemeiner Feſte und Haͤrtigkeit, hat auch beſondere Adern, 


— 


die ihm an Farbe ungleich ſind. Den Asbeſt nun, wenn Å 


man ihn folgends verarbeiten und Leinwand daraus verferti⸗ 

gen will, pfleget man daſelbſt in kleine Stuͤcken zu zerſchla⸗ 
gen und zwar nach der Deore und nicht nach den Lauf ſei⸗ 
ner Faͤſergen, welche in die Laͤnge gehen. Solche Stuͤcke 
werden alsdenn mit dem Hammer ſo lange zerſtoßen und mit 
den Haͤnden gerieben, bis ſie zu einer Wolle werden, welche 
hiernaͤchſt gehechelt geſponnen und zu einer Leinwand gewir⸗ 
ket wird. Weil aber die hier beſchriebene Art und Weiſe den 
Asbeſtſtein in Faden zu ſpinnen und Leinwand daraus zu 
verfertigen, in etwas von dem ſonſt bekannten Proceſſe abge⸗ 


het, ſo erachten wir fuͤr nöthig, ſolchen mit anzufuͤhren. Man 


laͤſſet den Stein eine Zeitlang im warmen Waſſer weichen, | 
sa verarbeitet man N mit den Händen, und ziehet ibn 
i ) 


BL aus 


R * = Ey 


And der Straat Davis. 167 
Was uns davon bekannt, iſt, daß es eine ungeſchmackte 
ſteinigte Materie, die ſich in Oel erweichen und ſo bieg⸗ 

EEE. EN | fam 
aus einander, bis eine zarte Erde herausfaͤllt, welche wie Kalk 
ausſiehet, und das angeſchuͤttete Waſſer ganz weiß, wie 
Milch machet. Solche Erde iſt das Mittel, welches die Faͤ⸗ 
ſerchen des Steines zuſammen haͤlt, deswegen verfaͤhret man 
damit noch einigemal, wie vorhin, und gießet allemal das 
Waſſer ab, ſo lange bis daſſelbe ſeine natuͤrliche Farbe be⸗ 
haͤlt, und zur Anzeige dienet, daß von fremden kalkichten und 
irdiſchen Theilgen nichts mehr mit denen Faͤſerchen des Steins 
vermiſchet ſeyn. Folgends nimmt man die Materie allge⸗ 


maͤhlig aus dem Gefaͤße heraus, und ſaͤubert daſſelbe wohl, 


* 


weil viele von gedachten fremden Theilchen ſich an den Bo⸗ 
den anzuſetzen pflegen. Die gereinigten Faͤſerchen breitet man 
alsdenn auf einem Korbe oder Siebe aus, damit das 
Waſſer deſto geſchwinder ablaufen, und die Materie deſto 
leichter trucknen moͤge. Hiernechſt hat man zweer breite Kaͤm⸗ 
me mit engen Spitzen, dergleichen die Hut⸗ und Tuchmacher 
gebrauchen, die Wolle zu kaͤmmen. Damit ziehet man die 
Faͤſerchen gelinde aus einander, und behaͤlt ſolche zwiſchen den 


beyden uͤber einander gelegten Kaͤmmen, daß nur die aͤußer⸗ 
ſten Enden davon außerhalb hervorragen. Die Kaͤmme, wel⸗ 


che alsdenn auf einem Tiſch, oder einer Bank, feſte gemachet 
werden, muͤſſen folgends auf ſolche Weiſe zu einem Spinn⸗ 
rocken dienen. Um nun die Faͤſergen in einen Faden zu ſpin⸗ 
nen, gebrauchet man eine kleine und dünne Spindel, die ſich 
leicht drehen laͤſſet, und oben mit einem Haken verſehen iſt. 
An den Haken machet man einen feinen geſponnenen Faden 
feſte von gemeinem Flachſe, mit welchem man die Asbeſtfaͤ⸗ 
ſerchen, vermittelſt Umdrehen der Spindel, zu vereinigen ſu⸗ 
chet. Man haͤlt aber dabey ein Gefaͤß mit Hel fertig, um 


in 


damit die Finger, als anſtatt des Speichels beym gemeinen 


Spinnen, zu beſchmieren. Dadurch werden die Finger in 


i 


gutem Stande erhalten, weil der Nsheffaben fonft die Haut 


angreifet und wund machet, auch dienet ſolches dazu, daß 

der Faden an ſich deſto gelinder und weicher wird. Derge⸗ 

ſtalt nun laͤſſet ſich der Faden nach einander und mit ziem⸗ 
licher Geſchwindigkeit aufwinden, daß man hernach nach 
„ber ordentlichen Art Leinwand daraus weben kann. Weil 
aber der eingeſponnene Flachsfaden damit noch immer 
untermenget iſt, ſo brauchet m nur denſelben im N 
2 9 f A aus⸗ 


— A 


i = 


V | i : i | \ ! i p i 
168 Nachrichten von Grönland 
; fam machen läffet, daß fie zu Faden kann gefponnen wer⸗ 


den. Herr Egede in feiner Nachricht von der Grön⸗ 
laͤndiſchen Miffion pag. 97 meldet aus eigener Erfah⸗ 


rung, daß dieſer Steinflachs, ſo lange er nur Nah⸗ 
rung bey ſich habe, wie ein Licht brenne und ſich in ſei⸗ 


ner Qvantitåt nicht verringere, wie er es ſelbſt will ver⸗ 


ſucht haben | 


auszubrennen, da denn die Leinwand rein und ganz blei⸗ 


et. 79 


Von einem Amianthbruche in den Sochlaͤndern von 
Schottland hat man eine Beſchreibung in den Philofophi- 
cal - Transactions N. 333. Art. 6 ſeq. worinn unter andern 
merkwuͤrdig, was von den unterſchiedlichen Farben des Ge⸗ 


ſteins erwehnet wird; naͤmlich der blaulichte ſey von viel 


groͤbern, der weiße aber und rothe von feinerm Korn. Von 
einem Ungariſchen Bruche, vid. Marſil. Danub. Tom. III. 
pag. 65. 2 | | hg 


Ich habe mich gewundert, als ich gefehen, daß die | 


Bauern, im Pyrenaͤiſchen Gebirge eher als die Gelehrte, die 
ſich deshalb viele Muͤhe gegeben, das Geheimniß dieſen 
Steinflachs zu ſpinnen, ob gleich auf eine groͤbliche Art, wies 
der ausgefunden haben. Sie machen davon Geldbeutelchen, 
Struͤmpfbaͤnder u. d. m. Ich kann einen Beutel davon in 
meinem Cabinet zeigen. Wie die Tataren denſelben ſpinnbar 
machen, iſt in vorhergehender Note mit angefuͤhret, die einen 
viel feinern Faden und folglich auch feiner Linnen, als jene, 
daraus zuzubereiten wiſſen, davon ich eine kleine Probe von 
dem Herrn de Bruin (der aus ſeinen ſchoͤnen Reiſebeſchrei⸗ 
bungen bekant genug iſt) geſchenket beſitze. Unter den Ge⸗ 
lehrten hat am neueſten und beſten davon gehandelt, und die 
Art, denſelben zu ſpinnen, entdecket Mr. Mahudel in ſeiner 
gelehrten Memoire du Lin incombuſtible unter den Memoi- 


res de Litterature tirés des regiſtres de Academie des in- 
ſeriptions et belles lettres Tom. IV. p. 634 feg. Das ein⸗ 
zige bekannte Ueberbleibſel von der Alten ihrem unverbrennli⸗ 


F. XXIII. 


21 


cen Leinwand ift wohl dasjenige, deſſen Don Montfaucon 


in feinem vortreflichen Diario Italico p. 450 gedenket: in vi- 


nea quadam (1702) detecta eft vrna grandior marmorea, in 


qua tela ex amiantho confecta. Eſt lini genus, quod as- 


beſton 


1 


und der Straat Davis. 169 
§. XXIII. Noch mehrere Gebirge beſtehen aus ei⸗ Von den 
nem fo genannten Veeckſteen, das it, Weichſtein, fo, Gebirgen, 
wie Herr Egede ſchreibet, ein unvollkommener Marmor, 
und von verſchiedenen Farben, als gruͤn und roth, auch 
ganz weiß mit eingeſprengten ſchwarzen Flecken iſt; davon 
die letztere Art tiefer liegen ſoll als die erſtere. Aus dieſem 
machen die Wilden, weil er nicht ſehr hart ift, ihre Lam⸗ 
pen, Keſſel u. d. g. Ein ſo genanntes Geſtein findet 
ſich auch häufig in Norwegen, und die Stufen, welche 
ich davon bekommen, ſind grau und glimmericht, etwas tal⸗ 
cos, und kommen dem Ganggebirge, das von den Norwe⸗ 
giſchen Bergleuten Grauglimmer genannt wird, und 
unſerer Bergleute Greisgeſtein iſt, gar aͤhnlich; nur 
daß es nicht ſo feſte iſt, und mehr talcoſe Flitschen hat. 
§. XXIV. Aus dieſem Geſtein, das dem ietztgenann⸗Worinn 
ten edlen Ganggebirge fo nahe koͤmmt, und einem ans ache 
dern, fo ich nicht geſehen, aber gehoͤret, daß es, wenn talle vers 
man daran ſchlage, bald wie eine Glocke klinge: ſollte ich borgen. 
muthmaßen, daß es hier gut Erz, wenigſtens Kupffer 
und Silber geben muͤſſe. In welcher Vermuthung | 
mich noch mehr beſtaͤrket, da id) vernehme, daß man ein i 
Gebirge an einigen Stellen grün und blau ausgefchles 
gen gefunden. Herr Egede gedenket auch (p. 239 feiner 
Nachricht) einer gefundenen Stufe, die als Bleyerz aus⸗ 
geſehen. Eiſenſtein oder Eiſenerde findet ſich allenthal⸗ 
ben im Lande. Doch wo findet ſich die auf dem Erdbo⸗ 5 8 
den nicht? Daher es denn auch kein Wunder, daß nach | 
Egede Bericht (p. 84) an dem Meerbuſen, Iunnulliarbik 
Bar 0 e eine 
befton Graeci vocitant, tela vero palmis Romanis 9 lon- 
gitudine, 7 latitudine pari ratione atque hodierna tela no- 
ſtra contexitur, filis cannabinae telae more, denſioribus, 
"fed vſu detrita - - - eſtque ipfa tractabilior, tactuque 
lenior ipſo ferice panno etc. Daß und wie an unterſchied⸗ 
lichen Orten Papier daraus gemachet werde, doch eins im⸗ 
æ Soon wenig feiner, als das andere, ift eine bekannte 


170 Nachrichten v von Grill 


eine Act braunrother Farbe und Rothſtein tig 


. 
We 
* 
— 
4 2 
” 
i * 
9. 


weißen Flecken, und anderwerts (p. 87) eine gelbe Far⸗ 


be mit rothen Adern dem Zinnober gleich durchlaufen, 
und noch an einem andern Orte (p. 203) eine fchöne 
braunrothe Farbe ſich antreffen laͤſſet. Man ſagt 
auch, daß ein Bergverſtaͤndiger vom Koͤnige hineingeſchickt 
ſeyn ſolle um einige Erkundigung desfalls einzuziehen, von 


deſſen Entdeckungen man vielleicht mit der Zeit etwas 


wird zu vernehmen haben. Jedoch man finde, was man 
will, der Holzmangel wird iederzeit alle Unternehmungen 
impracticabel machen. Mehrbelobter Egede erwehnet 
noch (p. 165) einer Probe von Steinkohlen, welche die⸗ 


jenige, fo die Plaͤtze an der Diſcobucht zu recognoſeiren 


Gut Waſ⸗ 
ſer. 


liche und Landverderbliche Ergießungen machen. Ohn⸗ 


Was für 
Thiere man 
euf dem 
Lande fin 


1) wide, 


ausgeſchickt geweſen, auf daſigem Lande gefunden und mit 
ſich zuruͤck gebracht. Wenn dieſe weiter nachgeſuchet 
würden, konnten fie Zweifels frey mit der Zeit zur Auf: 
nahme der Colonien und wenigſtens zu de en der abe 
gaͤngigen Feuerung trefflich dienen. ; 


F. XXV. Die füßen Waſſer werden als ſehr gut 


und geſund geruͤhmet: die theils aus geſchmolzenem 


Schnee von den Bergen abſöckern, theils aus denfelben 
hervorſchießen, und oͤfters, wenn ſie zu maͤchtig, entſetz⸗ 


fern der Gegend, wo die Furbiſſer Straße gemeiniglich 


geſetzet wird, findet ſich eine warme Qvelle mineraliſchen 


Waſſers, welche der Groͤnlaͤnder Bericht nach, des Win⸗ 
ters ſo heiß ſeyn ſoll, daß, wenn man große Stuͤcken 
Eis hineinwerfe, dieſelbe fo gleich zergehen, und rings 
umher am Rande es Winter und Sommer gruͤn ſey. 
Das Waſſer an ſich ſoll einen ſcharfen Geſchmack und ei⸗ 
nen ſtarken Geruch haben. (Vid. eee! c. p. 79.) 


§. XXVI. Auf dem feſten Lande finden ſich Haſen, 
die ſehr klein und Sommers grau, Winters aber ganz 
weiß ſind. Wie auch einc kleine Hirſchart; inmaßen 
die beständige ſtrenge Kal lte die Tiere zu einer rechten 


u. | 


= 
— 


ER > 


und der Straat Davis. 7 


Große allhier nicht gedeyen laͤſſet. Die letztere heiſſet 
bey den Nordlaͤndern Reensdyr, ift aber den Reenen 
oder Reenthieren der Laplaͤnder gar nicht, ſondern viel⸗ 

mehr unſern Hirſchen aͤhnlich, vornehmlich was ihre 
Klauen antrifft. Sie iſt dieſelbe Sorte, die auf Spitz⸗ 

bergen geſehen wird, auch von Farbe grau, obwohl dann 
und wann einige, die gelbicht fallen, vorkommen. Das 
Geweihe ift allemahl mit einer dicken rauhen Haut über: 
zogen, und hat auf ieder Seite 3 oder 4 Enden, die platt⸗ 
licht und der Reenthiere ihren naͤher als der Hirſche kom⸗ 
men. Sie find geöblicher vom Leibe als unſre Hirſche, 
und weil fie greuliche Kälte ausſtehen muͤſſen, von etwas 
zottichten Haaren. Ihre Brunſtzeit ift allhier auch im 
Octob. wo ſie recht feiſt ſind, und deswegen um ſolche Zeit 
von den Groͤnlaͤndern zum meiſten gejaget werden. 1 5 
her verlieren ſie ſich bald, und ziehen ohne Zweifel nach 
etwas lindern Gegenden, von wannen ſie im Sommer 
wiederum ſich einſtellen. Unſre Groͤnlandsfahrer mer⸗ 
ken an, daß die Hirſche auf Spitzbergen im Auguſt⸗Mo⸗ 
nat am feiſteſten ſeyn; wie mir denn einer derſelben ges 
ſaget, daß er einſt einen im beregten Monate geſchoſſen, 
der 60 Pfund Talg zwiſchen Fell und Fleiſche gehabt. 
Nachher aber nehmen ſie bey den langen Nächten und 
heftigſtem Froſte immer mehr und mehr ab, bis in den 
Junium, da das friſche Kraut erſt wieder hervorkömmt, 
und find fie zuletzt fo todtmager und dünne; als wenn 
alles Fleiſch weggeſchmolzen, welches aber in ſo kurzer 


Zeit von neuen gleichſam wieder ſo gewaltig anwaͤchſet, 


daß das Thier ſchon im Auguſtus zu der 1 
Feiſte gedenhet. Das Kraut, das fie eigentlich eſſen, 
hat ein rundes Blatt, welches nicht größer als ein halber 
Dreyling, aber gar dick und von einem ziemlich bitterlichen 
Geſchmack iſt. Ich muß aber hierbey die beſondere Ein⸗ 
richtung goͤttlicher allweiſen Vorſehung nicht vorbey gez. 
hen, welche darinn ſich aͤußert, daß wider die Art ande⸗ 
rer Be nicht allein dieſe Hirſche und die übrige vier⸗ 


füßige 


N 


172 Nachrichten von Groͤnland 


, füßige Thiere, als Fuͤchſe, Baͤren, ſondern auch die Vår 


gel und die Wallſiſcharten in diefen kalten Weltgegenden 


alles Fett oben uͤber dem Fleiſche oder zwiſchen demſelben 
und dem Felle ſitzen, dabey aber ein ganz mageres brau⸗ 
nes Fleiſch, und daſſelbe uͤberall mit Blut, und zwar 
weit mehr als die Thiere und Vogel in warmen Landern 
angefuͤllet haben. Woraus ohnſchwer zu urtheilen, daß 
das häufige Gebluͤt in dieſen Creaturen zu Ausdaurung 


der auszuſtehen habenden faſt ertoͤdtenden Kälte eine un- 


beſchreibliche Hitze zu Wege bringen, das Fett aber, wel⸗ 
ches das Fleiſch von oben her umgiebt, ſo wohl die Aus⸗ 


duͤnſtung der Hitze von innen, als die Eindringung der 


Kaͤlte von außen gar ſehr aufhalten und behindern muͤſſe. 
Uebrigens haben unſre Leute auch bey den Hirſchen noch 


dieſen beſondern Inſtinctum dieſer Orten angemerket, daß 


ob es gleich die Zeit über, die fie allda find, beſtaͤndig Tag, 


wie bekannt ift, dieſe gleichwohl ganz richtig um 1 Uhr 
der Nacht ſich verlieren oder ſich zum ſchlafen verkriechen, 
um 2 Uhr morgens aber wieder hervorkommen und ſich 
ſehen laſſen. Wie ſie denn in dieſer Zeit nur wenig ru⸗ 


hen, aber ſtets wo man ſie erblicket, etzend geſehen wer⸗ 


den, weil ſie um ein paar Monat ſo feiſt, als gedacht, 


zu werden, des Futters in Menge benoͤthiget. Die 


Fuͤchſe ſind blaugrau, weiß und ſchwarz, auch ſchwarz⸗ 
braun, anbey groͤber und zottigter von Leibe als in war⸗ 
men Landen. Sie wiſſen dieſelbe mit gewiſſen aufgeſtel⸗ 


leten Fallen zu fangen. Auf dem feſten Lande laſſen ſich 
zuweilen weiße Baͤren ſehen, die aber bald von den Groͤn⸗ 


laͤndern vertilget werden. Sie ſind den unſrigen nicht, 
wohl aber den Spitzbergiſchen mit dem laͤnglichten Wolfs⸗ 
kopffe ähnlich, davon Martens in feiner Spitzberg. Reiſe⸗ 


beſchreibung P. IV. cap. 4. n. 3 eine Beſchreib⸗ und Ab⸗ 
bildung mittheilet. Dem Baͤren iſt allhier dem aͤußer⸗ 


lichen Anſehen nach gar aͤhnlich der Wolf. Ich habe 


den ausgeſtopften Balg eines Spitzbergiſchen Wolfs ge 


habt, daran der Kopf klein und ſpitzig, der Leib lange 


2 
— 


und der Straat Davis. 173 
lich mit dicken, ſtorren, langen Haaren, die faulweiß und 


etwas graulicht, der Schwanz kurz, die Beine faſt ohne 
Gelenke und die Klauen lang und ſteif waren. 


5. XXVII. Von zahmen Thieren haben fie überall 2) zahme. 
keine als Hunde. Die aber auch nur zahm, wenn fie 
hung dazu gewoͤhnet, und bey Haufe gehalten werden 

koͤnnen: ſonſt aber wilde und ſehr beißig ſind. Immaſ⸗ 
ſen deren auf den nach ihnen genannten Hunden ⸗Ey⸗ 
landen, (davon ein iedes nur etwa eine Meile groß und 
mit Gras bewachſen iſt,) wohl 4000 und darüber ſich 
enthalten, die von den Grönländern des Winters mit 
dem Fuco marino, Tang, Muſcheln und dergleichen, auch 
mit Robbenſpeck, doch ſehr ſparſam, (weil ſie es ſelbſt zu 
ihrem Unterhalt nothwendig gebrauchen) pflegen gefuͤttert 
zu werden. Denn dieſe armſelige Menſchen eſſen ſolche 
Hunde windtrucken, auch friſch, indem fie deren Fleiſch 
ſo wohl im Sommer als Winter unterm Schnee und 
Eiſe verwahren. Sie jagen und ſchießen dieſelbe wie 
anders Wild. Dieſe Art Hunde, iſt ſpitzig von Kopf \ 
und Naſe, und hat hohe ſpitzige Ohren. Sie koͤnnen 
nicht bellen, ſondern nur knurren und heulen, dabey ſind 
fie feige, und zur Jagd gar nicht zu gebrauchen. Ka⸗ 
sen haben die Grönländer überall nicht, fürchten ſich 
auch ſehr davor, wenn ſie ſie bey den Daͤnen ſehen. Wie 
fie denn gleichergeſtalt einen beſondern Abſcheu und Furcht 
vor Schweinen bezeuget haben, wenn ſie irgend eins bey 
ihren Gaͤſten erblicket. Sie ſind auch der Katzen nicht 
benoͤthiget, weil ſie keine Ratzen noch Maͤuſe haben, ohne : 
eine kurze und dicke Erdratze, deren aber doch nur wenig 
vorhanden ſind. Schlangen und dergleichen giftiges 
Gewuͤrm kann hier im Lande nicht aufkommen, davon in 
den Nachrichten von Island die Urſache angefuͤhret. 


$. XXVIII. Von Landvoͤgeln haben ſie keine eß⸗ Landvögel. 
bare als die Kyper, deren in eben angezogenen Nach⸗ 
richten . Dieſelbe ſind weiß, mit ſchwarzen 
e 


Waſſervs⸗ 
gel, und 
wie dieſe 
ſich vor den 
Raubos⸗ 
geln und 
andern 
Raubthie⸗ 
ren zu ver⸗ 
wahren 
wiſſen. 


N 


174 Nachrichten von — 


Flecken auf den Fluͤgeln und rauhen Pfötchen. Niſten 
fehr hoch an den Klippen und leben von eben dem rund⸗ 
blättetichten Kraute, von welchem die Hirſche und Rehe 


obangezeigtermaßen ſich naͤhren. Ein aufmerkſamer 


Commandeur von unſern Gronlandsfahrern hat einige 


mahl, als er ihre Neſter zu ſehen bekommen, angemerket, 
daß ſie in denſelben von der zu ſich genommenen Speiſe 


ein Haͤuflein neben den andern hinlegen und verwahrlich 


aufheben, damit fie waͤhrenden Winter, da fie allhie ver⸗ 


bleiben, und fuͤr ſie nichts zu finden, daran nothduͤrfti⸗ 
gen Unterhalt haben mögen. Sonſt ſiehet man auch 
Elſter, Sperlinge und einen weißen Vogel, der ein 


wenig groͤßer als ein Stieglitz iſt, ſo im Maͤrzen in groſ⸗ 


ſer Menge ſich einfindet und gar ſchoͤn ſinget, e 
ar und lichtgraue Falken. 


N 


$. XXIX. Von Strand⸗ und Waſſervsgeln iſt 


dagegen eine erſtaunenswuͤrdige Menge. Es finden ſich 
alle die Gattungen, die Martens in ſeiner oft angefuͤhr⸗ 
ten Spitzbergiſchen Reiſe Part. IV. cap. 2. n. 3 beſchrie⸗ 


ben, und noch viele andre mehr. Ich habe bereits eins 


und anders, dieſe Voͤgel betreffend, in den Nachrichten 
von Island beygebracht. Nachdem ich aber von eini⸗ 


— 


gen alten Schiffern, die lange auf Groͤnland gefahren, 


noch verſchiedene daſelbſt von ihnen gelegentlich gemachte i 


Anmerkungen von der Sorgfältigfeit einiger diefer Voͤ⸗ 
gel, ihre Neſter mit moͤglichſter Sicherheit anzulegen, 


ihre Jungen ius Waſſer zu bringen u. ſ. w. vernommen: 


will ich dieſe (ben, zum Vergnuͤgen der Naturliebhaber, 


hie beyfuͤgen. Es iſt nämlich hier alles voll von Raub⸗ 


voͤgeln und Raubthieren, Bären, Fuͤchſen u. d. g. Die 


letztere ſind dieſer Orten auch eben ſo liſtig als in den 


warmen Gegenden. Weil ſie aber in dieſen mit Schnee SÅ 


und Eis bedeckten Landen, was ihre heißhungrige Mågen 


zu füllen erfodert wird, noch weniger als in jenen fin⸗ 


den; ik ſtellen fie den e W deſto . 


* 


unnd der Straat Davis. 135 


Fa fleißiger nach, und dieſe muͤſſen denn auch ihrer⸗ | 
feits um fo vielmehr auf ihrer Hut ſeyn, und dawider aller 
ley beſtmoͤgliche Gegenanſtalten vorkehren. Die Lum⸗ 
ben, welche auf einmahl nicht mehr als zwey Jungen 
bringen, niſten zu oberſt an den hoͤchſten Felſen, wo an 
denſelben irgend von einem Stein nur ſo viel, daß kuͤm⸗ 
merlich darauf zu ſitzen, hervorraget: : weil ihne daſelbſt 
die Fuͤchſe nicht nachklettern, auch die Raubvogel nicht 
anders, als ſchwebend und ſehr kuͤmmerlich beykommen, 
ſie ſich aber an den Felſen anſtammend, gegen dieſe um 
ſo beſſer mit beißen und kratzen wehren koͤnnen. So 
bald die Junge zu einigem Wachsthum gediehen, werden 
ſie alſofort von den Alten zu Waſſer, wo ſie durch ge⸗ 
ſchicktes Tauchen völlige Sicherheit und ihre Nahrung 
finden, gefuͤhret, und zwar ſolchergeſtalt „daß eins der 
Alten unten her flieget, damit wenn ein Junges etwa ohn⸗ 
maͤchtig wuͤrde, es fein ſanft auf des Alten Ruͤcken fal⸗ 
le, und nicht auf die Steine oder harte Erde, da es 
entweder zu Schanden fallen, oder doch gewiß genug den 
ſtets auflaurenden Fuͤchſen zu Theil werden mußte, hin⸗ 
abſtuͤrze: das andre Alte aber, wofern ivgend ein A. 
vogel zu erfehen, zu deſſen Abwehrung bis zum Waſſe 
uͤber den Jungen ſich ſchwebend haͤlt. Fallen 1 ) 
ſichtiger Weiſe Junge aus dem Neſte, oder font von 
ohngefehr zu Boden, haben die Alte ſolche Liebe dafür, 
daß fie dieſelbe nicht verlaſſen, ſondern, wie fie beſt fon: 
nen, vertheidigen, und ſich daruͤber gemeiniglich von den 
Fuͤchſen mit verzehren oder von Menſchen, wenn die da⸗ 
zu kommen, todt ſchlagen laſſen. Sobald dieſe Voͤgel 
nur einmahl mit den Jungen die See erreichet haben, 
kehren ſie nicht wieder zu Lande, ſondern ein iedes der 
Alten nimmt ein Junges zu ſich, lehren es durch ihr 
Exempel tauchen und ſeine Nahrung ſuchen, treiben auch 
ſolchergeſtalt immer weiter und weiter mit ihnen vom 
Lande ab, und auf dem Waſſer fort, bis ſie damit nach 
einer gelindern und nicht fo dunkeln Gegend als die hie⸗ 


ſige 


x 


76 Nachrichten von Grönland 
fige ift, und die fie vermuthlich in America antteſſe, ge⸗ 


langen: von wannen fie ſaͤmmtlich gegen den Sommer 


wieder zuruͤck nach Groͤnland kommen. Die Alten, wel⸗ 


che ihre Jungen durch einen Zufall verlohren haben, oder 
Alters halber zum Hecken nicht mehr tuͤchtig find, kom⸗ 


men nie ans Land, ſondern enthalten ſich beſtaͤndig in 


Haufen von 60 bis 100 ſtark auf der See, begeben ſich 
aber auch im Auguſt alle wieder mit hinweg. Wenn 
man ein Junges nimmt, und es ihnen in die See zu⸗ 


wirft, fo eilen fie alle herbey, und will einer noch lieber 


das Junge haben und begleiten, als der andre, ſo daß 
fie ſich gewaltig darob beißen und kaͤmpfen, wer es be⸗ 
halten ſoll: im Fall iedoch die rechte Mutter deſſelben 
dazu kommt, und des Jungen ſich anmaßet, geben die 
andern nach, und laſſen es ihr bald fahren. Andre Voͤ⸗ 
gel ſetzen fi ſich ein ieglicher nach ſeiner Gewohnheit etwas 
niedriger an den gaͤhen Felswaͤnden, und ſuchen ſich in den 
durch Abſtuͤrzung einiger Stuͤcken entſtandenen Schrun⸗ 
den oder Ritzen, ingleichen an allen Stellen, wo etwa 
ein Eckchen von einem Stein hervorſtehet, ein Stellchen 
zum Bruͤten aus. Die kleinen Rotjes, d. i. Ratzelein 


(wie ſie von den Hollaͤndern und Hamburgern deswegen, 


weil ſie ſo ſchwarz von Farbe und klein, daß ſie faſt als 
junge Ratzen ausſehen, genennet worden auch als ſolche 
pfeifen, ) ſuchen ſich zu unterſt an den abgeſtuͤrzten Felſen 
unter den Truͤmmern und ſo nahe, als moͤglich, an dem 


Strande der See, enge und tiefe Locher zum niſten aus, 
und ſchleichen, ſo bald ihre Jungen etwas fliegen koͤnnen, 


mit ihnen ſtets zwiſchen und unter ſolchen abgeſtuͤrzten 
Truͤmmern und Felsſtuͤcken (damit ihnen kein Feind bey⸗ 
kommen moͤge) bis zum Waſſer hin, da fi ie denn eben⸗ 
falls mit ſelbigen nachher auch auf der See immer weiter 
fortſchwimmen. Die Tauben, die den wilden Tauben 
an Leibesgeſtalt und Flug ganz aͤhnlich, niſten auch, 
wie jene, in den Ritzen der Klippen, doch ſehen fie ſich, 


wo moͤglich, diejenigen aus, die mit Baer umgeben find, 


x MORER 


| 


und der Straat Davis. 177 


oder hinausſtehende Spitzen in die See haben, damit ih⸗ 

re Jungen, wenn ſie ſtark genug, ſich ſogleich mit ihnen 
aus dem Neſte, ohne daß ein Thier, oder Raubvogel ſie 
erreichen måge, unmittelbar in die See ſtuͤrzen koͤnnen. 
Auf gleiche Art niften auch die von den unſrigen fo genann⸗ 

te Papagoyen, welche gleichwohl mit dieſen nichts aͤhn⸗ 
liches haben, als etwa den Schnabel. Noch erzaͤhlen 
unſere Leute, daß die Mallemucken, Papagoyen, Tauben, 

wenn fie ein Stuͤck Speck, oder Fleiſch von einem getoͤd⸗ 
teten Fiſche abzerren wollen, ſich mit den aͤußerſten Spi⸗ 
tzen ihrer etwas ausgedehnten Fluͤgel und ihren breiten 

Entenfuͤſſen gegen das Waſſer zur Wiederhaltung ſtem⸗ 
men, und ſolchergeſtalt mit den Schnaͤbeln ein Stuͤck 

los und herunter bringen. Wer hat ſie dieſes Kunſt⸗ 
ftücklein gelehret? Dieſes iſts, was ich von dieſer Gar 

tung Voͤgeln in zuverlaͤßige Erfahrung bringen koͤnnen. 

Womit ich mich um ſo mehr begnuͤgen muͤſſen, weil keine 

gelehrten Aufmerker an dergleichen Oerter kommen, und 

ich auch keine lebendig bekommen koͤnnen, daran ich eini⸗ 

ge Anmerkungen ſelber machen moͤgen. | 

S. XXX. Nur bin ich im abgewichenen 1733 Jahre BYDER 

ſo gluͤcklich geweſen, daß ich eine lebende Mallemucke, Mallemu⸗ 

die mit einem aus der Straße Davis zuruͤckgekommenen cke. 

Schiffe anhero gebracht worden, erhalten habe. Ich 

will, was ich an derſelben wahrgenommen, nebſt einer 

Abbildung in Lebensgroͤße anhero ſetzen, in Hoffnung, 

daß es den Liebhabern der Natur, die alles zu nutzen wife 

ſen, nicht unangenehm ſeyn werde. Ich ließe ſie einige 

Zeit auf dem Hofe gehen, um ihre Art zu erkundigen, 

und zuletzt, um fle genauer zu beſchreiben und zu eroͤff⸗ 

nen, erdroſſeln. | | | 

Sie ſchiene harter Natur zu ſeyn: wie denn derglei⸗ 

chen auch in ihrem rauhen und kalten Vaterlande aller⸗ 

dings erfordert wird: weil ihr alles Gewitter recht und 

allemal das Eſſen trefflich angenehm war, Sie war 

MW noch 


i 
| 10 i 


DB. Nachrichten von Grönfand 


noch jung, „anerwogen fie bey mir noch merklich größer 

Rae iſt, wuͤrde auch ohne Zweifel noch lange gele⸗ 
bet haben, wenn meine Begierde ſie bey voller Geſund⸗ 

NH rn zu me 75 ihr das Leben 9 Pe 
alte, 


Sie war UMM mn wie auf allerley Fiſche, 5 dl 
inſonderheit auf rohes Fleiſch. Was ihr vorgeworfen 
wurde, ſchluckte ſie auf einmal, und zwar die Fiſche ganz, 
das Fleiſch in großen Stuͤcken begierigſt hinunter, daͤue⸗ 
te geſchwinde, und ſpruͤtzete bald die Excrementa, fo andern 
Raubvoͤgeln gleich iederzeit dünne waren, von fi 5 da fie 
denn fo fort wieder neuen Appetit hatte, der alles ver⸗ 
ſchlang, was vorkam. Sie gieng auf was kleines, als 
Matzen ꝛc. ungeſcheuet los: gegen was großes, als Ka⸗ 
gen ꝛc. wehrete fie ſich tapfer, hackete mit dem großen 
Schnabel friſch zu, und wenn ſie etwa eine Katze beym 
Schwanze erwiſchen konnte, zerrete ſie dieſelbe dergeſtalt, 
daß dieſe jaͤmmerlich ſchrye; mithin alles vor ihr, was von 
dergleichen Thieren ſie erblickte, liefe. Mur vor Men⸗ 
ſchen war ſie furchtſam; doch nicht wilde, und gegen die⸗ 
jenigen, die ihr das Futter reicheten, zahm und fromm 
genug. Als ich ſte auf einige Tage zu einem Mahler, der 
ſie abzeichnen mußte, gethan, und ſie wieder ins Haus ge⸗ 
bracht wurde, liefe ſie auf meinen Kutſther, der ihr oft 
Gutes erwieſen, fo geſchwinde zu als ob fie ſich freuete, 
daß ſie wieder zu Bekannten kaͤme: wie ſie denn auch die 
Zeit uͤber, da ſie bey dem Mahler geweſen, nicht recht eß⸗ 
ſen wollen, und ſtets als traurig geſeſſen. Wenn ſie be⸗ 
drohet, oder geaͤngſtiget wurde, inſonderheit durch ein 
weißes Tuch, ſchrie fie laute mit einem ſcharfen Ton. | 


Ben genauerer Beſichtigung fand ich ihre ganze Laͤn⸗ 
ge von der Spitze des Schnabels, bis zum Ende der 
Schwanzfedern, 1 Pariſer Fuß und 7 Zoll: den Schna⸗ 
bel bis an den Kopf 14 Zoll; den Schnabel mit dem 
K er 43 Zoll; den Sl 6 Boll, y den m zwar . ver⸗ 
rzet 


5 5 . 1 


/ ) 0 | 
und der Straat Davis. 79 
kuͤrzet trägt, doch gut ausrecken kann; den Schwanz må 
Zoll. Ihre Hoͤhe, wenn fie aufrecht ſtande, war 8 Zoll, 
die Lange der ganzen Beine mit dem Schenkel 84 Zoll, 
doch wenn der Vogel ſtande, hatte er nur die Hoͤhe von 
63 Zoll, das untere Bein aber 27 Zoll. Der Schna⸗ 
bel, fo gerade voraus ſtehet, ift nach Proportion des Vo⸗ 
gels nur ſchmal, und deſſen groͤßerer Theil unbedeckt, 
: hornhaftig und ſchwarzgruͤnlicht ſpielend, der übrige mit 
einem Federfelle uͤberkleidet, fo daß fein ganzer Einſchnitt 
drey Zoll lang iſt. Der 0 Schnabel iſt, ſo weit er 
bloß ſtehet, dicker als der uͤbrige und gleichſam mit einem 
Uetberzuge verſehen, vorne mit einem Haken gen 
in welche der ganze gerade untere Schnabel hinein ſchlaͤ⸗ 
get und ſich ſchließet. Dieſer untere hat noch vorne zu 
einen dreyeckichten Knollen, dergleichen auch andere ſei⸗ 
nes Geſchlechts haben, und Willugby tulerculum ſ. pro- 
minentiam angularem nennet, anbey vermeynet, daß er 
diene ad eam (nandibulam) roborandam, quo fortius 
et firmius piſces retineat. Ornitholog. Lib. III. Sect. 3. 
Member. 2. Tit. 4. cap. 1; wie denn der Schnabel über: 
haupt gar kraͤftig ſcheinet, und feine ſtarke Maͤuslein hat. 
In dem obern (welches mir noch zur Zeit bey keinem an⸗ 
dern Vogel vorgekommen) find vier Naſenloͤcher, als 
in dem offenen Theile 2 laͤnglichte und ſchmale, und in 
dem mit Federn bewachſenen noch 2 rundliche und groͤße⸗ 
re; wie foldes aus der ae Abit des Kopi? 
3 beins zu erſehen. l 


Der Ropf iſt platt und etwas TR Ä Die 
Augen ziemlich groß und helle, der Augapfel pech⸗ 
ſchwarz mit einem etwas lichtern Kreis umgeben, die 
Chren weit und offen. Dieſe Voͤgel find ſehr dick von 
Federn, die am Kopfe und Nacken weiß und grau; am 
Halſe, Bruſt und Bauch etwas weißlicher, auf dem Ritz 
cken, Fluͤgeln und Schwanz aus weiß, licht und dunkel⸗ 
grau, war und mag gemiſchet, die ihnen ein artig 

M 2 buntes 


186 Nachrichten von Groͤnlaud 


buntes Anſehen geben. Dieſelbe ſitzen ungemein tief und 
feſte in der Haut, wozu noch etwas mehr beytraͤget, daß 
der Schaft an denſelben und beſonders an den großen 
ungemein rauch und etwas gewunden iſt. Unter den 
großen Federn findet ſich eine ſolche Decke von dichten 
Pflaumfedern, als die Schwäne, ja bey nahe, als die 
Eyder⸗Enten haben, welche dieſen Vogel wider das Wa 
ſer und die Kaͤlte vortrefflich verwahren muß. Die 
Fluͤgel waren zwar etwas ſchmal, aber dabey gar lang, 
ſtark und mit vielen Federn verſehen. Die ganze Weite 
derſelben erſtreckte ſich, wenn ſie ausgedehnet, von einer 
Spitze bis zu der andern, auf 3 Fuß SE Zoll: dahinge⸗ 
gen der Ruͤcken zwiſchen den Inſertionen der Fluͤgelkno⸗ 
chen nur 2 Zoll hatte. Der Schwanz iſt ebenfalls di⸗ 
cke und dichte von Federn, ſitzet platt und breitlich, wie 
ein Fecher, den der Vogel artig ausdehnen, und damit hin⸗ 
und herſpielen kann. Die Beine und Fuͤſſe find licht⸗ 
grau, ein wenig ins roͤthliche fallend, daran drey große. 
Zaͤhen und hinten ein ganz kleiner. Die drey voͤrdern 
haͤngen ganz durch ein gedoppeltes Fell, das ſich mit dem 
Meſſer von einander trennen laͤſſet, zuſammen, und ha⸗ 
ben ſchwarze ſchmale vorne rundliche faſt menſchliche Naͤ⸗ 
gel: an dem hintern aber eine kleine Vogelklaue. Nach⸗ 
dem die Federn ausgerupfet, fand ſich ein zartes duͤnnes 
Fellein noch uͤber der gewöhnlichen Haut, dergleichen 
man auch ehemals (vid. Memoir. des Mathem. et Phy- 
ſiq. d. 1693. p. 177 ſqq.) an dem Pelican, dero der Kropf⸗ 
gans wahrgenommen, womit dieſe ſchwere Voͤgel zwei⸗ 
felsohne ſo wohl zu ihrer Erleichterung, als zu bequemer 
rer Maͤßigung ihres Flugs im ſteigen und fallen, indem 
fie dazwiſchen viele Luft faſſen, und dieſelbe nach Erfor⸗ 
derniß mindern, oder mehren koͤnnen, von dem allweiſen 
und guͤtigen Schoͤpfer vor andern beſchenkt worden. 
Oben auf dem Fleiſche lag hin und wieder das Fett. Wie 
denn in dem kalten Groͤnlande die Voͤgel insgemein ihr 
Fett oben uͤber i Fleiſche fi itzen, und dabey ihr 1 i 


und der Straat Davis. 1881 
res Fleiſch mit mehrerem Blute, als bey dem Vogelge⸗ 
ſchlechte anderwaͤrts ſich findet, angefuͤllet haben. Wel⸗ 
ches urtheilen laͤſſet, daß dieſes ihnen eine große Wärme, 
der fie auch wohl benoͤthiget, zuwege bringen muͤſſe. Die 
Bruſtmaͤuslein waren ſtark, dicke und den großen Fluͤ⸗ 
geln, auch dem weiten Fluge dieſer Voͤgel, ſo wohl von 
den Neſtern uͤber die ungeheuern Eisfelder nach ihrer 

Nahrung, als bey Einbrechung der langen Naͤchte und 
toͤdtenden Froͤſte nach einer lindern und lichtern, ohne 
Zweifel weit entlegenen Gegend vollfuͤhren muͤſſen, gar 
ſchoͤn proportioniret. Die Zunge war ſchmal, glatt 14 
Zoll lang an der Wurzel mit einigen ſpitzigen etwas ſtei⸗ 
fen Villis beſetzet, dergleichen auch hinter der Oefnung der 
Luftroͤhre (rima laryngis) ſtehen, und beyderſeitig zu de⸗ 

ren Decke und Schutz in Ermangelung einer Epi- 
glottis dienen. Die Ringe der Tracheae, oder Luftroͤn⸗ 
re, find ganz und geſchloſſen rund, weil fie zu ihrem Ger 
laute, das nur in einem Ton beſtehet, keiner Aender⸗ oder 
Spielung derſelben, wie die Singvoͤgel gebrauchen. Am 
untern Ende war dieſelbe als gemeiniglich bey den Voͤ⸗ 
geln zwieſelicht (bifurcata) und mit zweyen dicken knor⸗ 
pelichten Ringlein verſtaͤrket, davon die Arme ſeitwaͤrts 
in die Lunge giengen. Dieſe beſtande nicht ſowohl aus 
zweyen Lobis, als vielmehr (ſo viel ich ſehen konnte, 
weil ich das Bruſtbein um das Squelette aufzuſetzen, 
nicht gern verletzet haben wollte,) aus zweyen ſeparirten 
und unter ſich keine Communication habenden Stuͤcken, 
deren iedes eine beſondere Lunge vor ſich machte, und wie 
eine Goldboͤrſe, oben enge und unten weit geſtaltet, dabey 
rothgelbe von Farbe war. Das Herz, welches 4 Zoll 
lang war, und nur eine Kammer hatte, lag ganz oben 
uͤber der Leber, und nicht zwiſchen deren Lobis. Die Le⸗ 
ber war nach der Größe des Vogels ſehr groß, und hats 
te auch eine große Gallblaſe. Die Milz war faſt 2 Zoll 
lang und dunkelbraun von Farbe, als die Leber. Der 

Magen war wie ein Sack von gar dicken und feſten 

| 1 3 Mem- 


7 


182 Richten von Grönland 


Membranis; inwendig voll ſehr tiefer Rung Ich 


fand nichts mehr von Speiſen darinn, auch keine Spu⸗ 


ren von Magenſäften. Ohnfern vom Pyloro 7 — N 


Gedaͤrme ein Viſcus, von Figur, Glaͤtte und Conſi⸗ 
ftence, natuͤrlich wie eine Hechtsleber, welche aller Ver⸗ 
muthung nach das Pancreas ſeyn wird. Das Meſenterium 


war mit ungemein vielen und großen Blutgefuͤgen durch⸗ | 


webet. Das Gedårme vom Magen an bis ans außer 


ſte Ende, trug 3 Fuß, 4 Zoll aus. Die Nieren lagen | 
zu beyden Seiten, am gewöhnlichen Orte, und waren wie 


anderer Voͤgel ihre geſtaltet; uͤber ieder lag ein ziemlich 
großer eyfoͤrmiger Ball, der die braune Farbe der Nieren 
hatte, die ich aber lieber fuͤr Teſticuln halten wollte: wenn 
ich nur verfichert wäre, daß man in andern Bögeln ders 


gleichen auch wohl an ſolcher Farbe finde, weil ich ſonſt 


in meinem Vogel keine Teſticuln antraf, und derſelbe 
gleichwohl (als der Mangel eines Ouarü ergab) maͤnnli⸗ 


chen Geſchlechtes war. Noch bemerkete ich auf dem aus⸗ 


genommenen Auge einen breiten faſt den vierten Theil 


von der Rundung, beſchlagenden Mufculum, deffen ei⸗ 
gentlichen Gebrauch ich nicht zu errathen weiß. Die 


Sclerotica war ungemein harte und feſte: der humor 
cryſtallinus ſphaͤriſch, dergleichen auch die g ariſiſchen Zer⸗ 
gliederer an dem Cormorant wahrgenommen, um vermuth⸗ 


lich deſto beſſer unterm Waſſer zu ſehen, weil die Mallemucke 
eben fo, wie jener, auch unterm Waſſer feine Speiſe erjagen 


muß, und die Fiſche gemeiniglich ihre cryſtalliſche Feuch⸗ 


tigkeit von derſelben Figur haben. Er vergrößerte auch 
die Schrift, wenn man durch ihn hinſahe, gar ſehr. 


Wenn ich endlich alles vorangefuͤhrte zufammen neh⸗ 
me; ſo kann ich anders nicht urtheilen, als daß dieſe 
Mallemucke eine eigentliche eve ſen. Immaßen die 


Merckmahle, welche die Vogelbeſchreiber von dem Mer 


vengeſchlechte anzugeben pflegen, als der ſtarke, länge - 
lichtſchmale, ſpitzige, und vorne etwas gekruͤmmete a 4 


bel; ee e die langen und ger 
| | 95 figen 


55 
N 
* 
1.8 
n 


1 


und der Strat 2 Davis. 48 


tigen Flaͤgel, die zarten Fuͤße und der an ſich leichte, aber 

mit vielen Federn dicke und dicht bedeckter Leib ſammt der 
Gefraͤßigkeit, Geſchrey und Geſelligkeit mit den Men⸗ 
ſchen u. rw. an meinem Vogel insgeſammt vollkömmlich 
zu finden geweſen. i | 


Ich bediene mich er der Freyheit, die man ce 
nem ieden, der zuerſt ein Thier, Vogel ꝛc. beſchreibet, 

ſonſt zu geſtatten pfleget, und gebe dieſem Vogel folgen⸗ 

den Nahmen: Larus marinus maximus ex albo, nigro 

et fufco varius, Groenlandicus: eine bunte Groͤnlan⸗ 
diſche Meve der groͤßeſten Art, (maßen fie größer, als 

eine große Endte war /) mit weiß ſchwarz und faulgelben 
Federn, einen geraden vorn am obern Kiefer nur ein we⸗ 

nig gekruͤmmeten Schnabel und hinten Be, über 
einander geſchlagenen Flügeln. 10 „ 


Der Nahme Mallemucke oder Hollaͤndiſch Malle: \ 
Mocke aber, der fo viel als albernes Thier oder dum⸗ 
mes Beiſt bedeutet, und von Mall, malle, ſtupidus, 
ſtultus und dem Altdeutſchen Worte Mocke feropha (wie 
man denn auch noch in Holland eine unreinliche Magd 
Vuyle Mocke ſchilt,) herkoͤmmt, ift ihnen ihrer Dumm; 
heit halber und um des willen von den Hollaͤndiſchen Groͤn⸗ 
landsfahrern beygeleget worden, weil fie, wenn fie ein? 
mahl auf ein Wallfiſchaaß gefallen, ſich faſt ohne zu wei⸗ 
. Ka aus emen ges Freßgierde darauf e : 
a en. \ 


F. XXXI. Indeſſen lg noch mehr als eine Art der Deren ig 
Mallemucken feyn, geſtalt diejenige, welche von Martens ee 
in feiner Spitzbergiſchen Reiſe Part. IV. cap. 2. n. 1 ber 
ſchrieben wird, in mehr als einem Stucke von der unſri⸗ 
gen unterſchieden iſt. Welches auch deſto eher ſeyn 
kann, als die Benennung von obenhin fehenden Matro⸗ 
m ins wilde weggegeben, und von einer Eigenſchaft, die | 

MA dumme 


/ 


184 Nachrichten von Groͤnland 


mehr denn einer Akt gefräßiger und heifhungriger 98 


gel gemein iſt, aufgegriffen worden. 


Roch meh ⸗ F. XXXII. Ferner giebt es noch mancherley wilde 
rere Arten Gaͤnſe und Enten, infonderhekt die Eiderente, Ae⸗ 
kervägeln, derfugle, welche alle mit einander auch gegen den Sons 


land, gegen den Winter und der angehenden langen Nacht 


aber ſich wieder hinweg nach America oder andern Ge | 


genden, wo ſie inzwiſchen mehr Licht und gelindere Wit⸗ 


terung haben, begeben. Aus einer Nachricht von eini⸗ 


gen, die auf Spitzbergen uͤberwintert, erhellet, (beym 
Zorgdraag. P. III. cap. 10.) daß der Abgug mit an 
deg Octob. geſchieht. | 


Was fürzij-⸗ F. XXXIII. In den Auen und Bächen giebt es 


tær ge fun Lachsfohren und viele Krebſe. Aber noch mehr 


den werden 


2) in den Laͤchſe. In einem Fluſſe, der in die Bahlsſtorde fällt, 


dee hät man einſt 18 Tonnen Lachs gefangen: es giebt auch 
allenthalben viele Lachselver oder Lachsauen, wel⸗ 


ches meiner Meinung nach die von den Nordiſchen Leuten ) 
ſogenannte Rothfiſche find, die in Norwegen Auen | 


heiſſe en. 


2) f H. XXXIV. Die See iſt heren Fiſchreich an aller 
S ley Fiſchen, Auſtern aber hat man nicht: doch ſehr ſchoͤ⸗ 
ne Muſcheln und große Taſchenkrebſe (Paguros) *, 

"OR den kleinern Seen fangen die! e e 

| | it 


* An den Weiblein, bie um ihre Seilen zu bedecken, einen 
breitern Steert, als die Maͤnnlein haben, ſiehet man, wenn 


derſelbe aufgehoben, die deyden Geburtsglieder zu ieder Sei⸗ 
ten eins, wie auch die vaginas vteri inwendig ganz eigentlich. 


Die Maͤnnlein haben auch zwey maͤnnliche. Bey der Begat⸗ 


tung thun ſie beyderſeits die Steerten hinweg, legen ſich auf 
einander und hängen poft infertionem fo feſte zuſammen, 
daß man mit dem einen den andern aue und forttra⸗ 
gen kann. 


1 — 


mer oder mit den anbrechenden langen Tagen nach Groͤn⸗ 


„N 


und der Straat Davis. 185 
heit die Lodden, eine kleine Heeringart, Lodder auf Nor⸗ 
wegiſch genennet, welche aber noch mehr den Stinten 
gleicht. Dieſe werden haufig von ihnen in Ruͤſen gefan⸗ 
gen, und zu ihrer Winterkoſt auf den Felſen getrucknet. 
Es giebt auch viel Kabbelan, Rochen, Schullen 
und den Sillbut, der Norwegiſch Gveter heiſſet, und 
allhier ſo groß faͤllt, daß man von einem eine ganze! Ton⸗ 
ne fuͤllen kann. 


wer XXXV. Von den En Meerfiſchen, welche die Von den 
Naturaliſten ad GEN VS CETACEVM rechnen, hat an 
man hier und in den übrigen Meeren unter dem Nords |? 

pol eine unglaubliche Menge, und ich glaube, daß keine 
Gattung derſelben ſey, die hier nicht anzutreffen waͤre. 
Denn hier hat ihnen die milde Vorſorge des Schoͤpffers 

ihre Nahrung (davon in der Folge mehr vorkommen 

wird, ſo reichlich zubereitet, und fuͤr ihre gar hitzige und 
fette Coͤrper iſt kein ander Climat beqvem, in Betrach⸗ 

tung ihr Fett, wenn ihnen die Sonne mehr auf den Ruͤ⸗ 

cken brennen ſollte, bald ſchmelzen wuͤrde. Ich will alſo 
Gelegenheit nehmen von denſelben etwas ausführlicher 

zu handeln, und ihre Naturgeſchichte in ein beſſeres Licht, als 

etwa von andern geſchehen, ſo viel mir moͤglich, zu ſetzen, 
vornehmlich aber Anleitung geben, damit man nach und 
nach zu mehrerer Gewißheit darinnen gelangen moge. 


§. XXXVI. Es unterſcheidet ſich dieſes Fiſchge⸗ Deren 

ſchlecht gar ſtark von andern Fiſcharten. Denn es hat Feen AR 
von denſelben nichts als die aͤußerliche Geſtalt, ſein inn⸗ here 
wendiges, ja feine ganze Beſchaffenheit koͤmmt mit den Fiſchen. 
Landthieren uͤberein. Es hat warm Blut; es ſchoͤpffet 
Athem vermittelſt einer Lunge, und kann deshalb nicht 
lange unterm Waſſer dauren: es begattet fi) auf thieri⸗ 
ſche Weiſe, bringet lebendige Jungen, und ſtillet dieſelbe 
mit ſeiner Milch und Zitzen. Da auch ſonſt der andern 
Fiſche ihre Floßfedern aus Graͤthen beſtehen, die mit 
duͤnnen Zwiſchenhaͤutlein an einander gehefftetſu nd; fo har 

M 5 ben 


— 


186 Hacheichten von — 


ben die Wallfiſche dafuͤr Gliederknochen, ieh 0 


liche Hand mit Fingern gebildet“, mit Maͤuslein oder 
vielem ſehnigten Fleiſche bekleidet, und mit einer ſolchen 
dicken Haut und Schwarte, als der uͤbrige Leib bedecket; 


welche auch daher zum Unterſchiede von unſern und den 


Hollaͤndiſchen Seeleuten Finnen * genennet werden, 
da ſie die andere Floßen oder Floßfedern heiſſen. Aber 


eben hierin hat der weiſe Schöpffer fie ſehr wohl bedacht, 
weil gemeine Floßfedern fuͤr ſie viel zu ſchwach geweſen 


ſeyn würden, ihren ſteifen Körper zu wenden, oder im 
Niederſinken der Laſt des nachdringenden ſchweren Leibes 

zu widerſtehen, und den Sturz zu verhuͤten. Wie denn 
dieſes geſammte Fiſchgeſchlecht uͤber dem auch noch einen 
breiten horizontal auf dem Waſſer liegenden dicken und 
breiten Schwanz hat, der Zweifels frey auch dazu inſon⸗ 
derheit geordnet ift, daß er den Finnen zu Huͤlfe kommen 


i 


und verhüten fol, damit diefe Fiſche, die an ihren plum 


pen und ſchweren Koͤpffen oder Vordertheil, gegen den 


übrigen Leib zu rechnen, ein großes Uebergewicht haben, 


wenn ſie nach dem Grunde wollen, nicht gar zu gehling 


über und hinab auf die Felſen ſtürzen, ſondern mählig | 


finfen und ihren Fall mäßigen koͤnnen. 


Mori e §. XXXVII. Endlich hat das Wallfiſchgeſchlecht 


derli 1 
Walſſch vor andern Fiſchen noch dieſes beſondere, daß fein thieri⸗ 


ec ſches Skifi 1 über und über ziemlich hoch mit einem febr 
ite eben 8 : 
1 


* Man kann eine Abieichnung der Finnenknochen von 


einem Meerſchweine beym Maior in Miſcell, curioſ Medico- É 


Phy£.Lib, IV, p 25. und von einem andern Fiſche dieſes Ges 
ſchlechts beym Sachs Monocerolog. p.79 feq ſehen. Wes⸗ 
wegen dieſelbe auch in den Kunſt⸗ und Naturalienkammern 


fuͤr Knochen von Meermenſchenhaͤnden i Be, a i 


ausgegeben zu werden. 


Von dem alten beutfehen Wort Sinne, A. Sax. "Find, | å 


Angl. Fin, Dan. Finder, ig Feen, Lat. e eine Floß⸗ 


feder. h 15 | 34 


‚sahen, | 


N + 
dd 


und der Straat Davis. 9 


zaͤhen, ſehnigten und poroſen oder ſchwammichten Spe⸗ 
cke, (welches die Engliſchen Fiſcher Blubber nennen,) be⸗ 
decket und umgeben iſt. Zu welchem Ende dieſes alſo 
von dem allweiſen und allmaͤchtigen Schoͤpffer geordnet 
worden; ſolches erhellet zum Theil aus dem, was disfalls 
vorhin bey den Hirſchen angefuͤhret iſt. Damit man 
aber auch die hiebey noch waltende weitere goͤttliche Ab⸗ 
ſichten zu deſſen Preis erkennen moͤge: ſo will ich dem 
Deutſchen Leſer allhier noch die feinen Gedanken mitthei⸗ 
len, welche von dem Nutzen dieſer beſondern Speckdecke 
der ſcharffinnige, gelehrte und fromme Ray den Philo- 
ſoph. Tranſact. ” einrücken laſſen. Er urtheilet, daß 
ſtie 1) das kalte Waſſer von dem Blute, fo wirklich und 
fuͤhlbar warm iſt, in einer gewiſſen Weite abhalte; daß 
fie 2) die Ausdünſtung der warmen Dämpfe aus dem 
Gebluͤte zuruͤck und folglich die natuͤrliche Hitze des Fi⸗ 
ſches beybehalte, daß ſie vielleicht 3) auch dem plumpen 
Koͤrper des Fiſches, der an ſich zu ſchwer ſeyn duͤrfte im 


Waſſer ſich zu bewegen und zu ſchwimmen, zur Erleich⸗ 


terung oder zum Gegengewicht dienen. Woben ich eine 
Particularitaͤt, die ich von unſern Grönlands fahrern ver⸗ 
nommen, und noch bey keinem meines Behalts angemer⸗ 
fer gelefen habe, hier anführen will, wiewohl ich die voͤl⸗ 
lige Nachricht davon noch zur Zeit nicht geben kann. Es 
hat dér Wallfiſch ein großes weites Gedaͤrme, welches 
unſre Leute den Hauptdarm nennen, und ſolchergeſtalt 
beſchreiben, daß er von dem Schlunde die Laͤnge hinab⸗ 
77 ob fie gleich deſſen eigentliche Laͤnge und Lage (weil 
e den Fiſch gar ſelten oͤffnen, noch um deſſen Einge⸗ 
bet ſich bekuͤmmern,) nicht zu ſagen wiſſen. Er iſt ſo 
weit, daß ein vollkommener Mann hinein kriechen kann, 
dabey ziemlich dicke. Wenn man ein Stüc davon her⸗ 
aus gebracht, hat man nichts von Speiſe noch Koth, | 
wie in den rechten Därmen , ſondern nur ein wenig 
g Schleims 
+ Vid, e . Vol. II. p. 339. 5 


188 Nachrichten von Grönland 


Deſſen ver⸗ 
ſchiedene 
Einthei⸗ 
lung u vie 
lerley Ar⸗ 
ten davon 
XV ange 
fuͤhret wer⸗ 
den. 


Schleims oder Rotzes darin gefunden, dergleichen man 
auch nur in dem Magen antrifft. Wenn der Fiſch eine 
Weile todt, hebet er ſich aus dem Waſſer, dieſem nun 


zuvor zu kommen, ſtechen fie mit einer enge oder eiſernen 


Lanze bey den Finnen in den Fiſch, und bemuͤhen ſich ein 
Loch in den angeregten Haupt⸗Darm zu machen, in Be⸗ 
trachtung, daß wenn ſie denſelben treffen und oͤffnen, nicht 
wenig Luft herausgehet, und verurſachet, daß der Fiſch 
um ein vieles wieder tiefer ins Waſſer hinab ſinke. Wel⸗ 


ches mich auf die Gedanken bringet, daß dieſer Darm ein 
großes Luftbehaͤltniß ſey, welches den lebendigen Fiſch, 
nachdem viel oder weniger darin iſt, leichter und ſchwe⸗ 


rer, folglich zum heben und ſchwimmen beqvem mache, 
mithin ihm eben die Dienſte thue, die andern Fiſchen ihre 
zuftblaſe 0 Ich bin auf dieſe Gedanken gekommen, 
da ich in den Dorſchen einen an dem Ruͤcken feſt ſitzenden 


und von oben beym Rachen an; die Lange hinab und den 


Anum noch vorbey laufenden Luftſchlauch gefunden, wel⸗ 
cher denſelben zu gleichem Behuf dienet. Was ich ſonſt 


von dieſen Fiſchen noch merkwuͤrdiges erfragen moͤgen, 


werde ich bey Erwehnung der Mee Arten ea 


gen unvergeſſen ſeyn. 


$. XXXVIII. Es giebt, wie gedacht, der Walffſche | 


vielerley Arten. Ihre erſte Eintheilung moͤgte ſeyn in 


die, fo Blaſe- und die, fo Naſeloͤcher haben. Unter 
denen, ſo durch Blaſelocher oder Roͤhren athemen, haben 


einige zwey, als der eigentliche Wallfiſch, der Finnſiſch 
und ſo weiter: andere nur ein Loch als die Cachelotte. 
Die Naſelöcher haben, kommen ſelten vor. Unſere 


Schiffer haben ſie niemahls weder in Groͤnland noch in 
der Straat Davis geſehen; und ich haͤtte ſie ſchier fuͤr 
erdichtet en, wenn DAN außer dem Fabro *, der 

e 


Der gleichwohl ex PORT von einem mit 2 „ 
nen ſchreiben will. vid. ae Hift. ER Lib. II. 


ap. 4. 


3 


und der Straat David, 189 


aus feinem Prodromo hiſtoriæ Naturalis Scotie wohls 
bekannte und glaubwuͤrdige D. Rob. Sibbald in feiner 
ſehr ſeltenen Balænologia nova zwoer unterſchiedener Gat⸗ 
tungen derſelben, die auf den Schottiſchen Kuͤſten ger 
ſtrandet, erwehnet haͤtte . Hiernechſt theilet man ſie 
zum natuͤrlichſten und kennbareſten in ſolche, die einen 
ſchlechten, und in ſolche, die einen ausgewachſenen 
Ruͤcken haben. Einen ſchlechten Ruͤcken haben, der 
eigentliche Wallfiſch, der Nordcaper. Einen ausgewach⸗ 
fenen Ruͤcken haben, und zwar (a) mit einer Finne, 
der Finnfiſch, der Jupiter, oder (b) mit einem oder mehr 
Puckeln, der Schwerdtfiſch unſerer Groͤnlandsfahrer, 
der Americaniſche Pflockfiſch u. ſ. w. Sonſten haben 
die Wallfiſche entweder Baarten, als der Groͤnlaͤndi⸗ 
ſche, Nordcaper, Finnfiſch ꝛc. oder Zaͤhne. Die letztere 
haben entweder nur (a) einen Zahn als das ſogenannte | 
Einhorn, oder (b) viele, und dieſelbe entweder nur ale | 
lein, oder doch meiftens, im Unterkiefer, als die Cache⸗ 
lotten und der Wittſiſch, oder in beyden Kiefern, als der 
Butzkopf, der Delphin, das Meerſchwein u. ſ. w. 


$. XXXIX. Unter denen, die Baarten haben, und alg 1. der 


Ke 


einen ſchlechten oder glatten Ruͤcken, ift der vornehmſte jo genan⸗ 
um des willen alle Ausrehdungen geſchehen: Der rechte fe 5 
Groͤnlaͤndiſche Wallfiſch, Balæna vulgaris edentula, Walch 
dorſs non pinnato. Ray. Balæna maior laminas cor- . 
neas in ſuperiore maxilla habens, fiſtula donata, bipen- 
nis, Sibbald. Isl. Slettbakr, Dän, Slichtebak, Schlecht: 
rück, imgleichen Sand-hual, Es iſt ein plumper und dicker 
Fiſch, an dem der Kopf den dritten Theil ausmachet: 
wie deſſen Abbildung en Martens in feiner Spitzber⸗ 

| giſchen 


+ Als (1) Balaena tripennis, nafes habens cum roſtro 
acuto et plicis in ventre, und (2) Balaena tripennis, maxil- 
lam inferiotem rotundam et ſuperiore multe latiorem has 
bens. | | 


190 SRadbtichten von Grönland 


giſchen Neiſebeſchreibung/ „ſo die beſte iſt, vor Augen 
ſtellet. Sie werden bis zu 60 und 70 Fuß lang. Die 
Finnen an den Seiten ſind 5 bis 8 Fuß lang, und der 
Schwanz, fo horizontal lieget, aber auf beyden Enden 
etwas in die Höhe gekruͤmmet ift, alſo daß er ein ww 
vorſtellet, 3 bis 4 Klafter breit, womit er, wenn er ſich 
auf die Seite geworfen, gewaltig ſchlagen kann. Die 

Haut iſt glate und ſchwarz/ doch an einigen mit weiß und 
gelb, inſonderteit auf den Finnen und dem Schwanz 
zierlich gemarmelt: der Bauch weiß. Mit dem Schwanze 
rudert der Fiſch ſich fort, und zwar ſo geſchwinde, daß, 
wenn man die ungeheure Groͤße und Schwere deſſelben 
bedenket, es hoͤchſt zu bewundern iſt. Die Finnen brau⸗ 
chet er bloß allein ſich zu wenden, doch das Weiblein be⸗ 
dienet ſich der ihren auch noch in der Flucht, um ihre Jun⸗ 
gen vermittelſt derſelben, indem fie die Finnen hinter die 
ausſtehende Fluͤgel oder Enden des Schwanzes der Jun⸗ 
gen ſchlaͤget, mit ſich fortzuſchleppen. Gleich unter der 
Haut, die nur ſo dick als ein dickes Papier oder duͤnnes 
Pergament, und der Schwarte, die eines Fingers dick iſt, 
ſtehet ſofort oben uͤber dem Fleiſche her der Speck 9 bis 
12 Zoll dick, ſchoͤn gelb von Farbe, wenn der Fiſch geſund 

iſt. Das Fleiſch aber an ſich iſt mager und hoch roth. 
Am Oberkiefer ſitzen zu beyden Seiten die Baarten, wel⸗ 
che ziemlich ſchief unterwaͤrts in die Unterlefze, als in eine 
Scheide ſich ſenken, und die Zunge von beyden Seiten 
gleichſam umfaſſen. Wie ſie denn auch auf ihren ſchar⸗ 
fen Ecken mit Zotten oder Faſen verſehen, damit fie ei⸗ 
nes theils die Lefze und Zunge vor dem einſchneiden und 
verletzen bewahren, zugleich aber andern theils das Un⸗ 
geziefer, fo der Fiſch einſchlurfet, und zwiſchen den Blaͤt⸗ 
tern der Baarten zu feiner Nahrung zerqvetſchet, als ein 
Netz auffangen und halten, bis der Fifch, ſolche hinab⸗ 
ſchlinget. Die Baarten ſitzen gleichſam wie Orgelpfei⸗ 
fen im Kiefer vorn und hinten die allerkleinſten und kleis 
nern, in der Mitten die groͤßeſten, a lebkere 6, 8 und 
Å un å 


und der Straat Dabis 191 


mehr Fuß lang find, Die Zunge ſitzet meiſt feſte, und 
eigentlich iſt nur ein großes Stuͤck Speck, womit man ei⸗ 
nige Tonnen anfuͤllen kann. Das Auge ift nicht größer, 
als ein Ochſenauge und der getrocknete humor eryftal- 
linus, wie eine große Erbſe. Sie figen am Hinterkopfe, 
wo er am breiteſten ift, von wannen ſowohl der Kopf 
vorne, als der Leib hinterwaͤrts immer ſchmaͤler wird, da⸗ 
mit ſte naͤmlich in etwas vor und hinter ſich ſehen koͤn⸗ 
nen, und dem Fiſche um fo viel nuͤtzlicher ſeyn. Eigent⸗ 
lich aber ſitzen ſie ſolchergeſtalt, daß ſie vornehmlich da⸗ 
mit uͤber ſich, und was uͤber ihnen iſt, ſehen koͤnnen, als 
wozu ſie ſolche am meiſten gebrauchen. — Denn weil ſie 
ſiich zu mehrer Sicherheit gerne unter dem Eiſe aufhal⸗ 
ten, gleichwohl aber ohne Luft zu ſchoͤpfen, nicht lange 
darunter dauren koͤnnen: ſo ſchauen ſie uͤber ſich, wo 
das Licht durchfaͤllt, und das Eis folgbar am dünneften 
ift, und drengen an daſſelbe (und wenn es bey einer Elle 
3 dicke iſt) mit ihrem Kopfe dergeſtalt, daß es daſelbſt ber⸗ 
ſten und ihnen nöthige friſche Luft zur Einathmung durch⸗ 
laſſen muß. Maßen fie ſonſt zu dem Ende allemal un⸗ 
ter dem Eiſe wieder wuͤrden hervor, und ſich ſtets den 
aͤußerlichen Gefaͤhrlichkeiten bloß ſtellen muͤſen. Zum 
Schutz der Augen hat der thieriſche Wallſiſch wider aller 
andern Fiſche Art Augenlieder und Augenbeteunetg, wie 
die Landthiere. Hierneben und weil er ſo ſehr, beydes, 


vom Schwerdtfiſche und den Menſchen verfolget und ge 


toͤdtet wird, doch fein Geſchlecht nicht ſtark vermehret, ſo 
hat die weit Vorſorge des guͤtigen Schöpfers ihn auch 
noch mit einem überaus ſcharfen und weiten Gehoͤr zu 
ſeiner Rettung verſehen. Zwar merket man am Kopf 
äußerlich nicht die geringſte Spur einiger Ohren oder 

Ohrlappen, die ihme auch nur im Schwimmen hinder⸗ 

lich und allerley beſchwerlichen Zufaͤllen unterworfen ſeyn 

würden. Allein, fo bald die obere Haut vom Kopf hin⸗ 
weggethan wird, findet ſich recht hinter dem Auge und 
ein wenig niedriger, ein orig Flecken, und auf derſel⸗ 
eben 


12 Nächrichtenvon@ränfand 
ben Stelle eine zarte Roͤhre, wodurch or Zweifel der 
Schall bis zum Trummelhaͤutgen dringet. Denn durch die⸗ 
ſelbe fahren und ſtoßen die Matroſen mit einem Booßhaken, 
ohngefaͤhr zwo Ellen tief auf die Cochleam, cauitatem 
cochleatam buccinatam, antrum buceinoſum, wie die 


Anatomici ſprechen, fo ein befonderer zum Gehör 
dienender Knochen, von ihnen Wallfiſchohr ger 


nannt, ift *, welchen fie wenn der Fiſch ſchon etwas 
todt geweſen, und ein wenig verfaulet, (denn im friſch ges 


‚ tödteten fitet er gar zu feſte) mit ſolchen Haken zum Verkauf 
an die Apotheker, oder Drogiſten herausreiſſen, doch dar⸗ 
uͤber gemeiniglich denſelben in etwas verletzen. Ein meh⸗ 
rers und eigentlichers iſt mir noch zur Zeit von den Glied⸗ 
maßen und innwendiger Beſchaffenheit des Kopfs dieſes 
Fiſches nicht bekannt, weil noch keiner, der die Zerſchnei⸗ 
dungskunſt gewußt, oder daran auszuuͤben Luſt gehabt 
haͤtte, dazu gekommen. Dieſes iſt auch die Urſache, daß 
man wenig von ſeinen innerlichen Theilen des Leibes und 
dem Eingeweide zu fagen weiß: ohne was ich oben H. 37. 
von dem ſo genannten Hauptdarm angefuͤhret. Wenn 
fie einen todten Fiſch, der durch die Faͤulung ſchon aufge⸗ 
borſten, finden, 125 ſie NON etwas von feinen Gedaͤr⸗ 


men, 


+ Dieſe heißen Ey n den Apotheken Lapides 
‚ Tiberonis oder Lapides Manati, und werden dafür, beſon⸗ 
ders in den Landſtaͤdten, ganz irrig verkaufet. conf. Worm. 
Muf. p. 18. Da man doch eines theils bedenken ſollen, dag 
dieſe beyden Thiere gar febr von einander unterſchieden find, > 
indem der Tiburo ein rechter Fiſch, nemlich der Merrwelf | 
oder große Pan; der Manati (Lamantin) aber ein vierfüß⸗ 
ges Amphibion, oder große Art von Robben (deſſen Bee 
ſchreibung Labat voiag. aux Isles Franc. del Ameriq. P. II. 
p. 39 ſeg. giebet,) ift; und dieſe Knochen nicht die geringſte 
Uebereinkunft mit andern alſo genannten Fiſchſteinen haben: 
andern theils auch nur die Groͤnlandsfahrer, von denen man 
fie ankauft, fragen dürfen, woher fie dieſelbe bekommen haͤt? 
ten. Doch ſo iſt in der Materia Medica noch viele Ungewiß⸗ f 
Heit, Verwirrung und Finſterniß. 2 


und der Straat Davis. 19; 
men, welches, wie unfre Leute erzehlen, aus neun un⸗ 
terſchiedenen Haͤuten, die man eine nach der andern her⸗ 
abziehen kann, und worzwiſchen iedesmahl einige Fettig⸗ 
keit ſich findet, beſtehen ſoll; aber ſie achten nicht darauf. 
Seine Excrementa nehmen einige zuweilen heraus, weil 
dieſelbe wie ein etwas feuchtes Zinnoberpulver ausſehen, 
auch eine rothe und auf Leinwand einige Zeit dauernde 
Farbe geben, und eben nicht ſonderlich uͤbel riechen ſollen. 
Die auswendige Geburtsglieder find bey dem Maͤnnlein 
ein ſechsſchuhichter Penis; welche Laͤnge wegen ihrer dicken 
Baͤuche wohl noͤthig. Derſelbe haͤlt zu unterſt 7 bis 8 
Zoll im Diameter, oben aber kaum einen Zoll, ſo ſpitzig 
laͤufet derſelbe zu. Er ziehet ſich aber ordentlich ganz in 
den Leib und lieget darinne als in einer Scheide wohl ver 
wahret, wie denn auch die Oeffnung derſelben mit Mus⸗ 
keln, als einem Sphinctere feſte verſchloſſe n / damit er nicht 
etwa am Grunde des Meers im Schwimmen verletzet 
werde. Das Glied des Weibleins iſt wie bey den vier⸗ 
fuͤßigen Thieren geſtaltet, doch auch ordentlich feſte zu⸗ 
geſchloſſen. Neben demſelben ſitzet an iedweder Seiten 
eine Bruſt oder Zitze, die gewöhnlich hart anlieget, von 
den Muͤttern aber, wenn ſie ſtillen wollen, bis zu 6 und 
8 Zoll in der Laͤnge und 10 bis 12 Zoll in der Runde zur 
Bequemlichkeit des Jungen heraus gedrenget werden 
kann *. Die Begattung geſchieht nach einhelliger Aus⸗ 
ſage unſer Groͤnlandsfahrer ſolchergeſtalt, daß beyde ſich 
auf ihre breite und platt liegende Schwaͤnze ſenken, und 
mit gerade aufgerichteten Koͤrpern gegen einander ruͤcken, 
ſich oben vermittelſt ihrer Finnen an einander ſchließend. 
Wiewohl P. Dudley in den angezogenen Tranfadions 
folgende andere (doch vermuthlich nur gewiſſen Gat⸗ 
tungen gewöhnliche) Weiſe berichtet. Denn das Weib⸗ 
lein, ſagt er, wirft ſich auf den Rücken, und bieget ih⸗ 
ren Schwanz zuruͤck, das Maͤnnlein rutſchet auf dieſelbe, 

und 
” Vid. Philofoph, Transact. N. 387. Art. 2. 
N 


104 SRadhridjren von Grand 1 


und wird von ihr mit ihren Finnen gleichſam umarmek 
und angehalten. Sie begatten ſich nach deſſelben An⸗ 
merkung nur alle zwey Jahr. Eine geſchwaͤngerte fol 
9 oder 10 Monath tragen, und ift alsdenn am fetteſten, 
vornehmlich um die Setzezeit. Die Frucht ſoll, wenn 
ſie nur 17 Zoll lang, ſchon völlig gebildet und weiß, wenn 
"fie aber zeitig, insgemein 20 Fuß lang und ſchwarz ſeyn. 
Ordentlich bringen ſie nur ein Junges, ſelten zwey. Wenn 
die Mutter ihr Junges ſtillen will, wirft ſie ſich auf die 
Seite in der Oberfläche des Waſſers, und laſſet daſſelbe 
ſaugen. Die Milch iſt wie Kühemilch. Sie trägt übers 
haupt ſehr große Sorge fuͤr ihr Junges welches ſie, 
wenn ſie verfolget wird, vermittelſt ihrer Finnen auf ob⸗ 
erwehnte Weiſe an ſich geklemmet mit fortſchleppet, auch 
ſelbſt verwundet gleichwohl nicht verlaͤſſet, ja wenn ſie 
ſich an Grund begeben, der Gefahr ohnerachtet, und da 
ſie ſonſt wohl bey einer halben Stunde unter Waſſer zu 


dauren vermag, doch um ihres Kleinen willen, das fo 


lange ohne friſchen Odem nicht dauren kann, viel ge⸗ 
ſchwinder wieder empor koͤmmt. Geſtalten dieſes von 
dem obangezogenen Dudley aufgezeichnet if . Es blei⸗ 
ben die Wallfiſche iede bey ihrer Gattung und vermiſchen 
ſich nicht mit einer andern. Sonſt aber halten ſie ſich 
ſtets in großen Haufen zuſammen und verrichten ſolcher⸗ 
geſtalt alle ihre große Reiſen. Das Gewuͤrme, davon 
der e allein lebet, 1 was etwa von ganz klei 
| nen 
Sie ſaugen ein Jahr ang und werden 1 fa von 
den Englaͤndern Sort - hende, das ift, Rurzkoͤpfe genannt. 
Sie find ſehr fett, daß fie so Vaß Thran geben, aber die 
Mütter ganz mager. Zweyfaͤhrige heißen Stunts, daß ift, 
Duͤmlinge, weil ſie nach der Entwehnung dumm ſind, und 
dann geben ſie nur 24 bis 28 Vaͤſſer. Nachher heißen ſie 
Sculfiſh, Schedelfiſch, da ihr Alter nicht mehr bekannt, 8 
ſondern nur aus der Länge ihrer Baarten zen een wer⸗ 
den Be Transadt. cit. | 


und der Straat Davis. 195 
nen Fiſchen im Zuge mit hineinkoͤmmt *, ſcheinet gar un⸗ 
zureichend eine ſo große Beſtie zu ſättigen, und gleich⸗ 
wohl wird ſie ſo fett davon, daß ſie an Fett ihres gleichen 
nicht hat. Ich habe alle Mühe angewandt, die nur er⸗ 
ſinnlich, um einige davon in liquore zu bekommen, dar 
mit ich ſie ſelbſt genauer beſehen und beſchreiben könnte. 
Wegen der unglaublichen Nachlaͤßigkeit aber derjenigen, 
die auf den Fang fahren Meder dazu noch anette ge⸗ 
langen mögen; | en 


$. XL. Der Nordeaper, der von unſern und den H. r 
Holländiſchen Grönlands fahrern, nach deln nordlichſten Nordcaper. 
Vorgebirge in Norwegen, die Nordcap genannt, alfo 5 
benahmet wird, weil er ſich in ſehr großer Menge daſelbſt 
enthält, oder fie ibn daſelbſt zum erſten und am meiſten an⸗ 
treffen, iſt dem eigentlichen Wallſiſche in allen ähnlich, nur 
daß er ſo wohl vom Kopfe als Leibe ſchmaͤler und kleiner: 
(maßen er nur 10, 20 bis 30 Qvartelen Speck und ſehr 
kleine Baarten ausliefert, wie Martens bezeilget) auch 
deswegen viel activer und geſchwinder, aber auch um ſo viel 
a et als j jener iſt: feine Haut ift auch nicht fo ſam⸗ 

N 2 met⸗ 


Vid. Mattens Spitzb. Reise cap. 13. fl. 2. Zorgdraa⸗ 
> ger. Groenl. Viſcherey P. II. cap. 16. dem ich beyfuͤgen will, 
was Chriſtian Bullen in ſeinem, von deme, was auf der Schif⸗ 
fart nach der Nordſee, Groͤnland und fo weiter 1667 vorge⸗ 
fallen, gehaltenen und zu Bremen 1668 in 4 gedruckten Ta⸗ 
gebuche (cit. ab Hafaco difquif. de Leuiath. Jobi) ſchreibet: 
Des Wallfiſches Speiſe ſind kleine Wuͤrmer, die allhier dicks 
im Waſſer treiben, ſchwarz, ſo groß, wie die grauen Erbſen, 
oder kleinen Bonen, rund formivet, wie eine S chnecke mit klei- 
nen ſubtilen kuͤnſtlichen Flügeln ‚dünne, wie ein Hixtlein, fø, 
daß mans nicht faſſen kann, damit ſchwimmen ſte. Ihr Na⸗ 
me iſt Wallfiſchaas: ſchmecket, wie die rohen Muscheln. 1. 
Sein Geruch iſt gleich, wenn man mit. Hånden lange in un 
gekochtem Zucker geatbeitet hat: der Geruch bleibet lange am 
Finger ſitzen. Solch Aas empfaͤhet der Wall fiſch mit er 

großen Maul häufig » mit feinen VBaarten ae er e 

Welches an a befunden: | 


196 Nachrichten von Grdnlard . 


metſchwarz als des eigentlichen, ſondern etwas * 


ter, und ſein Kiefer nicht ſo laͤnglicht, ſondern rundlich; 
ich wollte ihn nennen: Balenam minorem edentulam 


dorſo non pinnato. Auf dieſer Sorte und der nechſt⸗ 


folgenden finden ſich die balani, deren bey der letzten ges 


III. Der 
Sinnfſch. 


dacht werden wird, nicht aber auf dem großen Wallfiſche. 


Was mir von dieſem Fiſche merkwuͤrdiges vorgekommen, 


ſolches habe ich in den Nachrichten von Island, weil er 


ſich in den Fioͤrden Selands sky befindet 95 u. f Bl. 
| kane Ir meh 


S. VII. Folgen die fo Baar ten haben und Beer | 


einen aueh de ehe Rücken, Unter denen zuerſt 
vorkommt der Sinnfifch von feiner hinten auf dem Ruͤ⸗ 
cken gegen den Schwanz ſtehenden erhabenen Finne alſo 
genannt, Engl. ebenfalls Finfish, Franz. Gibbar 


Balæna major edentula corpore ſtrictiore, dorſo pinna 
mucronata notabili. Er ift eben ſo lang, auch wohl 


länger als der rechte Wallſiſch, aber viel ſchmaͤler und 
laͤnglichter *, auch viel hurtiger, und wenn er auch noch 
ſo lange verfolget wird, nicht ſo bald muͤde zu machen, 
wie der große Wallfiſch, anbey viel grimmiger, und we⸗ 


gen ſeines heftigen Schlagens mit dem Steert und Fin⸗ 


nen viel gefährlicher, als derſelbe. Seine Haut iſt nicht 


fo ſammtſchwaͤrz als des Wallfiſches, ſondern als des 
Schleyen; ſein Bauch weiß. Seine Finne auf dem 


Mücken if 22 Fuß bis 4 Fuß hoch, gerade ſtehend und 


ſpitzig, die Seitenfinnen aber iede 6 bis 7 Fuß lang, folg⸗ 
lich länger als jenes feine *. Er hat aber viel weniger 
Speck, als der rechte mit dem ſchlechten Rücken. Gel 
ne Baarten e auch kurze 145 knotigt und føle, 

‚feine 


| “ Siehe bin toren sn nebſt der Abbildun a 
bey Martens Kue SA A IV. 


Cap. nn. 
'** Philef. Tens N. 387. art. 2. 53 258. 


\ 7 ' 


1 3 >= 


und der Straat Davis. 89 CA 


feine Kehle oder Schlund ift weit größer als jenes. Denn 
er lebet von Heering, Mackrelen und andern Fiſchen. 


$. XLII. Eben dieſer Gattung iſt der Jupiter oder w. Der 
Jupiterfiſch, welche Benennung ohne Zweifel her⸗ Jupiter 
koͤmmt aus der bey andern gebraͤuchlichen Benennung fich. 
Gubartes oder Gibbartas , die eben auch aus einer an⸗ 
dern bey den Bißcayern wenigſtens vor dieſem gebrau⸗ 
cheten Benennung Gibbar corrumpiret“ ift: zwar kann 
ich noch recht eigentlich und mit völliger Gewißheit nicht 
ſagen, was die Seeleute fuͤr einen Wallſiſch unter N 
Br Ä Na⸗ 


Rumpf erwehnet beylaͤufig, daß ein Wallfiſch in 
Groͤnland ohne Zähne von den Matroſen Gibbartas genennet 
werde: giebt aber nicht die geringſte Beſchreibung davon. 
Amboyn Rarityt- Kammer p. 280. In den Philofophical 
Transact. N. I. p. 12, wird gewiſſer bey den Bermudas gefan⸗ 
gener jungen Wallfiſche (Cubs) erwehnet, die hinten ſehr 
ſcharf, wie der Dachruͤcken eines Hauſes, der Kopf aber ſehr 
plump und voll großer Beulen, an beyden Seiten, der Ruͤ. 
cken ſchwarz und der Bauch weiß geweſen. Wobey ihrer 
wunderſamen Geſchwindigkeit und Staͤrke, ſammt dem greu⸗ 
lichen Geblaͤrre, das ſie nach ihrer Verwundung gemachet, 
gedacht wird, mit dem Anfuͤgen, daß man einen über 1o0 
Fuß lang gefangen, und daß ſelbiger derjenigen Sorte ſehr 
nahe gekommen ſey die Iubartes heiße, ohne Zähne, und låns 
ger, als die Groͤnlaͤndiſchen Wallfiſche, doch nicht ſo dick, 

By fie nur wenig und ſchlechten Speck, als eine Gallerte ge⸗ 


So viel iſt wohl gewiß, daß der Jubantes eine Art 
der Finnfiſche, der eben ſo lang und noch wohl laͤnger, als 
der eigentliche Groͤnlaͤndiſche Fiſch, aber ſchmaͤler ift, Ronde⸗ 
let de Piſcibus Lib. XVI. cap. 12, wo er den Finnfiſch 
unter dem Namen Balaenae verae beſchreibet, ſetzet: Eam 

dantones belluarum pifcatores vocant Gibbar a gibbero 

dorfo, i. e. in tumorem elato, in quo eſt pinna. Haec 

balaenis vulgo dictis minor non eft, fed minus ſpiſſa, mi- 

nusque obeſa, longiore et acutiore roſtro etc. vorat aphy- 

arum turmas. Aus dieſem Gibbar iſt ohne Zweifel Jubartes 
von auslaͤndiſchen Rn geſchmiedet worden. 


„* 


* 
J 1 


198 Nachrichten von Grönland 
Namen Jubartes verſtehen. Indeſſen will ich, was 
ich von dem Jupiter in Erfahrung bringen koͤnnen, um⸗ 
ſtaͤndlich anzeigen, ob etwa aus deſſen Vergleichung mit 
dem, was andre von dem Jubarte geſchrieben oder erzeh⸗ 
len moͤgten, dereinſt zu einem deutlichen Begriff zu gelan⸗ 
gen ſeyn moͤgte. Es iſt dieſer Jupiter, wie ich aus deg 
Commandeurs, oder Schiffers eigenem Munde, der im 
Jahr 1723 einen gefangen hat, und einiger andern Be⸗ 
richt vernommen, nicht von ſo dickem Kopfe als der rechte 
Wallfiſch, ſondern von einem viel ſchmalern oder ſpitzis 
gern und laͤngern Kopfe und Maul, auch hinten ſchaͤrfer 
und ſpitziger vom Leibe. Er hat zwey Blaſeloͤcher, und 
pfeifet beym Ausblaſen faft wie ein Menſch mit dem 
Maule, doch viel ſtaͤrker, welches der eigentliche Wallfifch 
nicht thut. Seine Laͤnge gleichet, ja uͤbertrifft zuweilen 
des eigentlichen Wallſiſches Laͤnge, wiewohl derjenige, den 
dieſer Schiffer gefangen, nur go bis 60 Fuß lang gewe⸗ 
ſen. Seine Haut lege ihm gleichſam los auf dem Leibe, 
mit vielen Falten und Runzeln. Sie iſt ſchwarzblau⸗ 
licht von Farbe. Auf dem Ruͤcken hat er eine ſtumpfe 
nicht viel gekruͤmmete, und 2 Fuß erhabene Finne. Das 
her gehoͤret er zu dem Geſchlecht der Finnfiſche. Er 
hat aber darhinter noch einen Puckel, der viel niedriger 
und etwas länglicht iſt. Als der A. 23 gefangene ange- 
ſchoſſen geweſen, hat er uͤberaus heftig und faſt wie ein 
geſchlagenes Schwein geſchrien. Derſelbe hat keine Zaͤh⸗ 
ne, ſondern Baarten gehabt, die nur kurz von 1a auch 
2 Fuß, anbey unten gar breit, fo daß fie can, | 
Dreyeck geſchienen, weiß und bruͤchig geweſen. Wie er 


denn auch nur 14 Qvartel und dazu dünnen waͤſſerigten 


Speck gegeben, welches beym Aus brennen verrauchet und 
nicht zu Thran geworden. Er mag heiſſen: Balena ma⸗ 
jor corpore ſtrictiore edentula, dorſo pinnato. Sonſt 
iſt derſelbe ſehr grimmig geweſen, und da die gemeinen 
Wallſiſche vor ihren Verfolgern fliehen, ift er der Cha⸗ 
loupe zugeeilet, hat auch drey Männer aus derſelben her 

1 aus 


„wie ein 


und der Straat Davis. 499 


aus und fie fo übel geſchlagen, daß ſie ihr Leben verloh⸗ 
ren *. Es iſt aber dieſer Fiſche damahls ein Pärchen 
geweſen, davon eines das andre nicht verlaſſen wollen, 
ſondern nachdem eines getoͤdtet, das andre ſich über 
daſſelbe geleget und erſchrecklich gewuͤtet. Schließlich 
iſt zu merken, daß an dieſem Fiſche, abſonderlich unter 
deffen Gurgel, auf dem Nacken und Ruͤcken, ja ſelbſt 
auf den Finnen eine Menge von großen und kleinen Sees 


eicheln 1 ** oder mn tief i in die Haut und 
| Speck 


Mich deucht, es kommt dieſe Beſchreibung mit der 
2.197 in Not. aus den Philofophical. Transac gezogenen ſo ges 
nau uͤberein, daß beyde, wo nicht einerley Sif, wenigstens | 
einerley Gattung zum Vorwurf haben. f 


* Balanus, glans marina, Ekelen, Puiflen, Rumpfio, 
vulgo Pokken, ene ceti, Boccon Recherch. p28 et 203. 
Balanus, Balaenae cuidam Oceani Septentrionalis adhaerensz 
Lifteri Hiſt. Conch. Lib. III. Sect. 3. In meiner Einrichtung 
der Conchilien beſchreibe ich ſie, daß fie ſeyn: Teſtae non tor- 
tiles certo loco affixae, „ ſubrotundae, vertice valuato, qui- 
bus animalculum muleis cirrhis inſtructum inhabitat. Rob. 
Sibbaldi in Philofoph. Transact. N. 308. Art. 1. beſchreibet 

gar umſtaͤndlich einen ſolchen Balanum, mit dem darinn woh⸗ 
nenden Thiere, ſo nebst mehr andern auf einem an den Schot⸗ 
tiſchen Kuͤſten gefangenen Wallfiſch gefunden worden, und 
giebt eine Abbildung davon. Es findet ſich auch eine Art 

von Balanis, oder Pocken, auf den Muſcheln, worinn ein 
Tbierlein mit jenem eines Geſchlechts, naͤmlich eine Art eines 
Polypi wohnet, inmaßen deſſen Figur, die Leuwenh. Ep. 83. 
p. 716 feg. abgebildet und beſchrieben, vor Augen leget. ES 
ift ein Vergnügen, anzuſehen, wie dieſe Thierlein, nach Weg⸗ 
ziehung der Thuͤrlein ihrer Haͤuſerchen, ihre viele mit Ring⸗ 

lein verſehene und mit unzehligen Federchen „Villis (die ohne 

Zboeifel ihre Bronchiae find, und zur Abſonderung der Luft 
vom Waſſer dienen) beſetzte Haͤlslein, wenn ſie reſpiriren, 
wechſelsweiſe bald lang herausſchlagen, bald wiederum auf⸗ 
kraͤuſeln (als die Schmetterlinge und Eulchen ihre Zungen) 

und in ihre Haͤuslein einziehen. Dieſen aͤhuliche Thierlein 
und Polypi hauſen auch in den fø genannten conchis anati- 


feris. Sibb. Scot. illuſtr. prodrom. Part. II Lib. kr cap. 12. 
N 4 Barrel 


200 Nachrichten von Grönland 


Speck eingeſenket geſeſſen, worinn Wuͤrmer gehauſet, die 
ein gelbichtes Haͤutlein oder Decke uͤber ſich gehabt. Es 
pfleget dieſes, naͤmlich daß dergleichen Muſchel⸗ oder 
Schneckenzeug ſich auf die Fiſche ſetze, nach unſerer Groͤn⸗ 
landsfahrer Bericht nur den ganz alten zu wiederfah⸗ 
ren “, wie man denn auch die Conchas Anatiferas ges 
meiniglich nur an altem lange im Waſſer gelegenem Holze 
und uͤberhaupt die Inſecten in einiger Menge nicht an⸗ 
ders als an alten uͤberſtandenen Baͤumen findet. 


Piodſſch., . XI Ill. Der Pflockfiſch, The Bunch. or Hump- 
" back- Whale auf den Kuͤſten von Neuengeland. Er 
mag heiſſen: Balæna major edentula pro pinna paxillum 
in dorſo gerens. Derſelbe hat einen Bunch oder Hoͤ⸗ 
cker wie einen Pflock geſtaltet, der hinten weg ſtehet, an 
der Stelle, wo der Finnfiſch feine Finne traͤget. Dieſer 
iſt einen Fuß hoch und ſo dick als eines Mannes Kopf. 
Die Seitenfinnen find bis 18 Fuß lang, ſehr weiß von 
Farbe, und ſtehen bald zu halbem Leibe. Das Speck 
koͤmmt des Finnfiſches Speck ſehr aͤhnlich, und die Baar⸗ 
ten ſind auch nicht viel werth, obgleich ein wenig beſſer, 
als jener ihre.“ . al Jana Ul e e 


F. XLIV 


Barrel Icon Plantar, p. 133. Philof Transact. N. 137. pag. 926 MJ 
die ſich auch auf Wallfiſchen anſetzen. Phil. Transact. N. 4. 
Pag. 13. : | 5 4 


Ces cocquillages marquent, ſelon les Indiens, la 
vieilleſſe de ces animaux (Baleines) parce que leurs peaux 
f’etant endurcies par le nombre des années devien- 
nent, diſent - ils, presqu’ infenfibles, de maniere, que de 
petits poiſſons enfermés dans leurs coquilles trouvant 
de quoy fe nourrir aux queuẽs des Baleines, ils s’y atta · 
chent aiſement. P. Feuillde' Journal des Obſervat. FThyſiqu. 

Vol. I. p 397. e IA | n 


\ 


4 
m. 


"2% Philof, Transakt. N. 387. art, 2. p. 5. 


und der Straat Davis. 201 


$. XLIV, Der Knotenfiſch oder Anobbelfifch, vl. Der 
The Srag-Whale auf den Küften von Neuengeland ge⸗ lune PR 
nannt %, iftan Stelle der Finne auf der Höhe feines belſiſch. 


Ruͤckens mit ein halb Dutzend Knobbeln oder Knoten 
gleichſam beſetzet, ich wollte ihn nennen: Balenam ma- 
jorem edentulam dorſo verſus caudam nodoſo. An 
Geſtalt und Vielheit des Specks koͤmmt er dem rechten 
Wallfiſch am naͤchſten. Seine Baarten find weiß, wol⸗ 
len nicht ſpalten. n 
§. XLV. Und hiemit komme ich zu den Wallfiſch⸗ bi Det 
gattungen, die Zähne haben, darunter einen Jahn oder dag 
hat der Narhwal, Mevedss, insgemein Monoceros, Einhorn. 
das Einhorn, Einhornfiſch **, bey den Grönlaͤndernn 
Towack genennet. Daß dieſes eine Wallfiſchart ſey, 
iſt daraus genugſam abzunehmen, daß es Finnen und 
Schwanz wie ein Wallfiſch hat; daß es mit Blaſeloͤchern 
im Nacken zur Athmung und mit Speck uͤber dem gan⸗ 
zen Fleiſche, wie dieſer Fiſch, verſehen, auch lebendige 
Jungen ſetzet u. ſ. f. Seine eigentliche Geſtalt iſt bis⸗ 
her nicht eigentlich ausgemacht geweſen, weil es unſern 
Leuten ſelten zu Geſicht koͤmmt, und noch ſeltener mit 
aufmerkſamen Augen betrachtet wird. Die Frucht, ſo 
É 5 N 5 ft aus 
" Philof. Transat. d. 1, | 


Daß der vorausſtehende Zahn kein Horn, fonden 
vielmehr ein eigentlicher Zahn ſey, iſt von andern bereits mit 
vielen Gruͤnden ausgemachet. Man darf auch nur deſſen Gleich⸗ 
heit mit den Zähnen der Cachelotten u. der Wallroſſe im Waſſer, 
und auf dem Lande mit den Zaͤhnen der Elephanten und 
inſonderheit des Thiers Babi Ronfa beyden aus dem Ober⸗ 
kiefer aufrecht herausgewachſenen, (vid. Beſchreibung beym 

Grew . Muſ. P. I. p. 27 fq.) aber zu oberſt hinten über krumm 
als Hoͤrner gebogenen Zaͤhnen, (damit es ſich des Nachts an 
einem hohen Aſt eines Baums hängt. Valentin Befchryv, 
d. Dieren v. Amboina p. 268, ohne Zweifel um deſto ſicherer 
vor Epgern u. d. gl. zu ſchlafen) in Betrachtung nehmen, ſo 
kann man ſofort der Wahrheit uͤberzeuget werden. 


202 Mächten! von Grönland 


aus einem en Sk Weiblein vor Jahren ausge⸗ 
ſchnitten und anhero gebracht worden, ift noch gar zu 


jung und durch unfleißige Doͤrrung fo ſehr eingeſchrum⸗ 


pfet geweſen, daß man ſich keine rechte Vorſtellung dar⸗ 
aus machen koͤnnen. Der Schiffer, fo die Straße Das" 
vis ſo fleißig befahren, hat mich verſichern wollen, daß 
das Einhorn vom Leibe ſchmahl und der Geſtalt nach 
dem Stöhr viel ähnlich, doch nicht fo ſpitzig vom Kopf 
ſey. Die Haut iſt glatt und ſchwaͤrzlich, bey einigen 
Apffelgrau, wie Martens berichtet. Der Bauch 

weiß. Er hat nur zwo Finnen und einen glatten Ks 
cken, Speck hat er auch nicht viel, davon ein Thran 
kommt, der duͤnner, und nicht ſo uͤbel riechend, als der 


vom Wallſiſch iſt. Eines von 20 Ellen, deſſen langer 
| Zahn von 7 Fuß geweſen, hat nur 12 Tonne Specks ge⸗ 


geben. Aus der Schnauze linker Seits gehet der lange 
gewundene Zahn heraus, welcher in der See mit aller⸗ 
ley Unreinigkeit als wie mit einer Scheide uͤberzogen ſeyn 
und zuweilen ganz gruͤn ſcheinen ſoll. Rechter Seits iſt 
dieſelbe etwas flg abgeſtumpfet und dicht zu . Wo⸗ 
fern der Islaͤndiſche Biſchof, der an Wormium ix Nach⸗ 
richt gegeben, recht gemeſſen, fo hat ein Fiſch von 30 El⸗ 
len und etwas daruͤber einen Zahn, der 7 Ellen heraus⸗ 
ſtehet. Es haben vor dem die guten Leute, ſo den Zahn 
fuͤr ein Horn angeſehen, ſich aus dem Exempel der Hin⸗ 
binnen und Rehen eingebildet, daß die Sieſiſche kein 
Horn oder Zahn haͤtten (wie denn unſere Grönlän⸗ 
diſche Commandeurs größten Theils noch in dieſem 
Wahn ſtecken) und darauf weiter LEDTE ig daß das 


Meer⸗ 


+ Vid. Spitzberg. Reise, part. IV. c, 6. n. 6, 


* (Eine anatomiſche Beſchreibung des Obertheils des 
Kopfs giebt D. Sachs in ren Menger Raceb. 
1676. 8. | 


ren feinem Mufeo, p. 282. Ich habe in meiner 


Sammlung zweene Zähne, die ganz und Auverfehte Lø; 


h 
NØ 
bi i 

i 


1 
Wa: 
% 


und der Straat Davis. 203 


Meerſchwein, die Phocaena, oder Delphinus Septentrio- 
nalis, (ſo doch eine eigene Gattung fuͤr ſich iſt, die Maͤnn⸗ 
lein und Weiblein unter ſich hat) des Einhorns Weiblein 

waͤre » Allein, fo wenig es dem Weiblein der Wall: 
roſſe, oder Elephanten an den herausſtehenden langen 
Zaͤhnen mangelt, ſo wenig ‚fehler es auch der Cinhornin 
daran. Ja es hat die, fo Anno 1684 von einem Dam: 
burgiſchen Commandeur gefangen worden, gar zweene 
Zaͤhne gehabt. Indem ich aber dieſes zwenzaͤhnig⸗ 
ten Weibleins erwehne, kann ich mich nicht enthalten, 
hiebey zu fuͤgen, daß, ob gleich verſchiedene in der Ver⸗ 
muthung geſtanden, als wenn der Marhwal ordentlich 
zweene Zähne, und die Einzähnichte ihren zweyten nur 
durch einen Zufall verlohren hätten, ich doch deſſen nie⸗ 
mals moͤgen überführet werden. Denn einmal ſtehet 
die große a im Wege , da man allemal nur 


t 
Sachs d. I. p. 79. 


In dieſem 1684 Jahr hatte der Commandenr Dit 
Peterſen auf dem Schiffe, der guͤldene Lowe genannt, das 
Gluͤck, daß er dieſes Weiblein fieng, und den obern Kepf⸗ 
knochen mit den darinn ſteckenden beyden Zähnen nach Ham⸗ 
burg brachte, wo dieſe Seltenheit auch noch bey einer Privatper⸗ 
ſon vorhanden iſt. Die beyden Zaͤhne ſtehen neben einander, 
und zwar recht vor dem Kopf in der Weite von 2 Zoll: er⸗ 
weitern ſich aber nachhero maͤhlig dergeſtalt daß ſie an den 
Spitzen 13 Zoll von einander ſtehen. Der linke Zahn hat die 
Laͤnge von 7 Fuß und 5 Zoll, und haͤlt am Kopfe in der Run⸗ 
de 9 Zoll; der rechte ift gerade 7 Fuß lang und am Kopfe 

3 Zoll dick. Beyde ſtecken 1 Fuß und ı Zoll im e dane 
Kusche 2 Fuß lang und 1 und ein halb Fuß breit iſt. : 


*, Man weiß nur noch von einem Hirnſchaͤdel mit zween 
Zähnen, der in Amſterdam geſehen worden. Siehe Zorgdraag. 
Groenl. Viſch. p. 9. und von demjenigen, welcher dem Pro- 
feſſori in Copenhagen, Tichoni Laſſen Tichonio 1706 Gele⸗ 
genheit gegeben. Exercit. Hiftorico - Criticas unter dem Tis 
tel: Monoceros piſcis haud monoceros zu ſchreiben. Wie⸗ 
albert das letztere noch bveifelbaftig e i und die kuͤnftige 

weis 


i 


* 


| 20 „ 
204 Nachrichten von Groͤnland 


Fiſche mit einem Zahn antrifft. Und hiernachſt findet 
ſich an den Koͤpfen, die man zuweilen bekoͤmmt, nicht die 


geringſte Spur eines abgebrochenen Zahns; Vielmehr | 


die andere Seite der Schnauze dicht verfchloffen und ver? 


wachſen. Sie ſind ſehr geſchwinde Schwimmer, indem 


ſie ſich mit ihrem Schwanze fortrudern, und mit den 
Finnen, die doch dazu, ihrer beſondern Kleinheit halber, 


ungeſchickt ſcheinen, nach Nothdurft wenden. Sie wuͤr⸗ 
den ſchwerlich koͤnnen angeſchoſſen werden, wenn ſie nicht 


Schaarweiſe giengen, und indem man auf ſie zukoͤmmt, 


dicht in einander, und zwar ſolchergeſtalt ſich draͤngeten, 
daß den Vordern die Hintern die Zähne auf den Ruͤcken 
legen, und dadurch ſich ſelbſt hindern, daß ſie nicht ge⸗ 
ſchwinde genug zu Grunde und wegkommen koͤnnen. Wor⸗ 


— 


geſchoſſen und erhaſchet wird. | | 


über eines oder ein paar von den Hinterſten dann und wann 


Endlich ift mir das Glück fo günſtig geweſen, da 


im Jahr 1736 ein Einhornfiſch oder Narwal im 


Mon. Febr. nach Hamburg in einem Schmackſchiffe ger É 


bracht worden, welcher mit einer hohen Fluth auf die 


Elbe gekommen, aber bald bey eräugter Ebbe geſtrandet, 
| | mi | und 


weitere Ausfuhrung des Verfaſſers allererſt wuͤrde klar und era 


weislich haben machen müſſen, wenn anders der gefundene 
kleine Knochen ein eigentlicher Zahn iſt, ob wahrſcheinlich, 
daß er iemals haͤtte heraus wachſen koͤnnen? Denn es iſt nur 


der Prodromus und eine Exercitatio ans Tageslicht gefoms 


men, und damit durch den erfolgten Tod des Autors das 


Werck ins Stecken gerathen. Indeſſen, weil auch dieſe bey⸗ 


den Stücklein gar ſchwer zu bekommen, fo habe zur Ueberle⸗ 


gung und zugleich zur Illuſtrirung deſſen, was von dieſem 
Fiſche geſchrieben, aus dem Prodroma das eingedruckte Kup⸗ 
ferblat hiemit den Liebhabern der Naturgeſchichte vor Aus 


gen legen wollen. Zumalen die Beſchreibung, welche Herr 


Laurenzen in Muſeo regio (wohinein dieſer Kopfknochen ger 


liefert worden) Sack. III. n. 1. davon giebet und die Abbil⸗ 
dung, gar unzureichlich ſind. sy RÅ e 


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und der Straat David. 205 


und nachdem er heftig getobet und ſich ermattet, endlich 


abgeſtanden iſt. 


Der Fiſch war von Geſtalt mehr dick als laͤnglich, 


mit einem abgeſtumpften Kopfe, der einem Reiſekoffer 


nicht unähnlich; einem an der linken Seiten herausge⸗ 


henden Horn, zwo kleinen Finnen oder Floſſen, und ei⸗ 
nem breiten horizontal auf dem Waſſer liegenden 
Schwanze. 

Die Haut war ſchneeweiß mit unzaͤhligen ſchwarzen 
Flecken, und wenn man einen Schnitt durch ihre ganze 


Dicke, die nicht geringe war, that, durch und durch ge⸗ 
marmelt, unterm Bauche ganz weiß, und überall glaͤn⸗ 


zend, auch ſo weich anzufuͤhlen, als Sammt. 


Die ganze Laͤnge von dem Rande der Schnauze oder 


Ropfs, bis zu Ende des Schwanzes 102 Fuß Pariſer, 
und 11 Fuß, 8 Zoll Hamburger Maaß. | 


Das Horn, oder beſſer, der Zahn, ſtund 5 Fuß 4 15 


Zoll Pariſer Maaß aus dem Kopfe heraus. 


Eine iede Finne hatte nur 9 Zoll in der Länge, und 
nicht zwo flache Haͤnde in die Breite, die Breite aber des 
platt liegenden Schwanzes betrug 3 Fuß 24 Zoll. 


Der Zahn, ſo links gewunden, gehet linker Seiten 


aus dem obern Kiefer gerade über der Oberlefzen hervor. 


Die rechte Seite war dichte zu, und mit der ganzen Haut 
voͤllig überzogen, auch durch Anfuͤhlen darunter nicht die 
geringſte Höhle im Kopfknochen zu ſpuͤren. 


Das Maul ſitzet fehr tief herunter, und ift die Lin: 
terlefze nur ſchmal und kurz ja das ganze Maul ſelber recht 
ſehr klein, maßen deſſen Einſchnitt nicht viel uͤber eine 
Hand breit, ohne alle Zähne, nur der Rand des Mauls 
ein wenig harte und rauch, die Zunge ohn gefahr einer 
Hand breit. Oben auf dem Kopf ift ein mit Fleiſch 
gleichſam ausgefuͤttertes, und mit einer Valtl, die ge⸗ 
oͤfnet und geſchloſſen werden kann, verſehenes Blaſeloch, 

2 dadurch 


26 Nachrichten von Grönland | 
dadurch der Fiſch das eingeſchlurfte Waſſer ben i der Aus. 
N wieder von ſich ſpruͤtzet. 


Die Augen figen gleichfalls tief hinab, und nur ein ® 
wenig höher, als das Maul. Ihre Oefnung iſt gar 
i klein, und mit einer Art von Augenliedern verſehen. 


Es war ein Männlein, penis aber ragte aus der Def? | 
| nn des Leibes nicht hervor. = 


Dieſes ift es alles, was ich daran äußerlich wahr: 
Heben fånnen, zumal er in einem Schmackſchiffe feſt 
eingepreſſet lage, und nur kuͤmmerlich zu beſehen war. 
Deswegen es auch Muͤhe gekoſtet, nur die angefuͤgte Ab⸗ 
bildung zu bekommen, ob ich wohl mehr als einen Mah⸗ 

ler dazu gebrauchet habe. Ich haͤtte ihn ſehr gerne 
geoͤffnet, und fein Innwendiges genau beſehen und be⸗ 
ſchrieben, wie denn auch ſchon zum Zergliedern Anſtalk 

gemacht war. Allein eine zwiſchen dem Amtmanne und 
Gutsheren, auch letzterm und den Fiſchern, wem der Fiſch 
zugehoͤren ſolle, entſtandene Zwiſtigkeit verurſachte, daß 
er unvermuthet von hier weg und an Ort und Stelle, 
wo er gefunden worden, wiederum gebracht werden muß: 
te. Indeſſen findet ſich auch einige Beſchreibung und 
Nachricht von Lben dieſem Fiſche in den Halliſchen n 
gen des 1736 Jahres, n. XIX. i 


Deken ſild  Llebrigeng ſcheinet es, als ob mehr denn eine e 
in art. Einhoͤrnern in der See ſeyn duͤrfte. Es find einſt der⸗ 
En gleichen glatte oder ungewundene Hoͤrner oder Zaͤhne nach 
Hamburg gebracht worden %, welche meines Ermeſſens 

von einem eigenen Fiſche geweſen. Zwar hat man ge⸗ 

b meinet, daß es Hörner oder Zähne von ungebohrnen Ein⸗ 
; hörnern wären; allein ich weiß von keinem Thiere in der 
ganzen Natur, daß mit Hoͤrnern auf die Welt komme. 

Ein etwas fg eden eh. der eine A: 

{ | 15 öffnen 


+ Vid. Sachs ne 95 fg. RR ET 
URN 


und det Stenat Davis. 207 


öffnen fehen, welches ein feltener Vorfall ift, hat mich 
auch verſichert, daß die Frucht ohne Horn geweſen. Ja 
es ſcheinet mir auch ſelbſt unmöglich: denn es müßte al 
ler Vermuthung nach die Baͤremuͤtter waͤhrender Tracht 
oder in der Geburt durch dergleichen Stachel verletzet 
werden. An der vorhin erwehneten 1684 ausgeſchnitte⸗ 
nen Frucht ſpuͤret man dergleichen auch gar nicht. Und 
ich habe einen gewundenen Einhornszahn, der nicht gar 
zu lang, woraus man ſiehet, daß ſo fort von der er⸗ 
ſten Jugend an, die Zaͤhne an den bekannten Einbörnern 
ſchon gewunden hervorkommen %, 


Schließlich merke ich noch an, daß die Grönlands Sie ſind el⸗ 
fahrer die Einhoͤrner für eine Anzeige nachfolgender daß dir ge 
Wallſiſche halten, und bey deren Erblickung ſich zur rechten 
Jagd fertig machen. Maßen ſie die Erfahrung gelehret, . 
daß wo Einhoͤrner ſich ſehen laſſen, zu gleicher Zeit, oder werden. 
doch ohnfern davon auch allemahl Wallſiſche angetroffen | 
werden. Welches dem Vermuthen nach daher kommt, 
daß ſie von einem Aaſe leben und dezwegen auf einerley 
Baͤnken ſich enthalten. Denn wenn ihre Maͤuler gleich 
ſehr unterſchieden, maſſen das Einhorn keine Baarten, 

als der Wallfiſch hat: fo ift doch deſſelben Maul 8 be⸗ 
ſchaffen, daß es wegen Mangels der Zaͤhne keine Fiſche, 
noch ſonſt etwas haͤrtliches faſſen, weniger kauen kann; 
ſondern das Wallfiſchaaß ſcheinet fein eigentliches ange⸗ 
meſſenes Futter zu ſeyn. Und der dem Wallfiſche feines 
ungeheuern Rachens halber nöthigen zottigen Baarten ges 
e er vt weil ſein Maͤulchen nur ſo klein iſt. 


F. NI. VI. 


ei De mag bier nicht krwebnen des gar beſondern ; 
Einbornfiſches, deſſen in des Rochefort Hiſt Nat. et mo- 
ral des Isles Antilles, sap. 18 gedacht wird. Denn wenn 
die ganze Geſchichte nicht erdichtet if, wie es faſt ſcheinet, ſo 
ift es kein eigentliches Einhorn, ſondern eine ganz andere Art 
von Fiſchen, nämlich mit Floßfedern, Schuppen ec. gewe⸗ 
fen, dergleichen ſonſt nirgends vorkommt. 11 Bys 


4 


208 Nachrichten von Grönland 


VIII. Die 


Cachelot⸗ 
te. 


zaͤhne haben, als: die Cachelotte *, Belg. Cazilot, 


§. XLVI. Nun folgen die unten das Maul voll zöb⸗ 
‚ne, oben aber keine oder nur ganz wenige Badens 


imgleichen Potfiſch, Potwalfiſch, bey engen Flore; 


caper ** genannt, Cete dentatus, Clus. von welchen eis 


nige dicke und oben plattrunde, einige ſchmalere 


krumme und fat ſichelartige Zähne haben. Unter 
den dickzaͤhnigten haben einige kleinere, andere größere 
Zaͤhne. Diẽeſes Wallfiſchgeſchlecht ift deſto merkwuͤr⸗ 

diger, weil es die beyden Foftliche Heilmittel den Sperma 


ceti, (Wallraͤth, Holland, Walſchot, imgleichen 


Witte - Amber, Zee: ſchuim und Vifch- miſt. Franz. 


Blanc de Balaine) und den Ambergrieß Ambra bey 


ſich fuͤhret. In der Straße Davis und bey Spitzber⸗ 


gen findet ſich nur die Gattung mit den kleinen dicklich⸗ 
ten und ſtumpfen Zaͤhnen, die einen dicken Kopf „zwo 


lange Seiten⸗Finnen, einen kleinen Puckel, wie eine Fin⸗ 
ne hinten an dem Riden, und einen gar breiten Schwanz 


von 12 auch wohl von ı5 Fuß haben. Balaena maero- 


cephala tripennis, quae in mandibula inferiore dentes 
habet minus inflexos et in planum definentes. Sibbald. 


Com- 


Ibdoch finden fie ſich ſchaarweiſe. Ein olcer erfahrner 


| * Dieſe Benennung koͤmmt von den Hiscayern, als den 
erſten und beſten Woullfiſchfaͤngern her. In den Ephemerid. 
Nat. Curiof. Cent. I. Ann. 1. Obferv. 136. p. 303 ſtehet: qui 


in Baionna, 1 ; et in Inſula S. Iohannis de Luca Ca- 
chalut. 


heil fie bey der Nordcap fo häufig, as man ſie zu⸗ | 


weilen bey hunderten ſchwimmen ſiehet Daſelbſt hat man 
auch zum erſten einige gefangen. v Nafpeuring van den Le- 


viathan und Jobs Boek door Theod. de Haaze vert. en verm. 
door Wernerus Köhne I und II Toeg. allwo p. 240 dat 
vor eenige Jaaren diergelyken Vis te Sluys doot was ko- 


men andryven, dien men Noordekaper noemde, uyt wiens 
hooft - Zeker Doctor - hadde gehalt twederly Sperma, ung 
eerfte fyn, en her andere wat ul 


* SEES 
SER IR er En Er 


und der Straat Davis. 209 
Commandeur hat mir erzehlet, daß er in Groͤnland einſt 
einen ſolchen Schwarm ankommen ſehen, vor welchem 
ein großer, wohl uͤber 100 Fuß lang, wie ein König vore 
her gezogen, der, als er ſeines Schiffes gewahr worden, 
durch ein ſtarckes, die uͤbrige andre all uͤbertreffendes, und 
wie Glocken durch einander klingendes Blaſen, davon 
das Schiff erſchuͤttert und gebebet, dem Haufen ein Zei⸗ 
chen gegeben, worauf alle gehlings gefluͤchtet und wegge⸗ 
ſunken. Noch öfter aber und häufiger werden fie ange⸗ 
troffen bey der Nordcaap und unter Finnmarken. Doch 
werden derſelben ſowohl ihrer Wildigkeit halber, als 
weil ſie nur eine oder zwo Stellen uͤber der Finnen haben, 
da eine Harpune hinein fahren kann, auch ihres ſehnigten 
Specks halber nur wenig Thran geben, nicht oft noch 
viel gefangen. Dieſe Fiſchart iſt nicht ſo dick, plump 
und ſchwer als der rechte Wallfiſch, ſondern ſchmaͤhler, 
leichter und folglich geſchwinder, kann auch laͤngere Zeit 
unterm Waſſer dauren, ſonſt aber ift fre ſteifer und feſter von 
Knochen, daher fie nicht fo viel und ſtark ſchlagen koͤne 
nen als jene. Es giebt derſelben zwo Arten, die an 
der Leibesgeſtalt und den Zähnen einander, wie unfre 
Leute, die beyde geſehen haben, berichten, ganz gleich, 
ſonſt aber darinn unterſchieden ſind, daß der eine etwas 
gruͤnlicht von Farbe iſt, und einen harten Deckel von 
Knochen uͤber ſeinem Gehirnkaſten traͤget: dahingegen 
der andre oben grau, am Bauch, weiß von Farbe ift, | 
und nur eine zaͤhe Hautdecke eines Fingers dick über ſeie 
nem Gehirnkaſten geſpannet hat. Einer von den Ham⸗ 
burgiſchen Commandeurs, der Anno 1727 eine Cache⸗ 
lotte der letztern Gattung gefangen, erzehlet, daß dieſelbe 
nur ein Blaſeloch vorn gehabt, womit fie das Waſſer 
recht voraus geblaſen. Auf der Schnauze habe ſie viel, 
und mehr als eine Elle dickes Speck, aber recht auf dem 
dicken Kopfe habe ſie unter der Haut nur drey Finger 
dick Speck gehabt, darauf die zaͤhe eines Fingers dicke 
Decke des Gehirns gefolget. Das Gehirn ſelbſt habe in 
9 28 Kame 


u Nachrichten von Grönland 


28 Kammern oder Faͤchern geſeſſen, die fie nach einander 
geöffnet und ausgeleeret. Das Sperma Ceti ſey fo klar 


als Brantewein da gelegen, und nachdem man es ausge⸗ 


ſchoͤpffet, wäre es fo gleich als Schneeflocken geſtanden. 
Der Speck des ganzen Fiſches ſey koͤrnicht vom Sperma, 
und in demſelbigen viele Hoͤhlen mit ſolchem Spermate 
angefüllet geweſen. Das ſonderlichſte, was er hinzu⸗ 


ſetzte, war, daß der Fiſch hinten auf dem Rücken gegen 


den Schwanz drey Hoͤcker, davon der erſte 12 Fuß, der 


zweyte 2 und der dritte und hinterſte nur 2 1 Fußes hoch gewe⸗ 


fen, Wenn ſie zu Grunde gehen wollen, wuͤrfen fie ſich alle 


mahl erſt auf die rechte Seite, und ſchoͤſſen alfo ſeitwerts in 


die Tiefe. Ich bin anfangs auf die Gedanken gerathen, 
daß diejenige, ſo eine ſo weiche Decke haͤtten, etwa junge 


Fiſche waͤren, und 5 Decke mit den Jahren erhaͤrtete, 
und beinern würde, Aber der Commandeur, ſo dieſen 


jetzt berührten Fiſch gefangen, hat mich verſichert, daß 
derſelbe feine völlige Größe und eine Lange von 26 bis 27 


Ellen gehabt, dagegen der zu gleicher Zeit von einem Hol⸗ 
laͤnder neben ihm gefangene gruͤnlichte mit einem knoͤchern 


Deckel nur 40 Fuß lang geweſen. Er hatte auch von 


dem ſeinen 36 Qvartelen Specks bekommen. Woben 


en noch bemerkete, daß die 1 wenn der 


fig ganz verlieret. Sø 2 55 einen Re und ai | 


Hinterzahn von ihm aus dieſer Cachelotte bekommen. 


Einen andern Fiſch eben dieſer Gattung hat ein Hollaͤn⸗ 


diſcher Schiffer bey der Nordcaap vor nicht gar langen 
Jahren zu fangen das Gluͤck gehabt, aus deſſen Erzeh⸗ 
lung, wie ſie der in der vorhergehenden Note angezogene 
Köhne mitgetheilet, ich eines und anderes zur Ergänzung 
der Hiſtorie von den Cachelotten dienendes anhero ſetzen 
will. Der Kopf, ſpricht er, machet faſt die Haͤlfte des 
Fiſches aus, und hat eine beſondere Geſtalt, bey nahe 


10 die Kolbe an einer TR oder A. umgekehrte voͤr⸗ 


a 


* 3 f 


* 
7 
fr 

* 


# 
7 


und der Straat Davis. Air 


dere Theil einer Schuſterleiſte; er hat vorn auf der Naſe 
nur eine Blaſeroͤhre: hinten am Ruͤcken einen Hoͤcker 
der einer Finne gleichet “, vielleicht hat dieſer Schiffer 
die platten laͤnglichen Puckel uͤberſehen: in dem obern 
Kiefer hat er zu ieder Seiten 3 oder 4 Hinter: oder Baz 
ckenzaͤhne, uͤbrigens aber nur Hoͤhlen oder Scheiden, 
worein die Zaͤhne des Unterkiefers paßen. Der Unter⸗ 
kiefer aber fiset rund herum voller Zähne, davon die groͤß⸗ 
ſeſten voran, die kleineſte hinterwaͤrts ſtehen, und ausge⸗ 
brochen die Geſtalt einer dicken Concomber haben 7%, 
Weil an dieſem Fiſche das innwendige des Kopfs das 
merkwuͤrdigſte iſt, und von keinem daſſelbe bisher noch ſo 
fleißig bemerket worden, als von dieſem Commandeur ge⸗ 
ſchehen, der dem vor angefuͤhrten gelehrten Prediger ſeine 
Anmerkungen mitgetheilet hat; ſo fuͤge daraus einen 
Auszug in Deutſcher Ueberſetzung hier bey. Nachdem 
die Haut hinweg gethan, heiſſet es, ſindet ſich der Speck 
ohngefehr einer Hand breit dick, und darunter eine dicke, 
zaͤhe, harte Decke von feſten Sehnen „die ſtat einer 
Hirnſchale dienet: hiernechſt folget eine zweyte Abſonde⸗ 
rung aus dergleichen Sehnwerke faſt einer Hand breit 
dick, die von der Schnauze bis in den Nacken uͤber den 
ganzen Kopf ausgeſpannet iſt, wodurch der erſte 79 
des obern Kopfs von dem zweyten Theil deſſelben geſchie⸗ 
den wird. Dieſe erſte Kammer wird die Klapmuͤtze ge⸗ 
nennet, und ſchließet die koͤſtliche MWaare, naͤmlich das 

5 zarteſte Gehirn, welches ich nicht unrecht Cerebellum - 
nennen werde, und woraus das beſte Sperma Ceti ver⸗ 
fertiget wird, in ſich. In dieſer Kammer beſtehen die 
; Gehirnfächer oder Gefaͤße aus einer Materie, die wie ein 
dicker Stop ausſichrf, und aus dieſer hat der Se 
; O 2 ſteben 


Eine weitere Sehenden dieſes Fiſches, auch allem 
Vermuthen nach, deſſen beſte Abbildung findet man bey dem 
in nechſt vorhergehender Anmerkung angegogenen ee 

es wann | d. I. F. 10 et 17, ; 


a Nachrichten von Groͤnland 


ſieben Ovartelen des Föftlichften Gehirnoͤhls en und 


weiß geſchoͤpffet. Welches aufs Waſſer geſchuͤttet wie 
Kaͤſe geronnen, oder zuſammen gelaufen, und davon ab⸗ 
geſchöͤpffet wieder fo flüßig als zuvor geworden. Auf 
dieſe Kammer folget die andre, welche auf dem Oberra⸗ 
chen ruhet, und nach Größe des Fiſches 4 bis 74 Fuß 
hoch iſt. In derſelben wird wieder ſpermatiſch Gehirn 
(welches ich Cerebrum nenne,) in kleinen Faͤchern oder 
Zellen aus einer Materie, der Haut vom Ey gleich beſte⸗ 
hende, nicht anders als der Honig im Waben eingefaſſet, 
gefunden. Und aus dieſer Kammer kann man nicht nur 
das Gehirn, ſo viel darinn iſt, herausnehmen, ſondern, ſo 
bald ſie ledig gemachet i ſammlet ſich das Sperma aus 
dem ganzen Leibe durch eine große Ader nach und nach in 
diefelbe wieder, daß man es gleichergeſtalt daraus ſchoͤpf⸗ 
fen kann, welches in allem wohl ehe 11 Qvartel betragen 
hat. Alle Hirnfaͤcher beyder Kammern ſind zwar mit 
duͤnnen Haͤutlein umſchloſſen, doch gehet durch derſelben 
zarte Loͤchlein oder Poros von dem Gehirn ein beſtaͤndiger 


Einfluß in die Augen, Ohren und andre Theile. Ja es 


erſtrecket ſich eine große Ader oder Gefaͤß den Ruͤckgrat 


hinunter vom Kopf bis zum Schwanz, welches am 
Kopfe die Weite einer Mannslende, und hinten beym 
Schwanze nur eines Fingers austraͤget. Dieſes muß 
an der gefangenen Cachelotte bey Abſchneidung des Specks 
und ſonſten forgfältig in Acht genommen werden. Denn 
wofern man in diefelbe das geringfte Loch machte, würde 
alles Sperma heraus rinnen. Dieſe Ader iſt die Qvelle 
der großen Kraft, die ſich in dieſer Fiſchgattung findet, 
indem aus ihr viel hundert kleine Vafa, oder Gaͤnge, ih⸗ 


ren Urſprung nehmen, die den Hirnſaft durch den ganzen 


Fiſch leiten, und ſein Fleiſch Speck, auch ſelbſt den Thran, 
ſo daraus gebrannt wird, ſpermatiſch Mayen + es 


* Ein gewiſſer bernänftiger und glaub wuͤrdiger Ea 


fer hat mir U. daß er bey der Entdeckung des sn. 4 


— 
N 
1 
5 1 
5 i 
1 


und der Straat Davis. | 23 


Zunge iſt nach Größe des Fiſches nur klein, dagegen aber 
die Kehle oder der Schlund deſto größer, und wohl fo weit, 
daß ein ganzer Ochſe begvemlich hindurch kann. Wie 
ſich denn auch in eines Magen allerley großes Gerippe 
und Graͤten wohl 7 und mehr Fuß lang von halb ver⸗ 
daueten Geſchoͤpffen gefunden. Unſre Leute haben von 
einem wohl eher 40 große Qvartelen Speck geſchnitten. 
Das Fleiſch, ſo ſehr hart, beſtehet aus groben Faden und 
ift anbey mit viel dicken und ſteifen Sehnen durchfloch⸗ 
ten. Wie dieſer Fiſch denn auch nur wenig Stellen hat, 
da eine Harpune einzudringen vermag. Ich muß hiebey 
noch gedenken, weil einige Naturkuͤndiger das Ge e 
vorgeben wollen, daß die Weiblein eben fo woh) Sper⸗ | 
macetifch Gehirn als das Maͤnnlein im Kopfe habe *. 
Welches auch der Natur allerdings gemäß ift, indem ja 
beyde Gehirn haben muͤſſen, und bey keinem Geſchoͤpffe 
der Unterſcheid des Geſchlechts zugleich einen Unterſcheid 
in der Art des Gehirns machet. 

Einer Gattung aber mit groͤßern und breitern Zaͤh⸗ 
nen ſind die, ſo auf den Kuͤſten von Neuengelland gefan⸗ 
gen! werden. Man heißet fie daſelbſt Ser ma. Ceti- Wha- 

und bey den Bermudas Trumo . Ihre Zähne 
ſind (wie an dem letzt angezogenen Orte gefaget wird,) 
wie die Zähne eines Kammirades in einer Mühle; wel 
ches gewiß eine recht wohl getroffene Ausdruͤckung iſt, 
oder wie der Arm, da er an der Hand ſitzet f, Dudley ff 
O 3 ſaget, 
Bin und wieder im Fleiſche membraneuſe Säcklein mit Sper- ? 
mate angefuͤllet, ſelber geſehen und ar a: habe. 

* Koehne ib. $. 17. 

== Philof. Tranfa&. N. 387. p. 259. 

++ Philofoph. Tranfa&. N. 7. p. 132. 

+ Hi habent diverfos dentes, qui ejus crafhitiei fake 
eujus carpus manus humane; wie es aus einem aus den Ber- 
mudis geſchriebenen Briefe in Ephemerid. Nat. Curioſ. eit. 
loc. p 306 ausgedrucket wird. 

- tt Philoſ. Tranfa&. N. 387. pag. cit. 


214 Kochen von 1 Erbin rs 


faget, daß fie grau vom Farbe, einen Höcker uf 


Siden, eine Reihe Helfenbeinerne Zaͤhne von 5 oder | 6 i 


Zoll im Maul haben. Er gedenket eines von 49 Fuß, | 
deſſen Kopf 12 Tonnen Sperma Ceti gegeben. De 


Thran aus ihrem Speck ſey klaͤrer und ſuͤßer als von an⸗ 


dern Wallſiſchen: fie ſeyn viel geſchlaͤnker als jene, und 
wenn ſie angeſchoſſen/ werfen ſie ſich auf den Ruͤcken, 
und wehren ſich mit dem Maul. Dieſe Fiſche geben 


— 


aber nicht allein das Sperma Ceti, ſondern auch den 
Ambra. Welches eine neue und ſehr ſchoͤne Entdeckung 


iſt, die den alten Tand und Zank, den man bisher von 


deſſen Urſprung leſen muͤſſen, auf einmahl zu Boden 


wirft. Ich will aus dk: Philofophie. Tranſact. N. 387 


p. 267 das noͤthigſte anhero ſetzen: „Der Ambergries 
wird nur allein in den Sperma - Ceti-Whales, das ift, 


Cachelotten gefunden, und beſtehet aus Ballen oder kug⸗ 


lichten Koͤrpern unterſchiedlicher Groͤße von z bis zu 12 
Zoll im Durchſchnitt, die von 12 bis zu 20 Pfund ſchwer 
fallen, und in einem weiten eyfårmigen Beutel oder Blafe, 
fo 3 bis 4 Fuß lang, und 2 oder 3 Fuß tief und weit ift, 


los liegen. Dieſe Blaſe hat faſt die Geſtalt einer Och⸗ 


ſenblaſe, nur daß die Enden ſpitziger, oder wie eines langen 


Blaſebalges, dergleichen die Grobſchmiede gebrauchen. 
An derſelben ſitzen zwo Roͤhren, davon die eine allmaͤh⸗ 


lich ſpitziger in und durch die ganze Länge des Penis gehet, 


die andre aber ihre Oeffnung in das andre Ende des Beu⸗ 


tels hat, und von den Nieren herkommt. Dieſer Beutel 


liegt gerade über den Hoden, die über einen Fuß lang, und 
die Lange hinab bis an die Wurzel des Penis, ohngefehr 


4 oder 5 Fuß unter dem Nabel, und 3 oder 4 uͤber dem 


Anus liegen. Cr ift faſt ganz angefuͤllet mit einer dun⸗ 


kel⸗Orange⸗ farbigen Feuchtigkeit, die nicht vollends fo 
dick als ein Oel ift, und eben denſelben Geruch hat, ja 
noch ſtaͤrker riechet als die Amber⸗ Kugeln, die in ihr rd 


treiben und ſchwimmen. Das inwendige des Beutels iſt 
mit derſelben Farbe, A die Feuchtigkeit hat, ſtark baba i 
dunkel 


4 
iv 
4 
. 
M 


und der Straat Davis. 215 


dunkel gefaͤrbet, dergleichen ſich auch in dem Canal des 
Penis findet. Die Kugeln ſcheinen, ſo lange der Fiſch 
am Leben iſt, ſehr hart zu ſeyn, alſo daß oͤfters bey Er⸗ 
Öffnung des Sacks breite hohle Scherben oder Schalen, 
die von gleichem Stoff und Feſtigkeit und von den Ku⸗ 


geln abgeſchelfert fi find, ſich finden; die Kugeln ſelbſt ſind 


gleichſam aus verſchiedenen, den Schalen oder Haͤuten 
der Zwiebeln aͤhnlichen Decken oder Rinden, deren eine 
die andre umſchließet, zuſammen geſetzet. Niemahls 
hat man über 4 Kugeln in einem Sack gefunden, und 
als man einſt eine von 20 Pfund, ſo die groͤßeſte, die ie⸗ 
mahls vorgekommen, antraf, war keine andere mehr im 
Beutel vorhanden. Dieſer Ambergries ſoll ſich nur al⸗ 
lein in alten, wohlgewachſenen Fiſchen, und wie man 
insgemein dafuͤr haͤlt, nicht anders als in den Maͤnnlein 
finden. „ Hiemit ift nun ausgemacht, daß der Amber in 
dieſer Wallfiſchgattung ihren Urſprung nimmt, was er 
aber eigentlich fey, und woher er entſtehe, ift noch ſo rich? 
tig nicht. Ein gelehrter Mann hält dafür, daß der 
mehr beregte Sack die Urinblaſe, und die Ambrakugeln 
eine Concretion aus den fettigten und ſtinkenden Theil? 


chen der darinn enthaltenen Feuchtigkeit ſeynhn. Maßen 
dieſelbe, (p. 193) wenn fie erſt ausgenommen, feuchte 


und eines überaus ſtrengen und widerlichen Geruchs ſind. 
Wobey ich eine Kleinigkeit, die gleichwohl vordem zu 
allerley Fragen und verkehrten Antworten Anlaß gege 
ben, nicht aus der Acht laſſen wollen. Es finden ſich in 
den Amberſtuͤcken oftmahls kleine ſchwarze ſpitzige Schnaͤ⸗ 
bel, die glaͤſicht und wie Scherben von zerbrochenen 
Muſcheln oder Schneckenhaͤuslein anzuſehen ſind. Man 
15 dieſelbe vordem für Schnaͤbel von kleinen Voͤgeln ges 
alten, und daraus fehlſame Schluͤſſe auf den Urſprung 
des Ambers gemachet. Nunmehro aber hat der oftbe⸗ 
lobte Dudley c. 1. der Koͤnigl. Großbritanniſchen Geſell⸗ 
ſchaft kund gemachet, daß SM Schnaͤbel von serien 
4 ei 


* 


216 | \ Nachrichten von Gr | b f 


kleinen Fiſchen Squid genannt, feyn, die dieſe Wallſiſch⸗ 
art haͤufig, als ihre meiſte 2 „hinabſchlinget. 
Kämpfer hat auch; zwener Wallfiſche, die Ambra in ih⸗ 
ren Eingeweiden haben, und auf den Japaniſchen Kuͤſten 
gefangen werden ſollen, davon der eine Fianfiro, und der ans 
dere Mokos heiße, Erwehnung gethan. Er beſchreibet bier 
ſelbe aber nicht, und was er ſonſt davon anfuͤhret, 
ſcheinet ſehr verdaͤchtig. ah ate 
Anno 1720 am letzten Tage des Jahres begab es 
fih, daß bey einem heftigen Sturm und ſehr hohen Waſ⸗ 
ſerfluth eine Cachelotte von dieſer Gattung auf die Elbe 
gerieth, und weil ihr durch die erfolgende Ebbe das Waſ⸗ 
ſer zu viel entlaufen, am Grunde ſitzen blieb; da denn, 
nachdem fie durch die Gewalt der auf fie ſtoßenden Wel⸗ 
len getoͤdtet geweſen, das Bauervolk ſie bis nach Wiſch⸗ 


haven, einem etwas mehr als eine Meile unterhalb Star 


de belegenen Dorfe geſchleppet, und des Specks, ſo viel 
man deſſen habhaftig werden koͤnnen, beraubet. Weil 
kein Naturverſtaͤndiger ſich der Zeit die Muͤhe gegeben, 
dieſen Fiſch in Betrachtung zu nehmen und zu zerlegen; 
ſo hat die Naturwiſſenſchaft den Vortheil von dieſer ſel⸗ 
tenen Begebenheit nicht gehabt, den fic haͤtte haben koͤn⸗ 
nen. Indeſſen, damit auch das wenige, was ich theils 
aus ber Erzehlung derer, die den Fiſch geſehen, theils 
aus naͤherer Einſicht der wenigen Stuͤcke, die von dem⸗ 
ſelben nach Hamburg hinaufgekommen, anmerken moͤ⸗ 
gen, nicht mit verlohren gehe; fo will ich es hieher fine 
in Hoffnung, daß es den Naturliebenden nicht unange 

nehm ſeyn werde. Seine Laͤnge ift geweſen 60 bis 70, 
und ſeine Hoͤhe 30 bis 40 Fuß ſeine Geſtalt aber als 
die Abbildung eines feiner Gattung beym Ionfton Lib. 
V de piſcibus Tab. XLII vorſtellet, worinn man ſich 
aber geirret hat. Der Kopf iſt nach Gelegenheit des 
Fiſches ungeheuer groß, und deſſen Obertheil gegen den 
untern gerechnet ohne Proportion, iedoch ae 1 
N | | 7 STAR ſehe AL 
* Hiſtory of Iapan B. II. ch. 8 und Appendic. V. p. 46 ſeꝗ · 4 


und der Straat Davis. am 


ſehen nach, aber gewiß nicht nach der weiſen Abſicht des 
Schoͤpffers geweſen. Denn darum hat der Kopf dieſes 
Fiſches fo groß ſeyn muͤſſen, damit er den raͤumlis 
chen Kaſten in ſich faſſen koͤnne, worinn derſelbe den 
nicht nur zu ſeiner Nothdurft, ſondern vornehmlich auch 
zur Cur der Menſchen (abſonderlich in den rauhen noͤrds 
lichen Gegenden, wo die Bruſtkrankheiten fo häufig find) 
ſo noͤth⸗ als nuͤtzlichen Schatz ſeines Gehirns in zureichli⸗ 
cher Menge mit ſich tragen und verwahren muß. Wie 
denn auch, als die dortige Bauern an dem Kopfe unver⸗ 
ſtaͤndlich gehauen, fold) Gehirn als eine dicke Fettig⸗ 
keit mildiglich heraus gefloſſen. Aus welcher einige hie⸗ 
ſige Apotheker, die etwas davon bekommen, das beſte 
Sperma Ceti nach den Regeln der Kunſt ohnſchwer her⸗ 
ausgebracht. Der Unterkiefer hat zu beyden Seiten 25 
Zaͤhne gehabt, welche bey nahe eine Spanne weit einer 
von dem andern, und ein wenig ſchief vorwerts ſich ſen⸗ 
kend geſeſſen. Das aus dem Kiefer geſaͤgte Stuͤck, ſo 
ich gekaufet, hielt ohne Haut und Speck einen guten Fuß 
ins Gevierte. Das Zahnfleiſch war, wie der Gaumen, 
ſchneeweiß und von ſehr zaͤher Textur als ein Pferdehuf, 
obenher mit einer runzlichten und eingekerbeten Rinde be⸗ 
decket, die ſo feſte, daß man ſie bald fuͤr felſicht haͤtte an⸗ 
ſehen ſollen, wovon ich noch ein Stuͤcklein in liquore 
zeigen kann. Als ich mein Stuͤck, um die Zaͤhne deſto 
beqvemer heraus zu bringen, in Waſſer aufs Feuer ſetzen 
laſſen, hat es in die 12 Stunden beſtaͤndig gekochet, ehe 
man demſelben mit einem Meſſer etwas anhaben, und 
das fleiſchigte von den Knochen loͤſen koͤnnen. Zuletzt 
aber wurde es wie gekochter Ochſengaum, doch ohne uͤbeln 
Geruch und Geſchmack, daß man es mit ein wenig Salz 
ohne Eckel eſſen ſollen. Die beyden Zaͤhne, ſo ich da⸗ 
von beſitze, find, der eine 62 Zoll lang, 8 Zoll in der Run⸗ 
de dick, der andre 62 Zoll lang, und in der Runde mit 
vorigem gleiche dick, doch platter. Oben haben ſie eine 
ziemliche breite Flaͤche, die aber nicht zu meſſen ſtehet: 

(ein paar Jahr nachher habe ich noch einen viel groͤßern 
O 5 b Zahn, 


218 Nachrichten von Grönland 
Zahn, der 7 Zoll lang und gt Zoll dick und plattlicht be⸗ 


kommen. Derſelbe aber muß von einer andern und viel 


größern Cachelotte, als deren ich erwehne, genommen ; 
ſeyn). Ob im Oberkiefer hinten einige Zähne gemefen, 


(wie zwar aus obenangeführten glaublich ift, aber von den 


Sch fern geleugnet wird,) darnach hat man bey dieſem 
Fiſche nicht geſehen, das aber ift von ſelbſt in die Augen 
gefallen, daß der Oberkiefer ſonſt überall eben fo, viel Gru⸗ 


ben gehabt, als in dem Unterkiefer Zähne ſich befunden. 
Allerm ß: n dieſelbe, wenn das Maul ſich geſchloſſen, in 


jene als in ihre Scheiden ſich gefuͤget. Die Augen ſind 
gar klein, und der getrocknete humor eryſtallinus war 
nicht groͤßer, als einer von dem rechten Wallfiſche, oder 
als die Kugel einer gemeinen Vogelflinte. Dieſer Fiſch 
hat über feinen Leib wenigſtens 12 Hände breit Speck 


unter der Haut oben auf dem Fleiſche gehabt; welches 
das einige geweſen, wornach das Bauervolk getrachtet, 
und was ſie auch davon geſchnitten, um es zum Thran, 


welches der Zeit theuer war, auszubrennen hin und wie⸗ 
der verkaufet. Man hat ihn aber nicht geoͤffnet, vielwe⸗ 


niger n ach ſeinem Magen und anderm Eingeweide geſehen, 
ſondern ‘$ 


am Riden aba, gehauene Schwanz nach Hamburg gebracht 


und får Geld gezeiget worden. Wodurch ich Gelegen 
heit bekommen, uͤber demſelben eine und andere Anmer⸗ 
kung zu machen. Er war einigermaßen dreyeckicht, und i 


fein aͤußerſter Rand in der Mitten wie ein halber Mond, 
doch nur ganz wenig eingedrucket. Daſelbſt, nämlich 


am breiteſten Ende, war er, von einer Spitze zur andern 
gerechnet, acht gute Hamburger Fuß breit, und auf der 


Mitte gemeſſen 5 Fuß 8 Zoll lang. Am Ende, wo der 
Schwanz am Ruͤcken geſeſſen, war er in ſeiner ovalen 


Runde 16 Fuß 4 Zoll dick. Die Haut war 1 | 


doch etwas Maufefahl, und mit der Schwarte gerechnet, 


hey weitem nicht fo dicke als des gemeinen Wallſiſches feine, ' 
i 2 a Ä u BEE von 


leiſch und Knochen ſo ganz treiben laſſen. Gleich? 
wohl habe ich noch das Vergnuͤgen gehabt, daß der ganze 


— 


und der Straat Davis. 219 
von außen ſanft wie Sammt anzufuͤhlen, inwendig an 
der Fleiſchſeiten ſehr narbicht. Das Fleiſch war friſch, 
ſchoͤn roth, uͤberaus zaͤheſericht oder grobfadenicht mit 
vielen Sehnen durchwachſen, mithin gar ſtark und feſte, 
welches um ſo mehr noͤthig iſt, weil im ganzen Schwanz 
kein Knochen vorhanden, ſondern nur das aͤußerſte En⸗ 
de des Ruͤckgrates von 12 Ellen aus einigen faſt vierecki⸗ 
gen, maͤhlig kleiner werdenden, lockeren Vertebris beſte⸗ 
hend, in den Schwanz hineintritt, dadurch alle Bewe⸗ 
gung deſſelben nach Nothdurft zu Werk gerichtet wird. 
Mich deucht, daß die Feſtigkeit des Fleiſches an dieſer 
Cachelotte daraus abzunehmen geweſen, daß daſſelbe, ohn⸗ 
erachtet das Wetter damahls feuchte und gelinde war, 
dennoch etliche Wochen ohne alle Faͤulung daurete, auch 
ſo wenig von ſich ſelbſt, als da es, um noch etwas Thran 
daraus zu ziehen, zuſammt dem Speck gekochet ward, 
keinen widerlichen Geſtank von ſich gab. Der daraus 
geſottene Thran brannte in der Lampe ohne ſtinkenden 
Dampf mit einer ſo hellen und reinen Flamme als eine 
weiße Wachskerze. Daß aber das ſchoͤne Gehirnoͤl 
durch den ganzen Fiſch ſich austheilen und denſelben durch 
und durch ſpermatiſch machen muͤſſe, habe ich daraus 
uͤberzeuglich ſchließen koͤnnen, daß man mir aus den aͤuſ⸗ 
ſerſten Stuͤcken ſeines Schwanzes, womit ich es verſu⸗ 
chen laſſen, En reines Sperma Ceti, obgleich nicht in 
großer Vielheit h hausgebracht. Aus den uͤberbliebenen 
Griefen“ hat man v e Leim geſotten ee få 

$. XLVIT. 

*Das iſt, das ſehnichte, 905 nach Auskochung des Fet⸗ 

tes zuruͤck bleibt. Live, du bift verdorret als eine Grieve. Poem. 

Ms. de B. Mar. Virgin. Griebo, eremium Gl. Florent. I. MS. 

Grieb et Swart Cremium Ruſticanus Terminor. Cremium eſt, 

quod remanet in patella aridum de carnibus poft pinguedi» 
nem liquefactam. Ioh. de Ianua in Catholieo, 

Man kann gegen dem, was von dieſem Wallfiſch an⸗ 

gefuͤhret, halten, was Zorgdrager Opkomft der Grœnlandſ. 

Viſcher. in fin. p. 284 bon den Por fiſchen oder Cachelots ſchrelbet. 


IX Zweyte 
Species 
der Sache: 
lotte. 


220 Nachrichten von Groͤnland 


6. XLII. Die zweyte, doch viel ſeltener als die 
erſte vorkommende Sorte der Cachelotte ift die, welche 
ſchmaͤlere, gerade und oben ſpitzige Zaͤhne hat. Balæ- 
na macrocephala in inferiore tantum maxilla dentata, 
dentibus acutis, humanis non prorfus abſimilibus, pin- 
nam in dorſo habens. Weil einſten eine ſolche Cache 
lotte oder Cazilot von den Bremern ohngefehr auf der 
Höhe von 773 Grad gefangen, und vom Herrn Haſaͤo * 
wohl beſchrieben worden, will ich mich deſſen Nachricht be⸗ 
dienen. Dieſer Fiſch war 70 Fuß lang, wiewohl man auch 
derſelben von 80 ja 100 Fuß hat; die folglich größer, als 


die eigentlichen Wallfiſche find. Seine Farbe war dun⸗ 


kelgrau (nigricans), unter dem Bauche mählig weißlicht. 
Der Kopf groß und fuͤrchterlich, einer Kolbe von einer 
Flinten oder dem Vordertheil einer Schuſterleiſten, (wo⸗ 


von die Abbildung zu fehen,) ziemlich ahnlich, und mach⸗ 


te bey nahe die Haͤlfte des ganzen Koͤrpers aus. Vorn 
auf dem aͤußerſten Theile ſeines Vorkopfs hatte er nur 
eine Oeffnung, daraus er Waſſer blaͤſet. Er hatte kein 
ſo breites, auch nicht ſo weites Maul als der Wallfiſch, 
aber einen viel weitern Schlund, maßen dieſer Fiſch ei⸗ 


nen ganzen Hayfiſch von 12 Fuß lang wiederum ausge⸗ 


keit angefuͤlleten Diſquiſitione de Leviathan Iobi et Ceto lo- 5 
næ. Brem. 1723. 8. er e | | 


ſpiehen. Das Untermaul, fo zwar gegen dem Obertheil 
zu rechnen nicht groß, war gleichwohl auch an ſich nicht 
klein; denn der bloße Knochen des Unterkiefers hielte 
162 Fuß, der hinten weiter ift, aber mählig ſpitz zulaͤuft. 
Er hatte 52 große oben ſpitz zulaufende und den menſch⸗ 
lichen Zaͤhnen nicht ganz unaͤhnliche Zaͤhne, die wie die 
Zaͤhne in einer Saͤge ſtunden, und ein ieder faſt 2 Pfund 
wogen. In dem Obermaul waren eben fo viel Löcher, 


worein dieſelbe ein ieder, als in ſeine eigene Buͤchſe oder 


Schei⸗ 


Einem ſehr berühmten und naturverſtaͤndigen profef⸗ 
ſore und Prediger zu Bremen in ſeiner mit vieler Gelehrſam⸗ 


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€ pure der Straat Davis. 221 


Scheide trafen, auch das ganze Untermaul in das obere 
ſo wohl paſſet, daß es von ſelbigem ganz bedecket und ein⸗ 
gefaſſet ward. Die Augen waren glimmend und gelbicht, 
doch nur klein, wie bey andern Wallfiſchen. Die Zunge 
ſpitzig, roth und feurig, doch nach des Fisches Groͤße nur 
klein. Zunechſt am Kopf ſaßen zwo Finnen, deren iede 
nur 12 Fuß lang, doch in iedem Fingerknochen 7 Gleichen 
oder Glieder waren, da in des Wallfiſches feinen nur 5 
ſich befinden. Oben auf dem Ruͤcken fand nicht nur ein 
hoher Puckel, ſondern auch ohnfern des Schwanzes ein 
kleinerer, wie eine Finne. Die Haut war kaum eines 
| halben Fingers dick, doch weil fie über ein ſehr feſtes ſeh⸗ 
nigtes Fleiſch geſpannet iſt, undurchdringlich, mithin der 
Fiſch nur an wenig Stellen mit den Harpunen zu ver⸗ 
wunden. Man hat aus ſeinem Kopf 10 Quartelen Ge⸗ 
hirns geholet, welches gewiß hide Menig ift, und daraus 
Sperma Ceti gemachet. 


§. XLVIII. Die dritte und alerseltenſte Art der X. Dritte 
Cachelotten ift die, fo ſchmahle krumme und faſt fichel: Kachel 
förmige Zähne im Unterkiefer hat. Balena macrocepha- 0 
la, in inferiore tantum maxilla dentata, dentibus arcua- 
tis falciformibus, pinnam in dorfo habens . Von 
dieſer Gattung ſtrandeten im Jahr 1723 den 2 Dec. 
durch einen gar gewaltigen Sturm und ungemeine Waſ⸗ 
ſerfluth wohl 17 im Munde der Elbe auf den Seebaͤnken 
beym ſo genannten neuen Werke vor Ritzebuͤttel, Ham⸗ 
burgiſcher Jurisdiction. Weil ich von denſelben ſonſt 
nichts, als was der damahlige Amtmann und Raths herr 
L--n in liter. ad Ampl, Senat. referiret, in Erfahrung 
bringen moͤgen, will ich einen Auszug davon anhero uͤber⸗ 
| ſchrei⸗ \ 


Sibbald hat einer Sorte erwehnet, die dieſer gar aͤhn 
lich koͤmmt, nur daß fie nicht ſo groß als die unfrige, und an 
flat der Finne eine lange Floßfeder hat. Balena maior in 
inferiore tantum maxilla dentata; dentibus arcuatis falci- 
formibus n pro pinna longam in dorſo habens. 


222 Racpeichen von Gre roͤnlan 


ſchreiben, zumahlen noch kein Autor, ſo viel ii, 


davon etwas aufgezeichnet hat. 


$ „Daß die Cuxhavener als ſie um n beg. Scharhören i 


bey die Oſtertill gekommen, auf dem Winterſande vier⸗ 
zehn, und etwas davon noch etliche, in allen fi ebenzehn 
große Jiſche, welche man Cachelotten nennet, und in al 

len mit des in Zorgdragers Groͤnlaͤndiſchen Fiſcherey p. 
238 und 391 ihnen vorgewieſener Figur übereingefommen, 
vorgefunden. Von dieſen Fiſchen wären faſt die Hälfte 
Maͤnnchens und die Haͤlfte Weibchens geweſen, derge⸗ 
ſtalt, daß ſie muthmaßeten, daß gedachte Fiſche aus 
Brunſt, um auf dem niedrigen Grunde zu ſcherzen, ſich 


dahin begeben; von der Ebbe und Oſtwind aber uͤberei⸗ 


let ſtranden muͤſſen. Bey ihrer, der Unterthanen An⸗ 
kunft, hätte es das Anſehen gehabt, als wenn lauter Hol⸗ 
laͤndiſche kleine Schmacken daſelbſt gelegen, woben ihre 
Ever als Boote geſchienen. Der Fiſche Laͤnge wäre 40, 


ES — 
\ 


50, 60 bis 70 Fuß geweſen, und da fie auf der Seite ges 


legen, hätten acht Mann en front auf ihnen ſtehen koͤn⸗ 
nen: wobey der Kopf oben uͤber dem Auge dem groͤße⸗ 
ſten Backofen gleich geweſen. Die Finnen, der Schwanz, 
die Oberbacken gleicheten in allen obgedachter bey Zorg⸗ 
dragern befindlichen Figur. Der Unterkinnbacken, der 
etwas kuͤrzer als der obere, und in gleicher Breite etwa 
12 Zoll breit, mit einer Rundung nach vornen hatte 42 
Zaͤhne, welche aus dem Kinnbacken etwan einen Finger 
lang hervorrageten, und wie ein Kegel oder vielmehr 


Wolfszahn unten 2 Finger dick in einer gekruͤmmeten 
Spitze ſich endigten, auch in den im Oberkinnbacken ber 


findlichen Jutteral ſich einpaſſeten. Dieſe Fiſche lagen 
auf einer Seite in ihrem Lager den Kopf nach Norden 
habend, ein Weibchen und ein Maͤnnchen eines um das 
andere rangiret, auch bey Ankunft der Cuxhavener annoch 


fo warm, daß fie die Macht allererft geſtorben ſeyn muͤß⸗ 


1 


ten Ihre ie war bra ihre HORDE hatte die 
5 5 Dicke 


und der Straat G Davis. 223 


Dicke eines halben Fingers, das Speck, da es Re fo 
friſch lag, bey etlichen ein Qvartier, auch 2 Qvartier 
dick, und ſo weiß, daß, wenn es unter Schweinſpeck ge⸗ 


menget worden, mans nicht haͤtte unterſcheiden ſollen. 


Mach einiger Groͤnlandsfahrer Meinung hätte ein ſolcher 
Fiſch, wenn an beyden Seiten von demſelben das Speck 


hätte geſchnitten werden konnen, 40 bis so Cardelen ge- 


ben muͤſſen. Aus dem Kopfe hätten etliche 4 oder 5 
und mehr Tonnen Breyes oder rohes Sperma Ceti ger 
zapfet, und doch nicht alles daraus erhalten: da aber der 
Fiſch nicht hat umgewendet werden können haben die 
Speckſchneider denſelben abandonniren und der Fluth übers 


laſſen muͤſſen: die denn die Kepa che aus ein⸗ 


ander getrieben ꝛc. „ 


Ich muß hiebey noch fuͤgen, daß die Siehäne, | 


die ich davon bekommen, 73 Zoll Hamb. in der Länge, 
und unten am dicken Ende 7 Zoll in der Runde gehalten. 


Es haben aber, welches von niemand obſerviret worden, 


dieſe Fiſche nicht lauter ſpitzige Caninos, ſondern, weil 
ſolche zum kaͤuen nicht beqvem, hinten auch einige, ich 
weiß nicht wie viel fünfzöllige Molares gehabt. Diefe 


ind zwar auch ein klein wenig Mondfoͤrmig, haben aber 


in der Mitten 44 und oben 3 Zoll in der Runde, und 
der Obertheil endet ſich nicht in eine einige, ſondern in 
verſchiedene ungleiche Spitzen und Unebenheiten, damit 


fie im Beißen die Speiſen deſto beſſer zerqvetſchen und 


zermalmen können. Ob dieſe Fiſche auch hinten im Ober⸗ 
kiefer einige Molares gehabt, hat man mir nicht ſagen 
können, ich zweifele 1 
Cachelotten ſolche haben, und weil die Nothdurft es zu 
erfodern ſcheinet, indem die untern Molares fo viel kuͤr⸗ 
zer, als die Canini find, und folglich nicht einmahl an 
den obern Kiefer reichen, weniger ohne wann andere ih⸗ 
nen von oben entgegen und zu Huͤlfe kommen, die große 
Gewalt, die zum Fäuen W wird, auszuüben im 
Stande 


er keinesweges daran, weil andere 


2 2 
2 


XI. Der 


Wittfſſch. 


224 Sadie e von Grönland 


Stande find. Gluͤcklicher Weife fügte es ſich im Jahr | 
1738, daß ohnweit St. Peter im Eiderſtändiſchen eine 

Cachelotte zu ſtranden kam, welche im Unterkiefer vorn 
auf der Schnauze einen, und auf ieder Seiten 25, alſo 


in allen 51 Sichelfoͤrmige Zähne hatte. Sie ift 48 Fuß 


lang, 12 Fuß hoch und ihre dickeſte Rundung 36 Fuß ge⸗ 

weſen. Auf dem Ruͤcken hinterwerts gegen den Schwan 

hat ſie einen Knobel, lang 4, und hoch anderthalb Fuß 
gehabt. Die Finne ift geweſen 4 Fuß lang und andert⸗ 
halb breit, der Schwanz 12 Fuß breit, das Luftloch aber 
14 Fuß lang, das Membrum virile hat am Leibe in die 
Runde 14 Fuß gehalten. Ich habe einen Abriß davon 
bekommen, welchen ich ſo gut, alsich ihn at 155 å 
bey mittheile. | 


g. XLIX. Die letzte Wallfſchgattung, die nur unten 
Zaͤhne hat, iſt der Wittfiſch oder Weiß fiſch, albus 
piſcis cetaceus Raj. ich wollte ſetzen: Balæna minor alba 
in inferiore maxilla tantum dentata ſine pinna in dor- 
fo *. Sie werden in der Straat Davis in der Sid 
bucht gefangen. Sie ſind dem rechten Wallfiſch ziemlich 
gleich, nur daß ihr Kopf viel ſpitziger, ſonſt haben ſie 
den Pudel am Kopfe wie ein Wallfiſch, fie haben auch 
keine Finne auf dem Ruͤcken, wohl aber auf ieder Seiten 
eine, die ziemlich lang. Ihr Schwanz iſt auch des Wall⸗ 
filches Schwanz fehr aͤhnlich. Sie follen nur ein Bla⸗ 
ſeloch haben. Allein in dem Cranio, das ich beſitze, ſind 
offenbarlich zwey Locher. Doch kann es ſeyn, daß fie 
oben über ſich in eine fleiſcherne Roͤhre zuſammen laufen, Al 
und alfo nur einen Strahl auswerfen. Ihre Farbe i 
gelbweiß, daher ſie von den eee den Nah⸗ 
men 


Sißbald hat zwar auch einen unter dieser Befehreibung, 
der aber von dem unſrigen ganz unterſchieden. Seiner hat 
einen runden Kopf, unfer einen ſpitzigen: ſe ner hat Nafelds 
cher, der unſrige eine Blaſeroͤhre. SØ båse fg 1 M 


Unterſcheid Alla hinzugeſetzet. 


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und der Straat Davis. 225 


men der Weißfiſche bekommen, ihre Größe ift 2 bis 3 
Manns Laͤnge, die haben aber nur 1 bis 2 Qvartelen 
Speck, welches noch dazu ſo weich, daß die eingeſchoſſene 
Harpun leicht wieder ausreißet. Weswegen man ſich 
ſelten die Muͤhe giebt auf einen derſelben Jagd zu ma⸗ 
chen“. Doch ſiehet man fie gar gerne, weil man fie, 
wenn ſie in Menge vorhanden, fuͤr eine Anzeige eines 
bald folgenden guten Wallfiſchfanges anſiehet. Aus 
dem uͤberkommenen Kopfknochen habe ich angemerket, 
welches von keinem angefuͤhret worden, daß ſie unten 
im Maul auf ieder Seiten acht kleine ein wenig geboge⸗ 
ne, oben rund und plattlichte Zaͤhne haben, die gleichſam 
auf dem Ruͤcken liegend im Kiefer ſtecken. Ich habe 
mit Fleiß nachgeſuchet, kann aber keine Spuren finden, _ 
daß im obern Kiefer irgend einiger Zahn, oder auch Ba⸗ 
ckenzahn hinten geſeſſen, wie denn auch keiner der Groͤn⸗ 
landsſchiffer, die ich darum befraget, dergleichen im Ober⸗ 
kiefer bemerket zu haben ſich erinnert. Ich bedaure, 
daß mein Cranium, waͤhrender Zeit, daß ich auf Reiſen 
geweſen, gar ſehr ſchadhaft geworden, daß ich keine voll⸗ 
ſtaͤndige Abzeichnung davon nehmen und fie mittheilen 
kann. f | 55 


FH. L. Nun find noch uͤbrig diejenige Wallfiſchgat⸗ AT. Der 
tungen, welche oben und unten im Maul Zähne haben. Bubkopf. 
Der Butzkopf, bey den Engl. Grampus, Flouu dern. 
head, Raj. und den Schotten Northcaper, (wie Sib⸗ 
bald bemerket) genannt, Orca Bellon. et Rondelet. 

Forcus marinus major, Gesner. Bey mir: Balæna 
minor utraque maxilla dentata, pinnam in dorfo ge- 
rens. Dieſer hat eine ſchwarze oder dunkelbraune glat⸗ 
te Haut, und iſt weiß unter dem Bauche. Seine Laͤn⸗ 
ge erſtrecket ſich bis zu 20 Fuß und giebt 15 auch wohl 
mehr Qvartelen Speck. Der Kopf iſt vorn butt, das 

i | % iſt 

Siehe Martens Spitzberg. db Part. IV. c. 6. n. 5. 


\ 


226 Nachrichten von Groͤnland 

iſt ſtumpf, als wenn man ein umgeſtuͤrzetes rundes Boot 
von vornen anſiehet; daher er bey den Hollaͤndern und 
Niederſachſen den Nahmen traͤget, doch hat er ein etwas 
ausſtehendes Maul oder Schnauze, welche vorn und hin⸗ 
ten gleich dick iſt; wodurch er eben vom Meerſchweine 
unterſchieden wird, deſſen Schnauze hinten dick, vorn 
aber ſpitziger zulaͤuft. Der Leib ift nur kurz. Er hat, 
wie man mich verſichert, vier Zaͤhne auf ieder Seiten, 
und einige Backenzaͤhne, oben aber nur kleine Zähne, 
Er hat ein Blaſeloch im Nacken, auf dem Ruͤcken eine 
große Finne wie das Meerſchwein, und zwo voͤrdere 
Finnen, wie des Wallſiſches feine; dem er auch mit dem 
Schwanze gleich kommt!. | 


zu. Das H. LL Das Meerſchwein oder Tunin, w wie Mar⸗ | 
Mui tens will. Isl. Suinhual oder Witingr. Daͤniſch 
Bruuskop, wegen feines plumpen Kopfs und 
Springhwal, das ift, Springer. Franzöͤſ. Marſouin 
oder Soffleur. Engl. Porpus oder Porpeſſe. Schottl. 
Seapork. Phocena Rondelet. atque Gesn. Phocena ſ. 

Turſio Bellonii et Scaligeri. Delphinus ee: 
Schoneveld. Bey mir: Balena minor, utraque ma- 
xilla dentata, pinnam falcatam in dorſo habens. Die⸗ 
ſer Fiſch iſt ſchwarz von Haut, und weiß am Bauch, 
feine Laͤnge 5 bis 8 Schue. Auf dem Kopf hat er das 
Blaſeloch Guxta Willughby). Mit demſelben und dem 
hervorragenden Maule koͤmmt er dem Butzkopfe am 
nechſten, nur daß die Schnauze dem Sauruͤßel ähnlicher 
iſt. Das Maul iſt unten und oben voll ſcharfer kleiner 
Zähne. Die Ruͤckenfinne, fo mitten auf dem Ruͤcken 
ſtehet, if gegen dem Schwanz zu wie ein halber Mond 
ausgehoͤhlet. Die Bauchfinnen ſind wie des Wallfiſches 
Finnen, wie auch der Schwanz, nur daß er an ihm ſichel⸗ 
foͤrmig 


2 Sie Martens Spitzb. Reiſe Part. IV. cap. ben. 5 7 


I |! 


1 FA 
| 


und der Straat Davis. 227 
foͤrmig ift *, Was ſonſt von dieſem Fiſche anzumer⸗ 


ken, findet fi id) vorhin in den Nachrichten von Island 
p. 1or ſeq. 


LUII. Der Delphin. oder wie ihn unſere Schiffer i in xıv. Der 
der Nordſee nennen, Toͤmmeler, Holl. Tuymelaar >=, Delphin. 
von Tuͤmmeln und Springen, welches er abſonderlich 
bey bevorſtehendem ungeſtuͤmen Wetter zu thun pfleget. 
Delphinus antiquorum. Norweg. Nyſſa Er kann 
auch heiſſen: Balena minor utraque maxilla dentata, 
dorſo pinnato, Dei phinus vulgo dicta. Iſt dem Meer; 
ſchwein ſehr gleich, ohne daß des Delphins San auze 
mehr voraus ſtehet und ſchnabelhaftiger ift. Er ift vorn 
dick, hinten ſchmal. Er hat zwey Blaſeloͤcher, doch oben 
nur eine einfache Mondfoͤrmige Oefnung über der Stirne, 
in welche die beyde Stralen zuſammen gehen und nur ein 
hoher ſtarker Stral mit einem Pfeifen heraus geſtoßen 
wird. Nich ſeiner Groͤße ſtehet eine hohe Finne auf 
dem Ruͤcken. Sein Schwanz ſitzet ihm horizontaliter, 
wie dem Wallſiſche . Die aͤußerſten Norweger ma⸗ 
chen von feinem Rogen eine Art von Caſiar. Der Del: 

phin in der Weſtſee fod überall ſchmaͤhler und dem Stoͤhr 
— aͤußerlichen Geſtalt nach (ohne daß dieſes e ; 
zu ſpitzig 0 gar aͤhnlich ſeyn. | 


P 2 ver ö. Lu. 


Siehe Martens d. I. cap 6. n. 3. Willughb. Hiſt. Piſe. 
Lib. II. cap. 3. In den Memoires des Chevalier d' Arvieux 
Tom. III. pag. 400 wird erwehnet, daß die Jungen von 6 
oder 7 Pfund ſchwer, gut zu eſſen, die aber zu völliger 
Groͤße ? gediehen, (da fie 1 8 bis 10 Pfund waͤgen) 
grob, zaͤhe und von uͤbelm Geſchmack ſeyn. 

e Anymeler ſic dia a mirablli agilitate ſeu mobili- 
tate, qua ſe in maris ſuperficiem frequentiſſime vibrat. 
Eilian Etymologia Teuton 5 
*** Adde Willughby Hiftor. Pife. Lib. II. cap. 2. Noch 
beſſer aber ift die Abb ld⸗ und Anatomiſche Beſchreibung des 
Herrn D. Kulmus in Supplem. I. Actor. Vratis lav. art. II. 


228 Nachrichten von Groͤnland 


S LIII. Der Schwerdtfiſch der Grönlan ef 
er, der noch von niemanden, ſo viel ich weiß, beſchrie⸗ 
ben iſt. Ich wage es ihn zu nennen: Balenam mino- 


rem utraque maxilla dentatam, pinnam gladio curvo 


ſimilem in dorfo habentem. Dieſer Fiſch hat einen 


ſtumpfen Kopf faſt wie ein Butzkopf und das Maul 


voll kleiner, doch ſcharfer Zähne. Er blaſet Waller, 


und hat einen horizontalen Schwanz wie der Wallfiſch. 


Auf dem Ruͤcken am Ende deſſelben ſitzet das fo genannte 
Schwerdt oder Sabel, davon er feine Benennung traͤ⸗ 
get”, Es ift 1 bis 2 Ellen hoch, eine halbe Elle bis 
drey Ovartier unten am Ruͤcken breit, oben aber viel 


ſchmaͤhler, gegen den Schwanz ziemlich zuruͤck gebogen, 


dick und ſtumpf, daß es eher einem gekruͤmmeten etwas 
zugeſpitzeten Pfahl gleichet, uͤberdem mit der Haut und 
Schwarte noch uͤberzogen, folgbar ganz und gar unge⸗ 


ſchickt, entweder dem Wallfiſch oder einigen andern einen 


Stich oder Schnitt damit beyzubringen. Doch kann 


er demſelben ſonſt mit dem Maule Schaden genug zufür 


gen. Naͤmlich ihrer etliche (wie fie denn gemeiniglich in 
kleinen Troppen ziehen,) fallen den Wallſiſch an, aͤngſti⸗ 


gen ihn, und zerren ganze Stuͤcker aus feinem Leibe, 


Wodurch er dermaßen abgemattet und erhitzet wird, daß 
er den Rachen etwas oͤffnet, und die Zunge, fo viel er 
kann, herausrecket, an dieſe machen ſie ſich augenblick⸗ 


lich, weil es ihnen darum am meiſten zu thun, und ſie 
ſonſt wenig oder nichts vom Wallfiſche effen, oder der 


dicken Haut halber von deſſen Fleiſche herunter zu zerren 
vermoͤgen: aber, fo bald fie nur koͤnnen, in den Rachen 
ſchlupffen, und die Zunge vollends herausfreſſen: daher 
es kommt, daß unſre zeute dann und wann einen todten 


Wallfiſch antreffen, der die Zunge verlohren hat, und 


davon geſtorben iſt. Unſte Gronlandsfahrer fehen dieſe 
Schwerdtfiſcheoͤfters bey Spigbergen, ae in der ee, al 


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2 Adde die Salåndifthe ad Prog \ 


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und der Straat Davis. 229 
Davis, wo ſie 10 bis 12 Fuß lang werden. Zuweilen 
ſind auch wohl kleine oder Junge gar bey Hilgeland vor 


der Elbe geſehen worden. Man kann ſie ihrer großen 


Geſchwindigkeit halber ohnmoͤglich fangen, es waͤre denn, 
daß man einen jungen etwa mit Buͤchſen erſchießen möge 
te. Ein erfahrner Schiffer, den ich um feine Meinung, 
wozu dieſer Pfahl dem Fiſche wohl nuͤtzen moͤgte, be⸗ 
fragte, hielte ganz wahrſcheinlich dafuͤr, daß er demſelben 
beym Schwimmen etwa zum Stemmen oder Aufhalten 
u. d. g. zu ſtatten komme. 

Ich zweifele keinesweges, daß die auf den Kuͤſten 
von Neuengeland fich enthaltende und von den daſigen 
Wallfiſchfängern alſo genannte Killers“, das iſt, Wall⸗ 
fiſchtoͤdter, eben die von mir ietzt beſchriebene Schwerdt⸗ 
ſiſche, und der Gegend nur groͤßer, nämlich 20 bis 30 
Fuß lang ſeyn. Denn es wird von ihnen gedacht, daß 
ſie in beyden Kiefern Zaͤhne, die in einander ſchließen, 
und eine Finne von 4 bis 5 Fuß hoch gegen die Mitte 
des Ruͤckens ſitzen haben. Sie gehen allemahl in Ge⸗ 
ſellſchaft bey Dutzenden, und fallen einen jungen Wallſiſch 
wie die Schlaͤchterhunde einen zu hetzenden Stier an. 
Einige halten ihn beym Schwanz, das Schlagen mit 

demſelben zu verwehren, indem andre ſich an den Kopf 
machen und daran beißen und ſchlagen, bis das arme ſol⸗ 
chergeſtalt erhitzete Thier die Zunge ein wenig ausrecket, 
da denn einige ſeine Lefzen, und wo moͤglich ſeine Zunge 
zu ergreifen trachten. Wenn ſie ihn endlich ertoͤdtet, 
fell fie vornehmlich von feiner Zunge und Kopfe: ſo 

bald er aber beginnet zu faulen, verlaſſen fie ihn. Diefe 
Killers oder Toͤdter find von fo unuͤberwindlicher Staͤrke, 
daß, wenn einige Chaloupen mit einander einen todten 
Wallſiſch fortſchleppen, ein einiger derſelben, der feine 
Zaͤhne drein ſetzet, vermögend ift, den Wallfiſch augen⸗ 
Mac fort und mit ſic hinunter auf den Grund zu 
Er ne reiſſen. 


Vid. Philoſ Tranſact. N. 387 p. 265. 


2888 Nachrichten! von Grönund 


Von avis 


fuͤßigen 
Seelhieren. 


1) Vom 
Wallroß. 


Baſſao edirten Periplo F. 5. und dieſer in der da 


. 


reiſſen. Zuweilen hat man dieſe Fiſche bekommen und 


guten Thran daraus gemachet. | * 


F. LIV. Endlich will ich noch zweyer vierflißigen 
Seetbi:re gedenken, nämlich des Wallroffes und deg 
Se ehundes. 


Das Wallroß Ca * ift dem Een | 
an der Geſtalt des Leibes gar ähnlich, doch größer, dicker 


und ſchwerer eie Be vier Fuße oder wie unſre 


See⸗ N 


„Das iſt, Meerroß oder Meerpferd, wie es denn 
auch die Ange ſachſen Hors-Hwal (ab Hors equus, Sax. Hors 
oder Ors, Allem. Hors; et Hwal, Wall Cete) geheißen 
haben. Die Rußen nennen es Morss, die Engelaͤnder Sea- 
kow, wie auch die Franzoſen Vache Marine, und auf den 
Nordamericaniſchen Kuͤſten, wo es ſich nicht weniger findet, 
Vache Marine oder auch Bete à la grande Dent. vid. Dionys. 


Deſcription des Cotes de I’ Ameriqu Septentrion. Vol. 
II. pag. 256. Die Hollaͤnder, ſo nach Groͤnland fabren, fa 
gen auch Walros oder Walrus: aber einige, die in Indien ge- 


reiſet, und irgend dergleichen geſehen haben, heißen fie auch 


Seeleuwen, doch irrig. Denn die Seeloͤwen haben viel klei⸗ 


* 


nere Dentes caninos, und find vielmehr eine große Robben ⸗ 


art, die mit dem Kopfe und der gelben Farbe des Leibes den 


Löwen ähnlich kommen. Valentyn Beſeryv. van de Kaap 
p. 125. (in feinem großen Werke von Oſtindien) Kolbe in der 
Beſchreibung dieſes Vorgebirges p. 203. und der von Hafzo 
diſſ. Philolog. VII $. 12 citirte Anonymus. Mit dem Wall⸗ 
roß hat große Uebereinkunft, und iſt einerley Geſchlechts, der 


Manati oder Lamantin, wie die Franzoſen ſprechen, im 


Weſtindien. 
Am beſten hat von dieſem Thiere geſchrieben Mars 


tens Spitzberg. Reiſ. Part. IV. cap. 4 n. 5, woſelbſt er eine 


ziemlich gute Abbildung deſſelben giebet. Es haben die alten 


Norweger und Islander nicht nur aus den langen Zaͤhnen 
Meſſerſchalen, Degengefaͤße und anders mehr gemacht, ſon⸗ 
dern auch aus der dicken und zaͤhen Haut Riemen zu Schiffs 
ſeilen geſchnitten. Wie ſolches der alte Ohtherus in ch inen vo 103 
ſelbſt 2 


haͤngten Note bemeifet. Eben derfelbe Ohther erwehnet auch 


im 6 H. daß der Tribut, den die Samen zu fene a ihrem 


Koͤnige 


b und der Straat Davis. 23¹ 


Seeleute zum Unterſcheid fagen Vlaaren *, die nicht 
ſo wohl zum Gehen als zum Schwimmen dienen, wie 
denn die Finger oder Zaͤhen uͤberall mit Haut bedecket 
und ausgefuͤllet, doch vorn mit kleinen Klauen bewaffnet 
ſind. Die Haut iſt bald eines Zolles dick; die Haare 
kurz, ſtoͤrrig, braun, faulgelbe. Der Kopf dick, plump 
und vorn platt, auf der Stirn ſind zwey Blaſelöͤcher: 
das Maul mit dicken ſteifen Borſten als ein Bart ver⸗ 
wahret. Es hat drey Zähne unten und vier oben. Auf 
fer denen gehen aus dem obern Kiefer noch zweene lange, 
ein wenig gekruͤmmete ſchoͤne Zaͤhne, die die beſten Ele⸗ 
phanten⸗Zaͤhne an Haͤrte und Weiße uͤbertreffen, her⸗ 
vor. Sie ſind nicht recht rund, ſondern plattlicht, auch 
nicht ganz eben, ſondern einigermaßen gerieffelt. Der 
rechtere Zahn ift allemahl ein klein wenig länger und grå 
ſer als der linkere. Weil dieſe Thiere nicht beſtaͤndig im 
Waſſer dauren koͤnnen, ſondern oͤfters zu Lande muͤſſen, 
aber meiſt nur ſteile Klippen oder abgeriſſene Eisfelder 
vorfinden, worauf ſie mit ihren kurzen und ſeitwaͤrts 
ſitzenden Fuͤßchen zu klimmern, und ihre ſchwere unbe⸗ 
wegſame Koͤrper nachzuziehen unvermoͤgend ſind; ſo hat 
ihnen der weiſe und guͤtige Schoͤpffer dieſe lange Zaͤhne 
gegeben, um in die Erde und Eis einzuhacken, und ſich 
damit hinauf auch auf dem glatten Eiſe fortzuziehen. 
Da ſie auch einer wohl eine halbe Elle und tiefer untern 
Schlamm ſteckenden Art Muſcheln zu ihrer gewoͤhnlichen 
nok gebrauchen, fo dienen ihnen die herausragende Zaͤhne 
P 4 auch 

S e beſtanden ſey on degn fellum and on fugela 
fetherum and huales bane and on them ſhip-rapum the 
beoth of huales hyde geworht and of ſeoles. Das iſt, in 
Thierfellen, Vogelfedern, Wallfiſchbarten und Schiffsſeilen, 
die aus Cual (worunter er den Wallroß verſtehet) und Seehun⸗ ö 
denfellen gewirket oder verfertiget geweſen. 

Fluͤgel, a Sax. Flæran, davon das Diminutivum Vleer- 
ken bey den 1 Bee und Vogelflugel | 
edeutet. af 


\ 


232 Nachrichten von Grönland 
auch als Biden, den Schlamm um und die I Muſcheln 
herauszuhacken. Endlich konnen fie ſich auch mit dens 
ſelben gewaltig wehren, und abſcheulich um ſich hauen. 
Mach ihr er Groͤße iſt, wie ohnſchwer zu ermeſſen, die 
Gråge und Länge ihrer Zähne beſchaffen. Mein ſel. 
Vater hat einſt ein paar bekommen, deren iedes 2 Pari⸗ 
for Buß und 1 Zoll in der Laͤnge und am dickeſten Ende 
8 Zoll in der Runde hielte. Dergleichen ich nach⸗ 
her nirgends wieder gefehen habe. Ich beſitze noch 
einen davon, einen aber habe ich laͤngſt der Seltenheit 
wegen an einen vornehmen Herrn fuͤr die Kayſer⸗ 
liche Kunſtkammer geſchenket. Man findet ſelten die 
recht große, und, noch ſeltener, die zweene ganze und ge⸗ 
ſunde Zaͤhne haben. Vor vielen Jahren habe ich einen 
ganzen ziemlich großen I Pariſer Fuß und 10% zolligen 
Kopf nicht nur mit zween gefunden Zähnen, ſondern auch 
mit der Haut und Fleiſch eingeſalzen in Peckel uͤberkom⸗ 
men. Weil er aber auf dieſe Art nicht lange zu erhalten 
war, habe ich ihn abſieden laſſen, und die Kopfbeine noch 
ietzo in meiner wenigen Sammlung aufgehoben. Da⸗ 
von eine Abbildung. Was an 1 ihnen eßbar, hat angezo⸗ 
gener Martens angemerket. Ich habe einſt von einem 
Commandeur vernommen, daß er mit ſeinen Leuten von 
den Nieren gegeſſen habe, und ſie alle ganz dumm im 
Kopf darnach geworden, welches ſich zwar nicht lange 
283 aber doch mit grauſamen Kopfſchmerzen ver⸗ 
ohren. j ikk 


„Vom $. LV. Der Seehund, Phoca, Inskmel Rob 

Stehunde. oder auch Salhund, Dän. Saͤlhund, den Norwegern 
Kaabe, Engl. Seal oder Sealhund, Franz. Veau de 
Mer, in Nordamerica Loup Marine, und von den Groͤn⸗ 
laͤndern ſelbſt Puſa genannt, ift ziemlich gut beſchrieben : 
und abgebildet von Martens *, auch fonft ein gar be⸗ 
kanntes Thier. An. 1724 bekam ich einen kleinen au⸗ 

gu, 1 


sr Spigberg. Reif, c. I. 1 4 | 


und der Straat Davis. 233 
geſtopften Seehund, der in der Straße Davis gefangen 
war. Sein Kopf war klein, aber natuͤrlich wie ein 
Hundeskopf, dem die Ohren glatt am Kopfe weggeſchnit⸗ 
ten find, Er hat einige Varthaare, wie eine Mouſtache, 
die lang, ſteif und auf eine ganz beſondere Art gewunden 
ſind. Die Oberlefze ſchlaͤget ein wenig uͤber die Unter⸗ 
Icfje her. Die Zähne find wie Hundeszaͤhne, doch noch 
ſpitziger, im Oberkiefer kuͤrzer als im untern. Der Hals 
iſt duͤnne und ein wenig laͤnglicht, der eigentliche Leib aber 
nur kurz, vorn dick, mit einer breiten Bruſt, hinterwaͤrts 
faͤllt er gleich viel duͤnner, und endiget ſich gar ſpitzig. 
Seine vier Fuͤße ſind nur kurz, und bald wie Gaͤnſefuͤße 
geſtaltet. Sie haben keine Knochen, ſondern ſind nur 
wie ein dicker Lappen von rauchhaarigtem feder, An den 
Vorderfuͤſſen ſind 5 lange ſchwarze Klauen, die mit den 
Spitzen uͤber den Rand des Felles ein wenig hervorſtehen. 
Die Fuͤße ſelbſt ſind ohne Beine, und ſo kurz, daß, wenn 
er auf dem Lande lieget, dieſelbe wegen der Rundung des 
Bauches ſolches nur eben beruͤhren und ein klein wenig 
anhacken koͤnnen, damit fie ſich kuͤmmerlich, doch geſchwin⸗ 
de genug fortſchleppen. Denn fie find eigentlich nur 
zum Rudern und Schwimmen im Waſſer gemachet. Die 
Hinterfuͤße ſtehen hinten aus, und zwar die breite Enden 
perpendiculariter, wie die Fiſchſchwaͤnze. Seine Haare 
waren nur kurz und ſteif. Uebern Ruͤcken hatte er brau⸗ 
ne Striche und Flecken; ſonſt war er faulweiß, und un⸗ 
term Bauch gelbicht. Der Schwanz war nicht laͤnger 
als der Sturz eines Rehes. Ich habe das Thier ein we⸗ 
nig genauer ausgemeſſen, um etwan bey Gelegenheit ge⸗ 
gen andere aus andern Seen eine Vergleichung anzuſtek⸗ 
len. Das ganze Thier von der Spitze der Schnauze, 
bis zu der obern Spitze des Fluͤgels, am Hinterfuß war 
2 Pariſer Fuß 4 Zoll lang. Der Kopf allein 34 Zoll 
lang und oben qver über 23 Zoll breit. Der Hals hiel⸗ 
te 22 Zoll. Die Dicke oder Hoͤhe vorn bey dem Vorder⸗ 
Fuß genommen 83 Zoll hy die Breite daſelbſt uͤber 

5 | Ba 


234 Nachrichten von Grönland 
den Rücken 2 Zoll. Die Bruſt noch ein wenig über 9 


Zoll. Hinten, wo die Hinterfuße anſitzen, war die Di⸗ 
cke im Diameter 35 Zoll, der Schwanz an ſich 33 Zoll, 


der Vorderfuß war lang an der vordern Ecke 33 Zoll, an 


der hintern 12 Zoll: feine Breite oben lys Zoll und uns 


tenher 23 22 Zoll. Ein Hinterfuß lang 44 Zoll, oben ein 
wenig ia als ein Zoll, unten aber 64 Zoll % Sie 


wachſen in der Straße Davis zu einer ſolchen Große, 


daß ſie fait; zween Männer Laͤnge bekommen. Sie haben 
wohl vier Finger breit Speck oben auf dem Fleiſche, | 


welches ganz guten Thran giebet. 


Zu deſſen F. LVI. Jetziger Zeit, da dieſer in fo hohem Preis, myg 


deen und der Wallfiſchfang insgemein ſo ſchlecht ift, werden 


Schiff eigene kleine Schiffe nach Grönland und der Straße 


der ſe Rob⸗ Davis auf den Robbenfang ausgerehdet, die man Rob⸗ 


benſchlaͤger ben ſe chlaͤger nennet, weil von ihnen die Seehunde 


De befonders aufgeſuchet und auf dem Eiſe, wenn fie ſchla⸗ 
b n, uͤberfallen werden; Da ſie dieſelbe mit Pruͤgeln vor 


die Naſe, wo fie febr empfindlich ſind, todtſchlagen, oder 13 


mit kleinen ſteifen Lanzen oder Picken erſtechen. 


Sind den F. LVII. Den wilden Inwohnern in der Straße 


Ino. Davis find die Stehunde die allernutzbareſten Thiere. 


fern zum Denn fie dienen denſelben nicht nur mit ihrem Fleiſche 


Gebrauch sur Nahrung und mit ihrem Blute zur Arzeney, fon | 


ſehr dien⸗ 
ſam. lig dern 


Eine fleißige und ſchoͤne Anatomie dieſes Thiers, die 


die Koͤnigl. Franzoͤſiſche Anatomici in Paris gemachet, findet 
er in den Memoires pour fervir à 1’ hiftoire des Animaux 


. 93 feg. Dem man beyfuͤgen kann im I. Hupple⸗ de PÅ 


Brͤßlauiſchen Sammelung den 10 Artickel. 


** Von den Seehunden in Nordamerica und deren 


Fang ſi he Denys des Cotes de I Ameriqu. Septentr. Tom. 


L p. 64 feq; wo er auch anmerket, daß die Jungen viel fetten 


ſeyn als die Alten; und daß derſelben Thran friſch, gut zu 
eſſen und eben fo beqvem zu brennen, als Baumoͤl fen, weil 


einer 


er nicht ſtinke. Eben biefer Auok e Tom. II. ch. 17 7 


0 


„ 


und der Straat Davis. 233 


dern mit ihrem Felle zur Kleidung, zum Schiff bau und 


ſo weiter, mit ihren Sehnen und Gedaͤrmen zu Fenſtern, 
Segeln, ja zum Nehen und Heften, mit ihren Knochen 
zu allerley Haus⸗ und Jogdgeräthſchaften, und wer kann 


allen Gebrauch erzehlen! So viel gutes ſtecket in einer 


einzigen Creatur, wenn der Ueberfluß von vielerley gu⸗ 
ten Sachen, der die Menſchen luͤſtern, eckelhaft und 


faul machet, nicht da iſt, ſondern Mangel und Hunger 


dieſelbe treibet darauf zu ſinnen, wie ſie das wenige, ſo 


/ 


fie haben, zu allerley Gebrauch anwenden mögen *, 


F. LVIII. Bevor ich aber von den Robben oder Dan abet | 


fie auch in 


Seehunden ſcheide, will ich noch einer beſonderen Sel⸗ 


tenheit Erwehnung thun. Es berichtet naͤmlich ein vor⸗ Tartarcy. 
nehmer und glaubwuͤrdiger Schreiber“, daß in der 


großen Tartarey in dem fügen und hellen See Bailal, 
welchen die Rußen unrecht More oder Meer nennen, 
maßen er eine bloße Sammlung von verſchiedenen ſuͤßen 
Fluͤſſen iſt, derſelben eine große Menge ſich finden ſolle. 


Als ich nun dieſes meines Behalts bey niemanden ſonſt 


gelefen, fo bin ich um fo mehr bewogen worden, bey dem 
ſehr curieuſen und Bergerfahrnen Herrn Heidenreich (den 
das Rußiſche Oberberg⸗Collegium zu Petersburg durch 


der g 


ganz Siberien und die Tartarey bis an die Chineſiſche 


Graͤnze, fo wohl neue Bergwerke auf, als die alte zu un⸗ 


terſuchen und zu verbeſſern abgeſchickt gehabt,) mich des⸗ 


halb eigentlich zu erkundigen. Derſelbe verſicherte, daß 


ſolches der Wahrheit gemäß, und er dieſe Thiere felbft 
an sek) und Stelle mit feinen Augen geſehen hätte, ja. 


er 
einer kleinen Sorte, von deren Fleiſch und Thran die Wilden 


eine beſondere Leckerey wagen auch mit dem letztern iht 


Haupthaar einſalben. 


Quæ virtus, et quanta, boni, fit vivere parvo, 
Diſcite. Horat. 


* Zn feinem veränderten Rußland p. so. | 


roßen 


Von den 
Einwoh⸗ 


Statur me 


Leibese 
ſituton. 


236 Nachrichten von Grönland 
er berichtete anben, daß fi ie völlig fo ausfehen, als die in ' 3 


der Oſtſee, ohne daß fie etwas kleiner ſeyn, als dieſe, und 
weil ſie unterm Wa nicht beftändig dauren koͤnnen, 


hin und wieder in dem Eiſe, wenn der See gefrohren, 


Oeffnungen zu erhalten wiſſen, um nach Nothdurft aus 


und ein zu kommen. Die daherum wohnende Tartarn 


und Ruſſen ſchießen ſie mit dre zackichten Harponen, und 


brauchen nichts als den Thran diefer Thiere in ihren Sams 


pen zum Lichte. Ich habe nachgedacht, wie ſie mögen in 


dieſen See hineingekommen ſeyn, und bemerket, daß ihre 


Voraͤltern gar beqvemlich mit den darinn auch befindli⸗ 


chen großen Stoͤhren aus dem Eismeere die Denifei herz 


auf, und durch die Tunguske in den See gerathen oder 


erirret ſeyn konnen. Nur iſt zu verwundern, daß ihre 


Abkunft im ſuͤßen Waſſer nicht allein fortgekommen, ſon⸗ 


dern gar zu einer anſehnlichen Größe und Feiſte gediehen 
iſt. Man ſiehet die Kraft der Gewohnheit, die mit er⸗ 
ſter Jugend den Anfang nimmt, hieraus deutlich, und 
koͤnnte vielleicht bey weiterm Nachdenken zu ein und an⸗ 
dern nicht unnuͤtzen 1 davon Gelegenheit wen 


men werden. . € 


§. LIX. Nunmehro wird es Zeit feyn, auch auf die 
nern, deren vernuͤnftige Creaturen, die Ingebohrne der Straße 


Davis, die man gemeiniglich die Wilden nennet, zu 
kommen. Es find dieſelbe durchgängig, fo wohl Weiz 
ber als Maͤnner, kurz und unterſetzt vom Leibe, doch da⸗ 


bey wohl proportioniret von Gliedmaßen, fett und voͤl⸗ 


lig, nur daß ſie etwas platt vom Angeſicht: geſtalt ich 


ſolches auch an demjenigen Groͤnlaͤnder wahrgenommen, å 
der vor cinigen Jahren anhero gebracht wurde. n 


Sie haben durchgängig ſchwarze und ſchlechte Haare, 


braune und rothe Angefichter, doch diefe nicht von Nas : 


tur, ſondern von ihrer ſchmutzigen und raͤucherigen Art 


zu leben, da ſie viel mit Thran und Speck umgehen, und 
mit t ungewaſchenen Faͤuſten ins Geſi icht re nic and 


ders, | 


und der Straat Davis. 237 


ders, als wie die bekannte Zigeuner durch Schmieren mit 
allerley Fett ſich rothbraun machen. Denn ſie werden 
nicht nur weiß gebohren, ſondern man findet auch zuwei⸗ 
len, beſonders unter den Weibsbildern, weiße und recht 
artige Geſichter, deren Annehmlichkeit wohl ehe einige 
von den dahin gekommenen Coloniſten dermaßen geruͤh⸗ 
ret hat, daß fie eine derfelben zum Weibe begehret haben. 
Sie ſind ſelten mit einigen natuͤrlichen Gebrechen behaf⸗ 

tet, ſondern durchgaͤngig von geraden Gliedmaßen und 
geſunder Leibesbeſchaffenheit, wiſſen, wie der Autor der 
angezogenen Groͤnlaͤndiſchen Perluſtration ſchreibet, nichts 
von Kinderpocken und dergleichen Krankheiten. Es er⸗ 
hellet aber aus deſſelben nachher edirten Nachricht von 
dieſer Miſſion, daß An. 1733 ein getaufter Groͤnlaͤnder, 
der die Pocken in Daͤnnemark uͤberkommen, und feine. 
Landsleute angeſtecket, davon, weil wegen der großen 
Kaͤlte des Climatis die Pocken nicht zum Ausbruch kom⸗ 
men koͤnnen, es ihnen auch ſonſt an Arzneyen und War⸗ 
tung gefehlet, einige hundert hingeriſſen worden; die 
übrigen auch nicht anders als durch die Flucht und Ver⸗ 
| meidung der Kranken gerettet worden. 


ge LXX. Sonſt ſind fi ie gemeiniglich mit der Sands Won ihrer 
krankheit dem Scorbut, einige auch mit einer fo boͤſen heiten zu 
Art deſſelben, die mit weißen Blattern und Flecken als euiren. 
Blumen ausſchlaͤget, behaftet: worgegen ſie außer dem | 
Loͤffelkraute, noch ein anderes, ſo eine dickblaͤtterichte 10 
Blume und einen ſehr ſcharfen Geſchmack hat, mit Nu⸗ 
tzen gebrauchen. Deren Kraft auch die Daͤnen hoch 
en Sie haben weder Wund noch andere Aerz⸗ 
Bekoͤmmt iemand einen Schaden, wird er bloß mit 
| 8 ledernen Riemen verbunden, worunter er gemei⸗ 
niglich ſo gut, als wenn allerley Pflaſter darauf geleget 
geweſen, zu heilen pfleget. Es giebt einige unter ihnen, 
die Angekoken genennet werden, und ſich für Zauberer, 
Wahrſager und Aerzte ausgeben, und das ny 
SE - 


238 Nachrichten von Grönland 


* 


* 


Volk bey der Naſe herumfuͤhren. Wenn iemand krank 


iſt, (welches ſie domick heißen) machen fü ie allerley naͤr⸗ 
riſche Stellungen und Gebehrden, welche in der That ei⸗ 


gentliche Taſchenſpielerkuͤnſte find, und ſtellen ſich, als 


wenn ſie eine Sehne eines Thieres oder ſonſt etwas aus 
der leidenden Stelle herausbringen, welches ſie zeigen 


und vorgeben, daß dieſes die Krankheit verurſachet, nun 


aber dieſelbe geheilet ſey . Und weil meiſtentheils der 


Kranke wegen ſeiner guten und harten Leibesbeſchaffen⸗ 


heit und aus der Einbildung, daß dieſes wahr ſey, gene⸗ 


ſet, haben dieſe Betrieger ziemlichen Credit, und verdienen 


Von der 
Landes 
ſprache. 


ſolchergeſtalt ihre Nothdurft. Eben dieſe hängen den 


Kindern, auch wohl Erwachſenen Schnüre, wie Pa 5 


Noſter von gewiſſen Knochen gemachet und andere‘ 
ge um den Hals **, davon fie dem dummen Volke weiß 


machen, daß die ſolche tragen, geſund bleiben und gut 
Gluͤck haben ſollen. Es giebet alte Leute unter ihnen, 
und wuͤrde vermuthlich derſelben noch mehr geben, wenn 


ſie nicht bey ihrer Lebensart ſo vielen gel faͤhrlichen Zufal⸗ 
len taͤglich unterworfen waͤren. 


F. LXXI. Ihre Sprache iſt gar ſonderlich und ſo 


fremde, daß ich nicht weiß, wo ich ſie hinbringen ſoll: 


wie nicht weniger die Ausſprache, weil ſie den Mund be⸗ 
ſonders ziehen, und durch ganz eigene Anlegung der Zun⸗ 


gen an den Gaumen, Zaͤhnen u. ſ. w. faſt unnachahm⸗ 
liche Toͤne machen, die uͤberaus ſchwer zu faſſen, und 


noch ſchwerer durch Buchſtaben auszudrücken. Ich habe 


das Gluck gehabt, durch Communication eines hohen und 


vor⸗ 
Wovon Herr Egede in ſeiner mehr angezogenen Nach⸗ 


richt von der Groͤnlaͤndiſchen Mißion, Exempel denen er ſelbſt 


zugeſehen, und die geuͤbte Betriegereyen entdecket, p. 64 P. 


170. anfuͤhret. 
* Dieſe nennen ſie Angvoak, und kann man davon ein 


mehrers finden bey dem Herrn 92 in angezogener Nach⸗ 


richt P: 62. it. p. u 


und Der Straat e Davis. 239 | 


vornehmen Goͤnners, ein kleines Daͤn⸗ und Groͤnlaͤndi⸗ 
ſches Dictionarium zu bekommen, welches der mehrbe ⸗ 
lobte Prediger Egede aufgeſetzet, und von mir mit einer 
deutſchen Erklaͤrung der Woͤrter, auch einigen wenigen 
Beyfuͤgungen dieſer Nachricht angehaͤnget worden. Es 
finden ſich zwar einige wenige Worte, als Finneka, ein 
Kind, Rona eine Frauensperſon, Woria eſſen, die 
man ohnſchwer zu rechte bringen kann; ſo hat auch der 
Autor der Perluſtration einige Nordiſche Woͤrter: Quan 
Angelicawurzel, Nordlaͤndiſch Quanne, der Fiſch, Viſe, 
bey den Nordl. Niſa, Rolleck eine Lampe, Nordlaͤnd. 
Kolle u. d. g. angemerket. Dieſes alles iſt aber ein we⸗ 
niges, und kann aus dem Umgang mit den Fremden in 
neuern Zeiten erſchnappet und behaͤngen geblieben ſeyn. 
Allein die Sprache an ſich hat nicht die geringſte Ueber⸗ 
einkunft weder mit der Nordiſchen, Altgothiſchen oder 
Jelaͤndiſchen, Finn⸗ noch Laplaͤndiſchen. Ja ohnerach⸗ 
tet ihnen die Noͤrdlichſten Theile von America ſo gar nahe 
liegen, finde ich doch nicht, daß ſie mit dem, was la Hon- 
tan und andre von den Sprachen der wilden Nationen. 
in und bey Canada u. ſ. w. aufgezeichnet, einige Ver⸗ 
wandſchaft haͤtte. Ob uns auch gleich Strahlenberg in 
ſeinem Nord⸗ und Oeſtlichen Theil von Europa und Afa 
eine Tabulam Polyglottam von zwey und dreyßig Tarta⸗ 
riſcher Voͤlker Sprachen gegeben; ſo findet ſich gleich⸗ 
wohl unter den allen eben wenig die allermindeſte Aehn⸗ 
lichkeit, will nicht ſagen Abſtammung in der Groͤnlaͤn⸗ 
der Dialect. Indeſſen fol dieſe Sprache, wie ein derſel⸗ 
ben Kundiger mich deſſen verſichert, ihre große Annehm⸗ 
lichkeit im Klange und viel artiges und nachdruckliches in 
ihren Redarten und Ausdruͤckungen haben. Sie ſchei⸗ 
net auch gar nicht ſo rohe, als man bey einem ſo rohen 
und einfaͤltigen Volke, wie die Wilden ſind, vermuthen 
ſollte, fordern vielmehr ehemahls von Leuten, die mehr 
Nachſinnens und Muße als ſie gehabt, mit Fleiß aus⸗ 
gearbeitet zu ſeyn, abſonderlich wenn man die beſondere 
| Art, 


240 Nachrichten von Grönland 

Art, Flexiones &c. ihrer Verborum, das Spiel mit den 
Fronominibus ſuffixis, daß fie einen Dualem haben und 
dergleichen erweget *. Es wird nach des Autoris der 
Perluſtration Bericht Cap. 1 meiſtentheils einerley 
Sprache uͤber das ganze Land geredet, nur daß die Aus⸗ 

ſprache an einigen Orten unterſchieden ift, So hat auch 
| JJV 
ITch will zur Probe und Bewunderung der Liebhaber 
der Sprachen allhier einen Extract aus den von dem from⸗ 
men und fleißigen Prediger Egede 1725 gemachten, und m ir 
durch guͤtige Beyhuͤlfe eines vornehmen Freundes in MS. zu 
Haͤnden gekommenen Groͤnlaͤndiſchen Colle&aneis, ſammt eis 


ner Deutſchen Ueberſetzung deſſelben dieſen Nachrichten anfuͤ. 


gen. Dieſe Colleckanea beſtehen aus einem kleinen Dictio⸗ 
nario, welches ſich unten im Anhange ſub Lit. A. befindet, 
und mit den Vocabulis, die Thom. Borrichius vormahls den 
A&. Med. Haffn Vol. II. p. 11 ſeq. inſeriren laſſen, conferi⸗ 
ret werden kann: und der Formula conjugandi, nebſt einer klei 

nen Nachricht von den Nominibus und Pronominibus, die üb 
lit. B. zu ſuchen. Denn ferner aus einigen in Frag und Ant⸗ 


wort abgefaſſeten Elementis Chriſtlicher Religion, daraus 


ich die zehn Gebote und das Gebet des Herrn nebſt einem 
andern Gebet gezogen, lub Lit. C. ingleichen aus einigen Al» 
loquiis, woraus ich den merkwuͤrdigſten und zu mehr als ei⸗ 
nem Gebrauch zu nutzenden 9 und 10 Paragraphum allhier 
ſub Lit. D. mittheile. Endlich hat er aus dem 1 Buch Mor 
fis die Tr erſten Cap. (davon fub Lit. E. das erſte) und einige 
Evangelia, fo gut er gekoͤnnt, in die wroͤnlaͤndiſche Sprache 
uͤberſetzet, (dadon das in Feſto Annunciat. Mariæ fub Lit. 
F.) zur DER genommen. Wobey ich noch zu erinnern habe, 
daß auch die Præpoſitiones und Conjunctiones in dieſer Spra⸗ 
che in Af- et Suffixis beſtehen, zum x. Sumit, wovon? Su⸗ 
mat, wohin? Iefumit von Jeſu Iefumur zu Jeſu. Killae 
Nunalo Himmel und Erde. Guditog und Gott. Die sur 
Religiongzund geiſtlichen Dingen gehörige Hauptwoͤrter, weil 
die Grönlaͤnder Sprache dazu feine Woͤrter hat, hat der gute 
Mann aus der Nordiſchen Mutterſprache nehmen müſſen, 
als Gud, Gott, Engelija, Engel, Synd, Sünde, Helligfor- 
fach (Von Helig) heilig. Velfigninch (von Velſigne) 
ſeegnen 26 | „ AT, 


1 


und der Straat Davis. 241 


das Weibesvolk eine beſondere Ausrede fuͤr ſich, indem 
ihre Worte gemeiniglich ſich auf ein N endigen. - 


$. LXXII. Betreffend die Kleidung der Groͤnlaͤn⸗ Von ihrer 
der, fo wird dieſelbe von Rehe- und Robbenfellen, die fig Kleidung. 
mit vielem Klopffen mit Steinen und durch Gerben mit 
Urin, Thran und dergleichen einigermaßen gerben, auch | 
wohl aus Vogelhaͤuten verfertiget, und mit Faden, die | 
fie aus Robben: und andern Fiſchdaͤrmen, nachdem fie 
ſolche aufgeblafen und geſpaltet, zu ſchneiden wiſſen, ge⸗ 
nehet. Auf der Bruſt zunechſt am Leibe tragen fie ein 
Fell von der Eyderendte: die weiche Flaumſeite inn⸗ 
wendig. 1 „ Ses 
Die Maͤnner haben einen engen Rock aus Rehe 1) Der 
oder Mobbenfellen mit Ermeln und einer Kappe, wie Männer, 
eine Moͤnchskutte, der ihnen bis an die Knie reichet, und 
ſo wohl hinten als vorn eine abhaͤngende Spitze hat. 
Des Sommers tragen ſie das Rauche aus⸗ und des Win⸗ 
ters innwaͤrts. Sie tragen auch dergleichen enge Hoſen 
über den Lenden, ingleichen Strümpfe oder Stiefeln, das 
Rauche innwendig: dabey gleichwohl im Gehen die Knie 
öfters bloß werden. Einige wenige tragen gewalkete 
Islaͤndiſche Struͤmpfe, die ſie von den Daͤnen ꝛc. erhan⸗ 
deln. Hembder noch ſonſt etwas von Linnen haben ſie 
nicht, weil bey ihnen weder Hanf noch Flachs wachſen 
kann, und ihre Armuth ihnen nicht geſtattet, einiges 
Leinwand von den Dänen zu kaufen. Wird aber ie⸗ 
manden etwa ein Hembd geſchenket, ſo ziehet er ſolches 
über feine gewöhnliche Kleider her und ſtolziret damit, 
als mit einem beſondern Zierath. Wenn ſie zur See 
und abſonderlich auf den Wallſiſchfang ausgehen, ziehen 
fie über ihre Kleider ein ganzes Hemde oder Ueberzug aus 
Wams, Hofen, Strümpfe und Schue in einem Stucke 
beſtehend, welches aus glatten Robbenfellen ohne alles 
Haar verfertiget, und mit Daͤrmen ſo dichte genaͤhet, 
auch allenthalben ſo feſte b bes iſt, daß kein 5 

| | 1 ſer 


| 242 Nachrichten von Grönland. 


fer durchdringen oder fie ſchwer machen kann. Dagegen 
haben ſie oben an der Bruſt eine kleine mit einem Pflock 
verwahrete Oeffnung, dadurch ſie daſſelbe durch Einbla⸗ 


ſen mit fo viel Wind anfüllen koͤnnen, daß fie nicht ſin⸗ 


Der 
Weiber. 


ken, ja bis zu halben Knie im Waſſer aufrecht gehen, 
auch fich durch Maͤßigung der Luft nach Belieben in der 
See auf den Grund hinablaffen, und wieder beraufbrin⸗ ” 
gen. Geſtalten ein glaubwuͤrdiger Schiffer mich ver⸗ 


ſichert, daß er es nicht nur ſelbſt zu mehrmahlen mit Aus 


gen angeſehen, und ſie aus dem Grunde der See etwas 


herauf holen laſſen, ſondern auch einen Matroſen gehabt, 


der nach einer kleinen Uebung ebenfalls auf dem ne | 
frefen und fortwandern koͤnnen. 


Der Weiber Tracht iſt nicht viel unterfehieden von 
der Männer ihrer: ohne daß ihre Roͤcke etwas weiter, 
auch hoͤher auf den Schultern ſind, damit ſie ihre Kin⸗ 
der, die ſie ſtets, wo ſie gehen oder ſtehen, auf den Rücken 
mit ſich herum ſchleppen, darinn deſto beqvemlicher tra⸗ 
gen können. Im Sommer haben ſie ſo kurze Hoſen, 
daß die Beine und Knie meiſt bloß ſind: des Winters 
aber längere, die bis an die Knie reichen. Die Weis 
ber binden ihre Haare in einen Zopff dergeſtalt auf, daß 
ſie erſt untenher einen Band legen, alsdenn das Haar 
wieder uͤberſchlagen und es noch einmahl binden, daß es 

rund, dick und ſteif aufſtehen muß. In dieſen Zopff 
flechten fie zur Zierde allerley Glascorallen, die fie auch 
in die Ohren, um den Hals und Arme, ja wohl zuweilen 
gar auf die Schue haͤngen. Einiges Weibesvolk, das 
vielleicht ſich den Maͤnnern zum gefaͤlligſten machen will, 
nehet ſich mit einem 1 den ſie wohl durch den Ruß | 

| ihrer 


* Zu mehrerer Deutlichkeit kann man bierben nachſehen 
die Abbildungen der Maͤnner und Weiber, als die W die 
man hat, welche Jacobaͤus und Laurenzen dem Mufeo Reg. 


Fart. II. fe. 2 n. 81 ar einverleibet be, = 


und der Strant Davis. 243 
ihrer Lampen gezogen, zwiſchen den Augen, auf den Ba⸗ 
cken, am Kinne, auch bey den Ohren, nachdem man 
meinet, daß es zum beſten zieren werde, allerley kleine Zus 
ge zwiſchen Fell und Fleiſch, davon die ſchwarze Merk⸗ 
mahle, wenn die Wunde geheilet, beſtaͤndig zuruͤck bleiben 
und eben alſo ausſehen, wie mir einer, der ſich dergleichen 
auf dem Arm ‚neben laſſen, zeigete, als die bekannte Fi⸗ 
guren, die einige, ſo das heil. Grab beſehen, ſich auf dem 
Arm zeichnen laſſen % Man hat mir für gewiß fagen 
wollen, daß dieſer Putz dieſen Creaturen, wenn ſie ſonſt 
nicht heßlich, artig genug ſtehe. Iſts nicht dem maͤnn⸗ 
lichen Geſchlecht eine große Ehre, daß das weibliche ſichs 
ſo ſauer werden laͤſſet, demſelben ſich annehmlich zu ma⸗ 
chen? Ob aber wohl in dieſem Stuͤcke die Groͤnlaͤnderin⸗ 
nen ſcheinen auf den Putz etwas zu achten, fo | iind fie 
doch ſonſt eben fo ſchmutzig als die Männer, wie fie denn 
benderſeits in allen ſehr unreinlich leben, ſich ſehr ſelten, 
oder wohl gar in ihrem eigenen Waſſer waſchen. 


F. XXIII. Sie haben zweyerley Wohnungen, Von ihren 
eine für den Winter, die andre für den Sommer. Ihre „ 
Winterhaͤuſer find die größeſten, die fie gegen den 
Winter, oder wenn fie lange an 1 Orte zu bleiben ge 
denken, aufrichten. Und dieſes iſt eigentlich der Weiber 
ihr Werk. Sie bauen dieſelbe erde aus Feldſteinen 
oder abgefallenen Felstruͤmmern, die fie mit zwiſchen ge 

22 worfener 


* Der Rußiſche Geſandte Vsbrants Ides meldet in ſeiner 
Reize naar China p. 3) von den Tataren, Niſovier Tungufi 
genannt, die er unter Weges angetroffen: Z) zyn ook Lief« 
hebbers van Schoonheit, en om die te vermeerderen, ver- 
ſieren ze hunne aangezigten, het voorhooft, de Wangen 
en Kinnen over al net op de volgende wyze. Zy door- 
naayen de huid mer alderhande beeiteniffen; den dräad 
fmeeren zy met een zwart vet, en na dat de Draad eenige - 
Dagen in de genaide woude is geweſt, trekken zy dien 
wederom daaruit; alsdan b Iyft het genauide teken ſtaan, 
en men Ziet’er weinige die zulks niet hebben, 


244 Nachrichten von Grönland 


worfener Mooß-oder Torferde zu befeſtigen und fo diche - 


te, daß kein Wind hineindringen kann, zu verbinden wiſ⸗ 


ſen. Sie laſſen dieſelbe nicht leicht uͤber zwo Ellen außer 


und uͤber der Erde hervorragen, ſondern ſenken den Reſt 


in den Grund zu mehrerer Feſtigkeit und Verwahrung 
vor Wind und Kaͤlte hinein. Oben auf die Waͤnde legen 
ſie einige Latten, und bedecken ſolche an Stelle des Daches 


mit Erdſoden oder Raſen. Sie ſetzen auch einige Fen⸗ 
ſter hinein, die ſie aus aufgeflitſcheten und folgends der 


Laͤnge nach neben einander mit Sehnfaden dicht geneheten 


Mobben⸗ oder andern Fiſchgedaͤrmen gemacht, wodurch 
das Licht einfaͤllt, und die Wohnung noch lichter als man 
meinen ſollte, gemachet wird. Der Eingang wird un⸗ 
ter der Erde als ein Maulwurfsgang hingegraben, doch 
damit der Wind und Kaͤlte nicht ins Haus falle, nicht 


gerade, ſondern wohl gekruͤmmet und lang. Die aus⸗ 


wendige Oeffnung iſt allemahl gegen der See gekehret, 


damit, wenn ſie heraus kommen, ſie dieſelbe als die vor⸗ 
nehmſte Qvelle ihrer Leibes Nahrung und Nothdurft, 
ſo gleich im Geſichte haben, und ob irgend ſo viel Oeff⸗ 


nung fey, daß zu Werke zu kommen, ohngeſaͤumt erbli⸗ 


cken moͤgen. Vor dem Gange haͤnget ſtat der Thuͤre 
ein Fell, wenn man durch dieſen finſtern Gang auf den 
Knien, oder ſehr gebuͤckt, gekrochen, koͤmmt man zu Ende 
juſt in der Mitte des Hauſes hervor. In einem ſolchen 
Hauſe, das nicht vielmehr als 20 Fuß ins Gevierte hat, 
wohnen, weil ſie nicht zaͤnkiſch ſind, und kein Geſinde, 
das mehrmahlen die Herrſchaften an einander haͤnget, 


halten, auch keine Meublen, die den Raum enge machen, 


beſitzen, öfters 7 bis 8 Familien, inſonderheit Aeltern 


und verheyrathete Kinder, Blutfreunde und Schwaͤger 


beyſammen. Wie denn auch, was geſi iſchet oder gejas 
get wird, allen gemein ſamlich gehöret, und in guter Ver⸗ 
traulichkeit verzehret wird. An einer Seiten des Hau⸗ 
ſes haben ſie ihre Schlafſtelle von Dielen oder Bretern 


auf Steinen eine 1 Elle aber der Erde erhoben, und 


. 


D 


i 


und der Straat Davis. 245 
ſtat der Betten mit rauchen Rehfellen beleget. Worauf 
iede Familie ihren eigenen Schlafraum hat, der von dem 
andern durch ein dazwiſchen geſpannetes Fell von 2 Ellen 
hoch abgeſondert ift, Die von einer Familie ſchlafen 
ſolchergeſtalt bey einander, daß Mann und Frau bey⸗ 
ſammen, die Soͤhne aber an des Vatern, die Toͤchter an 
der Mutter Seiten liegen. Vor der Schlafſtelle hat 
iegliche Familie ihre eigene Kuͤche ſtehen, welche in nichts 
anders, als einer langen aus dem vorhin beſchriebenen 
Weichſtein gehauenen Lampe beſtehet. Denn in derſel⸗ 
ben iſt eine tiefe Rinne gemachet, worinn man vermit⸗ 
telſt eines mit Speck oder Thran wohl durchgekneteten 
und feſt eingedrucketen Dachtes von gedoͤrretem Mooß 
und darauf gegoſſenen Thran beſtaͤndig ein ſanftes, nicht 
flatterndes noch ſpritzendes und wenig Rauch von ſich ge⸗ 
bendes Flaͤmmlein unterhaͤlt. Ueber demſelben haͤngt 
ein oben an einer Latten befeſtigter Keſſel, darinn alles 
gekochet wird, alſo daß dieſe Lampe ſo wohl die Speiſe zu 
kochen, als das Haus zu erleuchten und zugleich daſſelbe 
zu heizen dienet. Einige haben auch noch die Waͤnde, 
wo ich mich recht erinnere, mit rauchen Pelzwerk, die 
Haarſeite nach innen gekehret, uͤberzogen. Weshalben 
es in dieſen Haͤuſerchen ſo warm ift, daß man von der 
Strenge des Winters darinn fo wenig Beſchwerde em⸗ 
pfindet, daß die Inngebohrne, Maͤnner und Weiber, ſo 
lange ſie in denſelben ſind, ſtets mit dem Oberleibe nackt 
gehen. Indeſſen haben dieſe Wohnungen für Ausländer 


eine faſt unerleidliche Unbeqvemlichkeit, ich meyne den 


abſcheulichen Geſtank von darinn aufbehaltenen halbver⸗ 
faultem Fleiſche, Fiſchen und Thran, der fo heftig, daß man 
davon vergehen moͤgte: nicht zu vergeſſen der Laͤuſe, wo⸗ 
mit alles angefuͤllet iſt. Fremde, die zu ihnen kommen, 
wenn ſie gleich von ihrer Nation, maßen ſie einander zu⸗ 
weilen von 10 Meilen her beſuchen, laſſen fie nicht bey 
ſich ſchlafen, ſondern weiſen ihnen ein beſonderes Plaͤt⸗ 
chen mit einem Bret dazu an. Bey ihren Haͤuſern ma⸗ 

Q 3 chen 


N 


246. Nachrichten von Grönland 


chen ſie kleine Hohlen, „die ſie mit Steinen ausſezen, 
und darinn ihre im Sommer gedoͤrreten Lodden und See⸗ 
hundefleiſch zum Wintervorrath aufheben. Was ſie im 
Herbſt und Winter fangen, legen fie auf die bloße Erde 
unter den Schnee, und bergen es folchergeftait vor der 
Verweſung. Wenn ſie nicht mehr auf die See kommen 
koͤnnen, ſchleppen ſie ihre Weiberboͤthe an ihre Haͤuſer, 
legen dieſelbe umgekehrt auf vier Pfaͤhle, und verdecken 
darunter ihre Pelzereyen, und was ſie ſonſt an Waaren 
von Werth haben. Die Wamtterhaͤuſer beziehen ſie 
im October, mit Anfang des Mays verlaſſon fie dieſelbe wie⸗ 
der, entweder auf eine Zeitlang, wenn ſie in der Naͤhe vers 
bleiben, oder ganz und gar, wenn fie den Ort verändern 
und eine beſſere Gegend, wo mehr zu fangen oder zu ja⸗ 
gen, ſuchen. Da denn die verlaſſene Wohnungen an⸗ 
dern, die etwa nach ihnen von ohngefehr dahin kommen, 
zu Theil werden. Ihre Sommerwohnungen find 
leichte Gezelte von glatten Robben ellen, zwey Felle uͤber 


einander gehangen, ganz rund, oben in der Spitze nicht 


Son ihren 
Verlobun⸗ 
gen. 


größer als ein gemeiner Hut. Dieſelbe werden mit hoͤl⸗ 


zern Stacken aufgeſtellet, und hat eine iede Familie ihr 


eigenes, darinn fie ſich behilfft. Die meifivermögende 
unter ihnen behaͤngen oder fuͤttern ihre Zelte von innen 
mit rauchen Rehe- oder andern Fellen. Dieſe Zelte ſol⸗ 


len recht zierlich gemachet ſeyn, auch viel reinlicher gehal⸗ 


ten werden als die Haͤuſer: ſo daß darinn ſich gut genug 
wohnen laͤſſet. Ein ieder Hausvater hat auch in ſeinem 


Zelte eine Lampe, und den Keſſel Speiſe zu kochen daruͤber 


haͤngend. Wenn fie mit ihren großen oder Weiberboͤ⸗ 
then in See gehen, fuͤhren ſie ihre Zelten mit 9 ich. 


RE LXXIV. Wie dieſe Groͤnlaͤnder in allen cinfåltige i 
lich ohne viel Umſtaͤnde und der Natur gemäß verfahren: 
alſo wiſſen ſie auch bey ihren Verlob⸗ und Verehligun⸗ 


gen von keiner Weitlaͤuftigkeit, Solennitaͤten oder Cere⸗ 


monien. Eine Mute fi 00 nur darauf, ob ein 
N Mid, VA 


And der Straat Davis. 247 
Mädchen ſich nach Landes gebrauch auf die ihnen oblie⸗ 
gende Hausarbeit, inſonderheit aufs Nehen und Schnei⸗ 
dern, verſtehe: und dieſe fraget nur nach, ob ein junger 
Freyer ein geſchickter, fleißiger und gluͤcklicher Fiſcher und 
Jaͤger ſey. Weil auch kein Maͤdchen einen Brautſchatz 
mit zu bringen und kein Freyer was zu vermachen hat; ſo 
iſt leicht zu gedenken, daß es zu beyden Seiten keine ſon⸗ 
derliche Schwierigkeit ſetzen, noch viel Tractirens noͤthig 
ſeyn werde. Doch aͤußert ſich bey dieſer Gelegenheit ein 
Ausbruch der dem weiblichen Geſchlechte angebohrnen 
Schamhaftigkeit und (wo ich ſo reden kann,) ein natuͤr⸗ 
licher Wohlſtand. Die ganze Sache pfleget nach des 
mehrmahls angeführten Autoris der Groͤnlaͤndiſchen Pers 
luſtration Cap. 12 (der in dieſem Stuͤcke beſſere Nach⸗ 
richt giebet, als ich ſonſt anderswoher habe haben koͤnnen) 
auf nachfolgende Art angefangen, behandelt und berich⸗ 
tiget zu werden. Iſt ein junger Geſell in den Eheſtand 
zu treten gewillet, und hat noch Aeltern im Leben, offen⸗ 
baret er denſelben ſein Vorhaben, und machet ihnen die 
Perſon kund, zu der er etwa Luſt hat, ob er gleich mit 
derſelben noch kein Wort davon geſprochen. Iſt es 
denn der Aeltern Wille, und iſt ihnen das Maͤdchen an⸗ 
ſtaͤndig, verfprechen fie ihm, daß fie fie wollen holen laſ⸗ 
ſen: dazu ſie 2 oder 3 alte Weiber abſchicken, welche ſich 
zu des Maͤdchens Aeltern, oder fals dieſelbe nicht mehr 
im Leben, zu deren Anverwandten verfuͤgen. Wenn die⸗ 
felbe ins Haus kommen, reden fie nicht gleich von der 
Freyte, ſondern fangen erſt ein ander Geſpraͤch an, ruͤh⸗ 
men doch bey Gelegenheit den Freyer, wie geſchickt er 
fey, und was für Glück er im Fang habe. Endlich bre⸗ 
chen fie mit ihrem Gewerb heraus, und ſprechen die Ael⸗ 
tern um das Maͤdchen an, ohn ihr ſelbſt das geringſte 
deshalb zu ſagen. Iſt das Maͤdchen gegenwaͤrtig, gehet 
ſie augenblicklich hinaus, und thut als wenn ſie nichts 


von dergleichen Reden wiſſen will. Bald hernach ſtehen 


die Aeltern das Geſuch zu, und geben ihr Ja darein, auch 
24 wird 


243 | Nachrichten von Groͤnland 


wird das Maͤdchen wieder hereingerufen, und ihr von ih⸗ 
ren Aeltern die Sache kund gemachet. Worauf ſie den 
Haarzopff los reißet und übers Geſicht wirft, auch zu 
weinen anfaͤngt, aber weder nein noch ja zur Sachen ſa⸗ 
get, vielmehr ſich ſtellend als wenn ſie nicht will. Doch 
dieſes hilft ihr gleichwohl nichts, ſondern die Freywerber 
faſſen ſie unter die Arme und ſchleppen ſie alſo mit ſich 
fort. Wenn ſie nun in das Haus koͤmmt, wo ihr kuͤnf⸗ 
tiger Mann feinen Aufenthalt hat, ſitzet fie beſtaͤndig vor 
ſich weg und heulet, wird ihr auch anfangs kein Wort 
vom Braͤutigam zugeſprochen; doch troͤſten die Anver⸗ 
wandte ſie, und ſagen, ſie wuͤrde noch vergnuͤgt und lu⸗ 
ſtig werden, wenn ſie nur erſt ein wenig beſſer mit ihrem 
Braͤutigam wurde bekannt geworden ſeyn. Nachdem 
fie ſolchergeſtalt eine Weile vor ſich geſeſſen und gewei⸗ 
net, ſpricht ihr endlich der Braͤutigam zu, und bittet, 
daß fie ſich wolle an ſeine Seite legen. Welches ſie denn 
auch nach vielen inſtaͤndigem Anſuchen, vielleicht aus re⸗ 
ge werdenden Trieb der Natur, endlich thut. Andere 
hergegen, die ſich auf keinerley Weiſe wollen bereden laſ⸗ 
ſen zu bleiben, laufen wieder heim zu ihren Aeltern, die 
ſie nicht wieder zuruͤck ſenden, ſondern warten, bis ein 
Bote vom Braͤutigam koͤmmt, der ſie wieder abholet. 
Wofern ſie aber 2 bis 3 mahl ſolchergeſtalt vom Manne 
weg laͤufet, laͤſſet er zuletzt, um dem Handel ein Ende zu 
machen, einen Sack verfertigen, worein das verlaufene 
und gar zu bloͤde Maͤdchen von den ausgeſendeten Fren⸗ 
werberinnen geſtecket, der Sack oben ſolchergeſtalt, daß 
nichts als ihre Haare heraus haͤngen, zugeſchnuͤret und 
ſie auf dieſe Weiſe wieder heim zum Bräutigam geſchleppt 
wird. Wornechſt fie endlich bey demſelben mit oder wi⸗ 
der Willen verbleibet. mee, 


Von uhren | 6. LXXV. Es iſt auch recht ſonderlich, i daß dieſe 
. Volker ohne ein desfalls habendes Geſetz aus natürlicher 
| wie fle c » Ehrbarkeit oder alten Gewohnhei, davon ſie Disk den 
CA VER 


U ! * 
i ' 


und der Straat Davis. 249 


Urſprung noch Grund nicht wiſſen, ſich ihrer Verwand⸗ in der Ehe 
ten ſo gar bis ins dritte und vierte Glied enthalten, und betragen. 
ſelbige nicht heyrathen. Ein ieder hat insgemein nur 
eine Frau, welches bey der gaͤnzlichen Geſetzloſigkeit, 
worinn dieſe Menſchen leben, um ſo mehr zu verwundern 
iſt, als gemeiniglich der Trieb der verderbten menſchlichen 
Natur zur Fleiſchesluſt und folgbar zur Vielweiberey 
mehr als zu einiger andern Sünde anſpornet, auch ietzi⸗ 
ger Zeit nicht leicht ein ander heydniſches Volk gefunden 
wird, bey welchem dieſelbe nicht im Schwange gehe. Doch 
giebt es dann und wann einen unter ihnen, der zwey 
Weiber hat, gleichwohl nicht aus Geilheit, ſondern fra⸗ 
get man um die Urſache, warum er dazu gefehritten, ift 
die Antwort ſchlechtweg und natuͤrlich, daß die eine taug⸗ 
licher ſey als die andre, und daß er zwey ernähren koͤnne. 
Ihre Ehe halten ſie heilig, und hat man nie gehöret, daß 
ein Mann ſich zu einer andern, als ſeiner eigenen Frauen 
gehalten haͤtte. Doch ift dieſelbe få unaufloͤslich nicht, 
daß nicht zuweilen ein Mann von ſeinem Weibe, wenn 
ſie nicht nach ſeinem Sinne iſt, (wie ja wohl ben ihrer 
Art zu freyen ohnſchwer vorfallen kann,) ſich ſcheiden, 
und eine andre nehmen ſollte. Haben ſie Kinder mit 
einander, ſiehet der Mann viel durch die Finger und blei⸗ 
bet bey ihr bis an ihren Tod. Man ſollte nicht denken, 
wie ſehr dieſe ſonſt einfältige Kerle ihr maͤnnliches Vor⸗ 
recht uͤber ihre Weiber zu behaupten wiſſen. Der Mann 
fetzet ſich erſt zum Effen, und laͤſſet ſich von feinem Weis 
be bedienen, die nicht eher zugreifen darf, als bis er ge⸗ 
färtiget und aufgeſtanden if. Es ſetzet auch zuweilen, 
wenn Madame nicht recht aufgehet, Pruͤgel. Doch ſind ” 
ſie hernach bald ſo gute Freunde wieder als vorher. 
Stirbet einer der Ehegatten, heyrathet der überlebende, 
es ſey Witwe oder Witwer, nach Belieben wieder. 


8. LXXVI. Es ift leicht zu 2 5 0 daß dieſe Art Von eue 
Weibesvolks gar hart fo wohl in als nach der Geburt Qing iver 
Q ſeyn ) 


5 


) e > 
250 Nachrichten von Grönland 
ſeyn muͤſſe, und es findet ſich auch ſo, indem man ſie we⸗ 
der vor noch nach der Geburt über Schmerzen klagen hår 
ret. Doch fuͤhlen fie die natuͤrliche Mutterneigung gegen 
ihre Kinder im hohen Grade. Denn ſie tragen gegen 
dieſelben eine ungemeine Lebe, und warten ihrer mit 
aͤußerſter Sorgfalt: fo lange fie klein find, tragen fie 
ſelbe allenthalben, wo fie gehen oder figen auf dem Ruͤ : 
cken, und dieſer dienet den Kindern ſtat der Wiege, die 
ſie auch, bis fie 3, 4 und mehr Jahr alt find, mit ihrer 
Bruſt ſtillen. Von Erziehung derſelben machen ſie, 
wie leicht zu glauben, nicht viel Weſens. Denn * man 
hoͤret nie, daß ſie die Kinder beſtrafen, ſondern man laͤßt 
ihnen ihren eigenen Willen: gleichwohl ſpuͤret man, 
wenn ſie groͤßer werden, keine ſonderliche Neigung zu ei⸗ 
niger unziemlichen großen Leichtfertigkeit an ihnen: und 
ob ſie gleich keine ſonderliche Ehrfurcht, ſo weit aͤußer⸗ 
liche Hoͤflichkeit antrifft, gegen die Aeltern bezeugen, weil 
fie nicht beſſer gelehret noch angefuͤhret find, fo erweiſen 
ſie doch auch keine Widerſpenſtigkeit noch Muthwillen in 
Ausrichtung deſſen, was fie ihnen etwa anbefohlen. Die 
jungen Knechte und Maͤgde bleiben allezeit bey den Ael⸗ 
tern, bis ſie in den Eheſtand treten. Hernachmahls ſor⸗ 
gen ſie fuͤr ſich ſelbſt, doch verlaſſen Aeltern und Kinder 
einander niemahls, ſondern bleiben ſtets in einem Hauſe 
beyſammen. e e 


Bon ihren F. LXXVII. Die Groͤnlaͤnder koͤnnen ſich in alles 
Seifen, ſchicken, fie koͤnnen unglaublich hungern, wenns die 
Zurichtung. Noth erfodert, fie koͤnnen aber auch abſcheulich freſſen, 
wenn Vorrath vorhanden ift, Sie haben keine gewiſſe 
Zeit zu ihren Mahlzeiten; wenn ſie der Hunger oder die 
Luſt ankoͤmmt, ſo eſſen ſie. Doch halten ſie des Abends 
ihre Hauptmahlzeit. Viele ſtehen auch des Nachtes auf, 
fals ſie erwachen und Appetit verſpuͤren, gehen 2 | 
| ? eſſen. 


\ 


i Gamle Groͤnl. nye Perluſtration p. 77. 


und der Straat Davis. 231 


eſſen. Sie kommen nie in ein ander Haus, wenn ſie et? 
wa darinn zu thun haben, oder iemand ſprechen wollen, 
ohne ſo fort zu freſſen. Indeß ſind ihre Speiſen, auch 
deren Zurichtung an ſich ſo gar anziehend nicht. Fleiſch 
und Fiſch iſt alles, was ſie haben koͤnnen, weil ihr Land 
anders nichts fortbringet: Fleiſch von Rehen, von Ha⸗ 
fon, von Seehunden, von allerley Land- und Waſſervoͤ⸗ 
geln, Fiſche, die ihnen vorkommen, aus ſuͤßem Waſſer 
oder aus der See, auch Wallfiſche, beſonders aber ihre 
kleinen Lodden, die faſt wie unſere Stinte ſind. Das 
Fleiſchwerk eſſen ſie bald rohe, wenns naͤmlich halb ver⸗ 
faulet, oder auf den Klippen an der Sonne! gedoͤrret 
ift, bald gekocht: denn fie koͤnnen ſehr hartes und zaͤhes 
Eſſen, ja gar in Zeit der Noth Riemen von dem Leder 
ihrer Kleider und alten Schue, ein wenig mit Waſſer 
durchgekochet, beißen und verſchlucken. Daher haben 
"fie alle mit einander ſtumpfe abgebiſſene Zähne, wie die 
alten Bauerhunde. Friſche Fiſche eſſen ſie iederzeit ge⸗ 
kochet. Sie doͤrren aber auch viele als Lachſe und der⸗ 
gleichen, inſonderheit die Lodden, (die im Majo und Ju⸗ 
nio haͤufig gefangen werden,) an der Sonnen fuͤr ihre 
Winterproviſion. Gedoͤrrete Fiſche effen fie ungekochet, 
und an ſtat Brods. Ihr Eſſen kochen ſie in bloßem 
Waſſer und ſo gar ohne Salz, (als welches fie nicht has 
ben,) nur des Sommers im Felde mit ein wenig Fett, 
Schmeer oder Thran, zur Winterzeit in ihren Haͤuſern 
mit Robbenſpeck daran. Das Kochen geſchiehet in einem 
aus Weichſtein gehauenen oder auch kupffernen oder 
meßingen Keſſel, wenn ſie dergleichen erhandeln koͤnnen, 
uͤber der großen ſteinernen Lampe, deren vorhin Erweh⸗ 
nung geſchehen. Ihr Feuer machen ſie vermittelſt zweyer 
Stuͤcker Holzes, deren eines wie ein Triller in das andere 
geſtecket, und durch einen Riemen ſo ſchnell gedrehet wird, 
daß durch die heftige Bewegung das eine Holz in Brand 
| geräth, 
Siehe die Nachrichten von Island Not. p. 85 


\ 


\ 1 N | 
252 Nachrichten von Grönland a 
geraͤth. Wann die Speife nach ihrer Art gekochet, oder 
halb gahr iſt, gießen ſie zuerſt die Suppe davon und ſau⸗ 
fen dieſelbe hinein, hernach ſchuͤtten ſie das Gekochte in 
nimmer gewaſchene Schuͤſſeln, oder wenn ſie auch die 
nicht haben, auf den bloßen Boden, da ſie mit Fuͤßen 
gehen, und freßen es davon. Ihre groͤßeſte Schleckeren 
finben fie in dem Blute der Robben oder Seehunde, (die 
deſſen mehr haben als einiges andere Thier). Daſſelbe 
bemühen fie ſich, wenn fie folde fangen, nicht allein 
ſorgfaͤltig durch geſchwinde Zuſtopffung der Wunden bens 
zubehalten, ſondern auch nachhero beſtmoͤglichſt aufzuhe⸗ 
ben. Sie laſſen ihren Weibern nichts davon zukommen, 
ſondern behalten es bloß fuͤr ſich entweder zu trinken, 
wenn ſie deſſen viel im Vorrathe haben, oder an ihre 
Speiſe (um ihr einen haut gout à la Gronlandienne zu 
geben) nur etwas davon zu ſchuͤtten, wenn der Vorrath 
geringe iſt. NA | 9 
Von ihrem F. LXXVIII. Ihr Getränke ift das klare Waſſer, 
Getränke. wie es der liebe Gott geſchaffen hat. Es hat lange ger | 
waͤhret, ehe ſie von der Daͤnen Koſt etwas koſten wollen. 
Nachher haben doch die, ſo vielen Umgang mit denſelben 
gehabt, ſolche eſſen gelernet. Ein und anderer hat ſich 
auch bereden laſſen Brantewein zu trinken, deſſen ſie viel 
vertragen können, ehe fie trunken geworden, ohne Zwei⸗ 
fel * wegen des vielen Fetten, womit ihre Mågen ange 
fuͤllet, dadurch die Branteweinſpiritus gedaͤmpfet wer⸗ 
den, daß ſie nicht zu Kopfe ſteigen koͤnnen. Toback 
rauchen hat man ſie nicht lehren koͤnnen, weil er ihnen 
zu bitter und zu ſcharf auf der Zunge vorkoͤmmt. 


Pon ihrer H. LXXIX. Nunmehro wird es auch wohl Zeit ſeyn 

Handthie, zu gedenken, welchergeſtalt fie zu ihrer Leibes-Nahrung 

rung. e i i 915 
und nothduͤrftigem Unterhalt gelangen. Dieſes 


* Wie der Autor der Groͤnlaͤndiſchen Perluftration p. 39 
anmerket. Årg 25 ö 


ba 


und der Straat Davis. 253 


durch Fiſchen und Jagen, darinn alle Handthierung 
und Gewerbe der Maͤnner einzig und allein beſtehet, und 
ihnen die Weiber auch, ſo viel ſie koͤnnen, zu Huͤlfe 
kommen. Ihr Fiſchen geſchiehet zwar dann und wann 
in Stroͤhmen und Auen, aber wenig und ſelten. Das 
meiſte geſchieht auf der See, vornehmlich nach Wallſt⸗ 
ſchen, doch auch nach andern Fiſchen, die ihnen die See 
darbeut. Das Jagen thun ſie auf der See nach den 
Robben oder Seehunden und nach den Waſſervoͤgeln: 
Auf dem Lande nach den Rehen, Haſen, wilden Hun⸗ 
den, auch Ryper oder Rebhuͤnern. In beyden Gelegen⸗ 
heiten erweiſen ſie ſich nicht nur unermuͤdet, hurtig und 
geſchickt, ſondern haben auch bey ihrer Armuth und Man⸗ 
gel an behoͤrigem Stoff, fo wohl e und zu⸗ 
gerichtete Geraͤthſchaften, und in deren Gebrauche ſo 
vernünftige und zureichende Arten und Vortheilchen, daß 
man bey etwas genauerer Einſicht ii nicht genug daruͤber 
wundern kann. 


g. LXXX. Ich will von 1 Fiſcherzeuge oder Wen ihren 
Fiſchergeraͤthe den Anfang machen. Sie brauchten Has 
vordem Angel von Knochen, ietzo haben fie fie auch von ten. 
Eiſen; die ſie von den Daͤnen oder Holzen bekom⸗ 
men. Ihre Netze, die ſie auf den Fluͤſſen gebrauchen, 
find von langen ſchmahlen aus Wallfiſchbaarten zart ges 
ſchnittenen Stremeln oder Riemen gemacht, womit 
ſie gar hurtig umzugehen und vortreflich zu fangen wife 
ſen. Wie denn die Daͤnen geſtehen muͤſſen, daß damit 

beſſer, als mit ihren hanfenen Fäden, zu ſiſchen ſey. Sie 
haben auch aus Reheſehnen geflochtene Ketſcher mit en⸗ 
gen Maſchen, womit fie die Lodder ſchoͤpffen . Ihre 
Harponen oder Harpunen * womit fie die Dobben oe 
all⸗ 


\ 


Siehe Groͤnlaͤnd. Fer p. 33. 
Iſt der Nahme des Wurfſpießes oder Pfeils, der 
auf den Wallfiſch geſchoſſen wird. Die Franzoſen ſagen bar- 
Pon, und die Engell. barping- iron. Das Wort koͤmmt ver 
i muthlich 


254 Nachrichten von Grönland 


Wallfiſche ſchießen, haben zackichte Spitzen von Knochen; ; 


die es aber beffer machen wollen oder koͤnnen, ſetzen noch 


= 


eine eiſerne Spitze vor die knoͤcherne. Und weil diefe 


armſelige Menſchen kein ander Holz, ihre Geraͤthe zu ver⸗ 


fertigen, haben, als was ihnen von der Americaniſchen 


Kuͤſte ohngefehrlich zutreibet, oder von den Daͤnen oder 


Hollaͤndern uͤberlaſſen wird; an Eiſen aber noch einen 
groͤßern Mangel leiden: ſo fi ind fie fo geſcheidt und vor⸗ 


ſichtig, daß fie mitten an die Harponen⸗Stange eine auf⸗ 
geblaſete Robbenblaſe (Avata von ihnen genannt) heften, 
damit, wenn dieſelbe etwa nicht wohl treffen, oder wieder 


ausreißen moͤgte, ſie nicht verlohren gehen, ſondern von 


ihnen auf dem Waſſer treibend, wieder gefunden, erha⸗ 
ſchet und noch oͤfter gebrauchet werden koͤnne. Zu dem 


find die Spitzen alſo beſchaffen, daß fie nach Erforder⸗ 


niß der Umſtaͤnde in allerley Stangen koͤnnen eingeſtecket 
und mit Riemen von Leder und von Fiſchbein befeſtiget, 
folglich ſolchergeſtalt gleichſam vervielfaͤltiget werden. 
Die Harponen, die ſie auf den Wallfiſch ſchießen, ſind 


ziemlich groß, und deren Skangen zum beſſern Ein⸗ 


dringen ſchwer, auch in der Mitten noch mit einem 
Zapfen von Knochen verſehen, um darhinter den Daum 


zu legen und den Wurf deſto nachdruͤcklicher zu vollfuͤh⸗ 
ren. Darneben haben ſie auch laͤngere und ſchwerere 


Stangen, mit großen Spitzen daran, die fie, wie unſre 
Leute die Lanzen, zum Stechen gebrauchen. Außer dieſen 
aben fie noch eine große Art von Wurfpfeilen, große 
Robben und Wallfiſche zu ſchießen, an deren Stange zu 
be ein paar Blaͤtter von Wallroßzahn gemachet ſtat 
Federn, 


ee 


muthlic her bon dem Griechiſchen aha», womit ein hakichtes 


Gewehr, das die Alten ſchon bey dem Fange ihrer fo ee 
ten Wallfifche gebrauchet, bey dem Oppian. ele. Lib. 
V. 152 bedeutet wird. Welches noch weiter zu gehen von dem 


Hebr. Dam haſta (vid. omnino \Bochart. ern H 


L. 5. cap. 15 feg:) e kann. 


: f 4 . y 2 254 
Cm Gronlanorfches Schiff mit oder Damı gehörigen » 
Win2Blaft und Irisden-Cerüfle , 73.235. 


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Breit - «2 


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Cam Grønlanvriføherk onder WeiberB oot, lang sa 
Breit 5£ Baus, oel d Aud, 77. 2 5 


Agenthike Crayje Deo in einem Ne Ace, 
gefundenen Stein :DEUr, ggg 


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7 


und der Straat Davis. SØ 255 


Federn, um einen richtigern, gewiſſern und nachdruͤck⸗ 
lichern Schuß zu thun, befeſtiget ſind. Noch brauchen 
fie, die Waffervögel, welche ſehr ſchlau find, zu ſchießen, 
eine Art von Pfeilen, ſo nicht nur vorn an der Spitze 
mit einem ſcharfen Knochen, ſondern auch um die Mitten 
im Qvadrat mit noch vier eingekerbeten ſpitzigen Hacken 
von Knochen zu dem Ende verſehen ſind, damit, wenn 
entweder der Vogel bey Wahrnehmung des ankommen⸗ 
den Pfeils entweder geſchwinde tauchen, oder ſich in die 
Höhe heben, oder auch auf ein oder andre Seite ein wer 
nig ausweichen, und daruͤber die vordere Spitze verfeh⸗ 
len mögte, doch eine von den mittleren auf alle Fälle ges 
richteten, und mit Widerhacken verſehenen Spitzen noch 
gewiß treffen moͤge. Wie ihnen denn auch der Wurf 
gar ſelten mißlinget. Maßen ſie durch beſtaͤndige Ue⸗ 
bung von Kindesbeinen an gute Treffer werden. Da⸗ 
mit ferner der Schuß noch um ſo richtiger gehe, und ſo 
tiefer eindringe, haben ſie bey dieſen und andern Wurf⸗ 
pfeilen ein gewiſſes unten breites und oben ſpitziges, alſo 
faſt dreyeckigtes Werkzeug ausgedacht, welches in der 
Mitten die Lange hin mit einer kleinen Rinne, darein 
das oberſte Ende des Pfeilſtocks geleget wird, und zu 
oberſt mit einem kleinen Nagel von Knochen verſehen iſt, 
der oben auf das Ende des Pfeils oder Wurfſpießes faſ⸗ 
ſet, und indem der Schuͤtze mit der Hand in dem an die⸗ 
ſem Werkzeug befindlichen Griff ziehet, einen ſo viel kraͤf⸗ 
tigern Nachdruck giebet. FA 


F. LXXXI. öweyerley Fahrzeuge haben ſie auf den Von den 
Fiſchfang zu gehen, und ihre Reiſen ihrer Nahrung ny gesch; 
nach zu verrichten. Ein kleines, ſo allein fuͤr die beduch lis 

Männer, und ein großes, fo für Weiber und Maͤn⸗ chen Sabre 

ner dienet. Das kleine ift, wie ein laͤnglichter ſchma⸗⸗ 

ler Kahn, nur für eine Perſon gemachet. Der Grund 

dazu find einige lange hoͤlzerne Stangen mit derglei⸗ 

chen Qverſtangen durch ſchmahle Riemen von Fiſch? 

bein 


256 Nåchrihten von Groͤnland 


bein verbunden und befeſtiget: woruͤber Felle von 
Seehunden mit Faden von Sehnen dichte genehet, ge⸗ 
zogen find *. 

Dieſe £ Bothe ſind ſo leichte, daß ein Mann das 
ſeine gemaͤchlich, wo er hin will, mit ſich tragen kann. 
Außer dieſen kleinen haben ſie, wie gedacht, noch groͤſ⸗ 
ſere Bothe, die fie zum Unterſcheide Meiberboͤthe nen⸗ 


nen, weil die Weiber in denſelben mehrentheils das Rudern 


4 


verrichten, oder weil ſie damit theils ihre Reiſen thun, 
wenn ſie mit Weib und Kind, Sack und Pack, ſich 


darein begeben, und eine neue beqvemere Wohnſtaͤte 


ſuchen; theils auch auf den Wallſiſchkang ſich verfuͤgen, 
dazu ſie ihre Weiber mit nehmen, ſowohl die Speiſe zu 
bereiten und andre Handreichung ihnen zu thun, als 
vornehmlich ihre ganze Hembder oder windhaltende 
Ueberzuͤge, wenn etwa ein Loch hinein kommt, augen⸗ 
blicklich zu flicken. Dieſe Bothe find eigentlich offene 


Prahmen vorn und hinten ſpitzig, untief, nur mit einem 


hohen Rande oder Bort. Sie werden von dickern 
hölzernen Stangen als jene gemacht, aber ebenfalls 


mit Fiſchbein verbunden und mit Leder uͤberzogen. Sie 


werden gedichtet und gleichſam gepichet mit altem Rob⸗ 
benſpecke oder vielmehr den Griefen deſſelben, womit 
ſie die Naͤhte fleißig und ſtets beſchmieren, die endlich 
davon ganz fefte und dichte werden. Weit vor, zwiſchen 
den Vorſteven haben ſie einen kleinen Maſtbaum mit 
einem Segel, welches aus geſpaltenen und gedoͤrreten 
Daͤrmen von Wallfiſchen ſtriemenweiſe mit ar EM 
cher 

Dieſes ift eine ber erften und einfältigften Arten von 


Schiffen, die man auch allenthalben bey den Volkern der drey 
alten bekannten Welttheile antrifft, wie davon die Loca nach⸗ 


zuſehen beym Scheffer de Milit, Naval. Verer. cap. 3 p. 26 


ſeq. deme die Autores beygefuͤget werden koͤnnen, die Hafæus 
Dif. de Leviathan Jobi cap. 4 $. 12 ſeq. citiret, der fie auch 
in der heil. Schrift in dem Hebraͤiſchen Grundtexte entdecket. 
Was neuers findet ſich davon in cit. Mul. N Dan. P. II. 
Seck. II. num. 81. 79 


und der Straat David, 237 


Reheſehnen oder Daͤrmen zuſammen genaͤhet, das zwar 


lang, aber nur 3 bis 4 Ellen tief iſt, ohne Braß⸗ 


Boog⸗diene oder dergleichen. Weshalben fie nicht gerade 


unterm Winde damit ſeegeln koͤnnen, zumahlen dieſelbe 
ſehr rank und bald umkippen. Indeſſen koͤnnen fie dar 


mit gar geſchwinde fortkommen, und ein dergleichen 


Booth fuͤhret 20 und mehr Menſchen nebſt ihrem Plun⸗ 


der und Zelten, auch da der Fang gut geweſen, noch 

dazu eine Menge Wallſiſchſpeck und Baarten. Nichts 
deſtoweniger ſind ſie an ſich ſo leichte, daß ſie von etli⸗ 
chen Maͤnnern koͤnnen uͤber Land oder Eyß getragen 
werden. Wann fie auf den Fang gehen wollen, ma⸗ 
chen fie ihre Geraͤthſchaft fertig, und ziehen ihre dazu 


- eingerichtete beſondere Kleider an. Gehet es auf den 


Robben⸗ und Voͤgelfang; ſo ſetzen ſie die kleinern Har⸗ 
punen oder Spitzen auf die behoͤrige Stangen und be⸗ 
feſtigen dieſelbe. An eine Harpune befeſtigen ſie mit 


einem langen Seile von Leder eine zubereitete aufgeblas 


ſene Robbenhaut. Von derſelben ſind Kopf, Fuͤſſe 
und Schwanz herunter geſchnitten, und alle Haare glatt 

abgeſchabet. Nachher find alle Oefnungen durch Sehn⸗ 
faden ſo fleißig wieder zugenehet und gedichtet, daß ſie 


Wind halten kann. In einem eingehefteten ausgehoͤhl⸗ | 


ten Knochen ift nur eine kleine Oeffnung, die mit einem 
Pflock von Knochen zugeſtecket wird, dadurch man den 


Wind einblaſen und auslaſſen kann. Dieſe aufgebla⸗ 


ſene Haut hat den Vortheil, daß, wenn eine Harpune, 
woran ſie geheftet iſt, in einen Robben geworfen wor⸗ 
den, derſelbe dafuͤr nicht zu Grunde kann; ſondern, in⸗ 
dem er daran ziehet und zappelt, dem Jaͤger Zeit und 
Raum verſtatten muß, ihm naͤher zu kommen und den 
Reſt zu geben *, 1 Re | 

| . "NUR 


* Dieſes iſt eben keine neue oder ſonſt ohngewoͤhnliche 
Erfindung. Es haben ſchon vor alten Zeiten die Fiſcher in 


der Weſtſee an den e die Hacken oder Angeln, 


die 


\ 


x 


LAG 


28 Nachrichten von Grönland 


Auf dem Kahn wird recht vor dem Sitz des Fiſchers 
ein kleines hoͤlzernes mit Knochen eingefaßtes Geruͤſte, 
wie die Figur zeiget, befeſtiget, wo herum das Harponen⸗ 
ſeil ordentlich gewunden, und darauf hinter ſolchen 
Sitz der ietzt erwehnte an dem andern Ende des Seils 
geheftete Robbenbalg aufgeblaſen, oder mit Wind an⸗ 
gefuͤllet, geleget wird. Der Fiſcher ziehet uͤber ſeine ge⸗ 
woͤhnliche Kleider oder einen Theil derſelben ein Wams 
mit Ermeln und der Kutte von glatten Robbenfellen, 
welches er feſt um ſich zumachet, damit alles Waſſer, 
ſo ihm auf den Leib koͤmmt, ſofort ablauffen moͤge. Er 
hat auch wohl dergleichen Hoſen an. Vor den Kopf 
leget er zur Bedeckung der Augen wider die Sonne ein 
hoͤlzernes Stirnblatt oder Stirnſpange, welche faſt 
wie ein halber Bogen geſtaltet, und auf den Ecken mit 
| | e e, 


die ſie zum Wallfiſchfange gebrauchet, befeſtiget geweſen, 
dergleichen weite mit dem Munde aufgeblaſene Schlaͤuche 
gehabt die ſie zu gleichem Ende nachſchieſſen laſſen, wenn 
der Fiſch zu Grunde gehen wollen. Oppian. «Asr. Lib. V 
v. 177 feq. | Ben. 
e e oem pormpnporas Zveias C, 
Tlvons dvd gehen vA svdus a5 Jö 
auch e ç = =. | 
das iſt: Sie, die Fifcher, aber laßen die an einem Seil gehef⸗ 
tete weite durch menſchlichen Athem angefuͤllete Schlaͤuche 
dem ſinkenden Fiſche ſofort nachſchießen. a 
Wornechſt in den folgenden Verſen das Spiel, das der 
angeſchoßene Fiſch mit den Schlaͤuchen, die ihn wieder noͤ⸗ 
thigen empor zu kommen, treibet, gar annehmlich beſchrieben 
wird; und S. Baſilius, der ſelbſt bey einem ſolchen Fange zu⸗ 
gegen geweſen, giebet davon Homil. X in Hexa&meron, eine 
noch umſtaͤndlichere Beſchreibung. Wiewohl ich hierbey uns 
erinnert nicht laßen kann, daß der Cete, wovon beyde 
Schreiber dieſes erzehlen, kein eigentlicher Wallfiſch, ſondern 
der große Hayfiſch, oder Meerhund, und ſo genannte Canis 
Carcharias, ſey. Geſtalten ſolches eines Theils deßen an⸗ 
gegebener kleiner Fuͤhrer oder Gefehrte, emoraros xs. vid. 
Oppian. v. 67 feq. (deßen auch noch der P. Tachard in feier 


ner 


und der Straat Davis. 259 


Knochen zierlich genug eingefaſſet ift” von der Weite, daß ſie 


ohngefehrum die Stirn bis über die Ohren ſchlieſſet. Als⸗ 
denn ſetzet er ſich in ſein Schiflein platt auf den Hintern, die 
Beine gerade voraus geſtrecket, und ſtopfet die Oefnung 


des Sitzes umher mit ſeinen Kleidern und Robbenfellen 


ſo dichte und feſte zu, als immer moͤglich iſt. Neben ſich 
zu beyden Seiten legt und befeſtiget er ſeine Wurf⸗ 
pfeile. In der Hand nimmt er ein einziges Ruder 
von Feurenholz, welches an beyden Enden ein Blatt 

hat, ſo hoch undbreit iſt, auf den Ecken zu mehre⸗ 


rer Feſtigkeit und Dauer mit einem Rande von Kno⸗ 


chen eingefaſſet. Mit demſelben weiß er ſich nicht nur 


gar geſchwinde fortzubringen, und das Gleichgewicht zu 


halten, ſondern auch wenn er umgeworfen wird, wieder 
empor zu helfen. Es iſt nicht zu glauben, wenn mans 
nicht geſehen, wie ſchnelle dieſe Fahrzeuge durchs Waſ⸗ 
ſer ſchieſſen. Ich habe einſt iemand gehabt, der darinn 


fahren koͤnnen, denſelben habe ich mit einer ſonſt ge⸗ 


ſchwinden Schuͤte, worinnen vier Kerl aus allen Kraͤf⸗ 


ten ruderten, nicht einhohlen moͤgen. Sie koͤnnen 10 


bis 12 nordiſche Meilen in einem Tage damit zuruͤck le⸗ 


— 


gen. Sie koͤnnen im ſtarken Sturm und hohler See, 


wenn unſre Boͤthe nicht auskoͤnnen, damit fahren, denn 


ſie gehen mit den Wellen auf und nieder, und achtens 
nicht, wenn eine Seewoge uͤber fie herſchlaget, maffen das 
Waſſer nirgend bey ihnen eindringen, folglich ihnen 
5 | N 2 nichts 

ner Reiſebeſchreibung nach Siam Lib. 1 p. 37, nebſt der Urſa⸗ 


che, warum er bey dem großen Fiſch fich halt, erwehnet,) 


andern Theils aber und vornemlich aus dem Hacken mit 
dem Aaſe, woran kein Wallfiſch beißet, v. 135 ſeq. und aus 


der Beſchreibung feiner dreyen Reihen Zähne (rg Nανο̃ | 


v. 325 ſeq. ſattſam zu erkennen giebet. 


Vermuthlich haben die alten Gothen auch dergleichen | 


getragen, welches in der hiſtoria Gothriei & Rolfi cap: 26 


P. 161 Ennifpaung (Svee. Aenneſpang) frentale genennet 


wird. 


260 Nachrichten von Grönland 
nichts anhaben kann: werden ſie auch rund herum ge⸗ 


worfen, iſts ohne Schaden, weil die meiſten ſo geſchickt 


Wie ſie 
mit dem 
Wallfiſch⸗ 
fang um⸗ 
gehen. 


find, daß fie ſich mit Huͤlfe ihres Ruders wieder aufs 


richten und zurechte helfen. Jedoch wird hiezu mehr 
Geſchick, Staͤrke und Uebung erfodert, als man mei⸗ 


nen ſollte. Ich habe bis anietzo unter vielen jungen 


und hurtigen Leuten bey uns nur einen gefunden, der ſich 


in einem ſolchen Kahn ohne Umſchlagen aufrecht halten, 


und des Schwankens ohnerachtet fortrudern koͤnnen. 
Aber mir iſt noch keiner vorgekommen, der ſich, wenn er 


einmahl umgeſchlagen geweſen, alleine wieder herum und 


aufhelfen koͤnnen. Denn wenn man einmahl aus dem 


Gewichte koͤmmt, ift der Umſturz gleich fo villig, daß 


man mit dem Kopfe gerade unterwaͤrts haͤnget. Nichts 


deſto weniger wißen es viele von den Groͤnlaͤndern zu 
thun. Ja es find einige junge Wagehaͤlſe gar fo fer⸗ 
tig, daß ſie das Ruder auf den Nacken legen, daſſelbe 


mit beyden Händen alſo liegend angreifen, und ſich felbft 
mit Fleiß herumwerfen, auch auf der andern Seite ohne 


die Haͤnde los zu laſſen oder eine Aenderung mit dem 


Ruder zu machen, ſich wieder hervorbringen und auf⸗ 


richten, welches doch gleichwohl etwas ſeltſames ift, 


und bey ihnen ſelbſt fuͤr ein hen 10 und Meiſter⸗ 


find geſchaͤtzet wird. 


§. LXXXII. Zum Wallfchfang u Kt 
mehr Zuräftung, fie legen dazu ihren ganzen windhalten⸗ 


den Ueberzug an, deffen vorhin eigentlichere Erwehnung 
geſchehen, haͤngen auch noch ein großes Meſſer zum 
Speckſchneiden ſammt einem Schleifſtein an. Sie neh⸗ 

men die groͤßern Harponen, Wurfpfeile und Lenzen, 
auch zu den Harponen größere Schlaͤuche, von den groͤ⸗ 
ſten Robben gemacht. Sie nehmen auch die großen 
Boͤthe und ihre Weiber mit. Wenn fie einen Wallfiſch 


erblicken, gehen ſie in ihren kleinen Kaͤhnen von allen 
Seiten auf ihn los, und jen: mit. ſolcher Dreiſtigkeit 16 


— 


1 
ı 
c 


und der Strat Davis 26¹ 


daß man ſich wundern muß. Sie ſuchen ihm durch die 
Harponen einige Schlaͤuche anzubringen. Denn ſo 
groß dieſe Beſtie auch iſt, wird ſie doch von etlichen 
Schlaͤuchen wegen deren Leichtigkeit und Widerſtand 
aufgehalten und gehindert, daß ſie nicht zu Grunde kann. 
Wann es ihnen gegluͤcket, daß ſie den Wallfiſch ſolcher⸗ 
geſtalt gleichſam arreſtiret haben, machen fig ſich mit Len⸗ 
zen naͤher hinan, und bemuͤhen ſich ihm ſo viel Stiche 
anzubringen, daß er fü ich verbluten und fterben muß. Als⸗ 
denn werfen fie ſich in ihren mit Wind nach Nothdurft 
angefuͤlleten Hemdern oder ganzen Ueberzuͤgen in die See, 
und ſchwimmen an den Fiſch: Bleiben auch alſo ſchwe⸗ 
bend, weil ſie nicht ſinken koͤnnen, an und um denſelben, 

bis ſie mit ihren Meßern den Speck herunter gezerret, 
den fie in ihre groſſe Bothe nach gerade werfen. Sie 
wiſſen auch ihrer ſchlechten Werkzeuge ohngeachtet die 
Baarten oder doch den meiſten Theil derſelben aus dem 
Maul zu bringen, zu nicht geringer Beſchimpfung unſer 
Speckſchneider und Matroſen, die ſo vielerley groſſe m und 
koſtbare Werkzeuge dazu haben muͤßen. 1 


F. LXXXIII. Zur Landjagd brauchen fie nach der be ‚ren 

erſten, älteften und allgemeinen Art aller Völker auf 3 en | 
der ar, Bogen und 8 en find lang aus ten. | 

R 3 ameri⸗ 


Ich muß Se eines ſeltenen Stuͤcks gedenken, das 
ich in meinem Cabinet beſitze. 1696 fieng einer unſer Groͤn⸗ 
landsfahrer einen Wallfiſch, in deſſen Speck man eine ſtei⸗ 
nerne Pfeilſpitze fand. Sie iſt auf allen Ecken uͤberaus ſcharf 
geſchliffen, und der Stein ſehr hart. Er ſcheinet ein Lapis 
Nephriticus, wenigſtens ein grünlicher Jaſpis zu ſeyn. Die 
Geſtalt koͤmmt mit den eiſernen Spitzen uͤberein, die die Wil⸗ 
den der Straße Davis ihren Wurfpfeilen vorheften. Ob 
dieſelbe dergleichen Steinfpigen vordem gebrauchet, ehe ſie 
Eiſen gehabt, oder es bloß bey knoͤchernen bewenden laſſen, 
habe ich nicht erfahren koͤnnen. Wenigſtens muß der meis 
nige von noch weiter als dieſe entlegenen oder Americani⸗ 


ſchen unbekannten Wilden, zu denen noch keine aa 
oder 


262 Nachrichten von Grönland 
americanifchen Feuernholze gemacht, desgleichen auch die 
Pfeile, welche zum Theil ohne Spitzen fuͤr die Rebhuͤner 
und dergleichen, zum Theil mit knoͤchern Spitzen verſehen 
fuͤr die Rehe und Hirſche. Das Geſieder iſt von Ra⸗ 
benfedern. Mit dieſem Gewehr begeben ſie ſich zu Fel⸗ 
de, und ſuchen fo lange, bis fie cin Thier antreffen. Iſt 
es ein Hirſch oder mehr, ſo umgeben ſie denſelben mit 
Leuten, (maſſen Weiber und Kinder ſich haufenweiſe bey 
der Jagd mit einfinden,) daß er nirgend aus kann, ohne 
entweder in ein Waſſer oder ſonſt nach einer gewiſſen 
Stelle; woſelbſt ſie mit ihren Bogen und Pfeilen auf⸗ 
paſſen und zum Schuß fertig ſtehen. Sie ſollen auch 
gar gute Bogenſchuͤtzen ſeyn. N | 
Es find kei⸗ F. LXXXI V. Auſſer dieſem Fiſchen und Jagen weiß 
me ns man von andern Handthierungen bey diefen Wilden 
im Lande nichts: ja nicht einmahl von Handwerkern. Denn 
eine iedwede Mannsperſon macht ſich das benoͤthigte | 
Fiſch⸗ und Jagdgeraͤthe ſelber: und dieſes iſt es auch, 
womit ſie eigentlich und einzig auf dem Lande ſich nur be⸗ 
ſchaͤftigen. Das übrige verrichtet das Weibesvolk, als nås 
hen, ſchneidern, ja Haͤuſer bauen und einrichten. Beyde | 
ſind in ihrer Arbeit fo geſchikt und vernünftig, daß, wenn 
man derſelben Artigkeit, Brauchbarkeit, und Zulaͤnglich⸗ 
keit anſiehet, man geſtehen muß, daß ſie andre fi ich m 
einbildende Voͤlker damit beſchaͤmen. 
Mangel an F. LXXXV. Außer dieſen muß man Nüönſte und 
und ie Wißenſchaften nach ihrer Erziehung und Lebensart 
1 ben ihnen nicht ſuchen. Sie koͤnnen nicht weiter als bis 
21 zehlen. Von dem, was vor Ihren Zeiten geſchehen, 
wißen ſie ganz und gar nichts. Ja ſie wißen ihr eigen 
Alter nicht zu ſagen: weil fie keine andre SER 
85 e 
oder andere, die ihnen Eiſen zugebracht haͤtten, gekommen 


ſind, in den. Wallfiſch angeſchoßen A der a worin 
er me i verlohren ſeyn. 


1 der Straat Davis. 263 5 


als nach dem Mond kennen. Jedoch wißen ſie auch in 
dieſem Stuͤcke nur ſo viel, als zu ihrem Gewerbe noͤthig 
iſt. Wie fie denn nach der Mondrechnung einander bes 
deuten, wann der Wallfiſch, wann die Cachelotte kom⸗ 
me, wann dieſer oder jener Fiſch auf der Kuͤſte ſich ein⸗ 
ſtelle, und wann er zu fangen. Maßen ſie dieſes eben 
den Daͤnen zu erſt vorher angezeiget und niemahls in 
ihrer Angabe gefehlet haben. Sonſt haben ſie noch ei⸗ 
nigen wenigen ſehr kentlichen Sternen, darnach ſie ver⸗ 
muthlich auf ihren naͤchtlichen Seereiſen ſich richten und 
zu rechte finden %, re Nahmen gegeben, wie Egede 
R 4 in 


Wie denn eben 50 dieſen Geſtirnen vor erfundenem 
Compas, die Alten von ieher ihren Cours vornehmlich ein⸗ 
venne Homerus dichtet Odyſſ E von 1 Viyſſe: 

3 ub here, Tagmeras, 
Huses, 3% ei Umvos gæl Bas pagosr sv Bær?) 
Hani. 5 srogarı x eye Vor Bowrye , 
Ägurov * . a4 club erlebe XAALBTI, 
H 1 durö eige- 2 1 Delanz doxsves 
Oln d dlgeges oer Oxsavoio 
Tyv Yap Nite ani Kaavdja 97 75 Face ; 19 % 
Hovromegsvousvn 2 his eper V cipos Ixovra. 
- ipfe temonem gubernabat artificioſe 
Sedens, neque ei fomnus palpebris incidebat, 
Pleiadesque contemplanti et tarde occidentem 
Bootem 
Vrſamque quam et Currum cognomento vocant 
Quæ ibidem vertitur atque orionem obſervat. KA 
Sola vero expers eſt aquarum Oceani. 
Etenim ipſam juſſerat Calypſo diva dearum 
Ponto navigare ad ſiniſtram manum habentem. 


Und Virgilius Georgic. I. v. 137. 
Navita tum ſtellis numeros et nomina fecit, 
Pleiadas Hyadas claramque Lycaonis Ardton. 
Itemque Æneid. III v. 516 de Palinuro: 


Sidera cuncta notat tacito labentia cœlo; 
Arcturum, pluviasque Hyadas, geminosque Triones, 
Armatumque auro circumſpicit Oriona. 


— 


. 


get. Die Wage (es fol ohne Zweifel den Wagen, i.e. 


Urſam majorem heiſſen) ſpricht er, nennen ſie Tugta d. i. 
ein Rennthier, den Noroſtern (Nordpol Urfam mino- 


rem) Kaumorfok d. i. einen der ausgefahren Seehun⸗ 

de zu fangen und wieder nach Hauſe gekommen, weil es 

| ſcheinet, als wenn er von der See auffteige und hervor⸗ 
komme. Killufturſet, das Siebengeſtirn, hat ſeinen 
Nahmen davon, weil dieſe Sterne ſo nahe beyſammen 
ſtehen, daß ſie gleichſam zuſammen gebunden ſcheinen. 
Dieſer Autor fuͤget am angezogenen Orte noch hinzu: 

vom Wetterleuchten und Nordlichte, (welches alle: 


zeit bey hellem Wetter uͤber den ganzen Himmel geſehen 


wird) haben die Groͤnlaͤnder die Einbildung, daß es die 


verſtorbenen Seelen ſeyn, welche berumlauffen und Ball ” 


mit einander ſpielen. 


Ul 


Wie auch H. LXXXVI. Daß die Grönländer noch weniger FÅ 


um Com- 


mercio un einige Handlung oder Kaufmannſchaft unter ſich trei⸗ 
ter ſich. ben, ergiebet ſich von ſelbſt. Eine iede Familie, oder 
die Familien, die ſich zuſammen halten, ſchaffen ſich fo 


viel moͤglich ihre Nothdurft, und find glücklich genung, fa 
R wenn ſie die z ureichlich uͤberkommen. Alſo hat einer was 
der andre hat, und keiner hat was uͤberfluͤßiges, viel x 


weniger was ſonderliches das er dem andern beyſetzen 


moͤgte. Was darüber zur Beqvemlichkeit dienen und 
verlanget werden kann, muͤſſen ſie allerſeits von ohnge⸗ 


fehrlich zu ihnen kommenden Fremden erwarten. 
Wenig $. LXXXVII. Doch die Handlung mit Fremden 


1 hat auch wenig auf ſich. Was die Wilden ihrer ſeits 
lindern. etwa aufbringen und abſetzen koͤnnen, ift Wallfiſchſpeck 


und Baarfen, Einhornhörner, Rehe⸗Fuchs⸗ und Rob⸗ 


benfellen. Von dieſen aber koͤnnen fie nach ihren Um⸗ 


ſtaͤnden einen recht großen Ueberfluß nicht haben. Was 


fie von den Auslaͤndern begehren, ift etwas grob Wol⸗ 
"ON und Sinnen, Mani gewalkete Struͤmpfe 
und 


264 Nachrichten von Groͤnnand 
in ſeiner Nachr. von der Grönl. Mißion p. 57 bezeu⸗ 


— 


und der Straat Davis. 265 
und Handſchue, Keffel von Meßing oder Blech, Meſſer, 
Stickſagen, Naͤhenadeln, wie auch Tiſche, Kaͤſten, hoͤl⸗ 
"gerne Kuͤchenboͤrte, Troͤge *, Dielen, Breter, Spaniſche | 
Balken, etwas Eifen u. d. g. Wie aber dieſes eines 
Theils keine Dinge von ſonderlichem Werth ſind, wor⸗ 
auf großer Vortheil zu machen ſtuͤnde, andern Theils 
auch die vorhandene wenige und armſelige Inwohner 
bald ihre Nothdurft davon bekommen; fo ift ohnſchwer 
zu ermeſſen, daß mit und bey dieſen Leuten keine große 
Handelung zu ſtiften ſey. Wozu obangeregter maßen 
noch tritt, daß nicht einmahl eine auswärtige Nation als 
lein mit Abhaltung der uͤbrigen, den geringen Handel mit 
den Ingebohrnen fuͤr ſich zu behaupten, vielweniger die 
den Markt noch weiter verderbende Zwiſchenlaͤufer und 
forrendreyer abzuhalten, bis daher vermågend geweſen. 


6. LxXXVIII. Bey dieſen Umſtaͤnden hat und fen: Daher ken 
net man allhier auch kein Geld. Denn man kann es pen und“; 
nirgend anlegen. Hier ſtehet Gold und Silber noch in ſie auch kein 
ſeinem natürlichen Werth, nämlich nach feinem Gebrauch Geld; 
und Nutzen, das iſt, in keinem. 


Dargegen Eiſen, das hier die beyden Grundur fugen aber Eiſen 
alles Preiſes, Nutzbarkeit und Seltenheit an ſich hat, ee 
feinen wirklichen Werth behauptet. Man hat wohl eher 
einem Groͤnlaͤnder ein Goldſtuͤck von etlichen Ducaten 
und ein paar Nehenadeln, oder ein mit ein paar Saiten 
zum Klingen bezogenes Hackbret (als womit unſere klei⸗ re 
neſte Kinder fpielen) darneben vorgeleget, und fie haben 
nach einem von den letzteren gegriffen. Denn Nehena⸗ 
deln wiſſen fie zu gebrauchen, und wegen des Hackbretes 

darf man ſich auch nicht wundern, weil fie große Liebha⸗ 

ber von Muck ick und Singen find *. 
| R 5 . LXXXIX. 


Groͤnland. Perluftr. cap. 10 p. 39. 


Es iſt anmerkenswuͤrdig, daß man zu allen Zeiten 
und bey allen auch den ſonſt einfäligfien und wildeſten a | 
ern 


\ 


Von ihrer 
Converſa⸗ 
tion, Mu⸗ 


fit und 
Tanzen. 


— 


266 Nachrichten von Groͤnland 
8. LXXXIX. Wenn ſie beyſammen kommen; ſo muß 
es getrummelt, geſungen und getanzet ſeyn. 1 
| UR AN DAR, 7000 | ſetzen 


kern eine Art von Vocal⸗ und Inſtrumentalmuſic antrifft. 


Die Urſache davon, weil dieſelbe ſo alt und ſo allgemein iſt, 
muß Zweifels ohne in der menſchlichen Natur ſelbſt ihren 
Grund haben. Und dieſes findet ſich auch bey wenigem 


Nachdenken ganz klar. Der Menſch, nachdem er durch den 


Fall der erſten Aeltern, die eigentlichen Urſachen der Ge⸗ 
muͤthsſtille und Freudigkeit verlohren, dahingegen beydes an 
Seel und Leib in Unluſt, Schwachheit, muͤhſelige Arbeit 
u. ſ. w. gerathen, ift von Natur zur Furcht, Schwermuth, 
Traͤgheit, Traurigkeit geneigt; deswegen brauchet er noth⸗ 
wendiger weiſe etwas zu ſeiner Aufmunterung. Und es iſt 
ohnſchwer zu ermeſſen, daß die erſte Menſchen, die am beſten 
gewußt, wovon ſie herunter gefallen, und daher auch die 
Beſchwerlichkeit der Veraͤnderung am ſtaͤrkeſten gefuͤhlet, ſo 
fort auf allerley und zugleich auch aͤußerliche Mittel werden 
gedacht haben, ihren Kummer zu vertreiben, und ihr nieder⸗ 
geſchlagenes Gemuͤth aufzumuntern. Da fie nun vermuth⸗ 
lich geſpuͤret, wie das liebliche Ovinqveliren der Singvoͤgel 
fie innerlich gerühret und ihr Gemuͤthe in etwas aufgeklaͤret: 
ſo ſtehet zu glauben, daß ſie ohnſchwer bemerket, daß es die 
Abwechſelung und Erhebung der Toͤne ſey, die dieſe beſon⸗ 
dere Kraft und Wirkung mit ſich fuͤhren, und folglich bald 
werden angefangen haben, nicht allein ihre Stimme zu üben, 
ſondern auch zu mehrerer Aufweckung allerley klingendes 
Werkzeug auszuſinnen und nach und nach auszubeſſern. Hier⸗ 
inn beruhete der gute Gebrauch der Muſic, welcher ohne Zwei⸗ 
fel bey den frommen Nachkommen Ada wird im Schwange 
und dem guͤtigen Gott nicht mißfaͤllig geweſen ſeyn. Wie 
es aber allemahl zu gehen pfleget, ſo blieb die verderbte und 
durch die ſuͤße Melodien aufgeloͤſete Natur der Menſchen da⸗ 
bey nicht beſtehen, ſondern mißbrauchte, was zur Erqvickung 


in Traurigkeit und zur Anfriſchung bey der Arbeit dienen ſoll⸗ 


te, zur Reizung der Wolluſt und Aufbringung ſuͤndlicher 
Leidenſchaften. Ja man machte bald gar ein eigenes Handwerk 
daraus, wie wir Gen. IV, 21. ſehen, daß des aus Cains Hauſe 
entſproſſenen liederlichen Lamechs gleich gearteter Sohn der 1 
Jubal ſchon zu ſeiner Zeit ſeine Beſchaͤftigung davon ſolcher⸗ 
geſtalt gemacht, daß von ihm die Pfeifer und Geiger von 
Profeßion herkommen. Indeſſen ift dieſe Kunſt nach ihrem 

5 KM zulaͤß igen 


3 und der Straat Davis. 267 


ſetzen ſie ſich nieder zum Eſſen, und freſſen meiſterlich: 
darnach ſtehen ſie auf zum Spielen. Sie haben naͤmlich 
eine Art von Trommeln, die nichts anders iſt, als ein 
etwas breiter und rund zuſammen geſetzeter Reif aus 
Thierknochen: woruͤber man ein Fell ſtraf gezogen hat, 

f . und 


zulaͤßigen Gebrauch mit Noå Familie in den Kaſten gegan⸗ 
gen und wieder heraus, auch nachher mit dem zunehmenden 
menſchlichen Geſchlechte uͤber den ganzen Erdboden ausge⸗ 
breitet, und von Zeit zu Zeit weiter ausgekuͤnſtelt worden; 
Wir finden davon uͤberall die Spuren, abſonderlich aber in 
Orient, da man ſich damit die Unluſt vertrieben und zur Ar⸗ 
beit aufgemuntert. Denn fo ſtehet beym Jerem. XXXI, 5. 
Pflanzen wird man und dazu pfeifen, und im Gegentheil 
cap. XLVIII, 33. der Weintreter wird nicht mehr fein Lied 
ſingen, anderer Oerter zu geſchweigen. So bezeuget auch 
Chardin Tom. I feiner Voyages p. 127. C’eft une habitude 
presque univerſelle dans tout I’ orient de [’ animer au tra- 
vail par le chant. Et ce qui marque, que cela nait de pa- 
reſſe d' Efprit auſſi bien, que de molleſſe du corps, c eft, 
qu'on obſerve, que cette habitude eft la plus forte du cote . 
du Midi. Aux Indes, par exemple, les mariniers ne ſcau- 
reient remuer une corde, qu’en chantant, ni la prendre 
m€me, qu' au milieu du chant. Les chamaux et les boeufs 
ont accoutumè d' etre menés au chant, et felon que leur 
charge eſt peſante, il faut chanter plus fort et plus con- 
ſtamment. Man hat aber auch den Nutzen der Muſik bey 
geiſtlichen Uebungen, da das menſchliche Gemuͤth noch meht 
Traͤgheit fpüren läßt, als im leiblichen, zu erhalten gefuchet, 
und ſie deswegen bey dem Gottesdienſt zu Huͤlfe genommen. 
Wie denn dieſelbe inſonderheit bey den Juden, die nach ihrem 
Naturel nothwendig was aͤußerliches und ſtark ruͤhrendes ha⸗ 

ben mußten, auf eine ausnehmende Weiſe angeordnet worden. 
Welchen die heydniſche Voͤlker bekanntlich ſorgfaͤltigſt nachge⸗ 
aͤffet. Und ein ieder wird bey ſich ſelbſt empfinden, wie ſehr 
ein geiſtreiches Lied afficire, wenn es durch eine angenehme 
Melodie belebet, und durch die Einſtimmung eines oder mehr 
beqvemer muſikaliſcher Inſtrumenten (doch ohne theatraliſchen 
die eitelen Paſfiones auf bringenden, oder hoͤchſtens nur das 

luͤſterne Ohr vergnuͤgenden Exceß) dem Gemuͤthe noch allwei⸗ 
ter eingedrucket wird u. f. f. | N 


268 Nachrichten von & Grönland Be 


und worauf, weil nur die obere Seite beige bon un⸗ 
ten hinein mit einem Stocke ein Geraßel gemachet wird 
Dieſe Trummel nimmt einer in die Hand, und ſtellet ſich 
damit in die Mitten, die übrigen ſtellen ſich um ihn hes 
um. Bald faͤnget er an zu trummeln und zu ſingen von 
ihrem Fiſchfange, Jagden, Reiſen u. d. g. was ihm ein; 
fällt nach gewiſſen Weiſen, die ihnen bekannt find, und 
noch artig genug klingen ſollen. Macht auch aller ß 
poßierliche Stellungen, Gebehrden und Spruͤnge. Und 
wer es am naͤrriſchſten machen kann, der ift allezeit den 
beſte Mann. Die übrige anweſende Männer und W 
ber ſtimmen mit ein, huͤpfen auch wohl darnach von 
nem Bein auf das andere. Wenn der eine muͤde it, 
tritt ein anderer in ſeine Stelle, nimmt die Trumm 
und ſetzet das Spiel fort, bis fie alle muͤde worden. Ya 
alles was ſie mit einander zu beſprechen, zu verhandeln 
und abzuthun haben, geſchiehet ben der Trummel und kr 
gend. Haben fie einen Zug oder Fang vor, wirds au 
dieſe Weiſe abgeredet. Will einer gern etwas verſt 3 : 
oder vertauſchen: fo bietet der Trummelſchlaͤger das 
Ding auf und faget dabey: dis oder das werde dafuer 
wieder verlanget. Weme dann unter dem Hauffen der 
1 anſtehet, der giebet feine Zuſtimmung durch ei⸗ 
nen Schlag auf des Trommelſchlaͤgers Hindern, womit 
der Tauſch richtig und feſte iſt . Hat einer dem andern 
was zu leide gethan, ſo verſparet der beleidigte ſeine | 
Rache bis zur Trummel. Ben erſter Gelegenheit, wenn 
eine Geſellſchaft ſich luftig zu machen zuſammen koͤmmt, 
nimmt er die Trummel, tritt in den Kreiß, und klaget 
trummelnd, huͤpfend und ſingend dem Umſtande, was 
ihm wiederfahren und machet ſeinen Gegentheil weidlich 
aus. Der andere verantwortet ſich auch wohl auf gleiche 
Weiſe, und fi 57 jenem 1 ſeine e zu. 
r⸗ 


* Siebe Grenlind Perluftration p. soadd. Radrichten x 
von der Groͤnlaͤnd. Mißion p. 72, 90 und Hår A 


. N 
"ar 


und der Stragt Davis. 269 
> Darüber lachet das Volk, und der Streit iſt aus. Die 


Partheyen gehen als gute Freunde wieder zu Haufe, 
Gewiß eine lobens⸗ und nachahmungewuͤrdige Art, wo 
kein Recht noch Richter verhanden, Streitigkeiten zu 
ſchlichten. Woraus man ſiehet, daß in ſtatu naturali 

nicht gleich alles durchs Schwerdt muͤſſe entſchieden wer⸗ 
den, ſondern, daß nach Art der Menſchen noch durch an⸗ 


dere vernünftige oder laͤcherliche Mittel die Sachen aus⸗ | 


gemachet werden koͤnnen. Es habens auch die Daͤnen, 


nachdem ſie der Landes⸗Sprache etwas kundig geworden, 
öfters anhören muͤſſen, daß ihnen ein Trummelfchläger, 
wie ſie gekommen, den Grönlaͤndern das ihre abzuliſten, 
ihre Weiberchen zu verfuͤhren u. d. g. mehr fein derbe 
vorgeſungen. Dahingegen hat man auch oͤfters geſpü⸗ 


ret, wie angenehm ihnen ihre Trummel ſeyn muͤſſe. Denn 


wenn ein Daͤne dieſelbe nimmt und ein wenig darauf ſpie⸗ 


let und dazu ſinget, iſts ihnen eine ſolche Freude und Ge⸗ 
faͤlligkeit, daß fie nicht wiſſen, was fie ihm alles dafur 
wieder zu Liebe thun wollen. Es hat auch das Weibes⸗ 


volk noch einen Creiſetanz, dabey ſie ſich anfaßen, ſingen 
und bald vor und hinter ſich, bald im Creis herum huͤpf⸗ 


fen. Wenn Fremde ankommen, die ihnen angenehm, 


ſo fangen die Weiber am Strande mit einander an laut 
zu ſingen und damit dieſelbe zu bewillkommen. Das 


junge Mannsvolk hat noch vielerley Spiele und Uebun⸗ 
gen, als das Ballſpiel des Winters bey dem Mondſchein, 


und andere, die man mir nicht recht zu beſchreiben wußte. 
Woben ſie wunderswuͤrdige Proben ihrer Behendigkeit, 
Geſchicks, Hurtigkeit und Kuͤhnheit ſehen laſſen, als wor⸗ 
auf vornehmlich bey ihren Spielen ihre Abſicht gerichtet 


iſt, die dadurch vernuͤnftig, untadelich, ja nuͤtzlich werden. 
§. XC. Bevor ich dieſe Nachrichten ſchließe, muß Die Groͤn⸗ 


ich noch etwas von der Auffuͤhrung und den Sitten der 


ånder le⸗ 
ben in dem 


Groͤnlaͤnder, von ihrem Politiſchen Zuftende und von wahren Ra- 


ihrer Religien gedenken: zumahlen dabey ſo viele Aus⸗ 
nahmen 


+ 


1 


tu naturali. 


2706 Nachrichten von Grönland 
nahmen von den Regeln, wornach insgemein die menſch⸗ 
liche Handlungen pflegen abgemeſſen zu werden, bey die 
ſen Wilden vorkommen, daß ſie ein gantz beſonderes und 
ſelbſt gewachſenes Volck, dergleichen ſonſt noch in keinem 
Theile der entdeckten Welt aufgeſtoßen, zu ſeyn feheinen, 
Sie leben von ihrer Geburt an in der allergroͤßeſten 
Freyheit. In ihren Kinder⸗Jahren empfinden ſie nichts 
von einiger Zucht oder Beſtrafung der Aeltern, wenn ſie 
erwachſen, nichts von den Banden einiger Geſetze, am 
allerwenigſten aber von einem obrigkeitlichen Zwange. 
Ein ieder lebet, wie er will, ſorget fuͤr ſeine Erhaltung, 
wie er es verſtehet, und die Gleichheit iſt ſo groß, daß 
keiner dem andern was einzureden, weniger zu befehlen 
hat. Ich mache mir kein Bedenken zu ſagen, daß dieſe 
Leutchen in dem eigentlichen ſtatu naturali ſ. libertatis 
leben, aber in einem ſolchen, der demjenigen gar nicht aͤhn⸗ 
lich ſiehet, den viele, die von dem Recht der Natur ſchrei⸗ 
ben, in ihren Syftematibus insgemein voraus ſetzen, und 
auf die abſcheulichſte Art ab mahlen. 


f . XGl. 


* Cicer. de Invent. Lib. I, cap. 2. Fuit quondam tem- 
us, quum in agris homines paſſim beſtiarum modo vaga- 
bantur, et fibi victu ferino vitam propagabant, nec ratione 

animi quicquam, fed pleraque viribus corporis adminiftra- 
bant. Nondum divinæ religionis, non humani officii ratio 
colebatur; nemo legitimas viderat nuptias, non certos 
quisquam infpexerat liberos; non jus, æquabile quid uti- 
litatis haberet, acceperat. Ita propter errorem atque in- 
ſcitiam cœca atque temeraria dominatrix animi cupiditas 
ad ſe explendam viribus corporis abutebatur, &c. Derglei⸗ 
chen ich nur einem Heiden zu gute halten kann. Hobbes de 
Cive cap. X. F. I machet ſich gleiche Einbildung: extra 
civitatem fructus ab induftria nemini certus: in civi- 
tate omnibus. Denique extra eivitatem imperium affe- 
ctuum, bellum, metus, paupertas, fœditas, folitudo; bar- 
baries, ignorantia, feritas: in Civitate imperium rationis, 
pax, ſecuritas &c. welche Worte der vortrefliche Pufendorf 
etwas unvorſichtig zu den feinen gemacht und feinem Com⸗ 
Pendio de officio hominis & civis Lib. H. cap. I. G. 9 „ R 
| | eibet 


N; 


/ „ 


und der Straat Davis. 271 


F. XCI. Die Grönländer find einfaͤltig, aber nicht — es 
dumm; unbelehret, aber ihren Gemuͤthsneigungen nicht 
etgeben, zu keiner Geſellſchaft verbunden, doch umgaͤng⸗ 
lich, gefellig, friedfertig, behuͤlflich . Von aͤußerlichen 
Hoͤflichkeitsbezeugungen und dem Wohlſtande, oder De⸗ 
coro, findet man bey ihnen nicht viel. Einer bezeuget 
gegen den andern keine Ehrfurcht, und koͤmmt es ihnen 
wunderlich vor, wenn ſie bey den Daͤnen ſehen, daß ei⸗ 
ner einen andern hoͤher als ſich ſchaͤtzet, daß einer be⸗ 
fielet, der andre gehorſamet. Wenn fie einander beſu⸗ 
chen, gruͤßet der kommende den Hauswirth nicht, und 
dieſer heißet jenen nicht willkommen, ſondern weiſet ihm 
bloß die Stelle an, wo er ſich niederſetzen kann. Wenn 
der Fremde wieder weggehet, geſchiehet es auch ohne daß 
desfalls zu beyden Seiten ein Wort gewechſelt wird. 
Und ſo iſt der ganze Umgang, den ſie mit einander haben, 
in allen Stücken und bey allen Gelegenheiten beſchaffen. 
Man ſiehet daraus, daß Freundſchaft ohne Complimen⸗ 
ten, ohne Reverenzen, beſtehen kann. Sie find ganz ohn? 
reinlich und ſchmutzig, mit dem Sichſpeck⸗ Thran⸗ und ö 

andern 


leibet hat. Deshalben aber ſich gar pic widerlegen 
laſſen muͤſſen von dem ſcharfſinnigen und judicieuſen Juriſten 
Titio Obſerv. 461 ſeq. deſſen Einwuͤrfe und Gegenſaͤtze gang 
fein durch die Auffuͤhrung unſer Wilden beſtaͤrket und erlaͤu⸗ 
tert werden koͤnnen. Es ift ja gar unnothig, dergleichen 
fehlſame Vorſtellungen zu Huͤlfe zu nehmen: man hat ohne 
dieß Gruͤnde genug die Vorzuͤge einer beſſern Anfuͤhrung, des 
ECivilſtandes und allermeiſt der Chriſtlichen Religion anzu⸗ 
preifen. Wenn nur die beſſer unterrichtete, der echten Philo⸗ 
ſophie, der wahren Politic und der goͤttlichen Offenbarung 
gemäßer lebeten. 

* Sie find wie Demonak beym Luciano von rechtſchaf⸗ 
fenen ehrlichen Leuten faget: moiwilss kurios Na rd Ad 
4 „i dxerres d vor ys ue. Sie thun von ſelbſten nach dem 
Triebe der Vernunft, was andere wider Willen aus Zwang 
der Geſetze. Seneca redet gar artig von dergleichen Leuten: 
non erant illi ſapientes viri, etiamſi faciebant facienda ſa- 
pientibus. , 


Viele La⸗ 


ſter ſind ih⸗ 


nen unbe⸗ 
mußt, 


Ba, 


272 Nachrichten von Grönland 
andern Schmierereyen beſudeln ſie ihre Kleider / * 


und Geſicht, und waſchen ſich doch ſehr ſelten. Sie 


waſchen auch ihre Gefaͤße und a nicht, wenn 


gleich die Hunde fie ausgeleckt haben. Sie entſchen ſich 
nicht in anderer Gegenwart einen Wind zu laſſen, noch 
vor deren Augen ihre Nothdurft, die ſie drenget, abzule⸗ 


gen. Sonſt aber ſind ſie in ihrem Umgang freundlich 


und luftig; mögen gerne, daß man mit ihnen ſcherze . 


Denn von Natur find fie zur Trauermuͤthigkeit geneiget. 
Wenn ſie allein, laſſen ſie den Kopf haͤngen und ſeufzen 
ofte, ohne daß ſie deſſen auf Befragen eine eigentliche 
oder beſondere Urſache anzeigen koͤnnten. Nur fuͤhlen 


fie ihr armſeliges, unruhiges und Arbeit Mühe: und 
Gefahr volles Leben, und ſehen keine Beſſerung ab. Ja 


wie kann es anders ſeyn, da ſie keinen Troſtgrund weder 


aus der Philoſophie noch weiligen aus der e ken⸗ 


nen. 


$. XCH. Weiter leben fie unter einander in der größe | 


ten Vertraͤglichkeit und Einigkeit. Sie wiſſen nichts 


vom Neid, Haß, Feindſchaft, Nachſtellung, Zank und 


Streit. Noch weniger vom Schlagen oder Gewaltthaͤ⸗ 
tigkeit, von Straßenraͤuberey, Mord oder Todtſchlag. 


Auch nicht einmahl vom Krieg mit den Nachbaren. Wie 


denn ihr Schießgewehr nicht dazu, ſondern nur zur Jagd! 


beqvem iſt. Von Huren und Hurern hoͤret man nichts. 
Selbſt die Unverheyrathete halten ſich keuſch, und reizet 


oder verfuͤhret keines das andere zur Unzucht. Die Där 


nen haben wohl eher ein oder anders Maͤdchen auf die 


Probe geſtellet, aber ganz und gar vergeblich. Ihre 


wenige natuͤrliche Neigung. zu fleiſchlichen Lüͤſten zeiget 


— 


ſich ja dadurch merkbar genug, daß fie, wie vorhin er 


gqaͤnzlich 
DÅ Siche Groͤnlaͤnd. Perluſtration p. 53. 


wehnet, ſo ſelten wen Weiber ‚neben, da es ihnen doch 


* Arma ceſlant; incruentæque humano A ma- 


nus, odium emne in feras vertunt. Senec. Epiſt. 99. 


und der Straat 9 Dabis 2732 


gänzlich unverwehret iſt. Eheleute halten fi ich ſo genau 

an einander, daß man von Ehebruch kein Exempel hat. 

Das Eigenthum kennen ſie, und ein ieder laͤſſet dem an⸗ 

dern, was er hat oder faͤnget: aber Diebſtahl und Raub . 
iſt was unbekanntes. Alles lieget und ſtehet offen: man 
hat keine . noch Schloͤſſer, keine Schraͤnke noch 
Kuffer. Gleichwohl vergreifet ſich keiner an dem, was 

des andern ift. Daß einer den andern irgend betriegen 

oder uͤbervortheilen ſollte, hoͤret man auch nicht. i 


F. XCIIL Indeſſen haben dieſe Leute gleichwohl kein eg haben 
Geſetz, das fie, was fie thun oder laſſen ſollen, belehre: fete ue 
noch weniger, das ſie dazu verbinde: ſondern fi e find ih⸗ n 
nen ſelbſt ein Geſetz und des wegen haben und brauchen 
ſie auch keine Obrigkeit, als die zur Handhabung der Ge⸗ 
ſetze, zur Beſchuͤtzung der Frommen und zur Bestrafung i: 
der Boͤſen geordnet 3 g 

6. XCIV. 


* Alſo hat Ioh. 05 nicht unrecht peirkheilee wenn 
er Argen. Lib. I cap. 15 ſpeicht: ſi contineri fua ſpontei intra 
Nnes juſtitiæ poſſet genus humanum, tunc in pati omnium 
pietate non ſupervacanea modo, ſed injuſta eſſent imperia, 
quæ cives jam ſponte æquiſſimos ad inutilem ſervitutem 
| adigerent, Ich glaube auch, wenn Boecler die Grønlånder > 
gekannt haͤtte, er würde ad Grotium Lib. Ic. 3 p. 200 fo ges 
neral und decifiv nicht gefchrieben haben: ordo imperandi er 
parendi omni natura rationali ita deſtinatum eft, ut ſocie- 
tas et multiplicatio ſine eo cogitari nequeat. Können aber 
verderbte Menichen durch ihr Na urel und Umſtaͤnde dahin 
kommen, daß ſie ohne Obrigkeit beſtehen moͤgen; ſo werden 
ja wohl die neuern Lehrer des Natur⸗ und Vhiferrechtg nicht 
ſehr irren, wenn fie ſetzen, daß die vollkommenen Menſchen 
im Stande der Unſchuld keiner Civiſverfaſſungen „ einer 
Obrigkeit würden bensthizet geweſen ſeyn. Allein es leben 
leider die einzige Groͤnſaͤnder in ſolcher glücklichen Einfalt 
i Armut und Umſtaͤnden, daß ſie ohne obrigkeitliche Herrſchaft 
utter ſich zurecht kon men koͤnnen. Die übrige Kewohner 
d bek ngten Welt find bekanntlich fo geartet, daß man Gott 
nicht genug danken kann, daß er den obrigkeulichen Stand 


vi S je: geordnet, | 


£ 


274 Nachrichten von Grönland ng ål 


j Rationes | H. XCIV. Mich deucht, daß dieſe Dinge nicht übers 
ehrüer& hin anzuſehen, ſondern, daß es allerdings ſehr anmer⸗ 


wodurch fie kungswuͤrdig fon, daß dieſe Leute, die weder Erziehung 


auſſen Zwei noch Schulen, weder moralifche Bücher noch Prediger, ja 


ger er, ſchlechterdings eine ſelbſtgewachſene unausgebeſſerte Vers 


den, fried⸗nunft haben, aus einem inwendigen natuͤrlichen Triebe, 


lich u ; j s 3 y 
eigene der gleichwohl noch vieles mit den Thieren gemein hat, oder 


zu leben. aus einer angebohrnen Neigung, die ſchon vor der Ver⸗ 


nunft ſich bey ihnen findet, und von dieſer wenig Huͤlfe 
geneuſt, fo vieles als boͤſe unnuͤtz und ſchaͤdlich unter⸗ 
laſſen, und dagegen vieles als gut, nuͤtzlich und noͤthig 
zu Werke richten. Es iſt dieſes ohne Zweifel noch ein 
kleiner Reſt des anerſchaffenen goͤttlichen Ebenbildes. 
Allein wenn man es gleichwohl mit dem Lichte einer auf⸗ 
geklaͤrten Vernunft beſiehet, ſo befindet ſich doch, daß 
derſelbe bey dieſen Wilden nicht recht ausgeuͤbet oder an⸗ 
gewandt, ſondern wohl gar noch verdunkelt wird: in⸗ 


dem es bey ihnen nicht zu den recht zarten Strichlein 


oder Pflichten koͤmmt, ſondern nur bey den allergröbften 
Zuͤgen, oder ſolchen Pflichten verbleibet, ohne welche die 
aͤußerliche Ruhe nicht kann erhalten werden, noch der 
Umgang mit ſeines gleichen, oder die menfchliche Geſell⸗ 


ſchaft, beſtehen. Anbey find ihre Umſtaͤnde fo beſchaf⸗ 


fen, daß ſie ihnen zu den angefuͤhrten Tugenden, oder 


vielmehr zur Enthaltung von den denſelbigen entgegen 


ſtehenden Untugenden nicht allein Gelegenheit geben, 


ſondern fie gar dazu treiben und noͤthigen. Die Unwifſ⸗ 


ſenheit des Boͤſen, der Mangel der Reitzungsmittel und 


der boͤſen Exempel macht, daß fie in der Einfalt bleiben. 


Das rauhe Climat, der wenige Vorrath des benöthige 


ten, die muͤhſelige Art denſelben zu uͤberkommen, erhaͤlt 
ſie in der Zufriedenheit und Gleichheit. Weil keiner 
mehr weiß, keiner mehr hat, als der andere, hat er keine 

| 0 Urſache 


Nas, 


geordnet, und felbigen. mit der mitgetheilssen Autorität und 


Strafrechte verſehen hat sc. 


BR | 
9 
er; 


i 

* 

7 
K. 
u 


. 
1 
Fl 


x / 
\ 


und der Straat Davis. 275 


Urſache ſich über den andern zu erheben: und dieſer Eeis 
nen Bewegungsgrund jenem einen Vorzug über ſich eine 
zuraͤumen. Weil einer allein nichts ausrichten kann, 
muß er machen, daß er andere zu Freunden behalte. Er 
muß ihnen helfen, damit fie ihm wieder helfen, fie müß 
ſen das Gefangene, weil ein ieder ſo gut, als der andere, 
einer ſo viel Muͤhe dazu angewandt, als der andere, ) 
gleich heilen. Einieder muß dem andern das feine laſ⸗ 
ſen, ſonſt naͤhme der ihm das ſeine wieder. Zank, Streit, 
Feindſchaften muͤſſen ſie meiden, denn ſie wuͤrden kein 
ander Ende haben, als daß ſie ſich unter einander ſelbſt 
aufrieben. Das Land iſt ſo elend und unwegſam, ihre 
Anzahl fo geringe, ihre ganze Verfaſſung fo ungeſchickt 
dazu, oder, daß ich recht fage, ‚fie haben fo gar nichts, 
daß einiger Krieges verfaſſung ähnlich ift, daß fie gegen 
andere unmoͤglich Conqveten machen koͤnnen: und bey 
ihnen ſelbſt ſtehet es ſo ſchlecht, daß niemand begehren 
kann fie zu uͤberziehen. Ihre arbeitſelige Lebensart ver⸗ 
treibet ihnen die Wolluſt, ja fie ermangeln alles ſtarken 
Getraͤnkes, das dieſelbe bey andern Voͤlkern zum mei⸗ 
ſten reitzet, und fo weiter. Und ſolcher geſtalt ruͤhret 
ihr ſcheinbarer Tugendwandel nicht ſo wohl aus einem 
inwendigen Triebe, als aus den aͤuſſerlichen Umſtaͤnden, 
worinn ſie ſich befinden, her. å | i | 
6. XCV. Und in Wahrheit es auffere ſich auch bey Ihre Un⸗ 
dieſen fo unſchuldig lebenden Leuten hie und da der in den art du Tre 
Hertzen aller Sterblichen vorhandene Saame des Boͤ— Lg: 
fen, Denn fie achten die Dänen geringer als fir * u Aus⸗ 
„) sne 10 S ES 4 bilden 
„Mir ift dißfals eine fo wohl dieſer wegen als ſonſten 
merkbare und wahrhafte Geſchichte erzehlet worden. Es 
war ein Groͤnlaͤndicher Junggeſelle mit nach Coppenhagen 
genommen; und damit er ſeinen Landes leuten eine gute Mei⸗ 
nung von der daͤniſchen Nation beybringen möchte, ihm auf 
das allerfreundlichſte begegnet worden Als derſelbe auf die 
neue Colonie wieder zurück kam, und man nothig fand, daß 
er ſich mit einer Wildin, um, ich daourch ſeinen Landesleu⸗ 
| ten 


276 Nachrichten von Groͤnland 


bilden ſich ein, daß die andern Nationen von der ihrigen 


urſpruͤnglich hergekommen, und wenn ſie denſelben eine 


gute Mine machen, geſchiehet es nur aus Furcht, weil 


fie dieſelbe beherzter und ſtaͤrker als ſich halten. Inſon⸗ 


derheit wird ſehr geklaget über der Groͤnkaͤnder, vor⸗ 


nehmlich des Weibesvolks, unuͤberwindliche Halsſtarrig⸗ 


keit und Eigenſinn. Sie ſollen fi) auch eben kein Br 


denken machen, wenn es heimlich geſchehen kann, den 
Daͤnen was wegzunehmen. Widerfaͤhret ihnen von 


dieſen eine een laſſen fie keine Erkenntlichkeit noch 
Dank 


ten deſto gefaͤlliger zu machen, verheyrathen ſollte, ſahe er 


ſicch ein wohlgeſtaltetes und vernünftiges Maͤdgen aus, und 


ließ um ſie anſprechen. Er bekam aber einen Korb. Und als 
er ſich ſelber bey ihr angab, ließ ſie ihm zwar ſo viel merken, 
daß ſo wohl ſeine Perſon, als die aus Daͤnnemark mitge⸗ 


brachte ſchoͤne Sachen ihr anſtaͤndig waͤren, bezeugte ihm 
aber rund aus, daß ſie von ihm nichts an⸗ ihn auch nim⸗ 
mer sum Manne nehmen wuͤrde. Man konnte lange die Ur⸗ 
ſache einer ſo unvermutheten Weigerung nicht erfahren. 
Endlich brachte mans doch durch viele Muͤhe dazu, daß ſie 
mit ihrem Bruder nach der daͤniſchen Colonie kam, und 


nachdem man ſichs recht ſauer werden laſſen, ihr Gemuͤlh 


zu gewinnen, und die Urſache ihres ſo beſtändigen Neins zu 
erfragen, brach ſie zulezt gegen einen Daͤnen, der mit ihr 


in ihrer Sprache reden konnte, heraus: daß ſt ie bloß des⸗ 


wegen zu der angetragenen Parthey ſich nicht entichlieffen 


konnte, weil fie bedaͤchte, daß der angegebene Braͤutigam 


bald ſterben koͤnnte, und daß ſie, wenn ſolches vor ihr ge⸗ 
ſchehen ſollte, fuͤr Hunger und Kummer wuͤrde vergehen 
müſſen, weil die Dänen alsdenn fie nicht wurden achten, 


die Groͤnlaͤnder aber ſie noch weniger wieder zu ſich nehmen 


wollen, weil ſie fuͤr die Daͤnen, wie ihnen ſelbſt bekannt, 


gar keine Neigung, wohl aber eine groſſe Geringſchaͤtzung 


haͤtten. Wie ſie denn auch eher nicht zu der Heyrath ſich be⸗ 
reden laſſen, als bis man ihren Bruder durch allerley gute 
Worte und Verſprechungen dahin bewogen, daß er ſie uͤber⸗ 
redet, unter der feſten Verſicherung, wofern ſie Wittwe 
werden moͤgte, daß er fie alsdenn nicht verſtoſſen, ſondern 
nebſt der Familie für Ben Unterhalt beſtaͤndig Sorge tragen 


wWiollte. > 


i 


und der Straat Davis. 277 


Dank verſpuͤren. Man hat mir auch erzehlet, daß als 

ein paar Jahre vor Anlegung der Colonie ein Schiff 

zum Verſuch dahin geſchickt worden, und einer von den 
daͤniſchen Matroſen ſich unter fie zu weit gewaget, ihn ihren 

etliche ſogleich nieder zur Erden geworfen, einige Lochen 
in den Leib geſchnitten „und das Blut mit großer Be⸗ 

gierde ausgeſogen haͤtten. Davon man doch nachher 

weiter nichts vernommen. Wann man aber nun aus 
dieſem den Zuſtand des ſich ſelbſt gelaſſenen Menſchens 

reiflich erweget, und dabey anmerket, wie ſchlecht derſelbe 

im Wege des Guten und der Tugend fortkomme: fo has 

ben die ſo genannte politere Voͤlker mit dem allertieffe⸗ 

ſten Dank die große Wohlthat zu erkennen, die der treue 

Liebhaber der Menſchen ihnen erweiſet, da er nicht nur 

die Ueberbleiſel des ihnen anerſchaffenen goͤttlichen Ebene 

bildes durch ſo viele Lehrer in niedern und hohen Schu⸗ 

len gleichſam laͤßet abſtaͤuben und aufhellen, ſondern 

durch deren Anfuͤhrung zur Morale den ganzen Begrif des 

natürlichen Geſetzes, auch was an dieſem noch zur Boll 

kommenheit mangelt, durch fein geoffenbartes Wort, und 

ſo viele daſſelbe erklaͤrende Predigten ihnen deutlich, 

vollſtaͤndig, uͤberzeuglich und erweklich vor Augen legen. 

Ja (daß ich es zum Preiſe Gottes hinzuſetze) weil der - 

Menſch nicht allein zu dieſem Leben erſchaffen, ſondern | 

noch ein beßerer Zuſtand für ihn aufbehalten ift, und 

angeführtes alles denfelben noch nicht zu deffen Erlan⸗ 

gung und Genuß bringen kann, ihnen einen Mittler 

entdecket und angewieſen, der ihnen die noch weiter hiezu 

noͤthige Lehren geoffenbaret, die rechte kraͤftigen Huͤlfs⸗ 

mittel angezeiget, und endlich gar durch ſeinen Tod, 

durch den er ihren Mangel erſetzet, gemachet hat, daß 

fie ſowohl hie ruhig, vergnuͤgt und glücklich als deteinſt 

in ee Welt felig und ewig leben koͤnnen. 


F. XCVI. So herrlich und tröſtlich aber dieſe Er eie miffen 


kenntniß für Hr andere ift, 5 betruͤbt und erſchreklich Religion ed 
i iſt 


3 / 


N 


und saven 
nicht ein 
mahle einen 
Begrif 
von einer 
Gottheit. 


' 0 


278 Nachricht von Grönland 


ift es dagegen, daß dieſe ſonſt ſo gut geartete Creaturen 


ohne Gott in der Welt, das ift, ohne alle Wiſſenſchaft 


und Erkenntniß ihres einigen Schoͤpfers und Woylthaͤ⸗ 
ters leben, ſo gar daß ſie auch nicht einmahl ein Wort, 
womit fie dieſes allechöchfte Weſen benennen koͤnnten, in 
ihrer Sprache haben, ſondern die, ſo von den Daͤnen 
eines beſſern unterrichtet worden, genoͤthiget geweſen, ihr 
Wort Gud ihnen abzuborgen, und in ihre Sprache zu 


übernehmen. Es iſt hoͤchſt zu bewundern und nicht zu 
begreifen, da man von ie her angemerket *, auch die 
Erfahrung der neuen Zeiten, und die nach und nach 
geſchehene Entdeckung ſo vieler vor dem unbekannter 
Laͤnder es bewehret, daß kein Volk ſo entlegen, ſo ein⸗ 
faltig, fo rohe und wild es auch ſonſt ſeyn mag, zu fine 
den, bey dem man nicht einige Wiſſenſchaft von Gott 


angetroffen hätte „wenn fie gleich noch fo dunkel, vers 
derbet und irrig, ja gar in Abgoͤtterey verkehret ift wie 
es doch möglich ſey, daß gleichwohl die armen Groͤnlaͤnder 


ſo gar aller Kundſchaft von Gott ermangeln. Ich bin 
lange angeſtanden es zu glauben, habe es aber endlich 
glauben muͤßen, da alle, die ich geſprochen, mich verſi⸗ 
chert, auch der Autor der Groͤnlaͤndiſchen Perluſtration, 


der des braven Mißionarii Herrn Egede Nachrichten zum 


Grunde geleget hat, im lezten Capitel ebenfals bezeuget, 


daß dem in der That alſo ſey. Doch ift wohl gewiß genug, 
daß ihre Voraͤltern ehedeſſen werden von Gott und den 


Religion einige Wiſſenſchaft gehabt haben. Wie fie 
aber dieſelbe fo gar verlieren koͤnnen, ift deſto unbegreif⸗ 


licher, da ja die Aeltern, wenigſtens die Muͤtter, was ſie 


von dergleichen Dingen fuͤr Begriffe haben, ihren Kindern 
allemal pflegen einzuftoſſen. Und haͤtte man nicht ver⸗ 
muthen 


eie Tuſcul Quæſt. Lib. 1 cap. 3. Quod nulla gens 


tam feta, nemo omnium tam fit immanis, cujus mentem 


non imbuerit Deorum opinio. Multi de Diis prava ſen- 


tiunt; id enim vitioſo more effici folet; omnes tamen, eſſe 


vim ac naturam duuinam arbitrantur. 


und der Straat Davis. 279 
muthen ſollen, daß fie wenigſtens nach und nach wie⸗ 
derum, wie andere ſehr wilde Voͤlker gethan *, die Au⸗ 
gen gegen den Himmel wuͤrden aufgehoben und die 
Wohlthaten, die ſie von der Sonne zum Exempel ſo 
fuͤhlbar genieſſen, anerkannt, mithin derſelben einige 
Ehrbezeugung erwieſen haben. Allein ſo wiſſen dieſe 
Leute ſchlechterdings von keiner Gottheit, auch von kei⸗ 
nem Goͤtzenbilde, noch einiger Bezeugung, die einem re⸗ 
ligioͤſen Dienſte ähnlich ſehe, das allergeringſte. Ein 
Tag in der Wochen, im Monate, im Jahr iſt ihnen 
fo unheilig als der andere. Sie mögen aufſtehen oder 
ſich niederlegen, zu der Mahlzeit oder davon gehen: 
man ſpuͤret nicht, daß ſie eine andaͤchtige Gebehrde ma⸗ 
chen, weniger einiges Gebet thun. Es mag einer ge⸗ 
bohren werden, heyrathen oder ſterben, man kann nicht 

die allermindeſte nach einiger Religion ſchmeckende Hand⸗ 
lung erblicken. i 908 
Sie bilden ſich ein, daß alles alſo, wie es iſt, von 
ieher geweſen, und von ſelbſt entſtanden ſey. Dringet 
man in ſie, daß es gleichwohl nicht moͤglich ſeyn koͤnne, 
daß die herrlichen Geſchoͤpfe als die Sonne und andere 
nicht ſolten einen Macher gehabt haben, da ja keines 
ihrer Kaͤhnchen von ſelbſt entſtuͤnde, antworten ſie wohl, 
l Fenn das 


* Czfar de bell. Gallic Lib. VI cap. 21. Deorum nu- 
mero eos ſolos ducunt (Germani) quos cernunt & quorum 
operibus aperte juvantur, Solem, Vulcanum & Lunam. 
Welches und ein mehrers ſich auch von den heydniſchen Is⸗ 
laͤndern ſagen laͤſſet. Es klinget ſehr erbaulich, was von ei⸗ 
nem der erſten Beſitzer Jelasdes, namlich. dem Thorkel, 
mit dem Zunahmen, Mana, d. i. Mond, erzehlet wird, daß 
ihm ſeine heydniſche Landsleute dieſen Beynamen Spottweiſe 
beygeleget, und zwar aus keiner andern Urſache, quam quod 
a Lunæ aftrorumque opificio admirabili aliquid de inviſibili 
opifice colligendum ſtatuiſſet, qui quoque jam moriturus, ſe 
in locum ſoli adverſum efferri fecit, commendaado fe in 
manus illius Dei, qui ſolem creaverat. Landrama p. I cap. 9. 
Arngr. Iona Specim. Islandic. Sect. I cap. I. 


286 Nachricht von Grönland | 


das koͤnnten fie begreifen „kenneten ihn aber nicht, wis 


ſten nicht, wer er wäre. Einige ſetzen wohl gar aus 
thoͤrigter Einbildung auf ihre Nation hinzu, es muͤſte 
ein Kallak, d. i. einer von ihrem Volke geweſen . 


0 der Himmel und Erde gemacht hatte. 


Das Ge⸗ 


gentheil 


laßt ſich au 


F. XColl. Immittelſt kommen doch bey inen ei⸗ 


a nige ohne Zweifel von ihren älteften Vorfahren herſtam⸗ 


EA ih: mende Gebräuche vor, die den Schein eines Aberglau⸗ 
glaubich bens haben, als die vorhin erwehnter maſſen uͤbliche 
ſcheinenden alberne Verbindung der beſchaͤdigten Glieder, Anhaͤn⸗ 


heaͤu⸗ 
che ncht 


ſchlieſſen. 


gung einiger Halsbänder oder anderer Dinge als Stuͤ⸗ 


cker von altem Hole, Voͤgelklauen, Raabenſchnabel, um 
vor Krankheiten bewahrer zu werden oder gluͤklich zu 
ſeyn und dergleichen. Allein man merket doch nicht, 
daß ſie dabey einige Abſicht oder Hofnung auf einige 
uͤbernatuͤrliche göttliche oder teufliſche Kraft hätten; ſon⸗ 


dern ſie thun es nur bloßhin deßwegen, weil ſie geſehen, 


daß es andere alſo gemacht, und gehoͤret, daß es gut 
oder dienſam ſeyn ſolle. Doch muͤſſen fie Hexen und 
Hexerey glauben. Denn im Jahr 1734, als einem Groͤn⸗ 
länder feine Tochter und aͤlteſter Sohn, die er ungemein 
liebte, an der damahls 1 anſteckenden Seuche 
verſtorben, hat es ſich zugetragen, daß derſelbe eine für 


eine Hexe gehaltene Frau aus der thoͤrichten Einbildung, 


als wenn fie mit ihrer Heperen fein Kind getoͤdtet, auf 


der Stelle erſchlagen. Worinn ihn das Kind ſelber bes 


ſtaͤrket, indem es in feinem festen vorgegeben, daß die 
Geſtalt deſſelben Weibes allzeit vor ihm flünde, über 
ihn hexete und wie er geſagt, ihn toͤdtete. Herr Egede ; 
gedenket in feiner Nachricht p. 64, daß er bey weiterer 
Erkundigung erfahren, wie die Groͤnlaͤnder vermeinen, 
daß fo bald der Menſch ſterbe, die Seele, fo fie Tar- 

i 1 gnecke 
* Siehe Groͤnl. Perluſtrat. p. . 


und der Straat Davis. 237 
gneck nennen, von dem Menſchen in den Himmel fah⸗ 
re, der Leib aber in der Erden bleibe und verweſe. Und 
dieſes ift die Urſache, warum fie den Verſtorbenen, wenn 
fie ihn begraben, fein im Leben gebrauchtes Fiſch⸗ und 
Jagd⸗Geraͤthe beylegen, zumahl fie in den Gedanken 
ſtehen, daß derjenige, fo ſterbe, anderwaͤrts wieder le- 
be, wo in Menge Rehe zu jagen, und Robben zu fan⸗ 
gen u. d. g. wo aber oder wie lange, wiſſen fie nicht, am 
allerwenigſten aber, daß der Leib auch einmahl auferſte⸗ 
hen werde. Dieſen elenden Menſchen waͤre nun ja wohl 

ſehr zu wuͤnſchen, daß ihnen die Grunde der wahren Re⸗ 
ligion moͤgten ernſtlich beygebracht werden. Zumahl 
dieſe Menſchen mit Luſt anhoͤren, was man ihnen von 
Gott und deſſen Schutz und Segen, von einem zukuͤnf⸗ 
tigen beſſern Leben u. d. g. vorſaget, auch es willig ans 
nehmen und ſich ſelbſt damit troͤſten. Es iſt auch damit 
ein ruͤhmlicher Anfang gemacht worden. Was dazu 
Gelegenheit gegeben, und wie es damit abgelauffen, habe ich 
gleich zu Anfang dieſer Nachrichten 1. §. p. 149. S. erweh⸗ 
net. Nachdem aber die Colonien groͤſſeſten theils auf; 
gehoben, und einige Prediger darvon gezogen ſind, die 
Neubekehrte und noch wohl kaum recht befeſtigte ſich 
auch bald nach Landesgewohnheit zerſtreuen werden: iſt 
zu beſorgen, daß die geringe Wiſſenſchaft von Gott, dem 


Weltheilande und der Religion, ſo an ſie gebracht wor⸗ 


den, in wenig Jahren wieder werde in Vergeſſenheit 
kommen, und alſo der unſelige Hauffe in der Finſter⸗ 
niß und den Elende, worinn er ſtecket, leider noch lange 
verbleiben. i Hey 


S, F. XVIII, 


* Ich muß hierbey noch gedenken, daß ſich von dem 
frommen Prediger Eg de ein MS. unter dem Titel: Begyn⸗ 
delſens “lemender til den Chriſtliae Kun“ ſtab for den Groͤn⸗ 
lanoste Cathecumener, hoc eft, Elementa chriſtianæ reli- 

\ 2 gionis 


282 Soden von 1rd 


Bon Se., F. XCVIII. Es iſt noch uͤbrig, daß ich „eee a 
Kart und Heftattsumd Betraurung erwehne. So bald jemand 
eung ihrer unter ihnen Todes verblichen, nehmen ihn die nechſten 
Tobten. ſeines Geſchlechts, und beerdigen ihn mit vielen Klagen 

und Heulen. Den erblaſſeten Cörper legen fie in ein 
Grab von Erdſchollen und Steinen in vollen Kleidern 
platt an die Erde, breiten ein paar Felle uͤber ihm und 
bedecken ihn mit Erdſchollen und vielen Steinen. Ne⸗ 
ben ihn legen fie zum theil zerſchnitten das ihm gehörige 
Fiſch⸗ und Jagdgeraͤthe, als Both, Bogen und Pfeile, 
Wuefpfeile u. d. g. denn die Hinterbliebene maſſen ſich ja 

4 11 ge, was dem Verſtorbenen zugehoͤret, in keine 
wege an. Sie halten auch den Todten ſo unrein, daß 
keiner, als derjenige, der ihm am nechſten angehoͤret, 
den Coͤrper anruͤhren darf. Wie ihn denn derſelbe auch 
allein aufm Ruͤcken zu Grabe tragen muß. Sie betrau⸗ 
ren ihre Todten gar ſehr. Die Blut- und Schwaͤger⸗ 

lichverwandte kommen anfangs des Tages dreymahl, 

nachhero zwar ſo fleißig nicht, doch ofte und faſt ein gan⸗ 
zes Jahr durch beyſammen, ſetzen ſich nieder, nehmen 
die Koͤpfe in die Haͤnde und ſtemmen die Ellebogen auf 
die Knie, betrauren und beweinen den Todten. Verlaͤſt 
der Verſtorbene keine Anverwandte noch Freunde, laͤſt 

man ihn wohl ohnangeruͤhret an der Stelle liegen, da 
er perichieden, Die Urſache warum, ift die vorhin an⸗ 
gefuͤhrte eingebildete Unreinigkeit, die auſſer den ornat | 
ſten Anverwandten alle übrige beſchmitzet. 


Wo dieſes F. XCIX. Zum Beſchluß will ich meine wenige ; 
Volk ur⸗ Nuthmaſſt ſungen von der Abkunft AR fo befondern 


Volks 


gionis pro catechumenis Wa Groenlandica cum verſione 
Danica Ao. 1724 a Dn. Johanne Egede, Miſſionario Danico 
in Groenlandia ſcripta in 8vo, in dem Catalogo der Das 
neſ ioldiſchen Bibliothec gefunden, welches daraus in die 
koͤnigliche Bibliothec erkauffet worden. : 4 
Siehe Groͤnlaͤndiſche Perluſtration p. 48. 


und der Straat David, 283 
Volks zu weiterm Nachſinnen hier kuͤrzlich anhaͤngen. forfingtig 
Ich ſtehe in den Gedanken, daß die Vorfahren dieſes men. 
Volks aus Nordaſien von den Samojediſchen oder Sy ⸗ 
beriſchen Tartaren herſtammen, und nach Art der frucht⸗ 
baren nordiſchen Voͤlker, von den ihrigen ausgejagt 
und eine neue Wohnung und Verble b mit Vertreibung 
der alten Beſitzer ſich zu ſuchen genoͤthiget worden. Da 
fie denn vielleicht durch Nova Zembla * ihren Weg ges 
nommen, und in Oſtgroͤnland (weil ſo wohl dort als hier 
die Thaͤler damahls mit ſo vielem Eiſe und Schnee als 
ietziger Zeit annoch nicht angefuͤllet, noch die Arme von 
der See, die ſie etwa uͤberzuſetzen gehabt, mit ſo vielem 
Eiſe, als dermahlen beleget geweſen) eingedrungen; und 
nachdem ſie die daſelbſt angetroffene Chriſten ermordet, 
und ſich an ihrer Stelle niedergelaſſen, und einen Theil 
der Ihren hinuͤber nach Weſtgroͤnland geſchicket, die es 
mit den daſigen Chriſten nicht beſſer gemachet. Die 
Geſchichtſchreiber nennen dieſe neue Gaͤſte die wilden 
Stkrellinger, und ſagen, daß fie die Chriſten ausgetil⸗ 
get, aber von ihrer Herkunft erwehnen ſie nichts. Die 
Wilden in der Straße Davis haben unter ſich eine Sa⸗ 
ge, daß ihre Voraͤltern, als fie in dieſe Lande kommen, 
die alte Einwohner todt geſchlagen, aber von derſelben 
Abſtammung wiſſen ſie noch weniger Bericht zu geben, 
als von denen ſie durch die Eisgebirge und Eismeere 
mehr und mehr abgeſondert worden, daruͤber ſie ſo gar 
ihre alte Religion und alles vergeſſen haben. Indeſſen 
gründet ſich meine Vermuthung auf die vielen Aehnlich⸗ 
keiten, die ich zwiſchen den wilden Groͤnlaͤndern und je 
nen Völkern an der Leibes geſtalt, Tracht, und Leben ⸗ 
gr | I art NR 

* Diefes hat um fo eher gefchehen koͤnnen, da, wie nun⸗ 
mehro zuverlaͤßig ausgefunden worden, Nova Zembla vers 
mittelſt eines Iſthmi an der Oſtſeiten bey Zucfiug des Oby 
mi: Spberien zuſammenhaͤnget. Siehe Strahlenbergs Nord⸗ 
und Oſttheil von Europa ꝛc. in der Einleit. pag. 17. v 


284 Race. von Grin: u. beer Straats Davis. DR 


art finde % Die Nifovier Tungufi i haben Ruder mit ig 


einem Blat auf iedweder End, nehen auch ihre Gefichter 


mit Figuren durch wie die Grönländer *, Der Herr Baz 
ron von Paͤlmberg / der als Königlich Schwediſcher Gou⸗ 


verneur von Finnland geſtorben, hat mir erzehlet/ daß 
als zu Anfang des lezten Krieges die Rußen in Lefland 


ee und auch ſein Kirchdorf gepluͤndert, dieſelbe 
von dergleichen Tartaren bey ſich gehabt, die ſeinen Pre⸗ 
diger, einen jungen Mann und wohl bey Leibe, ſo bald 
ſie denſelben erblicket, ergriffen, zur Erden geworfen, 
hm an etlichen Orten des Leibes Wunden geſchnitten, 


und daraus das Blut wie Tygerthiere geſogen. Wel⸗ 


ches andern der Zeit mehr begegnet. Ein ſolch un⸗ 
menſchliches Verfahren mit einem daͤniſchen Matroſen 
habe ich vorhin von den wilden Groͤnlaͤndern erzehlet. 
Es wuͤrden ſich auch dergleichen Spuren bey weitern 
Nachſehen noch mehr finden. Ich uͤberlaſſe aber 
u andern, die mehrere Muße dazu haben, 
und eile zum 


E N D E. 


a Siehe de Bruyn Reizen over Mofcou dc. Ge 11 & 
Ysbrand Ides Reize cap 19 p. 16. 


* Ysbrand Ides c. I. p. 37 ſed. 


. 


ing. 


DICTIONARIOLVM. 


NB. Die Accetite, welche über die Iblaͤndiſchen Wörter und ſon⸗ 


derlich Confonantes geſetzt zu werden pflegen, hat man bie 
in Ermangelung dergleichen Schrift mwesgelaffen. ber 


NO MIN A. 
Cap. 1 de Deo. 
Gud, Gott, Gud. 


Gud Auguttå. 
Guds Sohn Gottes Sohn 4 
Gudib Nianga. ) 
Der Erlöfer, Sornickfach. 
Gut den Hellig Hand, Gott 
der Heilige Gift, 8 
- Anarsah, i. e. Gottes Athem, 


man hat kein ander Wort 
Sk ‚geifüges Weſen anzu⸗ 


ten. 
ee der Schöpfer, Se- 


narſoe. 


Skabninz, die Schepfung, 


Senach. 

Herren, der Herr, Nalle- 
garsnach. 

Prieſter, Pelleſte. 

Engel, Engelip. 

Teufel, Longarsnc. 


Cap. 2 de Mundo. 


1 der Himmel p Kil- 


lach. 
Jorden, die Erde, Nina; 
Soelen, die Sonne, Sacka- 
nach. 


Soeiskin, Sonnenſchein, SÅ 


- éhanacpoé: 


Soelen gaer nede, die Son⸗ 


ne gehet unter, Sackenag 
tarripoch. 


Soelen gaer op, die Sonn 
Gud Fader, Gott der Vater, 5 


gehet auf, Nuioch. 
Maane, der Mond, Kaumeh. 
Stierne, Sterne, Ulloiach. 
Lyß Dag, licht oder Tag, 
Kavoch. 
Der Tag, Ullach, ingfeichen 
Ulluit. 
Morckit, finfter, Taack. 
Watt, Nacht, Unnuach, 


Cap. 3 de Igne. 

Ild, das Feuer, Ignach. 

Tniſt, Funcken, Ignicfer. 

Ildſtern „Feuerſtem, Ignec⸗ 
it 

En kampe, Lampe, Kollech. 

Rogen, der Rauch, 1882 five 
Iſleck. 

Utſchluchtkull, ausgelsſchte 
Kohlen, die ſich wieder an⸗ 
zuͤnden laſſen, Auma. 

Aske, Aſche, Ackla. 


Cap: 4 de Adre, 
Luffe, - Silla. 


Skyer, Volden, Nüja. 
Klar Lufft, Allacknach. 


Bind, Wind, Annoe, 


Få 


0 225 


Cab. 


{ 


å 


[ 


286 


Cap. s de Aqua. 
Band, Waſſer Imack. 
Bech, Bach, Koveitſiach. 


Elfv, Fluß Kock. 
1er Meer, Imach tara» 


Strom, Strom, Sarbach. 
Bolge, Welle, Malıch, Ingu- 


lich, 
Blog; Fluth, Uglipeck, es 
Fluth. 
Bi € „Ebbe, Dinipoch, es 
if Ebbe. 
En Liig Jawieg Sinus Kan- 
gertluck. 
Oe „Inſul, Kickertach. 
Sund, Straſſe, Tunnua. 
Eiyer, Edjåren „ Iekarloch, 


Cap. 6 Nubes. 
Skyer, Wolcken, Nüje. 
Damp ſ. Taage, Nebel, Pyoch. 
Mean, Regen, Skielluch. 
Det requer, es regnet, Skiel- 

lupoch. 
Hagel, Netakornet. 
En 25 „ Aput, five 


eu 5 ſtarcker Froſt, 


dae, Tropfen, Gute. 
= Farmeck, [Sicko. 
Torden, Donner, Kållach. 


Cap. 7 de de 
Jord, f. Muld, Erde, Ipſo⸗ 
uch, 

Bierge, Berge, Kaekarsnach. 
Hoͤge, Hoͤhe, Hügel, Ka- 


cCkat. 


Siet Mark, ſchlecht Land, 


Anhang. 
f. Eben Sand’, achte 


ſinch. 


"Eng, £ Greß, eine Wieſe, 


Iquit 
Sand, Sand, Sickait | 
Mole, Mooß, Oryt. 
Ertz, Metal Ignach. i 
Steene, Steine, Ujackket. 


Blyer eller Tinn, Bley oder 


Zinn, Ackerlocli FE 
Jern, Eıfn, Sauvich. 


Naaber, 1 Meß, g, Kupfer 


oder Meßing Kangiſachl. 
Vetteſteen, Wetzſtein, Silich. 
Talg! een, Talckſein, Ukafi- 

fach, 
Skiell Muſchel, 

Concha, Uilloch. 
Kroig Solfr, - Kiblekujach. 


( ap. 8 Arbores et Terræ 


fructus. | 

Tran, 1 5 ue Holtz, £ 
Wald, G pich . | b É | 
Rod, Wurkel, “= Socleit. 


Blade, f. Loͤfb, 
Laub, Pilloch. 


abgehauen Holtz, Kefuk, 
Herpix, Haartz, Kutſoik. 
Enebaͤr 
avallakajarſet. 
Lyng, Paunakarſit. 


Muſchel, 


Blat oder 
Af huygen Traͤer, f. Stoch. 


traͤe, Wacholder. | 


Blaa. Bäre , Heidelbeeren, 


Kiutarnget, 


Kräche Bär, eine Art fer war⸗ 


der eee Pog- 
nech 

Tyllte Baͤr, eine Art bald als 
Johannisbeeren, Kingur« 

En, 

SMulie Bår, eine Art Brom⸗ 
melbeeren, Oklorneh 


Qvaun, ; | 


2 45 
W z 


| 


| baun; Angelica⸗Wurtzel, 


Quaun. 


Cap. 9 Animalia. 
Et Diur, ein Thier, Nerfüt. 
G Reenthier, Tuck- 


Bid „Baͤaͤr, Nennoch. 
Refo, Fuchs, Kakaka. 
Haare, Haſe, Ukallich. 
Enhoͤrn, Eichhorn, Tuach. 
En Hund, Hund, Kimmech, 


Cap. 10 de Abus. 

Fugell, Vogel, Tingmiach, 
Fetch. 

Vinger, Slügel, Sulluit, 
Eg, Ey, Mennich, | 
Unge, ein Junges, Piarach. 
Ryxe, Schneehuhn, Akeirſit. 
Rafon, Rabe, Tulluach. 
Oern, Adler, Necheosrlich, 


Sale, ‚ Sale, Kickfoiarfu- 


Gaas, Gans, Nerlech. 

Anden, Endfe, Kachletong. 

Maage, eine eve, Naviat. 

Lomme, f. Lumbe, Apa. 

Zrifte, - Sarbach. 

Eeder Fugel, Eider Endte, 
Mevelech. 

Orm, i. e. Mach Wurm, Ko- 


perloch. 
Loppe, Floh, Pillectach. 
Luus, Laus, Komach. 
I DØ, Mücke, Ipperget, 


Cap. U de Pifcibus, 
Fiſck, Fiſch, Nechpia, Au- 


hfaüker. 


Valfiſck, Wallfiſch ı Arbach. 


ADELS. 1 


287 
Hoahffiſch Varder, Walfiſch 
Baarten, Sokach, Cache? 
lotte: Kiotelic. 
Lap Ekalac. | 
FB, Dorſch, . Kabblaw] 
Ovach, Sa lich. 
Ulcke, Knorrhan, Kanaifoch! 
a } Plateiſſe , Oköe- 
tach. 


Quvete, Qveite, Hellutt, Ne- 


taenach. 


| Ren Robbe, Seehund 


Rebel PN Sullupatiket, 
Rogekald, - Nepiſet. | 
Steen, Bud, 


Steins Beiſ⸗ 
ſer, "Kimilich, | | 


| ee 12 Homo ejusque® 


| Membra. 
Et Mſke, ein Menſch, Innuti 
Et lider Barn, ein klein Linde 
Mecklitungut, ſ. Nan 
anguach. 
Ung Senf on, firhge Perſon 
1 


Gammel Mand, alte Mann; 
Utockach. 

Pige Barn ein Kind, weib⸗ 
lichen Geſchlechts, Nivi⸗ 
achſach. i 

Pige, Magd, Niviachfeifia, 

Qvinde, Frau, Agna, five 
Kona. 

Gammel Qvinde, alte Frau, 
Agna Koschfeikia. 


Membra be 
Hofvet, Haupt, Niackoä, 


Foͤbder, Süffe „Niuch. 
Hals, Eongeſia, 


che, 


288 
Achſell, T Schulder Tuvich, 
Strube Kähle, Iggerä. 
Nache, Nacke, Tunnuſos. 
Bryſt, Bruſt, Eckfarroä. 
ng, Rude , Kulleg. 
Broͤſt, Bruſt, Mamma', 
Ivuienga. 
Broͤſt, Vorter, 1 Warzen, 3ie 
zen, Millox. 
Bug, Bauch, Naiſact. 
me Nabel, Kallitzia. 
Bludhell, IR 
em „ - “Tallich. | 
Albue, Ellnbogen, Ickufiä. 
Side, Seite, Tullimaot. 
Haand, Hand, Akfeit. 
Hoͤgre Hand 1 rechter Hand, 
Fallicpia. 
Venſtre Hand, lincke Hand i 
Saumia. 


Hoffte, Hoͤffte, Sibbia. 


Usa. 150 


Rumpe, Hindern, Nulloch. 
1 ſ. Skinchel, Bein, Ka- 


Laar, dicke Bein, Oppetich. 
Rnåe, Knie, Sæckoæ. 
Auchler, Enckel, Tinumusoa. 
Haͤll, Ferſe, Kimmz. 
Fuß, Iſickaka. 
Foedſoele, Fußſohle, Ar 
tugne. 
Foedblad , agei. 
Taͤer, Zaͤhen, Ingoei. 
Stor Taer, groſſer åer, 
5 Puttoa. 
Under Haͤlen, Unter» Hacke, 
Magnei. 
Hofvet Haar, Haupthaar, 
Nuckietcka. 
Oern, Ohr, Siuta. 
Anſicht, Angeſicht, Kinag. 
Pande, Stirn, Kavoæ. 
Hege, Auge 0 Lelich. 


Anhang; 


Oege Steen, 7 Augapfel Kim 
mera 

Oegen Laage, Yugenlieder, 
Ifanamiå, « ; 

Denen bryne, Augenbraunen, 

ubtuæ. 


Naͤſſe 7 Naſe, / King, 7 auch 


Kingera. 


Mund, Kaner. 


Kinder, „Backen, Ulluæ. 


9 Hage, Kinn, Ib 


Läber, Lefzen, Karloch. 
Tunge, Zunge, Ockä. 
Tand; Zahn, Kiutich. 
Naͤfde, Fauſt, Erechpel. Tan 
Flad Haand, flache Hand, 
tumä. 
Lofve, Hoͤhle in der Hand, 
Kapſuri. 


Finger, Akſeit, five Ticka« f 


been, Gelende , Naukufikå, 
Mågell, Naͤgel, Kuckich. 
Legeme, Leichnam, Tim. 
Hud, die Haut, Amiag. 
Kiod⸗ Fleiſch, Neka. 


| Been, Bein, five dran, 


Saunga. 
n eingewide, Inne=" 
O 
Hierne, Gehirn „ Karachså. 
Hierte, Herz, Umaträ. 


Bug, Bauch, Naiſact. 


Mafve, Magen, Na. 

Laͤfver, Leber, Tinn oz. 

1 Blaſe, beriet, 
Br 

Piß, Koch, f. RN 1 

Bloed, Blut, Auck BOLDE 

a Ruͤckgrath, Kuie 


pPickak | 


Rifobeen. 


| > Anhang. 


Rifvobeen, — Tullimeiſika. 
Siaͤlen, die Seele, Tagneit. 


Cap. 13. de variis Supel- 
lectilibus &. Veſtibus. 
Fiſke Redffab, Fiſchgeraͤthe } 


Auliſaut. 

Angell, - Karlüf. 

Garn, Netz, Kachſutich. 

Alles Geraͤthe, was zur Fi⸗ 
ſcherey und Schiffahrt ge⸗ 
braucht wird, heiſſet mit 
einem Worte: Puſenut. 

Baad, Both, Umiach. 

Bue, Bogen, Peſikſe. 

Piel, Pfeil, Kachſuth. 

Boͤrſe, Aulemich. 

Gryde, Grapen, Ufut. 

Blachkidel, Blechenkefftl Ki- 
bliſoch. 

Oele, Bier, Karjutich, 


Traͤ Bach, hoͤltzerne Schäf 


ſel, Pogetach. 
Stie, Allaxich. 
Sende, Tonne, Neppathit. 
Stoel . Bench, Stul oder 
Banck, Iſiatach. 
re Kanne, Emunge- 


Glas Kaumerfoit. 
Sar, Scheere, Keijutich. 
ba | Nehenadel, Me- 


| a Naabl, Spel⸗ Nadel, 
Kuckelich, 
Sye Aung, Nehering, Tecke- 
. riack 
| Kiortel, Rock, Annoach. 
En Skind Kiortel, ledern 
Rock, Kappiteich. å 
Buxer, Hoſen, Karlich. 
Knapper, Knöpfe, Nautich. 


— 


Hammer, 


289 
1 0 0 ‚ Strümpfe, Aleke= 


lc 


ud Handſchue, Acka- 


tich 


Hufve, Haube, Neflach. 


Traad, Drat, Fadem, Acktu- 


cnarach. 


Skoe, Schue, Iſiamach. 


Stöffler, Stiefeln, Kamich, 


Cap.14 de partibus Domus. 
Boelig Platz, baulicher Platz, 


Inna. 
Huus, Haus, Igloé. 
Zelt, Gezelt, Tappech. 
Dor, Thure, Mattua. 


Noͤgell, Schluͤſſel, e AD 


ſaut. 
Guͤlff, Pflaſter, Nettach. 
Vindue, Fenſter, Iggelach. 
Loͤfft, Soͤller, Kalliah. 
Sper, Geſperre, Sparren, 
Pupelichk ” 

Oexe, 55 Beil, Aglimaut, 
Rafver, : Roͤr⸗ Vohre ; Keib- 
‚lorach T Ketula. Å 

Sag, Såge, Plechtut. 


Bord, Boort, Seitiliach, 
Oefve, Ofen, Kirfarbiah. 


Cap. 15 Faber ferrarius. 


Smed, Schmied, Sabbioch, 

Bloͤſe Balg, Blaſebalg, Sab- 
bichfåb. ; 

Kautach. 

Spitzor, Eiſenbolzen, Kikiach, 

Fiil, Seile, Ajomich, 

Jern, Eifen, Sauvich. 


Cap. 16 de Itinere et Na- 
vigatione. 


‚Bey, Weg, Ackufinak. 


Reyſe » Kammooch - 
2 Staf, 


290 
Staf, Stock, Ajadüpia. | 
En Baad, Both, Chaloupe, 


Uma, 


En liden Baaf, fleines Bote | 


chen, Kaja 
Ein otofes Weiberbo , Ku- 
nikaijah. , 
Skib, Schiff, Ummiachfuach. 
Seigl, Seegel, Dingerlaut. 
Maſter, Maſten, Napparaut. 
Karer, Riemen, Pautich, 
Styrr, Ruder, Akkota. 
Tofv, Aklunach. 


Rae, Rahn (. Segelſtange, 


Sennerüta. 


Slg Flagge, Stügel, Ar- 


bolifa. 


Cap. 17 Seriptoria. 
Bog, Buch, Eructoeroch. . 
Machperſech, Aglecket, 
Schrift. 
Pen, Feder, Suluch. 
Tungemaal, Sprache, Okafe, 


Cap. 18 Confanguinitas. 
Stel fab, Verwandſchaft, 


Fader, Vater Attäta, An- 
i gütta. - 
Moeder, Mutter, Agnah, ſ. 
Okooch. nA. 
Fruchtſommelig Qvinde Nar- 
Fee 
Soͤn, Sohn, Nianga, Ernerk. 
Dotter, Tochter, Pannia. 
Schwieger ⸗Vater, Seckia. 
Fader Broeder, Vater⸗Bru⸗ 
ö der, Aka. 
Broder, Broeder, der åltefte, 
e e 


Kiobmanſkab, 


"2lnbang: 


Broder, Broeder, der singe, Ä 


S Schweſter, Noys. | 
Soͤßkind, Schweſterkind Kal- 
langei. | 
Born, Kind, Kittongei. 
Foraͤldern, Voraͤltern, Ange · 


jokait. 


Luudebarn, Kindeskinder, Nal- 


luvianguach. 
Herre, Herr, Nallegach. 
Tiener, Diener, Kibga. 


Cap. 19 Mercatura, varia. 


Kaufmann⸗ 
ſchaft, Neokitichſach. 
Speill, Spiegel, Taractoch. 

Perler, Perlen, Sappäne. | 
Kiſte, Kaſten, Itlabich. 
Kaardekling, Degenklinge, 
Pennamich. i 
Knifo, Meſſer, Ingelich, Sa- 
nich. | 


En i Schale, Poye- 
ef kafvjern, 


Schabeeiſen. 
Uglemich. 
Puppetoͤge, Puppenwerck, 
Pinſemich. 


Et⸗Menſkebillede, Menſchen⸗ 
Bilder, Innuerach. 

Et malet Billede, gemahltes 
Bild, Aftiliach. 


Nomina Adjediva.. 


En ander, ein anderer, Aipå; 
Altformeget, almächtig, Kait. 
Alle og Enghver, alle und 

iede, Tomarmic. VAR 
Beedſkna, better? Sernekau. 
Blind, blind, Tackpeiſoch. 
Bludferdig, Jachzornig, I. 


totoch. 1 
Bedröfe 


Anhang. 


Bedroͤfvet, betruͤbt, Alliuſa- 
toch. 

Dum, Taus, dumm, Okai⸗ 
ſoch. 

Difo, taub, Tuffiliaactoh. 

Elendig, elend, Piara. 

Fiendſk, feind / Kigagnakau. 


Fremmet, fromm, Kablu- 
niach. 

Feed, fett, Poellekäu. 

Faae, wenige, Ikkekau. 

Fuld, voll, UIlikartoeh. 

Furchtſammlig furchtſam, 
Nartuſoch. 

Forſtandig, verſtaͤndig, Silla ⸗ 
kaetoch. | 

Gammell, alt, Innekoakau. 


Glad, froͤlich, Tappactoch, 

Hvid, weiß, Kakoctut. 

Hoye, hoch, Teckekau. 

Halt, lahm, Sebbütſach. 

Haard, hart, Magnars 

Heslig, heßlich, Pinneitfor- 
ſuach. 

Hungrig, ⸗ Kalikad. 

Halfvdelen, halb, Tlå, 

Hvorſtor, wie groß, Kunhöch 

angitiſoch. 

Haͤs, Kagnamaſoch. 

Daftig, geſchwinde, Tuevio- 
au 

Hvaß, ujefon, uneben, Man- 
neekau. 

Hvordan, Kannoctoch. 

a age wie viel j Kap- 

fevic. | 


Sa ſkarp, ſcharf, Sppic- 


. 

Hoprſomhelt, Samé. 

Jefva, ſchlet, ſchlecht, eben, 
'Mennipäh, ſ. Mennipoch. 
Idelig, ieglich, Ipfalioch. 

Klar, klar, Kaamerfoch: 


291 


Krum, boyet, krum, gebogen, 


Nivingarſoch. 
Karrig, karg, geitzig, Erlig- 
tougoach. 
Kort, kurtz, Neakat, 
Konſtig, kuͤnſtig Angekoch, 
Kloeg, klug, Sillackactoch. 
Lad, faul, Tigach. 
Lanpſom, langſam, Tuevekäu! 
Lang, lang, Teckekau. 
Lang der fra, weit davon, 
Ungeſekau. 
Liden, klein, Mickerfunguach. 
Led, leicht, Okichpoc. 
Loynagtig⸗ luͤgenhaftig, Sei- 
glotorſuach. 
Mager, mager, Sellokau. 
1 mittelmäßig, Kaftile« 


— 


Meld, milde, zart, a 


Nyn, neu, Nuteiſiach. 


Naͤr, ved, nahe bey, Sanniane, 


Nogle, einige, Illei. 
Ofventill, oben zu Povane. 


Ofverflidig uͤberfluͤßig, Amar⸗ ; 


leken. 
Som er Magentil, Illactut; 
Raadt, Okangitoch. 


Rund gafve meld, Erlitou⸗ 


gilach. 
Rig, reich, Piſſæckichſor- 


uach. 


Rod, roth, Aud ned. 


Saa mange, ſo manche, Ima⸗ 
nenich. 


Salt, ſaltzig, Tarcoch. 


Snefve, Trang, gedrange, 


enge, Tettopa. 
Skaldet, Nya Kangifoch, 
Sterch, ſtark, Nekoakau. 
Slibrig, Schlipferich, Koaſ⸗ 
fekanı. 
Sod, füße, Tirugafnukakanı. 
Uhvaß, ſtumpf, Ipkekan. 
T 2 Saa 


Anhang. 


KR 


292 | 
Saa 155 ſo groß, Taima Numeralia. 
angitiſoch. 1. Atrauſe Bi 
Sfarp, hvaß, ſcharf, Ip- 2. Marluc. EN 

i 3. Pingafut. 


Ekioͤn, ſchoͤn, Pingakau. 
Saadan, folder, Emaitoch. 
Skalchegtig, ſchalckhaftig, 
Akpalingnach, n'naſfuach. 
Trett, zaͤnkiſch, ſtreitig, Kal⸗ 
ſekau. „ i 
Tor, vuͤrre, Pennakau. 
maakau. 
Tom, lår, ledig, Nungatach. 
Tynd Smaall, duͤnne, ſchmahl, 
Saakauu. , 
Toͤrſtig, durflig, Immerekau, 
Üblue, unverſchaͤmt, Ikton- 
gilach. 
Ung, jung, Innufutoch. 
Vittig, witzig, Sillakactoch. 
Uvittig, unwitzig, Sillakan- 
gilllach. É 
Bred, fortornet, boͤſe, zornig, 
Ningaetoch. g 


Adverbia. 
Ja Ap, illam. 
Ney, nein, Nagge. 


Ja faa, ja fürwahr, Songong. 


Pronomina. 


Jeg, Ich, Uanga, 

Du, + Ibbli. 

Hand, er, Una, Ubba, Tauna. 
Vi, wir, Uagat. 

J ihr, Ulipfe. 
De, dem, ſie, Ocko, 
Det, es, Macko. 
Noget, iemand, le. 


tauko. 


4. Siſſimar. 

5. Tellimath. 

6. Arboner. 7 RE 
h 7. Arlech, ſ. Arbonec mar- 


luc. j 
8. Arbonec, pingaſut. 
9. Kollinilloet, | 


10. Kollith. 


11. Arkanget. 
12. Arkanget marluc. 


13. Arkanget pingaſut. 


14. Arkanget ſiſſimat. 
15. Arkanget tellima 
16. Arbaſanget. j 
17. Arb. marluc. 
18. Arb. pingaſut. 
19. Arb. ſiſſimat. 

20. Arb. tellimat. 

21. Ugna. | 


„ Verb,, 


Aabner, eröfnen, Matuerpoc. 


NB tertia perſona. 
Aander, ahnden, Anakfato= 


Poc 0, 4 
Achter, erachten, vermeinen, 


Nallecpoch. | 
Adlyder, num, gehorſam 2 In- 
ertipoch 
Aelder, Nerrioch. 
Aeldis, Innokoellopoch. 
Afbroͤder, abbrennen, Opa. 


Afbryder, abbruͤhen, Nappua, 


Affüler, abſuchen Piglaytopa. 


Afhugger, abhacken, Kippua. 


Afkratzer, abfragen, Killiac- 


topoch. 3 2 | 
Afskiller, abſchaͤhlen „Auvi- . 


capoch. | 4 
| | Antender, 


N 
I i — 


ER 


Antender, anzünden, Eki- 
-ckakpä. 

Arbeyder, arbeiten, Senoå. . 

fart rdl begehren, Piomo- 

Och. N N 


B. 


Baͤfver, beben, Seiucpoc. 

Bärer, heben, tragen, Tyn- 
racpoch. Å 

Bange våre, bange werden, 
Eiſikanga. 

Bärud, austragen, Annicpä. 

Bancher, klopfen an die Thuͤr, 
Kaupach. 

Bedecher, bedecken, Mattuäh. 

Beder f. befaller „gebieten, 
befehlen, Ineppå. 

Beder, inderlig, Inchfiapoe. 


Bedroͤfver En, iemand betruͤ. 


ben, Aliufapå. 
Bekommer, bekommen, Pyå. 


Beleer En, einen beleidigen, | 


Iglugtigå - 

Berdmwer, berühmen, Ofod- 
ropech. 

Beſeer, befehen. Irfigå. 

Befi kirrmer, beſchirmen, Sar- 
nia 


. beſchuldigen, Paf- 


deföger, befuchen, Tickera- 


poch. 


Beete, beſpeyen, Kiſſa- 


Betaler, bezahlen, Akkiller- 
och. 


Büder, biethen, Kæeckå. 
Bier efter, nach etwas war⸗ 
ten, Ucåekya. 


Binder, binden, Killarchſo- 


poch. 
Bläser, blaſen Salluapoch.. 
Slüder, gid or, mild, erfreuen, 
Imangecpoch. 5 


203 


Blifver, feed fet werden, 
Puellopoch. 

Blifver warm, warm wer⸗ 
den, Kiſſalapoch. 

Blifver kaald, kalt werden, 
Kiaglagpoch. 

Blifver vreed, boͤſe werden, 
Ningapoch. 

Bloͤder, bluten, Meitſapoch. 

Bluis ved, ſich woruͤber ſchaͤ⸗ 
men, Iktöpoch. | 

Boyer, biegen, Niuktipoch. 

Borigaar, forigehen, Aula- 
poch. 

Braͤnder, brennen, Opz. 

Bruge, brauchen, Attopa. 

Bryderaf En abbrechen, Nap- 


puå. 


Bryder ned, „ 


Perpå. 
Bytter, beißen, Tauforpå. 


„ RN 
Gicckler, abeirckeln, Kapiropä, 


D. 
Dagis, es wird Tag, Kaula- 
poch. 
Danzer, tanzen, Ketichpoch. 
Dier, gedeyhen, Mellupoch 
Doͤer, toͤdten, Tokolechpoc. 
Drager Aanden, reſpiriren, 
Athem holen, Analatoch- 
kimacpa. 
Dragerfra, wegtragen, Au- 
lapoch. 
Drager ſkoeaf, die Schue ab» 
tragen, Kamillapoch. 
Dråber, treffen, Tockopa. 
Dricher, drucken, Imacpoch, 
Drifver hen, hintreiben, A- 


jactapoch. 
Drømmer, traͤumen, sini. 
topoch. 
T 3 Dip 


294 
Dry ber, tropfeln und viel 
leicht treiben, e Guf- 
ſillapoch. RR 
a DP SEEN 
Eff. erfelgel, nachfolgen, Ma- 


licpå. , 


Ener ‚zueignen , 10 eigen zu 


gehoͤren, Piz. 
Elsker, lieben, Negliboch. 
Elsker igien, wieder lieben, 
Ackingacpaà. 
Ender, endigen, Navopoch. 
Er bange, bange feyn, Eifikä. 
Er glad, froͤlich ſeyn, Tap- 
pacpoch. 
Er god for, es iſt gut davor, 
Aktungila. 
Er heed, es ift heiß, Onakau. 
Er haͤuͤd, es ift weiß, Kakoc- 


Och. 
Er hofben, Pallacpoch. 
Er iche til ſtede, nicht zur 
Stelle ſeyn, Maningila. 
Er kraftsloͤs, kraftlos ſeyn, 
Nukakangilach. 

Er karsk, geſund ſeyn, To- 
kongilachpoch. 

Er ſiuch, kranck ſeyn, Ne- 

achfimaroch. 

Er ffiden , ſchmutzig ſeyn, 
Apperchpoé. 

Er ſkinnende, durchſcheinend 
ſeyn, Kiblaripoch. 

Er ſtolt, ſtoltz ſeyn, Makita- 
VOehn. 


Ertilbage, zuruͤck ſeyn, Unic- 
pac 
Er Ae e ſeyn, 


Manepoch. 
Er tid), dick ſeyu, Ipfokau. 
Er tom, dumm feyn, Nun- 
Supock. 


Anhang. 
Er ar weiſe ſeyn, Sillakas 


poch. | 
Er 9 55 aus ſeyn . Sillame- 


och. 
En 0 jung ſeyn, bun 


toch. 


F e 
Fader, bekommen, Pyå. 


Faaer mad, effen kriegen, Ma⸗ 


matopoch. 
Faarmed giochwo, 
poch. | 5 
Farer vild, irren, Tamapoch. 
Faͤſter, befeſtigen, IVertippz. 
Falder, fallen, Orlooch. 
Falder ned, niederfallen, Ne- 
: ckapoch, 
Farfver, färben, Aglepoch. ; 
Huller, feilen, Ajupoch. 
Fisker, ſiſchen, Auliſarpoch, 
Amoupoch. 
Flyder, fließen, Pu&tavoch. 
Flyer, falten, kerne 
Flyfver, Tingooch. 

Foͤder til Verden 6 zur Welt 
gebaͤhren, Ernyoch. HVK 
Fålger med, mit folgen, A- 
para. 

Fler foͤhlen, Mifiga. 
Foͤrderfver, verderben, Affe- 
. rolecpä. 


Foraͤrer, verehren j ſchenken, 

| ynia. 

Fuden betaling, ohne Bezah⸗ 
lung, Ackikangifoch. 

Forkynder, verkuͤndigen, Oka - 

kriactopoch. 

Forloerer, verlieren, Tama= 

poch. 

Forlengis efter, wernach ver⸗ 
langen, Nerriapoch. 


Mittä« 


Fornem⸗ 


Anhang. 


Fornemmer, vernehmen, Ta- 
' uchſachpa. 


Forſeer mig, ſich vorſehen, 


Tamakaunga. 

Sorffrecher, erſchrecken, Ta- 
pecſarpà. 

Forſtrechis erſchreckt werden, 
Aunilapoch. 

Sorfüger, verſuchen, 80 


pe 

Forteller, erzehlen, rer 
poc. 

Fortoͤrner en, einen erzuͤrnen, 

Nugacsſapoa. 

Fortoͤrnis paa, worauf zor⸗ 
nig werden, Kingagnakau. 

Fortryder, verdrießen, Pekit- 
fimooch. 

Forvarer „bewahren, To- 
oppå, 

Fratager, wegnehmen, Appz. 

Orte bohren? " Aperch- 
fopå. ; 


G. 
Gaar, gehen, Piſſapoch. 
Gaar bert weggehen, Aula- 
poch. 
Gaar forbi, vorbey gehen, 


Kangipoch. 


Gaar iſkiull, heimlich gehen, 


Taripoch. 
Gaar BA, eingehen, Iar- 


Poc 

Giemmer, behalten, bewah⸗ 
ren, Manopa. . 

Gientager, wegnehmen, U- 
tectipa. 

Gietter, giſſen, vermuthen, 

opparä. 

19015 geben, Tynia. 
Gifver age paa, Acht wor 
auf geben, Nacllacpoch. 


295 


Gifver glanz, Glantz von ſich 
geben, Kiblaripoch. 

Gifver liud fra fig, Laut von 
ich geben, Syanapoch. 
Gifver Nafvn, Nahm geben, 

Aitſapoch. j 
Gioͤr machen, thun, Senoå, 
Gioͤr ſkade, Schaden thun, 

Petlecä. 

Gioͤr Ende paa, ein Ende 
machen, Navoch. 
Gioͤr hvatz, ſcharf machen, 

Epickfapä. 

Gioͤr fit behofv feine Noth⸗ 
durft thun, Annolapoch. 
Gieſper, ſchnallen, zuſchnal⸗ 

len, Ekichſapoch. 
Sr, glänzen, Kiblari« 


Glatter, glatt machen, Ma- 
nicſarpa. 

Glaͤdis, erfreut werden, Sac; 
mapoch. 

Glemmer, vergeſſen, 


poch. 
Gnafver, gnabbeln, beiſſen, 
Mangipoch. 
Gnider, reiben, Aggiapoch. 
Graͤder, weinen, Kiavoch. 
Griner, greinen, lachen, Sis 
ckongapoch. | 


H. 


Haͤdrer, hadern, Nallacpoch. 

Hafver i Eye, ein Eigenthum 
haben, Pekarpoch. 

Hafver lyſt till, Luſt wozu 
haben, Fer kusk um 

Halter, halten, Sibbipoch. 

Hendrifver, hintreiben, A- 
jackopoch. 

Henger op, aufhängen, In- 


nioc 
Henter 


Pui- 


2 4 


. 
Henter till, herhohlen, Avis. 


Hielper, helfen, Kilo. 
| ee aufhalten, Sora- 


Se ‚hüpfen, Naingila- 
poch. ' | 

Hörer, hoͤren, Tuffachpä. 
Hoeſter, huſten, Kueſſopoch. 
Hugger af, abhauen, Kippuå. 
Hunger, hungern, Kalekau- 


poc 9 
Hueßvaler, answehlen, Iman- 
age : 


I. 


Igientager, wieder nehmen, 


Ütertipä. 
Ihielflaer, todtſchlagen, To- 


cCkopà. 


Judlacher, einſchlieſſen, Ier- 


tipä. 
diebe, inwickeln, ah 


K. 

Kiaͤdis ved, Erkeiafupoch, 
Kalder, rufen, Toeklecpä, 
Kalder ind, . Ifler- 

ko2. - 

Kand, koͤnnen, Ajungilach. 
Kand iche, nicht koͤnnen, Aja- 
poch, 


Kaſter bort wegwerfen, Egig- 


„„ | 
Kiemmer, kemmen, Hlaju- 
och. 
Kiender, kennen, Iliferå. 
Kioͤber, kaufen, Niverracfo: 
poch. 
Klaaer, Kunichpoch. 
Kloͤfver, fpalten, Koppui. 


juapoch. 


Knytter, ſrucken, Kellerfops, 


Anhang W 


Koger, kochen ener. 
poch Igavoch. 
1 kommen, Aguc- 


och, 
8 for Biufet, vors acht 
kommen, Nucoch. 


Kommer igien, wieder kom⸗ 


men, Tickipoch. 


Kommer tilbage, zurüchfome > \ 


men, Utschpoc. a 
Kiedis ved, eker Häpoch- 
Kratzer, kratzen, Killiactopoc. 
Kyſſer, kuͤſſen, Kunichpoch. 

id eſt Luchter, riechen. 
NB. die bey den Groͤnlaͤndern 


kuͤſſen, ſtecken die Naſen 


zuſammen. 


a bb. Anal! 
Lader af, aͤblaſſen, Sorapoch. 
Lad ſee, laß ſehen, Attagog. 


Lader ſom, es ſcheint, es 5 


ſet, Mittapoch. 


Laͤger, medicari, heilen, curi⸗ 


ren, Kaitſapoch. 
Leeder efter, Ujarpoch. 
Leer, lachen, Iglapoch. 
Laͤrer, lehren, Ajakorſopà. 
Legger her, hinlegen, Elija. \ 
Legger mig ned, mich nieder⸗ 
legen, Irmachpoch, 


7 
* z * 7 
L. å j 


. 


Lengis effter, wornach ver⸗ 1 


langen, Neniopoch. 
Licher, Alluctapoch. 


Ligger, liegen, onen nr 


Liufver, Seilokau, 
Løber, laufen, Akpapoch. 


Løber am kring, rund laufen, 


Kavipoch. 


Loͤber bort, weglaufen, Ki- 4 
Klyfver 115 aufbleben „ DE | 9 
Loͤfter, geloben, sagen, ? Ki N 


1 00 


vichpa. å 


55 


Anhang. 


eoͤſer op, aufloͤſen, Killeru⸗ 


tapå. 


. Bucher till zuſchlieſſen, Ma- 


Sejle op, auffchlieffen, Mat- 
tuacp EB 
Lyder. ul j zuhoͤren, Nallac- 


N 


M. 


Mangler, mangeln, P 
gila. 

Meener, meinen, Wang ed 

Mindis, Miſſia. 

Mindſker, Michliopoch. _ 

Mißhager, mißfallen , Nar- 
roah, 

Miſter, miſſen, Tamapoch. 

Moͤder oder moͤthen, aufhal⸗ 
ten, Pahlapoch. 

Moͤrckner, dunkel machen, 
Taapech. 

| DOREEN Kama. 
ö 


Pekan- 


N. 
Naaer, , nähen, annähern, 
Innungila. el 
Naͤfvner, nennen, Aitfei- 


poch. 
Nekafker, nieberiverfen, Ne- 
ckactipà. 
Nedſiunger, Kivioch. 
Nyſer, nieſen, Tarripoch. 


0. 

Obne, oͤfnen, Mattuerpä. 

- Dfverfiytter, hinüber siehen, 
-Ufiachpä, | 

| Ofbervinder en, einen uͤber⸗ 
winden, Actung Ha. 

Opfylder, auffüllen Uglikar- 
poet. . 


297 


Opkaſter af Mafven, auf. 
ſtaffiren, Narriacpoch. 

Oploͤffter, aufheben, Kanac⸗ 
tapoc. - 

diefe, aufſoſen, Killamk- 
ſap och. 

Splichen, aufſchlieſſen, Ma- 
cuachpä. | 


3 anzuͤnden, Ekich- 


Broder. anfmachen , Ei- 
terchpoch. 
Opvacher, aufwecken, Tin 


‚pachpä 


å 8 aufmachen 1 Ag- 


lioch 
A 


P. 


Paakalder, zurufen, Tanch- 
ſachpà, Toclecpa. 
Paa oͤßer, zugießen, Koya. 
Patter, Mellupoch. 
Pieber, pfeifen, Karlupoch, 
Piſſer, Piſſen, Koyoch. 
Pleyer, Pifferau, 
Priſſer, preiſen, loben, O- 


ſouga. 


Beder, ſchmuͤcken, Pinerch- 


Rp 


Qvaͤder, Ingechpoch. ; 
Dvålber, qvaͤler, Unnulec- 
poch. 


2 


BR. 


Maaber, rufen, Nibbliaſoch. 


Raaber paa en, auf einen 
ruffen, Toclecpa. _ 

Rammer, treffen, Erckapa. 

Reddis, gerettet werden, Tup- 


pacpoch. 
T 5 Reyſer 


| 208 


Reyſer mig op, aufheben, 


aufhelfen, Nekuepoch. 
Rifver ned, niederreiſſen, 


Perloà. 
Rif ver i Stoͤcher, in Stücken 
reiſſen, Aflerocpoch. 
Roer paa en Baad, auf eis 
nem Bothe rudern, Epu- 
poch. | 


8. 


Samler „ſammlen, Ekitta- 
poch. 


Samtycher, Gewiſſensruͤge 


empfinden, Angechpoch, 


Seer, ſehen, Teckoå. 

Seigler, ſiegeln, Tichfiapoch. 

Setter mig ned, mich nieder⸗ 
ſetzen, Inipoå. | 

Eiger, fagen, Okalupoch. 

Siuder, ſieden, Kallapoluch- 
poch. 

Siunger, ſingen, 
poch. 

Skader, ſchaden, Petleka. 
Skimer, ſcheinen, Kiblari- 


poch. 
Skiuder, ſtoſſen, fortſtoſſen, 
Egichpoch ſ. Aulerioch. 
1 verſtecken, Idarc- 


Straber af, abſchaben, Kil- 

„ Iactopa. 

Skrechis, erſchreckt werden, 
Tuppakau. 

Skrifver, ſchreiben, Aglech- 
poch. 


a ſchlagen, Tiglupä. 


&iaer feill, fehlſchlagen, Ta- 


mapoch. 

Slaer ichiell, todtſchlagen, 
Tokoppa. ' 
Slais, geſchlagen werden, Pa- 

poch. 


Anhang. 
Slucher ud, auslöschen, Ka- 


michpoch. 


e ſchmecken ; Okto- | 


och. 
Smile, ſchmauſen, Kunga- 


jupoch. 


Suacher, ſchnacken, reden, 


Okaluppoch. 

Snapper, Stieler, ſtehlen, 
Tiglipoch. 

a „ſchneyen, Kanich- 


och. 
Scr ſchlafen, Sinipaa- 


poch. mer 
Soger effter, nachſuchen, 
Ujarcpoch. 
Sørger, forgen, Alliuſapoch. 
Spuͤſer, fpeifen , Maneto- 
poch. 
Epot ger; fragen, Apperch- 


fopoch. 


Sppytter, ſpeyen, Kiffach- 


Imnach- | 


poch. 


Springer op, ufbeinge, 


Meſikſ a. 


Springer ned, niederſpringen, 


Piglach. 


Springer over, überfpeingen, | 


Akimechpä. 


Spyer, num Vomere? Nor- 


riachpoch. 
Staar, ſtehen, Kikakpoch. 


Staar oben, offen ſtehen, 
Magerſimavoch. 


Staar op, auffichen, Ne- 


kucpoch. 


Staar ſtille, ſtille ſtehen, N 


gioch, 


Stammer, ſtammeln, Ipto- | 


recpoch. 
Strecher, ſich teten, Teit- 
fecha, %. 
Sticher, ſtechen, Kappus. 
Stieler, filen, ir 


Stiller 4 


' 


Anhang. 


Stiller till fred, zufrieden 
ſtellen, Imangechpoch. 
Styrer, ſteuren, Ackopoch. 
Syer nehen, Mechſopoch. 


Syncher ned, Mie inken, 


Kiviä. 
N 
Tencher paa, worauf denken, 
Ekarſapoch. 
Tager fra en, von einander 
nehmen, Ackfapå. 

Tager ofver haand, uͤberhand 
nehmen, Angilecka. 
Taler, ſprechen, Okallopoch. 

Teller, zehlen, Kiſſipoch. 

Tier, ſchweigen Nepangi- 
poch. 

Toer, waſchen, Eructopoch. 

Tordner, donnern, Kallec- 
poch. 

Torrer, duͤrren, trocknen, 

Pennerckſapaà. 


Tor driſter mich till, dürfen, 
Sappinailangà. 


Tor iche, nicht dürfen, Sap- 


perpoch. 
Trettis, 
Kaſſikau. : 
Troer, trauen, glauben, Op- 
pecpoch. 
Trygler, e 
Dogger, Tamoavoch. 


getreten werden, 


V. 
Vaad vaͤre, naß ſeyn, Kau- 
ſecpoch. , 
Vaager, wachen, Erkomma- 
voch, 
Vogner op, aufwachen Elech- 
och. 


Bache op, aufwecken, Eter- 
apa. 


299 


Vemnis, erwartet werden? 
Maviapoch. 

Varmer, w waͤrmen, Keierſa- 

poch. 

Udfritter, ausbohren, Aperr 
ſopoch. 

Udgaar, ausgehen, Anniech. 

Udlader, aufladen, Annipa. 

Veed ich af, nichts davon 
wiſſen, Nellolarreitſioch. 

Vill endelich hafve, wills 
endlich haben, Piomooch. 

Vill iche, nicht wollen, Pio- 
mangilà. 

Vill iche vare med, ich will 
nicht mit, Arparamangi- 
lac. 


Villade mit Vand, Koerra- 


mooch. 


Vuͤſer, weiſen, Ajekarſopà. 


Vorder aften, Abend werden, 
Unnulecpoch. 

Vorder gammel, alt werden, 
Utrokarfuangopoch. 

Vorder ſtoͤrre, groß werden, 
Aglilecpoch. 

Vorder lefvendis, lebendig 
werden, Umapoch. . 

Vorder heed, heiß werden, 
Kirſalecpoch. 


Vorder dofv, truͤbe werden, 


Tuſſilectſungopoch. 


Vorder tilpes, zurecht und HR 
Koitfa= ; 


begvem werden, 
och. 
Voxer, wachſen, Aglakau. 
Vraͤnger efter en, nach einem 


ſehnlich verlangen, Irch= 
fupa. 


Yi 

Yncher, num Verküngern z 
Umaſarpoch. 

; Appen- 


300 155 Anhang. | | 
asset x 
APPENDIX 7 AR 


75 


Formularum e ufitatifimarum. 


N Ä 
Be lidet, warte ein wenig, vötklle. SÅ 
Hror er hand, wo ift er? nau. | | 
Gifo mig det hid, gieb mir das her, kaiſut. 
Der har du det, da haſt du es, aich. | 
Jeg har iche fenet det, id) habe es nicht gekriegt, Pingtlabgar 
Er det til ledt maar ieg, iſt das zugelaſſen, mag ich wohl, nareit. 
Det er i ſtocher, das ift in Stücken, aliktonich. 5 
Hvad er det? was ift das? ſuna ? 
Jeg ved iche hvad det er, Ich weiß nicht was es ift, ſunamd. 
Kom hid, komm her, kackeit. 
Gaar bort, gehe fort, aulareit. BEN 46 
Set dig net, fee dich nieder, initit. 
Staar op, ſtehe auf, neknetit. 
Hvem hoͤrer det til, wem gehoͤret das zu, kiapis 
Hvad heeder, was heißt es? kina ibbli? | 
Hvad heeder hand? wie heißt er? kinn. * 
Jeg ved iche hvad hand heeder,ich weiß nicht wie er bei e ne 


kichſa. 


" Hvad will du hafer derfor, was wilſt du dafuͤr haben, fumik 


Hvad gaf du der for, was gabſt du dafuͤr? ſiomackia. 
Hvem har giort det? wer hat das gethan? kia ſenoa. 
Lad wich fee det foͤrſt, laß es mich erſt ſehen, kame lorloa. 
Gifv mig det, gieb mirs, tyniect f. tynieith. 

Maar geg hafve det, mag ichs haben, piglaeit, | 

Iloͤt dig hid, komme her, kaijomit. | | 

Floͤt dig bort, packe dich fort, fackiomit.. ende 
Hend det hid, hohle es her, agiuch. m Ba å 
Fortell noget, erzehle was, okalactuareit. 00 


See her, fiehe hier, areit. | ER 


XX 


Hvad fal d det till? wozu foll das? ſuchſach. 


Lad det våre; laß es ſeyn, ramaile. | 
Saaledis bruger vi, oder, er vor maneer, ſolches bung wir, 
oder es iſt unſere Manier, taima piſſeragut. 
Gaar af liuſet, gehe aus dem Lichte, tarutareit. 
Er du iche bange for ham? iſt dir nicht bange vor ihm? 
eichſiri Aale a 


Dag 


Anhang. AP 301 


1 Dag, heutiges Tages, voitfach. 
J gaar, ich gehe, epeiſach. i 
Det hoͤrer mig iche till, das gehoͤret mir nicht zu, plingtla. 
Er det iche fand? ift dag nicht wahr? illå. | 
Spor ham der om, frage ihn darum, attiule. 
Lad ham kom hid, laß ihn herkommen, okaile. 
Skynder feder, eilet euch, macht fort, aſfloruſe. 
Lad hoͤre hvorledis var det, laſt hoͤren, wie war es? kannoih” 
Hvar vill du gaar hen? wo willſt du hingehen? ſuſuich? 
Hwad feiler ham? was fehlet ihm? Lulleka. 5 
Hwem hos, bey wem, kimit. 
Skond dig, eile, mache fort, ackonit. 
8 Morgen, dieſen Morgen, akkago. 
Jeg har iche feet dich for, ich habe dich vor dieſen nicht oben, 
‚teckongokägil. 
lige nu, terſa. 
Naar Vinden ſtillis, wenn der Wind geſtillet, annoe niptapet. 
i Du fagde det jo, du ſagteſt es ja, ufima, 
Jeg kiender dig, ich kenne dich, iliſerait. j 
Naar jeg har giort det ferdig, wenn ich es fertig gewalt; in⸗ 
noröcko. 
Har du faart Mad? haft du zu eſſen bekommen? mama topelt? 
Jeg har iche faart mad, ich habe nicht i effen gekriegt, mama 
tungi anga. 
Har du iche feet mig för, haft du mich vor dem nicht geſehen, ” 
; teckongiochpiugå, i 
Du flog feilf, du ſchlugeſt fehl, tama kautit. 
Tag det met dig, nimms mit dir, nachſalie c. 
Forſog, verſuche, koſte, arragc. å 
En anden Dag, einen andern Tag, kaupet. | 
Suͤg det, fage es, okäreit. | 
Beed ham der om, bitte ihn drum, innerſuch. | 
Naar det blifver god Veier, wenns gut Wetter wird ‚kaffapet. 
See wee hand bår ſig ad, ſiehe wie er ſich gebehret, oder 
ch ſtellet, tagifaugæ. | 
Er det faa? iſt es fo? acit. 
Neſt forleeden, nechft vergangen, ipſach. 
Det er lenge ſiden, es iſt lange her, it lach. 
Der de kare bort farne, da waren ſie fort, oder weggefchieh 
‚au ameta, 
Hoͤr till, höre zu, ailta. 
Skal eg gar indes soll ich hinein gehen? 1 
J hars Rum, in ſeinem Platz, inna. 
Det er ligeſom, das ift. einerley, ſlorlo. | 
5 Naar 


302 N Anhang. 


Naar det Hormeerig, wenn es vermehrt wird, ae AR 
Naar det, mickekanget, | 3: 
En Part, Somme, ein Theil, illeo. | 
' Jeg vorſer dig at våre ſmuch, ich lobe dich, daß du chen bit, 
pi ngeragit. N 
Jeg har giort Ende der paa, ich habe ein Ende davon ge⸗ 
9 macht, nauack a. 
Har du giort det, haft dus gemacht, ſonoiuch. 
Hörer du iche? hoͤrſt du nicht? tus ſilikeit. | fe. 
Gior det, thue es, ſenau. N . 
Lat es gaar hiem igien, laßt uns wieder heim gehen, angerlata. 
Hvad ſagde hand? was ſagte er? ſuacg. 
Hvor da, wo da, an welchem Orte, ſun. 
Det ſagde jeg dig for, das ſagte ich dir zuvor, i ima Bioloppoit 
Tie ſtille, ſchweig ſtille, nepaugarit. 
Hvorfra? woher? kickud. AR 8 
Hvorkhen? wohin? fuckud? i SD 
Mens hand fofr, aber er ſchlief, finipårame; 0 
Der fom du äder det, defaar du ont der af, wofern bu bavon 
iſſeſt, wird es dir übel bekommen, norriocko igmenie 
‚ pekennoatit. | 
Jeg ſkal flae dig, ich fol dich ſchlagen, tigliſfoügit. 
Det var paa ſaadom ſtoͤrrelſſe, es war von der Große, taima 
8 att ice. Wa 
Jeg lyfverfor dig, ich liege dir vor, ſeiglokitpogit. 
Foͤrſte gang, den erſten Gang, oder das erſte mahl, fngårlamie, 
An den gang, das andere mahl, kingürlamie. 
Hand bad dig der om, er bate dich drum, tuchfiachpatit, 
Maa jeg ſidde ned, mag ich niederſitzen, ingerlaeit. | 
See hvilchen en modvillig Compagnon, ſeht was ein muthwil⸗ 
liger Compan, inerchtiſſa uniſock tauto kauma. 
Hand lyder dig iche ad, er fraͤgt nichts nach dir, iner&iffang- 
nilatit. 
ö Det er ingen Konſt at giore, das iſt keine Kunſt zu thun, 
ajonnaingiloch. 
Det komm er big iche ved, da bekuͤmmer du dich nicht darum, 
1 kafåppoit. 
Gaar ud, gehe heraus, anneit. 
Hoorledis bar hand ſig ed, wie giebt er ſich zu, Kaundeh 
illelluo. 
Vill du gaar efter det, wilſt du darnach gehen, oder es holen, 
N: agiucheit. 
Vill du gaar med mig, wilſt du mit mir gehen? aipatlingeit: 
Lad os gaar ud, laſt uns ausgehen, fillamul pifa 
' Jeg ’ 


Anhang, AD DM 303 


Jey troer hand maar vaͤre ind, ich glaube er werde babiem | 
feyn, kamenekokan. 

Hand aͤrer dig, er ehret dich, nallacpatit. 

For di de vare trete, denn fie find muͤde, kaſſokangamoc. 

Uforſtaaeli, unverſtaͤndlich, nellonekau. 

Lad mig giore det forſt, laß mich das erſt thun, ſenelorlogo. 

Hand er alt kommen hid, er ift ſchon hergekommen, mave pyock. 

Betalt mig det, bezahlet es mir, ackillikit. 

Lat det iche falde ned, laß es nicht nieder fallen, nekatſounugo. 

En Info, ein Dieb, tiglikajuctunguach. 

Kand du iche, da tag det hid, kanſt du nicht, da nimms hin, 

ajoråko kakiuch. 
Hand fügt, er ſagt, nangminech. | 
Har ingen Klaͤder paa, er hat keine Kleider an, tamma 
kangilach. 

Jeg meente det, var faa, ich meinte es wäre fo, uſtübba. 

Og juſt var dat ſaa, und eben war es ſo, ſuna 9 18 

Vi kom for ſilde, wir kommen zu ſpaͤt, kiugochpogut. 

Hvat har du kiobt, was haft du gekaufft? Funiepiflivie. 

Hoem er los os? wer ift bey uns? kikunésra. 

Met dent, darmit, matuminga. i 

Paa dend ſted, auf der Stelle, Farfan | ' 

Hand vill du ſkall wäre der, er will du ſollſt da h de ter. 
fanckoatit. 

Jeg troer dig, ich glaube dir, opperrakägit. 

Jeg ville noch hafer det, ich wills noch haben, Fatale 

poüga. 

Hand er vere end et beſt, nes ſaconic ſorejavoch. 

Jeg fatter det vell, ich faſſe es wohl, nellonginnapecka, 

Lad fee du f Fonber dig, laß ſehen, du eileft dich, attauta tuo- 

viorlotit. 
Hand gaar af veyen, oder tager ilde iche afſted, er gehet aus dem 
Wege, oder er gehet weg, ſenminut faiapoch. 
Du er Herte ofver dem, du biſt Herr daruͤber, ockonut nale 
gåotit. 


Det er iche at leeachet, darum iſt nicht fu lachen, tipfineingi- 
la, ; 
Det er mig iche behageligt, das gefällt mir nicht, piominein- 


gilack. 
En ſted hvor mange Fold) bor, ein Ort wo viele Leute wohnen, 
innuihochſuig. 


W 
FO R- 


„ ere 0 wo ! 
nber 
CONIVGANDI VERBVM 
NEGLIGPVNGA T. NEGLISSARAVNGA, 
BIN INDICATIVVS 


i: 74 
5 


P R ES E N S. 
en liebe, Neglig gpunga, Jer Negliſſaraunga. 
Du liebeſt, Neglipotit., Negliffaravit. 
Er liebet, Negligpoch, Negliſſarau. 


Plur. Mir (viele) lieben, Negligpogut, Negliſſarägut. 
Dual. Mir (zweene) lieben „Negligpoguk, Negliſſarauk. 
Ihr (viele) liebet, Negligpouſe, Negliſſarauſe. 
Ihr (beyde) liebet, Neglipoutik, Negliſſarautik. 
Sie lieben, Negligput, Negliſſaräut. 
Sie (zweene) lieben, Neglipuk, Negliflarük, 


Ita Veen Negativum: Neglingilänga, Ich liebe nicht. 
Neglingilanga, Neglingilatit, Neglingilak, Neglingilsut. 
Neglingiauk; e Neglingilatik, Neglingilet, 

Neglingilek. 


Die Pronomina oder ae fut aufe wie⸗ 
derum eine neue Beraubeaung, in den ölerionen, 5. E in fol⸗ 
genden: 

Negligpagit, ich liebe dich. Nagligpama du lebeſt mich. i 


Jedoch ift weiter zu mercken: daß, obgleich die Verba flecti⸗ 
ret wuͤrden ohne Particul, wie aus obſtehenden zu ſehen; ſo 
moͤgen doch zuweilen gewiſſe Perſonen beydes in Singulari 
und Plurali ausgedruͤcket werden, mit dieſen à part beygeſetz⸗ 
ten Particuln und Pronominibus, als: Uanga, ich. Iblit, 
du. Omo, Uno, Tauno, er, fie, das. Uagut, wir. In 
Duali, Uaguk, wir zweene. IIlibſe, ihr. Ilibtik, ihr Zwee⸗ 
ne. Okko, Tauko, fie in Mafcul. fie in Foemin. Ex. gr. 
Negligpauſe, ich liebe euch. Uagut neglipauſe, wir lieben 
euch. Negligpanga, er liebet mich. Ocko negligpanga, fie 
lieben mich. Doch verſtehet ſich dieſes auch alſo vor ficht ſelbſt 
aus der Rede und der when Sache e 16 


NS 
2 
\ 
- + 7 ) 
\ his 
7 - 2 ' Sd ; k - | 
7 > 1 — 
i 2 A 


ne Zuſatz einiger Particuln, Ex. gr. Gud negligpätigut, 
Gott der liebet uns. Innuit ese Menſthen die lie⸗ 


ben uns 
Modus o 
Ich liebe dich, Negligpagit, oder Negligpaukit, oder Neglif- 
| ſarägit. 

Ich liebe ihn Negligpara, oder NWegliflaräga. 

Ich liebe euch, Negligpauſe, NMegliflarauſe. 
Ich liebe euch zween, Neglipautik; Negliſtarautik. 
Ich liebe fie, Negligpacka, Neglliſſaracka. 
Ichbliebe ſie zween, ee Negliſſaraika. 


Du liebeſt mich, „ Nesligparma, oder Negliffaragma.. 
Du liebeſt ihn, Negligpet, b i Neglift: H 
Du liebeſt uns, Neglipautigut, Negliffirautigut. 
Du liebeft ung zween, Neglipautiguk, Negliſfarautiguk. HR 
Du liebeſt fie, Neglipatit, Negliffarautit, fc. tauko. 
Du liebeſt fie zween, Negligpatik; Negliffhratik; fc. tauko: 


Er liebet mich, Negligpänga, oder Negliſfſaränga. 


Er liebet dich, Negligpätit. Negliſſarätit. 
Er liebet ihn, Negligpå; - Negliffärs. 

Er liebet uns, Negligpätigutr, Negliffarätigur. 
Er liebet ung zwee, Negligpätiguk; Negliffäratiguk: 
Er lieber euch, Negligpafe. Negliſſaraſe. 
Er liebt euch zwey, Wegligpatik, Negliſſaratik. 


Er liebet fie, Negligp ei . Negliffarei. 

Er liebet ſie zweene, Negligpek Negliffärck 
Wir lieben dich, k Negligpatigit, De Neglift: rautigie, 
Wir lieben ihn „ Negligparäput, N egliffaraput, 
Wir lieben euch, Neglipauſe, Negliſſarauſe. 
Wir lieben euch zwey, Negligpautik, Negliffarautik, 
Wir lieben fie, Tauko negligparput. Negliffaraput. 
Wir lieben die zwey, Tauko e e 


Ihr liebet mich, 5 oder Negliffaraåfinga: 


Ihr liebet ihn, Negligpauſinna Negliſſarauſinna. 

Ihr liebet uns, Negligpauſigut, ‚ . Negliffaraufigur: 
Ihr liebet uns zweene, Negligpauſiguk, Negliſſarauſiguk. 

Sør lichen, fie, Negligpaufi ocko Neglilirau. 6cko: 


| u | Sie 


306 | | Anbang. 


* i 
N \ 


Sie lieben mich, Tauko oder Ocko negligpanga, oder Ne- 4 


gliſlaranga. 
Gie lieben dich, - negligpätit, Negliſſaratit. 
Sie lieben ihn, — negligpaet Negliffäraet, 
Sie lieben uns, - negligpätigut Negliſſaratigut. 
Sie lieben uns zweene, negligpätiguk Negliſſarätiguk. 
Sie lieben euch, - negligpafe, Negliſſaraſe 
Sie lieben euch zweene negligpatik, Negliſſaratik. 
Sie lieben fie, - negligpeit, Neglifläreit. 


Sie lieben fie zweene 1 negligpeick, mt n 


Alſo auch das Verbum negativum : 


Neglingilagit, Neglingilara, Neglingilaüfe, Neglingila- 
tik, Neglingiläcka, Neglingilecka, &c. 


Præteritum. 


Ich habe geliebet, oder ich liebete, Neglitunga. 
Du haft geliebet, Negligtorit. 
Er hat geliebet, Negligtuaepoc, oder Neseligtok, 
Wir haben geliebet, 1 
Wir zweene haben geliebet, Negligtoguk. 
Ihr habt geliebet, Negligtoſe. 
Ihr zweene habt geliebet Negligtotik. 
Sie haben geliebet, Negligtuacput, oder Negligtut. 
Sie zweene haben geliebet, Negligtuacpuk, oder Negligruk. 


Suffixæ ſindizwar wohl hier eben dieſelbe, wie in Præfenti 
werden doch aber alſo flectirt: 


Ich habe dich geliebet, Negligtuacpagit, oder Negligkiukit. 
Ich habe ihn geliebet, Negligtuacpara oder Negligkiga. 
Ich habe euch geliebet, Negligtuacpauſe, oder Negligkiufe. 
Ich habe euch zwey geliebet ; Negligtuacpautik, oder Ne- 
gligkiutik. 
Ich habe ſie geliebet, N cee e oder Negligkiüka. 


Ich habe ſie zwey geliebet, Negligtuacpicka, ma neg 
ICRA ; 


Du haft mid seller; Negligtuarepagma, oder Negligkägma. 


Du haft ihn geliebet, Neglituarepèt, oder Negligker. 
Du haſt uns geliebet „Negligtuarepäutigut, der Neglig- 
kiatigut. | 


Du haft ung zwey Stligber, Negligtuarepautiguk, oder Neglig- 


kiutiguk. 


Du 


Anhang. 307 


Du bar fie geliebet, Negligtuacpårit, oder Negligkitit. 
Du haft fie zwey geliebet, N egligtuacpatick, oder Negligkikit. 


Er hat mich geliebet, Negligtuarep n ga, oder Negligkanga. 


Er hat dich geliebet, Negligtuacpätit, oder Neglikarit 

Er hat uns geliebet, Negligruacpatigut, oder Negligkätigur. 

Er hat uns zwey geliebet, Negligtuacpätiguk, 1 18 
arıguk 


Er hat euch geliebet, Negligtuarepafe, oder Negligkäfe. 


Er hat euch zwey geliebet ‚ Negligtuacpatik, oder N egligkåti k 
Er hat fie geliebet, Negligtuarepei, oderNegligkei. 
Er hat fie zwey geliebet, Negligtuarepik, oder Negligkik. 


Wir haben dich geliebet, Nesligtuacpaütigit, oder Neglig- 

kiutigit, 
Wir haben ihn geliebet, Negligtacpäput, oder Negligkiput. 

Wir haben euch geliebet, Negligtuacpauſe, oder Negligkiuſe. 

Wir haben euch zwey geliebet, Negligeuacpautik, oder Ne- 
gligkiutik 

Wir haben ſie geliebet ; Tauko negligtuacpaput, oder Ne- 
7 . gliskiput. 

Wir haben ſie zwey geliebet, Tauko negligtuacpapuk, oder 
re | Negligkipuk. 

Ihr habt mich geliebet, Negligtuacpatiinge, oder Neglig- 

iüſinga. 

Ihr habt ihn geliebet, Neglituacpauſiüna, oder ‚Nee egligkiu- 

ıuna. i 

Ihr habt uns geliebet, Negligtuacpauſigut, oder Neglig= 
EkEluſigur. 

Ihr habt uns beyde geliebet, Negligtuacpaufiguk , oder 

Negligkiufiguk. At 

Ihr habt fie gelicher, Negligtuacpaüfi ocko, oder Neglig 
kiufi ocko. 
Ihr habt ſie beyde geliebet, Neglituacpaufi ocko 


Sie haben mich geliebet, Tauko negligtuacpanga, oder 
negligkanga. 

Sie haben dich geliehen, Tauko negligtuacpatit, oder neglig- 
katit. 

Sie haben ihn geltebe, Tauko neglituakpaet, oder negligkaét, 


Sie haben uns geliebet, Tauko negligtuacpätigut; oder ne⸗ 


- gligkåtigut. 
Sie haben uns beyde gelfebet, Tauko negligtuacpatiguk, 
oder negligkatiguk. 
u 2 Sie 


NA — 


306 Hy Anhang. 2 

Siehaben euch geliebet Tauko negligtuacpaſe, oder Kerle. 

Sie haben euch beyde geliebet, Tauko negligtuacpatik, oder 
negligkatik. 


Sie haben fi egeliebet, Tauko negliguacpeit, oder negliskeit. m 


NB. Ich habe in denen Tem poribus zwar einige Anomalien 
obſerviret, aber ich kann gleichwohl dießfalls noch nichts 
gewiſſes ſagen, weil ich des rechten Grundes ermangele. 
Verbum negativum, wird auch flectiret wie obiges, nemlich: : 


Neglingitſunga, Neglingitſolit, N eglingitſoch etc. 


Alſo auch i in Suffixis: 
Neglingituacpägit, oder inc Wenke ehe 
oder Neglingickigà etc. 


„ 


| Futurum. | 
Ich werde lieben, Negliffounga. Ich will laber, Negligo- 


mapoünga.’ | 

Du wirſt lieben, 1 Du willſt lieben, Negligo⸗ 
mapotit. 

Er wird lieben, Negliſſooch. Er will lieben, Negligomapock. 

Wir werden lieben, Negliſſogut. Wir wollen lieben, Negli- 


gomapogut. i 
Wir zwey werden lieben, Nesliffoguk. Wir zwey wollen lieben, 
Negligomapoguk. 
Ihr werdet lieben, Negliſſuſe. Ihr wollet lieben, Negligo- 
5 1 mapoſe. ) 
Ihr bende werdet lieben, Negliffutik. Ihr beyde wolle lieben, 
N egligomapotik. 
Sie werden lieben, Negliſſapuc. Sie wollen lieben, Negligo- 
maput. * i 
Sie zwey werden lieben, Negliſſapuk. Sie zwey 1 lieben, 


N e enke, 


Auf gleiche Art gehet das Bela negativum: 
Negliſſingilänga, Ich werde nicht lieben. Negligomangilän« 
ga, Ich will nicht lieben. 


Sate find hier dieſelbe, als im Praeſenti: 


Negliffoägit, Ich 1 dich lieben. Negliſſara, Ich werde 
ihn de uff. BE 


Lager 


Anhang. 100 
Imperativus Modus. 
| Prefens. | 
Liebe du, Negligniareit, oder Negligit, | N 
Daß erliebe, Neglile. | 
Liebet ihr, Negligiarite, oder Negligitfe, 
Liebet ihr beyde, Negligilik. 


Laſſet uns lieben, Neglieta. | 
Daß fie lieben, Negligit. Dual, Neglilik. 


Cum ſuffixis: Negativum: 

Liebe du mich, Neglinga. Neglingnanga. 
Liebe du ihn, Negliguk, Neglignago. 
Liebe du uns, Negligtigut, Neglignata. 

Liebe du uns beyde, Negligtiguk, Neglignaguk 
Liebe du fie, Negligkit, Negignagit. 

Liebe du ſie zwey, Negligkik, Neglignagik. 
Liebet ihr mich, Negliſſinga, Neglingnanga. 
Liebet ihr ihn, Negliſſiguk, Neglingnaſiuk. Sr 
Liebet ihr uns, Negliſſigutr, Neglingnatigut, 

Lie bet ihr uns bende, Neglifiguk,  Neglingnatiguk | 
Liebet ihr fie, Negliſſigkit, Neglingnaſigit. 
Liebet ihr fie zwey, Negliſſikik, Neglingnafigik. - 

Laßt ihn mich lieben, Negligling,  Neglingnanga. 

Laßt ihn dich lieben, Negligliſit, Neglignatit. | 


Laßt ihn uns lieben, Negliglifigut, Neglingnatigut. 

Laßt ihn uns zwey lieben, Negliglfiguk. Neglingnatiguk. 
Laßt ihn euch lieben, Negligliſe, Neglingnaſe. 
Laßt ihn euch beyde lieben, Negliglitit, Neglingnagit. 
Laßt ihn fie lieben, Negliglifigik, Neglingnatigik ! 


= Laßt fie mid lieben, Ocko negliglinga. Neglingnanga. 
Laßt ſie dich lieben, Ocko negliſit, Neglingnatit. 
Lafit fie uns lieben, Ocko negligtiſigut, Neglingnätigut. 
Laßt ſie uns beyde lieben, Ocko negligliſiguk, Neglignätigux. 
Laßt fie euch lieben, Ocke negligliſe, Neglingnaſe. 
Laßt fie euch beyde lieben, Ockonegliglitik, Neglingnatik. 

Laßt ſie ſie lieben, Ocko negliglifigit, Neglingnatigit. 
Laßt ſie fie bepde lieben, Ocko negliglifigik, Neglingnatigik. 


3 Modus 


310 e SA 
Modus Interrogativus. 


Præſens. 


Liebe ich, Negligpunga. 

Liebeſt du, Negligpit. 

Liebet er, Negligpa. 

Lieben wir, Negligpogut 
Lieben wir zweene, Negligpoguk. 
Liebet ihr, Negligpiſe. 

Liebet ihr beyde, Wegligpitik. 
Lieben fie, Negligpait. 

Lieben fie bende , Negligpaik. 


Das Negativum eben fü. Negativ. 
Liebeſt du mich, Negligpinga. | Netlingilinga. 
Liebt er mich, Negligpanga. Neglingilanga. 
Liebet ihr mich „Negligpilings. f Neglingilaſinga. 
Liebet ihr beyde mich, Negligpitinga. | Neglingilätinga. 


Lieben fie mich, Ocko negliganga. Ocko neglingſlanga. 


Lieben fie zwey mich, Negligpainga. Neglingilainga. 


Liebe ich dich, Negligpagit. Liebe ich ihn, Negligpara. 

Liebet er dich, Negligpatit. Liebſt du ihn, Negligpieuk. Be 
Lieben wir dich, Negligpantigit. Liebt er ihn, Negligpau. 
Lieben wir beyde dich, Negligpautikit. Lieben wir ihn, Negliparput. 


Lieben wir beyde ihn, Negligparpuk. 


Lieben fie dich, Ocko Negligpatit. Liebet ihr ihn, Negligpifiuk. 


Lieben ſie beyde dich, Negligpatik. Liebet ihr beyde ihn, Neglipicko. 


Lieben ſie ihn, Negligparſuk. 


So auch das Negativum. | Leben fie zwey ue Beeken 13 


— 


Liebeſt du uns, Negligpeutigut. 
Liebet er uns, Negligpatigut. 

Liebet ihr uns Negligpiſigut. 
Lieben ſie uns, Ocko negligpatigut. | 


Praeteritum und Futurum kommen mit dem Indicativo 
überein. 


Modus Cihan 


Dieſer Modus, welcher durch die Particul dieweil, wenn ꝛe. ange⸗ 
deutet wird, fuͤhret abermal eine neue Veränderung in den 
Flexionen. Zum Exempel: j 


Præſens. Alſſo auch das Negativum. 
Weil ich liebe, Negligkangama. ; Negliginnama. 5 


DEN du liebeſt, Negligkanguit. Negliginnauit. 


Weil 


— 5 
Fi 


Anhang. en, 


Weil er liebe, Nag Negliginname. 
Weil wir lieben, Negliskangeüta. &c. 
Weil ihr liebet, Negligkangeufe. 

Weil ſie lieben, Negligkangamũ five meta. 


/ Mit den Pronominibüs ſuffixls. 


Weil ich dich liebe, Negligkangatukit, oder Negligkankit. 
Weil ich ihn liebe, Negligſcangoſcke. 

Weil ich euch liebe, Negligkangoicke. 

Weil ich ſie liebe, Negliglangeuſe. 

Weil ich ſie beyde liebe, A 


Weil du mich liebeſt, Negligkagma. 

Weil du ihn liebeſt, Neglikanko, 

Well du uns liebeſt, Negligkangeütigut, oder Negligkaätigut. 
Weil du uns beyde liebeſt, Negligkangeutiguk, oder? Negli gkautiguk. 
Weil du ſie liebeſt, Negligkaukit. 5 

Weil du fie beyde e Negligkaukik. 


Weil er mich liebe, Negligkäminga. 

Weil er dich liebe, Negligkangatit, oder Negligmatit. 

Weil er ihn liebe, Negligkamiuk. 

Weil er uns liebe, Negligkangiſigut, oder Negligkangätigut. 
Weil er uns beyde liebe, Negligkamiſiguk, oder Negligmatiguk, 
Weil er euch liebe, Neglikamiſe. 

Weil er euch beyde liebe, Negligkamitik. 

Weil er ſie liebe, Negliglamigit, oder Reg slang nig 
Weil er fie beyde liebe, Negligkamigik. 


Weil wir dich lieben, Negligkautigkit, oder Negligkangeuligkit. 
Weil wir ihn lieben, Negligkangeutico, oder Negliokautigo. 
Weil wir euch lieben, Negligkangeuſe, oder Negligkaufe. 

Weil wir euch beyde lieben, Negligkangeutik. 
Weil wir ſie lieben, Negligkautigit, oder N epligkangeutigie. 
Weil wir fie zwey lieben, Negligkautigik, ER 


Weil ihr mich liebet, Negligkangeuſinga, oder Negtet ts 
Weil ihr ihn liebet, Negligkangeuſiuk, oder Negligkauſiuk. 
Weil ihr uns liebet, Negligkangeufig gut, oder Negliokatfi igut. 
Weil ihr uns beyde liebet, Negligkangeufiguk, oder Negligkaufiguk. 
Weil ihr ſie liebet, Negligkangeufigit, oder Negligkaufigit. 

Weil ihr ſie beyde lieber, Negligkangeufigik, oder ee 


Weil ſie mich lieben, Tauko negligkamminga. | 
= 15 Te ns negligkangatit, oder Negligmatit. 
Weil ſie ihn lieben, Tauko negli kamiuk, oder Negligk Kk. 
Weil ſie uns lieben, eee e e 
Weil ſie uns beyde lieben, Negligkamigfigut, 


u 4 a. 


312 Anhang. ) A 
Daß ſie euch lieben, Negliglamiſe. er W 


Daß fie ſie lieben, Negligkamigit, oder Negikangamigit, 
Daß fie fle beyde lieben, Wee ee LEN 


Darum daß ich liebe, Negligkoma. | 
Darum daß du liebeſt, Negligkoit. 9 0 

Darum daß er liebe, Negliskone. 

Darum daß wil lieben, Negligkoutit. 

Darum wir beyde lieben, Negligkoutik. 

Darum daß ihr liebet, Negligkoſe. ) > 
Darum daß ihr zwey liebet, Negligkofik. 

Darum daß fie lieben, Negligkomit. 

Darum daß fie beyde lieben, Negligkomik. 2 


Das Negativum gehet eben alſo 


Wenn ich liebte, Negliffarangoma. 
Wenn du liebteſt, Ne zliffarangoit. 
Wenn er liebte, Negliflarangone. 
Wenn wir liebten, Negloflarangeuta. 
Wenn ihr liebtet, Negliſſarangeuſe. 
Wenn ſie liebten, Negliffärangera, 


Sr - 


ich, Negliama. 
du Negligoit. Por ee, 
er Negligame. e 
wir Negligauta. e 
ihr Negligauſe. id | 1 
ſie Negligmeta. 
Die Suffixa in SA find wohl zum Theil, doch nicht i allen, 
eben dieſelbe, wle in den vorigen ⸗⸗ = allein ich kann 
dieſes alles 1119 nicht umſtaͤndlich darthun; nachdem dieſer 
Modus abentheuerlich iſt, und wir noch au a dane keinen 
vollkommenen Grund haben. | 


Futurum Conjunctivi. 


Daß ich werde lieben, Negligkullunga. AAN 
Daß du werdeſt lieben, Negligkullutit, | 
Daß er werde lieben, Negligkullugo. 
Daß wir werden lieben, Negligkulluta. 

Daß ihr werdet lieben, Negligkullufe. 
Daß fie werden lieben, N Negligkullugit. 


Modus Dubitarivus. e 


Dieſer Modus wird angedeutet in der Endisung des Worte 
durch das Woͤrtlein: Kökau, z. G. 
Es kann ſeyn, daß er lieht, Negliſſa- kökau. 
Er iſt ohne Pee darinn, Kämane-kekau. 


Ba ET u en 


ve 4 


Modus Optativus. | 


Zum Exempel: Sillan! sek, Ach! je ich koͤnute 
leben. 
Sillan! una piüminack, 9 daß ich es hätte. 
Infinitivus modus findet ſich nicht in der Groͤnlaͤndiſchen S Spra⸗ 
che, auſſer wenn zwey Verba zuſammen kommen, und da lau⸗ 
tet es folgendergeſtalt: 
Ich kann lieben, Negligneck afungilanga. 
Ich kann machen, Senaneng ajungilanga. 


Participium. 
Liebend, oder einer, der da liebet, Negligtok, oder Neglingifok. 

Diaß ſie Paſſiva haben, kann ich bis dato aus ihrer Sprache noch 
nicht bemercken. Denn wenn ein Wort vorgefallen ift, dasi in 
-unferer Sprache eine leidende Bedeutung hat, ſo wird ein 
Activum mit einem andern Wort dafuͤr geſetzet. Aber das 
Wort Aitſerpa, er rief ihn, wird wohl paflive gemacht Aic- 
fifovock, er ſoll geruffen werden. Doch weiß ich nicht, ob es 
begvemlicher gegeben würde, er fol heißen, item: Tocko- 
lecpock, er ſtirbt, an Tekovok, er ift geſtorben. 


De Nomine. 


Das Nomen fubſtantivum leidet keine Veraͤnderung, als nur in 
Caſu genitivo, der ſich endiget mit B. D. auch M. Z. E. 
Gudib nianga, Gottes Sohn. Killab ſenarſoc, Himmels 
Schoͤpfer. Koem aka, des Fluſſes Name. Sonſt heiſſet 
Koec ein Fluß. ; 

Numeros hat man drey, wie in den Verbis, nemlich den Singula- 
rem, Dualem und Pluralem, 

Innug, ein Menſch. Innuk, zweene Menſchen. Innuit, viele 
Menſchen. Iglock, ein Haus. Igluk, zwey Haͤuſer. Igluit, viele 
Haͤuſer. Llerbile eine Küfte. Itlerbeek, Itlerbeit. 

(Forſ. itlerbulk.) 


Nomina cum ſuffixis Pronominum. 


Mein Haus,, Iogra. Mein Land, Nunagà, à Nuna- 
6 das and. 
Dein Haus, Ighır. Dein Land, Nunet, MV 
Sein Haus, Igloa. Sein Land, Nuna 
Unſer Haus, Iglogut, | Unſer Land, Nunaugut. 
Euer Haus, Iglarfe. Euer Land, Nunarfe. 
Ihr Haus, Igloaeét. Ihr Land, Nunaet. 

Wenn eine 9 leg tion dazu koͤmmt, klingt es alſo: 5 
Nunaüne, auf mein Land. Nunagne, auf dieſes Land. 
Nunang, auf fein Land. | Nunaugtine, auf unſer Land. 
Nunauſine, auff euer Land. Nunane, auf ihr Land. 

| ; U 5 Nomina 


74 


5 1 . 
Rt * 


314 „ An 
É Nomina Adjediva. 00 0 
Dieſe endigen fich gemeiniglich auf kau und lak, oder auf ak. 8. 
E. augekau, groß, piagakau, tuͤchtig, tauglich, Ajungilak, ſchoͤn, 


herrlich. Ertintongilak, heißt gutthaͤtig, mildreich. Ingleichen auf 
55 und tok, aber alsdann ift es ein Participium. 


Das Participium ift omnis generis, z. €. angut, ee ein 
großer Mann. Agnack, Angekau, lego: Agnekau, eine große Frau. | 


a einige Exempel von den Gradibus 
Comparationis: 


Angekau, groß, Angekitja, ein klein wenig groͤßer, oder angecka, 
groß, angekaik, f. angeſorſuak, allergroͤßeſte. Ferner mickekau, 
klein, mickekitja, ein wenig kleiner, oder mickeka, etwas kleiner, 
mickekaik oder mickekinguak, kleineſt. 

Die Flexion geſchieht,! wie ſonſt ein ander Verbum petfonale/ 
Z. Exempel: 

Angekaunga ich bin groß, Angekautit, du biſt groß, Angekau, er 

iſt groß, Ange kaugut, wir ſind groß, Angekaufe, ihr ſeyd groß. An. 
gekaut, ſie ſind groß. Und alſo auch in uͤbrigen Gradibus. 


| Die eben Bebote Gottes. 
Daͤniſch. 
Deti Guds Bud. 


En Gud ſkal du allene kene, alete og lofve. 


Naar Guds Nafve fler Dvd nefvins, da ſkall du iche 
ſkliempte, Gud blifver ellers rr og ſtrafter „„ 


Paa dend ſuͤfvende der tal du iche arbepde, men me 
‚ne lofve Gud. 


Aer och elsk dine ger faa fta du blifoe ond 
le Jorden. | 


Slae intet Menöte sic, vår iche heller bred 78 hom. 9 
Du ml 10 un hafve og Leet en hußtoe a 


(2 


å 
2 
É 4 
7 5 4 2 
/ 7 1 
N + x). Mg 


Anhang. e 


Du maar iche ſtiele. 
N N \ 8 
Lyfv iche paa Nogen. 
9. 
Begier iche det en anden 85 eg hand ey vill miſte. 


Andens Quo, Sie eller Fan (fall du iche begiere 
eller ſkade. 


Herpaa ſiger Gud ſaaledis: 


Jeg er allene Gud din Herre, en forf fredelig Gud og 
ſtor Herre. Alle dem ſom ere mig ulydige, er jeg fiendsk, five 
had er jeg, og ſkal kaſte dem til Diefvelen: Men bf lydige 5 
SØ fer jeg og ſkall tage dem til I | 


Deutſch. 
* zehen Gebote Gottes. 


Einen Gott ſollſt du alleine kennen, leben und glauben. 
2. 
Wenn Gottes Name, oder Wort, genennet wird, fole 
du nicht ſchimpffen, Gott me ſonſt sernig und ſtraft dich. 


Am ſiebenden Tage kr du nicht arbelten, 7 al⸗ 
lein Gott loben. 


— 


95 Ehre und liebe n Eltern, fo ſolſt du alt werden M | 
rden. 


Schlage keinen Menſchen tod, werde 1 nicht zornig 
auf ihn. a 


Du ſolt nur haben und 0 eine Ehefrau. 

Du machſt nicht ſtehlen | 
„ 

Liege nicht auf jemand. 


U 


A U 
se Nigel ? 


316 905 Anhang. 


— 


N 


Begehre Kia eines en eigentümlich if ind er 
nicht will miffen. 


Eines andern Ehefrau 19 5 Dien oder Vieh, ſolt d 
nicht begehren noch auch ſchaden. b. ö p 109 


| Hierauf ſpricht Gott ea“ N 
| Ich bin allein Gott dein Herr, ein ſchrecklicher Gott und | 
großer Herr. Allen denen, fo mir ungehorſam find, bin ich 
feind, oder haſſe ich und werde ſie werffen zum Teuffel: aber 
nn liebe ich, und werde Pe ‚nehmen in hen Holme 


me 
Sröntindife, EA | 
Gudib innecfatei kallinie 5 


Gud kiſſiet e illilara ves eie ARE 
foettog. 


\ Gudib acka, five Okaluctz tais aranget, ee 
gud ningeckennooch Pékennoätit. | 


3. 
Ullu arbone e fete le Gudimut oföu- 0 
riaurniareit. a | 


| 4. 
Angoiokaet, nallekit Ne tave ira juan- 
gyſſootit nuname. 0 

5. 8 9 9 
Innuch tockutſaunago, ningiklanaunaga? 
6 i f 


Nullia kiſſiet attauſe piſſoet, negliffoettog, 


Atle pienic tigliſaünogo. | 


Atlemut ſeigloſaunec. 
Atle pienic esliganic P | 
Atleb Nullia Kibgei 2575 attemiclo Fiona | 


80 piſſaunago. 
2 un 


Anhang. 317 
Tuppichså Gud tameſſa: 

Uanga kiſſima Gud, Nallegarſuet Gud FE RR nao | 
exignakau innuchmut tomarmio Uamnut inercticſauniſut 
kingagnaraicka, tongarſumutlo egiffoacka. Innuit inertis 
ſonactut neglipacka killac mutlo Pifloäcka. | 


NB. In überſetzung der Gebote hat man nicht gäutzlich den | 


Worten folgen koͤnnen, ſondern muß bis noch damit vergnügt 
ſeyn, daß man einiger maſſen die Meinung ausdrucke. 


Das Gebet des Herrn. 
Daͤniſch. 
Guds Sons Tale 1 Bott. 


Fader vor, ſom er i Himmelen, dit Nafon våre roeffet 
af Menffen, det dig tilhoͤr lad komme hid, l. dit ord om dig 
underviß os udj. Naar du nill noget i Himmelen, lad det ach 
ſaale des ſkiepaa Jorden. Gifv os i doch vor Mad. Vaͤr⸗ 
ne ihr vred, fordj vi ere udnelig, og hafve vaͤret dig ulydige, 
de ſom ere vred paa uns, ere vi iche brede paa. Forſvaros 
for Diefvelen. Det ſom iche duer, lad iche voͤr os. Himme⸗ 
len og alting hoͤre dig till, du er for og ro es vaͤrdig altid 


Amen. 
: Dieutſch. 
Gottes Sohnes Rede, 1 Gebet. 


Vater unſer, der iſt im Himmel, dein Name werde (mik 
Lob) erhoben von den Menſchen, das dir zugehoͤret, laß her⸗ 
kommen, f. in dem Worte von dir (handelnd) unterweiſe uns. 
Wenn du etwas wilſt im Himmel, laß das auch alſo geſchehen 
auf Erden. Gieb uns heute unſere Speiſe. Zoͤrne nicht, 
weil wir untuͤchtig, und dir ungehorſam geweſen find. Die 
auf uns zuͤrnen, auf dieſelbe zuͤrnen wir nicht. Vertheidige 
uns vor dem Teufel, was nicht taugt, laß uns nicht beruͤh⸗ 
ren. Himmel und alle. Dinge gehören dir. Du biſt groß 
und preis wuͤrdig allezeit. Amen. 


Groͤnlaͤndiſch. 
Gudib Nianga Okatuctah. 


Attätona killae métoch acket ofourrogle tähullmie, 
Gudic pienic In „ okaluctah illignie ajokarſatigut, 
ne alla 

93 | 


318 Anhang. 
killac-me pekufarangovit, nunametog tameikille, ullame 
mamanic tynifliut, Ningackinec ajoruta illignut iner&is 
faügura, uaptinut ningacſatut ningis ingilacka, Tongarfumit 
ſarnuctigut, ajor&tor fomich piſſauneta. Killac atlemicto 
tomarmic piſit angeſor ſuotit ofournak äutitlo ipſaliame. 


Amen. 1 i 55 
NB. Vater uuſer kan gar nicht Wort für Wort uͤberſetzet werden. 


Ein Gebet, a 
Worinn die Grönländer ihre Unwiſſenheit und 


Wahnſinnigkeit Gott dem Herrn 
re vorſtellen. 


: Duaͤniſc . 
Saaledis ſkall i bede till Gud. 


O! Gud, du er ſtor, du har giort Himmelen og Jorden 
meget herlig. Vi Kalaler, ſom boer her udj Landet, hvorfo⸗ 
re ere vi ſaa galne? Gud Himmelens og Jordens Staber 
kiende vi iche. Dußgifver os mad five Foͤde, men vi vuͤde iche 
fra hovem det kommer. Vi tacher iche Gud. Saaledis ere 
wi luͤge ſom de ufornuͤftige Diur, fordi wi iche tenche paa 
Gud. Naar wi ere dode, veed wi iche hvor vi kommer hen. 
Nu foͤrſt hafrer wi hore af Praͤſten. Fordi vi ere uduelige, 
og iche kiende Gud, og elske Guds⸗Soͤn Jeſum Chriſt, ſom 

er dod for os, ſkall hand henkaſte os till Diefvelen. O! Gud, 
du er flov. Fordi du yuchis ofver os, og iche ville, at vi 

flkall kome till Diefvelen. Da hafver du befallet dine Praͤ⸗ 
ſter, at die ſkulle komme hid, og fortelle os om Himmelens 
Slaber. Vi ere elendige, farbarme dig ofver uns. Vi ere 
galne, gioͤre os Klage. Diefvelen vil tage es, men frels du os 
fra Difvelen. Lad os Gifre agt paa Praͤſtens tale. OGud! 

du er ſtor. Lad os elske dig, fordi du er ſtor. Lad os frygde 
dig, fordi du er vorskrechelig. Og fordi du har ſagt, at de 
ſom iche frygte og elske dig, (fall du kaſte til Diefvelen i Hels 
vede. Paa det, ſidſte naar vi dor, da gior os igien lefvende, 
og lad os komme till dend udodelig Himmell. ag 


Dieutſch. 
Also ſollet ihr zu Gott beten. | 
O Gott! du biſt groß, du haft Himmel und Erde ſeht 


vorrlich gemacht. Wir Kalaler (auderwaͤrts ſtehet 15 | 
„ VFL nacher 


I 


Anhang. e 


nacher, in Groͤnland Kablunet) die hier im Lande wohnen, 
warum ſind wir ſo unverſtaͤndig? Gott des Himmels und der 
Erde Schoͤpfer kennen wir nicht. Du giebſt uns Speiſe, aber 
wir wiſſen nicht von wem fie komme. Wir dancken Gott 
nicht. Alſo ſind wir den unvernuͤnftigen Thieren gleich, denn 
wir dencken nicht an Gott. Wenn wir ſterben, wiſſen wir 
nicht wohin wir kommen. Nun haben wir zuerſt gehört von 
den Prieſtern. Weil wir untuͤchtig ſind und Gott nicht ken⸗ 
nen, auch Gottes Sohn Jeſum Chriſt nicht lieben, der fuͤr uns 
geſtorben iſt, wird er uns zu den Teufeln hinwerffen. Ach 
Gott! du biſt groß, denn du herrſcheſt über uns, und wilſt 
nicht, das wir zum Teufel kommen ſollen. Da haſt du befoh⸗ 
len deinen Prieſtern hieher zu kommen, und uns zu erzehlen 
son des Himmels Schöpffer. Wir find elend, erbarme dich 
über uns, wir find unverſtaͤndig, mache uns klug. Die Teu⸗ 
fel wollen uns nehmen, aber befreye du uns von den Teufeln. 
Laß uns acht haben auf der Prieſter Rede. O Gott! du biſt 
groß. Laß uns dich lieben, weil du groß biſt; laß uns dich 
fürchten, weil du erſchrecklich biſt; und weil du geſaget haft, 
daß du die, ſo dich nicht fuͤrchten, noch lieben, wilſt zu den 
Teufeln in die Hoͤlle werffen. Endlich, wenn wir ſterben, ſo 
mache uns wieder lebendig, und laß uns kommen in den un⸗ 
ſterblichen Himmel. 79 ig 


Groͤnlaͤndiſch. 
. Taima Gudimut okalyſſuſe. 


Gudna angekatitit, killac Nunalo ajungiſorſuamic fe- 
noet. Uagut kalale (alias kablunet) mane nunameerut, 


Taaog filleropout? Gud. killab Nunalo Senarfoc illiferaingi _ 


ſilut. Nekichſanic tyniſſiut, kimit nelloärcput. Gudintut 
kyangaſa ingilagut. Nerſutit fillaikangi tamac pout, Gudi- 
mut eckarſaringimuta, togokuta ſumat nelloarcput aitheit 
Pelleftemit tuſſarepout, ajorouta Guditog illiſeraingineuta, 
neglifaringautago Gudib Nianga Jefus Chrift naptinut ſo- 
kofoc Tongarfumut egiffoatignt. Gudna angekaurit, nap- 
tinut umafat merigut I ongarſum utlo pekuſa tangi meligut, 
Pelleſtit tamave ineppei kalalemut killac Senarſomic oka- 
lukulluit. Pia ragült, umac ſartigut ſilleropaut, ſillac car- 
lig fiut. Tongarſuc pie moatigut. Ibtile Tongarſumit ſar- 
niutigut. Pelleſtib okaluctàh nallecta. Gudna! neglilagit 
angekangoit, exiellagittog exignakaugoit, okarngittog illig- 


nut 


LÅN 


ja EGE 0 


nut exiågilut negliagiſutlo Tongarfuc ignamut egiffger. ne- 


fa tockogüta, umatitigut, killae mutlo tockoskaungiſome 
illignut pillat aeit. i \ N; | 


Extract aus einigen kleinen Geſpraͤchen, die 


der ſel. Herr Egedes, um die Grönländer ihrer 


Unſinnigkeit und kuͤnfftigen Heymath zu 
2 ce über fuͤh ron, aufgeſetzet. e 


„ 1 


Vi Kablunacher vare i beghndelſſen liegeſom van bitti⸗ 


ge, ſom vi og vige flet intet af Gud. Men der Gud ſente 
ſine Praͤſter til os, ſom undervuͤſte os om Gud Himmelens 
Slabere, da troede vi alleſamme pad Gud og gefve flittig agt 
paa Perſterins undersvuͤſeing, og endun elsker vi Gud og 
fkall og altid elsker hannem. J feer at vi morgen og aften 
lofve Gud, disligiſte, naar wiſ kall faau Mad, og ofter vit vi 
har faaet Mad, lofber og tacher vi Gud for Maden og Naͤ⸗ 


ringen. Hver ſiufvende Dag holde vi hellig, og arbeyhde in⸗ 


tet, men lofber Gud dend ganske Dag. Bi adlyde ochſaa 


Gud. Derſom vi iche ſaa giorde, da kunde vi iche kommer 


til Himmelen. Vill i nu og faa komme til Himmelen, hoor 
i aldrig ſkal doͤr, da er det iche noch at troe. J mage och 
faa lofbe Gud, Himmelens Slabere morgen og aften ligſaa 
vi. I ſkall altid tache Gud for hand gifver Eder Naͤring. 
Og naar i fett is Naͤring, du ſkall i bede Gud der om thi al⸗ 
ting hoͤr hannem till. Men hine Augekut lad farn, troe iche 
hand de figer, fordi de dur intet, men ere Loͤgnere. Naar dend 
Ide Dag kommer, da ſkal i intet arbeide giore, thi Gud holt 


op dend Dag, der hand haf de ſkabt Himmel og Jordot. J 


ſkall ligeſaa vi lofve Gud dend ganske Dag. J ſkall tache 
hannem. at hand har giort Eder vorſtandige, allermeſt ſkal i 
tache hannem, at hans Soͤner blefben Menſke og doͤd for 
Eder, paa det i iche ſkulle komme til Diefvelen. Derfor elſk 
Guds Son igien. J ſkall frygte dend forſ krechelige Gud, og 
fortorne ham iche. Men fordi i iche giore ſaaledis, da kandi 
iche heller komme til Himmelen, men Diefvelen ſkall tage E⸗ 
der, Thi allene de ſom frygte og elske Gud, ſkall komme til 
Himmelen⸗ | 1 5 


W 


NR r Be 


Anhang. | gar | 


Deutſch. 
i §. 9. 
Wir Groͤnlaͤnder waren anfangs gleichſam unſinnig, l. 


unvernuͤnftig, wie wir auch von Gott ſchlechterdings nichts 
wuſten. Allein da ſandte Gott ſeine Prieſter zu uns, welche 


uns unterwieſen von Gott dem Schöpfer des Himmels. Da 
glaubten wir alleſamt an Gott, und gaben fleißig acht auf 
der Prieſter Unterweiſung, und anfetzo lieben wir Gott, und 
wollen ihn auch allezeit lieben. Ihr ſehet, daß wir Mor⸗ 
gens und Abends Gott loben, imgleichen, wenn wir wollen 
eſſen, oder wenn wir gegeſſen haben, daß wir Gott loben und 


dancken für die Speiſe und Nahrung. Jeden ſiebenden Tag 


halten wir heilig und arbeiten nicht, ſondern loben Gott den 
gantzen Tag. Wir verehren auch alſo Gott, wofern wir ſo nicht 
thaͤten, ſo koͤnten wir nicht zum Himmel kommen. Wollet 
ihr nun auch alſo in Himmel kommen, wo ihr nimmer ſter⸗ 


ben werdet, ſo iſt es nicht genug ſolches zu glauben. Ihr muͤſ⸗ 


fet auch alſo Gott den Schöpfer des Himmels loben Morgen 


und Abends wie wir. Ihr muͤſſet Gott allezeit dafuͤr dancken, 8 
das er euch Nahrung giebet. Und wenn ihr Nahrung zu 
euch nehmet, fo ſollet ihr Gott dafür dancken, dem alles zus _ 


gehörig iſt. Aber euern Angekut laſſet fahren, glaubet nicht, 
was fie ſagen, denn fie taugen nichts, ſondern find Lügner. 
Wenn der 7de Tag komt, fo ſollt ihr keine Arbeit thun, indem 
Gott auf den Tag haͤlt, der Himmel und Erde erſchaffen hat. 


Ihr ſollt wie wir Gott loben den gantzen Tag. Ihr ſollt im 


danken, daß er euch verſtaͤndig gemacht hat, allermeiſt ſolt 
ihr ihm danken, daß ſein Sohn Menſch geworden und fuͤr 
euch geſtorben iſt, auf daß ihr nicht fahren muͤſſet zum Teu⸗ 
fel. Darum liebet Gottes Sohn wieder. Ihr ſollt fuͤrchten 
den erſchrecklichen Gott, und ihn nicht erzuͤrnen. Aber weil 
ihr ſolches nicht thut, ſo koͤnnt ihr um ſo weniger in Himmel 


kommen, ſondern der Teufel wird euch hohlen, allermaſſen 
nur die allein, die Gott fürchten und / lieben, zum Himmel kom⸗ 


men werden. j 8 59 
Groͤnlaͤndiſch. 
9. a“ 


Uagut Kablunet fiurlamic ſorlo illipſe. Gud killao fenar- - 


ſoc nelloacpùt, Gudib Pelestit uaptinut pammera, killac ſenarſo- 
mic uaptinut okarmerà, fave, tamauta Gudimut oppecpout a 


— ØR 


N 


ftib okalugå nelläcpaput Sulletog Gud neglipout, negliſſoacput 
ipfaliome. Teckufarafe uagut ullakut unukullo Gudimur ofou- 
garigut mamma torrugta tamaitaräguttog, neRichfänic tyniflarane _ 
gatigut. Ullu arbone marluugopeta ſeniſſaringilacput. Gud kis= 
het, ullac tomait oſourarägut. Gudimutlo inerctoorägut. Tä- 
meinikuta killacmut ajyfloalloacpout, killacmut tocko ſockangi- 
Tome piomoüfe, oppernankiſſima nomangilach, Gudimut Killac 
Senarfoc.ofouroifufe, ulläkut unnuk ullo ſorlouagut. Ipfalioc_ 
Gudimut Kyanaifufe, nekichſanic tynnimmaſe. Nekichſanic pe- 
kangifa nangeufo Gudimut tüchſieiſſuſe, tomäfe piangagit. An- 
gekutte ſeiglotörſuit allakit, okalucta opperriaunece ajortneta ſe- 
iglömetog. Ullu arbone marlangöpeta ſeiſſaunece, Gud ſoramat᷑ 
killac Nunalo innermagit, ſorlo uagut ulloc tameit Gudimut ofo- 
urroifüfe. Kyanächfiuch Sillalimic fenemmafe nekichfanic tyn- 
nimmaſe. Akfut Gudimut Kyannaiſuſe Nianga innungumet il- 
lipferiutlo tockomet Tongarfucmut peckongikullüfe. Gudib 
Nianga tave akſut neglifiuch. ‚Gudimut imma exignakau exigiſ- 
foarfe ningiflariainogo, taima pilfarangineufe, Killacmut ajyſ- 
füfe Tongarſumutle piſſuſe. Kiſſiet Gudimut exitut negligtutlo 
Gudib Niang Jeſ. Chr. Killiacmut piſſaput. ae 


Daͤniſch. 
| 10. , ge 


Og ſom i vuͤde flet intet af Gud og Skaberen at fige; 
da ud velger i andet ſom iche duer. J troer paa det fo fale 
dede Angonchſach, og mener at det er noget koſteligt og at de 
ſom ſodaant har ſkall bliefve helbred og iche fattis Naͤring, 
men haføde i vill, da forffaer i vell at ſaadunt duer intet. 
Thi hvor til ſkal et gamle ſtoͤche traͤer, been, Fuglekloer og 
andet ſaadant Lumperie meer? J ſeer jo dat et duer intet, og 
fand iche helbrede. Men ſodaent bruge i, fordi i vuͤde inter 
af Gud. Hander dent allene ſom gior Eder helbreed naar 
i ere ſiuge, og at i hafve Naͤring, dat kommer altſam men fra 
Gud. J troer ochſaa hins Angekut og Loͤgnere, endog i vell 
veed at duer intet. Hvor fore Hexer da iche an Dagen, og 
naar det er lyſt, fan kant vi fee det. Men for di de lyfver, 
de hexer de allene i moͤrchet og de ſiger de: Vi hafver vaͤret i 
Himmelen og talt med Tongarſuch. Men de lyfver ufor⸗ 
ſkammet, thi vi veed noch, hvor de Loͤgnere bar fig ad. See! 
dend ſtore Gud i Himmelen vill nu iche at J. ſkall hexe, hand i 
blifver ellers meget vreed paa Eder. Hand vill iche heller af 
i ſkall troe de Angekut og Loͤgnere. Men naar i fattig Når | 
ring, eller ere foage da ſkall i allene bede till Gud, thi hand 
hi | „ e 


„ 


Anhang. 323 


er megtig, og ſkall gifre Eder Naͤring og helbreed. Derſom 
i troer og elsker ham og paakalder ham. Derſom i iche gioͤr 
det de ſkall hand iche gifre Eder Lifvs oxhold, og naar i ere 
fod, ſkall hand henkaſte Eder til Diefvelen udj Helvede. Lad 
fee at i engang blifver klege og kaſter Saadan uduelig ting 
fra Eder og troer allene paa Gud. Derſom i iche lader af at 
hexe, de ſkall vipaa fud ſtningen ſlan Eder ihiell, og eydde 
Eder udaf Jorden; thi Gud her befallet os at ſlae ſaada⸗ 
ne Angekut og Lögnere ichiell. Hvor til ſkall ſaadanne gal 
ne Mſker, ſom iche troer paa G. deris Skabere, men troer 


Diefveln fon ſkall pine dem i Helvede. 
Deutſch. 
. 


And wie ihr ſchlechthin nichts zu ſagen wiſſet von Gotk 
Und dem Schöpfer, fo waͤhlet ihr das andere aus das nichts 
tauget. Ihr ſetzt euer Vertrauen auf das ſogenannte Ango⸗ 
achſach, und vermeinet, daß es was koͤſtliches ſey, und daß 
derjenige, der es hat, werde geſund werden, und der Nahrung 
nicht ermangeln, ſondern erlangen was ihr wollet, ſo wiſſet ihr 
wohl, daß ein ſolches nichts tauge. Denn wozu ſoll das alte 
Stuͤcklein Holtz, Knochen, Vogel⸗Klauen und andere derglei⸗ 
chen Lumpereyen mehr! Ihr ſehet ja, daß es nichts al e 
und nicht kan heilen. Aber dennoch brauchet ihr es, weil! 
von Gott nichts wiſſet. Er iſt derfenige allein der euch gem 
ſuͤnd machet, wenn ihr france ſeyd. Und daß ihr Nahrung 
habt, das koͤmmt alles von Gott. Ihr glaubet auch ſo euern 
Angekut und Luͤgnern, ob ihr gleichwohl wiſſet, daß fie nichts 
kaugen. Warum hexen dieſelbe nicht bey Tage, und wenn es 
licht iſt, da wir es ſehen koͤnnen; aber weil ſie luͤgen, ſo hexen 
fie alleine im Dunckeln, und alsdenn ſagen fie! Wir find im 
Himmel geweſen und haben mit Tongarſuch geſprochen, aber 
ſie luͤgen unverſchaͤmt; denn wir wiſſen genug, worauf dieſe 
Luͤgner ſich verlaſſen. Siehe! der große Gott im Himmel 
will nun nicht, daß ihr hexen ſolt, ſonſt wird er ſehr zornig 
auf euch werden. Er will noch weniger, daß ihr den Anger 
kut und Luͤgnern glauben ſollet. Sondern wenn ihr Leibes⸗ 
Nahrung erhalten wollet, oder ſchwachſſeyd, fo ſolt ihr bloß ale 
lein zu Gott beten; denn er kan und will euch eure Nahrung 
und Geſundheit geben. Wa e vertraue und en 
1 | I 


324 | Anhang. 


ihn, und ruffet Ihn an. Wofern ihr dieſes nicht thut, ſo wird 
er euch euren Leibes⸗Unterhalt nicht geben, und wenn ihr der⸗ 
einſt ſterbet, euch wegwerfen zu den Teufeln in die Holle. Laſ⸗ 
ſet ſehen, daß ihr einmahl klug geworden ſeyd, und werfet 
ſolch unnuͤtzes Zeug von euch weg, trauet aber allein auf Gott. 
Denn, wo ihr nicht ablaſſet vom hexen, ſo werden wir euch 
zuletzt todt ſchlagen, und euch ausrotten von der Erben, in bes 
tracht Gott uns befohlen ſothane Angekut und Luͤgner zu toͤd⸗ 
teu. Worzu ſollen ſolche naͤrriſche Menſchen, die ihr Ver⸗ 
trauen nicht auf G. ihren Schoͤpffer ſetzen, ſondern auf die 
Teufel, die fie peinigen werden in der Hoͤlle? å 


Groͤnlandiſch. 


16. 
Killac fonärfomic Nelloeuſo, tave atlenit ajorctut piſſarau- 
fæ. Anchoachmut opperraraſe, Ifumaaräfe ajungilao tameitunic 
pekartut kaitſiſſaput nekichſanic pekait ſaput. Sillackarruſe, nel- 
lyffingi kalloacpiſe angoach ajutorſovoch, keſùch uttokarchfuach 
Ungmiſſit Iſegei, Kuckei, tamaitunic atlemigto füuchfee ajormeta, 
kaitſonec ajoaràut. Taimale piſſarauſe, Killac, ſenarſoc nelle cu- 
ſiuo, Tauna ajungilac, Kaitfoarängeufe nekich fakarangeufe. Gu- 
dimit kisſiet piſſaraut. Angekuf lo ſeigto torfuit opper rarase 
nellongikal loåcpife ajnput faaogme Kävome tuogiſſaringilet tåve 
teckon ajungilacpüt feiglemeta taafaranget tongiffaräut, raveoka- 
luaraut, Tongarfumut okaluppaput, killacmut pyout,nellongilac- - 
put feiglotörfuit. Aitta! Gud nallegärfuach pouna exignatorfu- 
ach männa tongackungiläfe nıngackennoäfe. Augekutmutlo op- 
peckungiläfe feiglokängera, ajorctommeta, nekichfanie pekangi- 
ſaraugeuſe, nepachfimarangeufe Gudimut Kiſſiet tuchſièiſuſe. 
Tauna ajungilac nekichſanie tynnyſſoaſe nepachfimarängeufe kat- 
fifloåfe operrufe negkatigo. Tamainikuſe mekichfänic tynniſſin- 
gilaſe, tocköife Tongarſumut egifléafe. Attäute! fillackarnia- 
reitle aſorctut egiekit, Gudimut kiffiane opperreutſe. Tongia- 
mic ſorangikuſe kefa tockys ſoärſe. Nunamit nungifloafe Gud 
innemmetigut Angekut Tongarfutlo tockokullüit. Suchſacka in- 
nuit tamaitut fillackängifut, Gud fenarfomic oppingiſut, Tongar- 
iumucle kiffiane opperrarauùt, tauna ignameoyſloaſG. 


\ i / 


if 7 


NE. 


Anhang. 325 
ce 
GE NES EOS. 

Ap. I. 
lig ARE N 
Siwilamic Cud fon Killac Nunalo. 


Nunatog erov ‚archr pinneitſoarſuach taätorfovoch imae 
nd Tave Gudib Anarfah Era imac kolane. 


- 


ag | 
Guditog okarpoc: kamareit tave Katımapoe. 


— 


WE 
Gid tekoå kåvoch ajungi forfuvoch. Gudicop kavoch 
damit auvixapà. 


v. 5. 


Guditog kåvoch aitferpä ülloch, taächlo aitſerpà Un- 
nuach täve urinupoc kaulupoclo ullogh Siurlech, 


v. 6. 


Gud okarpoc åmma : ne teffilarte : ya e. aus. N 
2 ſonskrotznen) ermit auv ikilluo. 


; É v. 7. 
Tave ud æn teffiliach immane, - auvigåpoclo i imåc, 
teſſiliach attane, immåmit teſſiliach kolane, tave tameipoc, 
v. 8. h | 
Guditog aitferpå teſſi Hach, Killac, täve unnupdc kau 
lapoclo, ulloch aipa. | 


v. 9. 

"Gud okarpoc amma. Esmit killac attåne attauſimut 
ekittarlit (i. e. laß verſammilet werden auf einen Hauffen.) 
pennantoc nuiackulluo tàve tameiſſoc. 5 


VO: 
Guditog pennacrach aitferpa Nüna, kaufocfoch aitfer- 

på imac. Gudirog teckoa ajungiforfüayoch. | 
* 3 | v. II. 


326 Re Anhang. 


v. II. 

ud W e amma : Iguit opiitlo Nunamit aglirlit, 
läve tämeipoc (was kann geben ſaat und tragen fruͤchte 
nach ſeiner Art ꝛc. muß vorbey gegangen werden, weil ich 
bis dato noch kein Wort weis, daſſelbe ausgubeliehen.) / 


V. I2. 


Nuna mittog iguit opiitlo Brig ae God 
top teckoà ajungiforfuvoch. 


v. 3. 
Unnupa Kaulapoclo ulloch pingajuvä, 


; v. 14. 

Gud okarpoc amma : Killac me Kiblarlit, ulloch uns 
nuamit aurochlo okiochmit auvixilluit. (cer ward Licht 
am Himmel, zu unterſcheiden Tag und Nacht, Sommer und 
Winter; anders kann ichs noch nicht heraus bringen.) 


V. If. 


| Kiblakulhit killac me, Nuna mutrog kaumakulluit; å 
tåve e 8 É 


' vn. | 
Gud fenoa Kiblürfuit marluc, Kiblarfoch —‚„ 


Kiblakülluo ullüme, Kiblarfoc DIS Kiblakulluo uns 
miachme ulluereſitie 


V. Ty. * 0 ' 
Gudicog Killiacme erer&tepei eee Bauen ee 
V. 18. 


Kiblakalluit ullukut unukatlo, auvixilluit tog kavoch 
taämit. e teckoa ajungiſorſuvoch. 


e 
Tave unnuc poch Kaulapoclo ulloe ſiſſemj. 


. 


V. 20. 


Gud okarpoc amma: Immane mtr amerleſorſuatt i 
gurlit, Tingmifhllo 1 „ Nilas ee i 


BARA ERE en 
ud fenoa arbacfuit umarfutlo amarlekanet immåne, 
| tingmirGele”, Gud 1 ejungiförfuvoch, 


N | 


v. 25 i 


re ir 
7 


Anhang. Be 327 


7 


N V. 22. | 
i Guditog velfigniei, okarpigeitog, amatleſorſuangaritſe 
immane tingmirſitlo amarleforfuangaritfe Nuname, _ 
i V. % | i 
Tavé unnupoc Kaulapoclo, ulloch tellim an. 
5 A V. 24, I | 
Sud, okarpoc amma: Nerxſutit amarlekaut Nunames« 
lit umarſut atlemiclo fare tameipoe. | | 
i i e 
Guditog ſenoa nerſutit nuname Umarfutlo uvigich nu- 


i name, (i.e. allerhand lebende Thiere; auf Erden,) Guditog 


teckoä ajungiſorſuvoch. 
f v. 26. 0 


— Gud okarpoe amma : Seniagtatä} innuhmic Vagut ar- 
ſignic, nattigak ulluo auliſauketmut immäne, Tingmirfit« 
mutlo nerſutitmutlo umarſutmutlo tomarmic nuname, 
Ir er V. 27. ; 3 
Guditog fenoå inmich, Gud aſſingamic, Augut attaufe 
agnah attauſe ſenei. 
| V. 28. vi 


Guditog velfigniei okalybbieitog, amarleforfuangaritfe 


Nuname aulifauketmut, immane Tingmirſitmutlo. Killac | 


attane, neffutit mutlo tomarmic nuname nalligaritfiich. 
| | \ 


ag 
- Gud okarpoc amma: Aitta iguit opiitlo namactut ty- 
niarſe, måmac ſarſe (i. e. alle Kräuter und Holger, wovon 
man eſſen kann) das uͤbrige kann ich den Worten nach nicht 
aus druͤcken. | en 
v. 30. 1 
Neſſutit tomarmic nuname tingmirſitlo Killac atlane 
atlemiclo umarſut nuname iguit mamangiſut, (i. e. Gras, 
das von Menſchen nicht kann gegeſſen werden,) tyniacka 


tavè tameipoc. f 
j W 32. 


Guditog tomarmic feniffei teckoei, aitta, tomafe ajuns 
giſorſuaput, tave unnupoc Kaulapoclo ulloch arborec, 


\ 


e 


| EK 4 EVAN= 


\ a 15 NA 


328 a Anhang. | „ 
EVANGEL, IN FEST. ANNVNC IAT. 
Luc. I. v. 26. ſe qq. ; 


må 


Ko arbonetigamet, Gud Engelip Gabriel ornickoå, 
Galilæa Nazaretnut niviachfeifiamut Iofeph David il- 
loanit uviachfarroliå. Niviachfeifiab acka Maria. Enge- 
lip Mariamut ifarpoe okarbiatog. Aitta Gud nallegarſuach 
paumna illigne&poc Agnanit ajungiffyſſootit. (i e. Du 
ſollt werden herrlich vor andern Weibern,) Teckoamiuch 
tuppakaü okauſia exiga immenut iſumavoch: Okalucta tau- 
na konnoepä. Tave Engelip okarbia immenna; tuppaki- 
nech Gud akſut neglikangätit (d. i. Gott liebet dich febr.) 
Aitta, nartongyflodlit niangamic erniſſoòtit, aitſiſſoaet Je- N 
ſus, tauna angitliſſooch Gudib niangatog aitfıflovoch. Gud 
nallegarfuangiffokoa Jacob, Kittongeinut ipfaliome, Tauna 
nallegarfuamic ifua kaifjugulach „T’ave Maria Engelip okar- 
bia: Kannoc piflonüga uvia kanginnamä Ackyä okarbiatog 
Gudib Anarfah tarreiſſoatit. Tave tauma eruet ajungifoch 
(dein herrlicher Sohn) Gudib nianga aitſiſſooch. Aitta, Eli- 
ſabettog illoet agnakoechfeifia, narfüvochlog Angumic, 
tackama kaumet arbonengopoe nartuvoch nartungiſoch 
unaraet. Gui tomarmic ajorſingimet. Tave Maria okam 
; poc: Gud kibgaragma okågoit tamaikille, | 
Engelip tave kimacpa, 


. eo 98% 


FFF 
Regiſter. 


A. 


bra, wo er zu finden 214 
Amianthgebirge, Grönländifge und Siehe 165 


B. 


Balanus | 


Fe se warum ſie wieder aufgehoben werden 5 ' 


Fiſche in Grönland 184 
LES Fiſche 


Blut, ſcheuen die Fiſche 96 
reen, fo das Waſſer über die Flaͤche der uͤbrigen See 5 
15 

Brot, ſtatt deſſen 4 0 hk die Ißl. Stockfiſch 110 
Butzkopf | 225 
Cachelotten 8 We 65 % 208 
Clima, in Ißland e 115 
Legal, Ißlaͤndiſcher 8% 01 19 
RS haben die Handlung allein in Ißl. 132 
Delphin 227 
Donnerwetter, in Ißl. des SI ſtaͤrcker als uk Fame 
Dorſch N 95 
) E. j i: * | | 
Ebbe SÅ Fluth, wie ſie in Ißland beschaffen? 114 

„ wie in Groͤnland 164 
Ei ahorn, verſchiedene Nachrichten von diefem Fiſche 2 01 
Eis, wie lange es in Groͤnland dauert 162 
Eistheilchen, erfüllen die Luft wie ein Nebel 162 
Erobraͤnde . 8 

F. 4 

Falken, wie fie nach Daͤnemarck gebracht werden 4 
Feuerſpeyende Berge . 
Finnfiſch ) 106 


! 


| EN | 1 
Fiſche, darnach werden die Rechnungen geführt 330 


Fiſchhaͤfen und Steffen, | 129 
Flackfiſch dr | ES 
Gagates Be 21 
Gemürhsbefchaffenheit der Ibläͤnder f 1265 
Getraͤnke der Ißlaͤnder i 120 
Grieve, kritiſche Betrachtung des Worts 219 
Groͤnland, die erſten Dänifche Colonie daſelbſt 149 
Groͤnlaͤnder, Nachrichten von ihnen 236 
UArſachen warum fie fo friedlich unter einander leben 
2 2 
2 4 verachten die Daͤnen c a 
» s wiffen von keiner Religion 0 eee 
„„ Muthmaßung von ihrer Abkunft b 2283 


Hamburger, haben s vor Sorten mig Ißland shi. 155 ; 
Handlung der Groͤnlaͤnder ii | 
Hayfiſch 

Heering, Nachrichten von ihm und dem baue fd. . 1 5 | 
Heimwehe der Ißlaͤnder 

1 Ableitung des Worts si BL lg 125 


en, der Ißlaͤnder | ee 
der Groͤnlaͤnder UN MØG 

1 5 Ableitung des Worts 123 
Hoͤrner, Urſachen warum ſie dem Rindvieh in dünn man⸗ 
geln, da die Schaafe damit verſehen ind 34 


I % HAR 
Jagd der Grönländer . 261 
Jahrszeiten, nur zwo in Ißland | e 
Inſekten, was fuͤr welche in Ißland a e 
leekel, Ieckul Ißl. we BE 


Joͤtelgut 5 j 
Srrlichter, haufig im Winter 
Ißfland, Lage und Groͤße 
Bland, ift nicht ſonderlich bewohnt 
dem Erdbeben unterworfen 
voll Schwefel 
| „ ? 


Regſſer 


R. | 
Kablau, Nachrichten davon 74 
Kälte, die groͤſte erſt im Aprif i „ * Mar ; 
Kinder, deren Alufersiehung in 100 5 117 
mere der Ißlaͤnder | 121 
Klippfiſch | vol 88 
Knotenfiſch 201 
Koͤhler, Koolfiſch e e a 91 
Kraͤuter, heilſame in Ißland fg 286 
Kranckheiten, wenige in Island 116 
E | | 
Labberdan 86 
Lachſe, wo fie in land gefangen werden 106 
Laſter der Ihlaͤnder | 136 
Lenge 387 
M. 


Maaße find in SEI. auf den Hamburgiſchen Fuß gerichtet 132 
Maͤuſe, ſterben auf dem Gottesacker des Kloſters We 107 


Makrele 94 
Mallemucke, Beſchreibung einer lebendigen 177 
Marmor ſoll in Ißland zu finden ſeyn 18 
Meerhund j 13 
Meerſchwein 5 Ben. 401 226 
Mineralien in Ißland ä an 85 


Muſik, der Groͤnlaͤnder 
warum die Menſchen ſie natürlicher Brig laben 266 


5 N. | 
Narhwal 201 
Nebenſonne | ze ah 128.104 
Nordcaper rl ig 96. 193 
Nordlicht | 5 102 

| EN 
Pflockfiſch a 200 
Politiſcher Zuſtand der Groͤnlaͤnder 269 
i G. å | 
Ovellen, heiße ikk . 170 
Raf, woraus er gemacht werde ) | 94 
Rechte in Ißland AM 1 139 


Regiment der planen 


Rue ”- 77 ER 


Rekel, woraus er gemacht werde eee 
Religion, fo in Ißland geduldet wird ee 
ihr Zuſtand nm land Mee AAL EN. 7 
Robben | | et. I 
Wehſchäer | „ e an ee 
Seat Art ſie in Ißland zu erhalten e 
Schell fiſch | 89 
Schlangen, warum keine in Illand ſind en 106 
Schwefel, zeln de d. che | 23 
vertreibt die Fiſche | 728 
Schwertfiſch 228 
See, entſteht ſtatt eines verſ. Berges, wobey sagte e dg an⸗ 
derer vertrocknet 6 
See, 10 fil jährlich entzündet 1% e 
Seebu | 5 5 105 
Seechen | MER ” 199 
Seehunde 8328 


Seewaſſer, bey Ißland ovale al fiefer herunter 114 

Sonne, wenn ſie in Ißland nicht untergeht 108 
iſt in Groͤnland auch am fürgofen age u ſchen 163 

Speiſen der Ißl. Art, ſie zuzurichten e 


Sperma ceti, wo zu finden 210. 212 
Sprache, Anmerckungen von der Ißlaͤnd. 140 
Grenläntiſchen 2238 
Steine, werden in warmen Laͤndern haͤrter a 18 
Sterne, einige fo den Groͤnlaͤndern bekannt 264 
Stockſiſch „ 
Thiere in Grönland ; 170 
Thran, kritiſche Beach dieſe Worts 99 
Arten deſſelben AO 2 


dienet ſtatt des Unſchlits, jur 
Todten, werden von den Geonfanpeen für unrein ann 


Tummeler NE, i pr 

' V, 8 
Veckſtern 8 169 
Vlaaren, Ableitung des Werts BE 
Voͤgel, in Ißland 40. u. f. 


in Groͤnland ns 12 
| | w. 


1 
Regiſter. 
W. | 

Waaren, ſo in Ißland aus⸗ und eingehen | 13t 

Wagenſchot, Bedeutung des Worts 12 
Wallfiſch, was ihn von andern unterſcheidet 186 
Arten deſſelben nebſt verſchiedenen andern Nachrich⸗ 
ten von ihm 188. u. f. 
Waufiſchfang, wie ihn die Groͤnlaͤnder verrichten 260 
warum die Holländer beſſer dabey fortkommen 
. als die Daͤnen 154 
Wallfiſchtödter 1 | 229 
Wallroß i | 230 
Weichſtein Ss AR 169 
Winde, deren Befchaffen heit in Ißland 113 
Wittfiſch e ; 224 
Wittling 89 


Wohnungen der länder VW 122 


ERRAT A. 


Pag. 148. lin. 8 det ganze Grønland, muß heißen det 
Gamle Grønland. muß heiß 


P. 151. im IV g. lin. 3 vor 60 io muß ſtehen 67 er 


/ 

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